Medikamente

Konventionelle synthetische DMARDs

Hydroxychloroquin
Kurzzusammenfassung
IndikationenRA, SLE; JIA als Kombinationstherapie mit Quensyl oder Dr. Eberth ab 6 Jahren und ≥35 kg. Diskoider Lupus und weitere Altersgrenzen präparatespezifisch.[1][2][3]
DosierungMeist 200–400 mg p.o./Tag; DGRh-Tabelle und FI-Gewichtsgrenzen im Dosierungsabschnitt.
Gegenanzeigen (Auswahl)Präparatabhängig; Hydroxychloroquin-ratiopharm: Makulopathie, Retinitis pigmentosa, Myasthenia gravis oder unter 35 kg ungeeignet.
Besondere SicherheitsmaßnahmenAugenärztliches Screening; Nierenfunktion, Tamoxifen, QT-Risiko und Muskeltoxizität beachten.
Wirkmechanismus

Immunmodulatorisches 4-Aminochinolin; Anreicherung in intrazellulären Vesikeln und Beeinflussung entzündlicher Zellfunktionen. Die antirheumatische Wirkung ist mechanistisch nicht vollständig geklärt. [1]

Indikationen

RA und SLE: Zulassung der hier dargestellten systemischen Präparate; Alters-, Dosis- und Sicherheitsvorgaben präparatespezifisch. [1][2][3]

JIA: Quensyl und Hydroxychloroquinsulfat Dr. Eberth in Kombination mit anderen Therapien; Anwendung der 200-mg-Tabletten ab 6 Jahren und ≥35 kg. Pädiatrische Dosierung und FI-Behandlungsdauer unten. [2][3]

Diskoider Lupus: Hydroxychloroquin-ratiopharm; einschließlich Kinder ab 6 Jahren und ≥35 kg. [1]

Weitere Zulassung: Malariaprophylaxe und Behandlung empfindlicher Erreger, präparateabhängig. Die folgenden Therapieangaben betreffen die Rheumatologie. [1][2][3]

Off-Label-Anwendungen

Sjögren-Syndrom (Off-Label): Antimalariatherapie kommt in ausgewählten indikationsbezogenen Situationen in Betracht. [4][1]

APS (Off-Label): Antimalariatherapie kommt in ausgewählten indikationsbezogenen Situationen in Betracht. [4][1]

JIA mit Hydroxychloroquin-ratiopharm: (Off-Label) – Indikation; Quensyl und Dr. Eberth besitzen dagegen eine JIA-Zulassung für die Kombination mit anderen Therapien. [1][2][3]

Dosierung und Anwendung

Langzeittherapie: Meist 200–400 mg p.o. täglich; DGRh/DOG grundsätzlich höchstens 5 mg/kg tatsächliches Körpergewicht pro Tag. Dosen beziehen sich auf Hydroxychloroquinsulfat, entsprechend der Tablettenstärke. [5][4][6][1]

SLE: Zieldosis 5 mg/kg/Tag, individuell nach Schub- und Retinopathierisiko. Bei ausgewählter moderater/schwerer Erkrankung initial auch mehr als 5 mg/kg, jedoch maximal 400 mg/Tag; nach Besserung reduzieren. [7]

Zwischendosen: Alternierende Gabe ganzer 200-mg-Tabletten möglich. 200 und 400 mg im täglichen Wechsel ergeben im vollständigen Zwei-Tage-Zyklus 300 mg/Tag im Mittel. 400 mg/Tag entsprechen erst ab 80 kg einer Dosis ≤5 mg/kg/Tag. [5]

Einnahme: Nach den Mahlzeiten. Abweichende FI-Startschemata stehen beim Präparat. [1]

Pädiatrische Dosierungen

Quensyl / Dr. Eberth – JIA und pädiatrische rheumatologische Anwendung: Niedrigste wirksame Dosis; FI-Bereich 5–6,5 mg/kg/Tag oder 400 mg/Tag, jeweils der niedrigere Wert; bei Übergewicht Idealgewicht zugrunde legen. Ab 6 Jahren und ≥35 kg. Die FI begrenzt die Anwendung bei Kindern auf höchstens 6 Monate. Der DGRh-/DOG-Langzeitgrenzwert beträgt dagegen höchstens 5 mg/kg tatsächliches Körpergewicht/Tag; eine längerfristige Behandlung mit diesen Präparaten entsprechend gesondert beurteilen. [2][3][4][6]

Systemischer oder diskoider Lupus erythematodes, ab 6 Jahren und ≥35 kg: Ratiopharm-FI: 6,5 mg/kg ideales Körpergewicht/Tag oder 400 mg/Tag, jeweils die niedrigere Dosis. Dieser FI-Gewichtsbezug weicht von der DGRh-/DOG-Langzeitgrenze von 5 mg/kg tatsächlichem Körpergewicht/Tag ab. [1][4][6]

