Leitlinien Essentials

ANCA-Vaskulitiden EGPA

Diagnostik und Klassifikation

Klinik
Asthma, Rhinosinusitis/Nasenpolypen; Mononeuritis multiplex, pulmonale Infiltrate, kardiale Beteiligung
Labor
Eosinophilie; MPO-/PR3-ANCA; Kreatinin/eGFR, Urinsediment, Proteinurie
Herz
EKG, Echokardiografie, Troponin/NT-proBNP; kardiales MRT bei Verdacht
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Basisdiagnostik und Organstaging

  • BB/Differenzialblutbild, maximale dokumentierte Eosinophilenzahl; CRP/BSG, Kreatinin/eGFR, Urinsediment/UPCR
  • Hochwertige antigenspezifische PR3-/MPO-Immunoassays; cANCA/pANCA als Immunfluoreszenzmuster
  • HNO, Lunge, Herz, Niere, Haut, Augen und Nervensystem; CT Thorax und weitere Bildgebung nach Organbefund
  • Auch klinisch stumme Herzbeteiligung suchen; EKG, Echokardiografie, Troponin/NT-proBNP, ggf. kardiales MRT
  • Biopsie eines betroffenen Organs; Organ-/Lebensbedrohung → Therapiebeginn ohne Warten auf Histologie
  • Differenzialdiagnosen: parasitäre/andere Infektionen, hämatologische/eosinophile Erkrankungen, Malignität, Arzneimittelreaktion, andere Vaskulitiden

ACR/EULAR-EGPA-Klassifikationskriterien 2022 – Anwendungsvoraussetzungen

ACR/EULAR-EGPA-Klassifikationskriterien 2022 – Anwendungsvoraussetzungen berechnen

  • Klinische Diagnose einer Klein-/Mittelgefäßvaskulitis; Ausschluss von Mimics
  • Im Verlauf dokumentierte Items; keine Beschränkung auf den aktuellen Befund unter Therapie

ACR/EULAR-EGPA-Klassifikationskriterien 2022

ACR/EULAR-EGPA-Klassifikationskriterien 2022 berechnen

Item Punkte
Maximale dokumentierte Eosinophilenzahl im Blut ≥1 × 10⁹/l +5
Obstruktive Atemwegserkrankung +3
Nasenpolypen +3
cANCA oder PR3-ANCA positiv −3
Extravaskuläre, überwiegend eosinophile Entzündung in der Histologie +2
Mononeuritis multiplex oder motorische Neuropathie ohne radikuläre Ursache +1
Hämaturie −1

≥6 Punkte → EGPA klassifiziert, sofern die gemeinsamen Voraussetzungen erfüllt sind. MPO-ANCA-Positivität bringt im EGPA-Modell keine zusätzlichen Punkte.

Therapie

Therapiebeginn
nicht organbedrohend, neu diagnostiziert → Prednisolon; organ-/lebensbedrohend → GK + Cyclophosphamid (Off-Label), alternativ Rituximab (Off-Label)
Unzureichende Wirksamkeit
rezidivierend/refraktär ohne Organbedrohung → Mepolizumab; Benralizumab als ergänzende zugelassene Option, DGRh 2025
organ-/lebensbedrohend, refraktär → Cyclophosphamid (Off-Label) ↔ Rituximab (Off-Label) im Zentrum
Deeskalation
GK-Zieldosis 5–7,5 mg/d Prednisolon nach 12 Wochen; bei Remission <5 mg/d bzw. Absetzen; nach Mepolizumab-Induktion Mepolizumab fortführen; nach CYC/RTX → Mepolizumab, MTX (Off-Label), Azathioprin (Off-Label) oder Rituximab (Off-Label); Erhaltungsdauer individuell, keine feste Mindestdauer
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Therapiebeginn

  • Nicht organbedrohend, neu diagnostiziert: zunächst Glukokortikoide
  • Organ-/lebensbedrohend: GK + Cyclophosphamid (Off-Label); alternativ Rituximab (Off-Label)
  • Asthma/CRSwNP: lokale/inhalative Therapie optimieren
Glukokortikoide (GK) · Prednisolon, Methylprednisolon · Therapiebeginn
  • Prednisolon: initial 1 mg/kg p.o. täglich; bei nicht organbedrohender Erstmanifestation maximal 80 mg/d
  • Organbedrohung: ggf. Methylprednisolon 15 mg/kg i.v. täglich für 3 Tage
  • Reduktion: 5–7,5 mg/d Prednisolon nach 12 Wochen; bei Kontrolle weitere Reduktion

Zum Steckbrief Glukokortikoide (GK)

Cyclophosphamid · Therapiebeginn bei Organbedrohung · (Off-Label)

Cave: Fertilitätsschädigung; hämorrhagische Zystitis

  • Cyclophosphamid i.v.: 15 mg/kg pro Puls, maximal 1,2 g; erste 3 Pulse alle 2 Wochen, danach alle 3 Wochen; meist 6 Pulse bei Ansprechen; (Off-Label)
  • Cyclophosphamid p.o., alternativ: 2 mg/kg täglich, meist etwa 3 Monate; (Off-Label)
  • Dosisanpassung: Alter, Nierenfunktion und Nadir; Mesna/Hydrierung: Begleitprophylaxe

Zum Steckbrief Cyclophosphamid

Rituximab · Alternative bei Organbedrohung / Erhaltung · (Off-Label)

Cave: HBV-Reaktivierung; schwere Hypogammaglobulinämie

  • Rituximab – Induktion: 375 mg/m² i.v. einmal wöchentlich ×4; alternativ 1.000 mg i.v. Tag 1 und 15; (Off-Label)
  • Erhaltung: wiederholte Gabe nach klinischem Verlauf; (Off-Label)

Zum Steckbrief Rituximab

Unzureichende Wirksamkeit

  • Rezidivierend/refraktär ohne Organbedrohung: Mepolizumab – EULAR 2022 / DGRh 2025
  • Benralizumab: ergänzende zugelassene Option; DGRh 2025: refraktärer Verlauf mit Asthma-/HNO-Aktivität oder hohem GK-Bedarf; EU-Zulassung 2024
  • Organ-/lebensbedrohend, refraktär: Zentrum; Cyclophosphamid (Off-Label) ↔ Rituximab (Off-Label)
  • MANDARA 2024: Nichtunterlegenheit von Benralizumab gegenüber Mepolizumab
IL-5i / IL-5Ri · Mepolizumab; Benralizumab (ergänzende Option) · Rezidiv / refraktärer Verlauf ohne
Organbedrohung
  • Mepolizumab: 300 mg s.c. alle 4 Wochen; rezidivierende/refraktäre EGPA; Add-on
  • Benralizumab: 30 mg s.c. alle 4 Wochen; rezidivierende/refraktäre EGPA; Add-on; ergänzende Option, DGRh 2025

Zum Steckbrief Organbedrohung

Deeskalation und Remissionserhaltung

  • Nach Mepolizumab-Induktion: Mepolizumab fortführen
  • Nach CYC-/RTX-Induktion: Mepolizumab, MTX (Off-Label), Azathioprin (Off-Label) oder Rituximab (Off-Label) nach Verlauf
  • GK: nach 12 Wochen 5–7,5 mg/d Prednisolon; in Remission <5 mg/d bzw. Absetzen; unter Mepolizumab ggf. schnellere Reduktion
  • Nach alleiniger GK-Induktion: niedrig dosierte Fortführung, ggf. Absetzen mit therapiefreier Beobachtung
  • Erhaltungsdauer: individuell; DGRh 2025: keine durch Studien belegte feste Mindestdauer
  • Rezidiv: erneute Induktion nach Organbedrohung
Methotrexat (MTX) · Remissionserhaltung · Alternative · (Off-Label)

Cave: CrCl <30 ml/min: KI

  • Methotrexat (MTX): initial 15 mg p.o./s.c. einmal wöchentlich → 20–25 mg/Woche; (Off-Label)
  • Folsäure: Supplementation zu MTX
  • DGRh Wechselwirkung 2023: Cotrimoxazol in antibiotischer Therapiedosis meiden; PJP-Prophylaxe mit 160/800 mg dreimal wöchentlich bei niedrig dosiertem MTX möglich; Interaktionen und Kontrollen
  • DGRh Wechselwirkung 2023: unter Penicillinen MTX pausieren; Metamizol und Probenecid meiden; weitere Interaktionen
  • Nierenfunktion – DGRh Wechselwirkung 2023: bei GFR ≤45 ml/min von MTX abraten; FI: CrCl 30–59 ml/min → 50 % der Dosis, <30 ml/min → kontraindiziert; Dosisanpassung

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Azathioprin · Remissionserhaltung · Alternative · (Off-Label)

Cave: Xanthinoxidasehemmer → verstärkte Thiopurinwirkung / schwere Myelosuppression

  • Azathioprin: 2 mg/kg p.o. täglich; Remissionserhaltung; (Off-Label)
  • Allopurinol/Oxipurinol/Thiopurinol: Azathioprin auf 25 % der Ausgangsdosis reduzieren; engmaschiges Blutbild
  • Febuxostat: Kombination nicht empfohlen

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PJP-Prophylaxe

PJP-Prophylaxe · Trimethoprim/Sulfamethoxazol · Unter RTX / CYC / relevanter GK-Exposition
  • Trimethoprim/Sulfamethoxazol: 160/800 mg p.o. dreimal wöchentlich oder 80/400 mg täglich; PJP-Prophylaxe
  • Niereninsuffizienz: Dosisanpassung
  • DGRh Wechselwirkung 2023: Cotrimoxazol in antibiotischer Therapiedosis meiden; PJP-Prophylaxe mit 160/800 mg dreimal wöchentlich bei niedrig dosiertem MTX möglich; Interaktionen und Kontrollen
  • Dauer: etwa 3 Monate nach letzter CYC-bzw. 6 Monate nach letzter RTX-Gabe; bei fortbestehendem Risiko länger

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Monitoring und Therapieziele

Klinische Aktivität, Organschaden und Infektion getrennt erfassen; ANCA-/CD19-Verläufe ergänzen die Beurteilung.
Blutbild, Niere/Urin und organspezifische Parameter engmaschig kontrollieren; unter RTX/CYC zusätzlich IgG.
PJP-Prophylaxe
DGRh 2025: >15 mg/d Prednisolonäquivalent über >4 Wochen, RTX-Induktion oder CYC
Impfungen und Fertilität vor intensiver Immunsuppression
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Remission und Verlaufsbeurteilung

  • Organaktivität: Asthma/CRSwNP, Lunge, Herz und peripheres Nervensystem; eosinophile und vaskulitische Aktivität getrennt erfassen
  • EULAR 2022-Remission: keine klinischen Zeichen/Symptome aktiver AAV, mit oder ohne Immunsuppression.
  • DGRh 2025 diskutiert ergänzend die ältere steroidbezogene Definition mit ≤7,5 mg Prednisolon/d. Dies ist eine obere Grenze, keine erforderliche Mindestdosis und keine Empfehlung, Steroide zum Erfüllen der Definition beizubehalten.
  • Bei aktiver Erkrankung engmaschig Klinik, Kreatinin/eGFR, Urinsediment/Proteinurie, BB, Entzündungswerte und organspezifische Parameter; BVAS kann Aktivität, VDI bleibenden Schaden strukturiert erfassen.
  • ANCA-Titer und CD19 allein steuern weder Eskalation noch RTX-Nachdosierung. Residualschaden und aktive Vaskulitis unterscheiden.
  • RTX/CYC: IgG vor und unter wiederholter Behandlung; bei RTX vor jedem Zyklus. Infektionen und mögliche verzögerte Zytopenien beachten.
  • Leukozytenkontrolle zum erwarteten Nadir, in der Regel 8–14 Tage nach CYC-Infusion; klinische/weitere Laborkontrollen zusätzlich nach Verlauf.

PJP-Prophylaxe

  • EULAR 2022: Trimethoprim/Sulfamethoxazol bei CYC oder RTX; auch bei geplanter GK-Therapie ≥30 mg/ d Prednisolonäquivalent über ≥4 Wochen; bei niedrigeren GK-Dosen zusätzliche Risiken berücksichtigen
  • DGRh 2025: Trimethoprim/Sulfamethoxazol bei >15 mg/d Prednisolonäquivalent über >4 Wochen, RTX-Induktion oder CYC
  • Dauer: etwa 3 Monate nach letzter CYC-bzw. 6 Monate nach letzter RTX-Gabe; bei Lymphopenie, Hypogammaglobulinämie oder weiteren Risiken länger

Infektionsprävention und Impfungen

  • Vor intensiver Immunsuppression aktive/latente Infektionen und insbesondere HBV prüfen; weitere Tests einschließlich TB nach Risiko und Substanz.
  • Impfstatus aktualisieren; unter RTX reduzierte Impfantwort berücksichtigen. Herpes-zoster-Indikationsimpfung mit adjuvantiertem Totimpfstoff ab 18 Jahren bei den definierten Risikokonstellationen.
  • Der entsprechende G-BA-Beschluss gilt seit 13.02.2026; GKV-Anwendung nach Schutzimpfungs-Richtlinie. Weitere Impfungen nach aktueller STIKO 2026, Lebendimpfungen unter relevanter Immunsuppression grundsätzlich gesondert prüfen.
  • GC-bedingte Osteoporose-, Stoffwechsel- und kardiovaskuläre Risiken behandeln; Fertilitätsprotektion vor CYC und reproduktionsmedizinische Beratung einplanen.

Dosisanpassung

Cyclophosphamid: Alter und Nierenfunktion

DGRh 2025: i.v.-Pulsdosis

Alter Kreatinin <300 µmol/l Kreatinin 300–500 µmol/l
<60 Jahre 15 mg/kg 12,5 mg/kg
60–70 Jahre 12,5 mg/kg 10 mg/kg
>70 Jahre 10 mg/kg 7,5 mg/kg
  • Kreatinin >500 µmol/l: individuelles Zentrumsschema
  • Weitere Dosisanpassung: Nadir und Toxizität

Quellen und Links

ANCA-Vaskulitiden GPA/MPA

Diagnostik und Klassifikation

GPA
persistierende Rhinosinusitis, blutige nasale Krusten; pulmonale Knoten/Kavernen; Glomerulonephritis
MPA
Glomerulonephritis; alveoläre Hämorrhagie/ILD; Purpura, Neuropathie
Labor
PR3-/MPO-ANCA; glomeruläre Hämaturie/Zylinder, Proteinurie, Kreatininanstieg
Bestätigung/Organstaging
CT Thorax, Urin/Nierenfunktion; Biopsie eines betroffenen Organs
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Basisdiagnostik und Organstaging

  • BB/Differenzialblutbild einschließlich Eosinophiler, CRP/BSG, Kreatinin/eGFR, Leberwerte, Urin mit Sediment und Proteinquantifizierung/UPCR.
  • Primär hochwertige antigenspezifische Immunoassays für PR3- und MPO-ANCA. cANCA/pANCA sind Immunfluoreszenzmuster; sie sind nicht mit den Antigenspezifitäten gleichzusetzen. Ergänzende Testung bei fortbestehendem Verdacht und negativem/unplausiblem Erstbefund.
  • HNO, Lunge, Niere, Haut, Augen und Nervensystem untersuchen; Bildgebung und Biopsie nach Manifestation. Organbedrohung umfasst beispielsweise Glomerulonephritis, alveoläre Hämorrhagie, kardiale Beteiligung, ZNS-Vaskulitis oder bedrohliche Neuropathie.
  • Histologie eines betroffenen Organs anstreben. Bei bedrohlichem Verlauf Therapiebeginn nicht bis zum Biopsieergebnis aufschieben.
  • Infektion, Malignität, medikamenteninduzierte Erkrankung, Anti-GBM-Erkrankung und andere Vaskulitiden ausschließen.

ACR/EULAR-GPA-Klassifikationskriterien 2022 / ACR/EULAR-MPA-Klassifikationskriterien 2022 –

ACR/EULAR-GPA-Klassifikationskriterien 2022 / ACR/EULAR-MPA-Klassifikationskriterien 2022 – berechnen

gemeinsame Anwendungsvoraussetzungen

Nur nach klinischer Diagnose einer Klein- oder Mittelgefäßvaskulitis und Ausschluss von Mimics anwenden. Die Items dürfen im Verlauf dokumentiert worden sein; keine Beschränkung auf die aktuelle Blutabnahme unter Therapie. Ein Score ersetzt weder die Diagnosestellung noch die Aktivitätsbeurteilung.

GPA – ACR/EULAR-GPA-Klassifikationskriterien 2022 / ACR/EULAR-MPA-Klassifikationskriterien 2022

GPA – ACR/EULAR-GPA-Klassifikationskriterien 2022 / ACR/EULAR-MPA-Klassifikationskriterien 2022 berechnen

Item Punkte
Nasale Beteiligung: blutiger Ausfluss, Ulzera, Krusten oder sinonasale Obstruktion/Kongestion +3
Knorpelbeteiligung +2
Schallleitungs- oder sensorineuraler Hörverlust +1
cANCA oder PR3-ANCA positiv +5
Pulmonale Knoten, Raumforderung oder Kavitation in der Bildgebung +2
Granulom, extravaskuläre granulomatöse Entzündung oder Riesenzellen in der Biopsie +2
Nasen-/Nasennebenhöhlenentzündung in der Bildgebung +1
Pauci-immune Glomerulonephritis +1
pANCA oder MPO-ANCA positiv −1
Eosinophile im Blut ≥1 × 10⁹/l −4

≥5 Punkte → GPA klassifiziert, sofern die gemeinsamen Voraussetzungen erfüllt sind.

MPA – ACR/EULAR-GPA-Klassifikationskriterien 2022 / ACR/EULAR-MPA-Klassifikationskriterien 2022

MPA – ACR/EULAR-GPA-Klassifikationskriterien 2022 / ACR/EULAR-MPA-Klassifikationskriterien 2022 berechnen

Item Punkte
pANCA oder MPO-ANCA positiv +6
Pauci-immune Glomerulonephritis +3
Lungenfibrose/ILD in der Bildgebung +3
Nasale Beteiligung wie im GPA-Modell −3
cANCA oder PR3-ANCA positiv −1
Eosinophile im Blut ≥1 × 10⁹/l −4

≥5 Punkte → MPA klassifiziert, sofern die gemeinsamen Voraussetzungen erfüllt sind.

Therapie

Therapiebeginn
organ-/lebensbedrohend → GK + Rituximab oder Cyclophosphamid; CYC bei MPA (Off-Label); bei Rezidiv Rituximab bevorzugt
nicht organbedrohend → GK + Rituximab (Off-Label), EULAR 2022 bevorzugt; DGRh 2025: auch MTX (Off-Label), MMF (Off-Label) als Alternative
Unzureichende Wirksamkeit
Entzündung, Infektion, Schaden und Adhärenz prüfen; refraktär → Rituximab ↔ Cyclophosphamid im Zentrum; CYC bei MPA (Off-Label)
Deeskalation
nach Remissionsinduktion → Rituximab zur Erhaltung bevorzugt; alternativ Azathioprin (Off-Label) oder MTX (Off-Label); GK schrittweise reduzieren
DGRh 2025: RTX in der Regel ≥36 Monate, AZA/MTX ≥48 Monate; EULAR 2022: 24–48 Monate nach Remissionsinduktion bei Neuerkrankung; bei Rezidiven/hohem Rezidivrisiko länger Avacopan Zulassung widerrufen (EU/EWR 8/2026)
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Therapiebeginn

  • Organ-/lebensbedrohend: Glukokortikoide + Rituximab oder Cyclophosphamid. Bei Rezidiv Rituximab bevorzugen; Fertilitätswunsch, frühere CYC-Exposition und Toxizität berücksichtigen.
  • DGRh 2025: initiale Glukokortikoiddosis und Reduktion entsprechend Regimeblock. Hoch dosierte i.v.-Pulse bei schwerer RPGN/alveolärer Hämorrhagie erwägen; keine Pflicht für jede AAV.
  • Nicht organbedrohend: GK + Rituximab (Off-Label); EULAR 2022: Rituximab bevorzugt; DGRh 2025: auch MTX (Off-Label); MMF (Off-Label) als Alternative
  • Bei ausgeprägter Niereninsuffizienz ist die Evidenz für RTX allein begrenzter. Nephrologisch-rheumatologische Auswahl; KDIGO 2024 lässt in ausgewählten schweren renalen Situationen auch RTX + CYC zu.
  • Refraktären Verlauf im erfahrenen Zentrum prüfen: Diagnose, Infektion, Organschaden und Adhärenz erneut beurteilen; gegebenenfalls RTX/CYC wechseln.
  • Avacopan ist aufgrund des EU-Widerrufs keine aktuelle reguläre Therapieoption.
Glukokortikoide (GK) · Prednisolon, Methylprednisolon · Therapiebeginn · Remissionsinduktion
  • Prednisolon: bei Organbedrohung initial 50–75 mg p.o. täglich nach Gewicht; Reduktion auf 5–7,5 mg/ d bis Woche 15–16
  • Nicht organbedrohender Verlauf mit RTX: initial 0,5 mg/kg/d erwägbar
  • Schwere RPGN/alveoläre Hämorrhagie: ggf. Methylprednisolon 1.000 mg i.v. täglich an 1–3 Tagen
  • Ausschleichen: reduziertes PEXIVAS-Regime

Zum Steckbrief Glukokortikoide (GK)

Rituximab · Remissionsinduktion / bevorzugte Erhaltung · Nicht schwere Induktion (Off-Label)

Cave: HBV-Reaktivierung; schwere Hypogammaglobulinämie

  • Rituximab – Induktion: 375 mg/m² i.v. einmal wöchentlich ×4; alternativ 1.000 mg i.v. Tag 1 und 15 (Off-Label) – Regime
  • Rituximab – Erhaltung: 500 mg i.v. zweimal im Abstand von 2 Wochen; danach 500 mg alle 6 Monate
  • Erhaltungsbeginn: nach RTX frühestens 16 Wochen nach letzter Infusion; nach anderer Induktion innerhalb 4 Wochen nach Remission
  • Nicht schwere Induktion: (Off-Label)

Zum Steckbrief Rituximab

Cyclophosphamid · Therapiebeginn · organbedrohender Verlauf · MPA (Off-Label)

Cave: Fertilitätsschädigung; hämorrhagische Zystitis

  • Zulassung: MPA (Off-Label)
  • Cyclophosphamid i.v.: 15 mg/kg pro Puls; erste 3 Pulse alle 2 Wochen, danach alle 3 Wochen; meist 6 Pulse bei Ansprechen
  • Cyclophosphamid p.o., alternativ: 2 mg/kg täglich, meist etwa 3 Monate
  • Dosisanpassung: Alter, Nierenfunktion und Nadir; Mesna/Hydrierung: Begleitprophylaxe

Avacopan Zulassung widerrufen (EU/EWR 8/2026)

Zum Steckbrief Cyclophosphamid

Deeskalation und Remissionserhaltung

  • Nach RTX-/CYC-Induktion: Rituximab bevorzugt; alternativ AZA (Off-Label) oder MTX (Off-Label); nach erfolgreicher MTX-Induktion → MTX (Off-Label) fortführbar
  • Reserve: MMF (Off-Label) bei ungeeigneten bevorzugten Optionen; höheres Rezidivrisiko als AZA; ausgewählte GPA → Leflunomid (Off-Label)
  • DGRh 2025: RTX in der Regel ≥36 Monate; AZA (Off-Label) / MTX (Off-Label) in der Regel ≥48 Monate; individuelle Verkürzung/Verlängerung
  • EULAR 2022: 24–48 Monate nach Remissionsinduktion bei Neuerkrankung; bei Rezidiven/hohem Rezidivrisiko länger
  • PR3-Phänotyp, frühere Rezidive, Organfolgen, Infektionen und Patient:innenpräferenzen berücksichtigen.
Methotrexat (MTX) · Nicht organbedrohender Verlauf / Erhaltungsalternative · (Off-Label)

Cave: CrCl <30 ml/min: KI

  • Methotrexat (MTX): initial 15 mg p.o./s.c. einmal wöchentlich → 20–25 mg/Woche; geeignete nicht organbedrohende Verläufe; (Off-Label)
  • Folsäure: Supplementation zu MTX
  • Renale AAV-Erhaltung: bei eGFR <60 ml/min/1,73 m² nach KDIGO 2024 nicht empfohlen
  • DGRh Wechselwirkung 2023: Cotrimoxazol in antibiotischer Therapiedosis meiden; PJP-Prophylaxe mit 160/800 mg dreimal wöchentlich bei niedrig dosiertem MTX möglich; Interaktionen und Kontrollen
  • DGRh Wechselwirkung 2023: unter Penicillinen MTX pausieren; Metamizol und Probenecid meiden; weitere Interaktionen
  • Nierenfunktion – DGRh Wechselwirkung 2023: bei GFR ≤45 ml/min von MTX abraten; FI: CrCl 30–59 ml/min → 50 % der Dosis, <30 ml/min → kontraindiziert; Dosisanpassung

Zum Steckbrief Methotrexat (MTX)

Azathioprin · Remissionserhaltung · Alternative · (Off-Label)

Cave: Xanthinoxidasehemmer → verstärkte Thiopurinwirkung / schwere Myelosuppression

  • Azathioprin: 2 mg/kg p.o. täglich; Remissionserhaltung; (Off-Label)
  • Allopurinol/Oxipurinol/Thiopurinol: Azathioprin auf 25 % der Ausgangsdosis reduzieren; engmaschiges Blutbild
  • Febuxostat: Kombination nicht empfohlen

Zum Steckbrief Azathioprin

Mycophenolat-Mofetil (MMF) · Reserve bei ungeeigneten bevorzugten Optionen · (Off-Label)
  • Mycophenolat-Mofetil (MMF): 1 g p.o. zweimal täglich; ggf. bis 1,5 g zweimal täglich; Reservealternative; (Off-Label)
  • PR3-ANCA: erhöhtes Rezidivrisiko

Zum Steckbrief Mycophenolat-Mofetil (MMF)

Plasmaaustausch und schwere Nierenbeteiligung

  • Kein routinemäßiger Plasmaaustausch bei jeder schweren AAV.
  • EULAR 2022 / DGRh 2025: bei aktiver Glomerulonephritis mit Kreatinin >300 µmol/l individuell erwägen. Möglicher renaler Nutzen und Infektionsrisiko gemeinsam besprechen.
  • KDIGO 2024: zusätzlich bei Dialysebedarf oder rasch steigendem Kreatinin sowie bei diffuser alveolärer Hämorrhagie mit Hypoxämie erwägen. EULAR 2022 empfiehlt keinen routinemäßigen Einsatz allein wegen alveolärer Hämorrhagie.
  • ANCA-/Anti-GBM-Doppelpositivität: Plasmaaustausch entsprechend Anti-GBM-Strategie ergänzen.
  • Die EULAR 2022-Begründung nennt aus der Metaanalyse eine zusätzliche schwere Infektion pro etwa 14 mit PLEX behandelten Personen. Diese NNH ist eine kontextabhängige Gruppenabschätzung, keine individuelle Vorhersage.
  • KDIGO 2024: nach drei Monaten anhaltender Dialysepflicht ohne extrarenale Manifestationen ein Absetzen der Immunsuppression erwägen.
  • Nach Kontrolle der aktiven Vaskulitis CKD-Versorgung einschließlich Blutdruck-/Proteinuriekontrolle und gegebenenfalls SGLT2-Hemmer prüfen.
SGLT2i · Dapagliflozin, Empagliflozin · Nephroprotektion nach Kontrolle der Vaskulitis

Cave: Euglykämische Ketoazidose; perioperativ pausieren

  • Dapagliflozin: 10 mg p.o. einmal täglich; CKD; Neueinleitung bei GFR <25 ml/min nicht empfohlen
  • Empagliflozin: 10 mg p.o. einmal täglich; CKD; Neueinleitung bei eGFR <20 ml/min/1,73 m² nicht empfohlen

Zum Steckbrief SGLT2i

PJP-Prophylaxe · Trimethoprim/Sulfamethoxazol · Unter RTX / CYC / relevanter GK-Exposition
  • Trimethoprim/Sulfamethoxazol: 160/800 mg p.o. dreimal wöchentlich oder 80/400 mg täglich; PJP-Prophylaxe
  • Niereninsuffizienz: Dosisanpassung
  • DGRh Wechselwirkung 2023: Cotrimoxazol in antibiotischer Therapiedosis meiden; PJP-Prophylaxe mit 160/800 mg dreimal wöchentlich bei niedrig dosiertem MTX möglich; Interaktionen und Kontrollen
  • Dauer: etwa 3 Monate nach letzter CYC-bzw. 6 Monate nach letzter RTX-Gabe; bei fortbestehendem Risiko länger

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Monitoring und Sicherheit

Klinische Aktivität, Organschaden und Infektion getrennt erfassen; ANCA-/CD19-Verläufe ergänzen die Beurteilung.
Blutbild, Niere/Urin und organspezifische Parameter engmaschig kontrollieren; unter RTX/CYC zusätzlich IgG.
PJP-Prophylaxe
DGRh 2025: >15 mg/d Prednisolonäquivalent über >4 Wochen, RTX-Induktion oder CYC
Impfungen und Fertilität vor intensiver Immunsuppression
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Remission und Verlaufsbeurteilung

  • EULAR 2022-Remission: keine klinischen Zeichen/Symptome aktiver AAV, mit oder ohne Immunsuppression.
  • DGRh 2025 diskutiert ergänzend die ältere steroidbezogene Definition mit ≤7,5 mg Prednisolon/d. Dies ist eine obere Grenze, keine erforderliche Mindestdosis und keine Empfehlung, Steroide zum Erfüllen der Definition beizubehalten.
  • Bei aktiver Erkrankung engmaschig Klinik, Kreatinin/eGFR, Urinsediment/Proteinurie, BB, Entzündungswerte und organspezifische Parameter; BVAS kann Aktivität, VDI bleibenden Schaden strukturiert erfassen.
  • ANCA-Titer und CD19 allein steuern weder Eskalation noch RTX-Nachdosierung. Residualschaden und aktive Vaskulitis unterscheiden.
  • RTX/CYC: IgG vor und unter wiederholter Behandlung; bei RTX vor jedem Zyklus. Infektionen und mögliche verzögerte Zytopenien beachten.
  • Leukozytenkontrolle zum erwarteten Nadir, in der Regel 8–14 Tage nach CYC-Infusion; klinische/weitere Laborkontrollen zusätzlich nach Verlauf.

PJP-Prophylaxe

  • EULAR 2022: Trimethoprim/Sulfamethoxazol bei CYC oder RTX; auch bei geplanter GK-Therapie ≥30 mg/ d Prednisolonäquivalent über ≥4 Wochen; bei niedrigeren GK-Dosen zusätzliche Risiken berücksichtigen
  • DGRh 2025: Trimethoprim/Sulfamethoxazol bei >15 mg/d Prednisolonäquivalent über >4 Wochen, RTX-Induktion oder CYC
  • Dauer: etwa 3 Monate nach letzter CYC-bzw. 6 Monate nach letzter RTX-Gabe; bei Lymphopenie, Hypogammaglobulinämie oder weiteren Risiken länger

Infektionsprävention und Impfungen

  • Vor intensiver Immunsuppression aktive/latente Infektionen und insbesondere HBV prüfen; weitere Tests einschließlich TB nach Risiko und Substanz.
  • Impfstatus aktualisieren; unter RTX reduzierte Impfantwort berücksichtigen. Herpes-zoster-Indikationsimpfung mit adjuvantiertem Totimpfstoff ab 18 Jahren bei den definierten Risikokonstellationen.
  • Der entsprechende G-BA-Beschluss gilt seit 13.02.2026; GKV-Anwendung nach Schutzimpfungs-Richtlinie. Weitere Impfungen nach aktueller STIKO 2026, Lebendimpfungen unter relevanter Immunsuppression grundsätzlich gesondert prüfen.
  • GC-bedingte Osteoporose-, Stoffwechsel- und kardiovaskuläre Risiken behandeln; Fertilitätsprotektion vor CYC und reproduktionsmedizinische Beratung einplanen.

Induktionsregime: Dosisanpassung

Reduziertes PEXIVAS-Regime

Prednisolon p.o., mg pro Tag · Körpergewicht 75 kg: mittlere Spalte

Woche <50 kg 50–75 kg >75 kg
1 50 60 75
2 25 30 40
3–4 20 25 30
5–6 15 20 25
7–8 12,5 15 20
9–10 10 12,5 15
11–12 7,5 10 12,5
13–14 6 7,5 10
15–16 5 5 7,5
17–18 5 5 7,5
19–20 5 5 5
21–22 5 5 5
23–52 5 5 5
>52 Individuell Individuell Individuell

Cyclophosphamid: Alter und Nierenfunktion

DGRh 2025: i.v.-Pulsdosis

Alter Kreatinin <300 µmol/l Kreatinin 300–500 µmol/l
<60 Jahre 15 mg/kg 12,5 mg/kg
60–70 Jahre 12,5 mg/kg 10 mg/kg
>70 Jahre 10 mg/kg 7,5 mg/kg
  • Kreatinin >500 µmol/l: individuelles Zentrumsschema
  • Weitere Dosisanpassung: Nadir und Toxizität

Quellen und Links

Antimalariamittel

Dosierung

  • Hydroxychloroquin: üblicherweise 200–400 mg p.o./d; Grenze ≤5 mg/kg tatsächliches Körpergewicht/d
  • Zwischendosis: alternierende Tagesdosen möglich, z. B. 200/400 mg im Wechsel = durchschnittlich 300 mg/d; mittlere Dosis an Gewichtsgrenze anpassen
  • GFR <30 ml/min: DGRh 2020 höchstens 3 mg/kg/d; reduzierte Gabe auch unter Dialyse möglich – Evidenz begrenzt / Expertenkonsens
  • Lupusnephritis: DGRh SLE 2025 bei eGFR <30 ml/min/1,73 m² 50 % Dosisreduktion
  • SLE: Basistherapie; langfristige Fortführung bei Verträglichkeit. Auswahl bei RA, Sjögren, kutaner Dermatomyositis und APS in den jeweiligen Therapieabschnitten; Sjögren/kutane DM/APS (Off-Label)

Augenärztliche Kontrollen

Zeitpunkt / Risiko Untersuchung
Basis Monat 0–6 – DGRh 2020 Visus, Funduskopie, Perimetrie und OCT
Ohne zusätzliche Risikofaktoren DOG 2025: jährlich ab dem 5. Therapiejahr; DGRh 2020: jährlich nach 5 Jahren Einnahme
Erhöhtes Risiko Jährlich ab Beginn; bei neuem Risikofaktor Kontrollplan anpassen
Neue Seh-/Lesestörung Zeitnahe augenärztliche Abklärung unabhängig vom Intervall
  • Risiko: GFR <60 ml/min, HCQ >5 mg/kg/d, Tamoxifen, relevante Makulaveränderungen; höheres Alter bei Beginn zusätzlich nach AAO 2025
  • DOG 2025: objektive Untersuchung bevorzugt, primär OCT; bei Verdacht Bestätigung mit zweiter objektiver Methode, z. B. Fundusautofluoreszenz (FAF) oder multifokalem ERG
  • DGRh 2020: mindestens eine subjektive und eine objektive Methode, üblicherweise Perimetrie + OCT
  • Perizentrale Veränderungen: Untersuchungsfeld über die zentrale Makula hinaus erweitern, besonders bei entsprechender Herkunft/Retinopathieverteilung
  • Bestätigte Retinopathie: HCQ zeitnah absetzen; rheumatologische Ersatztherapie festlegen

Myopathie und Kardiomyopathie

  • DGRh 2020: CK und LDH vor Beginn, danach alle 3–6 Monate; Empfehlungstabelle, Evidenz überwiegend aus Beobachtungsdaten
  • Verdacht auf Myopathie: neue proximale Schwäche, Dysphagie oder persistierende Muskelenzymerhöhung → CK/LDH, ggf. Aldolase, EMG; bei Bedarf Muskelbiopsie einschließlich Elektronenmikroskopie
  • Verdacht auf Kardiomyopathie: neue Herzinsuffizienz, Erregungsleitungsstörung oder ventrikuläre Hypertrophie → EKG, Troponin I, BNP, Echokardiographie; ggf. kardiale MRT/Biopsie
  • Verdacht auf HCQ-bedingte muskuläre/kardiale Toxizität: HCQ absetzen und Ursache abklären

Konkrete Unterschiede zur Fachinformation

Geprüfte deutsche HCQ-Fachinformation: Stand November 2025, Abschnitte 4.2–4.5

Thema Empfehlung / Fachinformation
Augenintervall DGRh 2020 / DOG 2025: risikoadaptiert; FI: vor Beginn und alle 3 Monate
Vorbestehende Makulopathie DOG 2025: individuelle Beurteilung, keine generelle Gegenanzeige; geprüfte FI: kontraindiziert. Anwendung entgegen der Gegenanzeige (Off-Label)
Tamoxifen DGRh 2020: jährliche Augenkontrollen ab Beginn bei Kombination; FI: Kombination nicht empfohlen
Dosierung DGRh 2020 / DOG 2025: ≤5 mg/kg tatsächliches Körpergewicht/d; FI bei adultem SLE: initial 400–600 mg/d für einige Wochen, Erhaltung 200–400 mg/d; rheumatologische Dosis nach tatsächlichem Gewicht begrenzen
  • Fachinformation produktbezogen: gleiche Substanz, teilweise unterschiedliche Gegenanzeigen und Kontrollvorgaben

Schwangerschaft, Stillzeit und Impfungen

  • Schwangerschaft: HCQ bei Indikation fortführen – DGRh 2020 / EULAR Schwangers 2024
  • Stillzeit: nach DGRh 2020 / EULAR Schwangers 2024 kompatibel; FI: bei längerfristiger täglicher Gabe hoher Dosen, z. B. zur RA-/SLE-Therapie, Abstillen empfohlen – Reproduktion
  • Impfungen: HCQ allein erfordert keine Impfstoffpause; zusätzliche Immunsuppression gesondert berücksichtigen

Quellen und Links

Antiphospholipidsyndrom (APS)

Diagnostik und Klassifikation

Thrombosen
venös oder arteriell; z. B. TVT/Lungenembolie oder Schlaganfall
Schwangerschaft
wiederholte Fehlgeburten, fetaler Verlust, schwere Präeklampsie/Plazentainsuffizienz
Weitere Befunde
Livedo racemosa, Thrombozytopenie, Herzklappenveränderungen, mikrovaskuläre Organmanifestationen
aPL
Lupus-Antikoagulans, aCL IgG/IgM, Anti-β2GPI IgG/IgM; persistierende Positivität im Abstand ≥12 Wochen
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Klinische Verdachtskonstellationen

  • Venöse Thromboembolie
  • Arterielle Thrombose, insbesondere objektivierter Schlaganfall; isolierte TIA ohne objektivierten thromboembolischen Befund erfüllt das arterielle Klassifikationsitem nicht
  • Mikrovaskuläre Manifestationen: livedo racemosa, livedoide Vaskulopathie, aPL-Nephropathie, pulmonale Hämorrhagie, Myokard-/Nebennierenbeteiligung
  • Obstetrische Morbidität
  • Herzklappenverdickung oder Vegetationen
  • Thrombozytopenie
  • SLE oder andere systemische Autoimmunerkrankung als Risikokonstellation

Labor

  • Lupus-Antikoagulans nach ISTH-Vorgaben: Dreistufenverfahren (Screening – Mischversuch – Bestätigung) mit zwei Screeningsystemen, dRVVT und phospholipidarme, silicaaktivierte aPTT; positiv, wenn mindestens ein System alle drei Stufen erfüllt
  • Anti-Cardiolipin IgG/IgM
  • Anti-β2-Glykoprotein-I IgG/IgM
  • Persistente Positivität: ≥2 Bestimmungen im Abstand von mindestens 12 Wochen
  • Unter VKA, Heparin oder DOAK: LA-Interpretation störanfällig; bevorzugt Ergebnisse ohne Antikoagulation, sonst ausschließlich fachhämostaseologisch bestätigte Interpretation
  • Falsch positive/negative LA-Ergebnisse auch bei Akutphase, akuter Thrombose und in der Schwangerschaft
  • Plattformbindung der Klassifikation: 40–79 bzw. ≥80 Einheiten beziehen sich auf standardisierte ELISA. Automatisierte CLIA-/MFI-/Flow-Verfahren haben eigene Wertebereiche; keine direkte Umrechnung. Die beispielhaften Plattformvergleiche der Originalarbeit sind keine anwendbare Umrechnungsformel. Klinische Labordiagnostik und Forschungsklassifikation getrennt beurteilen
  • Ergebnisse verschiedener Plattformen nicht mischen

Hochrisiko-aPL-Profil

Hochrisiko Niedrigrisiko
Lupus-Antikoagulans isoliertes aCL oder Anti-β2GPI
Doppelpositivität niedriger bis mittlerer Titer
Tripelpositivität besonders bei nur transientem Nachweis
persistierend hohe aPL-Titer —
  • Gesamtrisiko zusätzlich abhängig von früherem thrombotischem/obstetrischem APS, SLE und traditionellen kardiovaskulären/VTE-Risikofaktoren
  • Hochrisikoprofil nach EULAR 2019: LA bzw. Doppel-/Tripelpositivität in mindestens zwei Bestimmungen mit ≥12 Wochen Abstand oder persistierend hohe Titer; ein einmaliger Befund genügt hierfür nicht
  • Risikoprofil 2019 und Forschungsklassifikation 2023 verwenden unterschiedliche Titergrenzen

ACR/EULAR-APS-Klassifikationskriterien 2023

ACR/EULAR-APS-Klassifikationskriterien 2023 berechnen

Geltungsbereich

  • Forschungskriterien; Diagnose klinisch
  • Entwicklung und Validierung an erwachsenen Kohorten; Übertragbarkeit auf pädiatrisches APS nicht geprüft, dort SHARE APS 2017 heranziehen
  • Validierung: Spezifität 99 % in beiden Kohorten; Sensitivität 83 % im ersten und 84 % im zweiten Validierungskollektiv

Eintrittskriterium

  • mindestens 1 dokumentiertes klinisches Kriterium aus Domäne 1–6
  • plus positiver aPL-Test innerhalb von ±3 Jahren zum klinischen Kriterium
  • positiver Test: LA oder moderater/hoher aCL-/Anti-β2GPI-Titer IgG/IgM
  • Eintrittskriterium nicht erfüllt: keine Klassifikation versuchen

Auswertungsregeln

  • mindestens 3 Punkte aus klinischen Domänen UND 3 Punkte aus Labordomänen
  • pro Domäne nur das höchstgewichtete Kriterium
  • klinisches Kriterium nicht zählen bei gleich wahrscheinlicher oder wahrscheinlicherer Alternativerklärung
  • Ausnahme hiervon: die für Domäne 1 und 2 erforderlichen VTE-/CVD-Risikofaktoren sind kein Ausschlussgrund
  • Unbekannte Risikofaktoren: ist das Risikoprofil zum Zeitpunkt eines zurückliegenden Ereignisses nicht dokumentiert, das niedrigste nicht-null Gewicht vergeben
  • Mikrovaskulär „etabliert“: Bei livedoider Vaskulopathie, aPL-Nephropathie und pulmonaler Hämorrhagie muss die jeweils zugehörige Verdachtsdefinition erfüllt sein. Myokard- und Nebennierenkriterien besitzen eigene Bildgebungs-/Histologiedefinitionen; keine vorgeschaltete Verdachtsdomäne erforderlich
  • Persistenz im Labor: zwei aufeinanderfolgende positive LA-, höchste aCL-bzw. höchste Anti-β2GPI-Ergebnisse; eine moderate plus eine hohe konsekutive Bestimmung zählt als „moderat", solange keine zwei konsekutiv hohen Ergebnisse vorliegen
  • Prospektiv: beide positiven aPL-Ergebnisse innerhalb der 3 Jahre zum klinischen Kriterium; der jüngste aPL-Test soll ebenfalls positiv sein. Retrospektiv: zwei konsekutiv positive Ergebnisse und mindestens ein positives Ergebnis innerhalb der 3 Jahre
Klinische Domänen Domäne Kriterium Punkte
Venöse Makrothrombose VTE mit Hochrisiko-VTE-Profil 1
Domäne
VTE ohne Hochrisiko-VTE-Profil 3
Arterielle Makrothrombose arterielle Thrombose mit Hochrisiko-CVD-Profil 2
arterielle Thrombose ohne Hochrisiko-CVD-Profil 4
Mikrovaskulär klinisch vermutet 2
etabliert 5
Obstetrisch ≥3 konsekutive Verluste <10 Wochen und/ oder frühe fetale Verluste 10+0 bis 15+6 Wochen 1
fetaler Tod 16+0 bis 33+6 Wochen ohne schwere Präeklampsie und ohne schwere Plazentainsuffizienz 1
schwere Präeklampsie ODER schwere Plazentainsuffizienz <34+0 Wochen, mit/ ohne fetalen Tod 3
schwere Präeklampsie UND schwere Plazentainsuffizienz <34+0 Wochen, mit/ ohne fetalen Tod 4
Herzklappen Verdickung 2
Vegetation 4
Hämatologisch Thrombozyten-Nadir 20–130 × 10⁹/l 2
  • Mikrovaskulär, vermutet: livedo racemosa (nicht livedo reticularis), livedoide Vaskulopathie-Läsionen, akute/chronische aPL-Nephropathie, pulmonale Hämorrhagie
  • aPL-Nephropathie, vermutet: anderweitig nicht erklärte, persistierende neu aufgetretene oder verschlechterte Hypertonie, Proteinurie ≥0,5 g/24 h bzw. Protein-Kreatinin-Ratio ≥0,5 mg/mg, akutes Nierenversagen oder glomeruläre Mikrohämaturie
  • Mikrovaskulär, etabliert: histologisch bestätigte livedoide Vaskulopathie oder aPL-Nephropathie, pulmonale Hämorrhagie durch BAL/Histologie, Myokarderkrankung (NSTEMI bei normalem Koronarangiogramm plus definierter CMR-Auffälligkeit oder histologische Kleingefäßthrombose), Nebennierenhämorrhagie/-mikrothrombose durch Bildgebung/Histologie
  • Klappenverdickung: Mitralklappe >4 mm bei 20–39 Jahren, >5 mm bei Alter >40 Jahren im Wortlaut der Kriterienpublikation; übrige Klappen >3 mm in jedem Alter. Genau 40 Jahre: keine eindeutige Alterszuordnung in der Originaldefinition
  • Thrombozytopenie: niedrigster jemals gemessener Wert, bestätigt im Ausstrich und durch Wiederholungsmessung
  • Schwere Präeklampsie für die Klassifikation: nach 20 SSW systolisch ≥140 oder diastolisch ≥90 mmHg in zwei Messungen ≥4 h auseinander plus neue Proteinurie (Protein-Kreatinin-Ratio ≥0,3 mg/mg; ersatzweise Teststreifen ≥2+, wenn quantitative Messung fehlt) plus ≥1 schweres Merkmal
  • Schwere Merkmale: systolisch ≥160 oder diastolisch ≥110 mmHg in zwei Messungen ≥4 h ◦ auseinander in Bettruhe; neue therapieresistente, anderweitig nicht erklärte Kopfschmerzen; Sehstörung; Lungenödem; Transaminasen >2×ULN oder schwere persistierende, therapieresistente und anderweitig nicht erklärte Oberbauch-/epigastrische Schmerzen; Kreatinin >1,1 mg/dl oder Verdopplung ohne andere Nierenerkrankung; Thrombozyten <100 × 10⁹/l Bei bestätigter schwerer Hypertonie und begonnener Therapie kann die 4-h-Frist entfallen; ◦ notwendige Akutbehandlung nicht verzögern. Bei chronischer Hypertonie die Originaldefinition der aufgepfropften Präeklampsie beachten. Dies ist die APS-Klassifikationsdefinition, keine eigenständige geburtshilfliche Diagnoseregel
  • Schwere Plazentainsuffizienz für die Klassifikation: fetales/neonatales Gewicht <10. Perzentile und zusätzlich pathologische fetale Surveillance oder Doppler, Gewicht <3. Perzentile, Oligohydramnion oder maternale vaskuläre Malperfusion in der Plazentahistologie. Genetische/fetale Ursachen ausschließen; Histologie allein ist nicht APS-spezifisch
Risikoprofile für Domäne 1 und 2

Hochrisiko-VTE-Profil: ≥1 Major- oder ≥2 Minor-Faktoren, sofern Zeitbezug und Schwere zum Ereignis passen

Major, jeweils zum Ereigniszeitpunkt Minor, ≥2 erforderlich
aktive Malignität ohne kurative Behandlung, unter laufender kurativer Therapie einschließlich Hormontherapie, oder Rezidiv/ Progress trotz kurativer Therapie aktive systemische Autoimmunerkrankung oder aktive chronisch-entzündliche Darmerkrankung
stationäre Aufnahme mit Bettlägerigkeit bei akuter Erkrankung ≥3 Tage innerhalb 3 Monaten vor dem Ereignis akute/aktive schwere Infektion, z. B. Sepsis, Pneumonie, SARS-CoV-2
schweres Trauma mit Frakturen oder Rückenmarkverletzung innerhalb 1 Monats zentralvenöser Katheter im selben Gefäßgebiet
Operation in Allgemein-/Spinal-/Epiduralanästhesie >30 Minuten innerhalb 3 Monaten Hormonersatztherapie, östrogenhaltige orale Kontrazeptiva oder laufende IVF-Behandlung
— Langstreckenreise ≥8 Stunden
— Adipositas mit BMI ≥30 kg/m²
— Schwangerschaft oder Wochenbett bis 6 Wochen nach Entbindung
— verlängerte Immobilisation, nicht oben erfasst: z. B. Beinverletzung mit reduzierter Mobilität oder Bettlägerigkeit außerhalb des Krankenhauses ≥3 Tage
— Operation in Allgemein-/Spinal-/Epiduralanästhesie <30 Minuten innerhalb 3 Monaten

Hochrisiko-CVD-Profil: ≥1 hoher oder ≥3 moderate Risikofaktoren, sofern Zeitbezug und Schwere zum Ereignis passen

Hoch Moderat, ≥3 erforderlich
arterielle Hypertonie systolisch ≥180 oder diastolisch ≥110 mmHg behandelte arterielle Hypertonie oder persistierend systolisch ≥140 bzw. diastolisch ≥90 mmHg
chronische Nierenerkrankung mit eGFR ≤60 ml/min über mehr als 3 Monate aktuelles Rauchen
Diabetes mellitus mit Organschaden oder langer Dauer: Typ 1 ≥20 Jahre, Typ 2 ≥10 Jahre Diabetes mellitus ohne Organschaden und kurzer Dauer: Typ 1 <20 Jahre, Typ 2 <10 Jahre
schwere Hyperlipidämie: Gesamtcholesterin ≥310 mg/dl (8 mmol/l) oder LDL-Cholesterin >190 mg/dl (4,9 mmol/l) moderate Hyperlipidämie unter Behandlung oder Gesamtcholesterin über Norm und <310 mg/dl bzw. LDL über Norm und <190 mg/dl
— Adipositas mit BMI ≥30 kg/m²
  • Grenzfälle der Klassifikation: Operations-/Anästhesiedauer genau 30 Minuten oder isoliertes LDL genau 190 mg/dl ohne weitere Zuordnungsmerkmale: Zuordnung in der Originaldefinition unklar
  • Organschaden bei Diabetes nach ESC/EASD 2019: Proteinurie, chronische Nierenerkrankung, linksventrikuläre Hypertrophie oder Retinopathie
Labordomänen Labordomäne Kriterium Punkte
Lupus-Antikoagulans einmal positiv 1
persistierend positiv 5
aCL / Anti-β2GPI, persistent moderat oder hoch positiv, IgM allein 1
moderat positiv, IgG 4
hoch positiv, IgG – aCL oder Anti-β2GPI 5
hoch positiv, IgG – aCL und Anti-β2GPI 7
  • moderat: 40–79 ELISA-Einheiten
  • hoch: ≥80 ELISA-Einheiten
  • „persistent": mindestens 2 aufeinanderfolgende positive Ergebnisse im Abstand von ≥12 Wochen
  • IgG und IgM nicht additiv werten
  • IgA-aPL und weitere Nicht-Kriterien-Antikörper nicht Bestandteil der Domäne

