Mycophenolat-Mofetil (MMF)
Kurzzusammenfassung
IndikationenLupusnephritis und weitere rheumatologische Anwendungen (Off-Label); zugelassen zur Transplantationsabstoßungsprophylaxe.
DosierungLupusnephritis: Induktion 2–3 g MMF/Tag, Erhaltung 1–2 g/Tag nach G-BA/DGRh; Transplantationsschemata präparatespezifisch.
Gegenanzeigen (Auswahl)Schwangerschaft bei rheumatologischer Anwendung; Stillzeit; bei gebärfähigen Frauen fehlende hochwirksame Verhütung oder Beginn ohne negativen Schwangerschaftstest.
Besondere SicherheitsmaßnahmenBlutbild, Leberwerte, Infektionen, gastrointestinale Beschwerden und strenge Verhütung; G-BA-Verordnungsfähigkeit im Off-Label-Abschnitt.
Wirkmechanismus

Mycophenolatmofetil wird zu Mycophenolsäure (MPA) umgewandelt. MPA hemmt selektiv, reversibel und nicht kompetitiv die Inosinmonophosphatdehydrogenase und damit die De-novo-Guanosinnukleotidsynthese; besonders betroffen sind T- und B-Lymphozyten. [1]

Rheumatologische Anwendungen (Off-Label)

SLE außerhalb der Niere: Bei unzureichender Kontrolle unter Hydroxychloroquin und maximal 5 mg/Tag Prednisolon-Äquivalent als immunsuppressive Therapieoption (Off-Label). [2]

Aktive proliferative Lupusnephritis – deutsche S3: Mycophenolat zusammen mit Glukokortikoiden; eine initiale Kombination mit Belimumab oder einem Calcineurin-Inhibitor sollte abgewogen werden. Mycophenolat bei Lupusnephritis (Off-Label) – Indikation.[2]

EULAR-LN 2025: Für aktive LN, besonders bei ungünstigen Prognosefaktoren, frühe Kombination aus Mycophenolat und Belimumab, Voclosporin/Tacrolimus oder Obinutuzumab empfohlen, jeweils mit Glukokortikoiden. Mycophenolat als einziges zusätzliches Immunsuppressivum bleibt eine Alternative. Zulassungsbereich und Organfunktionsgrenzen des Kombinationspartners separat beachten.[3]

Systemische Sklerose mit ILD: MMF kann eingesetzt werden; auch die Kombination mit Nintedanib wird vorgeschlagen. (Off-Label) – MMF bei SSc-ILD. [4]

Lupusnephritis – G-BA-Anlage VI: Die Off-Label-Verordnung zur Induktion und Erhaltung der Lupusnephritis ist unter den Bedingungen der Anlage VI verordnungsfähig. Bei Klasse III/IV ist MMF/MPA eine Alternative zu Cyclophosphamid zur Induktion und zu Azathioprin zur Erhaltung; bei Klasse V ist MMF/MPA das bevorzugte Immunsuppressivum. [5]

G-BA-Dosierungen: Induktion 2.000–3.000 mg Mycophenolat-Mofetil pro Tag; Erhaltung 1.000–2.000 mg pro Tag, entsprechend 720–1.440 mg Mycophenolsäure. Nach klinischer und renaler Remission mindestens 36 Monate fortführen. [5]

Erstattungsvoraussetzung: Im G-BA-Off-Label-Kontext sind Hersteller mit Anerkennung der bestimmungsgemäßen Anwendung und Haftungsübernahme verordnungsfähig: Accord Healthcare GmbH, AxiCorp Pharma GmbH, B2B Medical GmbH, kohlpharma GmbH, MTK-PHARMA-Vertriebs-GmbH, Novartis Pharma GmbH, Oripharm GmbH, Pharma Gerke Arzneimittelvertriebs GmbH, Roche Registration GmbH, Teva GmbH und Teva Pharma B.V. Andere Mycophenolat-Produkte sind für diese G-BA-Indikation nicht automatisch erstattungsfähig. [5]

Zugelassene Transplantationsindikationen

Nierentransplantation: Prophylaxe akuter Abstoßungsreaktionen nach allogener Transplantation, mit Ciclosporin und Corticosteroiden. Orale CellCept-Formen auch bei 1–18 Jahren; i.v.-Form nur für Erwachsene. [1]

Herztransplantation: Prophylaxe akuter Abstoßungsreaktionen nach allogener Transplantation, mit Ciclosporin und Corticosteroiden. Zugelassen sind orale CellCept-Formen, auch bei 1–18 Jahren. [1]