DGRh-Dosiertabelle für die Langzeittherapie

KörpergewichtGerundeter DGRh-Tabellenwert pro TagPraktische Tablettengabe
ab 40 kg200 mg1 Tablette täglich
ab 45 kgca. 225 mg1 Tablette täglich; 1×/Woche 2 Tabletten
ab 52 kgca. 260 mg1 Tablette täglich; 2×/Woche 2 Tabletten
ab 58 kgca. 290 mg1 Tablette täglich; 3×/Woche 2 Tabletten
ab 60 kg300 mg1 und 2 Tabletten im täglichen Wechsel
ab 68 kgca. 340 mg2 Tabletten täglich; 2 Tage/Woche nur 1 Tablette
ab 75 kgca. 375 mg2 Tabletten täglich; 1 Tag/Woche nur 1 Tablette
ab 80 kg400 mg2 Tabletten täglich

Wochenmittel gesondert berechnen: 200 mg täglich plus eine zusätzliche 200-mg-Tablette pro Woche = 1.600 mg/Woche = 228,6 mg/Tag (bei 45 kg: 5,08 mg/kg/Tag). 400 mg an fünf und 200 mg an zwei Tagen = 2.400 mg/Woche = 342,9 mg/Tag (bei 68 kg: 5,04 mg/kg/Tag). Gerundete Tabellenwerte garantieren an den Gewichtsgrenzen nicht die Einhaltung von höchstens 5 mg/kg/Tag; für die individuelle Verordnung den tatsächlichen Dosierungszyklus zugrunde legen. [5][4]

Nierenfunktion: Bei GFR <30 ml/min nennt die DGRh maximal 3 mg/kg tatsächliches Körpergewicht pro Tag. [5]

Dosisanpassung
SituationVorgabe
GFR <30 ml/minDGRh-Antimalariaempfehlung: maximal 3 mg/kg/Tag, gegebenenfalls intermittierend; begrenzte Evidenz/Expertenkonsens.
Lupusnephritis, eGFR <30 ml/min/1,73 m²S3 SLE: reguläre Dosis um 50 % reduzieren.

Bezugsgrößen: DGRh nennt eine gewichtsbezogene Obergrenze, die S3-Lupusnephritisempfehlung eine Halbierung der regulären Dosis. [5][4][7]

Leber-/Nierenfunktionsstörung nach FI: Vorsicht und gegebenenfalls Dosisanpassung; bei stark eingeschränkter Funktion HCQ-Plasmaspiegel bestimmen und Dosis entsprechend anpassen. Kein numerisches FI-Reduktionsschema. [1]

Vor Therapiebeginn

Risiken: Tatsächliches Körpergewicht, Nieren-/Leberfunktion, frühere Antimalariaexposition und Begleitmedikation berücksichtigen. CK und LDH vor Beginn bestimmen. Augenärztlichen Ausgangsbefund erheben; präparatespezifisch vor Behandlungsbeginn, nach DGRh innerhalb der ersten 6 Monate. [4][1]

Kardial: QT-Verlängerung, Herzinsuffizienz, Bradykardie, ventrikuläre Arrhythmien sowie Hypokaliämie/-magnesiämie und QT-verlängernde Komedikation beachten. EKG und kardiale Biomarker situationsbezogen; kein fixes EKG-Intervall für alle. [1][4]

Weitere Risiken: G6PD-Mangel, Porphyrie, Psoriasis, neurologische/neuromuskuläre Erkrankungen und Chinin-Überempfindlichkeit. G6PD-Mangel ist in der hier verwendeten ratiopharm-FI ein Warnhinweis, keine formale Gegenanzeige. [1]

Kontrollen

Muskeltoxizität: CK/LDH etwa alle 3–6 Monate; klinisch Muskelkraft und Sehnenreflexe kontrollieren. Bei Verdacht situationsbezogen EMG, Aldolase beziehungsweise kardiale Diagnostik mit EKG, Biomarkern und Bildgebung. [4][5][1]

Blutbild: Hydroxychloroquin-ratiopharm bei Langzeittherapie regelmäßig; Quensyl und Dr. Eberth vor Beginn und alle 2 Monate. Bei Organfunktionsänderungen Dosis und retinales Risiko neu beurteilen. [1][2][3][4]

Quelle/SituationZeitpunkt und Verfahren
DOG-BasisuntersuchungInnerhalb der ersten Monate: bestkorrigierter Visus, Perimetrie, Funduskopie und OCT. DGRh: innerhalb von 6 Monaten.
DOG ohne zusätzliche RisikofaktorenJährlich ab dem 5. Therapiejahr. DGRh formuliert jährlich nach 5 Jahren Einnahme.
Erhöhtes RisikoJährlich bereits von Beginn an; zusätzlich bei neuen Seh-/Lesestörungen zeitnahe Untersuchung.
Hydroxychloroquin-ratiopharm FIVor Beginn und alle 3 Monate; Sehschärfe, Gesichtsfeld, Farbensehen und Netzhautbefund, bei höherem Risiko enger.

