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Mycophenolat-Mofetil (MMF)

Zulassungsstatus – besonders wichtig

CellCept ist nicht für rheumatologische Erkrankungen zugelassen. Die Fachinformation nennt ausschließlich die Prophylaxe akuter Transplantatabstoßungsreaktionen nach allogener Nieren-, Herz- oder Lebertransplantation in Kombination mit Ciclosporin und Corticosteroiden. Die im DGRh-Bogen beschriebene rheumatologische Anwendung von MMF ist daher Off-Label-Use.

Wirkmechanismus

Mycophenolatmofetil ist ein Prodrug der Mycophenolsäure (MPA). MPA hemmt selektiv, nicht kompetitiv und reversibel die Inosinmonophosphatdehydrogenase (IMPDH) und damit den De-novo-Weg der Guanosin-Nucleotidsynthese. Da T- und B-Lymphozyten besonders von der De-novo-Purinsynthese abhängig sind, wirkt MPA stärker zytostatisch auf Lymphozyten als auf andere Zellen.

Zugelassene Indikationen (CellCept)

Prophylaxe akuter Transplantatabstoßungsreaktionen bei Erwachsenen sowie Kindern und Jugendlichen von 1 bis 18 Jahren mit allogener Nieren-, Herz- oder Lebertransplantation; in Kombination mit Ciclosporin und Corticosteroiden.

Rheumatologische Indikationen sind in der CellCept-FI nicht enthalten.

Rheumatologische Anwendung (Off-Label)

Rheumatologische Anwendung (Off-Label): Die Dosis richtet sich nach Indikation, Therapieziel, Organfunktion und Verträglichkeit. Der DGRh-Arztbogen 01/2021 sieht ein individuell auszufüllendes Dosierungsfeld vor und nennt eine empfohlene Höchstdosis von 2 g/Tag sowie Studien mit bis zu 3 g/Tag. Das ist keine universelle Dosierungsanweisung für alle rheumatologischen Erkrankungen. Insbesondere darf die dortige ältere Aussage zur fehlenden Dosisreduktion nicht auf jede Nieren-/Leberinsuffizienz oder jedes Transplantat übertragen werden; die nachstehenden FI-Sonderregeln beachten.

Da diese Angaben außerhalb der CellCept-Zulassung liegen, muss die konkrete rheumatologische Dosierung indikationsspezifisch durch den behandelnden Facharzt bzw. anhand einschlägiger Leitlinien festgelegt werden.

Vor Therapiebeginn

  • Frauen im gebärfähigen Alter: Behandlung nicht ohne negatives Schwangerschaftstestergebnis beginnen. Vor Therapiebeginn werden zwei negative Serum- oder Urintests empfohlen, der zweite 8–10 Tage nach dem ersten.
  • Hochwirksame Kontrazeption vor Beginn, während der Behandlung und mindestens 6 Wochen danach sicherstellen.

DGRh: Allgemeinstatus zum Ausschluss aktiver Infektion, Impfstatus prüfen/aktualisieren, Hepatitis-B- und -C-Screening sowie BSG, CRP, großes Blutbild, GOT, GPT und Kreatinin. [DGRh 01/2021]

DGRh: Schwangerschaft bei Frauen im gebärfähigen Alter ausschließen. [DGRh 01/2021]

Kontrollen

  • CellCept-FI im Transplantationssetting: vollständiges Blutbild im ersten Monat wöchentlich, im zweiten und dritten Monat zweimal monatlich, danach monatlich für die restlichen 9 Monate des ersten Behandlungsjahres.
  • Bei Neutropenie mit ANC <1,3 × 10³/µl kann Unterbrechung oder Absetzen angebracht sein.
  • Bei wiederkehrenden Infektionen und Verdacht auf Hypogammaglobulinämie Serum-Immunglobuline bestimmen.
  • DGRh im rheumatologischen Off-Label-Setting: BSG/CRP, großes Blutbild, GOT und GPT in den ersten 3 Monaten etwa alle 4 Wochen, danach bei stabilen Werten alle 8–12 Wochen. [DGRh 01/2021]

Die FI- und DGRh-Kontrollintervalle stammen aus unterschiedlichen Behandlungskontexten (Transplantation vs. rheumatologischer Off-Label-Use) und werden daher bewusst nicht zu einem einzigen Schema vermischt.