Therapie

Therapiebeginn
Hochrisiko-aPL ohne Ereignis → niedrig dosiertes ASS (Off-Label); erste venöse Thrombose → VKA, INR 2–3; arterielle Thrombose → VKA, INR 2–3 oder 3–4, alternativ INR 2–3 + ASS
obstetrisches APS → ASS + prophylaktisches Heparin (Off-Label) nach Konstellation; thrombotisches APS in Schwangerschaft → ASS + therapeutisches Heparin
Unzureichende Wirksamkeit
Rezidiv trotz therapeutischem INR → Adhärenz/INR-Qualität prüfen; ASS ergänzen, INR-Ziel auf 3–4 erhöhen oder auf LMWH wechseln
Deeskalation
unprovozierte venöse Thrombose → langfristige Antikoagulation; provoziert → mindestens 3 Monate, bei hohem aPL-/Rezidivrisiko länger; postpartale Prophylaxe 6 Wochen erwägen CAPS
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Allgemeine Risikoreduktion

  • Rauchstopp
  • Hypertonie, Dyslipidämie und Diabetes konsequent behandeln
  • Regelmäßige körperliche Aktivität
  • VTE-Risikofaktoren erfassen und modifizieren
  • LMWH in Hochrisikosituationen: Operation, Hospitalisation, längere Immobilisation, Wochenbett
  • Adhärenz-, INR- und perioperative Bridging-Beratung bei VKA
  • EULAR CVR 2022: kardiovaskuläres Risikomanagement bei APS

Primärprävention

  • Asymptomatische aPL-Träger:innen mit Hochrisikoprofil: LDA empfohlen
  • SLE ohne frühere Thrombose oder Schwangerschaftskomplikation:
  • Hochrisiko-aPL-Profil: LDA empfohlen ◦ Niedrigrisiko-aPL-Profil: LDA erwägbar ◦
  • Nichtschwangere Patient:innen mit ausschließlich obstetrischem APS in der Vorgeschichte: LDA nach Nutzen-Risiko-Abwägung
Acetylsalicylsäure (ASS) · Primärprophylaxe / Zusatz zur Antikoagulation · Primärprophylaxe (Off-Label)

Cave: MTX ≥15 mg/Woche: laut Acetylsalicylsäure-FI kontraindiziert

  • Acetylsalicylsäure (ASS): 75–100 mg p.o. einmal täglich; isolierte aPL-Primärprävention / obstetrisches APS (Off-Label)

Zum Steckbrief Acetylsalicylsäure (ASS)

Erstes venöses thrombotisches APS

  • Initial therapeutisches UFH/LMWH, überlappend VKA bis zum wirksamen INR
  • VKA, Ziel-INR 2–3
  • Unprovozierte erste VTE: langfristige Antikoagulation
  • Provozierte erste VTE: mindestens 3 Monate; bei wiederholt hohem aPL-Risikoprofil oder weiteren Rezidivrisiken längere Antikoagulation erwägen
Phenprocoumon · Sekundärprophylaxe · Dauerantikoagulation
  • Phenprocoumon: p.o. nach INR; venös Ziel 2–3; arteriell 2–3 oder 3–4 nach Risiko, alternativ 2–3 + ASS
  • Akute Thrombose: initial überlappend Heparin bis stabile INR im Zielbereich

Zum Steckbrief Phenprocoumon

Enoxaparin · Akuttherapie / Schwangerschaftsprophylaxe

Cave: Immunvermittelte HIT (Typ II)

  • Enoxaparin – prophylaktisch: 40 mg s.c. einmal täglich
  • Enoxaparin – therapeutisch: 1 mg/kg s.c. alle 12 Stunden
  • Schwere Niereninsuffizienz: CrCl 15–30 ml/min: prophylaktisch 20 mg/d bzw. therapeutisch 1 mg/kg/ d; individuelle Festlegung bei CrCl genau 30 ml/min; <15 ml/min nicht empfohlen
  • Isolierte obstetrische APS-/Abortprävention: (Off-Label)

Zum Steckbrief Enoxaparin

UFH · Akutantikoagulation

Cave: Immunvermittelte HIT (Typ II)

  • Unfraktioniertes Heparin: therapeutische i.v.-Infusion nach hämostaseologischem Akutprotokoll; Titration nach geeignetem Gerinnungsassay
  • LA-bedingt verlängerte aPTT: Anti-Xa-basierte Steuerung erwägen

Zum Steckbrief UFH

Erstes arterielles thrombotisches APS

  • VKA gegenüber LDA allein bevorzugt
  • Ziel-INR 2–3 oder 3–4 nach individuellem Rezidiv- und Blutungsrisiko
  • VKA mit INR 2–3 + LDA als weitere erwägbare Strategie

DOAK

  • Rivaroxaban: nicht bei Tripelpositivität
  • Arterielles APS: DOAK nicht empfohlen
  • Venöses APS: DOAK nur in definierten Ausnahmefällen erwägen
  • Ziel-INR trotz guter VKA-Adhärenz nicht erreichbar ◦ VKA kontraindiziert oder nicht vertragen ◦
  • Wechsel allein wegen erschwertem INR-Monitoring oder schlechter Adhärenz nicht als leitliniengestützte Standardlösung
  • DGRh SLE 2025: DOAK sollten bei thromboembolischem APS nicht, bei manifestem arteriellem APS sollen sie nicht angewendet werden. Der erläuternde Leitlinientext lässt bei venösem APS unter strenger Nutzen-Risiko-Abwägung Ausnahmen bei VKA-Unverträglichkeit/Kontraindikation oder nicht erreichbarem Ziel-INR zu. Daraus folgt keine generelle DOAK-Alternative; schlechte Adhärenz rechtfertigt keinen Wechsel

Rezidiv unter Antikoagulation

  • Zuerst:
  • Adhärenz prüfen ◦ INR-Verlauf/Time in Therapeutic Range prüfen ◦ häufigere INR-Kontrollen bzw. Selbstmonitoring erwägen ◦ andere Ursachen des Rezidivs abklären ◦
  • Bei Rezidiv trotz erreichtem INR 2–3:
  • LDA ergänzen oder ◦ Ziel-INR auf 3–4 erhöhen oder ◦ auf LMWH wechseln ◦

Obstetrisches APS

  • Hochrisiko-aPL-Profil ohne bisherige Thrombose/Schwangerschaftskomplikation: EULAR 2019 empfiehlt, LDA in der Schwangerschaft zu erwägen
  • DGRh SLE 2025 – zusätzliche nationale Empfehlung: Bei SLE mit Hochrisiko-aPL oder APS empfiehlt 4.11 LDA + NMH. Dies geht für Hochrisiko-aPL ohne APS-Ereignis über EULAR 2019 hinaus; Hämostaseologie/ Geburtsmedizin in die Auswahl einbeziehen
  • ≥3 spontane Aborte <10. SSW oder fetaler Verlust ≥10. SSW: LDA + prophylaktisches Heparin
  • Entbindung <34. SSW wegen Eklampsie/schwerer Präeklampsie oder Plazentainsuffizienz: LDA oder LDA + prophylaktisches Heparin nach individuellem Risikoprofil
  • Klinisches „non-criteria“-obstetrisches APS: z. B. zwei frühe Aborte oder Entbindung ≥34 SSW wegen schwerer Präeklampsie/Eklampsie; LDA allein oder + prophylaktisches Heparin nach individuellem Risiko erwägbar
  • Bei entsprechender Indikation LDA bevorzugt bereits vor Konzeption beginnen; Heparin nach Schwangerschaftsbestätigung ergänzen
  • EULAR 2019 verwendet die damaligen obstetrischen Kriterien. Ein niedriger obstetrischer Punktwert in der Klassifikation 2023 hebt eine klinische Behandlungsindikation nicht auf
  • Prophylaktisches Heparin in der Schwangerschaft bei obstetrischem APS: Fortführung 6 Wochen postpartal erwägen
  • Rezidivierende Schwangerschaftskomplikationen trotz LDA + prophylaktischem Heparin:
  • therapeutische Heparindosis oder ◦ HCQ ergänzen oder ◦ niedrig dosiertes Prednisolon im 1. Trimenon erwägen ◦ IVIG nur in hochselektierten Fällen ◦
  • Thrombotisches APS in der Vorgeschichte: LDA + therapeutisches Heparin während der Schwangerschaft; EULAR 2019: VKA nach Schwangerschaftsbestätigung umgehend auf therapeutisches LMWH/UFH umstellen, idealerweise vor der 6. SSW. Bei geplantem Kinderwunsch verlangt die Phenprocoumon-Fachinformation die Umstellung bereits vor der Schwangerschaft
Zusatztherapie · Hydroxychloroquin, Prednisolon, IVIG · Zusatz bei refraktärem Verlauf · (Off-Label)

Cave: Retinopathie / QT-Verlängerung; Makulopathie laut FI kontraindiziert

  • Hydroxychloroquin: refraktäres obstetrisches APS; (Off-Label); bei SLE 200–400 mg p.o./d, ≤5 mg/kg tatsächliches Körpergewicht/d
  • Prednisolon: niedrig dosierte Zusatzoption im 1. Trimenon; (Off-Label)
  • IVIG: hochselektive Reserve; (Off-Label)
  • APS-spezifische Dosis/Dauer: nicht standardisiert
  • DGRh Wechselwirkung 2023: Azithromycin meiden; FI: Tamoxifen-Kombination nicht empfohlen; weitere Interaktionen
  • DGRh Antimalaria 2020: Dosierung nach tatsächlichem Körpergewicht; Augen-, Muskel- und Herzmonitoring

Zum Steckbrief Zusatztherapie

Mikrovaskuläres APS, Thrombozytopenie und Klappenbeteiligung

  • Alle drei sind eigene Klassifikationsdomänen, aber keine Gegenstände einer belastbaren EULAR 2019-Therapieempfehlung
  • EULAR 2019 trifft hierzu keine gesonderte Empfehlung; Behandlung individuell und interdisziplinär
  • Therapie nach Manifestation und Mechanismus: mikrovaskuläre Thrombose, Blutung, Immunthrombozytopenie oder Klappenbeteiligung
  • Nicht-Leitlinienquelle – Task-Force-Bericht des 16. Internationalen aPL-Kongresses: aPL-Testung bei Thrombozytopenie und rezidivierenden kardialen Ereignissen wird von der Literatur gestützt; begrenzte Daten. Keine Ableitung eines Therapiestandards
  • Immunsuppression nach eigenständiger Organ-/Autoimmunindikation; keine pauschale Gegenempfehlung für behandlungsbedürftige Immunthrombozytopenie oder entzündliche Organmanifestationen

Katastrophales APS

  • Sofortige Behandlung; diagnostische Komplettierung darf bei hoher klinischer Wahrscheinlichkeit den Therapiebeginn nicht verzögern
  • First-line:
  • Heparin ◦ Glukokortikoide ◦ Plasmaaustausch oder IVIG ◦
  • Trigger parallel behandeln: insbesondere Infektion, Operation/Antikoagulationsunterbrechung, Malignität, nekrotisches Gewebe
  • Refraktär: Rituximab oder Eculizumab in spezialisierten Zentren erwägbar
  • Ergänzende Leitlinie: McMaster CAPS 2018, in EULAR 2019 als Beleg geführt
Reservetherapie · Rituximab, Eculizumab · Reserve bei refraktärem Verlauf · (Off-Label)

Cave: HBV-Reaktivierung unter Rituximab; Meningokokken unter Eculizumab

  • Rituximab / Eculizumab: refraktäres CAPS; individuelles Zentrumsschema; (Off-Label); Dosisregime nicht standardisiert
  • Eculizumab: Meningokokkenimpfung ACWY/B; bei dringlichem Beginn antibiotische Prophylaxe bis 2 Wochen nach Impfung

Zum Steckbrief Reservetherapie

Monitoring und Sicherheit

VKA
INR und Adhärenz kontinuierlich; Qualität der Antikoagulation vor Eskalation prüfen
Blutungs- und Rezidivrisiko regelmäßig neu bewerten
Kardiovaskuläre und VTE-Risikofaktoren konsequent kontrollieren
Bei mikrovaskulärem/renalem APS
organspezifische Verlaufskontrollen
Bei Thrombozytopenie
Blutbild und Blutungsrisiko
Bei Klappenbeteiligung
kardiologische Verlaufskontrolle nach Befund
Schwangerschaft
Hochrisiko-Schwangerschaftsbetreuung mit fetal-maternaler Surveillance
Kontrazeption, assistierte Reproduktion und Menopause
eigene Risikoentscheidung
EAPSDAS 2025/2026
neues, initial validiertes Aktivitätsinstrument; prospektive weitere Validierung ausstehend, daher kein verpflichtender Routine-Score
Ausführliche Informationen anzeigenWeniger anzeigen

Antikoagulationsmonitoring

  • VKA: INR-Kontrollen entsprechend Stabilität und klinischer Situation
  • Rezidiv: Adhärenz und dokumentiertes Erreichen des Ziel-INR vor Therapieeskalation prüfen
  • Blutungsrisiko: Alter, Nieren-/Leberfunktion, Thrombozytopenie, Begleitmedikation, frühere Blutung
  • Perioperativ: Bridging und Unterbrechungsmanagement geplant durchführen; unnötige Antikoagulationsunterbrechungen vermeiden

Organ- und Risikomonitoring

  • Hydroxychloroquin: Augenbasis Monat 0–6 – DGRh Antimalaria 2020; jährlich ab dem 5. Therapiejahr, bei Risikofaktoren ab Beginn – DOG Augen 2025. FI-Abweichung: Kontrollen vor Beginn und alle 3 Monate; Details
  • Hydroxychloroquin – DGRh Antimalaria 2020: CK/LDH vor Beginn und alle 3–6 Monate; neue Schwäche/ Dysphagie oder kardiale Auffälligkeit → gezielte Abklärung
  • Blutdruck, Lipide, Diabetes, Rauchstatus, Bewegung
  • Neue thrombotische Ereignisse aktiv erfassen
  • Thrombozyten bei hämatologischer Manifestation
  • Kreatinin/eGFR, Proteinurie und Urinsediment bei vermuteter/gesicherter aPL-Nephropathie
  • Echokardiographie bei dokumentierter Klappenbeteiligung nach kardiologischer Indikation

Kontrazeption, Reproduktion und Schwangerschaft

  • Kombiniert hormonelle Kontrazeption – orale Pille, Vaginalring, transdermales Pflaster – bei aPL-Positivität mit oder ohne definites APS nicht empfohlen
  • Intrauterinpessar ohne gynäkologische Kontraindikation für alle Patient:innen möglich
  • Assistierte Reproduktion: bei stabiler/inaktiver Erkrankung durchführbar; bei aPL-Positivität/APS Antikoagulation und/oder LDA
  • Menopausale Hormontherapie: bei schwerer vasomotorischer Symptomatik bevorzugt nur bei stabiler/ inaktiver Erkrankung und negativem aPL. Bei positivem aPL Thrombose- und kardiovaskuläres Risiko ausdrücklich abwägen; kein Routinepfad
  • Details, Präparate und Arzneimittelverträglichkeit im gemeinsamen Reproduktionsmodul
  • Betreuung als Hochrisikoschwangerschaft
  • Überwachung nach lokalem Hochrisikoprotokoll für hypertensive Erkrankungen/Plazentainsuffizienz
  • Ultraschall 11–14 Wochen
  • Zweittrimester-Ultraschall mit Doppler der Umbilikal- und Uterinarterien, bevorzugt 20–24 Wochen
  • Bei erhöhtem Risiko/auffälligem Verlauf zusätzliche biometrische und Doppler-Kontrollen im 3. Trimenon; EULAR Schwangers 2017 beschreibt monatliche Surveillance als Orientierung
  • Antikoagulationsstatus bei Geburtsplanung und postpartal berücksichtigen

EAPSDAS

  • EULAR APS Disease Activity Score, publiziert 2025/2026
  • getrennte thrombotisch/mikrovaskulär/nichtthrombotische und obstetrische Skala
  • initiale Validierung anhand klinischer Vignetten
  • prospektive Validierung ausdrücklich noch erforderlich
  • derzeit nicht als alleinige Routine-Therapiesteuerung oder Ersatz klinischer Beurteilung verwenden

Katastrophales Antiphospholipidsyndrom (CAPS)

CAPS bei rascher Multiorganthrombose erwägen; unverzügliche interdisziplinäre Behandlung
Klassifikationsrahmen unterstützt die Einordnung; fehlende Biopsie oder ausstehende Wiederholungstests dürfen den Therapiebeginn nicht verzögern
Heparin + Glukokortikoid + Plasmaaustausch und/oder IVIG; Trigger parallel behandeln
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Klassifikationsrahmen

Definites CAPS: alle 4 Kriterien

1.
  • Beteiligung von ≥3 Organen/Systemen/Geweben
2.
  • Manifestationen gleichzeitig oder innerhalb <1 Woche
3.
  • Histopathologischer Nachweis eines Kleingefäßverschlusses in mindestens einem Organ/Gewebe
4.
  • Laborbestätigung von aPL; der historische CAPS-Rahmen nennt LA und/oder aCL

Probables CAPS: vier definierte unvollständige Konstellationen

  • alle 4 Kriterien, aber Beteiligung von nur 2 Organen/Systemen/Geweben
  • alle 4 Kriterien, aber fehlende Laborbestätigung im vorgesehenen Wiederholungsabstand, weil die Person früh verstirbt und vor dem CAPS nie auf aPL getestet wurde
  • Kriterien 1, 2 und 4
  • Kriterien 1, 3 und 4 sowie Auftreten eines dritten Ereignisses später als 1 Woche, aber innerhalb <1 Monats, trotz Antikoagulation
  • CAPS-Konsens 2003: Laborbestätigung nach 6 Wochen; aktuelle APS-Kriterien: mindestens 12 Wochen

Akutmanagement

  • sofortige intensivmedizinisch-interdisziplinäre Behandlung
  • Heparin + Glukokortikoide + Plasmaaustausch und/oder IVIG
  • Trigger aggressiv behandeln
  • bei refraktärem Verlauf Rituximab oder Eculizumab erwägen
  • SLE-assoziiertes CAPS: aktiven SLE nach Organmanifestation behandeln; Cyclophosphamid bei entsprechender SLE-Indikation
  • Behandlungsbeginn nicht bis zur vollständigen Erfüllung der Klassifikationskriterien aufschieben

Quellen und Links

Axiale Spondyloarthritis (axSpA)

Diagnostik und Klassifikation

Rückenschmerz
>3 Monate; Beginn typischerweise <45 Jahre; schleichend, nachts/Morgensteifigkeit, Besserung durch Bewegung
Labor
HLA-B27 positiv, CRP erhöht
Bildgebung
Sakroiliitis im MRT der ISG; strukturelle Sakroiliitis im Röntgen
Begleitmerkmale
Enthesitis, Daktylitis, periphere Arthritis; Uveitis, Psoriasis, CED; positive Familienanamnese
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Klinische Abklärung

  • Beginn und Dauer des Rückenschmerzes, nächtlicher Schmerz, Besserung bei Bewegung, fehlende Besserung in Ruhe, Morgensteifigkeit und NSAR-Ansprechen
  • Periphere Arthritis, Enthesitis, Daktylitis; Uveitis, Psoriasis/Nagelveränderungen, Morbus Crohn/Colitis ulcerosa und Familienanamnese
  • Gelenk-/Enthesenstatus, Wirbelsäulenbeweglichkeit und Thoraxexkursion; CRP/BSG und HLA-B27 entsprechend klinischer Fragestellung
  • Entzündlicher Rückenschmerz nach ASAS Handbuch 2009: mindestens vier von fünf Merkmalen – Beginn <40 Jahre, schleichender Beginn, Besserung durch Bewegung, keine Besserung in Ruhe, nächtlicher Schmerz mit Besserung beim Aufstehen
  • Differenzialdiagnosen: mechanisch-degenerative Erkrankung, Überlastung, osteitis condensans ilii, postpartale Veränderungen, Infektion, Fraktur und andere entzündliche Erkrankungen. Isoliertes Knochenmarködem ist unspezifisch.

Bildgebung nach EULAR Bildgebung 2015

Quellenstand Diagnostische Einordnung
EULAR Bildgebung 2015, publiziert In der Regel ISG-Röntgen zuerst; bei jungen Menschen/kurzer Symptomdauer primäre ISG-MRT möglich. Bei weiterbestehendem Verdacht trotz nicht diagnostischem Röntgen ISG-MRT
EULAR Bildgebung 2025, Kongressabstract 2026 MRT der ISG zuerst; entzündliche und strukturelle Läsionen beurteilen. Zusätzliche Wirbelsäulen-MRT bei regionalen Symptomen möglich
Update: MRT nicht möglich/verfügbar ISG-Röntgen oder bevorzugt Low-dose als Alternative
  • Das Bildgebungsupdate wird als Kongressabstract 2026 eingeordnet
  • Bei Frakturverdacht unverzügliche Abklärung; bei ankylosierter Wirbelsäule CT und/oder MRT gemäß Kongressupdate.

ASAS Handbuch 2009

Eingang: Rückenschmerz seit ≥3 Monaten, Beginn vor dem 45. Geburtstag. Klassifikation für Forschung; klinische Diagnose unabhängig beurteilen.

Arm Erforderliche Kombination
Bildgebungsarm Sakroiliitis im Röntgen nach modifizierten New-York-Kriterien oder aktive axSpA-typische Sakroiliitis im MRT plus ≥1 SpA-Merkmal
Klinischer Arm HLA-B27 positiv plus ≥2 weitere SpA-Merkmale
  • SpA-Merkmale: entzündlicher Rückenschmerz, Arthritis, Fersenenthesitis, Uveitis, Daktylitis, Psoriasis, Morbus Crohn/Colitis ulcerosa, gutes NSAR-Ansprechen, SpA-Familienanamnese, HLA-B27, erhöhtes CRP
  • HLA-B27 im klinischen Arm nicht zusätzlich als eines der zwei weiteren Merkmale zählen
  • Familienanamnese bei Verwandten ersten oder zweiten Grades; die im Original definierte SpA-Erkrankungsgruppe verwenden
  • Röntgensakroiliitis: beidseits Grad ≥2 oder einseits Grad ≥3. MRT-Klassifikation verlangt axSpA-typische aktive Entzündung; strukturelle Läsionen allein sind kein unmarkierter Ersatz des 2009-MRT-Kriteriums
  • Entzündlicher Rückenschmerz allein ist weder hinreichend für die Klassifikation noch für die Diagnose.

Modifizierte New-York-Kriterien

Modifizierte New-York-Kriterien berechnen

  • Radiologisches Kriterium: beidseits Sakroiliitis Grad ≥2 oder einseits Grad ≥3
  • Zusätzlich mindestens eines: Rückenschmerz/Steifigkeit >3 Monate mit Besserung durch Bewegung, nicht durch Ruhe; Einschränkung der LWS-Beweglichkeit sagittal/frontal; verminderte Thoraxexkursion gegenüber alters-/geschlechtsbezogenen Normwerten
  • Diese Kriterien beschreiben ankylosierende Spondylitis/radiographische axSpA; Nichterfüllung schließt nr-axSpA nicht aus.

Therapie

Therapiebeginn
Bewegung/Physiotherapie + NSAR; periphere Arthritis → ggf. Sulfasalazin (Off-Label)
Unzureichende Wirksamkeit
nach ≥2 NSAR über insgesamt ≥4 Wochen; ASDAS ≥2,1 plus entzündliche Gesamtbeurteilung → TNFi, IL-17i, JAKi nach Sicherheitsselektion; rezidivierende Uveitis/aktive CED → monoklonale TNFi; relevante Psoriasis → IL-17i
nach TNFi/IL-17i/JAKi → Entzündung, Diagnose, Adhärenz und Begleitursachen prüfen; Wechsel zu TNFi, IL-17i oder JAKi
Deeskalation
anhaltende Remission, pragmatisch ≥6 Monate → Biologikum schrittweise reduzieren; Intervalländerung ggf. (Off-Label); Flare → Reintensivierung
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Ziele und nichtmedikamentöse Maßnahmen

  • Lebensqualität, Entzündungskontrolle, Funktion und Teilhabe verbessern; Strukturschaden möglichst verhindern
  • EULAR 2022: vorab gemeinsam vereinbartes Therapieziel; Remission/inaktive Erkrankung als Orientierung, alternativ niedrige Aktivität. Ein erhöhter Score allein rechtfertigt ohne Restentzündung keine Eskalation
  • Regelmäßige individuell angepasste Bewegung und aktive Physiotherapie; Raucherentwöhnung, Gewicht, Arbeit/Alltag und psychosoziale Faktoren berücksichtigen
  • Wesentliche ACR 2026: keine Wirbelsäulenmanipulation; besonders relevant bei Ankylose/Frakturrisiko.

Therapiebeginn

  • NSAR in ausreichend wirksamer, verträglicher Dosis; regelmäßig nur wenn zur Symptomkontrolle nötig, bei inaktiver Erkrankung eher Bedarf
  • Nicht zwei NSAR gleichzeitig kombinieren; bei unzureichender Wirkung Wechsel auf ein anderes NSAR erwägen
  • Lokale GK-Injektion bei geeigneter Arthritis/Sakroiliitis erwägen; keine langfristige systemische GK-Therapie der axialen Erkrankung
  • Keine csDMARDs für isolierte axiale Entzündung. Bei peripherer Arthritis Sulfasalazin erwägen; bei EMM separate fachübergreifende Therapie
  • Persistierender Schmerz: entzündliche, mechanische und noziplastische Komponenten unterscheiden; multimodal mitbehandeln. EULAR 2022 lässt Analgetika bei Restschmerz und unzureichenden/ ungeeigneten Vorbehandlungen als Reserve zu; die Empfehlung begründet keine langfristige Opioid-Routine. Wesentliche ACR 2026: starke Gegenempfehlung zu Opioiden bei noziplastischem Schmerz.
NSAR · Ibuprofen, Naproxen, Celecoxib, Etoricoxib · Therapiebeginn · Coxibe bei reiner nr-axSpA (Off-Label)
  • Anwendung: Celecoxib/Etoricoxib bei AS; reine nr-axSpA (Off-Label)
  • Ibuprofen: 1.200–2.400 mg p.o./d in 3–4 Gaben; maximal 800 mg je Gabe
  • Naproxen: 500–1.000 mg p.o./d in 1–2 Gaben
  • Celecoxib: 200–400 mg p.o./d; Beginn mit 200 mg/d in 1–2 Gaben
  • Aktivierte Arthrose: ebenfalls zugelassene Anwendung; 200 mg/d, bei unzureichender Wirksamkeit 200 mg zweimal täglich
  • Etoricoxib: 60 mg p.o. einmal täglich; ggf. 90 mg/d; r-axSpA

Cave: Celecoxib/Etoricoxib bei CED kontraindiziert

Zum Steckbrief NSAR

Sulfasalazin · Option bei peripherer Arthritis · (Off-Label)
  • Sulfasalazin: initial 500 mg p.o./d → 1 g zweimal täglich; ggf. bis 3 g/d; periphere Arthritis; (Off-Label)
  • DGRh Wechselwirkung 2023: Eisen zeitlich getrennt einnehmen; bei Digoxin Wirkung/ggf. Spiegel kontrollieren; weitere Interaktionen

Zum Steckbrief Sulfasalazin

Unzureichende Wirksamkeit von NSAR

  • EULAR 2022: klinisch gesicherte axSpA und weiterhin hohe Aktivität trotz nichtmedikamentöser Behandlung und ≥2 NSAR in maximal geeigneter Dosis über insgesamt ≥4 Wochen; Kontraindikationen/ Unverträglichkeit berücksichtigen
  • Bei überwiegend peripheren Manifestationen umfasst der konventionelle Vorpfad auch lokale GK-Injektion, sofern geeignet, und Sulfasalazin; kein Pflicht-csDMARD-Versuch bei isolierter axialer Erkrankung
  • ASDAS ≥2,1, alternativ BASDAI ≥4, wenn ASDAS nicht praktikabel; positive fachrheumatologische Gesamtbeurteilung
  • Erhöhtes CRP und/oder aktive Entzündung im ISG-MRT als Ansprechprädiktoren und bei nr-axSpA als Zulassungsvoraussetzung; alternative Ursachen ausschließen
  • Radiographische Sakroiliitis ist ebenfalls eine relevante Voraussetzung im AS-/r-axSpA-Pfad; normales CRP/ MRT schließt bei bereits radiographischer Erkrankung eine zugelassene Therapie nicht pauschal aus
  • EULAR 2022: TNFi, IL-17i, JAKi; JAKi Cave: Sicherheitsselektion
  • EULAR 2022: derzeitige klinische Praxis: Beginn mit TNFi oder IL-17i; längere Anwendungserfahrung
  • ACR 2026: TNFi / IL-17i konditional vor JAKi; keine Präferenz zwischen TNFi und IL-17i
  • Original-/Biosimilar-Auswahl unter Berücksichtigung von Wirksamkeit, Sicherheit, Präferenzen, Zugang und Kosten
  • Wesentliche ACR 2026: IL-23-Inhibition für axSpA stark nicht empfohlen; bei axialer PsA konditionale Gegenempfehlung. Nicht auf die Haut/periphere PsA übertragen.

EMM-gesteuerte Auswahl

Begleitmanifestation Therapierichtung
Rezidivierende anteriore Uveitis Monoklonalen TNFi bevorzugen; augenärztlich mitbehandeln
Aktive CED Monoklonalen TNFi beziehungsweise für die konkrete CED wirksame/zugelassene Therapie wählen; gastroenterologische Mitbehandlung
Relevante Psoriasis IL-17-Weg besonders berücksichtigen; dermatologische Mitbehandlung
  • Etanercept ist kein gleichwertiger Ersatz für monoklonale TNFi bei CED oder rezidivierender Uveitis
  • CED-Zulassungen unterscheiden sich: z. B. Golimumab für Colitis ulcerosa, nicht Morbus Crohn
  • Aktive CED: keine IL-17-Inhibition. Die Fachinformationen führen CED als Warnhinweis bzw. Nichtempfehlung
  • Neue/verschlechterte CED-Symptome unter IL-17i abklären und Therapie entsprechend FI beenden
  • Behandlung der EMM gemeinsam mit dem zuständigen Fachgebiet; Zulassung und Dosis für die konkrete Manifestation prüfen.
TNFi · Adalimumab, Etanercept, Certolizumab pegol, Golimumab, Infliximab · Nach unzureichender
Wirksamkeit von NSAR · Infliximab: nur r-axSpA

Cave: schwere Herzinsuffizienz (NYHA III/IV)

  • Adalimumab: 40 mg s.c. alle 2 Wochen; r-/nr-axSpA
  • Etanercept: 50 mg s.c. einmal wöchentlich; alternativ 25 mg zweimal wöchentlich; r-/nr-axSpA
  • Certolizumab pegol: 400 mg s.c. Woche 0, 2, 4; danach 200 mg alle 2 Wochen oder 400 mg alle 4 Wochen; r-/nr-axSpA
  • Golimumab: 50 mg s.c. einmal monatlich; >100 kg und unzureichendes Ansprechen nach 3–4 Dosen: ggf. 100 mg monatlich; r-/nr-axSpA
  • Infliximab i.v.: 5 mg/kg Woche 0, 2, 6; danach alle 6–8 Wochen; nur r-axSpA
  • Infliximab s.c.: nach 5 mg/kg i.v. Woche 0 und 2: 120 mg s.c. ab Woche 6, danach alle 2 Wochen; nur r-axSpA
  • Infliximab: ohne Ansprechen bis Woche 6 nach 2 i.v.-Dosen → Beendigung

Zum Steckbrief Wirksamkeit von NSAR

IL-17i · Secukinumab, Ixekizumab, Bimekizumab · Nach unzureichender Wirksamkeit von NSAR

Cave: CED: nicht empfohlen

  • Secukinumab: 150 mg s.c. Woche 0, 1, 2, 3, 4; danach alle 4 Wochen; r-/nr-axSpA; r-axSpA mit unzureichendem Ansprechen: ggf. 300 mg alle 4 Wochen; 300 mg bei nr-axSpA (Off-Label)
  • Ixekizumab: 160 mg s.c. Woche 0; danach 80 mg alle 4 Wochen; r-/nr-axSpA
  • Bimekizumab: 160 mg s.c. alle 4 Wochen; r-/nr-axSpA; ohne Besserung nach 16 Wochen Fortführung überdenken
  • Relevante Psoriasis: jeweilige Psoriasis-Dosierung

Zum Steckbrief IL-17i

JAKi · Upadacitinib, Tofacitinib · Nach unzureichender Wirksamkeit von NSAR · Sicherheitsselektion ·
Tofacitinib: nur r-axSpA

Cave: MACE-/Malignom-/VTE-Risiko; Auswahlbeschränkungen

  • Upadacitinib: 15 mg Retard p.o. einmal täglich; r-/nr-axSpA
  • Tofacitinib: 5 mg p.o. zweimal täglich; alternativ 11 mg Retard p.o. einmal täglich; nur r-axSpA
  • Ansprechen: nach 16 Wochen; fehlende Besserung → Fortführung überdenken
  • Nur ohne geeignete Alternative: ≥65 Jahre; aktuelles/früheres langjähriges Rauchen; erhöhtes kardiovaskuläres-/Malignomrisiko
  • VTE-Risiko: besondere Vorsicht
  • Tofacitinib – FI: starke CYP3A4-Hemmung oder mäßige CYP3A4-/starke CYP2C19-Hemmung → 5 mg Filmtablette einmal täglich statt 5 mg zweimal täglich / 11 mg Retard; z. B. Ketoconazol / Fluconazol
  • Upadacitinib – FI: starke CYP3A4-Hemmer → 15 mg/d mit Vorsicht; Grapefruit vermeiden
  • Weitere Interaktionen / Organfunktion: substanzbezogene Anpassungen

Zum Steckbrief Tofacitinib: nur r-axSpA

Unzureichende Wirksamkeit von TNFi / IL-17i / JAKi

  • EULAR 2022: nach mindestens zwölf Wochen Ansprechen beurteilen; ASDAS-Abfall ≥1,1 plus positive klinische Gesamtbewertung stützen die Fortführung
  • Bei ASDAS-Unmöglichkeit BASDAI-Besserung ≥2 als Alternative; produktspezifische frühere/spätere Überprüfungsregeln zusätzlich beachten
  • Fehlende Wirkung: Diagnose, Adhärenz, verbleibende Entzündung, Komorbiditäten und noziplastischen Schmerz erneut prüfen
  • EULAR 2022: Wechsel zu anderem TNFi, IL-17i oder JAKi möglich
  • Keine csDMARD-Addition allein zur Behandlung verbleibender axialer Aktivität; eigenständige periphere/ EMM-Indikation gesondert
  • Zugelassene Dosisgrenzen beachten; keine unzulässige JAK-Dosiseskalation oder routinemäßige duale Zieltherapie.

Deeskalation

  • Anhaltende Remission, gemeinsame Entscheidung und Flare-Plan; EULAR 2022 nennt als pragmatische Mindestdauer etwa sechs Monate
  • Schrittweise Dosis-/Intervallreduktion, vor jedem weiteren Schritt neu beurteilen; abruptes Absetzen erhöht das Flare-Risiko
  • EULAR 2022-Empfehlung betrifft bDMARDs; nicht pauschal auf JAKi oder jede Dosis-/Intervalländerung übertragen
  • Zugelassene CZP-Reduktion siehe Wirkstoffdetails; andere Intervallverlängerungen häufig (Off-Label)
  • Vollständiges Absetzen kann Endpunkt schrittweisen Taperings sein
  • Bei Flare Behandlung erneut intensivieren; produktspezifische Wiederaufnahmeregeln beachten
  • Begleit-NSAR/csDMARDs bei Inaktivität und fehlender eigener Indikation überprüfen.

Monitoring und Sicherheit

ASDAS-CRP, Funktion und Befunde gemeinsam beurteilen; Intervalle nach Aktivität, Therapie und Risiko
Sicherheitslabor, Infektionsscreening und Impfen präparatbezogen planen
EMM, Depression, Knochen-/CV-Risiken und Frakturhinweise aktiv erfassen
Keine routinemäßige Bildgebung nur zur Bestätigung klinischer Inaktivität
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Aktivität und Therapieerfolg

ASDAS Zustand
<1,3 Inaktive Erkrankung
1,3 bis <2,1 Niedrige Aktivität
2,1 bis 3,5 Hohe Aktivität
>3,5 Sehr hohe Aktivität

ASDAS berechnen

  • Abfall ≥1,1: klinisch wichtige Besserung; ≥2,0: starke Besserung
  • ASDAS-CRP bevorzugt; ASDAS-BSG bei fehlendem CRP als Alternative. BASDAI ergänzt die Symptomerfassung und ist bei nicht praktikablem ASDAS Ersatzinstrument
  • ASDAS-CRP: CRP in mg/l; Werte <2 mg/l werden durch 2 mg/l ersetzt. Keine Verwechslung mit mg/dl oder rohen Morgensteifigkeits-Minuten statt NRS
  • BASFI/Funktion, Mobilität, Gelenk-/Enthesenbefunde, EMM und patientenberichtete Belastung ergänzen
  • Kontrollhäufigkeit nach Beschwerden, Schweregrad und Therapie; nach Beginn/Wechsel rechtzeitig für die Ansprechentscheidung.

Bildgebung im Verlauf

  • MRT bei unklarer Entzündungsaktivität zur Klärung der konkreten Therapiefrage; kein Ersatz der klinischen Verlaufskontrolle
  • EULAR Bildgebung 2015 empfiehlt MRT nicht routinemäßig zum Monitoring. Wiederholung nach klinischer Fragestellung
  • Bei erheblicher neuer Schmerzcharakteristik, besonders nach Trauma/bei Ankylose, Fraktur ausschließen; auch geringes Trauma ernst nehmen.

Spezifisches Medikamentenmonitoring

  • IL-17i: neue/verschlechterte CED-Symptome → Abklärung und Therapieentscheidung

Weitere Kontrollen und Dosisanpassungen: Adalimumab · Bimekizumab · Upadacitinib · Medikamentenübersicht Infektionsscreening und Impfungen

EMM, Knochen und Begleiterkrankungen

  • Uveitissymptome, CED-Beschwerden und Psoriasis einschließlich Haut-/Nagelbefunden erfassen; symptombezogene fachübergreifende Abklärung
  • Akutes schmerzhaftes/gerötetes Auge zeitnah augenärztlich beurteilen
  • EULAR Bildgebung 2015: ohne lumbale Syndesmophyten Hüft- und AP-LWS-DXA; mit Syndesmophyten Hüft-DXA, ergänzt durch laterale Wirbelsäulen-DXA oder ggf. QCT. Artefakte der AP-Messung beachten
  • Osteoporose-/Sturzrisiko und Frakturanamnese berücksichtigen; Intervalle und Therapie risikoadaptiert nach Osteoporoseleitlinie
  • CV-Risikofaktoren, Rauchen, Gewicht, psychische Belastung und depressive Symptome erfassen.

Wesentliche ACR 2026:

  • Kein routinemäßiges ophthalmologisches Screening oder Calprotectin-Screening bei asymptomatischen Erwachsenen ohne entsprechende Anamnese/Verdachtsbefunde
  • Kein routinemäßiges EKG-/Echo-Screening allein wegen axSpA; bei Symptomen/Befunden gezielte Diagnostik
  • Depressionsscreening und Behandlung, besonders bei therapierefraktärer Beschwerdelast

Klinische Untersuchungsmethoden

Für Verlaufsvergleiche Methode, Einheit und Auswertung konstant halten
Längen in cm, HWS-Rotation in Grad
Enthesitis-Indizes bei entsprechender klinischer Fragestellung
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Mobilität nach ASAS Handbuch 2009

Untersuchung Standardisierung
Schober, 10-cm-Technik Linie zwischen den beiden Spinae iliacae posteriores superiores markieren; zweite Marke 10 cm kranial. Bei maximaler Vorbeugung Zunahme in cm, besserer von zwei Versuchen
Lateralflexion Aufrecht, Fersen/Rücken an Wand; Knie gestreckt, kein Vorbeugen. Differenz vor/nach Seitneigung; je Seite besserer von zwei Versuchen, Mittelwert in cm
Okziput-/Tragus-Wand-Abstand Fersen/Rücken an Wand, Kinn in gewohnter Haltung; Kopf möglichst zur Wand. Besserer von zwei Versuchen, cm
HWS-Rotation Aufrechter Sitz, Goniometer; je Seite besserer von zwei Versuchen, Mittelwert in Grad
Thoraxexkursion Differenz maximaler Ein-/Ausatmung standardisiert messen; alters-/geschlechtsbezogen interpretieren
  • Schober-Grenzwert nicht aus einer anderen 10+5-cm-Methode übernehmen; kein einzelner Mobilitätsgrenzwert ersetzt die Diagnose
  • BASMI-Variante ausdrücklich benennen; Punkteschemata und lineare Formel nicht vermischen.

MASES

  • 13 Druckschmerzlokalisationen, je 0 oder 1, Summe 0–13
  • Beidseits: 1. und 7. kostochondraler Übergang, Spina iliaca anterior superior, Crista iliaca, Spina iliaca posterior superior und Achillesansatz
  • Zusätzlich Dornfortsatz L5; kostochondrale Übergänge nicht mit Sternokostalgelenken verwechseln
  • Klinischer Schmerzindex, kein alleiniger objektiver Beweis aktiver Enthesitis.

Methodenhinweis 2026: ASAS periphere Arthritis 2026 empfiehlt DAPSA44 zur Bewertung peripherer Arthritis in der klinischen Forschung. Das Instrument ersetzt nicht die axiale Aktivitätsmessung mit ASDAS.

Operation, Fraktur und Reproduktion

Hüft-TEP bei entsprechender Destruktion/Behinderung unabhängig vom jungen Alter erwägen
HWS-Beteiligung und Ankylose vor Narkose ausdrücklich kommunizieren
Reproduktive Therapieplanung und perioperative Pausen nach den zentralen Modulen
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Praktisches Vorgehen

  • Hüft-TEP bei refraktärem Schmerz/Funktionseinschränkung und radiologischem Schaden; korrigierende Osteotomie bei schwerer behindernder Deformität im Spezialzentrum
  • HWS-Erkrankung: Anästhesie über Intubations-/Lagerungsrisiken informieren und mit Patient:innen besprechen
  • TNFi bei Bedarf nach EULAR Schwangers 2024 während der gesamten Schwangerschaft möglich; NSAR-Zeitfenster, JAK-Vermeidung, Stillzeit und Säuglings-Lebendimpfungen präparatspezifisch im Reproduktionsmodul prüfen
  • EULAR Schwangers 2024/Infliximab-FI: unterschiedliche Vorgaben zu Säuglingsimpfungen

Quellen und Links

CTD-assoziierte interstitielle Lungenerkrankungen

Diagnostik und Klassifikation

Screening auch ohne Symptome
HRCT bei SSc/MCTD und IIM mit Risikofaktoren; bei den meisten übrigen IIM außer IBM sowie bei RA/Sjögren mit Risikofaktoren erwägen
Symptome
Belastungsdyspnoe, trockener Husten; frühe ILD auch symptomarm
Befunde
basales inspiratorisches Knisterrasseln, Belastungsdesaturation
Lungenfunktion
DLCO ↓, ggf. FVC ↓ / Restriktion
HRCT
interstitielles Muster und Ausdehnung; z. B. NSIP, UIP, organisierende Pneumonie
Krankheitsbezug
SSc, RA, IIM, MCTD, Sjögren; Screening nach Grunderkrankung/Risiko
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HRCT-Screening

Erkrankung Empfehlung Wesentliche Auswahlmerkmale
SSc Alle Patient:innen; stark Unabhängig von kutanem Subtyp und normaler Lungenfunktion
MCTD Alle Patient:innen; stark Auch ohne respiratorische Symptome
IIM mit Risikomerkmalen Stark Antisynthetase-Syndrom, klinisch amyopathische DM, Mechanikerhände, Arthritis; Antisynthetase-, Anti-MDA5- oder Anti-Ro52-Antikörper; Anti-Ku-/Anti-PM/Scl-Antikörper (ACR ILD-Screening 2023)
Übrige IIM Bei den meisten erwägen; konditional IBM von dieser allgemeinen Screeningempfehlung ausgenommen
RA Bei Risikomerkmalen erwägen; konditional Höheres Alter, Rauchen, erhöhter RF, ACPA-Positivität, Entzündungsparameter, männliches Geschlecht, hohe Gelenkaktivität
Sjögren Bei Risikomerkmalen erwägen; konditional Höheres Alter, männliches Geschlecht, aktive extrapulmonale Beteiligung, erhöhte Entzündungsparameter; Anti-Ro52 als zusätzlicher Risikohinweis
SLE Klinisch indizierte Abklärung Keine allgemeine EULAR 2026-Empfehlung zur Auswahl asymptomatischer Screeningpatient:innen
  • Lungenfunktion und Lungenultraschall als ergänzende Verfahren, nicht als Ersatz für ein indiziertes HRCT
  • Nach negativem Ausgangs-HRCT: erneute Untersuchung nach klinischer Entwicklung und Risikoprofil; kein festes europäisches Wiederholungsscreeningintervall

Ausgangsbefund und Differenzialdiagnosen

  • HRCT: Muster, Verteilung, Ausmaß und fibrotische Veränderungen
  • Lungenfunktion: FVC und DLCO; bei möglicher Atemwegsbeteiligung zusätzlich FEV₁; Messqualität und Hämoglobinbezug
  • Verlauf: Dyspnoe, Husten, Belastbarkeit, Geschwindigkeit der Verschlechterung; Therapiebeginn/-wechsel und Expositionen
  • SSc: Hautausmaß/-progression, Anti-Topoisomerase-I und Entzündungsparameter; Afroamerikanische Herkunft (EULAR 2026)
  • RA: UIP-Muster, Ausmaß der ILD und Funktionsverlust
  • IIM: insbesondere Anti-MDA5, Antisynthetase- und Anti-Ro52-Antikörper
  • Bei Verschlechterung: Infektion, Arzneimittelpneumonitis, PH/Herzerkrankung, Embolie, Aspiration und Malignität mitprüfen

BAL, Biopsie und funktionelle Zusatzbeurteilung

  • BAL bei Infektionsverdacht oder relevanter alternativer Diagnose erwägen
  • Keine Routinebiopsie bei typischer, klinisch zugeordneter CTD-ILD; bei atypischem Befund oder Malignitätsverdacht multidisziplinäre Nutzen-Risiko-Entscheidung
  • 6-Minuten-Gehtest einschließlich Desaturation zur ergänzenden Schweregradbeurteilung; eingeschränkte Aussage bei relevanter Arthritis, Gelenkschaden, Muskelschwäche oder Gefäß-/Hautbeteiligung
  • Patient-reported outcomes ergänzend zur Erfassung von Symptomlast und Alltagseinschränkung; gemeinsame Interpretation mit Funktion und Bildgebung
  • Bei Raynaud-Phänomen mit schlechter Fingerperfusion Sättigung vorzugsweise an Ohr oder Stirn messen (ACR ILD-Screening 2023).

Progressive pulmonale Fibrose

  • Fibrotische ILD außerhalb IPF; innerhalb des zurückliegenden Jahres mindestens zwei von drei Bereichen, ohne alternative Erklärung
Bereich Kriterium
Symptome Zunehmende respiratorische Beschwerden
Physiologie Absoluter FVC-Abfall ≥5 Prozentpunkte des Solls oder absoluter Hb-korrigierter DLCO-Abfall ≥10 Prozentpunkte des Solls
Bildgebung Mindestens eines der nachstehenden radiologischen Progressionsmerkmale
  • Radiologische Progressionsmerkmale:
  • Zunahme von Traktionsbronchiektasen/-bronchiolektasen ◦ Neue Milchglastrübungen mit Traktionsbronchiektasen ◦ Neue feine Retikulationen ◦ Zunehmendes Ausmaß oder gröbere Struktur vorhandener Retikulationen ◦ Neue oder zunehmende Honigwabenveränderungen ◦ Zunehmender lobärer Volumenverlust ◦
  • Gleichzeitiger FVC- und DLCO-Abfall: weiterhin nur ein physiologischer Bereich
  • Jahresfenster als Rückblick, nicht als Wartefrist; rasche Verläufe unmittelbar beurteilen
  • Abgrenzung zu relativen FVC-Schwellen der INBUILD-Studie

Therapie

Therapiebeginn
SSc-ILD
MMF (Off-Label), Rituximab (Off-Label) oder Cyclophosphamid (Off-Label); bei früher entzündlicher dcSSc Tocilizumab (Off-Label); Nintedanib (zugelassen) allein oder mit MMF (Off-Label)
RA-/Sjögren-/MCTD-/SLE-ILD
Immunsuppression erwägen; sehr geringe Evidenz, optimale Substanz unklar. RA-ILD: Wirkstoffoptionen
IIM-ILD
GK plus Immunsuppressivum; Wirkstoffoptionen
Unzureichende Wirksamkeit
Infektion, Exposition und Progressionsmechanismus prüfen; Immunsuppression anpassen; PPF → Nintedanib, neuere zugelassene Option Nerandomilast; RA-UIP → ggf. Pirfenidon (Off-Label) bei begrenzten Daten
Deeskalation
stabile Kontrolle → individuelle Reduktion nach Organaktivität und Progressionsrisiko; Mindestdauer nicht festgelegt Rasch progrediente ILD
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Behandlungsentscheidung

  • Ziele: Stabilisierung oder Verbesserung von Lungenfunktion, Belastbarkeit und Symptomen; Verringerung weiterer Organschäden
  • Behandlung auch bei hohem Risiko vor nachgewiesener PPF erwägen
  • Auswahl unter Einbeziehung extrapulmonaler Aktivität, Komorbiditäten, Reproduktion, Verträglichkeit und Präferenzen
  • Studienpopulationen als Orientierung für die Übertragbarkeit der Evidenz; individuelle Entscheidung außerhalb dieser Populationen
  • EULAR 2026-Therapieoptionen ohne verbindliche Rangfolge; Intensität nach Risiko und Schwere
  • Bei hohem Progressionsrisiko Kombination von Immunsuppressiva erwägen; bei PPF gegebenenfalls Immunsuppressivum + Nintedanib. Begrenzte Daten; erhöhtes Infektionsrisiko bei Kombinationen berücksichtigen
Prednisolon · Therapiebeginn · entzündliche Aktivität

Cave: Systemische Sklerose → renale Krise

  • SSc-ILD: keine GK-Erstlinientherapie
  • Prednisolon: initial bis 1 mg/kg p.o. täglich nach Schwere; Reduktion nach Verlauf

Zum Steckbrief Prednisolon

Mycophenolat-Mofetil (MMF) · Immunmodulation · initiale Option · (Off-Label)
  • Mycophenolat-Mofetil (MMF): initial 500 mg p.o. zweimal täglich → 1.000–1.500 mg zweimal täglich; (Off-Label)

Zum Steckbrief Mycophenolat-Mofetil (MMF)

Mycophenolat-Natrium (EC-MPS) · Alternative bei MMF-Unverträglichkeit · (Off-Label)
  • Mycophenolat-Natrium (EC-MPS): initial 360 mg p.o. zweimal täglich → 720–1.080 mg zweimal täglich; (Off-Label)
  • GFR <25 ml/min/1,73 m²: maximal 1.440 mg/d

Zum Steckbrief Mycophenolat-Natrium (EC-MPS)

Azathioprin · Immunmodulation · ausgewählte Verläufe · Zulassung je Grunderkrankung

Cave: Xanthinoxidasehemmer → verstärkte Thiopurinwirkung / schwere Myelosuppression

  • Azathioprin: initial 50 mg p.o. täglich → 2–3 mg/kg/d; SSc/Sjögren/MCTD (Off-Label)
  • Allopurinol/Oxipurinol/Thiopurinol: Azathioprin auf 25 % der Ausgangsdosis reduzieren; engmaschiges Blutbild
  • Febuxostat: Kombination nicht empfohlen

Zum Steckbrief Azathioprin

Cyclophosphamid · Induktion bei schwerem Verlauf · (Off-Label)

Cave: Fertilitätsschädigung; hämorrhagische Zystitis

  • Cyclophosphamid i.v.: 500–750 mg/m² alle 4 Wochen für 6 Monate; (Off-Label)
  • Cyclophosphamid p.o., alternativ: initial 50–150 mg/d → 2 mg/kg/d, maximal 200 mg/d; (Off-Label)
  • Mesna/Hydrierung: Begleitprophylaxe nach Regime

Zum Steckbrief Cyclophosphamid

Rituximab · Immunmodulation · ausgewählte Verläufe · (Off-Label)

Cave: HBV-Reaktivierung; schwere Hypogammaglobulinämie

  • Rituximab: 1.000 mg i.v. Tag 1 und 15; erneuter Zyklus nach Aktivität, häufig nach etwa 24 Wochen; (Off-Label)

Zum Steckbrief Rituximab

SSc-ILD

  • Mycophenolat, Rituximab oder Cyclophosphamid erwägen
  • Tocilizumab: frühe diffus-kutane SSc mit erhöhten Entzündungsparametern oder jüngster Hautfibroseprogression
  • Nintedanib allein oder mit Mycophenolat; Kombinationsevidenz vor allem für Zusatz zu bereits stabiler MMF-Therapie
  • Glukokortikoide: hohe Dosen wegen des Nierenkrisenrisikos vermeiden

ACR ILD-Therapie 2023 – abweichend: Starke Empfehlung gegen Glukokortikoide als reguläre Erstlinientherapie der SSc-ILD. Konditionale Empfehlung gegen eine initiale MMF/Antifibrotika-Kombination sowie gegen den Zusatz eines Antifibrotikums zu MMF ohne Progression. Seltene SSc-RP-ILD gesondert beurteilen.