Risikofaktoren: Hohe Tagesdosis (>5 mg/kg), lange Einnahmedauer, Niereninsuffizienz – nach DGRh GFR <60 ml/min –, Tamoxifen und vorbestehende relevante Makulaveränderungen. Die FI nennt zusätzlich kumulative Dosis >200 g, höheres Alter und eingeschränkte Sehschärfe sowie einen abweichenden Dosis-/Gewichtsbezug. [6][4][1]

Früherkennung nach DOG: Primär objektive Methode, meist OCT; FAF oder mfERG ebenfalls geeignet. Verdacht durch eine zweite objektive Methode bestätigen. DGRh empfiehlt mindestens eine subjektive und eine objektive Methode, meist Perimetrie plus OCT. Bei möglichem extramakulärem Befall Untersuchungsfeld erweitern, insbesondere bei asiatischer/afrikanischer Herkunft. [6][4]

Ungeeignete alleinige Früherkennung: Farbensehen, Amsler-Test, Ganzfeld-ERG, EOG, Fluoreszeinangiographie oder alleinige Funduskopie. Cornea verticillata ist kein verlässlicher Hinweis auf retinale Toxizität. [6]

Unterschiedliche Kontrollvorgaben: Risikoadaptiertes DGRh-/DOG-Screening und dreimonatliche FI-Kontrollen unterscheiden sich; Kontrollplan rheumatologisch und ophthalmologisch festlegen. Die DOG-Leitlinie gilt für Erwachsene. [6][4][1]

Wirkbeginn und Therapiebeurteilung

DGRh: Wirkungseintritt nach etwa 3–6 Monaten; ohne Besserung nach 6 Monaten Fortführung kritisch prüfen. Eine prophylaktische Langzeitindikation beim SLE ist nicht an einen subjektiven Wirkungseintritt gebunden. RA-FI: Erst nach 6–8 Wochen beurteilen, bei fehlender Besserung nach 6 Monaten absetzen. [5][7][1]

Gegenanzeigen

Hydroxychloroquin-ratiopharm: Vorbestehende Makulopathie, Retinitis pigmentosa und Myasthenia gravis; 200-mg-Tabletten für Körpergewicht <35 kg ungeeignet; Überempfindlichkeit gegen HCQ, 4-Aminochinoline oder Bestandteile. [1]

Makulopathie: Die DOG betrachtet vorbestehende Makulaerkrankungen nicht pauschal als Gegenanzeige; die genannte FI führt sie ausdrücklich als Kontraindikation. Konkreten Befund und gewähltes Präparat berücksichtigen. [6][1]

Quensyl / Dr. Eberth – zusätzlich präparatebezogen: Retino-/Makulopathie, G6PD-Mangel, Erkrankungen des blutbildenden Systems, Stillzeit sowie Alter <6 Jahre oder Gewicht <35 kg; Überempfindlichkeit gegen Wirkstoff/Bestandteile beziehungsweise 4-Aminochinoline. Dr. Eberth führt zusätzlich Myasthenia gravis auf. [2][3]

Nebenwirkungen und Maßnahmen

Auswahl: Gastrointestinale Beschwerden, Hautreaktionen und Akkommodationsstörungen; klinisch bedeutsam sind Retinopathie, Myo-/Neuromyopathie, Kardiomyopathie/QT-Verlängerung, Hypoglykämie, Zytopenien, schwere Haut-/Leberreaktionen und psychiatrische Symptome. Das Retinopathierisiko steigt mit Dosis, Dauer und zusätzlichen Risikofaktoren. [4][1]

Retinopathierisiko – Beobachtungsdaten: Bei 3.325 Langzeitanwendern lag die geschätzte 15-Jahres-Inzidenz in der Gruppe mit mittlerer Dosis ≤5 mg/kg/Tag während der ersten 5 Jahre bei 2,7 % insgesamt und 1,1 % für moderate/schwere Retinopathie. [8]

Neue Seh-/Gesichtsfeldveränderungen: Nach FI absetzen und augenärztlich abklären; danach Kontrollen alle 3–6 Monate. Fraglicher Screeningbefund: Nach DOG zunächst mit zweiter objektiver Methode bestätigen. DGRh: pathologische Perimetrie-/mfERG-Befunde nach 4–6 Wochen kontrollieren; nur bei geringem/fraglichem Verdacht Weitertherapie mit Kontrolle nach 6–12 Monaten möglich. [1][6][4]