Dosierung (zugelassenes Transplantationssetting)

Erwachsene – Nierentransplantation: 1 g 2× täglich oral; Beginn innerhalb von 72 Stunden nach Transplantation.

Erwachsene – Herztransplantation: 1,5 g 2× täglich oral; Beginn innerhalb von 5 Tagen nach Transplantation.

Erwachsene – Lebertransplantation: Initial i.v. während der ersten 4 Tage; anschließend oral 1,5 g 2× täglich, sobald verträglich.

Kinder/Jugendliche 1–18 J. nach Organtransplantation: Initial 600 mg/m² KOF 2× täglich oral, insgesamt maximal 2 g/Tag.

Nierentransplantation: Erhaltung ebenfalls 600 mg/m² 2× täglich, maximal 2 g/Tag. Herz-/Lebertransplantation: bei guter Verträglichkeit, aber unzureichender Immunsuppression ggf. 900 mg/m² 2× täglich, maximal 3 g/Tag. Darreichungsform nach KOF und Schluckfähigkeit gemäß FI wählen.

Bei nierentransplantierten Patienten mit schwerer chronischer Niereninsuffizienz (GFR <25 ml/min/1,73 m²) sind außerhalb der unmittelbaren postoperativen Phase Dosen >1 g 2× täglich zu vermeiden.

Unterbrechung / Abbruch

  • Bei Neutropenie (ANC <1,3 × 10³/µl) kann Unterbrechung oder Absetzen angebracht sein.
  • Bei persistierender klinisch relevanter Hypogammaglobulinämie geeignete klinische Maßnahmen erwägen.
  • Patienten mit anhaltenden pulmonalen Symptomen wie Husten oder Dyspnoe umgehend abklären; Bronchiektasen, interstitielle Lungenerkrankung und Lungenfibrose wurden berichtet.
  • DGRh perioperativ: MMF in der Regel 1–2 Tage vor dem Eingriff pausieren; bei hohem Schubrisiko kann die Fortführung angezeigt sein. ACR/AAHKS 2022 empfiehlt bei schwerem SLE und elektivem Hüft-/Kniegelenkersatz bedingt die Fortführung. Indikation, Operationsart, Infektions- und Schubrisiko gemeinsam abwägen. [DGRh perioperativ; ACR/AAHKS 2022]
  • DGRh: Bei ALC < ca. 500/µl, ANC < ca. 1.300/µl oder Hb < ca. 8 g/dl Therapie pausieren und erst nach Normalisierung wieder beginnen. [DGRh 01/2021]

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegen Mycophenolatmofetil, Mycophenolsäure oder einen sonstigen Bestandteil
  • Frauen im gebärfähigen Alter ohne hochwirksame Verhütungsmethode
  • Beginn bei Frauen im gebärfähigen Alter ohne negatives Schwangerschaftstestergebnis
  • Schwangerschaft, außer wenn keine geeignete Alternative zur Verhinderung einer Transplantatabstoßung zur Verfügung steht
  • Stillzeit

Weitere vom DGRh-Bogen für den rheumatologischen Kontext genannte Kontraindikationen sind nicht automatisch formale Gegenanzeigen der CellCept-FI und werden daher nicht in die FI-Gegenanzeigenliste übernommen. [DGRh 01/2021]

Nebenwirkungen – Auswahl

Wichtig: Die Häufigkeitsangaben der CellCept-FI stammen aus Transplantationsstudien unter Kombination mit weiteren Immunsuppressiva und sind indikations-/organabhängig. Sie können nicht 1:1 als Häufigkeiten für rheumatologische Off-Label-Anwendungen übertragen werden.

Infektionen: Bakterielle und virale Infektionen sehr häufig; Pilzinfektionen je nach Transplantat häufig bis sehr häufig; opportunistische und schwere Infektionen möglich.

Blut/Lymphsystem: Anämie und Leukopenie sehr häufig; Thrombozytopenie je nach Transplantat häufig bis sehr häufig; Panzytopenie möglich.

Gastrointestinal: Diarrhö, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen sehr häufig; gastrointestinale Blutungen und Ulzera häufig; Kolitis und Pankreatitis möglich.