Tocilizumab · Option bei früher entzündlicher Konstellation · (Off-Label)

Cave: Divertikulitis / Perforationsrisiko, Mechanistische CRP-Suppression

  • Tocilizumab: 162 mg s.c. einmal wöchentlich; SSc-ILD; (Off-Label)

Zum Steckbrief Tocilizumab

Nintedanib · Antifibrotische Therapie

Cave: Blutungsrisiko bei Antikoagulation; GI-Perforation

  • Nintedanib: 150 mg p.o. zweimal täglich mit Nahrung; bei Unverträglichkeit 100 mg zweimal täglich; SSc-ILD/PPF

Zum Steckbrief Nintedanib

RA-ILD

  • Aktive Arthritis und ILD gemeinsam beurteilen; Gelenkaktivität nach Treat-to-Target behandeln
  • Immunsuppression erwägen; konditionale Empfehlung bei sehr geringer Evidenz. Optimale Substanz unklar (EULAR 2026)
  • MMF (Off-Label) bedingt bevorzugte Erstlinienoption; weitere Optionen: Azathioprin, Rituximab (Off-Label), Cyclophosphamid (Off-Label). Bei gleichzeitig aktiver entzündlicher Arthritis kann Rituximab bevorzugt werden (ACR ILD-Therapie 2023)
  • Methotrexat als Arthritistherapie: bestehende RA-ILD allein kein Absetzgrund; bei Verdacht auf MTX-Pneumonitis MTX absetzen und gesondert abklären
  • PPF: Nintedanib, gegebenenfalls zusätzlich zur Immunsuppression
  • UIP-Muster: Pirfenidon bei begrenzten Daten erwägen
  • TNFi: Neubeginn bei bestehender ILD individuell diskutieren
  • DGRh RA 2026: Bei progressiver RA-ILD zusätzlich zur antiinflammatorischen Therapie frühzeitig antifibrotisch behandeln; keine generelle Präferenz eines einzelnen Immunsuppressivums

ACR ILD-Therapie 2023 – andere Auswahlbedingung: Pirfenidon als mögliche Ergänzung bei RA-ILD mit Progression trotz erster ILD-Therapie. EULAR 2026 knüpft diese Option an das UIP-Muster.

Methotrexat (MTX) · Gelenktherapie

Cave: CrCl <30 ml/min: kontraindiziert

  • Methotrexat (MTX): Arthritistherapie nach RA-Essential
  • Verdacht auf MTX-Pneumonitis: Absetzen und Abklärung
  • DGRh Wechselwirkung 2023: Cotrimoxazol in antibiotischer Therapiedosis meiden; PJP-Prophylaxe mit 160/800 mg dreimal wöchentlich bei niedrig dosiertem MTX möglich; Interaktionen und Kontrollen
  • DGRh Wechselwirkung 2023: unter Penicillinen MTX pausieren; Metamizol und Probenecid meiden; weitere Interaktionen
  • Nierenfunktion – DGRh Wechselwirkung 2023: bei GFR ≤45 ml/min von MTX abraten; FI: CrCl 30–59 ml/min → 50 % der Dosis, <30 ml/min → kontraindiziert; Dosisanpassung

Zum Steckbrief Methotrexat (MTX)

TNFi · Adalimumab, Etanercept, Certolizumab pegol, Golimumab, Infliximab · Gelenktherapie

Cave: schwere Herzinsuffizienz (NYHA III/IV)

  • TNFi: Arthritistherapie nach Grunderkrankung; Auswahl bei RA-ILD nach Lungenverlauf und Alternativen

Zum Steckbrief TNFi

Pirfenidon · Ausgewählte fibrotische Verläufe · (Off-Label)

Cave: CrCl <30 ml/min; Fluvoxamin: kontraindiziert

  • Pirfenidon: Tag 1–7: 267 mg p.o. dreimal täglich; Tag 8–14: 534 mg dreimal täglich; ab Tag 15: 801 mg dreimal täglich mit Nahrung; RA-UIP-ILD (Off-Label)

Zum Steckbrief Pirfenidon

IIM-ILD einschließlich Antisynthetase- und Anti-MDA5-Konstellation

  • Immunsuppressiv behandeln; die Wahl des Regimes individuell treffen, da Vergleichsdaten begrenzt sind
  • Mycophenolat, Azathioprin, Calcineurininhibitoren, Rituximab und Glukokortikoide nach Verlauf und Manifestationen
  • Bei hohem Risiko oder schwerer Erkrankung früh Kombinationstherapie erwägen; Cyclophosphamid, IVIG oder JAKi in ausgewählten Konstellationen
  • Anti-MDA5/RP-ILD: zeitkritischer eigener Behandlungspfad, keine langsame sequenzielle Routineeskalation
  • Bei zusätzlicher PPF Nintedanib erwägen
  • CNI und JAKi: konditionale Optionen bei IIM-ILD. IVIG bei ausgewählten progredienten IIM-/MCTD-ILD und RP-ILD; keine reguläre Erstlinientherapie (ACR ILD-Therapie 2023).
Tacrolimus · Kombination bei ausgewählten Verläufen · (Off-Label)

Cave: Nephrotoxizität; starke CYP3A4-Interaktionen

  • Tacrolimus, unretardiert: initial 0,075 mg/kg/d p.o. in 2 Gaben; IIM-ILD; Talspiegel 5–10 ng/ml; (Off-Label)

Zum Steckbrief Tacrolimus

Ciclosporin · Kombination bei ausgewählten Verläufen · (Off-Label)

Cave: Nephrotoxizität; starke CYP3A4-Interaktionen

  • Ciclosporin: etwa 3 mg/kg/d p.o. in 2 Gaben; IIM-ILD; Talspiegel 100–150 ng/ml; (Off-Label)

Zum Steckbrief Ciclosporin

IVIG · Ergänzung bei ausgewählten schweren Verläufen · Zulassung je Grunderkrankung / Präparat
  • Immunglobuline i.v. (IVIG): 2 g/kg pro Zyklus über 2–5 Tage, alle 4 Wochen; CTD-ILD (Off-Label); DM-Zulassung präparatbezogen

Zum Steckbrief IVIG

JAKi · Tofacitinib, Baricitinib, Upadacitinib · Spezialisierte Kombination / Reserve · (Off-Label)

Cave: MACE-/Malignom-/VTE-Risiko; Auswahlbeschränkungen

  • Tofacitinib: 5 mg p.o. zweimal täglich; alternativ 11 mg Retard p.o. einmal täglich; IIM-ILD (Off-Label)
  • Baricitinib: 2 mg p.o. einmal täglich; IIM-ILD (Off-Label)
  • Upadacitinib: 15 mg Retard p.o. einmal täglich; IIM-ILD (Off-Label)
  • Nur ohne geeignete Alternative: ≥65 Jahre; aktuelles/früheres langjähriges Rauchen; erhöhtes kardiovaskuläres-/Malignomrisiko
  • VTE-Risiko: besondere Vorsicht
  • Tofacitinib – FI: starke CYP3A4-Hemmung oder mäßige CYP3A4-/starke CYP2C19-Hemmung → 5 mg Filmtablette einmal täglich statt 5 mg zweimal täglich / 11 mg Retard; z. B. Ketoconazol / Fluconazol
  • Upadacitinib – FI: starke CYP3A4-Hemmer → 15 mg/d mit Vorsicht; Grapefruit vermeiden
  • Baricitinib – FI: bei Probenecid-Kombination 2 mg/d
  • Weitere Interaktionen / Organfunktion: substanzbezogene Anpassungen

Zum Steckbrief JAKi

Sjögren-, MCTD- und SLE-ILD

  • Immunsuppression nach Lungenbefund, Risiko und extrapulmonaler Organbeteiligung; bei begrenzten Daten individuell entscheiden
  • Mögliche Optionen im europäischen Praxisalgorithmus: Mycophenolat, Azathioprin, Rituximab, Cyclophosphamid und Glukokortikoide
  • SSc-Overlapmerkmale bei der Glukokortikoidabwägung berücksichtigen
  • Bei PPF Nintedanib, gegebenenfalls in Kombination mit Immunsuppression

Geltungsbereich der Ergänzung: Die ACR ILD-Therapie 2023 umfasst Sjögren und MCTD, nicht den SLE.

Verlauf, Wechsel und supportive Behandlung

  • Bei Verschlechterung zunächst Ursache, Adhärenz, Exposition und Nebenwirkungen prüfen; Infektion und andere Differenzialdiagnosen einbeziehen
  • Immunsuppression bei unzureichender Kontrolle anpassen; bei fibrotischer Progression antifibrotische Behandlung prüfen
  • Deeskalation individuell bei stabiler Kontrolle und unter Verlaufskontrollen; kein universelles CTD-ILD-Taperschema
  • Schwere/progrediente Erkrankung: frühzeitig Transplantationsevaluation besprechen
  • Rauchstopp, Bewegung/Rehabilitation, Impfprävention, Ernährungs- und Symptombehandlung; Sauerstofftherapie bei Hypoxämie; palliative Versorgung bei Bedarf (ACR ILD-Therapie 2023).
Nerandomilast · Antifibrotische Therapie · neuere Option
  • Nerandomilast: 18 mg p.o. zweimal täglich; bei Unverträglichkeit ggf. 9 mg zweimal täglich; IPF/PPF
  • Pirfenidon/Bosentan oder weitere starke/mäßige CYP3A-Induktoren: keine Reduktion auf 9 mg zweimal täglich; starke CYP3A-Hemmer: 9 mg zweimal täglich
Nicht als allgemeine ILD-Standardbehandlung

Zum Steckbrief Nerandomilast

  • Langfristige Glukokortikoidmonotherapie bei progressiver ILD; bei SSc besonders ungünstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis
  • Pirfenidon für alle CTD-ILD unabhängig von der Grunderkrankung: keine allgemeine europäische Empfehlung
  • Kombination zweier Biologika: kein regulärer Therapiepfad der dargestellten Algorithmen

Monitoring und Sicherheit

FVC/DLCO, Symptome, klinischen Befund und gegebenenfalls HRCT gemeinsam bewerten
Engmaschige Verlaufsphase nach Grunderkrankung; bei Verdacht zusätzliche Untersuchungen
Bekanntes ILD-Monitoring vom Wiederholungsscreening nach negativem HRCT trennen
Bei Raynaud Sättigungsmessung an Ohr/Stirn bevorzugen (ACR ILD-Screening 2023)
Spezifische Medikamentenkontrollen ergänzend zum ILD-Verlauf
Antifibrotische Therapie bei relevanter Toxizität unterbrechen oder dauerhaft beenden; produktspezifische Regeln
Impfstatus, Infektionsprophylaxe und Reproduktionsplanung nach tatsächlicher Therapieexposition
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Lungenfunktion bei bestehender ILD

Erkrankung Frühe Verlaufsphase Anschließend
SSc FVC/DLCO alle 3–6 Monate während der ersten 3–5 Jahre Mindestens alle 6–12 Monate
RA FVC/DLCO/FEV₁ alle 3–6 Monate während der ersten 1–2 Jahre Mindestens alle 6–12 Monate
IIM FVC/DLCO alle 3–6 Monate im ersten Jahr Mindestens alle 6–12 Monate
Sjögren FVC/DLCO/FEV₁ alle 3–6 Monate im ersten Jahr Mindestens alle 6–12 Monate
MCTD Risikoadaptierte Festlegung; Praxisorientierung im folgenden Absatz Verlauf und Risiko maßgeblich
SLE Individuelle Festlegung nach Lungen-/ Organverlauf Kein festes europäisches Intervallstatement
  • Europäische MCTD-Praxisorientierung: hohes Risiko im ersten Jahr alle 3–6 Monate, danach alle 6–12 Monate; niedriges Risiko zunächst alle 6–12 Monate, später jährlich
  • MCTD-Zeiten aus dem praktischen Algorithmus, nicht aus einem formalen MCTD-Intervallstatement
  • Zusätzliche Untersuchungen bei Progressionsverdacht; bei schwerer Erkrankung eingeschränkte Durchführbarkeit und Messqualität berücksichtigen

HRCT und funktionelle Verlaufsbeurteilung

  • SSc-, RA- und andere CTD-ILD: HRCT nach 1–2 Jahren erwägen, besonders bei erhöhtem Risiko; zusätzlich bei Progressionsverdacht
  • IIM-ILD mit Risiko für schweren/rasch progredienten Verlauf: HRCT nach 3–6 Monaten, jährlich in den ersten zwei Jahren sowie bei Progressionsverdacht
  • Isolierten DLCO-Abfall auch hinsichtlich PH, Anämie und anderer Ursachen beurteilen
  • Symptome, Belastungsdesaturation und patientenberichtete Einschränkung ergänzen
  • Gehstrecke allein nicht als routinemäßiger Verlaufsparameter empfohlen; bei PH oder Transplantationsevaluation weiter nutzbar. Belastungsdesaturation gesondert messen (ACR ILD-Screening 2023).

Spezifisches Medikamentenmonitoring

  • Rituximab: IgG vor Beginn und vor jedem weiteren Zyklus
  • Cyclophosphamid: nadirbezogenes Blutbild; bei i.v.-Pulsen typischerweise Tag 8–14; Urin auf Hämaturie
  • Tacrolimus/Ciclosporin: Talspiegel, Blutdruck und Nierenfunktion; erneute Beurteilung bei Interaktion oder Formulierungswechsel
  • IL-6Ri: klinische Aktivität und Infektionszeichen trotz mechanistischer CRP-Suppression beurteilen

Weitere Kontrollen und Dosisanpassungen: Tocilizumab · Methotrexat · Medikamentenübersicht

Antifibrotika im Verlauf

  • Nintedanib/Nerandomilast: Diarrhö, Gewicht und Verträglichkeit

Weitere Kontrollen und Dosisanpassungen: Medikamentenübersicht

Infektionen, JAK-Risiken und Reproduktion

  • Vor relevanter Immunsuppression: TB-/Hepatitisrisiko, aktive Infektion und Impfstatus prüfen; bei Rituximab HBV-Screening und Immunglobuline
  • PJP-Prophylaxe nach Immunsuppressionsintensität, Dauer und individuellen Risiken
  • JAK-Inhibitoren bei Alter ≥65 Jahre, kardiovaskulärem oder Malignomrisiko sowie aktuellem beziehungsweise langjährigem früherem Rauchen nur bei fehlender geeigneter Alternative; zusätzliche Vorsicht bei VTE-Risiko
  • Reproduktionsberatung vor teratogenen oder gonadotoxischen Therapien; Kontrazeptionsfristen nach Präparat
  • Infektionsverdacht unter IL-6-Hemmung auch bei niedrigem CRP ernst nehmen

Rasch progrediente ILD

Rascher Anstieg des Sauerstoff-/Beatmungsbedarfs
zeitkritische Zentrumsbehandlung
Gesicherte oder vermutete Anti-MDA5-RP-ILD
initiale Dreifachkombination erwägen; andere RP-ILD: Zwei- oder Dreifachkombination (ACR ILD-Therapie 2023)
Infektion und andere Akutursachen parallel prüfen
Frühzeitige Transplantationsevaluation bei geeigneten Patient:innen
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Akutpfad

  • Rasche klinische und respiratorische Verschlechterung, besonders bei Anti-MDA5-/IIM-Konstellation: unmittelbare spezialisierte Beurteilung
  • Wochen bis wenige Monate (EULAR 2026); Anstieg des Sauerstoff-/Beatmungsbedarfs innerhalb von Tagen bis Wochen (ACR ILD-Therapie 2023)
  • Alternative Ursachen, insbesondere Infektion, kardiale Dekompensation und andere akute Lungenschäden, parallel abklären
  • Kombinationstherapie nach Phänotyp und Risiko; Behandlung nicht auf ein routinemäßiges Kontrollintervall verschieben
  • SSc mit RP-ILD: Glukokortikoide im Einzelfall erwägen; bei Einsatz engmaschig auf eine renale Krise überwachen (ACR ILD-Therapie 2023)
  • Frühzeitige Transplantationsevaluation; Evaluation nicht gleich Listung oder Transplantation
  • Bei gesicherter oder vermuteter Anti-MDA5-RP-ILD initiale Dreifachkombination erwägen; bei anderen RP-ILD-Konstellationen Zwei- oder Dreifachkombination. Begrenzte Daten zur optimalen Kombination (ACR ILD-Therapie 2023).
Methylprednisolon · Akuttherapie bei rascher Progression

Cave: Systemische Sklerose → renale Krise

  • Methylprednisolon: 1 g i.v. täglich für 3 Tage; schwere/RP-ILD

Zum Steckbrief Methylprednisolon

Quellen und Links

Gicht

Diagnostik und Klassifikation

Anfall
akute stark schmerzhafte, gerötete Mono-/Oligoarthritis; häufig Podagra; Schmerzmaximum <24 Stunden
Verlauf
selbstlimitierende frühere Anfälle; bei chronischem Verlauf Tophi
Punktat
nadelförmige, stark negativ doppelbrechende MSU-Kristalle
Bildgebung
sonographisch Doppelkonturzeichen/Tophi; DECT-Uratablagerungen
Serumurat
häufig erhöht; im akuten Anfall auch normal
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Diagnosesicherung

  • Anamnese, Gelenkbefall, Verlauf, Rötung/Schwellung/Überwärmung, Tophi und Serumurat gemeinsam bewerten
  • Nadelförmige, stark negativ doppelbrechende MSU-Kristalle im Gelenk-/Bursapunktat oder Tophusmaterial; fachrheumatologisch hoher Stellenwert
  • Normales Serumurat während eines Anfalls möglich; bei fortbestehendem Verdacht erneute Messung im Intervall
  • Sonographie: Doppelkonturzeichen und Tophi; unspezifische Aggregate allein kein sicherer Nachweis
  • DECT bei entsprechender Fragestellung; Artefakte an Nägeln/Haut, kleine Fehlpixel, Bewegung und Gefäße berücksichtigen
  • Röntgen für Differenzialdiagnosen und fortgeschrittene Schäden: ausgestanzte Erosionen, sklerotischer Rand, überhängende Kanten
  • Bei gichttypischer Sonographie/DECT Kristallmikroskopie nicht in jeder Konstellation zur Bestätigung erforderlich; gleichzeitige septische Arthritis damit nicht ausgeschlossen.

ACR/EULAR-Gichtklassifikationskriterien 2015

ACR/EULAR-Gichtklassifikationskriterien 2015 berechnen

  • Eintritt: mindestens eine Episode mit Schmerz, Schwellung oder Druckschmerz eines peripheren Gelenks oder einer Bursa
  • Hinreichend: MSU-Kristalle im jemals symptomatischen Gelenk/Bursa oder Tophus; keine zusätzliche Punkteberechnung erforderlich
  • Sonst je Domäne die höchste jemals erfüllte Kategorie; Kategorien derselben Domäne nicht addieren
Klinische Domäne Punkte
Sprunggelenk/Mittelfuß bei Mono-/Oligoarthritis ohne MTP-I-Beteiligung 1
MTP-I-Beteiligung bei Mono-/Oligoarthritis 2; ersetzt die vorangehende Kategorie
Anfallsmerkmale: Rötung, Berührung/Druck nicht toleriert, erhebliche Geh-/Gebrauchseinschränkung 1 / 2 / 3 bei einem / zwei / drei Merkmalen
Typischer Zeitverlauf: mindestens zwei aus Schmerzmaximum <24 h, Rückbildung ≤14 Tage, vollständige Rückkehr zum Ausgangszustand zwischen Episoden 1 bei einer typischen Episode; 2 bei wiederholten typischen Episoden
Klinischer Tophus an typischer Stelle 4
Labor/Bildgebung Punkte
Serumurat <4 mg/dl −4
Serumurat 4–<6 mg/dl 0
Serumurat 6–<8 mg/dl 2
Serumurat 8–<10 mg/dl 3
Serumurat ≥10 mg/dl 4
MSU-negatives Punktat eines jemals symptomatischen Gelenks/ einer Bursa, qualifiziert untersucht −2; nicht untersucht: 0
Doppelkonturzeichen oder DECT-Uratnachweis an jemals symptomatischem Gelenk/Bursa 4 insgesamt, nicht pro Verfahren
Mindestens eine typische Erosion im Röntgen von Händen/ Füßen 4
  • Nicht erfüllte klinische Kategorien und fehlende Bildgebung: 0 Punkte
  • Serumurat: höchsten verfügbaren Wert; möglichst ohne Harnsäuresenker und >4 Wochen nach Anfallsbeginn bestimmt, ggf. in dieser Situation nachmessen
  • Erosion: kortikaler Defekt mit sklerotischem Rand und überhängender Kante; DIP-Befall und „gull-wing“- Muster hierfür nicht werten
  • ≥8 von maximal 23 Punkten: Klassifikation erfüllt; Diagnose klinisch
  • SUGAR-Validierung n=330: Sensitivität 92 %, Spezifität 89 %; klinische Variante ohne Mikroskopie/ Bildgebung 85 % / 78 %.

Therapie

Therapiebeginn
Anfall → Colchicin, NSAR oder Prednisolon; Mono-/Oligoarthritis → ggf. intraartikuläres Glukokortikoid
beeinträchtigender Anfall, >1 Anfall/Jahr oder Tophi → Allopurinol oder Febuxostat; kardiovaskuläre Komorbidität → Allopurinol bevorzugt
zur Harnsäuresenkung zusätzlich niedrig dosiertes Colchicin oder geeignetes NSAR zur Anfallsprophylaxe; 3–6 Monate, unter Febuxostat mindestens 6 Monate
Unzureichende Wirksamkeit
Anfall nach 24–72 Stunden → Diagnose/Infektion, Einnahme und Dosis prüfen; Akuttherapie anpassen; Canakinumab bei eng begrenzter Reserveindikation
Harnsäuresenkung → Dosis steigern; unter maximal verträglichem Allopurinol → Febuxostat; Benzbromaron/Probenecid als Alternative/Ergänzung
Deeskalation
Akuttherapie nach Abklingen des Anfalls; Anfallsprophylaxe nach 3–6 Monaten bzw. unter Febuxostat frühestens nach 6 Monaten prüfen; Harnsäuresenkung langfristig fortführen
Ausführliche Informationen anzeigenWeniger anzeigen

Akuter Anfall

  • Colchicin, NSAR oder Glukokortikoid; früh nach Anfallsbeginn
  • Wenige betroffene Gelenke → intraartikuläres Glukokortikoid nach Infektionsausschluss
  • Supportiv Schonung, Hochlagerung und Kühlung
  • Keine Besserung nach 24–72 Stunden: Diagnose einschließlich Infektion, Einnahme, Dosis/Organanpassung und Therapiealternative prüfen
  • Canakinumab bei ≥3 Anfällen/Jahr und ungeeigneten Standardtherapien
Colchicin · Therapiebeginn im Anfall / Prophylaxe bei Beginn der Harnsäuresenkung

Cave: Clarithromycin/Ciclosporin → lebensbedrohliche Intoxikation

  • Colchicin – Anfall: 0,5 mg p.o. 2–3-mal täglich; maximal 6 mg pro Zyklus; erneuter Zyklus frühestens nach 72 Stunden
  • Colchicin – Anfallsprophylaxe: 0,5–1 mg p.o. täglich
  • Nieren-/Leberfunktionsstörung: leicht/mittelschwer 0,5 mg/d; schwer: KI; Diarrhö/Erbrechen → Absetzen

Zum Steckbrief Colchicin

Prednisolon · Therapiebeginn im Anfall
  • Prednisolon: 30 mg p.o. morgens für 5 Tage; akuter Gichtanfall

Zum Steckbrief Prednisolon

Intraartikuläre Glukokortikoide · Lokale Anfallstherapie bei Mono-/Oligoarthritis

Cave: Gelenk-/punktionsnahe Infektion; keine intratendinöse Injektion

Zum Steckbrief Intraartikuläre Glukokortikoide

Triamcinolonacetonid – Erwachsene, Einzeldosis pro Gelenk:
Gelenk Dosis i.a.
Finger-/Zehengelenk bis 10 mg
Schulter-/Ellenbogengelenk 20 mg
Hüft-/Kniegelenk 20–40 mg
  • Mehrere Gelenke: insgesamt bis 80 mg pro Sitzung
  • Für kleine Dosen Suspension mit 10 mg/ml; Erguss vor Injektion aspirieren
  • Erneute Injektion frühestens nach 3–4 Wochen; höchstens 3–4 Injektionen pro Gelenk/Jahr
  • Triamcinolonacetonid-FI, Abschnitte 4.1–4.4

Zum Steckbrief Triamcinolonacetonid – Erwachsene, Einzeldosis pro Gelenk:

Etoricoxib · Therapiebeginn im Anfall
  • Etoricoxib: 120 mg p.o. einmal täglich, maximal 8 Tage; akuter Gichtanfall

Zum Steckbrief Etoricoxib

Canakinumab · Reserve bei ungeeigneten Standardoptionen
  • Canakinumab: 150 mg s.c. einmalig; bei Ansprechen Wiederholung frühestens nach 12 Wochen
  • Auswahl: ≥3 Anfälle/Jahr; NSAR/Colchicin ungeeignet oder unzureichend wirksam; wiederholte GK-Kurse ungeeignet

Zum Steckbrief Canakinumab

Harnsäuresenkung und Prophylaxe

  • Indikation: einschränkender/beeinträchtigender Anfall, >1 Anfall/Jahr oder tophöse Gicht; bereits nach erstem Anfall Optionen und individuelles Risiko besprechen
  • Kardiovaskuläre Komorbidität: Allopurinol bevorzugt, Febuxostat als Alternative
  • Zielwert trotz maximal verträglicher Allopurinoldosis verfehlt oder Allopurinol unverträglich: Febuxostat erwägen
  • Niereninsuffizienz: Allopurinol niedrig beginnen und angepasst steigern; Febuxostat bei leichter/mittlerer Einschränkung ohne Dosisreduktion, bei CrCl <30 ml/min unzureichend untersucht
  • Azathioprin/6-Mercaptopurin: Kombination mit Xanthinoxidasehemmern möglichst vermeiden; Einzelheiten im Medikamentenblock
  • Ziel <6 mg/dl, bei Tophi <5 mg/dl erwägen; Anfälle, Tophi und Funktion mitbeurteilen
  • DEGAM-Sondervotum: klinischer Verlauf und individuelle Gichtlast; keine generelle Zielwertstrategie
  • Beginn: DGRh 2024 → innerhalb der ersten 14 Tage nach Anfallsbeginn möglich; FI abweichend: Allopurinol/Febuxostat erst nach vollständigem Abklingen des Anfalls
  • Bei Anfall unter Harnsäuresenkung: Harnsäuresenker fortführen, Anfall zusätzlich antientzündlich behandeln
  • Bei maximal verträglicher/zulässiger Xanthinoxidasehemmer-Therapie und weiter unzureichender Wirkung oder Unverträglichkeit Urikosurikum erwägen; Kombination mit Xanthinoxidasehemmer möglich
  • Einleitungsprophylaxe mit niedrig dosiertem Colchicin oder geeignetem NSAR 3–6 Monate; unter Febuxostat mindestens 6 Monate, weitere Dauer nach Anfällen/Restdepots
  • Harnsäuresenkung langfristig fortführen
  • Asymptomatische Hyperurikämie: keine routinemäßige medikamentöse Harnsäuresenkung allein zur Gichtprävention – ACR Gicht 2020
Xanthinoxidasehemmer · Allopurinol, Febuxostat · Harnsäuresenkende Dauertherapie

Cave: Azathioprin/6-Mercaptopurin → potenziell lebensbedrohliche Myelosuppression

  • Allopurinol: initial 100 mg p.o./d; Dosis bis zum Harnsäureziel steigern; >300 mg/d auf mehrere Einzeldosen verteilen
  • Chronische Niereninsuffizienz ab Stadium 3: initial 50 mg/d erwägen – ACR Gicht 2020; anschließend Titration nach Serumurat und Verträglichkeit
  • 50-mg-Dosis: z. B. ½ Tablette Allopurinol Heumann 100 mg; laut FI, Abschnitt 3 in gleiche Dosen teilbar
  • Schwere Niereninsuffizienz: auch 100 mg in Abständen >1 Tag möglich; bei verfügbarer Spiegelmessung Oxipurinol <100 µmol/l – Allopurinol-FI, Abschnitt 4.2
  • Febuxostat: 80 mg p.o. einmal täglich; Serumurat >6 mg/dl nach 2–4 Wochen → 120 mg/d erwägen
  • Allopurinol: HLA-B*58:01-Test insbesondere bei Han-chinesischer, thailändischer oder koreanischer Abstammung erwägen; positiv → Alternative bevorzugen; SJS/TEN/DRESS → dauerhaft absetzen; keine erneute Gabe
  • Febuxostat: nach Myokardinfarkt, Schlaganfall oder bei instabiler Angina pectoris besondere Vorsicht und regelmäßige Kontrollen; CrCl <30 ml/min: unzureichend untersucht – Febuxostat-FI, Abschnitte 4.2/4.4
Kombination Vorgehen
Allopurinol/Oxipurinol/Thiopurinol + Azathioprin/6-MP Kombination möglichst vermeiden; bei erforderlicher Kombination Thiopurin auf 25 % der Ausgangsdosis reduzieren; engmaschiges Blutbild
Febuxostat + Azathioprin/6-MP Kombination nicht empfohlen

Zum Steckbrief Xanthinoxidasehemmer

Urikosurika · Benzbromaron, Probenecid · Alternative / Ergänzung bei unzureichender
Xanthinoxidasehemmer-Therapie
  • Benzbromaron: initial 25 mg p.o. täglich → 50–100 mg/d; Beginn frühestens 2 Wochen nach Anfallsbeginn und nach Symptomlinderung
  • Probenecid: Woche 1: 250 mg p.o. zweimal täglich; danach 500 mg zweimal täglich; CrCl <50 ml/min: KI
  • Begleitmaßnahmen: Flüssigkeit und Urinalkalisierung nach Organfunktion
  • Interaktionen: MTX-Kombination meiden – DGRh Wechselwirkung 2023; Baricitinib bei Erwachsenen auf 2 mg/d – FI; Dosisanpassungen

Zum Steckbrief Xanthinoxidasehemmer-Therapie

Lebensstil und Komorbiditäten

  • Gewichtsreduktion bei Übergewicht; ausgewogene, pflanzenbetonte Ernährung; Fleisch, Alkohol und mit Fruktose angereicherte Lebensmittel/Getränke reduzieren
  • Hypertonie, Diabetes, Dyslipidämie, CKD und kardiovaskuläre Erkrankungen erfassen und behandeln
  • Schleifen-/Thiaziddiuretika: Indikation und mögliche Alternativen prüfen
  • Für eine bestimmte Gichtdiät ist eine Reduktion der Anfälle nicht ausreichend belegt
  • Indizierte niedrig dosierte ASS nicht allein wegen Gicht absetzen.

Patienteninformation: IQWiG: Ernährung, Gewicht und Alkohol bei Gicht · Broschüre Gicht zum Ausdrucken, 16 Seiten, Stand 2022

Monitoring und Sicherheit

Serumurat während der Titration monatlich bis zur Zielerreichung (NICE Gicht 2022)
Anfälle, Tophi, Funktion und Adhärenz zusätzlich zum Laborziel
Hautausschlag/Überempfindlichkeitszeichen unter Allopurinol oder Intoxikationszeichen unter Colchicin → sofort pausieren und abklären
Arzneimittelkontrollen bei den Medikamenten; kardiovaskuläre Risiken mitbehandeln
Ausführliche Informationen anzeigenWeniger anzeigen

Verlaufskontrollen

  • Serumurat während der Titration monatlich bis Zielerreichung (NICE Gicht 2022); unter Febuxostat erste Kontrolle nach 2 Wochen möglich, bei Zielverfehlung Dosissteigerung nach 2–4 Wochen – Febuxostat-FI, Abschnitt 4.2
  • Ziel <6 mg/dl, bei Tophi <5 mg/dl erwägen; Dosisanpassung mit Organfunktion und Verträglichkeit abstimmen

Spezifisches Medikamentenmonitoring

  • Colchicin: Diarrhö/Erbrechen oder neuromuskuläre Beschwerden → sofort pausieren, Toxizität abklären

Weitere Kontrollen und Dosisanpassungen: Medikamentenübersicht

Quellen und Links

Großgefäßvaskulitiden: Riesenzellarteriitis (GCA) und Takayasu-Arteriitis (TAK)

Diagnostik und Klassifikation

GCA
Alter ≥50 Jahre; neuer Kopfschmerz, Kopfhautempfindlichkeit, Kieferclaudicatio; Sehstörung, PMR-Beschwerden; CRP/BSG ↑
Großgefäßbefall / TAK
Arm-/Beinclaudicatio, Pulsdefizit, Blutdruckdifferenz, Strömungsgeräusche
GCA-Bildgebung
zuerst Sonographie der Temporal- und Axillararterien; bei vermutetem extrakranialem Befall FDG-PET, alternativ MRT/MRA oder CT/CTA
TAK-Bildgebung
MRT/MRA; Gefäßwandentzündung und Stenosen
Visuelle Ischämie
Notfall; sofortige rheumatologische und ophthalmologische Versorgung
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Klinische Abklärung und Fast-Track

  • GCA-Verdacht fachärztlich innerhalb 24 Stunden beurteilen; kraniale Ischämie, Amaurosis fugax oder akuter Visusverlust → sofortige rheumatologische und ophthalmologische Versorgung
  • Bei starkem GCA-Verdacht GK unmittelbar beginnen und Bestätigungsdiagnostik parallel organisieren; weder Bildgebung noch Biopsie abwarten
  • Bei den meisten TAK-Verdachtsfällen ohne Notfall zunächst Diagnose fachärztlich sichern
  • Anamnese: Gefäß-/Sehsymptome, PMR, Fieber/Gewichtsverlust, Thorax-/Rücken-/Bauchschmerz, Claudicatio; kardiovaskuläre Vorgeschichte
  • Untersuchung: Pulse und Strömungsgeräusche, Blutdruck beidseits, Temporalarterien, Zeichen einer Extremitäten-/Organischämie; bei Armgefäßstenosen verlässlichen Messort festlegen
  • CRP/BSG, Blutbild/Thrombozyten, Nieren-/Leberwerte; weiterführende Diagnostik nach Befund. Normale Entzündungswerte schließen Aktivität nicht sicher aus
  • Differenzialdiagnosen: Atherosklerose, andere entzündliche/infektiöse Aortitiden, nichtentzündliche Vasculopathien; bei PMR-Symptomen entsprechende Mimics.

Bildgebung und Biopsie

Situation Bevorzugtes Vorgehen
GCA-Verdacht Sonographie Temporal- und Axillararterien bei ausreichender Expertise
Kraniale GCA, Sonographie nicht geeignet/verfügbar Hochauflösende MRT oder FDG-PET als Alternativen
Vermutete extrakraniale GCA FDG-PET; MRT oder CT als Alternativen zur Beurteilung von Wandentzündung und/oder Lumenschäden
TAK-Verdacht MRT/MRA als erste Bildgebung; FDG-PET, CT oder Sonographie als Alternativen je Fragestellung. Sonographie nur begrenzt für die thorakale Aorta
Unklare oder widersprüchliche Befunde Weitere Bildgebung und/oder Temporalarterienbiopsie nach Phänotyp und klinischer Wahrscheinlichkeit
  • Bei hoher klinischer Wahrscheinlichkeit und eindeutig positiver Bildgebung kann die GCA-Diagnose ohne zusätzliche Biopsie gestellt werden; bei niedriger Wahrscheinlichkeit und negativer Bildgebung eher unwahrscheinlich
  • Alle übrigen Konstellationen benötigen weitere diagnostische Abklärung; negative Sonographie bei hoher Wahrscheinlichkeit kein Abschlussbefund
  • Bildgebung möglichst vor, sonst innerhalb 72 Stunden nach GK-Beginn; die Untersuchung darf den dringlichen Therapiebeginn nicht verzögern
  • Konventionelle Angiographie nicht zur primären Vaskulitisdiagnostik; gegebenenfalls für Interventionen.

ACR/EULAR-GCA-Klassifikationskriterien 2022

ACR/EULAR-GCA-Klassifikationskriterien 2022 berechnen

Voraussetzungen: diagnostizierte Mittel-/Großgefäßvaskulitis, relevante Mimics ausgeschlossen und Alter ≥50 Jahre bei Diagnose. Dann Items addieren; jede Tabellenzeile höchstens einmal.

Merkmal Punkte
Positive Temporalarterienbiopsie oder temporales Halo in der Sonographie 5
Maximale BSG ≥50 mm/h oder CRP ≥10 mg/l vor Behandlung 3
Plötzlicher Visusverlust 3
Morgensteifigkeit der Schultern/des Nackens 2
Kiefer- oder Zungenclaudicatio 2
Neuer temporaler Kopfschmerz 2
Kopfhautempfindlichkeit 2
Pathologische Temporalarterie bei Untersuchung 2
Bilaterale Axillarbeteiligung in der Bildgebung 2
FDG-PET-Aktivität entlang der thorakalen Aorta descendens und der abdominalen Aorta 2
  • Pathologische Temporalarterie: reduzierter/fehlender Puls, Druckschmerz oder verhärteter strangförmiger Befund
  • Bilateraler Axillarbefall: beidseitige Lumenschäden wie Stenose, Okklusion oder Aneurysma in geeigneter Angiographie/Sonographie, beidseitiges Halo oder beidseitige pathologische FDG-Aufnahme
  • Aortales PET-Item: pathologische Aufnahme, z. B. über Leberniveau, in beiden genannten Aortenabschnitten; einzelne fokale aortale FDG-Aufnahme genügt nicht
  • ≥6 Punkte: GCA klassifiziert; kein pauschales zusätzliches Item „Gefäßbildgebung +3“.

ACR/EULAR-TAK-Klassifikationskriterien 2022

ACR/EULAR-TAK-Klassifikationskriterien 2022 berechnen

Voraussetzungen: diagnostizierte Mittel-/Großgefäßvaskulitis, relevante Mimics ausgeschlossen, Alter ≤60 Jahre bei Diagnose und bildgebender Vaskulitisnachweis. Alter genau 60 Jahre eingeschlossen.

Merkmal Punkte
Weibliches Geschlecht 1
Angina pectoris 2
Arm- oder Beinclaudicatio 2
Arterielles Strömungsgeräusch 2
Verminderter Puls der oberen Extremität 2
Verminderter Karotispuls oder Karotisdruckschmerz 2
Systolische Blutdruckdifferenz zwischen den Armen ≥20 mmHg 1
Anzahl betroffener arterieller Territorien: 1 / 2 / ≥3 1 / 2 / 3; nur eine Kategorie
Symmetrischer Befall eines paarigen arteriellen Territoriums 1
Abdominale Aorta und Nieren- oder Mesenterialarterien betroffen 3
  • Für die Territorienzahl neun Regionen: thorakale Aorta, abdominale Aorta, Mesenterialarterien sowie jeweils rechte/linke Karotis-, Subklavia- und Nierenarterien
  • Für Territorienzahl, paarig-symmetrischen und kombinierten abdominellen Befall zählen definierte Lumenschäden wie Stenose, Okklusion oder Aneurysma
  • Paarig-symmetrisch: Karotis-, Subklavia- oder Nierenarterien; 1 Punkt, unabhängig von der Anzahl betroffener Paare
  • ≥5 Punkte: TAK klassifiziert. Die Altersvoraussetzung begrenzt die Klassifikation, nicht die klinische Diagnose.

Therapie

Therapiebeginn
Prednisolon 40–60 mg/d; Visuelle Ischämie bei GCA: Notfall; sofort ophthalmologisch beurteilen, ggf. Methylprednisolon i.v.
GCA → zusätzlich zu GK Tocilizumab oder Upadacitinib erwägen, besonders bei Rezidiv/ Refraktärität oder erhöhtem GK-Nebenwirkungsrisiko; MTX (Off-Label) als Alternative. TAK → zusätzlich MTX (Off-Label), Azathioprin (Off-Label), MMF (Off-Label) oder Leflunomid (Off-Label)
Unzureichende Wirksamkeit
GCA → adjuvante Therapie ergänzen/wechseln; TAK trotz csDMARD → Tocilizumab (Off-Label) oder TNFi (Off-Label); Major-Relaps → erneute Induktion; Minor-Relaps → mindestens letzte wirksame GK-Dosis
Deeskalation
zunächst GK; bei Krankheitskontrolle Prednisolon auf 15–20 mg/d innerhalb von 2–3 Monaten reduzieren; GK-Freiheit innerhalb 12–18 Monaten anstreben; adjuvante Therapie bei stabiler Kontrolle individuell reduzieren
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Therapiebeginn

  • GK zur Induktion; Beginn und Reduktion nach Krankheitsaktivität und Organbedrohung
Glukokortikoide (GK) · Prednisolon, Methylprednisolon · Therapiebeginn · Remissionsinduktion
  • Prednisolon: initial 40–60 mg p.o. täglich; Reduktion nach Krankheitskontrolle
  • Akuter Visusverlust bei GCA: Methylprednisolon 250–1.000 mg i.v. täglich für bis zu 3 Tage erwägen; sofortige ophthalmologische Versorgung

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GCA: Auswahl der adjuvanten Therapie

  • Tocilizumab oder Upadacitinib zusätzlich zu GK erwägen, besonders bei Rezidiv/Refraktärität oder erhöhtem GK-Nebenwirkungsrisiko
  • Auswahl nach Infektionen, Divertikulitis/Perforationsrisiko, CV-/VTE-/Tumorrisiken, Vortherapie und Präferenz; JAK-Risikoselektion vor UPA
  • Bei bekannten CV-Erkrankungen, VTE-Risiko oder Malignomanamnese TCZ häufig günstiger einzuordnen; auch TCZ benötigt individuelle Infektions-/GI-Risikoprüfung
  • MTX als Alternative, etwa wenn die gezielten Optionen ungeeignet oder nicht verfügbar sind; geringere und heterogenere Evidenz
  • Mit Tocilizumab/Upadacitinib: Ausschleichen der Glukokortikoide über 26 Wochen in den Zulassungsstudien
  • Optimale Dauer der adjuvanten Therapie nicht gesichert; Absetzen gewöhnlich erst nach GK-Reduktion erwägen. TCZ eher ausschleichen als abrupt beenden; bei hohem Rezidivrisiko Fortführung über ein Jahr erwägen
  • TNFi bei GCA nicht empfohlen
Tocilizumab · GK-Einsparung · adjuvante Therapie · TAK (Off-Label)

Cave: Divertikulitis / Perforationsrisiko, Mechanistische CRP-Suppression

  • Tocilizumab – GCA: 162 mg s.c. einmal wöchentlich + ausschleichende GK; anschließend Monotherapie möglich
  • Tocilizumab – TAK: 162 mg s.c. einmal wöchentlich oder 8 mg/kg i.v. alle 4 Wochen; (Off-Label)

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Upadacitinib · GK-Einsparung · adjuvante Therapie

Cave: MACE-/Malignom-/VTE-Risiko; Auswahlbeschränkungen

  • Upadacitinib: 15 mg Retard p.o. einmal täglich; GCA; + ausschleichende GK; anschließend Monotherapie möglich
  • Nur ohne geeignete Alternative: ≥65 Jahre; aktuelles/früheres langjähriges Rauchen; erhöhtes kardiovaskuläres-/Malignomrisiko
  • VTE-Risiko: besondere Vorsicht
  • Upadacitinib – FI: starke CYP3A4-Hemmer → 15 mg/d mit Vorsicht; Grapefruit vermeiden
  • Weitere Interaktionen / Organfunktion: substanzbezogene Anpassungen

Zum Steckbrief Upadacitinib

Methotrexat (MTX) · GK-Einsparung · Alternative · (Off-Label)

Cave: CrCl <30 ml/min: KI

  • Methotrexat (MTX) – GCA: 15–20 mg s.c. einmal wöchentlich; (Off-Label) (EULAR 2025, Erläuterung zu Empfehlung 7)
  • Methotrexat (MTX) – TAK: etwa 0,3 mg/kg p.o./s.c. einmal wöchentlich; (Off-Label)
  • Folsäure: Supplementation zu MTX
  • DGRh Wechselwirkung 2023: Cotrimoxazol in antibiotischer Therapiedosis meiden; PJP-Prophylaxe mit 160/800 mg dreimal wöchentlich bei niedrig dosiertem MTX möglich; Interaktionen und Kontrollen
  • DGRh Wechselwirkung 2023: unter Penicillinen MTX pausieren; Metamizol und Probenecid meiden; weitere Interaktionen
  • Nierenfunktion – DGRh Wechselwirkung 2023: bei GFR ≤45 ml/min von MTX abraten; FI: CrCl 30–59 ml/min → 50 % der Dosis, <30 ml/min → kontraindiziert; Dosisanpassung

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TAK: adjuvante Therapie und Eskalation

  • Nichtbiologisches DMARD als adjuvanten Bestandteil für TAK vorsehen: MTX, Azathioprin, MMF oder Leflunomid nach individueller Eignung
  • Neue GK-Induktion bei aktiver Erkrankung; Gefäßschäden und entzündliche Aktivität unterscheiden
  • Rezidiv/Refraktärität trotz csDMARD → Tocilizumab oder TNFi erwägen; Verlauf wesentlich anhand der Bildgebung bewerten
  • Rituximab und Abatacept keine gleichrangigen EULAR 2025-Standardalternativen; besondere Rescue-Entscheidungen im Expertisezentrum
  • Leflunomid bleibt eine mögliche csDMARD-Option; der 2026 veröffentlichte TACTIC-RCT zeigte keine Überlegenheit beim primären Remissionsendpunkt.
Azathioprin · GK-Einsparung · adjuvante Therapie · (Off-Label)

Cave: Xanthinoxidasehemmer → verstärkte Thiopurinwirkung / schwere Myelosuppression

  • Azathioprin: 2–3 mg/kg p.o. täglich; publiziertes TAK-Regime maximal 150 mg/d; (Off-Label)
  • Allopurinol/Oxipurinol/Thiopurinol: Azathioprin auf 25 % der Ausgangsdosis reduzieren; engmaschiges Blutbild
  • Febuxostat: Kombination nicht empfohlen

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Mycophenolat-Mofetil (MMF) · GK-Einsparung · adjuvante Therapie · (Off-Label)
  • Mycophenolat-Mofetil (MMF): 1 g p.o. zweimal täglich; TAK; (Off-Label)

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Leflunomid · GK-Einsparung · adjuvante Therapie · (Off-Label)
  • Leflunomid: 20 mg p.o. einmal täglich; TAK; (Off-Label)
  • Interaktionen – FI: Rosuvastatin höchstens 10 mg/d; unter Vitamin-K-Antagonisten INR engmaschiger; weitere Interaktionen
  • Nierenfunktion: mäßige/schwere Einschränkung laut EU-FI kontraindiziert; DGRh Wechselwirkung 2023 empfiehlt unveränderte Dosis; Quellenunterschied

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TNFi · Infliximab, Adalimumab, Etanercept · Nach unzureichender Wirksamkeit von csDMARDs · (Off-Label)

Cave: schwere Herzinsuffizienz (NYHA III/IV)

  • Infliximab: 5 mg/kg i.v. alle 6–8 Wochen nach Aufsättigung; TAK; (Off-Label)
  • Adalimumab: 40 mg s.c. alle 2 Wochen; TAK; (Off-Label)
  • Etanercept: 50 mg s.c. einmal wöchentlich; TAK; (Off-Label)

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Rezidiv, Gefäßintervention und Begleitmaßnahmen

  • Major-Relaps: ischämische Symptome/Zeichen oder aktive Großgefäßentzündung mit strukturellen Veränderungen → wie aktive Neuerkrankung behandeln
  • Minor-Relaps ohne Organbedrohung: GK mindestens auf die letzte wirksame Dosis erhöhen beziehungsweise wiederbeginnen; anschließend individuell reduzieren
  • Isolierte PMR-Symptome bei GCA können einem Minor-Relaps entsprechen; aktive Gefäßentzündung und andere Ursachen zuvor bewerten
  • Refraktärer/atypischer Verlauf → Diagnose überprüfen und Expertisezentrum einbeziehen
  • Elektive endovaskuläre/rekonstruktive Intervention in stabiler Remission; Dissektion, kritische Ischämie und drohende Ruptur sofort gefäßmedizinisch beurteilen
  • ASS/Antikoagulation bei eigenständiger kardiovaskulärer, zerebrovaskulärer oder thrombotischer Indikation; keine routinemäßige GCA-bedingte Verordnung
  • Blutdruck, Lipide, Glukose, Rauchen und Bewegung adressieren; Osteoporose-/Sturzrisiko und GK-Protektion berücksichtigen.