Gesicherte HCQ-Retinopathie: Zeitnah absetzen und Anschlussbehandlung rheumatologisch/ophthalmologisch planen. Netzhautschäden können nach Absetzen fortschreiten. [6][1]

Kardiomyopathie/Arrhythmiezeichen: Absetzen; bei Arrhythmiezeichen EKG. Verdacht auf Phospholipidose mit kardialer, renaler oder muskulärer Toxizität: Absetzen. Bei Muskelschwäche ebenfalls FI-Abbruchvorgabe beachten. [1]

SCARs wie SJS/TEN, DRESS oder AGEP: Unverzüglich absetzen. Bei Blutbildveränderungen sieht die FI ebenfalls einen Therapieabbruch vor. Bei Zeichen einer Leberschädigung sofortige klinische Untersuchung und Leberwerte; Fortführung nach Nutzen/Risiko. [1]

Hypoglykämie: Auch ohne Antidiabetika möglich; bei Symptomen Glukose kontrollieren und Behandlung überprüfen. Neue psychiatrische Symptome/Suizidalität: Unverzügliche ärztliche Abklärung, besonders im ersten Behandlungsmonat. [1]

Wechselwirkungen
KomedikationKonsequenz
QT-verlängernde Arzneimittel, z. B. Azithromycin, Moxifloxacin, trizyklische Antidepressiva, AntiarrhythmikaErhöhtes Arrhythmierisiko; besonders vorsichtige Anwendung. Halofantrin nicht gleichzeitig.
Tamoxifen/andere retinotoxische ArzneimittelKombination nicht empfohlen.
Insulin/andere AntidiabetikaBlutzuckersenkung verstärkt; gegebenenfalls Dosis reduzieren.
Digoxin, Ciclosporin; weitere P-gp-Substrate mit engem therapeutischem Index, z. B. DabigatranSpiegelanstieg möglich; Nebenwirkungen und gegebenenfalls Konzentrationen überwachen.
CYP2D6-Substrate, insbesondere Flecainid/PropafenonVorsicht; Nebenwirkungen beziehungsweise Konzentrationen überwachen. Metoprolol-Exposition in Einzeldosisstudie etwa 1,7-fach erhöht.
CYP3A4-Substrate, z. B. bestimmte StatineNebenwirkungen überwachen; klinische Daten zur Interaktion begrenzt.
Cimetidin/starke CYP2C8-, CYP3A4- oder CYP2D6-InhibitorenErhöhte HCQ-Exposition möglich; auf Toxizität achten.
Rifampicin, Carbamazepin, Johanniskraut/andere starke CYP-InduktorenMöglicher Wirkverlust; Wirksamkeit überwachen.
Magnesiumhaltige Antazida/KaolinNach ratiopharm-FI mindestens 2 Stunden Einnahmeabstand.
Antiepileptika/krampfschwellensenkende Arzneimittel, z. B. MefloquinVerminderte antikonvulsive Wirkung beziehungsweise erhöhtes Krampfrisiko möglich.
MAO-HemmerFI-Hinweis auf pharmakologische Inkompatibilität; klinische Bedeutung nicht ausreichend quantifiziert.

Quellenbezug: Wechselwirkungen nach der ratiopharm-Fachinformation; bei einzelnen CYP-/P-gp-Kombinationen beruhen Warnungen überwiegend auf In-vitro-Daten oder Extrapolation von Chloroquin. [1]

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: Bei entsprechender Indikation während der Schwangerschaft fortführen. Schwangerschaftssicherheitsdaten überwiegend für ≤400 mg/Tag; gewichts- und organbezogene Dosisanpassung beachten. [9]

Stillzeit: Mit dem Stillen vereinbar. [9]

Väterlicher Kinderwunsch: Fortführung möglich. [9]

Fachinformation – Hydroxychloroquin-ratiopharm: Bei RA/SLE in der Schwangerschaft nur bei überwiegendem individuellem Nutzen, niedrigste wirksame Dosis. Bei längerer täglicher Anwendung hoher Dosen während der Stillzeit empfiehlt die FI Abstillen. Bei längerer Schwangerschaftstherapie das ophthalmologische Sicherheitsprofil bei der Überwachung des Kindes berücksichtigen. [1]

Fachinformation – Beobachtungssignal: Die FI zitiert für Fehlbildungen nach Ersttrimesterexposition ein adjustiertes RR von 1,33 (95%-KI 1,08–1,65) bei ≥400 mg/Tag und 0,95 (0,60–1,50) bei <400 mg/Tag. [1][10]

Fachinformation – Quensyl / Dr. Eberth: Stillzeit kontraindiziert; dies weicht von der oben genannten EULAR-Stillempfehlung ab. Bei RA/SLE in der Schwangerschaft nur nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung und in niedrigster wirksamer Dosis. [2][3]