Leber: Erhöhte Leberenzyme häufig bis sehr häufig; Hepatitis und Hyperbilirubinämie je nach Transplantat unterschiedlich häufig.

Atemwege: Husten und Dyspnoe sehr häufig; Bronchiektasen und interstitielle Lungenerkrankung möglich; Lungenfibrose berichtet.

Immunsystem: Überempfindlichkeit; Anaphylaxie mit nicht bekannter Häufigkeit; Hypogammaglobulinämie berichtet.

Malignome: Erhöhtes Risiko insbesondere für Lymphome/lymphoproliferative Erkrankungen und Hautmalignome im Rahmen der Immunsuppression.

Wechselwirkungen

  • Antazida und Protonenpumpeninhibitoren können die MPA-Exposition verringern.
  • Colestyramin, Ciclosporin und bestimmte Antibiotika können den enterohepatischen Kreislauf beeinflussen und die MPA-Exposition bzw. Wirksamkeit reduzieren.
  • Rifampicin kann die MPA-Exposition um 18–70 % vermindern; Exposition überwachen und Dosis gegebenenfalls anpassen.
  • Aciclovir/Valaciclovir und Ganciclovir/Valganciclovir können bei Niereninsuffizienz über tubuläre Sekretion relevante Konzentrationsanstiege verursachen; sorgfältige Überwachung.
  • Sevelamer: MMF mindestens 1 Stunde vor oder 3 Stunden nach Sevelamer einnehmen.
  • MMF soll nicht zusammen mit Azathioprin gegeben werden, da die Kombination nicht untersucht wurde.

Der DGRh-Bogen nennt pauschal einen 2-Stunden-Abstand zu PPI/Antazida. Die aktuelle FI beschreibt eine verminderte MPA-Exposition, gibt aber für PPI/Antazida selbst kein allgemeines 2-Stunden-Schema vor; deshalb wird dieses starre Schema nicht als FI-Empfehlung dargestellt.

Besondere Hinweise / Schwangerschaft / Stillzeit

  • Mycophenolat ist beim Menschen stark teratogen: berichtete Fehlgeburtenrate 45–49 %, kongenitale Missbildungen bei 23–27 % der Lebendgeburten nach Exposition in der Schwangerschaft.
  • Frauen im gebärfähigen Alter: mindestens eine hochwirksame Verhütungsmethode vor Beginn, während und 6 Wochen nach Beendigung; vorzugsweise zwei ergänzende Methoden.
  • Sexuell aktive männliche Patienten oder ihre Partnerinnen: hochwirksame Verhütung während der Behandlung und mindestens 90 Tage danach.

Leitlinienergänzung zur väterlichen Exposition: EULAR 2024 beurteilt Mycophenolat bei Männern mit Kinderwunsch als kompatibel (2b/C). Dies unterscheidet sich von der vorsorglichen 90-Tage-Verhütungsempfehlung der FI; beide Quellen bei der individuellen Beratung transparent berücksichtigen. Die mütterliche Teratogenität und das Stillverbot bleiben hiervon unberührt. [EULAR Reproduktion 2024]

  • Stillzeit ist kontraindiziert.
  • Patienten dürfen während und mindestens 6 Wochen nach Absetzen kein Blut spenden; Männer dürfen während und 90 Tage nach Absetzen keinen Samen spenden.
  • Attenuierte Lebendimpfstoffe vermeiden; die Antikörperantwort auf andere Impfstoffe kann abgeschwächt sein.

Überdosierung

Überdosierungen können zu übermäßiger Immunsuppression, erhöhter Infektionsanfälligkeit und Knochenmarksuppression führen. Hämodialyse entfernt klinisch relevante Mengen MPA/MPAG voraussichtlich nicht; Colestyramin kann die Elimination durch Unterbrechung des enterohepatischen Kreislaufs fördern.

Quellen für dieses Medikament

Fachinformation: FI Mycophenolat-Mofetil, Abschnitt 4.1–4.9 und 5.1. Verwendeter Volltext: Englisch; abgerufen am 07.09.2026.

DGRh: Mycophenolat ARZT 01 2021, abgerufen am 07.09.2026.

Diese Seite ist eine redaktionelle Zusammenfassung für Fachkreise. Sie ersetzt weder die Fachinformation noch die ärztliche Therapieentscheidung im Einzelfall.