Antimalariamittel
Ergänzend: DGRh Wechselwirkung 2023 · DGRh SLE 2025 · EULAR Schwangers 2024
Kurzfassung
- Präparat: Hydroxychloroquin bevorzugt
- Dosis: üblicherweise 200–400 mg/d, höchstens 5 mg/kg tatsächliches Körpergewicht/d; Anpassung an Organfunktion und Erkrankung
- Augen: Basisuntersuchung Monat 0–6; jährliche Kontrollen ab dem 5. Therapiejahr nach DOG 2025, bei Risikofaktoren bereits ab Beginn; FI: Kontrollen vor Beginn und alle 3 Monate
- Risikofaktoren: erhöhte Dosis, Niereninsuffizienz, Tamoxifen, relevante Makulaveränderungen
- Muskulär/kardial: CK/LDH vor Beginn und alle 3–6 Monate – DGRh 2020; bei Auffälligkeiten gezielte Weiterdiagnostik
- Wechselwirkungen: Azithromycin meiden; Tamoxifen laut FI nicht empfohlen; weitere Interaktionen
Dosierung
- Hydroxychloroquin: üblicherweise 200–400 mg p.o./d; Grenze ≤5 mg/kg tatsächliches Körpergewicht/d
- Zwischendosis: alternierende Tagesdosen möglich, z. B. 200/400 mg im Wechsel = durchschnittlich 300 mg/d; mittlere Dosis an Gewichtsgrenze anpassen
- GFR <30 ml/min: DGRh 2020 höchstens 3 mg/kg/d; reduzierte Gabe auch unter Dialyse möglich – Evidenz begrenzt / Expertenkonsens
- Lupusnephritis: DGRh SLE 2025 bei eGFR <30 ml/min/1,73 m² 50 % Dosisreduktion
- SLE: Basistherapie; langfristige Fortführung bei Verträglichkeit. Auswahl bei RA, Sjögren, kutaner Dermatomyositis und APS in den jeweiligen Therapieabschnitten; Sjögren/kutane DM/APS (Off-Label)
Augenärztliche Kontrollen
Zeitpunkt / Risiko: Untersuchung
Basis Monat 0–6 – DGRh 2020: Visus, Funduskopie, Perimetrie und OCT
Ohne zusätzliche Risikofaktoren: DOG 2025: jährlich ab dem 5. Therapiejahr; DGRh 2020: jährlich nach 5 Jahren Einnahme
Erhöhtes Risiko: Jährlich ab Beginn; bei neuem Risikofaktor Kontrollplan anpassen
Neue Seh-/Lesestörung: Zeitnahe augenärztliche Abklärung unabhängig vom Intervall
- Risiko: GFR <60 ml/min, HCQ >5 mg/kg/d, Tamoxifen, relevante Makulaveränderungen; höheres Alter bei Beginn zusätzlich nach AAO 2025
- DOG 2025: objektive Untersuchung bevorzugt, primär OCT; bei Verdacht Bestätigung mit zweiter objektiver Methode, z. B. Fundusautofluoreszenz (FAF) oder multifokalem ERG
- DGRh 2020: mindestens eine subjektive und eine objektive Methode, üblicherweise Perimetrie + OCT
- Perizentrale Veränderungen: Untersuchungsfeld über die zentrale Makula hinaus erweitern, besonders bei entsprechender Herkunft/Retinopathieverteilung
- Bestätigte Retinopathie: HCQ zeitnah absetzen; rheumatologische Ersatztherapie festlegen
Myopathie und Kardiomyopathie
- DGRh 2020: CK und LDH vor Beginn, danach alle 3–6 Monate; Empfehlungstabelle, Evidenz überwiegend aus Beobachtungsdaten
- Verdacht auf Myopathie: neue proximale Schwäche, Dysphagie oder persistierende Muskelenzymerhöhung → CK/LDH, ggf. Aldolase, EMG; bei Bedarf Muskelbiopsie einschließlich Elektronenmikroskopie