Impfungen

HCQ-Monotherapie: Nichtlebend- und Lebendimpfungen möglich; zusätzliche Immunsuppression gesondert berücksichtigen. [5][4]

Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe

Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [11]

ImpfungIndikation / Schema
InfluenzaJährlich bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren; inaktivierter Impfstoff, ab 60 Jahren Hochdosis- oder MF59-adjuvantiert.
COVID-19Jährlich bei relevanter Immunsuppression/weiterem Risikofaktor oder ab 75 Jahren, bevorzugt Spätsommer/Frühherbst. Bei ausgeprägter Immundefizienz zusätzliche Dosen/verkürzte Abstände individuell. [12]
Pneumo­kokkenPCV20 bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren. Nach PCV13/15 ≥1 Jahr; nach PPSV23 ≥6 Jahre, bei ausgeprägter Immundefizienz gegebenenfalls ≥1 Jahr.
Herpes zosterAb 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression.
Hepatitis BBei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l.
RSVEinmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/Immundefizienz oder Pflegeheimbewohnenden. Möglichst vor der RSV-Saison.

Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [11]

Operationen

Perioperativ: In der Regel fortführen. Bei begründeten Bedenken wegen Nebenwirkungen oder Interaktionen, insbesondere QT-Verlängerung, kann individuell kurzzeitig pausiert werden. [13]

Weitere besondere Hinweise

HBV: Reaktivierungen wurden bei HCQ zusammen mit anderen Immunsuppressiva berichtet. Das Risiko der Begleitimmunsuppression berücksichtigen. [1]

Alltag und Handhabung

Verkehrstüchtigkeit: Akkommodationsstörung, verschwommenes Sehen oder Schwindel können beeinträchtigen. Aufbewahrung: Für Kinder unzugänglich; kleine Kinder reagieren besonders empfindlich auf Überdosierungen. [1]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

Hydroxychloroquin-ratiopharm 200 mg Filmtabletten

Form: 200 mg Hydroxychloroquinsulfat je Tablette; keine Bruchkerbe beschrieben. Für Zwischendosen alternierende Gabe ganzer Tabletten nach DGRh. Im Originalbehältnis vor Licht schützen; laut FI keine zusätzliche Temperaturvorgabe. [1][5]

IndikationFI-Schema
RAInitial 400 mg/Tag; bei gutem Ansprechen nach 3 Monaten 200 mg/Tag, später gegebenenfalls 200 mg jeden zweiten Tag.
Systemischer Lupus erythematodesInitial bei Bedarf einige Wochen 400–600 mg/Tag; Erhaltung 200–400 mg/Tag.
Diskoider Lupus erythematodesInitial bei Bedarf einige Wochen 400–600 mg/Tag; Erhaltung 200–400 mg/Tag.

Dosisunterschied: Bis 600 mg/Tag und der pädiatrische Idealgewichtsbezug stammen aus dieser FI. Die FI verwendet in ihren retinalen Warnhinweisen außerdem 6,5 mg/kg Körpergewicht beziehungsweise fettfreie Körpermasse; DGRh/DOG beziehen sich auf 5 mg/kg tatsächliches Gewicht. [1][4][6]

Quensyl 200 mg Filmtabletten

200 mg Hydroxychloroquinsulfat entsprechen 155 mg Hydroxychloroquin. RA, SLE und JIA-Kombinationstherapie; zusätzlich Malaria. Rheumatologische FI-Anfangsdosis bei Erwachsenen 400–600 mg/Tag, Erhaltung 200–400 mg/Tag; davon getrennt den DGRh-/DOG-Langzeitgrenzwert beachten. Pädiatrie: ab 6 Jahren und ≥35 kg, Gewichtsdosis und Begrenzung auf 6 Monate wie oben. Blutbild vor Beginn/alle 2 Monate; augenärztliche FI-Kontrolle alle 3 Monate. [2][4]

Hydroxychloroquinsulfat Dr. Eberth 200 mg Filmtabletten

200 mg Hydroxychloroquinsulfat entsprechen 155 mg Hydroxychloroquin. RA, SLE und JIA in Kombination mit anderen Therapien; zusätzlich Malaria. Erwachsenen-FI: initial 400–600 mg/Tag, Erhaltung 200–400 mg/Tag; DGRh-/DOG-Langzeitgrenze separat berücksichtigen. Ab 6 Jahren und ≥35 kg, pädiatrischer Dosis-/Dauerrahmen wie oben. Blutbild vor Beginn/alle 2 Monate; augenärztliche FI-Kontrolle alle 3 Monate. Packungsangaben 30/100 Tabletten; ohne besondere Lagerungsbedingungen. [3][4]