Monitoring und Sicherheit

Regelmäßig klinische Aktivität, Entzündungswerte, Ischämie und Therapiebelastung erfassen
GCA-Schadensbildgebung individuell; bei TAK Bildgebung zur Aktivitäts- und Schadensbeurteilung bei allen Patienten einplanen
Unter IL-6-Hemmung CRP/BSG als Aktivitätsmarker eingeschränkt; neue Symptome unabhängig vom Labor abklären
Medikamentenkontrollen
spezifische Hinweise hier, vollständige Pläne bei den Medikamenten
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Erkrankung und Gefäßschäden

  • Kontrollintervalle nach Aktivität, Therapieänderung, Organrisiko und Krankheitsdauer; keine durch EULAR 2025 vorgegebene starre universelle Frequenz
  • Bei jeder Kontrolle Gefäß-/Sehsymptome, PMR, Allgemeinsymptome, Pulse/Blutdruck, klinische Entzündung und GK-Toxizität
  • Bei Relapsverdacht Sonographie, FDG-PET oder MRT nach Fragestellung, besonders bei unzuverlässigen Entzündungswerten
  • GCA: MRA/CTA/Sonographie zur langfristigen strukturellen Überwachung individuell, insbesondere an zuvor entzündeten Gefäßabschnitten
  • TAK: Bildgebung zur Aktivität und zum Schaden bei allen Patienten; keine Beschränkung auf symptomatische CRP-Anstiege
  • Persistierende FDG-Aufnahme oder Wandveränderung: Entzündung, Gefäßumbau und bleibenden Schaden unterscheiden
  • Aortenaneurysma/-dilatation, Stenosen und Organischämie im Langzeitverlauf berücksichtigen.

Spezifisches Medikamentenmonitoring

  • IL-6Ri: klinische Aktivität und Infektionszeichen trotz mechanistischer CRP-Suppression beurteilen
  • Leflunomid: Blutdruck vor Beginn und regelmäßig im Verlauf

Weitere Kontrollen und Dosisanpassungen: Tocilizumab · Upadacitinib · Medikamentenübersicht

Screening und Prävention

Infektionsscreening, Impfungen und Reproduktionsplanung

Quellen und Links

Idiopathische inflammatorische Myopathien (Myositiden)

Diagnostik und Klassifikation

Nicht-IBM
meist symmetrische proximale Muskelschwäche; erschwertes Aufstehen/Treppensteigen und Armheben; ggf. Dysphagie
Dermatomyositis
Gottron-Papeln/-Zeichen, heliotropes Erythem
Antisynthetase-Syndrom
ILD, Arthritis, Raynaud, Mechanikerhände ± Myositis
IBM
häufig asymmetrische Fingerbeuger-/Kniestreckerschwäche, Dysphagie
Befunde
CK häufig ↑; myositisspezifische Antikörper; Muskel-MRT/EMG, ggf. Muskelbiopsie
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Klinische Subtypen

Subtyp Klinische Einordnung Wichtige Konsequenz
Dermatomyositis (DM) Heliotropes Erythem, Gottron-Papeln/- Zeichen; Muskelbeteiligung variabel Haut, Malignitätsrisiko, Lunge und Schlucken gesondert beurteilen
Klinisch amyopathische DM Typische kutane DM ohne manifeste klinische Muskelschwäche; subklinische Muskelbeteiligung möglich Normale CK keine Entwarnung für ILD oder andere Organmanifestationen
Antisynthetase-Syndrom (ASyS/ASS) Anti-Synthetase-Antikörper; variable Kombination von ILD, Myositis, Arthritis, Raynaud und Mechanikerhänden Unvollständige beziehungsweise organbetonte Präsentation möglich
Immunvermittelte nekrotisierende Myopathie (IMNM) Ausgeprägte Muskelschwäche/- schädigung; Anti-HMGCR, Anti-SRP oder seronegativ Toxische Statinmyopathie und autoimmune HMGCR-Myopathie unterscheiden
Overlap-Myositis Muskelentzündung im Kontext weiterer Kollagenosemerkmale Führende Organmanifestation und Grunderkrankung therapeutisch berücksichtigen
Polymyositis (PM) Entzündliche Myopathie nach Ausschluss besser abgrenzbarer Subtypen und Mimics Keine Sammelbezeichnung für jede seronegative proximale Muskelschwäche
Einschlusskörpermyositis (IBM) Häufig asymmetrische Schwäche, besonders Fingerflexoren/Kniestrecker; Dysphagie Eigener Therapiepfad; keine unkritische Übernahme der Nicht-IBM-Immunsuppression

Klinische Subtypen und Kategorien des ursprünglichen Klassifikationsbaums von 2017 sind nicht deckungsgleich.

Labor und Autoantikörper

  • CK, AST/ALT, LDH; ergänzend Aldolase bei passender Konstellation; Blutbild, Nieren-/Leberwerte und Entzündungsparameter
  • Transaminasenanstieg auch muskulär möglich; bei Therapieüberwachung Leberursache, Muskelaktivität und Begleitmedikation auseinanderhalten
  • MSA/MAA einschließlich Anti-Jo-1/weiterer Synthetasen, Mi-2, TIF1γ, NXP2, MDA5, SAE, SRP, HMGCR sowie kontextbezogener Overlap-Antikörper
  • Antikörperprofile zur Phänotyp- und Risikoeinordnung; isolierte oder schwache Positivität ohne passende Klinik keine ausreichende Diagnose
  • Normale CK bei amyopathischer/hypomyopathischer DM und fortgeschrittenem Muskelschaden möglich
  • Antikörpertiter nicht als alleinigen Aktivitätsmarker verwenden

Bildgebung, Elektrophysiologie und Histologie

  • Muskel-MRT: Ödem und chronische Veränderungen; Auswahl einer geeigneten Biopsiestelle im Gesamtkontext
  • EMG: myopathische Veränderungen, Spontanaktivität, Abgrenzung neurogener Ursachen
  • Muskelbiopsie: nach DGN 2022 als Bestandteil der Diagnosesicherung empfohlen; Subtypisierung und Differenzialdiagnose durch erfahrene neuromuskuläre Pathologie
  • Typische DM-Hautzeichen ohne Muskelmanifestation: dermatologische Beurteilung und gegebenenfalls Hautbiopsie
  • Differenzialdiagnosen: toxische, infektiöse, endokrine, metabolische und hereditäre Myopathien, neuromuskuläre Übertragungsstörungen, Steroidmyopathie und andere neuromuskuläre Erkrankungen

Organabklärung

  • Schlucken: Dysphagie, Husten/Verschlucken, Gewichtsverlust und Aspirationshinweise aktiv erfragen; bei Verdacht FEES oder Videofluoroskopie
  • Lunge: HRCT-Screening bei IIM mit Risikofaktoren stark empfohlen; bei den meisten übrigen IIM ohne Risikofaktoren erwägbar; IBM von dieser allgemeinen Empfehlung ausgenommen
  • ILD-Risikomerkmale: Antisynthetase-Syndrom, klinisch amyopathische DM, Mechanikerhände, Arthritis, Anti-Synthetase-, Anti-MDA5- und Anti-Ro52-Antikörper
  • Lungenfunktion: FVC/DLCO ergänzend; normale Funktion kein Ersatz für ein indiziertes HRCT
  • Herz: Symptome und klinischer Befund; ergänzend EKG, kardiales Troponin I, Echokardiographie, bei Verdacht kardiale MRT und Kardiologie
  • Malignität: individuelle IMACS Tumorscreening 2023-Risikostratifikation und nationale Früherkennung; vollständiger Pfad im Sonderblock
  • Cave: Troponin T kann auch bei Skelettmuskelprozessen erhöht sein; isolierter Anstieg kein Nachweis einer Myokarditis.

EULAR/ACR-Myositis-Klassifikationskriterien 2017

EULAR/ACR-Myositis-Klassifikationskriterien 2017 berechnen

  • Voraussetzung: keine bessere Erklärung für die Symptome/Befunde
  • Je nach verfügbarer Muskelbiopsie das gesamte passende Modell verwenden
  • Ohne typische DM-Hautmanifestationen: Muskelbiopsie im Original für die Klassifikation vorgesehen; klinische Therapieentscheidung bei schwerer Erkrankung hiervon getrennt
  • „Mögliche IIM“: Wahrscheinlichkeit ≥50 % bis <55 %; Score 5,3 bis <5,5 ohne beziehungsweise 6,5 bis <6,7 mit Muskelbiopsie
  • „Wahrscheinliche IIM“: Wahrscheinlichkeit ≥55 % bis <90 %; Score 5,5 bis <7,5 ohne beziehungsweise 6,7 bis <8,7 mit Muskelbiopsie
  • „Definite IIM“: Wahrscheinlichkeit ≥90 %; Score ≥7,5 ohne beziehungsweise ≥8,7 mit Muskelbiopsie
Item Ohne Muskelbiopsie Mit Muskelbiopsie
Symptombeginn ≥18 bis <40 Jahre 1,3 1,5
Symptombeginn ≥40 Jahre 2,1 2,2
Objektive symmetrische, meist progrediente proximale Armschwäche 0,7 0,7
Objektive symmetrische, meist progrediente proximale Beinschwäche 0,8 0,5
Nackenflexoren schwächer als Nackenextensoren 1,9 1,6
Proximale Beinmuskeln schwächer als distale 0,9 1,2
Heliotropes Erythem 3,1 3,2
Gottron-Papeln 2,1 2,7
Gottron-Zeichen: nicht palpable erythematöse/violazee Makulae über Gelenkstreckseiten 3,3 3,7
Dysphagie oder ösophageale Dysmotilität 0,7 0,6
Anti-Jo-1 positiv 3,9 3,8
Erhöhte CK oder LDH oder AST oder ALT 1,3 1,4
Endomysiale mononukleäre Infiltrate an sonst gesunden, nicht nekrotischen Muskelfasern, ohne klare Invasion – 1,7
Perimysiale/perivaskuläre mononukleäre Infiltrate – 1,2
Perifaszikuläre Atrophie – 1,9
Rimmed vacuoles – 3,1
  • Altersgruppen alternativ; Muskelenzym-Item nur einmal, auch bei mehreren erhöhten Enzymen
  • Laboritems: Anti-Jo-1 aus standardisiertem/validiertem Serumtest; Muskelenzyme oberhalb der jeweiligen oberen Normgrenze, höchster Wert im Krankheitsverlauf.
  • Weitere MSA erhalten im 2017-Modell keine zusätzlichen Punkte
  • Originaler Untergruppenbaum: IMNM im PM-Ast; kein eigenständiger ASS-Ast
  • Die empfohlene Klassifikationsschwelle liegt bei ≥55 %; „mögliche IIM“ liegt darunter. Die genannten Punktgrenzen entsprechen den gerundeten Originalangaben
  • Das Klassifikationsergebnis bestätigt oder widerlegt die klinische Diagnose nicht allein

Original mit Tabelle und Modellbeschreibung: EULAR/ACR-Myositis-Klassifikationskriterien 2017. Online-Berechnung über die verlinkte Originalpublikation beziehungsweise die IMACS-Methodenseite.

Therapie

Therapiebeginn
Nicht-IBM
GK zur Induktion; früh MTX (Off-Label), Azathioprin, MMF (Off-Label) oder CNI (Off-Label) nach Organprofil; Anti-SRP-IMNM → Rituximab (Off-Label) früh erwägen
IBM
Training, Funktion, Hilfsmittel, Schluckbehandlung; bei relevanter Dysphagie ggf. zeitlich begrenzter IVIG-Versuch (Off-Label), Nutzen unsicher
Unzureichende Wirksamkeit
Entzündung, Muskelschaden und Steroidmyopathie unterscheiden; schwer/ refraktär → IVIG oder Rituximab (Off-Label); organbedrohend ggf. Cyclophosphamid (Off-Label); IVIG außerhalb präparatbezogener DM-Zulassung (Off-Label)
Deeskalation
nach klinischer Besserung zunächst GK reduzieren; weitere Reduktion nach Kraft, Funktion und Organaktivität; Mindestdauer nicht festgelegt
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Muskelbetonte Nicht-IBM-Erkrankung

  • Glukokortikoide zur Induktion; frühe Ergänzung eines steroidsparenden Wirkstoffs, besonders bei schwerer Erkrankung
  • Methotrexat oder Azathioprin als häufige konventionelle Optionen; Auswahl nach Haut-/ Lungenbeteiligung, Kontraindikationen und Verträglichkeit
  • Mycophenolat oder Calcineurinhemmer bei geeigneter Konstellation
  • Bei IMNM häufig Kombinationstherapie erforderlich; Anti-SRP-positive IMNM mit frühzeitig erwägbarem Rituximab
  • IVIG bei schwerer/refraktärer Muskelkrankheit oder relevanter Dysphagie erwägen; zugelassene adulte DM-Anwendung präparatbezogen
  • Langsame Reduktion nach klinischer Besserung; Verlauf von Kraft, Funktion, Haut, Schlucken und Organen gemeinsam bewerten
Glukokortikoide (GK) · Prednisolon, Methylprednisolon · Therapiebeginn · Remissionsinduktion · Pulse
präparatbezogen (Off-Label)

Cave: SSc-Overlap: Nierenkrisenrisiko

  • Prednisolon: initial etwa 1 mg/kg p.o. täglich; Nicht-IBM-Myositis; Reduktion nach klinischer Besserung
  • Methylprednisolon: schwere Manifestation: 250–1.000 mg i.v. täglich für 3–5 Tage; (Off-Label) – Pulsregime präparatbezogen

Zum Steckbrief präparatbezogen (Off-Label)

Methotrexat (MTX) · Frühe GK-Einsparung · (Off-Label)

Cave: CrCl <30 ml/min: kontraindiziert

  • Methotrexat (MTX): initial 15 mg p.o./s.c. einmal wöchentlich → bis 25 mg/Woche; (Off-Label)
  • Folsäure: Supplementation zu MTX
  • DGRh Wechselwirkung 2023: Cotrimoxazol in antibiotischer Therapiedosis meiden; PJP-Prophylaxe mit 160/800 mg dreimal wöchentlich bei niedrig dosiertem MTX möglich; Interaktionen und Kontrollen
  • DGRh Wechselwirkung 2023: unter Penicillinen MTX pausieren; Metamizol und Probenecid meiden; weitere Interaktionen
  • Nierenfunktion – DGRh Wechselwirkung 2023: bei GFR ≤45 ml/min von MTX abraten; FI: CrCl 30–59 ml/min → 50 % der Dosis, <30 ml/min → kontraindiziert; Dosisanpassung

Zum Steckbrief Methotrexat (MTX)

Azathioprin · Frühe GK-Einsparung · Zulassung je Grunderkrankung

Cave: Xanthinoxidasehemmer → verstärkte Thiopurinwirkung / schwere Myelosuppression

  • Azathioprin: 2–3 mg/kg p.o. täglich; Dermatomyositis-Zulassung präparatbezogen
  • Allopurinol/Oxipurinol/Thiopurinol: Azathioprin auf 25 % der Ausgangsdosis reduzieren; engmaschiges Blutbild
  • Febuxostat: Kombination nicht empfohlen

Zum Steckbrief Azathioprin

Mycophenolat-Mofetil (MMF) · Frühe GK-Einsparung · (Off-Label)
  • Mycophenolat-Mofetil (MMF): initial 500 mg p.o. zweimal täglich → 1.000–1.500 mg zweimal täglich; (Off-Label)

Zum Steckbrief Mycophenolat-Mofetil (MMF)

CNI · Tacrolimus, Ciclosporin · Kombination bei ausgewählten Organmanifestationen · (Off-Label)

Cave: Nephrotoxizität; starke CYP3A4-Interaktionen

  • Tacrolimus, unretardiert: IIM-ILD: initial 0,075 mg/kg/d p.o. in 2 Gaben; Talspiegel 5–10 ng/ml; (Off-Label)
  • Ciclosporin: 2,5–5 mg/kg/d p.o. in 2 Gaben; (Off-Label)

Zum Steckbrief CNI

Unzureichende Wirksamkeit

  • Diagnose/Subtyp, tatsächliche Entzündungsaktivität, Adhärenz, Therapiedauer und Arzneimitteltoxizität erneut beurteilen
  • Chronischen Muskelschaden, Steroidmyopathie, Dekonditionierung und andere Erkrankungen von aktiver Myositis unterscheiden
  • Änderung, Intensivierung oder Kombination der bisherigen Immunsuppression nach Organrisiko
  • Rituximab, IVIG oder Cyclophosphamid in der passenden schweren/refraktären Konstellation
  • Neuere Studien-/US-Ergänzung: Brepocitinib bei adulter DM; spezifischer US-Zulassungsrahmen und Sicherheitsprofil im Wirkstoffeintrag
  • Ergänzende Originalstudie: Abatacept ohne signifikanten primären Wirksamkeitsnachweis im Phase-3-Gesamtkollektiv
  • Weitere JAK-/TYK2-, zelluläre oder Stammzellverfahren: spezialisierte Einzelfall-/Studienentscheidung, keine etablierte allgemeine Standardsequenz
Rituximab · Schwerer / refraktärer Verlauf; Anti-SRP-IMNM ggf. früh · (Off-Label)

Cave: HBV-Reaktivierung; schwere Hypogammaglobulinämie

  • Rituximab: 1.000 mg i.v. Tag 1 und 15; alternativ 375 mg/m² einmal wöchentlich ×4; Wiederbehandlung nach Aktivität; (Off-Label)

Zum Steckbrief Rituximab

IVIG · Schwerer / refraktärer Verlauf; Dysphagie · Weitere Myositisformen (Off-Label)

Cave: Maltose → falsch hohe Glukosewerte bei ungeeigneter Messmethode; Gefahr irrtümlicher

Zum Steckbrief IVIG

Insulingabe
  • Zulassung: adulte Dermatomyositis präparatbezogen; weitere IIM (Off-Label)
  • Immunglobuline i.v. (IVIG): adulte DM: 2 g/kg pro Zyklus über 2–5 Tage, alle 4 Wochen; DM-Zulassung präparatbezogen; weitere IIM (Off-Label)

Zum Steckbrief Insulingabe

Cyclophosphamid · Organbedrohender Verlauf · (Off-Label)

Cave: Fertilitätsschädigung; hämorrhagische Zystitis

  • Cyclophosphamid i.v.: 0,5–1 g/m² alle 4 Wochen; schwere Organbeteiligung; (Off-Label)
  • Cyclophosphamid p.o., alternativ: 1–2 mg/kg täglich; (Off-Label)
  • Mesna/Hydrierung: Begleitprophylaxe nach Regime

Zum Steckbrief Cyclophosphamid

Abatacept · Reserve · Nutzen unsicher · (Off-Label)
  • Abatacept: 125 mg s.c. einmal wöchentlich; hochselektive Reserve; Nutzen unsicher; (Off-Label)

Zum Steckbrief Abatacept

Brepocitinib · Neuere US-Therapieoption · US-Zulassung; kein EU-Standard
  • Brepocitinib: 30 mg p.o. einmal täglich; adulte DM; US-Zulassung, keine EU-Zulassung
Nicht als allgemeine IIM-Standardtherapie

Zum Steckbrief Brepocitinib

  • TNFi: keine allgemeine Erstlinienempfehlung; mögliche Verschlechterung berücksichtigen
  • Hydroxychloroquin allein: keine ausreichende Therapie aktiver Muskel-/Organentzündung
  • Unselektierte Immunsuppression bei IBM: keine gesicherte generelle krankheitsmodifizierende Behandlung
  • Antifibrotika: Behandlung einer geeigneten fibrosierenden ILD-Konstellation, nicht der Myositis an sich; zentraler ILD-Wirkstoffbereich

Kutane Dermatomyositis

  • UV-Schutz, dermatologische Mitbetreuung und Erfassung der Hautaktivität, beispielsweise mit CDASI
  • Topische Glukokortikoide nach DGN 2022, im Gesicht zunächst auf 2–3 Wochen begrenzen; alternativ Tacrolimus 0,1 % topisch (Off-Label) – Indikation kutane DM; dermatologische Anwendung nach Lokalisation/Verträglichkeit.
  • Hydroxychloroquin als hautgerichtete Option; keine ausreichende Therapie einer aktiven Muskel-/ Organbeteiligung
  • Bei unzureichendem Ansprechen manifestationsbezogene systemische Therapie, unter anderem Methotrexat, Mycophenolat oder IVIG
  • Bei neuem Exanthem oder Muskelsymptomen Arzneimitteltoxizität differenzialdiagnostisch prüfen
Hydroxychloroquin · Ausgewählte Hautmanifestationen · (Off-Label)

Cave: Retinopathie / QT-Verlängerung; Makulopathie laut FI kontraindiziert

  • Hydroxychloroquin: 200–400 mg p.o. täglich; ≤5 mg/kg tatsächliches Körpergewicht/d; kutane DM; (Off-Label)
  • Ansprechen: nach 8–12 Wochen; ohne Besserung nach 6 Monaten Beendigung erwägen
  • DGRh Wechselwirkung 2023: Azithromycin meiden; FI: Tamoxifen-Kombination nicht empfohlen; weitere Interaktionen
  • DGRh Antimalaria 2020: Dosierung nach tatsächlichem Körpergewicht; Augen-, Muskel- und Herzmonitoring

Zum Steckbrief Hydroxychloroquin

Einschlusskörpermyositis

  • Individuell angepasstes Kraft-/Ausdauertraining, Physiotherapie, Ergotherapie, Hilfsmittel und Sturzprävention
  • Schluckfunktion und Ernährung regelmäßig beurteilen; Aspirationsprophylaxe und gezielte Schlucktherapie
  • DGN 2022: IVIG (Off-Label), besonders bei Dysphagie; initial 2 g/kg, danach 1–2 g/kg alle 4–6 Wochen über 2–5 Tage; etwa 6 Monate; vordefinierte Funktions-/Schluckziele
  • Fortführung nur bei nachvollziehbarem Nutzen beziehungsweise begründeter Stabilisierung; keine etablierte krankheitsmodifizierende Wirksamkeit für alle IBM-Verläufe
  • Keine unkritische dauerhafte Übernahme des Glukokortikoid-/Immunsuppressionsschemas anderer Myositiden

Dysphagie, Training und unterstützende Maßnahmen

  • Logopädie/Schlucktherapie, Konsistenzanpassung und Ernährungstherapie; Aspirationsrisiko auch ohne dramatische CK-Erhöhung
  • Bei ausgewählter krikopharyngealer Funktionsstörung Dilatation, Myotomie oder andere lokale Verfahren im erfahrenen interdisziplinären Team
  • Belastung an Aktivität, Organbeteiligung und Funktionsniveau anpassen
  • Osteoporose-, Infektions- und kardiovaskuläre Risiken berücksichtigen
  • Kinderwunsch früh ansprechen; bei gonadotoxischer Therapie Fertilitätsprotektion vor Beginn

Monitoring und Sicherheit

Kraft, Alltagsfunktion, Schlucken, Haut und Organbeteiligung seriell dokumentieren
CK/weitere Muskelenzyme ergänzend; Laborbesserung allein kein ausreichender Wirksamkeitsnachweis
Vor Immunsuppression Infektions-/Impfstatus, Blutbild, Leber-/Nierenfunktion und Reproduktionsplanung
Arzneimittelbezogene Kontrollen statt eines gemeinsamen pauschalen DMARD-Intervalls
Bei bestehender IIM-ILD regelmäßige FVC/DLCO und risikoadaptierte Bildgebung
Bei neuer Schwäche Aktivität, Schaden, Steroidmyopathie, Infektion und Dekonditionierung differenzieren
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Klinischer Verlauf

  • Standardisierte Kraftprüfung, beispielsweise MMT-8; ergänzend alltagsbezogene Funktion und patientenberichtete Einschränkungen
  • Dysphagie, Aspiration, Ernährung, Hautaktivität und respiratorische Beschwerden bei Verlaufskontakten
  • CK und andere Muskelenzyme im Kontext von Kraft/Funktion; Antikörperverlauf nicht isoliert zur Steuerung
  • Amyopathische DM: regelmäßige Suche nach neu auftretender Muskelbeteiligung; DGN 2022 beschreibt in den ersten zwei Jahren Kontrollen etwa alle zwei bis drei Monate
  • Kardiale Symptome, Rhythmusstörungen oder Biomarkerauffälligkeiten mit gezielter Weiterdiagnostik

Ausgangs- und Sicherheitskontrollen

  • Blutbild, Transaminasen und Nierenfunktion; zusätzlich substanz-/risikobezogene Parameter
  • HBV/HCV, TB und weitere Infektionsdiagnostik entsprechend Therapie und Expositionsrisiko; vor B-Zell-Depletion Immunglobuline
  • Impfstatus und Indikationsimpfungen vor Therapiebeginn optimieren; Lebendimpfungen unter relevanter Immunsuppression gesondert bewerten
  • Osteoporoserisiko unter Glukokortikoiden; Blutdruck, Glukose und kardiovaskuläre Risiken
  • Fortpflanzungsplanung, Kontrazeption und gegebenenfalls Fertilitätserhalt vor teratogener/ gonadotoxischer Behandlung

Spezifisches Medikamentenmonitoring

  • Rituximab: IgG vor Beginn und vor jedem weiteren Zyklus
  • Cyclophosphamid: nadirbezogenes Blutbild; bei i.v.-Pulsen typischerweise Tag 8–14; Urin auf Hämaturie
  • Tacrolimus/Ciclosporin: Talspiegel, Blutdruck und Nierenfunktion; erneute Beurteilung bei Interaktion oder Formulierungswechsel
  • Hydroxychloroquin: Augenbasis Monat 0–6 – DGRh Antimalaria 2020; jährlich ab dem 5. Therapiejahr, bei Risikofaktoren ab Beginn – DOG Augen 2025. FI-Abweichung: Kontrollen vor Beginn und alle 3 Monate; Details
  • Hydroxychloroquin – DGRh Antimalaria 2020: CK/LDH vor Beginn und alle 3–6 Monate; neue Schwäche/ Dysphagie oder kardiale Auffälligkeit → gezielte Abklärung

Weitere Kontrollen und Dosisanpassungen: Methotrexat · Medikamentenübersicht DGRh Antimalaria 2020 · DOG Augen 2025

IIM-ILD im Verlauf

  • FVC/DLCO alle 3–6 Monate im ersten Jahr, danach mindestens alle 6–12 Monate; zusätzliche Untersuchungen bei Progressionsverdacht
  • Bei Risiko eines schweren/rasch progredienten Verlaufs HRCT nach 3–6 Monaten, im Verlauf jährlich während der ersten zwei Jahre; zusätzlich bei Progressionsverdacht
  • Verlaufsempfehlungen bei diagnostizierter ILD, keine identische Routine-HRCT-Serie nach negativem Screening
  • Atemmuskel- und Beinmuskelschwäche bei Interpretation der Funktion/Belastungstests berücksichtigen

Malignitätsscreening nach IMACS Tumorscreening 2023

Geltungsbereich und Risikostratifikation

  • Adult beginnende IIM mit Diagnosestellung innerhalb von drei Jahren nach Symptombeginn
  • Nationale alters-/geschlechtsbezogene Früherkennung zusätzlich
  • Keine routinemäßige IIM-bedingte Zusatzscreeningserie bei juveniler IIM oder gesicherter IBM; konkrete Warnzeichen trotzdem abklären
  • Risikogruppe relativ zu anderen IIM-Patient:innen; niedrige Risikomerkmale keine rechnerischen Minuspunkte
Risikostufe der Merkmale Merkmale
Hoch DM; Anti-TIF1γ; Anti-NXP2; Symptombeginn >40 Jahre; anhaltend hohe Aktivität trotz Immunsuppression einschließlich Rezidiv; mäßige/schwere Dysphagie; kutane Nekrose/Ulzeration
Intermediär Klinisch amyopathische DM; PM; IMNM; Anti-SAE1, Anti-HMGCR, Anti-Mi-2 oder Anti-MDA5; männliches Geschlecht
Niedrigeres Risiko Antisynthetase-/Overlap-Syndrom; Anti-SRP, Anti-Jo-1 oder andere Synthetasen; MAA wie PM-Scl, Ku, RNP, SSA/SSB; Raynaud, entzündliche Arthritis oder ILD
  • Hohes Gesamtrisiko: mindestens zwei Hochrisikomerkmale
  • Moderates Gesamtrisiko: ein Hochrisikomerkmal oder mindestens zwei intermediäre Merkmale, sofern nicht bereits Hochrisiko
  • Standardrisiko: übrige Konstellationen; kein Nullrisiko

Umfang und Zeitpunkt

Gesamtrisiko Bei Diagnose Folgeprogramm
Standard Basisscreening Nationale Früherkennung; anlassbezogene Abklärung
Moderat Basis- und erweitertes Screening Individuell nach Befunden und Verlauf
Hoch Basis- und erweitertes Screening Jährliches Basisscreening für drei Jahre
  • Basis: ausführliche Anamnese/Untersuchung, Blutbild, Leberwerte, BSG beziehungsweise Plasmaviskosität, CRP, Serumproteinelektrophorese/freie Leichtketten, Urinstatus, Röntgen-Thorax
  • Erweitert: CT Hals, Thorax, Abdomen und Becken; zusätzlich je nach bereits erfolgter nationaler Vorsorge und individueller Eignung Zervixscreening, Mammographie, PSA, CA-125, Becken-/transvaginaler Ultraschall und Test auf okkultes Blut im Stuhl
  • Aktuelle, gleichwertige Voruntersuchungen für das Tumorscreening berücksichtigen
  • Bei hohem Gesamtrisiko und unauffälligem Erstscreening FDG-PET/CT bzw. obere/untere GI-Endoskopie erwägen. Als einzelne Screeninguntersuchung kann PET/CT bei Anti-TIF1γ-positiver DM, Beginn >40 Jahre und mindestens einem weiteren klinischen Hochrisikomerkmal erwogen werden.
  • Nasoendoskopie nur bei passendem erhöhtem geografischem Risiko für Nasopharynxkarzinom erwägen.
  • Gewichtsverlust, familiäre Tumoranamnese, ungeklärtes Fieber, Nachtschweiß, Rauchexposition oder andere Tumorhinweise unabhängig von der errechneten Gruppe abklären
  • Evidenzgrenze: Zeitpunkte und Intensität des Tumorscreenings überwiegend konsensusgestützt

Rasch progrediente Lungenbeteiligung

  • Akute/subakute Dyspnoezunahme, Hypoxämie oder rasche Bildgebungsprogression als Notfallkonstellation
  • Anti-MDA5 und bestimmte Antisynthetase-Konstellationen als Risikohinweise; fehlende Muskelschwäche schließt schweren Verlauf nicht aus
  • Infektion, Aspiration, kardiale Ursache und Arzneimittelreaktion parallel prüfen
  • Interdisziplinäre stationäre Behandlung mit frühzeitiger Kombination immunsuppressiver Therapie nach Risiko und Verlauf
  • Regimeauswahl über Glukokortikoide, Tacrolimus, Cyclophosphamid, Rituximab, Mycophenolat beziehungsweise IVIG
  • Frühzeitige Vorstellung zur Lungentransplantationsevaluation bei RP-ILD; Evaluation nicht gleich Listung
  • Vollständiger Screening-/Therapie-/PPF-Pfad: CTD-ILD

Quellen und Links

Impfungen und Infektionsprävention
Juvenile idiopathische Arthritis (JIA)

Diagnostik und Klassifikation

Gelenke
Schwellung, Bewegungseinschränkung, Morgensteifigkeit; Beginn <16 Jahre, Arthritis ≥6 Wochen
Untergruppenmerkmale
wenige/viele Gelenke; Enthesitis, Daktylitis, Sakroiliitis, Psoriasis
Systemische Form
Fieberspitzen, flüchtiges Exanthem, Lymphadenopathie, Hepatosplenomegalie/ Serositis
Labor
ANA zur Uveitis-Risikoeinordnung; RF/HLA-B27 nach Phänotyp
Augen
chronische anteriore Uveitis häufig symptomlos → augenärztliches Screening
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Klinische Einordnung und Untersuchung

  • Entzündliche Gelenksymptomatik, Schwellung, Bewegungseinschränkung und Funktionsverlust; aktive Gelenke und eingeschränkte Gelenke getrennt erfassen
  • Periphere Arthritis, Enthesitis, Daktylitis, Sakroiliitis-/Wirbelsäulensymptome, Haut-/Nagelpsoriasis, Fieber, Exanthem, Lymphadenopathie und Organmanifestationen
  • Kiefergelenk: Mundöffnung, Schmerzen/Funktion und Wachstumskontext; bei Verdacht gezielte Bildgebung und kinderrheumatologisch-kieferorthopädische Mitbetreuung
  • Augenbeschwerden erfragen; fehlende Beschwerden schließen chronische anteriore Uveitis nicht aus
  • Labor phänotyp- und differenzialdiagnostisch; ANA/RF und gegebenenfalls HLA-B27 im klinischen Kontext
  • Bei akuter Monoarthritis oder systemisch krankem Kind gezielte infektiologische beziehungsweise hämatologisch-onkologische Abklärung; Klassifikation erst nach Prüfung plausibler Alternativen

ILAR-Klassifikation – Edmonton 2001, publiziert 2004

Grundvoraussetzung: Arthritis unklarer Ursache; Beginn vor dem 16. Geburtstag; Dauer mindestens sechs Wochen; andere Ursachen ausgeschlossen.

Kategorie Einschlussmerkmale Ausschlüsse aus der Legende
Systemische JIA Arthritis ≥1 Gelenk; Fieber ≥2 Wochen, an ≥3 Tagen täglich dokumentiert; zusätzlich ≥1: flüchtiges Exanthem, generalisierte Lymphadenopathie, Hepato-/ Splenomegalie, Serositis a, b, c, d
Oligoarthritis 1–4 Gelenke in den ersten sechs Monaten; persistierend: im Gesamtverlauf ≤4; erweitert: danach >4 a, b, c, d, e
RF-negative Polyarthritis ≥5 Gelenke in den ersten sechs Monaten; RF negativ a, b, c, d, e
RF-positive Polyarthritis ≥5 Gelenke in den ersten sechs Monaten; RF ≥2-mal positiv im Abstand ≥3 Monaten, beide Bestimmungen in den ersten sechs Monaten a, b, c, e
Psoriasisarthritis Arthritis und Psoriasis; alternativ Arthritis plus ≥2: Daktylitis, Nageltüpfelung/ Onycholyse, Psoriasis bei Verwandten ersten Grades b, c, d, e
Enthesitisassoziierte Arthritis Arthritis und Enthesitis; alternativ Arthritis oder Enthesitis plus ≥2: SI-Druckschmerz/ entzündlicher lumbosakraler Schmerz, HLA-B27, Junge mit Erkrankungsbeginn nach dem sechsten Geburtstag, akute anteriore Uveitis, definierte SpA-Anamnese bei Verwandten ersten Grades a, d, e
Undifferenzierte Arthritis Kriterien keiner Kategorie oder von mindestens zwei Kategorien —

Begriffe nach ILAR: Arthritis: ärztlich festgestellte Gelenkschwellung oder Bewegungseinschränkung mit Schmerz/Druckschmerz, mindestens sechs Wochen, ohne bessere Erklärung. Quotidianes Fieber: täglich mindestens einmal ≥39 °C, dazwischen Rückgang auf ≤37 °C. Nageltüpfelung: mindestens zwei Tüpfel an einem oder mehreren Nägeln.

Ausschlusslegende: a: Psoriasis bei Patient:in oder Verwandten ersten Grades. b: HLA-B27-positiver Junge mit Arthritisbeginn nach dem sechsten Geburtstag. c: ankylosierende Spondylitis, enthesitisassoziierte Arthritis, Sakroiliitis bei CED, reaktive Arthritis im Original als Reiter-Syndrom, oder akute anteriore Uveitis bei Patient:in beziehungsweise entsprechende Erkrankungsanamnese bei Verwandten ersten Grades. d: mindestens zwei positive IgM-RF-Bestimmungen im Abstand ≥3 Monaten. e: systemische JIA. Für die ERA-Familienanamnese gilt die im Original definierte SpA-Erkrankungsgruppe.

  • Klassifikation kein Ersatz der Diagnose; keine erzwungene Wartezeit auf vollständige Kriterien bei behandlungsbedürftiger Erkrankung
  • Still-Erkrankung: klinische Bewertung nach EULAR Still 2024; sJIA und adultes Still-Syndrom als Erkrankungskontinuum

Therapie

Therapiebeginn
Oligoarthritis → kurzer NSAR-Versuch + intraartikuläre GK; Polyarthritis → früh MTX; Still → früh IL-1i oder IL-6Ri, GK möglichst kurz
Unzureichende Wirksamkeit
persistierende Oligoarthritis → MTX (Off-Label); trotz MTX → TNFi, nach Subtyp/ Zulassung IL-6Ri, Abatacept oder JAKi; juvenile axSpA trotz NSAR → TNFi oder IL-17i
nach Biologikum/JAKi → Wechsel nach Subtyp, Gelenk-/Organaktivität und Zulassung; Still mit isolierter Restarthritis → MTX/lokale GK
Deeskalation
zuerst GK; nichtsystemische Kombinationstherapie → nach ACR 2026 zunächst csDMARD; Still → ≥6 Monate GK-freie CID vor Biologikareduktion; Uveitis → eigene okuläre Remissionsdauer
Kinderdosierungen
Alters-/Gewichtsgrenzen und KOF in den Medikamentenblöcken
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Nichtmedikamentöse Versorgung

  • Regelmäßige, angepasste körperliche Aktivität; Physiotherapie und Ergotherapie nach Funktionsdefizit
  • Schul-/Ausbildungsbeteiligung, Selbstmanagement, psychosoziale Belastungen und Therapieverständnis berücksichtigen
  • Keine spezifische Diät als Ersatz einer erforderlichen DMARD-Therapie; Wachstum und Ernährungszustand im Verlauf

Oligoarthritis und nichtsystemische Polyarthritis

  • Oligoarthritis: begrenzter NSAR-Versuch; intraartikuläre Glukokortikoide, bei geeigneten Gelenken bevorzugt Triamcinolonhexacetonid; bei anhaltender Aktivität MTX; persistierende Oligoarthritis (Off-Label)
  • Polyarthritis: früher csDMARD-Beginn; MTX bevorzugt; ungünstige Prognose-/Funktionskonstellation und hohe Aktivität bei Eskalation berücksichtigen
  • ACR 2026: orale MTX-Gabe gegenüber s.c. konditional bevorzugt; Verträglichkeit, Dosisbedarf, zuverlässige Anwendung und konkrete Formulierung individuell berücksichtigen
  • Unzureichende Kontrolle trotz angemessener Therapie: bDMARD; ACR 2026-Präferenz für TNFi in den jeweils benannten nichtsystemischen Pfaden; Organmanifestationen können die Auswahl verändern
  • Bei TNFi-Therapie nichtsystemischer JIA begleitendes csDMARD nach ACR 2026 bedingt bevorzugt; kein routinemäßiges Antidrug-Antikörpermonitoring.
  • Nach TNFi-Versagen: Dosis-/Frequenzanpassung, anderer TNFi oder anderer Wirkmechanismus als unterschiedliche Optionen; ACR 2026 ohne allgemeine Präferenz zwischen diesen Wegen
  • RF-positive Polyarthritis: pädiatrischer Versorgungspfad; indikationsbezogene Kinderzulassungen beachten
csDMARDs · MTX, Sulfasalazin · Frühe Basistherapie · Auswahl nach Gelenkmuster · MTX bei persistierender
Oligoarthritis (Off-Label)

Cave: MTX: CrCl <30 ml/min: KI; Sulfasalazin: systemische JIA

  • Methotrexat (MTX): ab 3 Jahren; 10–15 mg/m² KOF p.o./s.c. einmal wöchentlich; refraktär bis 20 mg/ m²/Woche, im Allgemeinen höchstens 25 mg/Woche; persistierende Oligoarthritis (Off-Label)
  • Nierenfunktion unter MTX: CrCl 30–59 ml/min → 50 % der Dosis; CrCl <30 ml/min → KI
  • Folsäure – Supplementation zu MTX: z. B. 5 mg p.o. zweimal wöchentlich, jeweils an MTX-freien Tagen
  • Sulfasalazin: ab 6 Jahren; 50 mg/kg/d p.o. in 2 Gaben, höchstens 2 g/d; Einschleichen über 4 Wochen; nach 3 Monaten unzureichende Wirksamkeit → ggf. 75 mg/kg/d, höchstens 3 g/d; periphere Polyarthritis/ERA
  • MTX/Cotrimoxazol: antibiotische Therapiedosis meiden; die DGRh-Daten zur PJP-Prophylaxe betreffen Erwachsene; pädiatrische Dosierung gesondert festlegen
  • DGRh Wechselwirkung 2023: unter Penicillinen MTX pausieren; Metamizol und Probenecid meiden; weitere Interaktionen
  • DGRh Wechselwirkung 2023: Eisen zeitlich getrennt einnehmen; bei Digoxin Wirkung/ggf. Spiegel kontrollieren; weitere Interaktionen

Zum Steckbrief Oligoarthritis (Off-Label)

TNFi · Adalimumab, Etanercept · Nach unzureichender konventioneller Therapie

Cave: schwere Herzinsuffizienz (NYHA III/IV)

  • Adalimumab – pJIA: ab 2 Jahren; 10–<30 kg: 20 mg, ≥30 kg: 40 mg s.c. alle 2 Wochen; + MTX, Monotherapie bei MTX-Unverträglichkeit/-Ungeeignetheit; Ansprechprüfung nach 12 Wochen
  • Adalimumab – ERA: ab 6 Jahren; 15–<30 kg: 20 mg, ≥30 kg: 40 mg s.c. alle 2 Wochen
  • Etanercept: pJIA/erweiterte Oligoarthritis ab 2 Jahren; ERA/juvenile PsA ab 12 Jahren; 0,8 mg/kg s.c. einmal wöchentlich, höchstens 50 mg; alternativ 0,4 mg/kg zweimal wöchentlich, höchstens 25 mg/ Gabe, Abstand 3–4 Tage
  • Uveitis: eigener Behandlungspfad und Dosierung

Zum Steckbrief TNFi

Abatacept · Nach unzureichender DMARD-Wirksamkeit
  • Abatacept s.c.: ab 2 Jahren und ≥10 kg; 10–<25 kg: 50 mg, 25–<50 kg: 87,5 mg, ≥50 kg: 125 mg einmal wöchentlich
  • Abatacept i.v.: ab 6 Jahren; <75 kg: 10 mg/kg, 75–100 kg: 750 mg, >100 kg: 1.000 mg; Woche 0, 2, 4, danach alle 4 Wochen
  • Kombination: + MTX; Monotherapie bei MTX-Unverträglichkeit/-Ungeeignetheit

Zum Steckbrief Abatacept

JAKi · Tofacitinib, Baricitinib · Nach unzureichender DMARD-Wirksamkeit

Cave: VTE-Risiko

  • Tofacitinib: pJIA/juvenile PsA ab 2 Jahren und ≥10 kg; 10–<20 kg: 3,2 mg, 20–<40 kg: 4 mg, ≥40 kg: 5 mg p.o. zweimal täglich; <40 kg: Lösung 1 mg/ml
  • Baricitinib: pJIA/erweiterte Oligoarthritis, ERA/juvenile PsA ab 2 Jahren und ≥10 kg; 10–<30 kg: 2 mg, ≥30 kg: 4 mg p.o. einmal täglich; CrCl 30–60 ml/min → halbe Dosis, <30 ml/min → nicht empfohlen; Ansprechprüfung nach 12 Wochen
  • Kombination: + MTX oder Monotherapie
  • Interaktionen – FI: Tofacitinib bei starker CYP3A4-Hemmung oder mäßiger CYP3A4-/starker CYP2C19-Hemmung → gewichtsbezogene Einzeldosis einmal statt zweimal täglich; Baricitinib + Probenecid → gewichtsbezogene Dosis halbieren
  • Weitere Interaktionen / Organfunktion: substanzbezogene Anpassungen

Zum Steckbrief JAKi

Enthesitis, Sakroiliitis und juvenile axSpA

  • Periphere Arthritis/Enthesitis getrennt von axialer Entzündung beurteilen; bei peripherer DMARD-Indikation MTX gegenüber Sulfasalazin bevorzugt nach ACR axSpA 2026
  • Juvenile axSpA: MRT der ISG als bevorzugte Erstbildgebung nach pädiatrischer ACR 2026
  • Persistierende aktive axiale Erkrankung nach NSAR: TNFi oder IL-17i nach pädiatrischer Leitlinie; konkrete Alters-/Indikationszulassung prüfen
  • MTX und Sulfasalazin keine gezielte Therapie isolierter axialer Manifestationen; mögliche periphere Indikation separat
  • Peri-entheseale Injektionen nicht aus dem Erwachsenenalgorithmus übernehmen
IL-17i · Secukinumab, Ixekizumab · Nach unzureichender konventioneller Therapie

Cave: CED: nicht empfohlen

  • Secukinumab: ab 6 Jahren; <50 kg: 75 mg, ≥50 kg: 150 mg s.c. Woche 0, 1, 2, 3, 4; danach monatlich; Ansprechprüfung nach 16 Wochen
  • Ixekizumab: ab 6 Jahren und ≥25 kg; 25–50 kg: 80 mg s.c. Woche 0, danach 40 mg alle 4 Wochen; >50 kg: 160 mg Woche 0, danach 80 mg alle 4 Wochen

Zum Steckbrief IL-17i

Kiefergelenkarthritis

  • Aktive Kiefergelenkarthritis früh mit DMARD behandeln; MTX als erstes csDMARD, TNFi bei bDMARD-Bedarf nach ACR 2026 bedingt bevorzugt. Strukturwachstum und dentofaziale Entwicklung berücksichtigen.
  • Intraartikuläre Glukokortikoide nur sorgfältig ausgewählt; Risiko heterotoper Ossifikation und Wachstumsstörung
  • Keine mechanische Übertragung einer allgemeinen Oligoarthritis-Injektionsregel

Systemische Still-Erkrankung

  • Früher Beginn mit Anakinra/Canakinumab oder Tocilizumab; erforderliche Glukokortikoide möglichst kurz
  • Keine Gleichwertigkeitsbehauptung allein aus der fehlenden generellen Präferenz für einen IL-1-/IL-6-Wirkstoff
  • Persistierende systemische Aktivität: anderes gezieltes Regime nach Erkrankungskonstellation; JAKi bleiben ausgewählte Reserveoptionen; die konkrete Zulassung beachten
  • Systemische Inaktivität, aber persistierende Arthritis: nach ACR 2026 MTX und/oder geeignete intraartikuläre Glukokortikoide bevorzugt vor einem weiteren bDMARD-Wechsel, JAKi nachrangig
  • ACR 2026 empfiehlt bedingt ein routinemäßiges Screening auf Still-Lungenerkrankung; kein universelles CT-Intervall festgelegt. Bestehende/neue Lungenbeteiligung allein ist keine absolute Kontraindikation gegen IL-1-/IL-6-Inhibition.
  • Lungenwarnzeichen: Husten, Dyspnoe, Hypoxämie, Trommelschlegelfinger; spezialisierte Abklärung; Still-Lungenerkrankung, Infektion und Arzneimittelreaktion unterscheiden
IL-1i · Anakinra, Canakinumab · Therapiebeginn · frühe Zytokinhemmung
  • Anakinra: ab 8 Monaten und ≥10 kg; <50 kg: initial 1–2 mg/kg, ≥50 kg: initial 100 mg s.c. täglich; bei unzureichender Wirksamkeit bis 4 mg/kg/d; Ansprechprüfung nach 1 Monat
  • Anakinra bei CrCl <30 ml/min/Dialyse: Gabe der verordneten Dosis jeden zweiten Tag erwägen
  • Canakinumab: ab 2 Jahren und ≥7,5 kg; 4 mg/kg s.c. alle 4 Wochen, höchstens 300 mg/Gabe; gewichtsadaptierte Dosis aus der Durchstechflasche
  • MAS: separater Akutpfad

Zum Steckbrief IL-1i

IL-6Ri · Tocilizumab, Sarilumab · Frühe systemische Therapie / DMARD-Eskalation nach Subtyp

Cave: Divertikulitis / Perforationsrisiko, Mechanistische CRP-Suppression

  • Einordnung: sJIA → Tocilizumab früh; pJIA → Tocilizumab/Sarilumab nach unzureichender DMARD-Wirksamkeit
  • Tocilizumab – sJIA s.c.: ab 1 Jahr und ≥10 kg; <30 kg: 162 mg alle 2 Wochen; ≥30 kg: 162 mg einmal wöchentlich
  • Tocilizumab – sJIA i.v.: ab 2 Jahren; <30 kg: 12 mg/kg, ≥30 kg: 8 mg/kg alle 2 Wochen
  • Tocilizumab – pJIA s.c.: ab 2 Jahren; <30 kg: 162 mg alle 3 Wochen; ≥30 kg: 162 mg alle 2 Wochen
  • Tocilizumab – pJIA i.v.: ab 2 Jahren; <30 kg: 10 mg/kg, ≥30 kg: 8 mg/kg alle 4 Wochen
  • Tocilizumab s.c. <12 Jahre: Fertigspritze; Fertigpen ab 12 Jahren
  • Sarilumab – pJIA: ab 2 Jahren und ≥10 kg; initial 10–<30 kg: 4 mg/kg, ≥30 kg: 3 mg/kg s.c. alle 2 Wochen, höchstens 200 mg/Gabe; Durchstechflasche 175 mg/ml, Entnahmevolumen nach Gewichtstabelle
  • Sarilumab bei Gewichtszunahme unter 4-mg/kg-Regime: 27,5–<39,5 kg → 0,65 ml/Gabe beibehalten; ab 39,5 kg → 3-mg/kg-Tabelle
  • Kombination: möglichst + MTX; Tocilizumab-Monotherapie bei MTX-Unverträglichkeit/- Ungeeignetheit; Sarilumab auch als Monotherapie

Zum Steckbrief IL-6Ri

Ansprechen und Deeskalation

  • Klinische Inaktivität beziehungsweise Remission anstreben; Aktivität, Funktionsbeeinträchtigung und Organmanifestationen gemeinsam bewerten
  • JADAS/cJADAS mit Versionsangabe; historische cJADAS-Schwellen nicht als alleinige Eskalationsautomatik
  • Unter ausreichender Krankheitskontrolle Glukokortikoide bevorzugt reduzieren; bDMARD-Deeskalation schrittweise und gemeinsam entscheiden
  • Nichtsystemische JIA unter Kombination: nach ACR 2026 zunächst csDMARD vor b-/tsDMARD reduzieren; schwer beurteilbare Gelenke ggf. vor Reduktion bildgeben. Bei Rückfall bevorzugt zuletzt wirksames DMARD-Regime wieder aufnehmen.
  • Still: CID/Remission und Tapering nach Still-Abschnitt. Uneinheitlich: EULAR Still 2024 nennt 3–6 Monate CID ohne Glukokortikoide, Algorithmustext mindestens 6 Monate; ACR 2026 erreicht keinen Konsens über die Dauer vor DMARD-Reduktion. Kein fixes Intervall für jede JIA-Untergruppe.
  • Uveitis: eigene Voraussetzungen und Kontrollintervalle im Uveitisabschnitt; Gelenkinaktivität allein unzureichend
Nicht empfohlen und besondere Reservekonstellationen
  • Keine konventionellen DMARDs als gezielte Therapie isolierter axialer Entzündung
  • Keine Sulfasalazintherapie der systemischen JIA nach geprüfter Produktinformation
  • Kein Etanercept als bevorzugte Behandlung aktiver JIA-Uveitis; ophthalmologisch wirksamen Pfad wählen

Monitoring und Sicherheit

Aktivität, Funktion, Wachstum und Organschaden getrennt dokumentieren; JADAS/cJADAS mit benannter Version
Vor DMARDs Infektions-/Impfstatus, Blutbild, Leber-/Nierenfunktion und passende Vortests
Uveitis
Hochrisikoscreening, kontrollierter Verlauf unter Therapie und medikamentenfreie Remission mit unterschiedlichen Intervallen
Akute Infektion, neue Zytopenie, Transaminasenanstieg oder Arzneimittelreaktion mit ereignisbezogener Beurteilung; Grenzwerte nach passender Fachinformation
Ausführliche Informationen anzeigenWeniger anzeigen

Krankheitsaktivität und Langzeitfolgen

  • Aktive Gelenke, Funktion, Schmerz, Morgensteifigkeit, Patienten-/Elternperspektive und ärztliche Gesamtbewertung
  • Extraartikuläre Erkrankung getrennt erfassen; niedriger Arthritisindex kein Nachweis kontrollierter Uveitis oder Systemerkrankung
  • Wachstum, Blutdruck und pubertäre Entwicklung; unter chronischen systemischen Glukokortikoiden Größe/Gewicht und Blutdruck mindestens halbjährlich, Lipide/Glukose sowie Knochen-/Augengesundheit mindestens jährlich nach ACR 2026.
  • Struktur-/Schadensbildgebung nach Fragestellung; keine routinemäßige Erwachsenen-ILD-Serie bei Kindern

Vor Therapiebeginn

  • Blutbild einschließlich Differenzialblutbild, Transaminasen und Nierenfunktion; bei passendem Medikament Lipide und Urin
  • TB-Screening vor Biologikum; erneute Testung bei Exposition oder neuem Risiko
  • Hepatitis-/Infektionsscreening nach Therapie, Risiko und Fachinformation; aktive schwere Infektion vor Immunsuppression abklären
  • Impfstatus und Varizellenanamnese; bei Jugendlichen reproduktive Beratung

Spezifisches Medikamentenmonitoring

  • IL-6Ri: klinische Aktivität und Infektionszeichen trotz mechanistischer CRP-Suppression beurteilen

Weitere Kontrollen und Dosisanpassungen: Methotrexat · Tocilizumab · Sarilumab · Medikamentenübersicht

Uveitis-Screening und Wachstum: eigener kinderrheumatologischer Verlauf; unabhängig vom Sicherheitslabor

Impfungen

  • Impfstatus mindestens jährlich und vor Therapieplanung überprüfen; nationalen Impfplan berücksichtigen
  • Totimpfstoffe grundsätzlich möglich; Immunantwort und Timing therapiebezogen
  • Lebendimpfstoffe unter Immunsuppression grundsätzlich besonders prüfen; europäische pädiatrische Empfehlungen mit definierten MMR-Booster-/Varizellenausnahmen, kein pauschaler Import eines lebenslangen Verbots
  • Konkrete Lebendimpf-Ausnahme, immunsuppressives Regime und Zeitpunkt mit dem kinderrheumatologischen Team prüfen; Details im individuellen Impfplan.