Lebertransplantation: Prophylaxe akuter Abstoßungsreaktionen nach allogener Transplantation, mit Ciclosporin und Corticosteroiden. Orale CellCept-Formen auch bei 1–18 Jahren; i.v.-Form nur für Erwachsene. [1]

Dosierung und Anwendung

Rheumatologische Dosierung: Individuell nach Erkrankung und Verträglichkeit. Der DGRh-Arztbogen nennt als empfohlene Höchstdosis 2 g/Tag; in Studien wurden bis 3 g/Tag eingesetzt (Off-Label). [6]

Aktive proliferative Lupusnephritis: Initial 2–3 g MMF/Tag oral, zusammen mit Glukokortikoiden; Dosis nach Wirkung, Verträglichkeit und gegebenenfalls MPA-Exposition anpassen. Nach renalem Ansprechen Mycophenolat beziehungsweise die wirksame Mycophenolat-Kombination fortführen; Behandlung mindestens 3 Jahre nach renalem Ansprechen. Erhaltungsdosis entsprechend Regime und Toxizität. (Off-Label) – Mycophenolat bei Lupusnephritis.[2][3]

Zugelassene Transplantationsdosierung

TransplantatDosierung
Niere1 g p.o. zweimal täglich, Beginn innerhalb von 72 Stunden.
Herz1,5 g p.o. zweimal täglich, Beginn innerhalb von 5 Tagen.
LeberIn den ersten 4 Tagen 1 g i.v. zweimal täglich; anschließend sobald verträglich 1,5 g p.o. zweimal täglich.

Formabhängige i.v.-Anwendung siehe CellCept-Infusionspulver. [1]

Umstellung auf Mycophenolsäure: 720 mg Mycophenolsäure entsprechen nach DGRh 1.000 mg MMF. Orale Formulierungen nur unter klinischer Überwachung wechseln. [6][1]

Versäumte Dosis: Möglichst bald nachholen und anschließend zur gewohnten Zeit fortfahren; keine doppelte Dosis anwenden. [1]

Pädiatrische Dosierungen

Transplantationsprophylaxe, 1–18 Jahre: Orale Anwendung; Dosis und Form nach Körperoberfläche, klinischem Ansprechen und Verträglichkeit. [1]

TransplantatDosierung p.o.
Niere600 mg/m² KOF zweimal täglich zur Einleitung und Erhaltung; maximal 2 g/Tag.
Herz / LeberInitial 600 mg/m² KOF zweimal täglich, maximal 2 g/Tag. Bei guter Verträglichkeit und unzureichender Immunsuppression bis 900 mg/m² zweimal täglich, maximal 3 g/Tag.

Darreichungsform: Bei KOF <1,25 m² oder fehlender Schluckfähigkeit Suspension verwenden. Bei KOF 1,25–1,5 m² können Kapseln mit 750 mg zweimal täglich, bei KOF >1,5 m² Kapseln/Tabletten mit 1 g zweimal täglich verordnet werden; die individuelle Anpassung für Herz-/Lebertransplantation beachten. [1]

Dosisanpassung

Rheumatologische Anwendung: Nach DGRh innerhalb der empfohlenen Höchstdosis von 2 g/Tag keine Dosisreduktion allein wegen Nieren- oder Leberfunktionsstörung. Schwere Organschäden gesondert berücksichtigen. [6]

CellCept bei Nierentransplantation: Bei chronischer GFR <25 ml/min/1,73 m² außerhalb der unmittelbaren postoperativen Phase Dosen >1 g zweimal täglich vermeiden und sorgfältig überwachen. Bei verzögerter Transplantatfunktion keine Dosisanpassung. [1]

CellCept bei Leberfunktionsstörung: Bei Nierentransplantation mit schwerem Leberparenchymschaden keine Dosisanpassung; für Herztransplantation mit schwerem Leberparenchymschaden liegen keine entsprechenden Daten vor. [1]

Vor Therapiebeginn

Basis: Aktive Infektion ausschließen, Impfstatus prüfen; großes Blutbild, AST/GOT, ALT/GPT und Kreatinin. Hepatitis-C-Screening; BSG/CRP separat zur Krankheitsaktivität. [6]

Schwangerschaft: Bei gebärfähigen Frauen zwei negative Serum- oder Urintests vor Beginn; zweiten Test 8–10 Tage nach dem ersten. Hochwirksame Kontrazeption sicherstellen. [1]