Überdosierung und Antidot

Akuter toxikologischer Notfall: Rasch Hypokaliämie, Krampfanfälle, QT-/QRS-Veränderungen, ventrikuläre Arrhythmien sowie Atem-/Kreislaufstillstand möglich. Unverzügliche notfallmedizinische Versorgung mit kardialer Überwachung und supportiver Behandlung. Besonders bei kleinen Kindern können bereits geringe Mengen lebensbedrohlich sein. [1]

Quellen und Links
Leflunomid
Kurzzusammenfassung
IndikationenAktive RA und PsA.
DosierungRA: 10–20 mg täglich; PsA: 20 mg täglich oral. Aufsättigung indikationsbezogen prüfen.
Gegenanzeigen (Auswahl)Schwangerschaft/Stillzeit, Leberfunktionsstörung, mäßige bis schwere Niereninsuffizienz, schwere Infektion.
Besondere SicherheitsmaßnahmenBlutbild und ALT alle 2 Wochen über 6 Monate, danach alle 8 Wochen; Blutdruck. Auswaschverfahren bei definierten Risiken.
Wirkmechanismus

csDMARD; der aktive Metabolit A771726 (Teriflunomid) hemmt die Dihydroorotat-Dehydrogenase und damit die De-novo-Pyrimidinsynthese. [1]

Indikationen

RA: Aktive rheumatoide Arthritis. [1]

PsA: Aktive Psoriasis-Arthritis. [1]

Dosierung und Anwendung

RA: 10–20 mg oral einmal täglich entsprechend der Krankheitsaktivität. [1]

PsA: 20 mg einmal täglich. Tabletten unzerkaut mit Flüssigkeit einnehmen; unabhängig von Mahlzeiten. [1]

Aufsättigung: Die FI beschreibt 100 mg einmal täglich über 3 Tage. Bei RA kann darauf verzichtet werden, um Nebenwirkungen zu vermindern; für PsA beschreibt die FI den Beginn mit Aufsättigung. Der DGRh-Bogen formuliert die Aufsättigung allgemein als Möglichkeit. [1][2]

Dosisanpassung

Niere: Bei leichter Niereninsuffizienz keine Anpassung. Bei mäßiger bis schwerer Niereninsuffizienz kontraindiziert. [1]

Leber: Bei eingeschränkter Leberfunktion kontraindiziert. Bei ALT-Anstieg unter Therapie gelten die unten genannten Grenzen. Alter: Über 65 Jahre keine Anpassung allein wegen des Alters. [1]

Vor Therapiebeginn

Basis: Blutbild einschließlich Differenzialblutbild/Thrombozyten, ALT/GPT, AST/GOT, AP, Kreatinin und Blutdruck; aktive Infektion und Schwangerschaft ausschließen, sichere Kontrazeption gewährleisten. [1][2]

Tuberkulose – DZK: Bei csDMARDs risikobezogene Abklärung; kein generelles Screening allein aufgrund der Wirkstoffgruppe. Bei indizierter LTBI-Prävention kürzere Rifamycin-Schemata bevorzugen: Rifampicin für 4 Monate oder Rifampicin plus Isoniazid für 3 Monate; alternativ Isoniazid für 9 Monate. Wechselwirkungen, Verträglichkeit und Resistenzanamnese berücksichtigen. [3]

Tuberkulose – Fachinformation: Vor Beginn auf aktive und latente Tbc untersuchen; Kontakte und frühere Behandlung berücksichtigen. Bei Tbc-Anamnese auf Reaktivierung überwachen. [1]

HBV-Screening: HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs; bei HBsAg+ oder Anti-HBc+ zusätzlich HBV-DNA. [4]

HBV-Risiko: Substanzspezifisch unzureichend quantifiziert; Prophylaxe und Kontrollen hepatologisch nach Serostatus und Gesamtregime festlegen. [4]

Gesamtrisiko: Glukokortikoiddosis/-dauer, weitere Immunsuppression sowie Chemo-/Transplantationsregime berücksichtigen. Anti-HBs+ schließt bei Anti-HBc+ eine Reaktivierung nicht aus. Wenn erforderliche HBV-Kontrollen nicht gesichert sind: Prophylaxe. [4][5]

Kontrollen ohne Prophylaxe: Bei HBsAg+ und niedrigem Gesamtrisiko HBV-DNA/ALT spätestens alle 8 Wochen; bei HBsAg−/Anti-HBc+/HBV-DNA− HBsAg, HBV-DNA und ALT alle 1–3 Monate. Bei neuem DNA-Nachweis oder HBsAg-Reversion sofort antiviral behandeln, vor Hepatitis. [4]

Prophylaxe: Entecavir oder Tenofovir (TDF/TAF) vor Immunsuppression beginnen, währenddessen und danach 6–12 Monate (bei B-Zell-Depletion mindestens 18 Monate) fortführen. Nach Absetzen weiter überwachen; bei eigenständiger HBV-Therapieindikation länger behandeln. [4]