JIA-assoziierte Uveitis

Screening ohne bekannte Uveitis

  • Hochrisiko: Oligoarthritis, RF-negative Polyarthritis, juvenile Psoriasisarthritis oder undifferenzierte Arthritis und ANA-Positivität und Erkrankungsbeginn <7 Jahre und Krankheitsdauer ≤4 Jahre
  • Hochrisikoscreening alle drei Monate; niedrigere/mittlere Risikokonstellationen risikoadaptiert alle sechs bis zwölf Monate
  • Rotes Auge, Schmerzen, Photophobie oder Sehverschlechterung: zeitnahe akut-ophthalmologische Abklärung unabhängig vom nächsten Screeningtermin

Aktive Augenentzündung

  • Adalimumab: Uveitis ab 2 Jahren; <30 kg: 20 mg, ≥30 kg: 40 mg s.c. alle 2 Wochen; + MTX
  • Optionale Adalimumab-Aufsättigung: <30 kg: 40 mg, ≥30 kg: 80 mg s.c. einmalig, 1 Woche vor Erhaltungsbeginn; bei <6 Jahren keine klinischen Aufsättigungsdaten
  • MTX bei Uveitis (Off-Label): Dosierung im MTX-Block; Folsäure-Supplementation
  • Ophthalmologische Aktivitäts-/Komplikationsbeurteilung; topische Glukokortikoide als initiale lokale Therapie
  • Anhaltender Tropfenbedarf, insbesondere im Bereich ein bis zwei täglicher Gaben, abhängig von bereits laufender Systemtherapie beurteilen: ohne DMARD systemische Behandlung ergänzen; unter DMARD bei fortbestehendem Bedarf nach mindestens drei Monaten Anpassung erwägen
  • Bei bDMARD-Bedarf Adalimumab bevorzugt; schwerer visusbedrohender Verlauf gegebenenfalls initial Kombination aus csDMARD und bDMARD
  • ACR 2026, bedingt: bei aktiver Uveitis TNFi bereits initial oberhalb der Standard-JIA-Dosis bevorzugt; bei unzureichender Standarddosis zuerst Dosis/Frequenz erhöhen. Dies ist (Off-Label) – Dosis/Frequenz und keine Änderung des EU-Adalimumab-Regimes. Therapie ophthalmologisch-kinderrheumatologisch festlegen.

Kontrollierte Uveitis, Tapering und medikamentenfreie Remission

Situation Kontroll-/Taperingregel
Kontrolliert unter stabiler Therapie Ophthalmologisch mindestens alle drei Monate
Topische Steroide reduziert/geändert Kontrolle innerhalb eines Monats
Systemische Therapie reduziert/geändert Kontrolle innerhalb zweier Monate
Systemische Deeskalation geplant SHARE Uveitis 2018: mindestens zwei Jahre inaktive Augenentzündung ohne topische Steroide
Langfristige medikamentenfreie Remission, erste vier Jahre nach Absetzen MIWGUC 2025: viermonatliche Überwachung; strukturelle Komplikationen weiter beurteilen
Stabile medikamentenfreie Remission länger als vier Jahre MIWGUC 2025: sechsmonatliche Überwachung

Die Langzeitintervalle ersetzen weder die frühen Kontrollen nach Therapieänderung noch häufigere Untersuchungen bei Aktivität oder Komplikationen. MIWGUC: konsensbasierte Langzeitempfehlung.

Makrophagenaktivierungssyndrom bei Still-Erkrankung

Verdacht und Klassifikation

  • Fieber, rasch steigendes Ferritin, fallende Thrombozyten, Transaminasenanstieg, Gerinnungsstörung, neurologische Auffälligkeiten und Organfunktionsstörung
  • Labortrends und Gesamtkonstellation entscheidend; unter Zytokinblockade typische Signale abgeschwächt möglich
  • EULAR/ACR/PRINTO-MAS-Klassifikationskriterien 2016: febrile Patient:in mit bekannter/vermuteter sJIA; Ferritin >684 µg/l plus mindestens zwei der folgenden Merkmale:
  • Thrombozyten ≤181 × 10⁹/l ◦ AST >48 U/l ◦ Triglyzeride >156 mg/dl ◦ Fibrinogen ≤360 mg/dl ◦
  • Frühes MAS trotz nicht erfüllter Kriterien möglich; Diagnostik und Behandlung nicht bis zur Klassifikationsschwelle verzögern

Behandlungspfad

  • Umgehende spezialisierte, bei Bedarf intensivmedizinische Betreuung; Triggersuche parallel zur Behandlung
  • Hoch dosierte Glukokortikoide; zusätzliche IL-1-/Ciclosporin-/IFN-γ-gerichtete Behandlung je Konstellation und europäischem MAS-Pfad erwägen
  • ACR 2026 abweichend: initial IL-1-/IL-6i plus systemische Glukokortikoide; bei unzureichender Wirkung bedingt anderes b-/tsDMARD einschließlich Emapalumab/JAKi vor zusätzlichem CNI. Der europäische MAS-Pfad bleibt eigenständig; Evidenz für Sequenzvergleiche gering.
  • Spezialisierte Hochdosis-/i.v.-Regime und Emapalumab über den gemeinsamen Still-/MAS-Baustein mit passender Alters-, Zulassungs- und Regimezuordnung; keine primäre-HLH-Dosiseskalation in Still/MAS übernehmen

Transition und Langzeitversorgung

  • Strukturierter, individueller Transitionsplan; Entwicklungsstand und Selbstmanagement statt starrer Übergabe allein am Geburtstag
  • Verantwortliche Teams, Medikamentenplan, Impfungen, Organmanifestationen und Notfallinformationen schriftlich übergeben
  • Uveitis-/MAS-Anamnese und fortgeltende Kontrollanforderungen ausdrücklich weitergeben; keine Beendigung ophthalmologischer Betreuung allein mit der Erwachsenenversorgung
  • Schul-/Berufsplanung, psychische Belastung, Adhärenz und reproduktive Beratung integrieren

Quellen und Links

Perioperatives Management

ACR 2022 – csDMARDs, JAK-Inhibitoren und Glukokortikoide

  • MTX, Leflunomid, HCQ, Sulfasalazin und Apremilast: übliche Dosis bei elektiver Hüft-/Knieendoprothetik grundsätzlich fortführen.
  • Tofacitinib, Baricitinib und Upadacitinib: mindestens drei Tage vor Operation pausieren; Operation entsprechend Tabelle 2 am vierten Tag nach letzter Dosis. Die Empfehlung betrifft das Infektionsrisiko und berücksichtigt nicht allein ausreichend ein individuelles VTE-/kardiovaskuläres Risiko.
  • Glukokortikoide: bei rheumatologischer Dauertherapie aktuelle Tagesdosis fortführen; keine routinemäßige supraphysiologische Stressdosis allein aufgrund dieser Leitlinie. Eine eigenständige Nebenniereninsuffizienz erfordert eine gesonderte perioperative Planung.

ACR 2022 – Biologika bei RA, AS, PsA oder JIA

Biologikum pausieren und den Eingriff nach Auslassen der nächsten fälligen Gabe planen. Die Zeitangaben beziehen sich auf das jeweilige Ausgangsintervall und die letzte Dosis, nicht auf einen neu verordneten Dosisplan.

Wirkstoff und übliches Intervall Operation nach letzter Gabe
Infliximab alle 4 / 6 / 8 Wochen Woche 5 / 7 / 9
Adalimumab alle zwei Wochen Woche 3
Etanercept wöchentlich Woche 2
Golimumab s.c. alle vier Wochen Woche 5
Golimumab i.v. alle acht Wochen, US-Regime Woche 9
Abatacept i.v. monatlich / s.c. wöchentlich Woche 5 / Woche 2
Certolizumab alle zwei / vier Wochen Woche 3 / 5
Rituximab-Zyklus alle 4–6 Monate Monat 7
Tocilizumab s.c. wöchentlich / i.v. alle vier Wochen Woche 2 / 5
Anakinra täglich Tag 2
Secukinumab oder Ixekizumab alle vier Wochen Woche 5
Ustekinumab alle zwölf Wochen Woche 13
Guselkumab alle acht Wochen Woche 9

Die US-Tabelle bestätigt keine EU-Zulassung eines Wirkstoffs, einer Applikationsform oder eines Intervalls; insbesondere Golimumab i.v. ist hier als US-Kontext gekennzeichnet.

ACR 2022 – SLE getrennt behandeln

  • Schwerer SLE: aktuelle Induktions- oder Erhaltungstherapie wegen schwerer Organmanifestation, beispielsweise Lupusnephritis, ZNS-Lupus, schwerer Zytopenie oder bedrohlicher Vaskulitis. Auch bei aktuell ruhiger Erkrankung unter Erhaltungstherapie nach schwerer Organmanifestation.
  • Bei geeignetem Operationszeitpunkt MMF/Mycophenolsäure, AZA, Ciclosporin, Tacrolimus, Anifrolumab und Voclosporin nach rheumatologischer Abstimmung fortführen. Belimumab ebenfalls fortführen; i.v.- Belimumab/Anifrolumab zeitlich gemäß Tabelle 2 in Woche 4 einplanen.
  • Rituximab bei schwerem SLE: Operation im letzten Monat des Dosierungszyklus; Tabelle 2 nennt Monat 4– 6
  • Nicht schwerer SLE: MMF/Mycophenolsäure, AZA, Ciclosporin und Tacrolimus eine Woche vorher pausieren. RTX und Belimumab ebenfalls pausieren: RTX Monat 7, Belimumab i.v. Woche 5 beziehungsweise s.c. Woche 2.
  • Die amerikanische Fortführungsempfehlung begründet keine zusätzliche EU-Zulassung, etwa für RTX bei SLE.

ACR 2022 – Wiederbeginn

  • Bei pausierter antirheumatischer Therapie: wieder beginnen, wenn die Wunde heilt, Fäden/Klammern entfernt sind, keine relevante Schwellung/Rötung/Sekretion und keine andere fortbestehende Infektion vorliegen.
  • Wiederbeginn bei abgeschlossener Wundheilung und fehlender Infektion, meist nach etwa 14 Tagen

DGRh 2022

Thema DGRh 2022
MTX Fortführen; bei >20 mg/Woche vorübergehende Reduktion erwägen, Erläuterung nennt ≤15 mg/Woche
Leflunomid Bei geringem Infektionsrisiko fortführen; bei hohem Risiko beschleunigt eliminieren
AZA, MMF, Ciclosporin 1–2 Tage vor Operation pausieren; bei hohem Schubrisiko Fortführung
RTX Elektiven Eingriff ab vier Monaten nach letzter Infusion und spätestens vier Wochen vor nächster Infusion planen
JAK-Inhibitoren Bei größeren Eingriffen 3–4 Tage präoperativ pausieren
Glukokortikoide 2–3 Monate vorher möglichst reduzieren, Ziel <10 mg/d; perioperativ stabil halten
Wiederbeginn Bei unauffälliger Wundheilung/fehlender Infektion möglichst früh; keine generelle 14-tägige Mindestpause

HCQ, Sulfasalazin und Apremilast können fortgeführt werden. Notfalleingriffe nicht wegen einer DMARD-Pausenfrist verzögern. Bei längeren Pausen kurzwirksamer Medikamente das Schubrisiko beachten.

Quellen und Links

Polymyalgia rheumatica (PMR)

Diagnostik und Klassifikation

Typisch
Alter ≥50 Jahre; beidseitige Schulter-, häufig Beckengürtelschmerzen; Morgensteifigkeit >45 Minuten
Labor
CRP und/oder BSG ↑
Sonographie
subdeltoidale Bursitis, Bizepssehnen-Tenosynovitis; ggf. Hüftsynovitis/trochantäre Bursitis
GCA-Zeichen
neuer Kopfschmerz, Kieferclaudicatio, Sehstörung → dringliche GCA-Abklärung
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Klinische Abklärung

  • Schulter-/Hüftschmerz, Morgensteifigkeit, Alltagsfunktion und systemische Symptome dokumentieren; objektive Muskelschwäche von schmerzbedingter Einschränkung unterscheiden
  • CRP/BSG, Blutbild, CK, TSH, Leber-/Nierenwerte; RF/ACPA und weitere Untersuchungen nach Differenzialdiagnose
  • GCA-Symptome aktiv erfragen: neuer Kopfschmerz, Kopfhautempfindlichkeit, Kiefer-/Zungenclaudicatio, Sehstörung, Extremitätenclaudicatio
  • Bei GCA-Verdacht Fast-Track und Temporal-/Axillarsonographie; bei starkem Verdacht sofortige Therapie während der Diagnosesicherung
  • Mimics: spät beginnende RA, CPPD, degenerative Schulter-/Hüfterkrankung, Myositis, Hypothyreose, Infektion und Malignom; Zusatzdiagnostik konstellationsabhängig
  • Bei den meisten PMR-Verdachtsfällen fachärztliche Beurteilung vor GK-Beginn; schneller GK-Effekt unterstützt, bestätigt aber die Diagnose nicht
  • Atypischer/refraktärer Verlauf → Diagnose erneut prüfen, gegebenenfalls Expertisezentrum.

EULAR/ACR-PMR-Klassifikationskriterien 2012

EULAR/ACR-PMR-Klassifikationskriterien 2012 berechnen

Eingang: Alter ≥50 Jahre, beidseitiger Schulterschmerz und abnormes CRP und/oder BSG; Symptome nicht besser durch eine andere Erkrankung erklärt. Die Kriterien wurden für neu aufgetretene Beschwerden entwickelt und dienen der Klassifikation.

Klinisches Merkmal Punkte
Morgensteifigkeit >45 Minuten 2
Hüftschmerz oder eingeschränkte Hüftbeweglichkeit 1
RF und ACPA negativ 2
Keine weiteren Gelenkschmerzen 1

Ohne Ultraschall: ≥4 von maximal 6 Punkten. Ein positiver RF- oder ACPA-Befund erfüllt das gemeinsame Negativitätsitem nicht.

Zusätzlicher Ultraschallbefund Punkte
Mindestens eine Schulter mit subdeltoider Bursitis, Bizeps-Tenosynovitis oder Glenohumeralsynovitis und mindestens eine Hüfte mit Synovitis oder Trochanterbursitis 1
Beide Schultern jeweils mit subdeltoider Bursitis, Bizeps-Tenosynovitis oder Glenohumeralsynovitis 1
  • Beide Ultraschallzeilen dürfen bei Erfüllung addiert werden; keine Mehrfachpunkte für mehrere Läsionen innerhalb einer Zeile
  • Mit Ultraschall: ≥5 von maximal 8 Punkten
  • Originalvalidierung: ohne US Sensitivität 68 %, Spezifität 78 %; mit US 66 % / 81 %
  • Klassifikation ersetzt die klinische Diagnose nicht; PMR setzt keine nachgewiesene Vaskulitis voraus.

Therapie

Therapiebeginn
Prednisolon 15–25 mg/d; bei Kontrolle auf 10 mg/d innerhalb 4–8 Wochen; bei hohem GK-Risiko adjuvant Tocilizumab (Off-Label) erwägen
Unzureichende Wirksamkeit
rezidivierend/refraktär → Sarilumab bevorzugt; alternativ Tocilizumab (Off-Label); MTX (Off-Label) als weitere Option, Rituximab (Off-Label) hochselektiv bei begrenzten Daten
Rezidiv → mindestens letzte wirksame GK-Dosis; GCA, Infektion und Nebenniereninsuffizienz prüfen
Deeskalation
bei Remission z. B. −1 mg Prednisolon alle 4 Wochen; GK-Freiheit innerhalb 1 Jahres anstreben; adjuvante Therapie bei GK-freier Remission individuell reduzieren
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Therapiebeginn

  • Prednisolon 15–25 mg/d; Dosis nach Krankheitslast, Komorbiditäten und Rezidivrisiko
Prednisolon · Therapiebeginn
  • Prednisolon: initial 15–25 mg p.o. morgens; bei Kontrolle auf 10 mg/d innerhalb 4–8 Wochen
  • Weiteres Ausschleichen: −1 mg alle 4 Wochen bei Remission

Zum Steckbrief Prednisolon

GK-Risiko / unzureichende Wirksamkeit

  • Relevante GK-Nebenwirkungen/-risiken, wiederholte Rezidive oder unzureichende Kontrolle → steroid-sparende Therapie erwägen
  • Ausgewählte neu aufgetretene PMR: Tocilizumab zusätzlich zu GK erwägbar; (Off-Label) – Indikation PMR. MTX als Alternative
  • Ausgewählte rezidivierende/refraktäre PMR: Sarilumab bevorzugt; Tocilizumab alternativ (Off-Label). MTX als Alternative, etwa bei ungeeigneter oder nicht verfügbarer IL-6-Hemmung
  • Sarilumab-Zulassung: Erwachsene mit unzureichendem GK-Ansprechen oder Rezidiv während des Ausschleichens
  • Nationale S2e: Rituximab als ausgewählte Alternative, begrenzte Daten, (Off-Label) – PMR; kein gleichrangiger Routine-Biologikastandard
  • Dauer der adjuvanten Therapie nicht ausreichend definiert; Absetzen frühestens im Kontext einer erreichten GK-freien klinischen Remission erwägen.
Sarilumab · Nach GK-Versagen / Rezidiv beim Ausschleichen

Cave: Divertikulitis / Perforationsrisiko, Mechanistische CRP-Suppression

  • Sarilumab: 200 mg s.c. alle 2 Wochen + ausschleichende GK; anschließend Monotherapie möglich; unzureichendes GK-Ansprechen / Rezidiv beim Ausschleichen

Zum Steckbrief Sarilumab

Tocilizumab · GK-Einsparung · Alternative · (Off-Label)

Cave: Divertikulitis / Perforationsrisiko, Mechanistische CRP-Suppression

  • Tocilizumab: 162 mg s.c. einmal wöchentlich oder 8 mg/kg i.v. alle 4 Wochen; + ausschleichende GK; (Off-Label)

Zum Steckbrief Tocilizumab

Methotrexat (MTX) · GK-Einsparung · Alternative · (Off-Label)

Cave: CrCl <30 ml/min: KI

  • Methotrexat (MTX): 15 mg p.o. einmal wöchentlich; 25 mg/Woche im neueren RCT; optimale Dosis unsicher; (Off-Label)
  • Folsäure: Supplementation zu MTX
  • DGRh Wechselwirkung 2023: Cotrimoxazol in antibiotischer Therapiedosis meiden; PJP-Prophylaxe mit 160/800 mg dreimal wöchentlich bei niedrig dosiertem MTX möglich; Interaktionen und Kontrollen
  • DGRh Wechselwirkung 2023: unter Penicillinen MTX pausieren; Metamizol und Probenecid meiden; weitere Interaktionen
  • Nierenfunktion – DGRh Wechselwirkung 2023: bei GFR ≤45 ml/min von MTX abraten; FI: CrCl 30–59 ml/min → 50 % der Dosis, <30 ml/min → kontraindiziert; Dosisanpassung

Zum Steckbrief Methotrexat (MTX)

Rituximab · Hochselektive Reserve · begrenzte Daten · (Off-Label)

Cave: HBV-Reaktivierung

  • Rituximab: Studienregime: einmalig 1.000 mg i.v.; hochselektive Alternative; (Off-Label)

Zum Steckbrief Rituximab

Remission, Relaps und Ausschleichen

  • Remission klinisch anhand fehlender PMR-bedingter Beschwerden und Funktionsbeeinträchtigung beurteilen; Entzündungsparameter unterstützend
  • Relaps von degenerativen Beschwerden, Infektion, Steroidentzug/Nebenniereninsuffizienz und neu auftretender GCA unterscheiden
  • GK bei Relaps mindestens auf die letzte wirksame Dosis erhöhen oder wiederbeginnen; erneute Reduktion nach Kontrolle
  • Neue kraniale/ischämische Symptome unabhängig vom CRP und vom nächsten PMR-Termin sofort abklären
  • Nationale Zielzeiten für verkürzte GK-Therapie unter adjuvanter Behandlung sind individualisierte Konsensziele, keine randomisiert bewiesene optimale Dauer.

Nichtmedikamentöse Maßnahmen

  • Individuell angepasstes Bewegungs-/Übungsprogramm; Beweglichkeit, Kraft, Alltagsfunktion und Sturzprävention
  • Besonders bei höherem Alter/Frailty Physiotherapie und Unterstützung beim Erhalt der Selbstständigkeit
  • Osteoporoserisiko und Knochenprotektion unter GK; Blutdruck, Glukose, Gewicht und weitere Komorbiditäten behandeln.

Monitoring und Sicherheit

Initial und bis Remission alle 1–4 Wochen; stabil typischerweise alle 3–6 Monate, nach GK-Ende individuell
Klinik, Funktion, Entzündungswerte und GK-Nebenwirkungen; unter IL-6-Hemmung klinische Aktivität priorisieren
Bei den genannten PMR-spezifischen Laborauffälligkeiten Sarilumab absetzen
Ausführliche Informationen anzeigenWeniger anzeigen

Krankheitsverlauf

  • Schulter-/Hüftschmerz, Morgensteifigkeit, Funktion, GCA-Symptome, CRP/BSG sowie Blutdruck, Glukose und weitere GK-Nebenwirkungen
  • Nach Therapieänderung oder bei Relapsverdacht früher kontrollieren
  • Unter IL-6-Hemmung normale Entzündungswerte weder Remissionsbeweis noch Infektionsausschluss
  • Keine routinemäßige serielle Bildgebung allein zum Remissionsnachweis; bei GCA-/Mimic-Verdacht gezielte Diagnostik
  • Funktionstraining, Sturz-/Knochenprotektion und Adhärenz im Verlauf überprüfen.

Spezifisches Medikamentenmonitoring

  • IL-6Ri: klinische Aktivität und Infektionszeichen trotz mechanistischer CRP-Suppression beurteilen
  • Rituximab: IgG vor Beginn und vor jedem weiteren Zyklus

Weitere Kontrollen und Dosisanpassungen: Sarilumab · Tocilizumab · Methotrexat · Medikamentenübersicht

Sarilumab bei PMR

Screening und Prävention

Infektionsscreening, Impfungen und Reproduktionsplanung

Quellen und Links

Psoriasisarthritis (PsA)

Diagnostik und Klassifikation

Gelenke
periphere Arthritis, häufig asymmetrisch; DIP-Beteiligung, Daktylitis
Weitere Domänen
Enthesitis, entzündlicher Rückenschmerz/Sakroiliitis
Haut/Nägel
Psoriasis; Tüpfelung, Onycholyse, Hyperkeratose
Unterstützend
Psoriasis-Eigen-/Familienanamnese; RF meist negativ; Sonographie/MRT mit Synovitis/ Enthesitis
Röntgen
Erosionen und juxtaartikuläre Knochenneubildung
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Klinische Beurteilung

  • Aktive Suche nach Haut- und Nagelpsoriasis, einschließlich Psoriasisanamnese; Gelenke, Enthesen und Daktylitis dokumentieren
  • Axiale Symptome, Uveitis und CED gesondert erfassen; Therapieauswahl an den tatsächlich betroffenen Domänen ausrichten
  • CRP normal: aktive PsA weiterhin möglich; klinische Befunde und bei Bedarf gezielte Bildgebung berücksichtigen
  • RF/ACPA helfen bei der Abgrenzung insbesondere zur RA; weder Seronegativität noch Seropositivität bestimmen die Diagnose allein
  • Bei Enthesenschmerz entzündliche Aktivität von mechanischer Belastung und anderen Schmerzursachen abgrenzen; Bildgebung bei diagnostischer Unsicherheit

CASPAR-Klassifikationskriterien

CASPAR-Klassifikationskriterien berechnen

Voraussetzung: entzündliche artikuläre Erkrankung von Gelenken, Wirbelsäule oder Enthesen. Anschließend folgende Merkmale zählen:

Merkmal Punkte und Bedingung
Aktuelle Psoriasis 2 Punkte; Haut- oder Kopfhautpsoriasis, ärztlich festgestellt
Eigene Psoriasisanamnese 1 Punkt, nur ohne aktuelle Psoriasis
Psoriasis in der Familie 1 Punkt bei Verwandten 1. oder 2. Grades, nur ohne aktuelle Psoriasis und ohne eigene Psoriasisanamnese
Typische psoriatische Nageldystrophie 1 Punkt; z. B. Onycholyse, Tüpfelung oder Hyperkeratose bei aktueller Untersuchung
Rheumafaktor negativ 1 Punkt
Daktylitis 1 Punkt; aktuell oder frühere, rheumatologisch dokumentierte Daktylitis
Juxtaartikuläre Knochenneubildung 1 Punkt; im konventionellen Röntgen von Hand/Fuß, Osteophyten ausgenommen
  • Im Psoriasisbereich nur eine Alternative: aktuelle Psoriasis, Eigen- und Familienanamnese nicht addieren
  • ≥3 Punkte bei erfüllter Eingangsvoraussetzung → CASPAR-Klassifikation erfüllt
  • CASPAR ist kein Schweregradscore; eine klinische PsA-Diagnose bleibt eine ärztliche Gesamtbeurteilung

Therapie

Therapiebeginn
periphere Polyarthritis/ungünstige Mono-/Oligoarthritis → rasch MTX, bei relevanter Hautbeteiligung bevorzugt; Leflunomid oder Sulfasalazin (Off-Label) als Alternativen; axial/Enthesitis → zunächst NSAR bzw. lokale Therapie
Monat 3
≥50 % Aktivitätsreduktion; Monat 6: Remission oder niedrige Krankheitsaktivität; Zielverfehlung → Therapieanpassung
Unzureichende Wirksamkeit
peripher nach ≥1 csDMARD → TNFi, IL-17i, IL-23i oder IL-12/23i; axial nach NSAR → TNFi, IL-17i oder JAKi nach Risikoabwägung; Haut-/Augen-/Darmmanifestation in die Auswahl einbeziehen
nach bDMARD → Wirkstoff-/Klassenwechsel; JAKi nach Risikoabwägung, auch bei bDMARD-Ungeeignetheit; Abatacept als weitere Option; milde Erkrankung und bDMARD/JAKi ungeeignet → Apremilast
Deeskalation
anhaltende Remission → individuelle Dosis-/Intervallreduktion, ggf. (Off-Label); keine festgelegte Mindestdauer
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Periphere Arthritis

  • NSAR zur Symptomkontrolle, lokale Glukokortikoidinjektionen als Ergänzung; orale Glukokortikoide sind keine reguläre Standardstrategie der EULAR 2023-Empfehlungen
  • Polyarthritis oder Mono-/Oligoarthritis mit ungünstigen Prognosefaktoren: rascher csDMARD-Beginn. Prognosefaktoren: Strukturschaden, erhöhte Akutphase, Daktylitis oder Nagelbeteiligung
  • MTX bei klinisch relevanter Hautbeteiligung bevorzugen; Leflunomid oder Sulfasalazin als weitere csDMARD-Optionen für periphere Arthritis
  • csDMARD-Wirkung nach etwa 12 Wochen beurteilen; unzureichende Therapie nicht bis zum Sechsmonatsziel unverändert fortsetzen
  • Nach unzureichender Wirksamkeit von ≥1 csDMARD: TNFi, IL-17i, IL-23i oder IL-12/23i nach Manifestationen; weitere Optionen nach Vorbehandlung
  • JAK-Inhibitor bei unzureichendem Ansprechen auf mindestens ein bDMARD oder wenn ein bDMARD ungeeignet ist; Sicherheitsregeln beachten
  • Apremilast bei milder Erkrankung nach csDMARD-Versagen erwägen, wenn weder bDMARD noch JAK-Inhibitor geeignet sind. „Mild“: oligoartikuläre/entheseale Erkrankung ohne ungünstige Prognosefaktoren und mit begrenzter Hautbeteiligung
  • Die aktuelle PsA-Zulassung von Deucravacitinib ist im Wirkstoffdetails berücksichtigt; das EULAR 2023 enthält hierfür noch keine Therapieposition
csDMARDs · Methotrexat, Leflunomid; Sulfasalazin (Off-Label) · Therapiebeginn · periphere Arthritis

Cave: MTX: CrCl <30 ml/min: KI

  • Methotrexat (MTX): 15 mg p.o./s.c. einmal wöchentlich → 20–25 mg/Woche nach Verträglichkeit
  • Folsäure: Supplementation zu MTX
  • Leflunomid: 20 mg p.o. einmal täglich; FI-Aufsättigung bei PsA: 100 mg/d für 3 Tage
  • Sulfasalazin: initial 500 mg p.o./d → 1 g zweimal täglich; periphere Arthritis; (Off-Label)
  • MTX bei CrCl 30–59 ml/min: Dosisreduktion; CrCl <30 ml/min: KI
  • DGRh Wechselwirkung 2023: Cotrimoxazol in antibiotischer Therapiedosis meiden; PJP-Prophylaxe mit 160/800 mg dreimal wöchentlich bei niedrig dosiertem MTX möglich; Interaktionen und Kontrollen
  • DGRh Wechselwirkung 2023: unter Penicillinen MTX pausieren; Metamizol und Probenecid meiden; weitere Interaktionen
  • Nierenfunktion – DGRh Wechselwirkung 2023: bei GFR ≤45 ml/min von MTX abraten; FI: CrCl 30–59 ml/min → 50 % der Dosis, <30 ml/min → kontraindiziert; Dosisanpassung
  • DGRh Wechselwirkung 2023: Eisen zeitlich getrennt einnehmen; bei Digoxin Wirkung/ggf. Spiegel kontrollieren; weitere Interaktionen
  • Interaktionen – FI: Rosuvastatin höchstens 10 mg/d; unter Vitamin-K-Antagonisten INR engmaschiger; weitere Interaktionen
  • Nierenfunktion: mäßige/schwere Einschränkung laut EU-FI kontraindiziert; DGRh Wechselwirkung 2023 empfiehlt unveränderte Dosis; Quellenunterschied

Zum Steckbrief csDMARDs

Axiale PsA

  • Bei klinisch relevanter axialer Erkrankung und unzureichendem NSAR-Ansprechen TNF-, IL-17A-, IL-17A/F- oder JAK-Inhibition erwägen
  • csDMARDs behandeln die axiale Erkrankung nicht ausreichend; eine periphere Begleitarthritis gesondert beurteilen
  • IL-23-/IL-12/23-Inhibitoren nicht aus ihrer Haut- oder peripheren Gelenkwirksamkeit in den axialen Standardpfad übernehmen

Enthesitis und Daktylitis

  • Eindeutige entzündliche Enthesitis sichern; mechanische und andere nichtentzündliche Schmerzursachen berücksichtigen
  • Bei unzureichendem Ansprechen auf NSAR oder lokale Glukokortikoidinjektionen bDMARD erwägen; keine obligatorische csDMARD-Vorstufe für isolierte Enthesitis
  • Vor Eskalation klinische Entzündungsaktivität und Bildgebungsbefund abgleichen
  • Daktylitis in Aktivitäts- und Domänenbeurteilung aufnehmen; bei peripherer Mono-/Oligoarthritis zugleich ungünstiger Prognosefaktor

Nichtmuskuloskelettale Manifestationen und Wechsel

  • Klinisch relevante Hautpsoriasis: IL-17A-, IL-17A/F-, IL-23- oder IL-12/23-Inhibition bevorzugt berücksichtigen
  • Uveitis: monoklonalen TNF-Inhibitor bevorzugen; konkrete okuläre Zulassung beachten
  • CED: hierfür wirksamen monoklonalen TNF-Inhibitor, IL-23-, IL-12/23- oder JAK-Inhibitor nach konkreter CED-Zulassung und Sicherheit auswählen; IL-17-Hemmung bei aktiver CED vermeiden
  • Bei unzureichender Wirkung oder Unverträglichkeit Wechsel des bDMARD/JAK-Inhibitors erwägen; auch ein Wechsel innerhalb einer Klasse ist möglich
  • Therapieentscheidung gemeinsam treffen; Nutzen für einzelne Domänen, Begleiterkrankungen und Präferenzen abwägen
TNFi · Adalimumab, Etanercept, Certolizumab pegol, Golimumab, Infliximab · Nach csDMARD-Versagen;
axial / Enthesitis eigener Pfad

Cave: schwere Herzinsuffizienz (NYHA III/IV)

  • Adalimumab: 40 mg s.c. alle 2 Wochen
  • Etanercept: 50 mg s.c. einmal wöchentlich; alternativ 25 mg zweimal wöchentlich
  • Certolizumab pegol: 400 mg s.c. Woche 0, 2, 4; danach 200 mg alle 2 Wochen; bei bestätigtem Ansprechen alternativ 400 mg alle 4 Wochen
  • Golimumab: 50 mg s.c. einmal monatlich; >100 kg und unzureichendes Ansprechen nach 3–4 Dosen: ggf. 100 mg monatlich
  • Infliximab i.v.: 5 mg/kg Woche 0, 2, 6; danach alle 8 Wochen
  • Infliximab s.c.: nach 5 mg/kg i.v. Woche 0 und 2: 120 mg s.c. ab Woche 6, danach alle 2 Wochen
  • Certolizumab/Infliximab: + MTX; Monotherapie bei MTX-Unverträglichkeit/-Ungeeignetheit

Zum Steckbrief axial / Enthesitis eigener Pfad

IL-17i · Secukinumab, Ixekizumab, Bimekizumab · Nach csDMARD-Versagen; axial / Enthesitis eigener Pfad

Cave: CED: nicht empfohlen

  • Secukinumab: 150 mg s.c. Woche 0, 1, 2, 3, 4; danach alle 4 Wochen; nach TNFi-Versagen 300 mg im gleichen Schema; bei unzureichender Wirkung ggf. Steigerung auf 300 mg
  • Ixekizumab: 160 mg s.c. Woche 0; danach 80 mg alle 4 Wochen
  • Bimekizumab: 160 mg s.c. alle 4 Wochen
  • Relevante begleitende Psoriasis: jeweilige Psoriasis-Dosierung

Zum Steckbrief IL-17i

IL-23i · Guselkumab, Risankizumab · Nach unzureichender csDMARD-Wirksamkeit
  • Guselkumab: 100 mg s.c. Woche 0 und 4; danach alle 8 Wochen; hohes Gelenkschadensrisiko: ggf. alle 4 Wochen
  • Risankizumab: 150 mg s.c. Woche 0 und 4; danach alle 12 Wochen

Zum Steckbrief IL-23i

Ustekinumab · Nach unzureichender csDMARD-Wirksamkeit
  • Ustekinumab: 45 mg s.c. Woche 0 und 4; danach alle 12 Wochen; >100 kg: alternativ 90 mg

Zum Steckbrief Ustekinumab

JAKi · Upadacitinib, Tofacitinib + MTX · Nach bDMARD-Versagen / -Ungeeignetheit · Sicherheitsselektion

Cave: MACE-/Malignom-/VTE-Risiko; Auswahlbeschränkungen

  • Upadacitinib: 15 mg Retard p.o. einmal täglich; allein oder + MTX
  • Tofacitinib: 5 mg p.o. zweimal täglich; alternativ 11 mg Retard p.o. einmal täglich; + MTX
  • Nur ohne geeignete Alternative: ≥65 Jahre; aktuelles/früheres langjähriges Rauchen; erhöhtes kardiovaskuläres-/Malignomrisiko
  • VTE-Risiko: besondere Vorsicht
  • Tofacitinib – FI: starke CYP3A4-Hemmung oder mäßige CYP3A4-/starke CYP2C19-Hemmung → 5 mg Filmtablette einmal täglich statt 5 mg zweimal täglich / 11 mg Retard; z. B. Ketoconazol / Fluconazol
  • Upadacitinib – FI: starke CYP3A4-Hemmer → 15 mg/d mit Vorsicht; Grapefruit vermeiden
  • Weitere Interaktionen / Organfunktion: substanzbezogene Anpassungen

Zum Steckbrief JAKi

Abatacept · Monotherapie oder + MTX · Nach unzureichender DMARD-Wirksamkeit
  • Abatacept: 125 mg s.c. einmal wöchentlich; allein oder + MTX
  • I.v. alternativ: <60 kg: 500 mg; 60–100 kg: 750 mg; >100 kg: 1.000 mg; Woche 0, 2, 4, danach alle 4 Wochen
  • Auswahl: nach DMARD-Versagen einschließlich MTX; keine zusätzlich systemisch behandlungsbedürftige Hautpsoriasis

Zum Steckbrief Abatacept

Apremilast · Milde Erkrankung; bDMARD / JAKi ungeeignet
  • Apremilast: nach 5-tägiger Titration 30 mg p.o. zweimal täglich; CrCl <30 ml/min: 30 mg einmal täglich
  • Ansprechen: ohne Nutzen nach 24 Wochen Fortführung überdenken

Zum Steckbrief Apremilast

Deucravacitinib · Nach unzureichender DMARD-Wirksamkeit · neuere Option · Ergänzung nach [EULAR 2023]
(https://doi.org/10.1136/ard-2024-225531)
  • Deucravacitinib: 6 mg p.o. einmal täglich; allein oder + MTX; nach unzureichender DMARD-Wirksamkeit/-Verträglichkeit
  • Ansprechen: ohne Nutzen nach 24 Wochen Beendigung erwägen

Difficult-to-manage und treatment-refractory PsA

  • Gemeinsam: leitliniengerechte Behandlung, Therapieversagen bei ≥2 b/tsDMARDs mit ≥2 Wirkmechanismen und problematisches Management aus Sicht von Patient:in und/oder Rheumatologie
  • D2M: primäres/sekundäres Wirkversagen oder Abbruch wegen Nebenwirkungen, Intoleranz oder Kontraindikationen. Zusätzlich mindestens 1 Persistenzmerkmal:
  • niedrige Aktivität nicht erreicht oder nicht gehalten ◦ aktive extramuskuloskelettale PsA-Manifestation ◦ objektive Entzündungsaktivität ◦
  • TR: primäres/sekundäres Wirkversagen; Abbrüche allein wegen Nebenwirkungen, Intoleranz oder Kontraindikationen genügen nicht. Mindestens 2 der drei Persistenzmerkmale, davon objektive Entzündung zwingend; andere Ursachen einschließlich Komorbiditäten oder psychosozialer Faktoren als Treiber der Persistenz ausschließen
  • Objektive Entzündung: klinische Zeichen, erhöhte Akutphase und/oder entzündliche Bildgebung; erhöhtes CRP nicht zwingend
  • D2M erfordert alle drei Definitionsbereiche, TR zusätzlich den Ausschluss anderer Persistenztreiber. Begleiterkrankungen können bei TR vorliegen

Deeskalation

  • Bei anhaltender Remission individuell erwägen
  • Gemeint ist Dosisreduktion, gegebenenfalls durch Intervallverlängerung; kein routinemäßiges vollständiges Absetzen
  • Reduktion und Verlaufskontrollen gemeinsam vereinbaren; bei Wiederanstieg entzündlicher Aktivität Therapie neu anpassen
  • (Off-Label) – Dosis/Frequenz, soweit das gewählte Reduktionsschema von der konkreten Fachinformation abweicht; kein allgemeines PsA-Ausschleichschema vorgegeben

Monitoring und Sicherheit

Gelenkaktivität und weitere Domänen getrennt erfassen; DAS28 bildet die Gesamt-PsA nicht ausreichend ab
Infektionsscreening, Impfstatus und Arzneimittelrisiken vor Therapiebeginn; Verlaufslabor substanzbezogen
JAK-Risikogruppen beachten; eine Übertragbarkeit der JAK-Klassenrisiken auf selektive TYK2-Hemmung ist unklar
Hautziele, Special Sites, Nägel, Gewicht, kardiovaskuläre Risiken und psychische Belastung berücksichtigen
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Aktivität und Therapieziele

  • DAPSA/cDAPSA zur peripheren Gelenkaktivität; MDA/VLDA und zusätzliche Domänenbeurteilung für eine umfassendere Bewertung
  • DAS28 erfasst insbesondere Füße und weitere relevante PsA-Domänen unzureichend; nicht als Gesamt-PsA-Instrument verwenden
  • Haut: mindestens PASI75 nach Induktion; PASI90 oder absoluter PASI <2 oder DLQI ≤1 anstreben. Special Sites und Nägel zusätzlich domänenspezifisch bewerten
  • Persistierende Schmerzen trotz Entzündungskontrolle: strukturelle, mechanische und weitere Schmerztreiber prüfen, nicht allein deshalb Immunsuppression eskalieren

Spezifisches Medikamentenmonitoring

  • Leflunomid: Blutdruck vor Beginn und regelmäßig im Verlauf
  • IL-17i: neue/verschlechterte CED-Symptome
  • Apremilast: Gewicht und depressive/suizidale Symptome

Weitere Kontrollen und Dosisanpassungen: Adalimumab · Bimekizumab · Upadacitinib · Medikamentenübersicht Infektionsscreening und Impfungen

JAK- und TYK2-Sicherheit

  • JAK-Inhibitoren bei ≥65 Jahren, aktuellem oder längerem früherem Rauchen, erhöhtem kardiovaskulärem oder Malignitätsrisiko nur, wenn keine geeignete Alternative verfügbar ist
  • VTE-Risikofaktoren gesondert prüfen; hier besondere Vorsicht. Infektionen einschließlich Herpes zoster, Blutbild, Leberwerte und Lipide präparatbezogen berücksichtigen
  • Unklar: Ob selektive TYK2-Hemmung dieselben unerwünschten Effekte wie JAK-Hemmung verursacht. Für Deucravacitinib war in den Studien kein erhöhtes MACE-/VTE-Risiko erkennbar; Langzeitbewertung läuft. Langzeitrisiken bleiben Gegenstand der Bewertung

Begleiterkrankungen und nichtmedikamentöse Maßnahmen

  • Gewicht/Adipositas, kardiovaskuläre Risikofaktoren und metabolische Begleiterkrankungen aktiv behandeln
  • Regelmäßige Bewegung und bedarfsgerechte Physiotherapie; Funktion, Belastbarkeit und Teilhabe berücksichtigen
  • Depression und psychosoziale Belastung erfassen; Rheumatologie, Dermatologie sowie bei Bedarf Ophthalmologie/Gastroenterologie abstimmen

Quellen und Links

Reproduktion, Schwangerschaft und Stillzeit

Grundprinzipien

  • Früh und wiederholt beraten; Remission/niedrige Aktivität vor Konzeption anstreben und auch postpartal sichern.
  • Risiken der Medikation gegen Risiken aktiver mütterlicher Erkrankung abwägen; wirksame kompatible Therapie planen.
  • Stillen unter kompatibler Medikation unterstützen.
  • Entscheidungen gemeinsam mit Patient:in sowie rheumatologischem und geburtshilflichem Team treffen; gegebenenfalls pädiatrische und teratologische Beratung hinzuziehen.

Schwangerschaftskompatible Medikamente

  • HCQ, Azathioprin/6-Mercaptopurin, Colchicin, Ciclosporin, Sulfasalazin und Tacrolimus sind nach EULAR 2024 mit Schwangerschaft vereinbar. Krankheits- und substanzbezogenes Monitoring fortführen.
  • Prednisolon: bei Bedarf zur Krankheitskontrolle; möglichst auf ≤5 mg/d reduzieren und wenn möglich absetzen. Höhere Dosen nach mütterlich-fetaler Nutzen-Risiko-Abwägung, gegebenenfalls kompatible DMARD-Therapie ergänzen.
  • NSAR: intermittierend, niedrigste wirksame Dosis und kurze Dauer; nichtselektive Substanzen mit kurzer Halbwertszeit wie Ibuprofen bevorzugen. EULAR 2024 nennt Absetzen nach Schwangerschaftswoche 28; im dritten Trimenon ist Ibuprofen laut Fachinformation kontraindiziert.
  • Bereits ab SSW 20 bestehen bei Ibuprofen Risiken für fetale Nierenfunktion/Fruchtwassermenge und Ductus arteriosus. Nach mehrtägiger Einnahme pränatale Kontrolle erwägen; bei Oligohydramnion oder Ductus-Verengung absetzen. „Bis Woche 28 unbedenklich“ wäre falsch.
  • Bei erschwerter Konzeption eine NSAR-Pause erwägen, da die Ovulation beeinträchtigt werden kann.

Biologika in der Schwangerschaft

  • TNFi: Adalimumab, Certolizumab, Etanercept, Golimumab und Infliximab können nach EULAR 2024 während der gesamten Schwangerschaft eingesetzt werden. Individuelle Wirksamkeit und transplazentare Passage berücksichtigen.
  • Bei erforderlicher Krankheitskontrolle möglich: Abatacept, Anakinra, Belimumab, Canakinumab, Ixekizumab, Rituximab, Sarilumab, Secukinumab, Tocilizumab und Ustekinumab. Die Evidenz unterscheidet sich.
  • Sehr begrenzte/fehlende Daten: Anifrolumab, Eculizumab, Guselkumab, Mepolizumab und Risankizumab nach EULAR 2024 nur einsetzen, wenn keine andere schwangerschaftskompatible Therapie die mütterliche Erkrankung wirksam kontrollieren kann.
  • Konkrete Produktinformation und pädiatrischen Impfplan mitprüfen; die Auswahl der mütterlichen Therapie und der spätere Umgang mit Säuglingsimpfungen sind getrennte Entscheidungen.

Präkonzeptionelles Absetzen und Rescue-Ausnahme

  • MTX, CYC und MMF sind teratogen. Effektive Kontrazeption und rechtzeitige Umstellung auf geeignete Alternativen.
  • EULAR 2024 nennt vor geplanter mütterlicher Konzeption MTX 1–3 Monate, MMF etwa sechs Wochen und CYC drei Monate. Längere produktbezogene Kontrazeptionsfristen zusätzlich beachten; MTX-Abweichung siehe unten.
  • Bei schwerer refraktärer mütterlicher Erkrankung kommen nach EULAR 2024 insbesondere i.v.- Methylprednisolon, IVIG sowie passende schwangerschaftskompatible csDMARDs/bDMARDs infrage; Sildenafil nur im dazu passenden klinischen Kontext.
  • CYC oder MMF im zweiten/dritten Trimenon: EULAR 2024, Empfehlung 4, Tabelle 1 und Erläuterung S. 919 lässt eine Erwägung ausschließlich im engen Rescue-Kontext zu, wenn keine andere verfügbare Option eine organ-/lebensbedrohende mütterliche Erkrankung kontrollieren kann. Die Daten hierfür sind begrenzt. Keine reguläre Schwangerschaftsstrategie und keine Aufhebung produktbezogener Gegenanzeigen.
  • Wegen unzureichender Daten vermeiden: Apremilast, JAK-Inhibitoren, Bosentan, Leflunomid, Mepacrin und Voclosporin. Leflunomid rechtzeitig absetzen beziehungsweise beschleunigt eliminieren, mit produktbezogenem Nachweis ausreichender Elimination.
  • Avacopan ist zusätzlich aufgrund des EU-Widerrufs vom August 2026 keine reguläre Therapieoption mehr; die ältere EULAR 2024-Liste allein bildet diesen Stand nicht ab.

Methotrexat – Leitlinie und Fachinformation

Situation EULAR 2024 Methotrexat-PEN-Fachinformation
Geplante mütterliche Konzeption 1–3 Monate vorher absetzen Zuverlässige Kontrazeption während Behandlung und mindestens sechs Monate danach
Väterlicher Kinderwunsch MTX ≤25 mg/Woche kann fortgeführt werden Vorsorglich Kontrazeption während Behandlung und mindestens drei Monate danach; keine Samenspende in diesem Zeitraum
Stillzeit MTX ≤25 mg/Woche nur erwägen, wenn keine kompatible Alternative eingesetzt werden kann Stillzeit kontraindiziert

Diese Unterschiede gehören in die individuelle Beratung und Dokumentation. Die eng begrenzte Stillzeit-Erwägung ist keine allgemeine Freigabe von MTX während des Stillens. Eine Anwendung entgegen der hier genannten Fachinformation liegt außerhalb ihrer Vorgaben (Off-Label).