- Verdacht auf Kardiomyopathie: neue Herzinsuffizienz, Erregungsleitungsstörung oder ventrikuläre Hypertrophie → EKG, Troponin I, BNP, Echokardiographie; ggf. kardiale MRT/Biopsie
- Verdacht auf HCQ-bedingte muskuläre/kardiale Toxizität: HCQ absetzen und Ursache abklären
Konkrete Unterschiede zur Fachinformation
Geprüfte deutsche HCQ-Fachinformation: Stand November 2025, Abschnitte 4.2–4.5
Thema: Empfehlung / Fachinformation
Vorbestehende Makulopathie: DOG 2025: individuelle Beurteilung, keine generelle Gegenanzeige; geprüfte FI: kontraindiziert. Anwendung entgegen der Gegenanzeige (Off-Label)
Tamoxifen: DGRh 2020: jährliche Augenkontrollen ab Beginn bei Kombination; FI: Kombination nicht empfohlen
Dosierung: DGRh 2020 / DOG 2025: ≤5 mg/kg tatsächliches Körpergewicht/d; FI bei adultem SLE: initial 400–600 mg/d für einige Wochen, Erhaltung 200–400 mg/d; rheumatologische Dosis nach tatsächlichem Gewicht begrenzen
- Fachinformation produktbezogen: gleiche Substanz, teilweise unterschiedliche Gegenanzeigen und Kontrollvorgaben
Schwangerschaft, Stillzeit und Impfungen
- Schwangerschaft: HCQ bei Indikation fortführen – DGRh 2020 / EULAR Schwangers 2024
- Stillzeit: nach DGRh 2020 / EULAR Schwangers 2024 kompatibel; FI: bei längerfristiger täglicher Gabe hoher Dosen, z. B. zur RA-/SLE-Therapie, Abstillen empfohlen – Reproduktion
- Impfungen: HCQ allein erfordert keine Impfstoffpause; zusätzliche Immunsuppression gesondert berücksichtigen
Quellen und Links
DGRh 2020: Sicherheitsmanagement der Therapie mit Antimalariamitteln in der Rheumatologie. Interdisziplinäre Empfehlungen auf der Basis einer systematischen Literaturrecherche. Fiehn et al.; Z Rheumatol 2020;79:186–194.
DOG 2025: Augenärztliche Screening-Untersuchungen bei Therapie mit Chloroquin oder Hydroxychloroquin. DOG/BVA/RG; S1-Leitlinie, AWMF 045-016, Juli 2025.
AAO 2025: Recommendations on Screening for Hydroxychloroquine Retinopathy (2025 Revision). Ophthalmology 2026;133:439–450.
DGRh Wechselwirkung 2023: Bewertung von Wechselwirkungen und Dosierungsempfehlungen von synthetischen DMARDs – Evidenz- und konsensbasierte Empfehlungen auf Basis einer systematischen Literatursuche. Fiehn et al.; Z Rheumatol 2023;82:151–162.
DGRh SLE 2025: S3-Leitlinie zum Management des systemischen Lupus erythematodes. DGRh und beteiligte Fachgesellschaften; AWMF 060-008, Version 1.2, 2025.
EULAR Schwangers 2024: EULAR recommendations for use of antirheumatic drugs in reproduction, pregnancy, and lactation: 2024 update. Rüegg et al.; Ann Rheum Dis 2025;84:910–926.
- DGRh Antimalaria 2020, englischer Volltext: Safety management in treatment with antimalarials in rheumatology. Interdisciplinary recommendations on the basis of a systematic literature review. Online 2020, Supplementdruck 2021.
Fachinformation abgerufen: 09.09.2026.
Diese redaktionelle Zusammenfassung unterstützt die fachliche Orientierung. Sie ersetzt weder die Originalleitlinie noch die ärztliche Entscheidung im Einzelfall.