Impfung: Bei HBsAg−/Anti-HBc− und fehlendem Impfschutz möglichst vor Immunsuppression impfen; Schema und Erfolgskontrolle. [4][6]

Impfstatus: Vor Therapiebeginn prüfen und erforderliche Impfungen unter Beachtung der substanzbezogenen Abstände planen. [7]

Kontrollen

Blutbild und ALT: Vor Beginn, in den ersten 6 Monaten alle 2 Wochen, danach alle 8 Wochen. Differenzialblutbild und Thrombozyten einschließen. [1]

Klinik und weiteres Labor: Blutdruck regelmäßig; Haut, gastrointestinale Beschwerden, Gewichtsverlust, AST/GOT, AP und Kreatinin berücksichtigen. [2][1]

ALT/GPTVorgehen
2- bis 3-fache obere NormgrenzeReduktion von 20 auf 10 mg täglich erwägen; wöchentlich kontrollieren.
ALT anhaltend >2-fache obere Normgrenze oder Anstieg auf >3-fache obere NormgrenzeAbsetzen und Auswaschverfahren beginnen; Leberwerte bis zur Normalisierung kontrollieren.

Hämatologische Pausengrenzen – DGRh-Leflunomid-Bogen (07/2014): Leukozyten <2.500/µl, Granulozyten <1.500/µl, Lymphozyten <800/µl, Thrombozyten <80.000/µl oder Abfall der Thrombozyten um >100.000/µl gegenüber Ausgangswert. Bei schweren hämatologischen Reaktionen einschließlich Panzytopenie Leflunomid und andere myelosuppressive Behandlung absetzen und sofort auswaschen. [2][1]

Wirkbeginn und Therapiebeurteilung

Meist nach 4–6 Wochen; weitere Besserung bis 4–6 Monate möglich. Ohne Wirkung nach 4 Monaten Fortführung überprüfen. [1][2]

Gegenanzeigen

Schwangerschaft, Stillzeit und fehlende zuverlässige Kontrazeption bei gebärfähigen Frauen; eingeschränkte Leberfunktion, mäßige bis schwere Niereninsuffizienz, schwere Hypoproteinämie, schwerer Immundefekt, erheblich eingeschränkte Knochenmarkfunktion beziehungsweise relevante Zytopenien anderer Ursache als RA/PsA. Schwere Infektion; Überempfindlichkeit einschließlich gegen Teriflunomid. [1]

Nebenwirkungen und Maßnahmen

Auswahl: Diarrhö, Übelkeit, Bauchschmerzen, Mundulzera, Transaminasenanstieg, Leukopenie, Haarausfall, Exanthem, Kopfschmerzen, Gewichtsverlust und Hypertonie. [1][2]

Schwere Haut-/Schleimhautreaktion: Bei Verdacht auf SJS/TEN/DRESS sofort Leflunomid und andere möglicherweise beteiligte Arzneimittel absetzen und vollständig auswaschen; erneute Exposition kontraindiziert. Bei ulzerativer Stomatitis absetzen. [1]

HLH/MAS: Bei Fieber, Zytopenien, stark erhöhtem Ferritin und weiteren passenden Befunden rasch abklären. Bei HLH/MAS Leflunomid absetzen, beschleunigt eliminieren und unverzüglich behandeln. [1]

Myositis/Rhabdomyolyse: Bei passenden Muskelsymptomen CK bestimmen; bei bestätigtem Ereignis absetzen und auswaschen. [1]

Schwere unkontrollierte Infektion: Unterbrechung und Auswaschen können erforderlich sein. Husten/Dyspnoe: Mögliche ILD oder pulmonale Hypertonie abklären und Absetzen erwägen; erhöhtes Risiko bei vorbestehender ILD. [1]

Neuropathie: Absetzen und Auswaschen erwägen; erhöhtes Risiko bei Alter >60 Jahren, Diabetes und weiteren neurotoxischen Arzneimitteln. Anhaltende unklare Diarrhö: Auch mikroskopische Kolitis abklären. [1]

Hautulzera/Wundheilung: Bei vermuteter Arzneimittelursache oder persistierenden Ulzera Absetzen und vollständiges Auswaschen erwägen; Wiederbeginn nach Beurteilung ausreichender Wundheilung. [1]

Wechselwirkungen

MTX und andere hepato-/hämatotoxische Arzneimittel: Additives Risiko, auch bei Wechsel ohne Auswaschen. Die Arava-Fachinformation rät von Kombinationen mit anderen DMARDs, insbesondere MTX, ab. Die DGRh bewertet die Kombination von Leflunomid und MTX bei RA unter regelmäßigen Blutbild- und Leberkontrollen als vertretbar. [1][8]

Rosuvastatin: Höchstens 10 mg einmal täglich. Andere BCRP-/OATP-Substrate sorgfältig überwachen und gegebenenfalls reduzieren. Warfarin/Cumarine: INR engmaschig kontrollieren. Repaglinid und weitere CYP2C8-Substrate: Erhöhte Exposition möglich. Auch CYP1A2-/OAT3-Substrate auf mögliche Expositionsänderungen prüfen. [1]

Alkohol: Wegen additiver Hepatotoxizität vermeiden. Colestyramin/Aktivkohle: Außer zum gezielten Auswaschen nicht gleichzeitig, da der Wirkstoffspiegel rasch fällt. [1]

Methotrexat: Kombination mit Leflunomid und weitere Wechselwirkungen.