Stillzeit

  • Nach EULAR 2024 kompatibel: HCQ, AZA/6-MP, Colchicin, Ciclosporin, Sulfasalazin, Tacrolimus, Prednisolon, i.v.-Methylprednisolon, IVIG sowie geeignete NSAR einschließlich Ibuprofen oder Celecoxib.
  • TNFi und Nicht-TNFi-bDMARDs gelten nach EULAR 2024 als stillkompatibel. Die geringe Milchpassage und orale Bioverfügbarkeit stützen diese Einordnung; Umfang direkter klinischer Daten bleibt substanzabhängig.
  • MTX ≤25 mg/Woche, Bosentan und Sildenafil nur erwägen, wenn keine kompatible Alternative nutzbar ist; MTX-Fachinformationsabweichung siehe oben.
  • Vermeiden: Apremilast, CYC, Etoricoxib, Iloprost, Leflunomid, MMF, JAK-Inhibitoren und Voclosporin; Avacopan zusätzlich regulatorisch nicht verfügbar.
  • Infliximab: Stillkompatibilität und die besonderen Fachinformationshinweise zu Lebendimpfungen des gestillten Kindes getrennt beachten.

Medikamente bei väterlichem Kinderwunsch

  • Nach EULAR 2024 fortführbar: AZA/6-MP, Colchicin, Ciclosporin, HCQ, IVIG, Leflunomid, MTX ≤25 mg/ Woche, MMF, NSAR, Prednisolon, Sildenafil, Sulfasalazin, Tacrolimus sowie TNFi.
  • Die EULAR 2024-Fortführungsempfehlung umfasst auch Abatacept, Anakinra, Belimumab, Canakinumab, Ixekizumab, Rituximab, Sarilumab, Secukinumab, Tocilizumab und Ustekinumab; Evidenz unterschiedlich.
  • Sulfasalazin kann die Spermienqualität reversibel beeinträchtigen. Bei verzögerter Konzeption andere Ursachen untersuchen und Therapieumstellung erwägen.
  • CYC: dosisabhängiges Risiko irreversibler Infertilität; vor Beginn Fertilitätsprotektion/Kryokonservierung besprechen.
  • Bei Anifrolumab, Apremilast, JAK-Inhibitoren, Bosentan, Eculizumab, Guselkumab, Mepolizumab, Risankizumab und Voclosporin sind Daten begrenzt/fehlend; alternative Therapie erwägen. Fehlende negative Spermiendaten sind kein vollständiger Nachweis unbedenklicher Schwangerschaftsausgänge.
  • Produktbezogene Kontrazeptionsfristen separat berücksichtigen; die Regeln zur mütterlichen Teratogenität nicht auf väterliche Exposition übertragen.

Säuglingsimpfungen nach Biologikaexposition

EULAR 2024:

  • Totimpfstoffe nach üblichem Impfplan, unabhängig vom exponierenden bDMARD.
  • Rotavirus: nach intrauteriner TNFi-Exposition gemäß üblichem Schema möglich.
  • BCG: sechs Monate aufschieben, wenn ein relevant plazentagängiger TNFi in der zweiten Schwangerschaftshälfte gegeben wurde; EULAR 2024 nennt Infliximab/Adalimumab/Golimumab nach SSW 20 und Etanercept nach SSW 32.
  • Certolizumab: minimale/keine relevante Passage; nach EULAR 2024 keine entsprechende Änderung des Säuglingsimpfplans.
  • Nicht-TNFi-bDMARD im zweiten/dritten Trimenon: Lebendimpfstoffe wegen begrenzter Daten sechs Monate verschieben.

Abweichende Infliximab-Fachinformation:

  • Nach intrauteriner Infliximab-Exposition Lebendimpfstoffe grundsätzlich zwölf Monate nach Geburt nicht empfohlen.
  • Früher erwägbar bei klarem individuellem Nutzen, wenn kindliche Infliximabspiegel nicht nachweisbar sind oder die Exposition auf das erste Trimenon begrenzt war.
  • Bei mütterlicher Infliximabtherapie während des Stillens Lebendimpfstoffe des Kindes laut Fachinformation nicht empfohlen, außer bei nicht nachweisbarem kindlichem Infliximabspiegel.

Expositionszeitpunkt, Wirkstoff, Impfstoff und Fachinformation gemeinsam pädiatrisch beurteilen. Eine pauschale Verschiebung der Rotavirusimpfung um sechs oder zwölf Monate ist wegen ihrer Altersgrenzen kein geeigneter Ersatzplan.

Quellen und Links

Rheumatherapie bei Krebsanamnese

Vor der Therapieentscheidung

  • Tumor: Entität, Histologie, Stadium, bisherige Therapie, frühere Rezidive, aktueller Remissionsstatus und Prognose
  • Arthritis: Aktivität, bisherige DMARDs, Funktion, Schädigungsrisiko, Glukokortikoidbedarf und wirksame Alternativen
  • Patient:in: Komorbiditäten, Rauchstatus, Alkoholkonsum, frühere schwere Infektionen, eigene Aktivitätseinschätzung und Behandlungsziele
  • Rheumatologische Behandlungsführung: Indikation, Aktivitätskontrolle und antirheumatische Therapie; Abstimmung mit Patient:in, Hausärzt:in und zuständiger Tumorfachdisziplin
  • Onkologische Mitbeurteilung: tumorspezifisches Rezidiv-/Zweittumorrisiko, Prognose und Nachsorge
  • Gemeinsame Entscheidung: Nutzen, mögliche Risiken und Folgen einer unzureichenden Rheumatherapie mit Patient:in besprechen; Therapiewahl und Zeitpunkt zwischen Rheumatologie und zuständiger Tumorfachdisziplin abstimmen
  • Interdisziplinäres Tumorboard: bei komplexer Konstellation geeigneter Rahmen für die gemeinsame Therapieplanung
  • Rezidiv und Zweittumor: nach früherer Krebserkrankung grundsätzlich möglich; ein späterer Tumor unter DMARD-Therapie allein belegt keinen ursächlichen Zusammenhang mit dem Medikament

Warum eine wirksame Rheumatherapie wichtig bleibt

  • Chronische Entzündung: erhöhtes Risiko bestimmter Malignome; besonders gut belegt für Lymphome bei hoher RA-Aktivität
  • Anhaltende Untertherapie: irreversible Gelenkschäden, Funktionsverlust und eingeschränkte Lebensqualität; zusätzlich kardiovaskuläre und Infektionsrisiken sowie Belastung durch Glukokortikoide, NSAR und Analgetika
  • Wirksame Arthritisbehandlung: wichtig, um das potenziell entzündungsassoziierte Malignomrisiko zu vermindern; möglicher Beitrag zur Senkung von Neuerkrankungen oder Rezidiven
  • Therapieziel: wirksame Entzündungskontrolle, Funktionserhalt und möglichst geringe Begleitmedikation bei vertretbarem onkologischem Risiko
  • Nicht gesichert: DMARD-spezifischer Schutz vor Tumorrezidiven; wirksame Arthritistherapie ersetzt die onkologische Behandlung und Nachsorge nicht

Therapie bei Tumorremission

  • Keine allein durch die Krebsanamnese begründete Verzögerung einer geeigneten, indizierten zielgerichteten Therapie; Zeitpunkt nach Arthritisaktivität und individueller Tumorprognose
  • Remission fachonkologisch bestätigen; bei gegebener Indikation Rheumatherapie beginnen oder wieder aufnehmen
  • Auch ein Beginn innerhalb von fünf Jahren möglich: untersuchte RA-Kohorten unter TNF-Inhibition ohne nachgewiesenen Risikoanstieg gegenüber csDMARDs; mögliche Auswahl prognostisch günstigerer Patient:innen begrenzt die Aussagekraft

Auswahl nach Tumorart

Frühere Tumorerkrankung, aktuell in Remission Bevorzugtes Vorgehen
Solider Tumor, kein Melanom TNF-Inhibitoren bevorzugt erwägen, sofern rheumatologisch geeignet; nichtmelanozytärer Hautkrebs eingeschlossen
Lymphom B-Zell-Depletion, insbesondere Rituximab, bevorzugt erwägen; Auswahl mit Hämatologie
Melanom Keine gesicherte Klassenpräferenz; individuelle Entscheidung mit Dermatoonkologie

Hintergrund zur Wirkstoffwahl

  • TNF-Inhibitoren nach soliden Tumoren: größte klinische Datenbasis, überwiegend bei RA; in den untersuchten Konstellationen kein nachgewiesener Anstieg neuer oder rezidivierender Tumoren gegenüber csDMARDs
  • Bedeutung der TNF-Präferenz: bessere Absicherung durch vorhandene Daten; keine nachgewiesene onkologische Unterlegenheit von IL-6-, IL-17-, IL-12/23- oder IL-23-Inhibitoren. Bei diesen Klassen Daten speziell nach Tumorerkrankung begrenzt; Auswahl nach Gelenkerkrankung und individueller Tumorkonstellation
  • Solider Tumor in Remission, kein Melanom: TNF-Inhibitoren bei entsprechender rheumatologischer Eignung auch gegenüber Rituximab bevorzugt erwägen. Größere klinische Datenbasis für TNF-Hemmung; keine nachgewiesene onkologische Unterlegenheit von Rituximab
  • Rituximab nach Lymphom: Präferenz unter anderem wegen seiner etablierten Rolle in der Behandlung von B-Zell-Lymphomen; direkte vergleichende Daten zur Rheumatherapie nach Lymphom fehlen. Kein genereller Vorrang nach jeder Krebsanamnese
  • Melanom: besonders lückenhafte Daten und wichtige Rolle der Immunüberwachung; TNF-Präferenz nach anderen soliden Tumoren nicht übertragen. Daraus folgt kein pauschales TNF-Verbot
  • Rituximab bei RA: EU-Zulassung für schwere aktive RA mit MTX, nach unzureichendem Ansprechen/ Unverträglichkeit anderer DMARDs einschließlich mindestens eines TNF-Inhibitors; früherer Einsatz außerhalb dieser Voraussetzungen (Off-Label). Keine Standardtherapie der PsA/axSpA

Warum Zurückhaltung bei JAK-Inhibitoren und Abatacept?

  • JAK-Inhibitoren: in ORAL Surveillance mehr Malignome unter Tofacitinib als unter TNF-Inhibitoren bei RA mit erhöhtem Risikoprofil; keine Studie speziell zu Tumorrezidiven nach Krebs. Zusammen mit fehlenden belastbaren Daten in dieser Konstellation Grundlage der Zurückhaltung; nur ohne geeignete Alternative, individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung
  • EMA-Auswahlregel für JAK-Inhibitoren: nur ohne geeignete Alternative bei Alter ≥65 Jahre, erhöhtem kardiovaskulärem Risiko, aktuellem oder früherem langjährigem Rauchen oder erhöhtem Tumorrisiko; frühere Malignome in die individuelle Risikobewertung einbeziehen
  • Abatacept: Hemmung der T-Zell-Kostimulation; immunologisch gegenläufig zur Aktivierung der Tumorabwehr durch CTLA-4-Checkpoint-Blockade. Im EULAR 2024-Quellenstand 5 von 7 Beobachtungsstudien bei RA ohne Krebsanamnese mit erhöhten Tumorraten gegenüber anderen zielgerichteten Therapien, 2 ohne signifikanten Unterschied; unterschiedliche Endpunkte und mögliche Verzerrungen, keine quantitative Schätzung des individuellen Risikos; kein gesicherter direkter Nachweis eines erhöhten Rezidivrisikos nach Krebs, aber Anlass zur Zurückhaltung
  • Praktische Konsequenz für beide: geeignete Alternativen vorrangig ausschöpfen; bei fehlender Alternative oder refraktärer Arthritis individuelle Auswahl mit Onkologie/Hämatologie. Keine pauschale absolute Kontraindikation allein aufgrund der Krebsanamnese
  • Dosen und Begleittherapie: nach Erkrankung und Präparat; Details im jeweiligen Leitlinien-Essential und unter Medikamente

Aktiver Tumor und Checkpoint-Inhibitoren

  • Aktiver Tumor oder fehlende Remission: zielgerichtete Rheumatherapie individuell mit Onkologie/ Hämatologie und Patient:in abstimmen; TNF-/Rituximab-Präferenzen bei Tumorremission nicht pauschal übertragen
  • Auch bei indolenten hämatologischen Erkrankungen, z. B. CLL oder smouldering Myelom, gemeinsame Therapieplanung; ebenso bei Arthritisschub nach Absetzen einer wirksamen Rheumatherapie wegen der Tumordiagnose
  • Unter Checkpoint-Inhibitoren: Schub einer vorbestehenden Arthritis und neu aufgetretene immunvermittelte Arthritis unterscheiden; rheumatologische Behandlung und Fortführung/Unterbrechung der Immuntherapie gemeinsam mit Onkologie festlegen
  • Nicht abschließend geklärt: Einfluss der antirheumatischen Immunsuppression auf Tumorkontrolle und Überleben unter Checkpoint-Inhibition; widersprüchliche Beobachtungsdaten. Keine pauschale Freigabe oder Sperre einer Wirkstoffklasse
  • Rheumatische Nebenwirkungen der Checkpoint-Therapie: eigener Behandlungspfad (EULAR Checkpoint-Inhibitoren 2021)

Was die Daten für die Praxis bedeuten

  • Am besten untersucht: RA nach soliden Tumoren unter TNF-Inhibition; deutlich weniger Daten zu PsA/SpA, anderen Wirkstoffklassen, Lymphomen und einzelnen Tumoruntergruppen
  • Entscheidungsgrundlage: überwiegend Beobachtungsdaten und Expertenkonsens; randomisierte Vergleichsdaten speziell nach früherer Tumorerkrankung fehlen
  • Beobachtungsstudien: unterschiedliche Ausgangsrisiken und bevorzugte Auswahl bestimmter Patient:innen für einzelne Wirkstoffe; fehlendes Risikosignal beweist keine Gleichwertigkeit aller Therapien
  • Langzeitrisiko unzureichend erfasst: begrenzte Nachbeobachtung und Expositionsdauer; manche Rezidive erst nach mehr als zehn Jahren. Die vorhandenen Daten erlauben keine umfassende Aussage zu späten Rezidiven
  • Zeitabhängige Signale: in einer ORAL-Surveillance-Auswertung für Tofacitinib gegenüber TNF-Inhibitoren unterschiedliche Malignomraten ab etwa 18 Monaten; Endpunkt ohne nichtmelanozytären Hautkrebs. Keine daraus ableitbare sichere Kurzzeitdauer oder allgemeine Absetzgrenze
  • Endpunkte: neue Tumoren und Rezidive häufig gemeinsam ausgewertet; Gesamtüberleben und progressionsfreies Überleben meist nicht berichtet. Aus einem fehlenden Anstieg der Tumorereignisse folgt keine gesicherte Aussage zum Überleben
  • MTX: ebenfalls Hauttumorsignale, einschließlich nichtmelanozytärem Hautkrebs und Melanom; daraus kein pauschales Absetzen und keine gesicherte Aussage zum individuellen Rezidivrisiko
  • Glukokortikoide: Beobachtungsdaten mit erhöhter Tumorinzidenz bei längerer Anwendung in Populationen ohne Krebsanamnese; Kausalität nicht gesichert. Dauerbedarf durch wirksame Arthritisbehandlung möglichst senken
  • Für das Gespräch: wirksame Behandlung ist möglich; individuelle Tumorprognose und verbleibende Unsicherheit bleiben Teil der gemeinsamen Entscheidung

Monitoring

  • Arthritisaktivität und Funktion krankheitsspezifisch kontrollieren; Glukokortikoide und NSAR bei wirksamer DMARD-Therapie reduzieren
  • Onkologische Nachsorge: tumorspezifischer Plan der betreuenden Fachdisziplin
  • Rezidiv, neuer Tumor oder Änderung der Krebstherapie: gemeinsame Nutzen-Risiko-Abwägung aktualisieren
  • Medikamentenkontrollen: präparatspezifisch; unter JAK-Inhibitoren regelmäßige Hautuntersuchungen, insbesondere bei erhöhtem Hautkrebsrisiko

Quellen und Links

Rheumatoide Arthritis (RA)

Diagnostik und Klassifikation

Gelenke
persistierende Schwellung/Synovitis; häufig symmetrisch an MCP, PIP, Handgelenken und MTP
Beschwerden
Morgensteifigkeit, Druck-/Bewegungsschmerz, Funktionsverlust
Unterstützend
ACPA/RF positiv, CRP/BSG ↑
Bildgebung
Sonographie mit Synovitis/Power-Doppler-Aktivität; Röntgen Hände/Füße mit möglichen Erosionen
Ausführliche Informationen anzeigenWeniger anzeigen

Klinische Abklärung

  • Anamnese und vollständiger Gelenkstatus: Schwellung, Druckschmerz, Morgensteifigkeit, Symmetrie und Dauer; extraartikuläre Symptome und Funktion erfassen
  • RF, ACPA, CRP/BSG; BB, Leber- und Nierenwerte zur Ausgangsbeurteilung und Therapieplanung
  • Sonographie/MRT bei klinischer Unsicherheit ergänzend; subklinische Bildgebungsentzündung allein begründet keine manifeste RA
  • Strukturschaden an Händen/Füßen radiologisch dokumentieren; bei akutem Erguss nach Differenzialdiagnose punktieren, insbesondere zum Ausschluss von Infektion/Kristallarthritis
  • Differenzialdiagnosen u. a. PsA/SpA, Kristallarthritis, Infektion, Kollagenose und aktivierte Arthrose.

ACR/EULAR-RA-Klassifikationskriterien 2010

ACR/EULAR-RA-Klassifikationskriterien 2010 berechnen

Eingang: mindestens ein eindeutig klinisch geschwollenes Gelenk mit Synovitis; nicht besser durch eine andere Erkrankung erklärt.

Domäne Ausprägung Punkte
Gelenke 1 großes Gelenk 0
Gelenke 2–10 große Gelenke 1
Gelenke 1–3 kleine Gelenke, mit oder ohne große 2
Gelenke 4–10 kleine Gelenke, mit oder ohne große 3
Gelenke >10 Gelenke, davon ≥1 kleines 5
Serologie RF und ACPA negativ 0
Serologie RF oder ACPA niedrig positiv 2
Serologie RF oder ACPA hoch positiv 3
Akutphase CRP und BSG normal 0
Akutphase CRP oder BSG erhöht 1
Dauer <6 Wochen 0
Dauer ≥6 Wochen 1
  • ≥6/10 Punkte: RA klassifiziert. Innerhalb einer Domäne nicht addieren; für Serologie und Akutphase jeweils mindestens ein Testergebnis erforderlich
  • Eingangssynovitis von der Gelenkzählung unterscheiden: beteiligt sind klinisch geschwollene oder druckschmerzhafte Gelenke; Bildgebung kann Synovitis bestätigen
  • Groß: Schulter, Ellenbogen, Hüfte, Knie, Sprunggelenk. Klein: MCP, PIP, Daumen-IP, MTP II–V, Handgelenk
  • DIP, CMC I und MTP I ausschließen. In der Kategorie >10 dürfen zusätzliche, sonst nicht einzeln genannte Gelenke berücksichtigt werden
  • Serologie: negativ ≤ULN; niedrig positiv >ULN bis ≤3×ULN; hoch positiv >3×ULN. Nur qualitativ positiver RF zählt niedrig positiv
  • Dauer: patientenberichtete Dauer von Synovitiszeichen/-symptomen der zum Beurteilungszeitpunkt betroffenen Gelenke, unabhängig von zwischenzeitlicher Behandlung
  • Bei <6 Punkten spätere kumulative Erfüllung möglich; etablierte/inaktive Erkrankung anhand belastbarer früherer Daten retrospektiv klassifizierbar.

Erosiver Klassifikationsweg

  • Typische erosive Erkrankung bei passender RA-Anamnese separat vom Punktescore beurteilen
  • EULAR Erosionen 2013: konventionell-radiologische kortikale Unterbrechungen in ≥3 getrennten Gelenken aus PIP, MCP, Handgelenken und MTP
  • Jedes Handgelenk zählt als ein Gelenk; mehrere Erosionen desselben Gelenks nicht mehrfach zählen
  • Keine Übertragung auf beliebige Ultraschall-/MRT-Erosionen; eine klinische RA-Diagnose oder Therapie muss nicht bis zu drei erosiven Gelenken warten.

Therapie

Therapiebeginn
unmittelbar nach Diagnose; MTX 15 → bis 25 mg/Woche ± kurzfristige GK; MTX-KI/ Unverträglichkeit → Leflunomid/Sulfasalazin
Monat 3
≥50 % Reduktion der Krankheitsaktivität; Monat 6: Remission oder niedrige Krankheitsaktivität (LDA); Zielverfehlung → Therapieanpassung
Unzureichende Wirksamkeit
csDMARD (möglichst MTX) ergänzen um TNFi, IL-6Ri oder Abatacept; JAKi nach Risikoabwägung. Monotherapie substanzabhängig möglich.
nach Biologika/JAKi → anderer Mechanismus; nach TNFi-/IL-6Ri-Versagen auch zweiter Klassenvertreter; nach zwei erfolglosen Vertretern → Mechanismuswechsel; Rituximab + MTX bei schwerer aktiver RA nach TNFi-Versagen/-Unverträglichkeit
Deeskalation
zuerst GK-Absetzen; nach ≥6 Monaten stabiler Remission ggf. schrittweise DMARD-Reduktion; Fortführung bevorzugt
Ausführliche Informationen anzeigenWeniger anzeigen

Therapiebeginn

Methotrexat (MTX) · Therapiebeginn
  • Methotrexat (MTX): 15 mg p.o./s.c. einmal wöchentlich; rasche Steigerung bis 25 mg/Woche bei Eignung; höhere Dosis/orale Wirkungs- oder Verträglichkeitsprobleme → ggf. s.c.
  • Folsäure – Supplementation zu MTX: z. B. 5 mg p.o. am Tag nach MTX
  • DGRh Wechselwirkung 2023: Cotrimoxazol in antibiotischer Therapiedosis meiden; PJP-Prophylaxe mit 160/800 mg dreimal wöchentlich bei niedrig dosiertem MTX möglich; Interaktionen und Kontrollen
  • DGRh Wechselwirkung 2023: unter Penicillinen MTX pausieren; Metamizol und Probenecid meiden; weitere Interaktionen
  • Nierenfunktion – DGRh Wechselwirkung 2023: bei GFR ≤45 ml/min von MTX abraten; FI: CrCl 30–59 ml/min → 50 % der Dosis, <30 ml/min → kontraindiziert; Dosisanpassung

Zum Steckbrief Methotrexat (MTX)

  • Prednisolon: ggf. kurzfristige Überbrückung; initial ≤30 mg/d nach DGRh 2026; Ausschleichplan ab Beginn; niedrige Dosis innerhalb von 8 Wochen; Beendigung innerhalb von 3 Monaten

Alternativen bei MTX-KI/früher Unverträglichkeit

Leflunomid · Alternative bei MTX-KI / früher Unverträglichkeit
  • Leflunomid: 10–20 mg p.o. einmal täglich
  • Interaktionen – FI: Rosuvastatin höchstens 10 mg/d; unter Vitamin-K-Antagonisten INR engmaschiger; weitere Interaktionen
  • Nierenfunktion: mäßige/schwere Einschränkung laut EU-FI kontraindiziert; DGRh Wechselwirkung 2023 empfiehlt unveränderte Dosis; Quellenunterschied

Zum Steckbrief Leflunomid

Sulfasalazin · Alternative bei MTX-KI / früher Unverträglichkeit
  • Sulfasalazin: ab 500 mg/d; Einschleichen auf 1 g p.o. zweimal täglich; bei unzureichender Wirksamkeit nach 3 Monaten unter 2 g/d ggf. 3 g/d
  • DGRh Wechselwirkung 2023: Eisen zeitlich getrennt einnehmen; bei Digoxin Wirkung/ggf. Spiegel kontrollieren; weitere Interaktionen

Zum Steckbrief Sulfasalazin

Intraartikuläre Glukokortikoide · Lokale Ergänzung bei einzelnen aktiven Gelenken

Cave: Gelenk-/punktionsnahe Infektion; keine intratendinöse Injektion

Zum Steckbrief Intraartikuläre Glukokortikoide

Triamcinolonacetonid – Erwachsene, Einzeldosis pro Gelenk:
Gelenk Dosis i.a.
Finger-/Zehengelenk bis 10 mg
Schulter-/Ellenbogengelenk 20 mg
Hüft-/Kniegelenk 20–40 mg
  • Mehrere Gelenke: insgesamt bis 80 mg pro Sitzung
  • Für kleine Dosen Suspension mit 10 mg/ml; Erguss vor Injektion aspirieren
  • Erneute Injektion frühestens nach 3–4 Wochen; höchstens 3–4 Injektionen pro Gelenk/Jahr
  • Triamcinolonacetonid-FI, Abschnitte 4.1–4.4

Zum Steckbrief Triamcinolonacetonid – Erwachsene, Einzeldosis pro Gelenk:

Triamcinolonhexacetonid – Erwachsene, Einzeldosis pro Gelenk:
Gelenkgröße Dosis i.a.
Klein 2–5 mg
Mittel 5–10 mg
Groß 10–20 mg

- **Therapieziel und Kontrollen:** gemeinsame Festlegung; Präferenzen, Funktion und Begleiterkrankungen

Zum Steckbrief Triamcinolonhexacetonid – Erwachsene, Einzeldosis pro Gelenk:

Weitere csDMARD-Optionen · Hydroxychloroquin; MTX + Sulfasalazin + Hydroxychloroquin · Alternative
csDMARD-Strategie
  • Hydroxychloroquin: allenfalls ausgewählte sehr milde RA; initial bis 400 mg p.o./d, bei Ansprechen nach 3 Monaten 200 mg/d; Retinasicherheit ≤5 mg/kg tatsächliches Körpergewicht/d; fehlende Besserung nach 6 Monaten → Beendigung
  • csDMARD-Kombination: ausgewählte Situationen; MTX + Sulfasalazin + Hydroxychloroquin (O’Dell) keine bevorzugte Erst- oder Eskalationsstrategie

Cave: Retinopathie / QT-Verlängerung; Makulopathie laut FI kontraindiziert

Monat 3: ≥50 % Reduktion der Krankheitsaktivität · Monat 6: Remission oder LDA · Zielverfehlung → Adhärenz-, Dosis- und Entzündungsprüfung → Therapieanpassung

Zum Steckbrief csDMARD-Strategie

Unzureichende Wirksamkeit von MTX / csDMARDs

csDMARD (möglichst MTX) ergänzen um TNFi, IL-6Ri oder Abatacept

JAKi: weitere Option nach individueller Risikoabwägung

  • Monotherapie: IL-6Ri oder JAKi bevorzugt erwägen; JAKi-Risikoselektion; MTX-Unverträglichkeit ≠ generelle csDMARD-KI
  • Weiteres csDMARD: ggf. nach DGRh 2026; fehlende weitere ungünstige Prognosefaktoren, passende Gesamtsituation; keine obligate zweite csDMARD-Therapie
TNFi · Adalimumab, Etanercept, Certolizumab pegol, Golimumab + MTX, Infliximab + MTX · Nach
unzureichender csDMARD-Wirksamkeit

Cave: schwere Herzinsuffizienz (NYHA III/IV)

  • Adalimumab: 40 mg s.c. alle 2 Wochen
  • Etanercept: 50 mg s.c. einmal wöchentlich; alternativ 25 mg zweimal wöchentlich
  • Certolizumab pegol: 400 mg s.c. Woche 0, 2, 4; danach 200 mg alle 2 Wochen; nach bestätigtem Ansprechen alternativ 400 mg alle 4 Wochen
  • Golimumab: 50 mg s.c. einmal monatlich; + MTX
  • Infliximab i.v.: 3 mg/kg Woche 0, 2, 6; danach alle 8 Wochen; + MTX
  • Kombination: vorzugsweise + MTX; Golimumab/Infliximab bei RA obligat + MTX
  • Monotherapie: ggf. Adalimumab/Etanercept/Certolizumab bei MTX-Unverträglichkeit/- Ungeeignetheit

Zum Steckbrief unzureichender csDMARD-Wirksamkeit

Praxistipp: TNFi in Kombination mit Leflunomid sind in der Regel unwirtschaftlich (Regressrisiko).
IL-6Ri · Tocilizumab, Sarilumab · Nach unzureichender csDMARD-Wirksamkeit

Cave: Divertikulitis / Perforationsrisiko, Mechanistische CRP-Suppression

  • Tocilizumab: 162 mg s.c. einmal wöchentlich; alternativ 8 mg/kg i.v. alle 4 Wochen, höchstens 800 mg/ Infusion
  • Sarilumab: 200 mg s.c. alle 2 Wochen
  • Auswahl: vorzugsweise + MTX; bei notwendiger Monotherapie bevorzugt erwägen
  • Aktivitätsbeurteilung: Gelenkstatus / ggf. CDAI

Zum Steckbrief IL-6Ri

Abatacept + MTX · Nach unzureichender csDMARD-Wirksamkeit · Monotherapie (Off-Label)
  • Abatacept: 125 mg s.c. einmal wöchentlich; + MTX
  • I.v. alternativ: <60 kg: 500 mg; 60–100 kg: 750 mg; >100 kg: 1.000 mg; Woche 0, 2, 4, danach alle 4 Wochen
  • Auswahl: nach csDMARD-Versagen; RA-Monotherapie (Off-Label)

Zum Steckbrief Abatacept + MTX

JAKi · Upadacitinib, Tofacitinib, Baricitinib, Filgotinib · Nach unzureichender csDMARD-Wirksamkeit ·
Sicherheitsselektion

Cave: MACE-/Malignom-/VTE-Risiko; Auswahlbeschränkungen

  • Nur ohne geeignete Alternative: ≥65 Jahre; aktuelles/früheres langjähriges Rauchen; erhöhtes kardiovaskuläres-/Malignomrisiko
  • VTE-Risiko: besondere Vorsicht
  • Upadacitinib: 15 mg Retard p.o. einmal täglich
  • Tofacitinib: 5 mg p.o. zweimal täglich; alternativ 11 mg Retard p.o. einmal täglich
  • Baricitinib: 4 mg p.o. einmal täglich; 2 mg bei ≥65 Jahren, erhöhtem VTE-/MACE-/Malignomrisiko, chronischen/rezidivierenden Infektionen oder CrCl 30–60 ml/min
  • Filgotinib: 200 mg p.o. einmal täglich; 100 mg bei ≥65 Jahren, erhöhtem VTE-/MACE-/Malignomrisiko oder CrCl 15–<60 ml/min
  • Kombination: möglichst + MTX; notwendige Monotherapie → geeignete Option
  • bDMARD + JAKi / zwei JAKi: keine Kombination
  • Tofacitinib – FI: starke CYP3A4-Hemmung oder mäßige CYP3A4-/starke CYP2C19-Hemmung → 5 mg Filmtablette einmal täglich statt 5 mg zweimal täglich / 11 mg Retard; z. B. Ketoconazol / Fluconazol
  • Upadacitinib – FI: starke CYP3A4-Hemmer → 15 mg/d mit Vorsicht; Grapefruit vermeiden
  • Baricitinib – FI: bei Probenecid-Kombination 2 mg/d
  • Filgotinib – FI: bei Itraconazol/Rifampicin keine Dosisanpassung
  • Weitere Interaktionen / Organfunktion: substanzbezogene Anpassungen

Zum Steckbrief Sicherheitsselektion

Anakinra + MTX · Nachgeordnete Option bei unzureichender MTX-Wirksamkeit
  • Anakinra: 100 mg s.c. einmal täglich; + MTX; unzureichende Wirksamkeit von MTX allein; CrCl <30 ml/ min → ggf. jeden zweiten Tag
  • Einordnung: RA-Zulassung; keine bevorzugte Standardeskalation
  • ANC <1,5 ×10⁹/l: kein Beginn / Beendigung

Ab Therapieanpassung · Monat 3: ≥50 % Reduktion der Krankheitsaktivität · Monat 6: Remission oder LDA · Zielverfehlung → Adhärenz-, Dosis- und Entzündungsprüfung → Therapieanpassung

Zum Steckbrief Anakinra + MTX

Unzureichende Wirksamkeit von Biologika / JAKi

  • Vor Wechsel: Restentzündung, Adhärenz, Dosierung, alternative Beschwerdeursachen
  • Nach erstem bDMARD: TNFi, IL-6Ri, Abatacept oder JAKi nach Risikoabwägung; innerhalb derselben Klasse: zweiter TNFi / IL-6Ri; Rituximab + MTX bei schwerer aktiver RA nach TNFi-Versagen/- Unverträglichkeit
  • Nach JAKi: bDMARD aus den genannten Optionen; ggf. zweiter JAKi – begrenzte Evidenz: Beobachtungsdaten
  • Zwei erfolglose Vertreter derselben Klasse → Mechanismuswechsel
  • Diskordante Scores: vor DMARD-Eskalation Restentzündung prüfen; routinemäßiges Therapeutic Drug Monitoring nicht erforderlich
Rituximab + MTX · Nach TNFi-Versagen / -Unverträglichkeit

Cave: HBV-Reaktivierung

  • Einsatz: schwere aktive RA; unzureichende Wirksamkeit/Unverträglichkeit anderer DMARDs einschließlich ≥1 TNFi; + MTX
  • Rituximab: 1.000 mg i.v. Tag 1 und Tag 15; Wiederbehandlungsbedarf nach 24 Wochen; bei Restaktivität erneuter Zyklus, sonst Aufschub bis zur Rückkehr der Aktivität
  • Prämedikation: Antipyretikum + Antihistaminikum; 100 mg Methylprednisolon i.v., abgeschlossen 30 Minuten vor jeder Infusion
  • Abweichende Regime: reduzierte 500-mg-Zyklen / Einsatz vor erfüllter TNFi-Vorbehandlung (Off-Label)

Nach Wechsel · Monat 3: ≥50 % Reduktion der Krankheitsaktivität · Monat 6: Remission oder LDA · Zielverfehlung → Adhärenz-, Dosis- und Entzündungsprüfung → Therapieanpassung

Zum Steckbrief Rituximab + MTX

Deeskalation

  • Remission / LDA: Fortführung der wirksamen Therapie
  • Reihenfolge: zuerst GK-Absetzen; nach ≥6 Monaten stabiler Remission ggf. schrittweise DMARD-Reduktion; Fortführung bevorzugt
  • Reduktion: schrittweise Dosisreduktion / Intervallverlängerung; keine generelle Präferenz csDMARD vs. b/ tsDMARD; präparatabhängig ggf. (Off-Label)
  • Kontrollen: engmaschige Aktivitätsbeurteilung; Reintensivierung bei Flare; vollständiges DMARD-Absetzen kein Routineziel

Erwachsenenregime: MTX nach DGRh 2026; präparatbezogene Unterschiede · Weitere Applikationsformen, Dosisanpassungen und Sicherheitshinweise: Medikamente

Monitoring und Sicherheit

Aktive RA alle 1–3 Monate klinisch und mit validiertem Gelenkscore beurteilen
Therapieziel
anhaltende Remission; bei langjähriger RA alternativ niedrige Krankheitsaktivität (LDA)
Sicherheitslabor präparatbezogen; bei Kombinationen alle relevanten Kontrollvorgaben einhalten
Infektions-, Impf-, CV-/VTE-, Malignom-, Knochen- und Reproduktionsrisiken aktiv berücksichtigen
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Therapieziel und Aktivitätsbeurteilung

  • Therapieziel: anhaltende Remission; bei langjähriger RA alternativ niedrige Krankheitsaktivität (LDA)
  • Monat 3: ≥50 % Reduktion der Krankheitsaktivität gegenüber dem Ausgangswert als T2T-Leitplanke; Beurteilung scoreabhängig
  • SDAI/CDAI: validierte relative Response; DAS28: EULAR-Response aus Veränderung und erreichtem Aktivitätsniveau, keine schematische 50-%-Halbierung
  • Anhaltende Remission für Deeskalation: durchgehend ≥6 Monate; LDA allein keine gleichwertige Voraussetzung
  • SDAI: TJC28 + SJC28 + Patient Global 0–10 + Physician Global 0–10 + CRP in mg/dl
  • CDAI: gleiche Summe ohne CRP
Aktivitätszustand SDAI CDAI
Remission ≤3,3 ≤2,8
Niedrig >3,3 bis ≤11 >2,8 bis ≤10
Moderat >11 bis ≤26 >10 bis ≤22
Hoch >26 >22

SDAI und CDAI berechnen

  • ACR/EULAR-Remission 2022 (Boolean 2.0): TJC28 ≤1, SJC28 ≤1, CRP ≤1 mg/dl (=10 mg/l) und Patient Global ≤2/10, alle gleichzeitig; in der klinischen Praxis Variante ohne CRP möglich
  • Unter IL-6-/JAK-Hemmung CRP-dominierte Aktivitätsscores kritisch interpretieren; klinischen Gelenkstatus, ggf. CDAI heranziehen
  • Füße/Sprunggelenke und symptomatische Gelenke zusätzlich untersuchen: Ein 28-Gelenke-Score bildet nicht jedes aktive Gelenk ab
  • Funktion, Strukturschaden, Schmerz und Fatigue neben dem Aktivitätsscore erfassen; bei stabil erreichtem Ziel Intervalle individuell verlängern.

Infektionsscreening und Impfungen

  • Vor b/tsDMARD TB-Screening, bevorzugt IGRA, Thoraxbildgebung – EULAR Infektionen 2022; vor csDMARD/weiterer Immunsuppression risikoadaptiert
  • HBV-Status mit HBsAg, anti-HBc, anti-HBs vor antirheumatischer Immunsuppression; bei positivem Befund HBV-DNA und fachübergreifenden Prophylaxe-/Monitoringpfad festlegen, besonders vor RTX
  • HCV-Screening erwägen, bei erhöhten ALT oder Risikokonstellation empfohlen; bei positiver HCV-RNA antivirale Mitbehandlung
  • HIV-Screening vor bDMARD empfohlen; vor tsDMARD/csDMARD/anderen Immunsuppressiva oder GK je Konstellation erwägen
  • Impfstatus möglichst vor Therapiebeginn aktualisieren; Totimpfstoffe grundsätzlich möglich, Lebendimpfungen bei relevanter Immunsuppression gesondert planen
  • Bei neuer schwerer Infektion Therapiepause nach FI; abgeschwächtes CRP unter IL-6-/JAK-Hemmung beachten.

Spezifisches Medikamentenmonitoring

  • Leflunomid: Blutdruck vor Beginn und regelmäßig im Verlauf
  • Hydroxychloroquin: Augenbasis Monat 0–6 – DGRh Antimalaria 2020; jährlich ab dem 5. Therapiejahr, bei Risikofaktoren ab Beginn – DOG Augen 2025. FI-Abweichung: Kontrollen vor Beginn und alle 3 Monate; Details
  • Hydroxychloroquin – DGRh Antimalaria 2020: CK/LDH vor Beginn und alle 3–6 Monate; neue Schwäche/ Dysphagie oder kardiale Auffälligkeit → gezielte Abklärung
  • Rituximab: IgG vor Beginn und vor jedem weiteren Zyklus
  • IL-6Ri: klinische Aktivität und Infektionszeichen trotz mechanistischer CRP-Suppression beurteilen

Weitere Kontrollen und Dosisanpassungen: Methotrexat · Tocilizumab · Sarilumab · Upadacitinib · Medikamentenübersicht DGRh Antimalaria 2020 · DOG Augen 2025

JAK-Risiken und Komorbiditäten

  • EMA: bei ≥65 Jahren, bestehender atherosklerotischer CV-Erkrankung/anderen CV-Risikofaktoren, aktuellem oder früherem langjährigem Rauchen oder erhöhtem Malignomrisiko nur einsetzen, wenn keine geeignete Alternative verfügbar ist
  • VTE-Risikofaktoren eigener Vorsichtspfad; Symptome einer Thrombose/Embolie unverzüglich abklären
  • Chronische/rezidivierende Infektionen, Herpes zoster, Hauttumorrisiko und kombinierte Immunsuppression berücksichtigen
  • Raucherentwöhnung, Bewegung/Physiotherapie, Blutdruck, Lipide, Gewicht, Stoffwechsel und risikoadaptierte Osteoporoseprävention in den Versorgungspfad integrieren
  • Fatigue zusätzlich auf Schlaf, Stimmung, Schmerz und Dekonditionierung prüfen; alleinige Fatigue begründet keine JAK-Präferenz oder DMARD-Eskalation
  • Unerklärte Transaminasenerhöhung unter Immunsuppression: neben Arzneimitteltoxizität auch HEV differenzialdiagnostisch berücksichtigen.

Arthralgie und RA-Risikostadium

Ohne klinische Arthritis keine Gleichsetzung mit manifester RA
EULAR/ACR-Risikostratifikationskriterien 2025 publiziert, aber kein Diagnose- oder Therapieautomatismus
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Risikobeurteilung

  • Zielpopulation: Arthralgie in fachärztlicher Versorgung ohne klinische Arthritis und ohne bessere andere Erklärung
  • Klinisch/serologisch: Dauer der Morgensteifigkeit, patientenberichtete Gelenkschwellung, erschwerter Faustschluss, CRP, RF und ACPA
  • MRT-Erweiterung mit definierten Tenosynovitiden an Handgelenken, MCP und MTP; US-Befunde nicht als identische Ersatzpunktzahl einsetzen
  • Originalscore 0–26 ohne MRT beziehungsweise 0–42 mit MRT; Risikovorhersage auf Entwicklung entzündlicher Arthritis innerhalb eines Jahres bezogen
  • Morgensteifigkeit ≥60 Minuten: 4 Punkte. Genau 30 Minuten: Originalkategorien überlappen; Zuordnung unklar
  • Bei isolierter Seropositivität/erhöhtem Risiko keine regelhafte präventive DMARD-Therapie; klinische Kontrolle, bei neuer Gelenkschwellung zeitnahe Reevaluation

RA-assoziierte interstitielle Lungenerkrankung

RA-ILD interdisziplinär mit Pneumologie behandeln
Stabile RA-ILD allein ist kein pauschaler Grund zum MTX-Absetzen
Bei progressiver Fibrose Antifibrotika ergänzend zur Entzündungskontrolle früh prüfen
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Abklärung und Behandlung

  • Husten/Dyspnoe, Auskultation, Lungenfunktion einschließlich DLCO und HRCT nach Risikoprofil/Befund; Verlauf und Progression im CTD-ILD-Pfad beurteilen
  • MTX-Pneumonitisverdacht: MTX pausieren und akut abklären. Stabile RA-ILD ist eine andere Konstellation
  • MTX ist keine gezielte ILD-Erstlinientherapie; Auswahl der immunmodulatorischen ILD-Therapie nach Phänotyp und fachübergreifender Beurteilung
  • Weder DGRh 2026 noch EULAR 2025 begründen eine generelle Vorrangstellung eines bestimmten immunmodulatorischen Wirkprinzips für jede RA-ILD
  • DGRh 2026: bei progredienter RA-ILD Antifibrotika frühzeitig in Kombination mit antiinflammatorischer Therapie einsetzen; EULAR 2025 allein bildet den ILD-Pfad nicht vollständig ab
  • Nintedanib bei entsprechend progredient fibrosierender ILD zugelassen; Pirfenidon bei RA-ILD (Off-Label)
  • Nerandomilast: regulatorisches Update, EU-Zulassung 15.07.2026; zugelassene Lungenfibrose-Konstellation und aktuelle FI prüfen.
  • Konkrete ILD-Regime und Verlaufskriterien im CTD-ILD-Modul.

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

EULAR Schwangers 2024

Kurzfassung

  • Schwangerschaft bei kontrollierter Erkrankung und geeigneter Therapie planen
  • EULAR 2025-Empfehlung und Fachinformation bei MTX ausdrücklich unterscheiden
  • TNFi bei Bedarf während der gesamten Schwangerschaft möglich; Säuglingsimpfungen separat planen

Präparatebezogene Planung

  • MTX bei Frauen: EULAR Schwangers 2024-Absetzen 1–3 Monate vor Konzeption; geprüfte Methotrexat-FI verlangt Kontrazeption während und sechs Monate nach Therapie
  • MTX bei Männern: EULAR Schwangers 2024 ≤25 mg/Woche bei Kinderwunsch fortführbar; geprüfte Methotrexat-FI verlangt Kontrazeption während und drei Monate nach Therapie. Anwendung gegen den betreffenden FI-Vorbehalt (Off-Label)
  • Stillzeit: MTX laut FI kontraindiziert; EULAR Schwangers 2024 ≤25 mg/Woche nur ausnahmsweise erwägbar, wenn keine geeignete stillkompatible Alternative möglich ist (Off-Label)
  • HCQ/SSZ und bei Bedarf TNFi als kompatible Optionen nach EULAR 2025; LEF-Washout und JAK-Vermeidung gesondert berücksichtigen
  • Alle bDMARDs nach EULAR Schwangers 2024 als stillkompatibel eingestuft, mit unterschiedlicher Evidenz; produktspezifische Abweichungen bei der Beratung berücksichtigen
  • Säuglingsimpfungen: EULAR Schwangers 2024 erlaubt Rotavirus nach üblichem Schema nach TNFi-Exposition; Infliximab-FI mit eigener Lebendimpfregel bis zwölf Monate und definierten Ausnahmen.
  • Vollständige Wirkstofflisten, Fristen, Still- und Säuglingsimpfregeln im Reproduktionsmodul.