Tuberkulose – DZK: Risikobezogene Abklärung bei csDMARD-Therapie; Exposition, Vorerkrankung und zusätzliche Immunsuppression berücksichtigen. Bei indizierter LTBI-Prävention kürzere Rifamycin-Schemata bevorzugen: Rifampicin 4 Monate oder Rifampicin plus Isoniazid 3 Monate; alternativ Isoniazid 9 Monate. Aktive Tbc zuvor ausschließen. [7]

HBV-Screening: HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs; bei HBsAg+ oder Anti-HBc+ zusätzlich HBV-DNA. [8]

HBV-StatusRisiko und Vorgehen
HBsAg+ oder HBsAg−/Anti-HBc+ mit HBV-DNA+ vor TherapiebeginnNiedrig (<1 %): Überwachung; bei erhöhtem Gesamtrisiko Prophylaxe erwägen. [9]
HBsAg−/Anti-HBc+; HBV-DNA−Niedrig (<1 %): Überwachung; bei erhöhtem Gesamtrisiko Prophylaxe erwägen. [9]

Gesamtrisiko: Glukokortikoiddosis/-dauer, weitere Immunsuppression sowie Chemo-/Transplantationsregime berücksichtigen. Anti-HBs+ schließt bei Anti-HBc+ eine Reaktivierung nicht aus. Wenn erforderliche HBV-Kontrollen nicht gesichert sind: Prophylaxe. [8][9]

Kontrollen ohne Prophylaxe: Bei HBsAg+ und niedrigem Gesamtrisiko HBV-DNA/ALT spätestens alle 8 Wochen; bei HBsAg−/Anti-HBc+/HBV-DNA− HBsAg, HBV-DNA und ALT alle 1–3 Monate. Bei neuem DNA-Nachweis oder HBsAg-Reversion sofort antiviral behandeln, vor Hepatitis. [8]

Prophylaxe: Entecavir oder Tenofovir (TDF/TAF) vor Immunsuppression beginnen, währenddessen und danach 6–12 Monate (bei B-Zell-Depletion mindestens 18 Monate) fortführen. Nach Absetzen weiter überwachen; bei eigenständiger HBV-Therapieindikation länger behandeln. [8]

Impfung: Bei HBsAg−/Anti-HBc− und fehlendem Impfschutz möglichst vor Immunsuppression impfen; Schema und Erfolgskontrolle. [8][10]

Kontrollen

Rheumatologische Anwendung: Großes Blutbild, AST/GOT und ALT/GPT in den ersten 3 Monaten etwa alle 4 Wochen, bei stabil normalen Werten anschließend alle 8–12 Wochen. Auf Infektionen, Hautveränderungen, Fieber und Durchfälle achten; BSG/CRP zur Aktivitätskontrolle. [6]

CellCept im Transplantationssetting: Vollständiges Blutbild im ersten Monat wöchentlich, im zweiten und dritten Monat zweimal monatlich, anschließend monatlich für die restlichen 9 Monate des ersten Jahres. [1]

Pause nach DGRh: Bei absoluten Lymphozyten < ca. 500/µl, absoluten Neutrophilen < ca. 1.300/µl oder Hb < ca. 8 g/dl; Wiederbeginn nach Normalisierung. [6]

Fachinformation: Bei Neutropenie mit absoluten Neutrophilen <1.300/µl Unterbrechung oder Beendigung erwägen. [1]

Wiederkehrende Infektionen: Serum-Immunglobuline bestimmen; bei anhaltender klinisch relevanter Hypogammaglobulinämie Therapieanpassung erwägen. [1]

Wirkbeginn und Therapiebeurteilung

Indikationsabhängig etwa 4–8 Wochen. Bei unzureichender Wirkung nach 3–6 Monaten Fortführung rheumatologisch überprüfen. [6]

Gegenanzeigen

Fachinformation: Überempfindlichkeit gegen MMF, MPA oder Bestandteile; gebärfähige Frauen ohne hochwirksame Verhütung beziehungsweise Therapiebeginn ohne negativen Schwangerschaftstest; Stillzeit. Schwangerschaft außer bei fehlender geeigneter Alternative zur Transplantatabstoßungsprophylaxe. [1]

DGRh bei rheumatologischer Anwendung: Schwere Leber-, Nieren- oder Knochenmarksschäden und aktive Infektion als Gegenanzeigen beachten. [6]

Weitere Vorsicht: Bei aktiver schwerwiegender gastrointestinaler Erkrankung nur vorsichtig anwenden. Bei erblichen HGPRT-Mangelsyndromen (Lesch-Nyhan/Kelley-Seegmiller) nicht anwenden. [1]