Quellen und Links

Sjögren-Erkrankung

Diagnostik und Klassifikation

Sicca
trockene Augen/Fremdkörpergefühl; trockener Mund, häufiges Trinken beim Essen
Weitere Merkmale
Speicheldrüsenschwellung, Fatigue, Arthralgie/Arthritis
Labor
Anti-SSA/Ro positiv; Schirmer ≤5 mm/5 Minuten, unstimulierter Speichelfluss ≤0,1 ml/min
Weitere Befunde
pathologische okuläre Färbung; fokale lymphozytäre Sialadenitis in der Lippenbiopsie; Speicheldrüsensonographie
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Klinische Abklärung

  • Anamnese: Augen-/Mundtrockenheit, Drüsenschwellung, Arthralgie/Arthritis, Fatigue; Haut-, neurologische, pulmonale und renale Symptome; Medikamente und Sicca-Differenzialdiagnosen
  • Anti-SSA/Ro; ergänzend ANA/ENA, RF, Blutbild, Kreatinin/eGFR, Elektrolyte einschließlich Bikarbonat, Urinstatus/Proteinurie, C3/C4, Immunglobuline und Elektrophorese; weitere Untersuchungen nach Organverdacht
  • Ausgangsbefunde zu Begleiterkrankungen: TSH, Leberwerte, Zöliakieserologie, CK und Vitamin D nach BSR 2024; Wiederholungen nach Befund und klinischer Notwendigkeit
  • Schirmer, okuläre Färbung und unstimulierter Speichelfluss standardisiert; bei möglichem anticholinergem Medikamenteneffekt ausreichend lange Pause vor der Messung, soweit medizinisch vertretbar
  • Lippenbiopsie gezielt, insbesondere bei SSA-Negativität und verbleibender diagnostischer Unsicherheit; keine Biopsiepflicht für jede Sicca
  • Speicheldrüsensonographie ergänzend; ersetzt in der Klassifikation weder Anti-SSA/Ro noch die Histologie

ACR/EULAR-Sjögren-Klassifikationskriterien 2016

ACR/EULAR-Sjögren-Klassifikationskriterien 2016 berechnen

  • Eingang: mindestens eine definierte Sicca-Angabe oder Sjögren-Verdacht aufgrund mindestens eines positiven ESSDAI-Domänenitems
  • Sicca-Angaben: täglich belastend trockene Augen >3 Monate; wiederholtes Sand-/Fremdkörpergefühl; Tränenersatz >3-mal täglich; täglich trockener Mund >3 Monate; häufiges Trinken zum Schlucken trockener Nahrung
  • Ausschlüsse: Kopf-/Halsbestrahlung; aktive Hepatitis C mit positiver PCR; AIDS; Sarkoidose; Amyloidose; Graft-versus-Host-Erkrankung; IgG4-assoziierte Erkrankung
Kriterium Punkte
Anti-SSA/Ro positiv 3
Fokale lymphozytäre Sialadenitis der Lippenspeicheldrüse mit Fokusscore ≥1 Fokus/4 mm² 3
Ocular Staining Score ≥5 oder van-Bijsterveld-Score ≥4 in mindestens einem Auge 1
Schirmer ≤5 mm/5 min in mindestens einem Auge 1
Unstimulierter Gesamtspeichelfluss ≤0,1 ml/min 1

≥4 Punkte → Klassifikation erfüllt. Die klinische Diagnose bleibt eine eigenständige ärztliche Beurteilung. Originalkriterien, Tabelle 3

Therapie

Therapiebeginn
Sicca → Tränen-/Speichelersatz, Fluoridprophylaxe; Speichelrestfunktion → Pilocarpin; ausgewählte entzündliche Gelenkmanifestation → Hydroxychloroquin (Off-Label)
Unzureichende Wirksamkeit
okuläre Entzündung trotz Tränenersatz → topisches Ciclosporin; persistierende Arthritis → MTX (Off-Label) erwägen; aktive Organmanifestation → GK plus organspezifische Immunsuppression
schwer/refraktär → Rituximab (Off-Label), besonders bei kryoglobulinämischer Vaskulitis; vaskulitische Neuropathie → früher Organpfad
Deeskalation
systemische Therapie nach Kontrolle der Organaktivität reduzieren; Pilocarpin ohne Besserung nach 2–3 Monaten beenden
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Augen

  • Tränenersatz regelmäßig, bei häufigem Gebrauch konservierungsmittelfrei; Gel/Salbe nachts nach Bedarf
  • Bei persistierender Entzündung ophthalmologisch topische Glukokortikoide kurzzeitig, meist 2–4 Wochen, und/oder topisches Ciclosporin erwägen
  • Bei schwerer refraktärer Sicca autologe Serumaugentropfen bzw. ausgewählte Tränenwegsokklusion; Punctum-Plugs nach Beurteilung der Oberflächenentzündung
  • Kein einheitlicher nächster Behandlungsschritt für alle; bei Blepharitis/Meibomdrüsendysfunktion zusätzliche gezielte Behandlung. DGRh Sicca 2023, BSR
Ciclosporin-Augentropfen · Nach unzureichender Wirkung von Tränenersatz
  • Ciclosporin-Augentropfen 0,1 %: 1 Tropfen je betroffenem Auge abends; schwere Keratitis trotz Tränenersatz

Zum Steckbrief Ciclosporin-Augentropfen

Mund

  • Bei Restfunktion mechanisch/gustatorisch stimulieren, z. B. zuckerfreier Kaugummi; bei relevanter Hypofunktion Pilocarpin erwägen
  • Bei ausgeprägtem Funktionsverlust Speichelersatz; lokale Maßnahmen auch bei systemischer Organtherapie fortführen
  • Konsequente Mundhygiene, topische Fluoridprophylaxe und zahnärztliche Verlaufskontrollen; orale Candidose bei passendem Befund gezielt behandeln. DGRh, orale Empfehlungen
Pilocarpin · Symptomtherapie bei Speichelrestfunktion

Cave: unkontrolliertes Asthma

  • Pilocarpin: initial 5 mg p.o. täglich; wöchentliche Steigerung um 5 mg/d → 5 mg 3–4-mal täglich
  • Ansprechen: ohne Besserung nach 2–3 Monaten Absetzen

Zum Steckbrief Pilocarpin

Gelenke, Schmerz und Fatigue

  • Arthralgie ohne Synovitis: symptomatisch, akute Analgetika-/NSAR-Anwendung kurzzeitig; bei chronischem nicht entzündlichem Schmerz Bewegung und multimodale Maßnahmen
  • HCQ bei rezidivierenden artikulären Beschwerden bzw. ausgewählten systemischen Konstellationen erwägen; keine gesicherte generelle Wirkung auf die Sicca-Fatigue-Schmerz-Trias
  • Bei objektiver, persistierender entzündlicher Arthritis DMARD-Therapie; MTX bevorzugte gebräuchliche Option nach DGRh Organmanifestationen 2022. SSZ kann eine Reserveoption sein, ist aber nicht gleich stark leitliniengestützt
  • Ausgeprägte Fatigue plus systemische Beschwerden: zeitlich begrenzten HCQ-Versuch über 6–12 Monate nach BSR 2024 erwägen; Nutzen unsicher, schwache Empfehlung. Isolierte Fatigue rechtfertigt keine routinemäßige Immunsuppression. DGRh Organmanifestationen 2022, BSR
Hydroxychloroquin · Ausgewählte artikuläre Manifestationen · (Off-Label)

Cave: vorbestehende Makulopathie

  • Hydroxychloroquin: 200–400 mg p.o. täglich; ≤5 mg/kg tatsächliches Körpergewicht/d; (Off-Label)

Cave: Retinopathie / QT-Verlängerung; Makulopathie laut FI kontraindiziert

Zum Steckbrief Hydroxychloroquin

Methotrexat (MTX) · Persistierende entzündliche Arthritis · (Off-Label)

Cave: CrCl <30 ml/min: KI

  • Methotrexat (MTX): initial 15 mg p.o./s.c. einmal wöchentlich → bis 25 mg/Woche; entzündliche Arthritis; (Off-Label)
  • Folsäure: Supplementation zu MTX
  • DGRh Wechselwirkung 2023: Cotrimoxazol in antibiotischer Therapiedosis meiden; PJP-Prophylaxe mit 160/800 mg dreimal wöchentlich bei niedrig dosiertem MTX möglich; Interaktionen und Kontrollen
  • DGRh Wechselwirkung 2023: unter Penicillinen MTX pausieren; Metamizol und Probenecid meiden; weitere Interaktionen
  • Nierenfunktion – DGRh Wechselwirkung 2023: bei GFR ≤45 ml/min von MTX abraten; FI: CrCl 30–59 ml/min → 50 % der Dosis, <30 ml/min → kontraindiziert; Dosisanpassung

Zum Steckbrief Methotrexat (MTX)

Systemische Organmanifestationen

  • Behandlung nach aktivem Organbefund, Schweregrad und drohendem Schaden; nicht nach ESSDAI-Gesamtwert allein
  • Glukokortikoide niedrigstmöglich und möglichst kurz; steroidsparende Therapie bei Bedarf früh ergänzen. Keine belegte Rangfolge eines Immunsuppressivums für sämtliche Organmanifestationen
  • B-Zell-gerichtete Therapie bei schwerer refraktärer Systemerkrankung, besonders bei kryoglobulinämischer Vaskulitis, erwägen; die aktuelle PNS-Empfehlung sieht Rituximab bei vaskulitischer Neuropathie bereits initial vor
Manifestation Vorgehen
Persistierende oder neue Drüsenschwellung Infektion, Obstruktion und Lymphom abklären; akute entzündliche Schwellung zunächst symptomatisch, bei Bedarf kurzzeitig Glukokortikoide.
Zytopenie Immunvermittelte Zytopenie von Medikamenteneffekt, Infektion und hämatologischer Erkrankung trennen; Schweregrad und Blutung/Hämolyse bestimmen den Behandlungspfad
Tubuläre Erkrankung/TIN Kalium, Bikarbonat, Nierenfunktion und Urinbefund; Elektrolyt-/ Alkalisubstitution bei tubulärer Azidose, bei aktiver interstitieller Entzündung nephrologisch Immunsuppression erwägen
Glomerulonephritis Nephrologische Abklärung, häufig Biopsie; Kryoglobuline/ Komplement und zugrunde liegenden GN-Typ einbeziehen; Induktion und Erhaltung nach histologischem und klinischem Phänotyp
ZNS-Beteiligung Neurologische Abklärung: u. a. Vaskulitis, NMOSD, Meningitis; Differenzialdiagnosen und ggf. AQP4-IgG prüfen. Keine gemeinsame Therapie für alle ZNS-Syndrome
Sjögren-ILD HRCT-Screening bei Risikokonstellation, z. B. höheres Alter, männliches Geschlecht, aktive extraglanduläre Erkrankung/ erhöhte Entzündungswerte. Immunsuppression nach Ausmaß, Funktion und Verlauf; bei Progression zentraler CTD-ILD-Pfad

EULAR, DGRh, EULAR CTD-ILD 2026

Rituximab · Schwere / refraktäre Organmanifestation · (Off-Label)

Cave: HBV-Reaktivierung

  • Rituximab: 1.000 mg i.v. zweimal im Abstand von etwa 2 Wochen; Wiederbehandlung nach Organaktivität; (Off-Label)

Zum Steckbrief Rituximab

Periphere Neuropathie

  • Andere Ursachen gezielt ausschließen; neurologische Subtypisierung einschließlich Neurographie/EMG. Unauffällige Neurographie schließt eine Small-Fiber-Neuropathie nicht aus
  • Neuropathischer Schmerz: initial z. B. Gabapentin, Pregabalin oder SNRI; symptomatische Therapie von der Behandlung einer immunvermittelten Schädigung trennen
Subtyp Aktuelle Behandlungsempfehlung
Hoher Verdacht auf vaskulitische Neuropathie Unverzüglich hoch dosierte systemische Glukokortikoide + Rituximab; bei fehlendem Ansprechen Glukokortikoide + Cyclophosphamid erwägen. IVIG nicht als Erstlinie
Immunvermittelte nicht vaskulitische Large-Fiber-Polyneuropathie IVIG erwägen; bei progressivem/aggressivem Verlauf individueller Glukokortikoidversuch
Immunvermittelte Small-Fiber-Neuropathie Bei unzureichender symptomatischer Behandlung und kürzlichem Beginn, schwerem oder progredientem Verlauf IVIG-Versuch über mindestens 3 Monate erwägen
Sensible Ganglionopathie mit erheblichen Symptomen Rasche, intensive Behandlung mit mittel-/hoch dosierten Glukokortikoiden und immunmodulatorischer/ immunsuppressiver Therapie
CIDP Standardtherapie nach neurologischem CIDP-Pfad; nicht pauschal mit axonalen Neuropathien zusammenfassen

Die PNS-Empfehlungen beruhen überwiegend auf begrenzter Evidenz und Expertenkonsens; die initiale Kombination bei vaskulitischer Neuropathie ist dennoch stark empfohlen. Rituximab, Cyclophosphamid und Immunglobuline bei den genannten Sjögren-Neuropathien in der Regel (Off-Label) – Indikation; eine eigenständig zugelassene CIDP-Indikation präparatbezogen prüfen. Sjögren’s Foundation, PNS-Leitlinie

Monitoring und Sicherheit

ESSDAI für Systemaktivität, ESSPRI für Trockenheit/Schmerz/Fatigue; Organschaden und Begleiterkrankungen getrennt beurteilen
Lymphomabklärung bei neuen klinischen Befunden oder entsprechender Risikokonstellation
HCQ-Retinascreening und ILD-Verlauf mit eigenen Untersuchungen und Intervallen
ESSDAI
niedrig <5, moderat 5–13, hoch ≥14; Abnahme um ≥3 Punkte gilt als klinisch relevante Verbesserung. Therapieentscheidung zusätzlich nach betroffener Domäne und Schweregrad. ESSPRI: Mittelwert der drei 0–10-Skalen für Trockenheit, Schmerz und Fatigue. Originalarbeit
Fatigue
Schlafstörung, Anämie, Schilddrüsenerkrankung, Medikamente, Depression und körperliche Inaktivität mitbeurteilen; individuell angepasste Bewegung
Lymphomwarnzeichen
persistierende/zunehmende Drüsenschwellung, Lymphadenopathie, B-Symptome; zusätzliche Risiken u. a. Kryoglobulinämie, niedriges C4 und monoklonale Gammopathie. Zeitnahe gezielte Bildgebung/Histologie bei Verdacht; Lymphombehandlung nach Histologie und Stadium
Kontrollintervalle nach Organaktivität, Verlauf, Lymphomrisiko und Therapie; keine belastbar vorgegebene Einheitsfrequenz für alle Patient:innen
Hydroxychloroquin
Augenbasis Monat 0–6 – DGRh Antimalaria 2020; jährlich ab dem 5. Therapiejahr, bei Risikofaktoren ab Beginn – DOG Augen 2025. FI-Abweichung: Kontrollen vor Beginn und alle 3 Monate; Details
Hydroxychloroquin – DGRh Antimalaria 2020: CK/LDH vor Beginn und alle 3–6 Monate; neue Schwäche/ Dysphagie oder kardiale Auffälligkeit → gezielte Abklärung DGRh Antimalaria 2020 · DOG Augen 2025
Bekannte Sjögren-ILD
FVC, DLCO und FEV1 in den ersten 12 Monaten alle 3–6 Monate, danach mindestens alle 6–12 Monate und bei Progressionsverdacht; HRCT nach 1–2 Jahren erwägen, besonders bei erhöhtem Risiko oder Progressionsverdacht. Evidenz für diese Intervalle sehr niedrig. Nach negativem Screening kein evidenzgesichertes serielles HRCT-Programm. EULAR CTD-ILD 2026
Weitere Kontrollen und Dosisanpassungen

Reproduktion

Anti-SSA/Ro-/Anti-SSB/La-Status präkonzeptionell bzw. früh in der Schwangerschaft klären; Betreuung mit Perinatalmedizin
Fetale Überwachung risikoadaptiert; Nutzen routinemäßiger serieller PR-Intervallmessungen unsicher, Empfehlungen uneinheitlich
Arzneimittelverträglichkeit bei Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit: zentrales Reproduktionsmodul
ACR Schwangers 2020, bedingte Empfehlungen bei Anti-SSA/Ro und/oder Anti-SSB/La: ohne zuvor betroffenes Kind serielle fetale Echokardiographie ab SSW 16–18 bis SSW 26, seltener als wöchentlich; das genaue Intervall ist nicht festgelegt. Nach vorausgegangenem kindlichem Herzblock/neonatalem Lupus wöchentlich im gleichen Zeitfenster
Die ACR Schwangers 2020 empfiehlt HCQ in dieser Antikörperkonstellation während der Schwangerschaft bedingt; individuelle Indikation und bereits bestehende Behandlung berücksichtigen. (Off-Label) – bei alleiniger Sjögren-/Antikörperindikation
Abweichende obstetrische Empfehlung
SMFM 2023, bestätigt 2025, rät im SLE-Schwangerschaftskontext von routinemäßigen seriellen fetalen Echokardiographien zur PR-Intervallmessung außerhalb klinischer Studien ab. Überwachungsplan mit dem betreuenden Zentrum festlegen. ACR Schwangers 2020, SMFM

Quellen und Links

Still-Erkrankung / adultes Still-Syndrom (AOSD) und Makrophagenaktivierungssyndrom

Diagnostik und Klassifikation

Typisch
Fieberspitzen ≥39 °C; flüchtiges lachsfarbenes Exanthem; Arthralgie/Arthritis, Myalgie, Halsschmerzen
Labor
neutrophile Leukozytose, CRP/BSG ↑, Ferritin häufig deutlich ↑
Weitere Befunde
Lymphadenopathie, Hepatosplenomegalie, Serositis
Biomarker
IL-18 / S100-Proteine, sofern verfügbar
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Klinischer Verdacht und Basisdiagnostik

  • Typisch: intermittierende Fieberspitzen ≥39 °C über ≥7 Tage, lachsfarbenes Exanthem mit Fieberspitzen, Arthralgie/Myalgie; auch atypische, z. B. urtikarielle Exantheme möglich
  • Arthritis unterstützend, häufig später im Verlauf; Behandlung bei gesicherter klinischer Diagnose nicht vom Erreichen einer Arthritis-Dauer abhängig machen
  • BB/Differenzialblutbild, Blutausstrich, CRP/BSG, Ferritin, Transaminasen, Kreatinin/Elektrolyte, CK, Serumeiweißelektrophorese, Gerinnung
  • Bei MAS-Verdacht zusätzlich Triglyzeride, Fibrinogen, D-Dimere, LDH und engmaschige Verlaufskontrollen
  • Blutkulturen, Urinstatus/-kultur; weitere mikrobiologische Diagnostik nach Exposition, Organbefund und Immunsuppression
  • HIV, HBV/HCV, EBV/CMV; ANA/ENA/dsDNA, Komplement, RF/ACPA und ANCA zur Differenzialdiagnostik entsprechend Ausgangskonstellation
  • Stark erhöhte IL-18-/S100-Werte stützen den Verdacht; kein einzelner Biomarker beweisend
  • Glykosyliertes Ferritin ergänzend, sofern verfügbar; niedrige Fraktion allein weder Diagnosebeweis noch geeigneter alleiniger Verlaufsmarker

Ausschlussdiagnostik und Bildgebung

  • Infektionen: Sepsis, Endokarditis, tiefer Fokus, Tuberkulose und weitere expositionsbezogene Infektionen
  • Hämatologisch/onkologisch: Lymphom, Leukämie, MDS, solide Tumoren; CHIP im hämatologischen Kontext
  • Entzündliche Mimics: Vaskulitiden, Kollagenosen, andere Autoinflammation, Arzneimittelreaktionen; bei passender Konstellation VEXAS/UBA1, insbesondere bei Erkrankungsbeginn >50 Jahre
  • CT Thorax/Abdomen/Becken: bei Erwachsenen zur initialen Ausschlussdiagnostik entsprechend der klinischen Konstellation; keine seriellen Routine allein wegen der Still-Erkrankung
  • Gelenksonographie, ggf. Röntgen betroffener Gelenke; Gelenkpunktion bei Arthritis nach Differenzialdiagnose
  • Echokardiographie, gezielte Lymphknoten-/Knochenmarkbiopsie und weitere Untersuchungen nach Befund
  • Symptomabhängiges HRCT bei vermuteter Still-Lungenerkrankung: eigener Indikationspfad

Yamaguchi-Klassifikationskriterien

Yamaguchi-Klassifikationskriterien berechnen

Major-Kriterium Schwelle/Merkmal
Fieber ≥39 °C für ≥1 Woche
Arthralgie ≥2 Wochen
Exanthem Typisches flüchtiges Exanthem
Leukozytose ≥10.000/µl und ≥80 % Neutrophile
Minor-Kriterium Zählregel
Halsschmerzen 1 Merkmal
Lymphadenopathie und/oder Splenomegalie Zusammen 1 Merkmal
Leberfunktionsstörung 1 Merkmal
Minor-Kriterium Zählregel
RF und ANA negativ Zusammen 1 Merkmal
  • ≥5 Kriterien, davon ≥2 Major; relevante Infektionen, Malignome und andere rheumatische Erkrankungen ausschließen
  • Klassifikation unterstützt die Einordnung; ersetzt die klinische Diagnose nicht

Therapie

Therapiebeginn
EULAR 2024: früh IL-1i oder IL-6Ri; Tocilizumab (Off-Label); bei hoher Aktivität zusätzlich GK. DGRh 2022: GK, ggf. MTX (Off-Label) oder Ciclosporin (Off-Label) zur GK-Einsparung; IL-1i auch vor MTX/ Ciclosporin möglich
Unzureichende Wirksamkeit
nach GK/konventioneller Therapie → IL-1i oder IL-6Ri; nach Zytokinhemmung → IL-1i ↔ IL-6Ri, Tocilizumab (Off-Label); Versagen beider Wege → Zentrum
Deeskalation
zuerst GK-Absetzen; Biologikareduktion nach ≥6 Monaten GK-freier CID; Dosis-/ Intervalländerungen (Off-Label) MAS · Still-Lungenerkrankung
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Therapiebeginn

  • EULAR 2024: früh IL-1i oder IL-6Ri; Tocilizumab (Off-Label)
  • DGRh 2022: GK, ggf. MTX (Off-Label) / Ciclosporin (Off-Label) zur GK-Einsparung; unzureichende Wirksamkeit → IL-1i / IL-6Ri; IL-1i auch ohne vorherige konventionelle Basistherapie
  • IL-1i / IL-6Ri: keine allgemeine Rangfolge
  • Hohe Aktivität / Organbedrohung: zusätzlich GK, frühzeitiger Reduktionsplan
  • Unzureichende Wirksamkeit: IL-1i ↔ IL-6Ri; Tocilizumab (Off-Label); danach Zentrum
  • Sulfasalazin: bei AOSD nicht einsetzen – DGRh 2022
  • Begleittherapie: Bewegung, Physio-/Funktionstherapie, Rehabilitation
Prednisolon · Therapiebeginn · kurzfristige Entzündungskontrolle
  • Prednisolon: bis 1 mg/kg p.o. täglich nach Aktivität; rasche Reduktion unter wirksamer IL-1i-/IL-6Ri-Therapie

Zum Steckbrief Prednisolon

IL-1i · Anakinra, Canakinumab · Therapiebeginn · frühe Zytokinhemmung
  • Anakinra: ≥50 kg: 100 mg s.c. täglich; <50 kg: initial 1–2 mg/kg/d; Ansprechen nach 1 Monat
  • Canakinumab: 4 mg/kg s.c. alle 4 Wochen, maximal 300 mg; nach unzureichender Wirksamkeit von NSAR/systemischen GK; allein oder + MTX
  • Anakinra bei CrCl <30 ml/min/Dialyse: verordnete Einzeldosis ggf. jeden zweiten Tag

Zum Steckbrief IL-1i

Tocilizumab · Therapiebeginn · frühe Zytokinhemmung · (Off-Label)

Cave: Divertikulitis / Perforationsrisiko, Mechanistische CRP-Suppression

  • Tocilizumab: 162 mg s.c. einmal wöchentlich; alternativ 8 mg/kg i.v. alle 4 Wochen; (Off-Label)

Zum Steckbrief Tocilizumab

Methotrexat (MTX) · GK-Einsparung · ausgewählte Verläufe · (Off-Label)

Cave: CrCl <30 ml/min: KI

  • Methotrexat (MTX): 7,5–25 mg p.o./s.c. einmal wöchentlich; zur GK-Einsparung erwägbar – DGRh 2022; begrenzte Evidenz; (Off-Label)
  • Folsäure: Supplementation zu MTX
  • DGRh Wechselwirkung 2023: Cotrimoxazol in antibiotischer Therapiedosis meiden; PJP-Prophylaxe mit 160/800 mg dreimal wöchentlich bei niedrig dosiertem MTX möglich; Interaktionen und Kontrollen
  • DGRh Wechselwirkung 2023: unter Penicillinen MTX pausieren; Metamizol und Probenecid meiden; weitere Interaktionen
  • Nierenfunktion – DGRh Wechselwirkung 2023: bei GFR ≤45 ml/min von MTX abraten; FI: CrCl 30–59 ml/min → 50 % der Dosis, <30 ml/min → kontraindiziert; Dosisanpassung

Zum Steckbrief Methotrexat (MTX)

Ciclosporin · GK-Einsparung · ausgewählte Verläufe · (Off-Label)

Cave: Nephrotoxizität; starke CYP3A4-Interaktionen

  • Ciclosporin: 2–5 mg/kg/d p.o.; Dosis nach Wirkung und Talspiegel; (Off-Label)

Zum Steckbrief Ciclosporin

Deeskalation

  • Reihenfolge: zuerst GK-Absetzen; anschließend Biologikareduktion
  • EULAR 2024: nach 3–6 Monaten GK-freier CID erwägbar; Algorithmus: ≥6 Monate
  • Reduktion: schrittweise Dosisreduktion oder Intervallverlängerung (Off-Label); nächste Stufe bei anhaltender CID
  • Größeres Rezidiv: erneute Remissionsinduktion nach Aktivität/Organbefall

Monitoring und Sicherheit

Klinik und Entzündung gemeinsam bewerten; CID/Remission, Glukokortikoidbedarf und Organkomplikationen dokumentieren
T2T-Ziele in Tag 7, Woche 4, Monat 3 und Monat 6 prüfen; bei Zielverfehlung Therapie anpassen
Gesamtferritin im Verlauf; glykosyliertes Ferritin nicht als alleiniger Aktivitäts-/Remissionsmarker
Arzneimittelsicherheit und MAS-Verlaufslabor als getrennte Kontrollaufgaben
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Therapieziele

Zeitpunkt/Status Ziel
Tag 7 Entfieberung und CRP-Abfall >50 %
Woche 4 Fieberfreiheit; aktive/geschwollene Gelenke >50 % reduziert; CRP normal; ärztliche und Patienten-Globalbeurteilung jeweils <20/100 VAS
Monat 3 CID; bei Erwachsenen Glukokortikoide <0,1 mg/kg/d
Monat 6 CID ohne Glukokortikoide
CID Keine Still-bedingten Symptome; normale BSG oder normales CRP
Remission CID über ≥6 Monate; Status unter/ohne Medikation zusätzlich angeben
  • Zielmarken als klinische Entscheidungspunkte; unter IL-6-Hemmung CRP-Suppression berücksichtigen
  • Krankheitsspezifisch: Fieber, Exanthem, Gelenke, Organbefunde, BB/Diff, CRP/BSG, Gesamtferritin, Leberwerte; zusätzliche Parameter nach Manifestation

Spezifisches Medikamentenmonitoring

  • IL-6Ri: klinische Aktivität und Infektionszeichen trotz mechanistischer CRP-Suppression beurteilen
  • Tacrolimus/Ciclosporin: Talspiegel, Blutdruck und Nierenfunktion; erneute Beurteilung bei Interaktion oder Formulierungswechsel
  • MAS-Verdacht: Akutdiagnostik und Therapie

Weitere Kontrollen und Dosisanpassungen: Tocilizumab · Methotrexat · Medikamentenübersicht

Makrophagenaktivierungssyndrom (MAS)

Rasch zunehmende Hyperinflammation mit fallenden Zellzahlen/Koagulopathie: MAS sofort mitdenken
Therapie bei klinischem Verdacht und schwerem Verlauf nicht durch ausstehende Klassifikation verzögern
Hoch dosierte Glukokortikoide als Basis, bei schwerem/rasch progredientem MAS frühe Zusatztherapie und Expert:innenzentrum
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Verdacht und Kriterien

Verdacht und Kriterien berechnen

  • Persistierendes Fieber, klinischer Verfall, Splenomegalie, stark erhöhtes/rasch steigendes Ferritin, relativ oder absolut fallende Zellzahlen, Transaminasenanstieg, Hypertriglyzeridämie, Hypofibrinogenämie, Gerinnungsaktivierung, ZNS-/Organbeteiligung
  • Unter Zytokinhemmung können Fieber und Entzündungsparameter abgeschwächt sein
  • EULAR/ACR/PRINTO-MAS-Klassifikationskriterien 2016: febrile Patient:innen mit bekannter/vermuteter sJIA; Ferritin >684 µg/l plus ≥2 Kriterien:
Kriterium Schwelle
Thrombozyten ≤181×10⁹/l
AST >48 U/l
Triglyzeride >156 mg/dl
Fibrinogen ≤360 mg/dl
  • Bei AOSD unterstützend untersucht; keine universelle Übertragung der sJIA-Testgüte, kein alleiniger Ausschlusstest

Akuttherapie

  • Methylprednisolon: 15 mg/kg i.v. täglich, maximal 1 g/Infusion, für 1–3 Tage; anschließend Prednisolon etwa 1 mg/kg/d p.o.
  • Frühe Zusatztherapie bei schwerem Verlauf: Anakinra (Off-Label), Ciclosporin (Off-Label) und/oder IFN- γ-Hemmung; Expert:innenzentrum
  • Anakinra: 2–10 mg/kg/d in 2 Gaben, s.c.; i.v. im spezialisierten Akutkonzept; (Off-Label) – MAS-Regime/i.v.
  • Ciclosporin: 3–5 mg/kg/d p.o.; Dosis nach Wirkung/Talspiegel; (Off-Label)
  • Refraktär: ggf. JAKi (Off-Label) oder Etoposid (Off-Label) im Zentrum
  • Parallel: Auslöser-/Infektionsbehandlung, Organunterstützung; bei Organversagen Intensivmedizin
Emapalumab · Reserve bei refraktärem MAS · US-Zulassung; keine EU-Zulassung
  • Emapalumab: US-MAS-Regime: Tag 1: 6 mg/kg i.v.; Tag 4–16: 3 mg/kg alle 3 Tage; ab Tag 19: 3 mg/kg zweimal wöchentlich; jeweils über 1 Stunde
  • Einsatz: refraktäres/rezidivierendes Still-MAS; Expert:innenzentrum; US-Zulassung, keine EU-Zulassung

Zum Steckbrief Emapalumab

Still-assoziierte Lungenerkrankung

Persistierender Husten, Dyspnoe, Trommelschlegelfinger oder gestörter Gasaustausch: gezielte Lungenabklärung
Pulsoxymetrie/DLCO; bei klinischem Verdacht HRCT
Lungenerkrankung oder Risikofaktoren allein kein Grund, IL-1-/IL-6-Hemmer abzusetzen; Überempfindlichkeit gesondert prüfen
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Abklärung und Konsequenzen

  • Klinisches Screening im Verlauf; Lungenfunktion einschließlich DLCO und Sauerstoffsättigung, bei Verdacht HRCT
  • Echokardiographie bei Verdacht auf pulmonale Hypertonie/kardiale Beteiligung
  • Zusammenarbeit mit Still-Expert:innenzentrum und Pneumologie; kein validierter universeller Screeningkalender
  • DRESS-Zeichen unter Anakinra ohne alternative Erklärung: Anakinra absetzen und andere Therapie erwägen; Still-Lungenerkrankung allein nicht als DRESS werten

Quellen und Links

Systemische Sklerose (SSc)

Diagnostik und Klassifikation

Frühzeichen
Raynaud-Phänomen, puffy fingers
Haut/Gefäße
Sklerodaktylie/Hautverdickung, digitale Ulzera oder Grübchennarben, Teleangiektasien
Kapillarmikroskopie
SSc-typische Nagelfalzveränderungen
Unterstützend
ANA; Anti-Centromer, Anti-Topoisomerase I/Scl-70 oder Anti-RNA-Polymerase III
Organhinweise
Reflux/Dysphagie, Dyspnoe; ILD/PAH
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Klinische Einordnung und Früherkennung

  • Limitierte kutane SSc: Hautverdickung distal von Ellenbogen/Knien, gegebenenfalls Gesicht; diffuse kutane SSc: zusätzlich proximal und/oder Stamm
  • SSc sine scleroderma bei typischer innerer Organbeteiligung ohne nachweisbare Hautsklerose berücksichtigen
  • ACA, Anti-Topoisomerase I und Anti-RNA-Polymerase III: unterschiedliche Risikoprofile; keine Ausschlussregeln für eine Organmanifestation
  • VEDOSS bei Raynaud: ANA, puffy fingers, SSc-spezifische Antikörper und pathologische Nagelfalzkapillaren als getrennte Merkmale; keine obligate Vierfach-UND-Verknüpfung

ACR/EULAR-SSc-Klassifikationskriterien 2013

ACR/EULAR-SSc-Klassifikationskriterien 2013 berechnen

  • Anwendung bei begründetem SSc-Verdacht; keine besser erklärende sklerodermieähnliche Erkrankung
  • Nicht für Hautverdickung bei ausgesparten Fingern; Kriterien nicht als Ausschlussdiagnostik verwenden
  • Hautverdickung der Finger beider Hände proximal der MCP: 9 Punkte, allein ausreichend
  • Andernfalls folgende Kategorien; je Kategorie nur der höchste zutreffende Wert
Kategorie Merkmal Punkte
Fingerhaut Puffy fingers / Sklerodaktylie distal der MCP, proximal der PIP 2 / 4
Fingerkuppenläsionen Ulzera / eingesunkene Narben 2 / 3
Teleangiektasien Typischer Befund 2
Nagelfalzkapillaren SSc-typische Abnormitäten 2
Lunge PAH und/oder ILD; gemeinsames Item 2
Raynaud Raynaud-Phänomen 3
Autoantikörper ACA, Anti-Topoisomerase I und/oder Anti-RNA-Polymerase III; gemeinsames Item 3
  • Schwelle ≥9; additiver Höchstwert 19; ausreichendes 9-Punkte-Kriterium nicht zusätzlich zur vollständigen Summe addieren

Initiales Organstaging

Bereich Kernuntersuchungen
Haut/Gefäße Kutane Ausdehnung, mRSS, Ulzera/Narben, Nagelfalzkapillaren, periphere Perfusion
Lunge HRCT bei allen SSc-Patient:innen; FVC, DLCO; Dyspnoe, Husten, Belastbarkeit
PAH/Herz Echokardiographie, EKG, NT-proBNP; Troponin bei Beurteilung primärer kardialer Beteiligung
Niere Blutdruck einschließlich Ausgangswert, Kreatinin/eGFR, Urinstatus und Proteinquantifizierung
GI/Ernährung Reflux, Dysphagie, frühe Sättigung, Stuhlveränderungen, Gewichtsverlauf und Mangelernährung
Muskuloskelettal Arthritis, Kontrakturen, Kraftminderung; gezielte Myositis-/ Overlap-Abklärung

PAH-Verdacht und DETECT

  • Jährliches Screening mit Echokardiographie, Lungenfunktion/DLCO und NT-proBNP
  • DETECT bei Erwachsenen: >3 Jahre seit dem ersten Nicht-Raynaud-Symptom, FVC ≥40 %, DLCO <60 % des Sollwerts; zweistufige Zuweisung zu Echo und gegebenenfalls Rechtsherzkatheter
  • Ungeklärte Dyspnoe oder auffälliges Screening: PH-Zentrum und gegebenenfalls Rechtsherzkatheter; fehlende DETECT-Eignung keine Entwarnung

Therapie

Therapiebeginn
Raynaud → Nifedipin/anderer Dihydropyridin-CCB; digitale Ulzera → PDE5i (Off-Label)/Iloprost i.v. (Off-Label), neue Ulzera verhindern → Bosentan
Hautfibrose → MTX (Off-Label), MMF (Off-Label) oder Rituximab (Off-Label); Auswahl nach Organprofil; Reflux → PPI
Unzureichende Wirksamkeit
Raynaud → PDE5i (Off-Label), schwer/refraktär Iloprost i.v. (Off-Label); Organprogression → organbezogene Anpassung; ausgewählte frühe schwere dcSSc → autologe Stammzelltransplantation im Zentrum
Deeskalation
stabile Organfunktion und Kontrolle der jeweiligen Manifestation → individuelle Reduktion; kein festgelegtes Remissionsintervall ILD · PAH · Renale Krise · GI-Beteiligung
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Raynaud und digitale Ulzera

  • Wärmeschutz, Nikotinverzicht, Vermeidung wiederholter lokaler Traumata; funktionserhaltende Maßnahmen
  • Oraler Dihydropyridin-Calciumantagonist, bevorzugt Nifedipin, als Erstlinie; PDE5-Inhibitor ebenfalls erwägen, insbesondere bei unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit
  • Schweres Raynaud trotz oraler Therapie: Iloprost i.v. erwägen
  • DU-Heilung: PDE5-Inhibition und/oder Iloprost; neue DU vermeiden: Bosentan
  • Wundversorgung, Analgesie und Infektionsabklärung; bei Verdacht auf Osteomyelitis gezielte Diagnostik
  • Kritische Ischämie, progrediente Nekrose oder ausgeprägter Ruheschmerz: dringliche gefäßmedizinische Beurteilung; Makroangiopathie mitbedenken
  • Thrombozytenhemmung bei eigenständiger vaskulärer Indikation
CCB · Nifedipin retard, Amlodipin · Therapiebeginn · Vasodilatation · Präparatabhängig (Off-Label)
  • Nifedipin retard: 10–40 mg p.o./d; einschleichend nach Blutdruck und geeigneter Retardzubereitung; RP-Zulassung präparatbezogen, ggf. (Off-Label)
  • Amlodipin: 5–10 mg p.o. einmal täglich; RP (Off-Label)

Zum Steckbrief CCB

PDE5i · Sildenafil, Tadalafil · Nach unzureichender CCB-Wirksamkeit / Ulkusbehandlung · (Off-Label)

Cave: Nitrate/NO-Donatoren oder Riociguat: KI

  • Sildenafil: initial 20 mg p.o. täglich → bis 20 mg dreimal täglich; RP/DU (Off-Label)
  • Tadalafil: 20 mg p.o. einmal täglich; RP/DU (Off-Label)

Zum Steckbrief PDE5i

Iloprost i.v. · Schwerer Verlauf trotz oraler Vasodilatation · (Off-Label)

Cave: dekompensierte Herzinsuffizienz

  • Iloprost i.v.: 0,5–2 ng/kg/min über 6 Stunden/d, meist 3–5 Tage pro Kurs; RP/DU (Off-Label)

Zum Steckbrief Iloprost i.v.

Bosentan · Prävention neuer Ulzera
  • Bosentan: 62,5 mg p.o. zweimal täglich für 4 Wochen → 125 mg zweimal täglich; Prävention neuer digitaler Ulzera

Zum Steckbrief Bosentan

Weitere Vasodilatatoren · Losartan, Fluoxetin · Nachgeordnete Alternativen · (Off-Label)
  • Losartan: 50–100 mg p.o. einmal täglich; nachgeordnete RP-Option; (Off-Label)
  • Fluoxetin: 10–20 mg p.o. einmal täglich; nachgeordnete RP-Option; (Off-Label)

Zum Steckbrief Weitere Vasodilatatoren

Haut, Gelenke und Funktion

  • Hautfibrose: MTX, Mycophenolat oder Rituximab erwägen; Auswahl nach Organprofil
  • Frühe entzündliche dcSSc: Tocilizumab als zusätzliche Möglichkeit
  • DGRh 2025-Ergänzung: Bei fortschreitender Hautsklerose trotz MMF kann monatliches i.v. Cyclophosphamid erwogen werden; anschließend Erhaltung, z. B. MMF. RTX/TCZ bei isolierter Hautprogression nach individueller Gesamtkonstellation
  • MTX auch bei dcSSc möglich; das AAV-Regime CYCLOPS ist kein obligatorischer SSc-Therapieschritt
  • Entzündliche muskuloskelettale Beteiligung: MTX erwägen; Arthralgie und Kontrakturen gesondert behandeln
  • Glukokortikoide nicht routinemäßig gegen Hautfibrose; Physiotherapie, Ergotherapie, Hand-/Mundübungen und bei passender Indikation Lymphdrainage
Methotrexat (MTX) · Immunmodulation bei Hautfibrose / Gelenkbeteiligung · (Off-Label)

Cave: CrCl <30 ml/min: KI

  • Methotrexat (MTX): 10–20 mg p.o./s.c. einmal wöchentlich; Haut / entzündlicher Bewegungsapparat; (Off-Label)
  • Folsäure: Supplementation zu MTX
  • DGRh Wechselwirkung 2023: Cotrimoxazol in antibiotischer Therapiedosis meiden; PJP-Prophylaxe mit 160/800 mg dreimal wöchentlich bei niedrig dosiertem MTX möglich; Interaktionen und Kontrollen
  • DGRh Wechselwirkung 2023: unter Penicillinen MTX pausieren; Metamizol und Probenecid meiden; weitere Interaktionen
  • Nierenfunktion – DGRh Wechselwirkung 2023: bei GFR ≤45 ml/min von MTX abraten; FI: CrCl 30–59 ml/min → 50 % der Dosis, <30 ml/min → kontraindiziert; Dosisanpassung

Zum Steckbrief Methotrexat (MTX)

Mycophenolat · MMF, Mycophenolat-Natrium · Immunmodulation bei Haut- / Lungenbeteiligung · (Off-
Label)
  • Mycophenolat-Mofetil (MMF): initial 500 mg p.o. zweimal täglich → 1–1,5 g zweimal täglich; nationales Hautregime bis 2 g/d, ILD bis 3 g/d; (Off-Label)
  • Mycophenolat-Natrium (EC-MPS): z. B. 720 mg p.o. zweimal täglich; (Off-Label)

Zum Steckbrief Label)

Rituximab · Immunmodulation bei Haut- / Lungenbeteiligung · (Off-Label)

Cave: HBV-Reaktivierung

  • Rituximab: 1.000 mg i.v. Tag 1 und 15; Wiederbehandlung nach Aktivität, häufig nach etwa 24 Wochen; (Off-Label)

Zum Steckbrief Rituximab

SSc-ILD

  • Zentraler CTD-ILD-Pfad: Schwere, Aktivität, Ausdehnung und Verlauf berücksichtigen
  • MMF (Off-Label), Rituximab (Off-Label) oder Cyclophosphamid (Off-Label) als immunmodulatorische Optionen
  • Tocilizumab (Off-Label) bei früher dcSSc mit erhöhten Entzündungsparametern oder jüngster Hautfibroseprogression: starke Empfehlung (EULAR CTD-ILD 2026, PICO 13, Tabelle 1c)
  • Nintedanib für SSc-ILD zugelassen; allein oder mit MMF (Off-Label); auch ohne vorausgehende PPF
  • Nerandomilast bei PPF als neuere regulatorische Ergänzung; keine nachträgliche Zuschreibung zur älteren EULAR 2023-Evidenzbasis
  • Glukokortikoide nicht als reguläre SSc-ILD-Erstlinientherapie; bei zusätzlicher Indikation individuelle Abwägung im Zentrum. Cave: renale Krise; keine gesicherte risikofreie Dosisgrenze
Cyclophosphamid · Induktion bei schwerem Lungenverlauf · (Off-Label)

Cave: Fertilitätsschädigung; hämorrhagische Zystitis

  • Cyclophosphamid: 500–750 mg/m² i.v. alle 4 Wochen für 6 Monate; SSc-ILD; (Off-Label)
  • Mesna/Hydrierung: Begleitprophylaxe nach Regime

Zum Steckbrief Cyclophosphamid

Tocilizumab · Option bei früher entzündlicher Konstellation · (Off-Label)

Cave: Divertikulitis / Perforationsrisiko, Mechanistische CRP-Suppression

  • Tocilizumab: 162 mg s.c. einmal wöchentlich; SSc-ILD; (Off-Label)

Zum Steckbrief Tocilizumab

Nintedanib · Antifibrotische Therapie

Cave: schwere pulmonale Hypertonie: nicht anwenden; Blutungs-/GI-Perforationsrisiko

  • Nintedanib: 150 mg p.o. zweimal täglich mit Nahrung; bei Unverträglichkeit 100 mg zweimal täglich; SSc-ILD; allein oder + MMF

Zum Steckbrief Nintedanib

Nerandomilast · Antifibrotische Therapie bei Progression · neuere Option

Cave: Bosentan: keine Reduktion auf 9 mg zweimal täglich

  • Nerandomilast: 18 mg p.o. zweimal täglich; bei Unverträglichkeit ggf. 9 mg zweimal täglich; PPF
  • Pirfenidon/Bosentan oder weitere starke/mäßige CYP3A-Induktoren: keine Reduktion auf 9 mg zweimal täglich; starke CYP3A-Hemmer: 9 mg zweimal täglich

Zum Steckbrief Nerandomilast

SSc-PAH

  • Bestätigung und Phänotypisierung im PH-Zentrum; Gruppen-1-PAH von PH durch Linksherzerkrankung oder ausgeprägte ILD unterscheiden
  • Initial ERA plus PDE5-Inhibitor erwägen; Auswahl und Eskalation nach Risikoprofil, Komorbiditäten und Ansprechen
  • Schwere/hochrisikobehaftete PAH: parenterale Prostacyclintherapie, gegebenenfalls Epoprostenol; weitere Kombinationen und Transplantationsevaluation
  • Riociguat nicht zusammen mit PDE5-Inhibitoren
  • Sotatercept als neuere zugelassene Zusatzoption; Blutbild-/Blutungsrisiken berücksichtigen
  • Keine Routineantikoagulation allein wegen SSc-PAH
PDE5i · Sildenafil, Tadalafil · Therapiebeginn · meist Kombination mit ERA

Cave: Nitrate/NO-Donatoren oder Riociguat: KI

  • Sildenafil: 20 mg p.o. dreimal täglich; PAH
  • Tadalafil: 40 mg p.o. einmal täglich; PAH; bei leichter/mäßiger Niereninsuffizienz initial 20 mg/d

Zum Steckbrief PDE5i

ERA · Bosentan, Ambrisentan, Macitentan · Therapiebeginn · meist Kombination mit PDE5i
  • Bosentan: 62,5 mg p.o. zweimal täglich für 4 Wochen → 125 mg zweimal täglich; SSc-PAH ohne signifikante ILD
  • Ambrisentan: 5 mg p.o. einmal täglich → ggf. 10 mg/d
  • Macitentan: 10 mg p.o. einmal täglich

Zum Steckbrief ERA

Selexipag · Zusätzliche Therapie nach Risikobeurteilung

Cave: starke CYP2C8-Hemmer, z. B. Gemfibrozil: KI

  • Selexipag: initial 200 µg p.o. zweimal täglich; wöchentlich +200 µg je Gabe → höchste verträgliche Dosis, maximal 1.600 µg zweimal täglich

Zum Steckbrief Selexipag

Riociguat · Alternative zum PDE5i · Auswahl im PH-Zentrum

Cave: PDE5i oder Nitrate/NO-Donatoren: KI

  • Riociguat: initial 1 mg p.o. dreimal täglich; alle 2 Wochen +0,5 mg je Gabe → maximal 2,5 mg dreimal täglich nach Blutdruck
  • Wechsel: vor Riociguat ≥24 Stunden nach Sildenafil / ≥48 Stunden nach Tadalafil; vor PDE5i ≥24 Stunden nach Riociguat

Zum Steckbrief Riociguat

Epoprostenol · Schwerer Verlauf / hohes Risiko · kontinuierlich i.v.

Cave: abrupte Unterbrechung → lebensbedrohlicher PAH-Rebound

  • Epoprostenol: kontinuierlich i.v.; Dosisfindung im PH-Zentrum initial 2 ng/kg/min → individuelle Dauerinfusionsrate nach Hämodynamik/Verträglichkeit

Zum Steckbrief Epoprostenol

Sotatercept · Zusätzliche Therapie zur bestehenden Kombination

Cave: anhaltende Thrombozyten <50 ×10⁹/l: nicht beginnen

  • Sotatercept: initial 0,3 mg/kg s.c.; nach 3 Wochen 0,7 mg/kg bei geeigneten Hb-/ Thrombozytenwerten; danach alle 3 Wochen; Add-on

Zum Steckbrief Sotatercept

Iloprost inhalativ · Alternative im PH-Zentrum · (Off-Label)
  • Iloprost inhalativ: initial 2,5 µg am Mundstück → bei Verträglichkeit 5 µg; 6–9 Inhalationen/d; SSc-PAH (Off-Label)

Zum Steckbrief Iloprost inhalativ

Renale Krise

  • Akute Nierenfunktionsverschlechterung mit neuem oder relativem Blutdruckanstieg; normotensiver Verlauf möglich
  • Bei Verdacht unverzügliche stationäre/nephrologische Beurteilung; Mikroangiopathie und andere AKI-Ursachen prüfen
  • ACE-Hemmer sofort; Blutdruck kontrolliert senken, Perfusion und Begleitkomplikationen berücksichtigen
  • ACE-Hemmer bei renaler Krise auch unter Dialyse fortführen. Zur Primärprävention einer renalen Krise nicht empfohlen
ACE-Hemmer · Captopril, Ramipril · Sofortige Akuttherapie · (Off-Label)
  • Captopril: bei normotensiver/hypotensiver SRC z. B. initial 6,25 mg p.o. dreimal täglich; rasche Titration nach Hämodynamik/Nierenfunktion; (Off-Label) – SRC-Akutregime
  • Ramipril: hypertensive SRC: initial 2,5–5 mg p.o./d; Titration nach Hämodynamik/Nierenfunktion; (Off-Label) – SRC-Akutregime
  • Akute Niereninsuffizienz: Ausgangsdosis und weitere Titration individuell im SRC-Zentrum

Zum Steckbrief ACE-Hemmer

Gastrointestinale Manifestationen

  • Reflux/Ösophagitis: PPI, Refluxmaßnahmen, bei Dysphagie gezielte Abklärung
  • Motilitätsstörung: ausgewählte Prokinetika; separate Indikations-, Interaktions- und Langzeitbewertung
  • SIBO: symptomgeleitete antibiotische Behandlung; bei Rezidiv gegebenenfalls Rotation
  • Gewichtsverlust/Malabsorption: Ernährungsassessment und Mangelkorrektur; schwere Verläufe gastroenterologisch/ernährungsmedizinisch
  • Stuhlinkontinenz: Ursachenabklärung, Beckenboden-/Sphinktertraining, Biofeedback; Diarrhö und Obstipation gesondert behandeln
Pantoprazol · Therapiebeginn · Säurehemmung
  • Pantoprazol: 40 mg p.o. einmal täglich; bei unzureichender Wirkung ggf. 80 mg/d; Reflux

Zum Steckbrief Pantoprazol

Metoclopramid · Symptomtherapie · prokinetische Option · (Off-Label)
  • Metoclopramid: bis 10 mg p.o. dreimal täglich; zugelassene Kurzzeitdauer maximal 5 Tage; SSc-Dysmotilität/Dauertherapie (Off-Label)

Zum Steckbrief Metoclopramid

Domperidon · Symptomtherapie · prokinetische Option · (Off-Label)

Cave: QT-Verlängerung / QT-verlängernde Kombinationen

  • Domperidon: bis 10 mg p.o. dreimal täglich; zugelassene Kurzzeitdauer üblicherweise maximal 1 Woche; SSc-Dysmotilität/Dauertherapie (Off-Label)

Zum Steckbrief Domperidon

Unzureichende Wirksamkeit / Deeskalation

  • Vor Eskalation: aktive Erkrankung versus irreversibler Schaden, Infektion, Arzneimitteltoxizität, Adhärenz und Komorbidität
  • Deeskalation organspezifisch; keine allgemeingültige SSc-Remissionsdauer oder universelles Taperingregime
  • Autologe hämatopoetische Stammzelltransplantation: ausgewählte frühe schwere dcSSc mit ungünstiger Prognose, nach ausführlicher kardiorespiratorischer Risikoprüfung; fortgeschrittene Herz-/Lungenschäden als wesentliches Selektionshindernis
Grenzen des Standardpfads
  • Glukokortikoide nicht routinemäßig gegen Hautfibrose oder als SSc-ILD-Erstlinientherapie; Cave: renale Krise
  • ACE-Hemmer nicht allein zur primären SRC-Prophylaxe verordnen
  • DU-Prävention durch Bosentan belegt; keine pauschale Übertragung auf andere ERA
  • Kombinationen mehrerer Immunmodulatoren und experimentelle zelluläre Therapien nur bei begründeter individueller Indikation im Zentrum

Monitoring und Sicherheit

Verlauf an Organprofil und Krankheitsphase ausrichten; neue Symptome nicht bis zum nächsten Routineintervall zurückstellen
mRSS und Funktion, digitale Läsionen, Ernährung und Gewicht dokumentieren
Bei bekannter ILD engmaschigerer Verlauf als beim negativen Ausgangsscreening
Jährliches PAH-/Herzscreening; Zusatzdiagnostik bei Auffälligkeiten
Blutdruckselbstmessung bei Risikokonstellation; normotensive AKI/Mikroangiopathie mitbeachten
Spezifische Medikamentenkontrollen; Details bei den Medikamenten
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Krankheitsbezogener Verlauf

Bereich Kernregeln
Haut/Funktion mRSS: 17 Körperregionen, je 0–3, maximal 51; Verlauf und Funktion gemeinsam, keine neue Diagnoseschwelle
ILD Bei nachgewiesener SSc-ILD FVC/DLCO alle 3–6 Monate in den ersten 3–5 Jahren, anschließend mindestens alle 6–12 Monate; zusätzlich bei Progressionsverdacht. HRCT-Verlauf nach 1–2 Jahren erwägen; keine Übertragung auf jährliches Screening aller HRCT-negativen Personen
PAH Jährliches Echo, DLCO/Lungenfunktion, NT-proBNP; bei Symptomen frühere Abklärung
Primäre Herzbeteiligung EKG, Echo und kardiale Biomarker; Holter/CMR nach Befund. Bei bekannter Herzbeteiligung national strukturierte engere Verlaufskontrollen
Niere Blutdruck, Kreatinin/eGFR, Urin/Proteinurie; häusliche Messung besonders bei früher dcSSc, Anti-RNA-Polymerase-III-Positivität oder GK-Bedarf
GI/Ernährung Dysphagie, Reflux, Stuhlgang, Gewicht und ernährungsbezogene Labor-/Mangelabklärung nach Befund
  • Bei ausgeprägtem Raynaud unplausible Finger-SpO₂ durch geeignete alternative Messstelle oder Blutgasanalyse überprüfen

Spezifisches Medikamentenmonitoring

  • Rituximab: IgG vor Beginn und vor jedem weiteren Zyklus
  • Cyclophosphamid: nadirbezogenes Blutbild; bei i.v.-Pulsen typischerweise Tag 8–14; Urin auf Hämaturie
  • Sotatercept: Hb/Thrombozyten vor den ersten fünf Gaben, bei Instabilität länger; danach alle 3–6 Monate
  • GK: Blutdruckselbstmessung und Zeichen einer renalen Krise

Weitere Kontrollen und Dosisanpassungen: Methotrexat · Tocilizumab · Medikamentenübersicht

Reproduktion und Impfungen

  • Familienplanung vor Therapieeskalation; EULAR Schwangers 2024 und präparatspezifische Kontrazeption berücksichtigen
  • Schwangerschaft bei SSc-PAH bzw. relevanter Organbeteiligung interdisziplinär planen und begleiten; PAH-/Antifibrotikapräparate gesondert bewerten
  • Impfschutz vor Immunsuppression prüfen; konkrete Impf- und Expositionsregeln im Reproduktions-/ Sicherheitsmodul

Quellen und Links

Systemischer Lupus erythematodes (SLE) und Lupusnephritis

Diagnostik und Klassifikation

Haut/Schleimhäute
photosensitives Exanthem, Schmetterlingserythem, orale Ulzera, Alopezie
Weitere Manifestationen
Arthralgie/Arthritis, Serositis, Fieber; Zytopenien
Labor
ANA positiv; Anti-dsDNA/Anti-Sm; C3/C4 ↓
Niere
Proteinurie, glomeruläre Hämaturie/Zylinder, ggf. GFR-Abnahme
Nierenbiopsie
insbesondere persistierende Proteinurie ≥0,5 g/24 h bzw. UPCR ≥500 mg/g, glomeruläre Hämaturie oder ungeklärte GFR-Abnahme
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Diagnose

  • Klinische Diagnose aus Anamnese, klinischem Befund, Organmanifestationen, Autoantikörpern/ Komplement, Labor-/Urinbefunden, organspezifischer Bildgebung und ggf. Histologie
  • Keine validierten Diagnosekriterien
  • EULAR/ACR-SLE-Klassifikationskriterien 2019 = Klassifikationskriterien, ersetzen die klinische Diagnose nicht
  • Nicht-Erfüllen der Klassifikationskriterien schließt einen SLE nicht aus
  • Relevante Manifestationen systematisch erfassen: Haut/Schleimhäute, muskuloskelettal, Niere, Hämatologie, Serosa, ZNS/PNS, pulmonal/kardial nach Konstellation sowie vaskulär/thrombotisch
  • Plausible Differenzialdiagnosen und alternative Erklärungen aktiv berücksichtigen

Labor und Immunologie

  • BB/Differenzialblutbild
  • CRP, BSG
  • Kreatinin/eGFR
  • Urinstatus, Urinsediment, UPCR
  • ANA
  • Anti-dsDNA
  • Anti-Sm
  • C3, C4
  • aPL: Lupus-Antikoagulans, Anti-Cardiolipin IgG/IgM, Anti-β2-Glykoprotein-I IgG/IgM
  • bei Erstbeurteilung bzw. entsprechender klinischer Konstellation: Anti-Ro/SSA, Anti-La/SSB, Anti-RNP
  • bei entsprechender Manifestation: Hämolyseparameter, direkter Antiglobulintest und weitere organspezifische Diagnostik

aPL bei SLE

  • aPL-Basisprofil: Lupus-Antikoagulans, Anti-Cardiolipin IgG/IgM, Anti-β2-Glykoprotein-I IgG/IgM
  • Hochrisiko-aPL-Profil: Lupus-Antikoagulans, Doppel- oder Tripelpositivität oder persistierend hohe aPL-Titer; Persistenz in ≥2 Bestimmungen mit mindestens 12 Wochen Abstand
  • SLE ohne früheres thrombotisches/obstetrisches APS, aber Hochrisiko-aPL-Profil: LDA 75–100 mg/d zur Primärprophylaxe nach EULAR 2023; Blutungsrisiko berücksichtigen.
  • SLE-spezifische Primärprävention und Risikostratifikation auf dieser Seite
  • Diagnostik, Klassifikation sowie thrombotisches/obstetrisches Management bei manifestem oder vermutetem APS → Antiphospholipidsyndrom
  • Wichtig: IgA-aPL gehören zwar zum aPL-Kriterium der EULAR/ACR-SLE-Klassifikationskriterien 2019, daraus folgt aber keine Erweiterung des routinemäßigen APS-aPL-Panels um IgA

Nierenscreening und Nierenbiopsie

  • Kreatinin/eGFR
  • Urinstatus und Urinsediment
  • UPCR
  • Anti-dsDNA, C3/C4; bei Verdacht auf Lupusnephritis ggf. Anti-C1q, sofern verfügbar
  • aPL bei Nierenbeteiligung insbesondere im Hinblick auf vaskuläre/TMA-Konstellationen berücksichtigen

Hinweise auf Nierenbeteiligung:

  • persistierende Proteinurie ≥0,5 g/24 h
  • UPCR ≥500 mg/g
  • glomeruläre Hämaturie
  • Erythrozyten-/zelluläre Zylinder
  • ungeklärte Abnahme der GFR

Bei Hinweisen auf Nierenbeteiligung → Nierenbiopsie, sofern keine überwiegenden individuellen Gegenargumente.