Nebenwirkungen und Maßnahmen

Häufige Beschwerden: Diarrhö, Übelkeit, Erbrechen, Infektionen und Zytopenien. Schwere/opportunistische Infektionen, gastrointestinale Ulzera, Blutung oder Perforation sind möglich. [1]

Pulmonale Beschwerden: Anhaltenden Husten oder Dyspnoe abklären; Bronchiektasen, interstitielle Lungenerkrankung und Lungenfibrose wurden berichtet. Bei neurologischen Symptomen PML berücksichtigen. [1]

Malignome: Unter kombinierter Immunsuppression erhöhtes Risiko für Lymphome und Hautmalignome; UV-Exposition begrenzen und Hautschutz verwenden. [1]

Wechselwirkungen

PPI/Antazida: Verminderte MPA-Exposition. DGRh empfiehlt 2 Stunden Einnahmeabstand; die CellCept-FI beschreibt die Expositionsminderung ohne allgemeines Abstandsschema für diese Kombination. [6][1]

Sevelamer: MMF mindestens 1 Stunde vorher oder 3 Stunden danach einnehmen. [1]

Rifampicin: MPA-Exposition kann abnehmen; Exposition überwachen und MMF-Dosis gegebenenfalls anpassen. Colestyramin, bestimmte Antibiotika und Ciclosporin beeinflussen den enterohepatischen Kreislauf; bei Wechseln der Begleitmedikation Expositionsänderungen beachten. [1]

Aciclovir/Ganciclovir und Prodrugs: Bei Niereninsuffizienz sorgfältig überwachen; erhöhte Spiegel der antiviralen Substanz beziehungsweise des MPA-Metaboliten MPAG sind möglich. Ganciclovir-Dosierung an die Nierenfunktion anpassen. [1]

Azathioprin: Gleichzeitige Anwendung nicht empfohlen. [1]

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: Teratogen; 1,5 Monate vor Konzeption absetzen und auf eine schwangerschaftsverträgliche Therapie umstellen. Bei schwerer therapierefraktärer organ- oder lebensbedrohlicher mütterlicher Erkrankung und fehlender wirksamer Alternative im 2./3. Trimenon erwägen (Off-Label) – rheumatologische Indikation. [11]

Stillzeit: Wegen unzureichender Sicherheitsdaten eine stillverträgliche Alternative wählen. [11]

Väterlicher Kinderwunsch: Fortführung möglich. [11]

Fachinformation – Frauen: Mindestens eine hochwirksame Verhütungsmethode vor Beginn, während und 6 Wochen nach Ende; bevorzugt zwei sich ergänzende Methoden. Schwangerschaft und Stillzeit sind kontraindiziert; die FI-Ausnahme in der Schwangerschaft betrifft ausschließlich fehlende Alternativen zur Transplantatabstoßungsprophylaxe. [1]

Fachinformation – Männer: Sexuell aktive Patienten oder ihre Partnerinnen sollen während und mindestens 90 Tage nach Behandlung hochwirksam verhüten. Keine Samenspende während und 90 Tage danach. [1]

Fachinformation – Exposition in der Schwangerschaft: Erhöhte Raten spontaner Fehlgeburten (45–49 %) und Fehlbildungen bei Lebendgeburten (23–27 %) wurden berichtet; bei Schwangerschaft unverzüglich spezialisierte Beratung und Therapieüberprüfung. [1]

Impfungen

Nichtlebendimpfstoffe: Möglich; Impfantwort kann abgeschwächt sein. Wenn möglich mindestens 2, besser 4 Wochen vor Beginn vervollständigen. [12]

Lebendimpfstoffe: Nach Fachinformation unter Behandlung vermeiden. Bei >2 g/Tag mindestens 4 Wochen vor Beginn oder frühestens 2 Monate nach Therapieende. Bei ≤2 g/Tag können MMR-, MMR-V- oder Varizellenimpfungen mit den in den Anwendungshinweisen genannten Impfstoffen nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung in stabiler Krankheitsphase erwogen werden (Off-Label). [1][12]

Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe

Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [10]

ImpfungIndikation / Schema
InfluenzaJährlich bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren; inaktivierter Impfstoff, ab 60 Jahren Hochdosis- oder MF59-adjuvantiert.
COVID-19Jährlich bei relevanter Immunsuppression/weiterem Risikofaktor oder ab 75 Jahren, bevorzugt Spätsommer/Frühherbst. Bei ausgeprägter Immundefizienz zusätzliche Dosen/verkürzte Abstände individuell. [13]
Pneumo­kokkenPCV20 bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren. Nach PCV13/15 ≥1 Jahr; nach PPSV23 ≥6 Jahre, bei ausgeprägter Immundefizienz gegebenenfalls ≥1 Jahr.
Herpes zosterAb 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression.
Hepatitis BBei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l.
RSVEinmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/Immundefizienz oder Pflegeheimbewohnenden. Möglichst vor der RSV-Saison.

Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [10]

Operationen

DGRh: MMF in der Regel 1–2 Tage vor Eingriff pausieren; bei hohem Schubrisiko kann die Fortführung angezeigt sein. [14]

ACR/AAHKS – elektive Hüft-/Knieendoprothetik: Bei schwerem SLE in Abstimmung mit dem behandelnden Rheumatologen fortführen; bei nicht schwerem SLE 1 Woche vor dem Eingriff pausieren. Wiederbeginn nach ausreichender Wundheilung ohne lokale oder anderweitige Infektion, typischerweise nach etwa 14 Tagen. [15]

Alltag und Handhabung

Handhabung: Kapseln nicht öffnen oder zerdrücken; Filmtabletten nicht zerkleinern. Pulver nicht einatmen und Haut-/Schleimhautkontakt vermeiden. Bei Kontakt Haut mit Wasser und Seife, Augen mit klarem Wasser spülen. [1]

Blutspende: Während und mindestens 6 Wochen nach Ende unterlassen. Sonnenschutz und schützende Kleidung verwenden. [1]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

CellCept 250 mg Kapseln / 500 mg Filmtabletten

Anwendung: Orale Transplantationsindikationen einschließlich 1–18 Jahren; KOF und Schluckfähigkeit beachten. Kapseln höchstens 25 °C, Filmtabletten höchstens 30 °C, jeweils in Originalverpackung vor Feuchtigkeit geschützt lagern. [1]

CellCept 1 g/5 ml Suspension zum Einnehmen

Konzentration: Nach Rekonstitution 200 mg/ml. Vor Gebrauch schütteln. Enthält Aspartam, Sorbitol und Methyl-4-hydroxybenzoat; bei Phenylketonurie Vorsicht, bei hereditärer Fructoseintoleranz nicht anwenden. Pulver und zubereitete Suspension höchstens 30 °C; nach Zubereitung 2 Monate haltbar. [1]

CellCept 500 mg Infusionspulver

Indikation: Nur bei Erwachsenen nach Nieren- oder Lebertransplantation. Erste Dosis innerhalb von 24 Stunden, Anwendung bis zu 14 Tage. Jeweils 1 g zweimal täglich als langsame i.v.-Infusion über 2 Stunden, niemals als Bolus; nach Lebertransplantation in den ersten 4 Tagen i.v., danach sobald verträglich oral. [1]

Zubereitung: Endkonzentration 6 mg/ml nach Rekonstitution und Verdünnung mit Glucose 5 %. Enthält 25 mg Polysorbat 80 je Durchstechflasche; bei Polysorbat-80-Allergie kontraindiziert. Ungeöffnet höchstens 30 °C; zubereitete Lösung bei 15–30 °C, Infusionsbeginn spätestens 3 Stunden nach Rekonstitution/Verdünnung. [1]

Myfortic 180 mg / 360 mg magensaftresistente Tabletten (Novartis)

Mycophenolsäure-Natrium; die MPA-Dosis ist nicht milligrammgleich mit MMF. Für eine Umstellung und die G-BA-Dosierung die MPA-Äquivalenz und aktuelle Fachinformation beachten. [5]

Mycophenolat Mofetil Accord 250 mg / 500 mg

Mycophenolat-Mofetil-Präparat eines in Anlage VI genannten Herstellers; im G-BA-Kontext die dortigen Anerkennungs- und Haftungsbedingungen beachten. [5]

Überdosierung und Antidot

Übermäßige Immunsuppression, Infektionen und Knochenmarksuppression sind möglich. Bei Neutropenie Behandlung unterbrechen oder Dosis reduzieren. Hämodialyse entfernt klinisch relevante Mengen MPA/MPAG voraussichtlich nicht; Colestyramin kann durch Unterbrechung des enterohepatischen Kreislaufs die MPA-Elimination fördern. [1]

Quellen und Links

[ELN] EULAR-LN 2025 – Originalempfehlungen
Fanouriakis et al. Ann Rheum Dis 2026;85(1):75–90. Empfehlungen 4–6; frühe Kombination, Auswahl von CYC-Regimen und Fortführung nach renalem Ansprechen.
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