Cave: Auch bei Proteinurie <0,5 g/d können histologisch relevante aktive Läsionen vorliegen; die Schwelle ist deshalb kein Ausschlusskriterium für eine Biopsie bei klinischem Verdacht.

Nierenbiopsie versus SLE-Klassifikation Kontext Proteinurie-Schwelle
Nierenbiopsie bei SLE ≥0,5 g/24 h oder UPCR ≥500 mg/g
EULAR/ACR-SLE-Klassifikationskriterien 2019 >0,5 g/24 h bzw. äquivalenter UPCR

Die Biopsieentscheidung und die SLE-Klassifikation verwenden unterschiedliche Schwellen.

EULAR/ACR-SLE-Klassifikationskriterien 2019

EULAR/ACR-SLE-Klassifikationskriterien 2019 berechnen

Eingangskriterium

  • ANA ≥1:80 auf HEp-2-Zellen oder äquivalenter positiver Test
  • mindestens einmal nachgewiesen
  • ohne erfülltes ANA-Eingangskriterium keine Klassifikation nach EULAR/ACR-SLE-Klassifikationskriterien 2019
  • fehlende Klassifikation ≠ Ausschluss einer klinischen SLE-Diagnose
Klinische Domänen Domäne Kriterium Punkte
Konstitutionell Fieber >38,3 °C 2
Hämatologisch Leukopenie <4.000/µl 3
Thrombozytopenie <100.000/µl 4
Autoimmunhämolyse 4
Neuropsychiatrisch Delir 2
Psychose 3
Krampfanfall 5
Mukokutan Nicht vernarbende Alopezie 2
Domäne
Orale Ulzera 2
Subakut kutaner oder diskoider Lupus 4
Akut kutaner Lupus 6
Serosal Pleura- oder Perikarderguss 5
Akute Perikarditis 6
Muskuloskelettal Synovitis mit Schwellung/Erguss in ≥2 Gelenken oder Druckschmerz in ≥2 Gelenken + Morgensteifigkeit ≥30 min 6
Renal Proteinurie >0,5 g/24 h bzw. äquivalenter UPCR 4
Lupusnephritis Klasse II oder V 8
Lupusnephritis Klasse III oder IV 10
Immunologische Domänen Domäne
Antiphospholipid-AK definiertes positives aPL-Kriterium 2
Komplement C3 oder C4 erniedrigt 3
C3 und C4 erniedrigt 4
SLE-spezifische AK Anti-dsDNA oder Anti-Sm 6

aPL-Kriterium – 2 Punkte bei mindestens einem der folgenden Befunde:

  • Anti-Cardiolipin IgA, IgG oder IgM in mittlerem/hohem Titer: >40 APL/GPL/MPL oder >99. Perzentile
  • Anti-β2-Glykoprotein-I IgA, IgG oder IgM positiv
  • Lupus-Antikoagulans positiv

Anti-dsDNA: für die Klassifikation nur mit einem Immunoassay mit nachgewiesener Spezifität ≥90 % für SLE gegenüber relevanten Krankheitskontrollen.

Auswertung

  • ≥10 Punkte UND mindestens 1 klinisches Kriterium → EULAR/ACR-SLE-Klassifikationskriterien 2019 erfüllt
  • pro Domäne nur das höchstgewichtete Kriterium zählen
  • Kriterien dürfen zu unterschiedlichen Zeitpunkten vorgelegen haben
  • ein Kriterium nur dem SLE zurechnen, wenn keine wahrscheinlichere alternative Ursache besteht
  • Klassifikation ersetzt die klinische Diagnose nicht
  • Validierungskohorte: Sensitivität 96,1 %, Spezifität 93,4 %

Therapie

Therapiebeginn
Hydroxychloroquin; GK zur Akut-/Überbrückungstherapie, im Verlauf möglichst ≤5 mg/d Prednisolonäquivalent bzw. Absetzen
Unzureichende Wirksamkeit
MTX (Off-Label), Azathioprin oder MMF (Off-Label) nach Manifestation; früh Belimumab/Anifrolumab als Add-on erwägen
organbedrohend/refraktär → Cyclophosphamid (Off-Label) bei extrarenaler Anwendung bzw. Rituximab (Off-Label) im Organpfad
Deeskalation
zuerst GK; Hydroxychloroquin grundsätzlich fortführen; weitere Reduktion nach anhaltender Kontrolle und Organverlauf Lupusnephritis
Ausführliche Informationen anzeigenWeniger anzeigen

Extrarenaler SLE

  • Hydroxychloroquin als Basistherapie, sofern verträglich und nicht kontraindiziert
  • Persistierende Haut-/Gelenkaktivität / GK-Abhängigkeit: MTX (Off-Label), Azathioprin oder MMF (Off-Label) nach Manifestation
  • Belimumab: bei aktiver Autoantikörper-positiver Erkrankung trotz Standardtherapie; besonders sinnvoll bei wiederkehrender extrarenaler Aktivität und Glukokortikoidbedarf
  • Anifrolumab: moderat bis schwer aktiver autoantikörperpositiver extrarenaler SLE trotz Standardtherapie
  • Rituximab (Off-Label): refraktäre / ausgewählte schwere Manifestationen
  • Cyclophosphamid (Off-Label): organ-/lebensbedrohlicher extrarenaler SLE; z. B. schwere neuropsychiatrische, vaskulitische oder pulmonale Manifestationen
Hydroxychloroquin · Therapiebeginn · Basistherapie

Cave: vorbestehende Makulopathie

  • Hydroxychloroquin: 200–400 mg p.o. täglich; Ziel etwa 5 mg/kg tatsächliches Körpergewicht/d, angepasst an Schub-/Retinopathierisiko

Cave: Retinopathie / QT-Verlängerung; Makulopathie laut FI kontraindiziert

Zum Steckbrief Hydroxychloroquin

Methotrexat (MTX) · GK-Einsparung bei persistierender Aktivität · (Off-Label)

Cave: CrCl <30 ml/min: KI

  • Methotrexat (MTX): 15–25 mg p.o./s.c. einmal wöchentlich; Gelenk-/Hautaktivität; (Off-Label)
  • Folsäure: Supplementation zu MTX
  • DGRh Wechselwirkung 2023: Cotrimoxazol in antibiotischer Therapiedosis meiden; PJP-Prophylaxe mit 160/800 mg dreimal wöchentlich bei niedrig dosiertem MTX möglich; Interaktionen und Kontrollen
  • DGRh Wechselwirkung 2023: unter Penicillinen MTX pausieren; Metamizol und Probenecid meiden; weitere Interaktionen
  • Nierenfunktion – DGRh Wechselwirkung 2023: bei GFR ≤45 ml/min von MTX abraten; FI: CrCl 30–59 ml/min → 50 % der Dosis, <30 ml/min → kontraindiziert; Dosisanpassung

Zum Steckbrief Methotrexat (MTX)

Azathioprin · GK-Einsparung bei persistierender Aktivität · Zulassung präparatbezogen

Cave: Xanthinoxidasehemmer → verstärkte Thiopurinwirkung / schwere Myelosuppression

  • Azathioprin: 1–3 mg/kg p.o. täglich; Dosis nach Wirkung/Verträglichkeit; SLE-Zulassung präparatbezogen
  • Allopurinol/Oxipurinol/Thiopurinol: Azathioprin auf 25 % der Ausgangsdosis reduzieren; engmaschiges Blutbild
  • Febuxostat: Kombination nicht empfohlen

Zum Steckbrief Azathioprin

Mycophenolat-Mofetil (MMF) · GK-Einsparung bei persistierender Aktivität · (Off-Label)
  • Mycophenolat-Mofetil (MMF): initial 500 mg p.o. zweimal täglich → 1–1,5 g zweimal täglich nach Manifestation/Verträglichkeit; (Off-Label)

Zum Steckbrief Mycophenolat-Mofetil (MMF)

Belimumab · Add-on bei unzureichender Standardtherapie
  • Belimumab: 200 mg s.c. einmal wöchentlich; alternativ 10 mg/kg i.v. Tag 0, 14, 28, danach alle 4 Wochen; Add-on
  • Ansprechen: ohne Besserung nach 6 Monaten Fortführung überdenken

Zum Steckbrief Belimumab

Anifrolumab · Add-on bei unzureichender Standardtherapie
  • Anifrolumab: 300 mg i.v. alle 4 Wochen oder 120 mg s.c. einmal wöchentlich; Add-on bei extrarenalem SLE

Zum Steckbrief Anifrolumab

Haut, Gelenke, Fatigue und neuropsychiatrische Manifestationen

  • Haut: Photoprotektion und HCQ; lokal Glukokortikoide, bei Gesichtsläsionen bevorzugt topische Calcineurinhemmer (Off-Label) – Indikation kutaner Lupus. Bei unzureichendem Ansprechen manifestationsbezogen Anifrolumab, Belimumab, MTX oder Mycophenolat; dermatologische Mitbetreuung.
  • Gelenke: objektive Arthritis von Arthralgie/Fibromyalgie unterscheiden; bei persistierender entzündlicher Aktivität MTX oder andere geeignete steroidsparende Therapie. Vor Belimumab/Anifrolumab ist kein obligatorisches Versagen mehrerer konventioneller Immunsuppressiva erforderlich.
  • Fatigue: Aktivität, Anämie, Schlaf, psychische und weitere Begleiterkrankungen prüfen; Schulung sowie individuell angepasstes Ausdauer-/Krafttraining. Bei isolierter Fatigue ohne entzündliche Aktivität Immunsuppressionseskalation kritisch prüfen.
  • NPSLE: neurologisch/psychiatrisch abklären; Attribution zum SLE sowie entzündlichen, thrombotischen und nicht durch SLE erklärten Mechanismus trennen. Entzündliche schwere Manifestationen: Glukokortikoide plus geeignete Immunsuppression, häufig CYC; B-Zell-Depletion bei geeigneter schwerer/refraktärer Konstellation. Thrombotische/aPL-assoziierte Manifestation: antithrombotischer Pfad auf der APS-Seite; symptomatische Therapie zusätzlich.
  • Anhaltende Remission: zuerst Glukokortikoide schrittweise reduzieren/absetzen, danach weitere Immunsuppression individualisiert; HCQ grundsätzlich fortführen, sofern verträglich.

Schwere Immunthrombozytopenie

  • Akut: hoch dosierte Glukokortikoide, gegebenenfalls i.v.-Pulse, mit oder ohne IVIG; Rituximab kann früh eingesetzt werden. Behandlungsbedarf meist bei Thrombozyten <20.000–30.000/µl, zusätzlich nach Blutung und klinischer Konstellation. CYC nach DGRh 2025 als Reserve, nicht als gleichrangige reguläre Initialoption; EULAR 2023 nennt CYC breiter
  • Rituximab bei SLE (Off-Label) – Indikation; keine obligatorische Refraktärität vor jedem Einsatz in dieser speziellen Manifestation
  • Erhaltung je Verlauf mit Rituximab, Azathioprin, Mycophenolat oder Ciclosporin; Zulassung präparat-/ indikationsbezogen
  • Refraktäre Verläufe: TPO-Rezeptoragonisten oder Splenektomie als Reserve; TPO-Rezeptoragonisten bei aPL-Positivität vermeiden nach EULAR 2023
  • Immunthrombozytopenie von TMA/TTP, Arzneimittelwirkung, Infektion und anderen Ursachen abgrenzen; Blutung und klinischen Verlauf in die Dringlichkeit einbeziehen
Rituximab · Refraktäre / schwere Organmanifestation · (Off-Label)

Cave: HBV-Reaktivierung; schwere Hypogammaglobulinämie

  • Rituximab: 1.000 mg i.v. Tag 1 und 15; Wiederbehandlung nach Aktivität; (Off-Label)

Zum Steckbrief Rituximab

Lupusnephritis

  • Auswahl: Biopsieklasse, Aktivität/Chronizität, eGFR, Proteinurie, extrarenale Aktivität; rheumatologisch-nephrologisch
  • Klasse III/IV ± V: GK + MMF (Off-Label) + Belimumab, CYC + Belimumab, MMF (Off-Label) + CNI oder MMF (Off-Label) + Obinutuzumab; Tacrolimus (Off-Label); individuelle Alternativen: GK + MMF (Off-Label) oder GK + niedrig dosiertes CYC
  • Reine Klasse V: relevante Proteinurie; MMF (Off-Label) ± CNI; Tacrolimus (Off-Label); ältere/nationale Schwelle: persistierend >1 g/d trotz Nephroprotektion; Evidenz für Kombinationen begrenzter; Obinutuzumab (Off-Label) bei reiner V
  • Klasse I/II: extrarenale Aktivität und Nephroprotektion; nephrotische Proteinurie → Podozytopathie/weitere Biopsieläsion prüfen
  • Rasch progrediente GN: ggf. hoch dosiertes i.v. CYC; EULAR LN 2025: 6–7 monatliche Pulse; schwere Niereninsuffizienz → Zentrum
  • Methylprednisolon: 250–500 mg i.v. täglich für 1–3 Tage → Prednisolon 0,3–0,5 mg/kg/d p.o.; Monat 3 <10 mg/d, Monat 6 ≤5 mg/d; bei anhaltendem Ansprechen weiter reduzieren
  • Monat 3: Nierenfunktion erhalten/verbessert, Proteinurie ≥25 % reduziert; Monat 6: ≥50 % reduziert; Monat 12: UPCR <700 mg/g
  • Unzureichende Wirksamkeit: Adhärenz, Exposition, Infektion, Histologie und Schaden prüfen → Wechsel/ Ergänzung; Rituximab (Off-Label) als Reserve
  • Erhaltung: ≥3 Jahre nach renalem Ansprechen; erfolgreiche MMF-basierte Strategie fortführen; CYC → MMF (Off-Label) oder Azathioprin
  • Deeskalation: anhaltendes komplettes renales Ansprechen, ≥3 Jahre Therapie nach Ansprechen; schrittweise, nach Rezidivrisiko/extrarenaler Aktivität; ggf. Rebiopsie
  • Rebiopsie: unklare Aktivität/Schaden, Verschlechterung, unzureichendes Ansprechen oder geplante Reduktion
  • Hydroxychloroquin bei LN + eGFR <30 ml/min/1,73 m²: 50 % Dosisreduktion nach DGRh 2025
Mycophenolat · MMF, Mycophenolat-Natrium · Remissionsinduktion / Erhaltung · (Off-Label)
  • Mycophenolat-Mofetil (MMF) – Induktion: 1–1,5 g p.o. zweimal täglich; (Off-Label)
  • MMF – Erhaltung: häufig 750–1.000 mg p.o. zweimal täglich; (Off-Label)
  • Mycophenolat-Natrium (EC-MPS) – Induktion: 720–1.080 mg p.o. zweimal täglich; (Off-Label)

Zum Steckbrief Mycophenolat

Belimumab · Add-on zur Induktion / Erhaltung
  • Belimumab – LN: 400 mg s.c. einmal wöchentlich für 4 Wochen; danach 200 mg einmal wöchentlich
  • I.v. alternativ: 10 mg/kg Tag 0, 14, 28; danach alle 4 Wochen
TMA und Nierenersatzverfahren

Zum Steckbrief Belimumab

  • TMA: APS-Nephropathie, TTP und komplementvermittelte TMA unterscheiden; interdisziplinärer Akutpfad. PLEX/Caplacizumab bei geeigneter TTP, Komplementhemmung bei entsprechender komplementvermittelter TMA, Antikoagulation bei thrombotischem APS.
  • Nierenversagen: alle geeigneten Nierenersatzverfahren möglich; Transplantation einschließlich Lebendspende/präemptiv erwägen, wenn extrarenale Erkrankung mindestens 6 Monate klinisch inaktiv. Immunsuppression nach verbleibender extrarenaler Aktivität individualisieren.
Nieren- und kardiovaskuläre Protektion
  • Blutdruck konsequent kontrollieren
  • RAAS-Blockade bei Proteinurie/Hypertonie, sofern nicht kontraindiziert
  • Dyslipidämie, Diabetes, Rauchen und weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren behandeln
  • SGLT2-Hemmer bei geeigneter chronischer Nierenerkrankung nach aktueller Nierenfunktion und konkreter Produktinformation
  • Thromboserisiko/aPL bei vaskulären oder TMA-Konstellationen berücksichtigen
Cyclophosphamid · Organbedrohender Verlauf · Induktion · Extrarenal (Off-Label)

Cave: Fertilitätsschädigung; hämorrhagische Zystitis

  • Cyclophosphamid – Euro-Lupus: 500 mg i.v. alle 2 Wochen ×6; danach MMF oder Azathioprin
  • Cyclophosphamid – schwere/RPGN-LN: ggf. 0,5–0,75 g/m² i.v. monatlich ×6; individuelle Dosisanpassung
  • Mesna/Hydrierung: Begleitprophylaxe nach Regime

Zum Steckbrief Cyclophosphamid

Tacrolimus · Kombinationsoption zur Induktion · (Off-Label)
  • Tacrolimus: MMF-Kombination; Studienregime z. B. 4 mg/d p.o.; Titration nach Talspiegel/ Nierenfunktion; (Off-Label)

Zum Steckbrief Tacrolimus

Voclosporin + MMF · Add-on zur Induktion

Cave: Starke CYP3A4-Hemmer: kontraindiziert

  • Voclosporin: 23,7 mg p.o. zweimal täglich; + MMF; aktive LN III/IV/V
  • eGFR <45 ml/min/1,73 m²: besondere Nutzen-Risiko-Abwägung und nierenadaptierter Dosisplan

Zum Steckbrief Voclosporin + MMF

Obinutuzumab + MMF · Add-on zur Induktion · Reine Klasse V (Off-Label)

Cave: HBV-Reaktivierung

  • Obinutuzumab: 1.000 mg i.v. Woche 0, 2, 24, 26; danach alle 6 Monate ab der vierten Gabe; + MMF; LN III/IV ± V; reine V (Off-Label)

Zum Steckbrief Obinutuzumab + MMF

Monitoring und Sicherheit

Krankheitsaktivität bei jeder Visite mit validiertem Instrument; Visitenfrequenz zusätzlich nach Aktivität, Organbeteiligung und Therapie
Therapieziel
DORIS-Remission, alternativ niedrige Krankheitsaktivität/LLDAS; Zieldefinitionen nicht miteinander verschmelzen
DORIS-Remission
cSLEDAI = 0, PGA <0,5 auf 0–3-Skala, Prednisolon ≤5 mg/d; stabile Antimalaria-, immunsuppressive und biologische Therapie erlaubt
LLDAS
SLEDAI-2K ≤4 ohne große Organaktivität, SLE-Fieber, Hämolyse oder GI-Aktivität; keine neue Aktivität, PGA ≤1, Prednisolon ≤7,5 mg/d, stabile verträgliche Erhaltungstherapie mit üblichen Immunsuppressiva/zugelassenen Biologika
Cave
LLDAS-Grenze ≤7,5 mg/d ≠ aktuelles Glukokortikoidziel; chronisch möglichst ≤5 mg/d bzw. 0
Organschaden mindestens jährlich, z. B. SLICC/ACR Damage Index; Komorbiditäten und Impfstatus mindestens jährlich strukturiert erfassen
Ohne bekannte Lupusnephritis
Proteinurie alle 3 Monate nach DGRh 2025
Bei Lupusnephritis
bei jedem Kontrollbesuch Gewicht, Blutdruck, eGFR, Albumin, Proteinurie, Urinstatus/- sediment, BB und C3/C4; Anti-dsDNA ergänzend im Verlauf
EULAR LN 2025: Nierenfunktion innerhalb 3 Monaten erhalten/verbessern, Proteinurie um ≥25 % nach 3 Monaten und um ≥50 % nach 6 Monaten reduzieren, UPCR <700 mg/g nach 12 Monaten, danach so niedrig wie möglich
UPCR-Ziel nach 12 Monaten
<700 mg/g
Rebiopsie nicht routinemäßig verpflichtend; erwägen bei klinischer Unsicherheit, unzureichendem/ unerwartetem Verlauf, Verschlechterung nierenspezifischer Laborparameter oder geplanter Immunsuppressionsreduktion
Hydroxychloroquin
Augenbasis Monat 0–6 – DGRh Antimalaria 2020; jährlich ab dem 5. Therapiejahr, bei Risikofaktoren ab Beginn – DOG Augen 2025. FI-Abweichung: Kontrollen vor Beginn und alle 3 Monate; Details
Adhärenz, Arzneimitteltoxizität, kardiovaskuläres Risiko, Infektionen/Impfstatus, Osteoporose- und reproduktive Risiken regelmäßig berücksichtigen
Ausführliche Informationen anzeigenWeniger anzeigen

Krankheitsaktivität, Remission und Organschaden

  • Krankheitsaktivität bei jeder Visite dokumentieren
  • validiertes Instrument mit Versionsangabe, z. B.:
  • SLEDAI/SLEDAI-2K ◦ BILAG ◦ SLE-DAS ◦ ECLAM ◦
  • kein einzelnes Instrument als einzig zulässigen Standard erzwingen
  • Therapie, unerwünschte Wirkungen und Adhärenz gemeinsam dokumentieren
  • Organschaden mindestens einmal jährlich, z. B. SLICC/ACR Damage Index
  • Komorbiditäten und Impfstatus mindestens jährlich strukturiert überprüfen
  • gesundheitsbezogene Lebensqualität und Patient:innenperspektive regelmäßig erfassen; kein international verbindlicher einzelner Pflicht-PROM
DORIS-Remission
  • klinischer SLEDAI/cSLEDAI = 0
  • PGA <0,5 auf einer 0–3-Skala
  • Prednisolon-Äquivalent ≤5 mg/d
  • stabile Erhaltungstherapie mit Antimalariamitteln, Immunsuppressiva und/oder Biologika zulässig
  • Anti-dsDNA und Komplement sind nicht Bestandteil des cSLEDAI-Remissionskriteriums
Lupus Low Disease Activity State (LLDAS)
  • SLEDAI-2K ≤4
  • keine Aktivität renal, ZNS, kardiopulmonal oder vaskulitisch; kein SLE-Fieber, keine Hämolyse und keine gastrointestinale Aktivität
  • keine neue Krankheitsaktivität gegenüber der vorherigen Beurteilung
  • PGA ≤1 auf 0–3-Skala
  • Prednisolon-Äquivalent ≤7,5 mg/d
  • stabile, verträgliche Standard-Erhaltungstherapie einschließlich zugelassener Biologika zulässig; experimentelle Medikamente erfüllen diese LLDAS-Bedingung nicht

Cave: Die LLDAS-Definitionsgrenze ≤7,5 mg/d bleibt unverändert. Das aktuelle therapeutische Ziel, chronische Glukokortikoide möglichst auf ≤5 mg/d oder 0 zu reduzieren, ist eine separate Therapievorgabe.

Nierenscreening ohne bekannte Lupusnephritis

  • DGRh 2025: alle 3 Monate auf Proteinurie untersuchen
  • bei regulären SLE-Kontrollen zusätzlich Nierenfunktion und Urinbefund im klinischen Kontext berücksichtigen
  • bei extrarenalem Schub oder neuem renalen Verdacht sofortige erneute Nierenabklärung unabhängig vom Routineintervall
  • bei auffälliger Proteinurie, glomerulärer Hämaturie/Zylindern oder ungeklärter GFR-Abnahme → Nierenbiopsie nach dem Abschnitt Diagnostik und Klassifikation

Leitlinienabweichung: ACR LN 2024 empfiehlt bei SLE ohne bekannte Nierenerkrankung Proteinuriescreening alle 6–12 Monate bzw. bei extrarenalem Schub. Für RheumaTobee gilt als deutscher Standard der 3-Monats-Pfad der DGRh 2025.

Monitoring bei bekannter Lupusnephritis

Bei jedem Kontrollbesuch:

  • Gewicht
  • Blutdruck; häusliche Messungen soweit verfügbar einbeziehen
  • Kreatinin/eGFR
  • Serumalbumin
  • Proteinurie:
  • UPCR für die Routine geeignet ◦ 24-h-Urin bei ausgewählten wichtigen Therapieentscheidungen erwägbar ◦
  • Urinstatus und Urinsediment/Erythrozyturie
  • vollständiges Blutbild
  • C3/C4
  • Anti-dsDNA im Verlauf ergänzend
  • Anti-C1q bei Verfügbarkeit gegebenenfalls zusätzliche Aktivitätsinformation; keine Routinepflicht
  • ACR LN 2024-Ergänzung: Proteinurie mindestens alle 3 Monate bis zum kompletten renalen Ansprechen, anschließend bei anhaltendem kompletten Ansprechen alle 3–6 Monate
  • bei klinischer Verschlechterung oder Therapiewechsel Kontrollen enger als das Routineintervall

Renale Therapieziele und Ansprechen

EULAR LN 2025 – frühe Meilensteine
  • innerhalb von 3 Monaten: Nierenfunktion erhalten oder verbessern
  • nach 3 Monaten: Proteinurie ≥25 % reduziert
  • nach 6 Monaten: Proteinurie ≥50 % reduziert
  • nach 12 Monaten: UPCR <700 mg/g
  • danach: Proteinurie so niedrig wie möglich

Diese Meilensteine dienen der frühen Beurteilung des Therapieansprechens und der rechtzeitigen Re-Evaluation bei unzureichender Verbesserung.

Komplettes renales Ansprechen
  • DGRh 2025: Proteinurie <0,5–0,7 g/d bzw. UPCR <0,5–0,7 g/g bei erhaltener Nierenfunktion als Zielbereich
  • EULAR LN 2025: komplettes renales Ansprechen UPCR <500 mg/g; Nierenfunktion mitbeurteilen. Das 12-Monats-Ziel <700 mg/g ist davon getrennt
  • Studienabhängig kommen weitere eGFR-/Rescue-Bedingungen hinzu; konkrete Definition dokumentieren
  • bei nephrotischer Ausgangsproteinurie kann das Erreichen der Zielwerte länger dauern; Trend, Nierenfunktion und Gesamtkontext berücksichtigen

Rebiopsie der Niere

  • keine routinemäßige Pflicht-Rebiopsie bei jeder klinischen Remission oder vor jedem Absetzen
  • Rebiopsie erwägen, insbesondere bei:
  • klinischer Unsicherheit über Aktivität versus irreversible Schädigung ◦ unzureichendem oder unerwartetem Therapieansprechen ◦ Verschlechterung nierenspezifischer Laborparameter ◦ renalem Rezidiv ◦ geplanter Reduktion bzw. Beendigung einer längerfristigen Immunsuppression, wenn das Ergebnis ◦ die Entscheidung beeinflussen würde
  • klinische komplette Remission schließt persistierende histologische Aktivität nicht sicher aus
  • Ergebnis nur dann in die Therapieentscheidung einbeziehen, wenn eine therapeutische Konsequenz zu erwarten ist

Hydroxychloroquin: Sicherheitsmonitoring

  • Hydroxychloroquin: Augenbasis Monat 0–6 – DGRh Antimalaria 2020; jährlich ab dem 5. Therapiejahr, bei Risikofaktoren ab Beginn – DOG Augen 2025. FI-Abweichung: Kontrollen vor Beginn und alle 3 Monate; Details
  • Hydroxychloroquin – DGRh Antimalaria 2020: CK/LDH vor Beginn und alle 3–6 Monate; neue Schwäche/ Dysphagie oder kardiale Auffälligkeit → gezielte Abklärung
  • Neue Sehstörung: zeitnahe augenärztliche Abklärung unabhängig vom Kontrollintervall

Weitere Kontrollen und Dosisanpassungen: Medikamentenübersicht DGRh Antimalaria 2020 · DOG Augen 2025

Spezifisches Medikamentenmonitoring

  • Rituximab: IgG vor Beginn und vor jedem weiteren Zyklus
  • Cyclophosphamid: nadirbezogenes Blutbild; bei i.v.-Pulsen typischerweise Tag 8–14; Urin auf Hämaturie
  • Tacrolimus/Ciclosporin: Talspiegel, Blutdruck und Nierenfunktion; erneute Beurteilung bei Interaktion oder Formulierungswechsel
  • Voclosporin: Blutdruck und Nierenfunktion; kein routinemäßiges Spiegelmonitoring
  • Scheinbares Therapieversagen: Adhärenz, Infektion und Organschaden prüfen; Medikamentenspiegel bei geeigneter Fragestellung

Weitere Kontrollen und Dosisanpassungen: Medikamentenübersicht

Komorbiditäten und Prävention

  • mindestens jährliche integrierte kardiovaskuläre Risikobewertung
  • berücksichtigen:
  • Blutdruck ◦ Lipide ◦ Diabetes ◦ Rauchen ◦ körperliche Aktivität ◦ persistierende Krankheitsaktivität und Krankheitsdauer ◦ aPL ◦ Nierenbeteiligung/CKD ◦ Glukokortikoidexposition ◦
  • Cave: konventionelle kardiovaskuläre Risikoscores können das SLE-assoziierte Risiko unterschätzen
  • Infektionsrisiko und Impfstatus mindestens jährlich sowie vor relevanten Therapieänderungen
  • Osteoporose-/Frakturrisiko abhängig von Alter, Menopausenstatus und Glukokortikoidexposition
  • reproduktive Gesundheit/Kinderwunsch regelmäßig berücksichtigen
  • Malignomvorsorge nach alters-, geschlechts- und risikoadaptierten Empfehlungen

Schwangerschaft, Kinderwunsch, Kontrazeption und Stillzeit

EULAR Schwangers 2024

Kurzfassung

  • Schwangerschaft bei kontrolliertem SLE/inaktiver Nephritis planen; Aktivität, Nierenfunktion, Anti-Ro/SSA, Anti-La/SSB und aPL präkonzeptionell erfassen.
  • HCQ fortführen; AZA, Ciclosporin, Tacrolimus und erforderliche Glukokortikoide sind geeignete Optionen; Prednisolon möglichst ≤5 mg/d.
  • Belimumab/RTX bei erforderlicher Krankheitskontrolle individuell; Anifrolumab nur bei fehlender wirksamer kompatibler Alternative, Evidenz sehr gering.
  • MMF, MTX und CYC vor Konzeption absetzen; eng begrenzte EULAR Schwangers 2024-Rescue-Ausnahmen für MMF/CYC im 2./3. Trimenon und abweichende deutsche MMF-Empfehlung siehe unten.
  • Voclosporin in Schwangerschaft/Stillzeit vermeiden; Sicherheitsdaten unzureichend.
  • DGRh 2025: LDA für alle SLE-Schwangerschaften, gebräuchlich 100 oder 150 mg/d, möglichst ab Konzeption, spätestens bis SSW 16.
  • SLE + persistierendes Hochrisiko-aPL-Profil: LDA + prophylaktisches NMH nach DGRh 2025; APS-Details auf der APS-Seite.
  • Fetales Monitoring risikoadaptiert; Anti-Ro/La-assoziierte Echostrategien unterscheiden sich zwischen Fachgesellschaften, Nutzen routinemäßiger PR-Intervallmessung unsicher.
  • Stillzeit: HCQ, AZA, Ciclosporin, Tacrolimus und geeignete Glukokortikoide kompatibel; EULAR Schwangers 2024 bewertet bDMARDs grundsätzlich als kompatibel bei unterschiedlicher Evidenz.
  • MMF/CYC/Voclosporin in der Stillzeit vermeiden; MTX ≤25 mg/Woche nur als eng begrenzte EULAR Schwangers 2024-Ausnahme bei fehlender Alternative und mit abweichender FI.
  • Säuglings-Lebendimpfstoffe nach intrauteriner Biologikaexposition anhand Wirkstoff und Expositionszeitpunkt planen; Totimpfstoffe regulär.

Präkonzeptionelle Planung

  • Schwangerschaft möglichst in Remission bzw. bei niedriger Krankheitsaktivität
  • Betreuung durch ein erfahrenes interdisziplinäres Team
  • Vor Konzeption: aktuelle und vorausgegangene SLE-Aktivität; frühere/aktuelle Organmanifestationen insbesondere Lupusnephritis; Nierenfunktion, Proteinurie und Blutdruck; Anti-Ro/SSA, Anti-La/SSB; aPL-Profil; thrombotische/obstetrische Vorgeschichte; kardiovaskuläre und weitere Schwangerschaftsrisiken; gesamte Medikation
  • Bei relevanter aktiver Erkrankung Schwangerschaft nach Möglichkeit bis zur ausreichenden Krankheitskontrolle verschieben
  • Relevante Krankheitsaktivität in den vorausgehenden 6–12 Monaten erhöht das Schwangerschaftsrisiko

SLE-Therapie in der Schwangerschaft

  • Hydroxychloroquin: fortführen bzw. bereits vor Konzeption neu einleiten
  • Azathioprin, Ciclosporin, Tacrolimus: zur Prophylaxe bzw. Therapie von SLE-Schüben einsetzbar
  • Glukokortikoide: Prednisolon bevorzugen; niedrigste wirksame Dosis; nach EULAR Schwangers 2024 möglichst ≤5 mg/d bzw. absetzen; bei schwerem Schub i.v. Methylprednisolon-Pulse möglich
  • Belimumab und Rituximab: vor Konzeption und während der Schwangerschaft bei erforderlicher Krankheitskontrolle nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung einsetzbar
  • Anifrolumab: sehr begrenzte Daten; nur wenn keine schwangerschaftskompatible Alternative die maternale Erkrankung ausreichend kontrolliert

Teratogene bzw. unzureichend untersuchte Therapien

  • Mycophenolat
  • teratogen; vor geplanter Schwangerschaft absetzen ◦ EULAR 2023: 1,5 Monate vor Konzeption ◦ keine Anwendung im 1. Trimenon ◦ EULAR Schwangers 2024: bei schwerer, refraktärer maternaler Erkrankung kann Mycophenolat im ◦ 2. oder 3. Trimenon erwogen werden Voraussetzung nach EULAR Schwangers 2024: nur wenn keine andere wirksame ◦ schwangerschaftskompatible Option verfügbar ist; Einsatz insbesondere bei organ- oder lebensbedrohlicher Erkrankung; sehr begrenzte Daten DGRh 2025 – abweichend: Mycophenolat in der Gravidität vermeiden ◦ (Off-Label) – Indikation SLE/Lupusnephritis; die EULAR Schwangers 2024-Ausnahme ist keine ◦ Zulassung in der Schwangerschaft daraus ergibt sich keine allgemeine Schwangerschaftskompatibilität ◦
  • Cyclophosphamid
  • teratogen; EULAR 2023: 3 Monate vor Konzeption absetzen ◦ EULAR Schwangers 2024: bei schwerer, refraktärer maternaler Erkrankung im 2. oder 3. Trimenon ◦ erwägbar Voraussetzung nach EULAR Schwangers 2024: wenn keine andere wirksame ◦ schwangerschaftskompatible Option verfügbar ist, insbesondere bei organ- oder lebensbedrohlicher Erkrankung; begrenzte Daten DGRh 2025: im 1. Trimenon vermeiden; im 2./3. Trimenon schweren, lebensbedrohlichen oder ◦ refraktären SLE-Manifestationen vorbehalten Fertilitätsprotektion bei präkonzeptioneller Anwendung berücksichtigen ◦
  • Methotrexat
  • teratogen; EULAR 2023: 1–3 Monate vor Konzeption absetzen ◦ regulatorische Kontrazeptionsfristen der konkreten Fachinformation zusätzlich beachten ◦
  • Voclosporin
  • in der Schwangerschaft vermeiden ◦ Begründung: unzureichende Sicherheitsdaten, nicht nachgewiesene Teratogenität ◦ sehr begrenzte Daten ◦

Präeklampsie- und aPL-Prophylaxe

  • Alle SLE-Schwangerschaften nach DGRh 2025: LDA
  • Präeklampsieprophylaxe ◦ Beginn möglichst zur Konzeption, spätestens bis SSW 16 ◦ gebräuchliche Dosierungen: 100 oder 150 mg/d ◦ optimale Dosierung nicht abschließend geklärt ◦ DGRh 2025-spezifische Erweiterung gegenüber der älteren europäischen Women's-Health- ◦ Empfehlung
  • SLE mit Hochrisiko-aPL-Profil: LDA + prophylaktisches NMH nach DGRh 2025
  • Manifestes obstetrisches oder thrombotisches APS: vollständige Behandlung → Antiphospholipidsyndrom (APS)

Fetales und maternales Monitoring

  • Hochrisikoschwangerschaftsbetreuung
  • Krankheitsaktivität, Blutdruck, Nierenfunktion und Proteinurie im Verlauf
  • Ultraschall 11–14 SSW
  • Zweittrimester-Ultraschall einschließlich Doppler, bevorzugt 20–24 SSW
  • im 3. Trimenon zusätzliche Biometrie-/Doppler-Kontrollen abhängig von maternaler und fetaler Situation
  • kein starrer monatlicher Ultraschallplan für jede SLE-Schwangerschaft

Anti-Ro/SSA und Anti-La/SSB

  • Bei Verdacht auf fetale Rhythmusstörung/Myokarditis, besonders bei maternalen Anti-Ro52/Ro60-SSA oder Anti-La/SSB: fetale Echokardiographie.
  • ACR LN 2024, bedingt: ohne zuvor betroffenes Kind serielle Echokardiographie seltener als wöchentlich, optimaler Abstand unklar; nach zuvor durch CHB/anderen neonatalen Lupus betroffenem Kind wöchentlich. Zeitraum jeweils SSW 16–18 bis 26.
  • Abweichend SMFM 2023 im SLE-Kontext: keine routinemäßigen seriellen fetalen Echokardiographien allein zur PR-Intervallmessung außerhalb klinischer Studien. Nutzen einer solchen Screeningstrategie unsicher; Vorgehen mit spezialisierter Geburtshilfe abstimmen.
  • Kein pauschaler prophylaktischer Glukokortikoideinsatz allein bei Antikörperpositivität; gesicherte fetale Auffälligkeiten benötigen einen eigenen interdisziplinären Behandlungspfad.

Postpartal

  • SLE-Aktivität und Therapie nach Entbindung erneut beurteilen
  • bei während der Schwangerschaft prophylaktisch gegebenem Heparin: Fortführung für 6 Wochen postpartal nach DGRh 2025
  • thrombotisches/obstetrisches APS: Antikoagulationsstrategie nach APS-Seite
  • Stillwunsch bereits vor Entbindung bei der medikamentösen Planung berücksichtigen

Kontrazeption

  • effektive Kontrazeption insbesondere bei aktiver Erkrankung und teratogener Therapie besprechen
  • IUD grundsätzlich möglich, sofern keine gynäkologische Kontraindikation
  • stabile/inaktive Erkrankung ohne aPL: kombinierte Östrogen-/Gestagen-Kontrazeption möglich
  • aPL-Positivität bzw. APS: kombinierte östrogenhaltige Kontrazeption nicht empfehlen; Gestagen-Monopräparate nach individuellem Thromboserisiko erwägen

Stillzeit

  • Kompatibel: Hydroxychloroquin, Azathioprin, Ciclosporin, Tacrolimus, Prednisolon, i.v. Methylprednisolon und IVIG
  • EULAR Schwangers 2024: alle bDMARDs grundsätzlich als stillkompatibel, jedoch mit substanzabhängig sehr unterschiedlicher Evidenz
  • Mycophenolat, Cyclophosphamid und Voclosporin: Stillzeit vermeiden
  • Methotrexat: EULAR Schwangers 2024 ≤25 mg/Woche ausnahmsweise erwägbar, wenn keine stillkompatible Alternative verfügbar ist; begrenzte Daten; abweichende Fachinformationen separat berücksichtigen

Säuglingsimpfungen nach intrauteriner Biologikaexposition

  • Totimpfstoffe: reguläres Impfprogramm
  • EULAR Schwangers 2024: nach TNFi-Exposition Rotavirus nach üblichem Schema möglich; BCG nach relevanter später transplazentarer Exposition sechs Monate verschieben; Certolizumab wegen minimaler Passage gesondert.
  • Abweichende Infliximab-Fachinformation: Lebendimpfstoffe nach intrauteriner Exposition grundsätzlich zwölf Monate nicht empfohlen; frühere Gabe nur unter den genannten Ausnahmebedingungen. Zusätzlicher Hinweis bei Exposition über die Stillzeit. Konkrete Gegenüberstellung und pädiatrische Planung im Querschnittsmodul
  • Nicht-TNFi-bDMARD im 2./3. Trimenon: wegen begrenzter Daten Lebendimpfstoffe für 6 Monate verschieben

Quellen und Links

Wechselwirkungen

Methotrexat und Cotrimoxazol

Anwendung bei Erwachsenen Empfehlung
Antibiotische Therapiedosis, z. B. Trimethoprim/ Sulfamethoxazol 160/800 mg zweimal täglich Kombination mit MTX nicht einsetzen; Risiko schwerer Panzytopenie
PJP-Prophylaxe: Trimethoprim/Sulfamethoxazol 160/800 mg dreimal wöchentlich Kombination mit niedrig dosiertem MTX möglich; Datenbasis: retrospektive Fall-Kontroll-Studie
  • 160/800 mg Trimethoprim/Sulfamethoxazol = 960 mg Cotrimoxazol pro Einnahme
  • Bei Kombination: Blutbild und Nierenfunktion überwachen; bei Mukositis, Fieber oder neuen Blutungszeichen sofortige Abklärung

Weitere Methotrexat-Interaktionen

Komedikation Vorgehen
Penicilline, z. B. Amoxicillin MTX während der Antibiotikagabe pausieren; verminderte MTX-Clearance / erhöhte Toxizität
Metamizol Kombination vermeiden; erhöhtes Risiko hämatologischer Toxizität
ASS ≥2 g/d Kombination vermeiden; 80–100 mg/d zur Thrombozytenaggregationshemmung möglich
Probenecid Kombination meiden; reduzierte renale MTX-Ausscheidung
NSAR/Coxibe Kombination nach Nierenfunktion beurteilen; bei eingeschränkter/instabiler Nierenfunktion erhöhtes MTX-Toxizitätsrisiko
Leflunomid Kombination mit verstärkter Kontrolle von Blutbild/ Transaminasen möglich; Leflunomid-FI: gleichzeitige hepato-/ hämatotoxische DMARDs nicht ratsam
Isoniazid Kombination bei Indikation möglich; Transaminasen kontrollieren
Sulfasalazin/Hydroxychloroquin Kombination in rheumatologischen Standarddosierungen möglich; Folsäuresupplementation zu MTX
Protonenpumpenhemmer geringe klinische Relevanz bei rheumatologischer MTX-Dosis

Hydroxychloroquin

Komedikation Vorgehen
Azithromycin Kombination nicht einsetzen; erhöhtes kardiales Risiko
Weitere QT-verlängernde Arzneimittel Alternativen, Elektrolyte und EKG prüfen; Entscheidung nach konkreter Kombination und kardialem Risiko
Tamoxifen FI: Kombination nicht empfohlen; bei dennoch erforderlicher Kombination jährliches Retinopathiescreening ab Beginn
Digoxin Möglicher Spiegelanstieg; Spiegelkontrolle und ggf. Dosisanpassung; klinische Evidenz begrenzt
Ciclosporin Möglicher Spiegelanstieg; Talspiegelkontrolle
Insulin/Antidiabetika Hypoglykämierisiko; Glukosekontrolle, ggf. Dosisreduktion des Antidiabetikums

Dosierung und Organkontrollen: Antimalariamittel

Sulfasalazin

  • Eisen: zeitlich getrennte Einnahme; Chelatbildung / verminderte Sulfasalazinresorption
  • Digoxin: mögliche verminderte Resorption; bei Beginn/Absetzen Wirkung und ggf. Spiegel kontrollieren
  • Folsäure: verminderte Resorption; Supplementation besonders bei MTX-Kombination und Schwangerschaft
  • Ciclosporin: Talspiegel kontrollieren, Dosis nach Spiegel/Verträglichkeit; Evidenz zur Interaktion begrenzt

Leflunomid

  • MTX: additive Hepato-/Hämatotoxizität; FI-Abweichung
  • Vitamin-K-Antagonisten: engmaschigere INR-Kontrollen bei Beginn, Dosisänderung und Absetzen
  • Rosuvastatin: laut FI höchstens 10 mg/d bei Kombination
  • Repaglinid: verstärkte Wirkung möglich; Glukosekontrolle
  • Colestyramin/Aktivkohle: beschleunigte Elimination des aktiven Metaboliten; gezielt zum Auswaschen

JAK-Inhibitoren: Interaktionen

Erwachsenendosen für rheumatologische Anwendungen

Wirkstoff / Komedikation Empfehlung / aktuelle Fachinformation
Tofacitinib + starker CYP3A4-Hemmer, z. B. Ketoconazol; oder kombinierte mäßige CYP3A4-/starke CYP2C19-Hemmung, z. B. Fluconazol Von 5 mg zweimal täglich bzw. 11 mg Retard einmal täglich auf 5 mg Filmtablette einmal täglich reduzieren
Tofacitinib + Rifampicin Kombination nicht empfohlen; Wirkverlust möglich
Upadacitinib + starker CYP3A4-Hemmer 15 mg/d mit Vorsicht; bei langfristiger Komedikation Alternative zum Hemmer erwägen
Upadacitinib + Rifampicin/Phenytoin Wirkverlust möglich; Krankheitsaktivität kontrollieren
Baricitinib + Probenecid 2 mg/d bei Erwachsenen; pädiatrisch Halbierung der gewichtsbezogenen Dosis
Baricitinib + Leflunomid Möglicher Expositionsanstieg; Vorsicht; klinische Bedeutung unklar
Filgotinib + Itraconazol Kombination meiden; wenn möglich Filgotinib pausieren (Kategorie B). FI abweichend: keine Dosisanpassung erforderlich
Filgotinib + Rifampicin Kombination mit erhöhter Überwachung, ggf. Dosisanpassung (Kategorie C). FI: keine Dosisanpassung erforderlich
  • Grapefruit unter Upadacitinib: vermeiden
  • JIA unter Tofacitinib: bei den oben genannten CYP-Hemmern gewichtsbezogene Einzeldosis nur einmal statt zweimal täglich; unter Baricitinib + Probenecid gewichtsbezogene Dosis halbieren

Nierenfunktion, Leberfunktion und Alter

Wirkstoff Konkrete Anpassung / Quellenunterschied
MTX GFR ≤45 ml/min → von Anwendung abraten; bei >45 bis 60 ml/ min reduzierte Initialdosis, höchstens 10 mg/Woche, erwägen. FI: CrCl 30–59 ml/min → 50 %; CrCl <30 ml/min → kontraindiziert
HCQ DGRh Antimalaria 2020: GFR <30 ml/min → höchstens 3 mg/kg tatsächliches Körpergewicht/d. Bei Lupusnephritis abweichende DGRh SLE 2025-Regel: 50 % Dosisreduktion; SLE/ Lupusnephritis
Leflunomid unveränderte Dosis auch bei Niereninsuffizienz/Dialyse. EU-FI: mäßige/schwere Niereninsuffizienz kontraindiziert; Anwendung entgegen dieser Vorgabe (Off-Label)
Sulfasalazin Tabelle 6: ab 65 Jahren 1.000–1.500 mg/d; Tabelle 7: GFR ≤30 ml/min → kontraindiziert. Geprüfte FI abweichend: keine altersbedingte Dosisreduktion; leichte/mäßige Niereninsuffizienz → Vorsicht; schwere Niereninsuffizienz → kontraindiziert, ohne numerische GFR-Grenze
Tofacitinib CrCl <30 ml/min oder Child-Pugh B → 5 mg einmal täglich statt 5 mg zweimal täglich bzw. 11 mg Retard; Child-Pugh C → kontraindiziert
Baricitinib CrCl 30–60 ml/min → 2 mg/d, <30 ml/min → nicht empfohlen
Filgotinib CrCl 15–<60 ml/min → 100 mg/d, <15 ml/min → nicht empfohlen
Upadacitinib eGFR 15–<30 ml/min/1,73 m² → 15 mg/d mit Vorsicht; terminale Niereninsuffizienz → nicht empfohlen
  • Messgröße: GFR/eGFR und CrCl entsprechend der jeweiligen Quelle; dynamische Nierenfunktionsänderung zusätzlich berücksichtigen
  • JAKi ab 65 Jahren: nur ohne geeignete Alternative; zusätzliche Auswahlbeschränkungen bei kardiovaskulärem-/Malignomrisiko und langjähriger Rauchanamnese
  • RA ab 65 Jahren: Baricitinib zunächst 2 mg/d, Filgotinib 100 mg/d; weitere Anpassung nach Wirksamkeit/ Risiko. Die frühere Altersgrenze von 75 Jahren ist durch aktuelle FI-Angaben überholt
  • Baricitinib/Filgotinib: schwere Leberinsuffizienz → nicht empfohlen; Upadacitinib: Child-Pugh C → kontraindiziert

Kategorien: A = gefährliche Kombination; B = Kombination meiden, wenn möglich DMARD-Pause; C = Kombination mit zusätzlicher Überwachung/ggf. Dosisanpassung; D = in Standarddosierungen ohne relevante Interaktion nach damaliger Bewertung

Quellen und Links