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: Vor geplanter Konzeption 5 Halbwertszeiten (3,5 Monate) absetzen oder beschleunigte Elimination durchführen; in der Schwangerschaft vermeiden. [9]

Stillzeit: Eine stillverträgliche Alternative wählen. [9]

Väterlicher Kinderwunsch: Fortführung möglich. [9]

Fachinformation – Frauen: Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert. Ohne Auswaschen kann die Elimination etwa 2 Jahre dauern; danach zwei A771726-Plasmaspiegel im Abstand von mindestens 14 Tagen, beide <0,02 mg/l. Nach Auswaschen ebenfalls zwei Werte <0,02 mg/l im Abstand von mindestens 14 Tagen; zusätzlich mindestens 1,5 Monate zwischen erstem ausreichend niedrigen Spiegel und Befruchtung. Zuverlässige Kontrazeption bis zum Abschluss des jeweiligen Verfahrens. [1]

Fachinformation – ungeplante Schwangerschaft: Leflunomid sofort absetzen und Auswaschen einleiten; frühzeitige Elimination kann die fetale Exposition verringern. [2][1]

Fachinformation – Männer: Zuverlässige Kontrazeption unter Therapie. Bei Kinderwunsch Absetzen und Auswaschen erwägen, anschließend zwei Spiegel <0,02 mg/l im Abstand von mindestens 14 Tagen und mindestens 3 Monate Wartezeit. [1]

Auswaschverfahren

Beschleunigte Elimination: Nach Absetzen Colestyramin 8 g dreimal täglich über 11 Tage oder Aktivkohle 50 g viermal täglich über 11 Tage. Dauer kann nach klinischen und laborchemischen Gegebenheiten angepasst werden. Bei Kinderwunsch Spiegel- und Wartevorgaben beachten. [1]

Kontrazeption: Colestyramin und Aktivkohle können die Aufnahme oraler Kontrazeptiva vermindern; während des Auswaschens alternative zuverlässige Verhütungsmethode verwenden. [1]

Impfungen

Lebendimpfstoffe: Während der Behandlung nicht empfohlen. Auch nach Absetzen die lange Halbwertszeit des aktiven Metaboliten berücksichtigen. [1]

STIKO-Hochdosiskategorie (>20 mg/Tag): Lebendimpfstoffe mindestens 4 Wochen vor Therapiebeginn oder frühestens 6 Monate nach Therapieende; Auswaschen kann den Abstand verkürzen. Diese Kategorie bezeichnet die Impfempfehlung; die zugelassene Erwachsenen-Erhaltungsdosis beträgt bei RA 10–20 mg/Tag und bei PsA 20 mg/Tag. [7][1]

STIKO-Niedrigdosiskategorie (≤20 mg/Tag): MMR-, MMR-V- oder Varizellenimpfung mit den in den Anwendungshinweisen bezeichneten Impfstoffen bei stabiler Erkrankung nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung erwägen. (Off-Label) – Lebendimpfung unter Therapie; abweichend vom FI-Warnhinweis. [7]

Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe

Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [6]

ImpfungIndikation / Schema
InfluenzaJährlich bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren; inaktivierter Impfstoff, ab 60 Jahren Hochdosis- oder MF59-adjuvantiert.
COVID-19Jährlich bei relevanter Immunsuppression/weiterem Risikofaktor oder ab 75 Jahren, bevorzugt Spätsommer/Frühherbst. Bei ausgeprägter Immundefizienz zusätzliche Dosen/verkürzte Abstände individuell. [10]
Pneumo­kokkenPCV20 bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren. Nach PCV13/15 ≥1 Jahr; nach PPSV23 ≥6 Jahre, bei ausgeprägter Immundefizienz gegebenenfalls ≥1 Jahr.
Herpes zosterAb 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression.
Hepatitis BBei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l.
RSVEinmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/Immundefizienz oder Pflegeheimbewohnenden. Möglichst vor der RSV-Saison.

Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [6]

Operationen

DGRh: Bei niedrigem Infektionsrisiko fortführen; bei hohem Infektionsrisiko präoperativ auswaschen. Die FI empfiehlt eine individuelle Entscheidung über Unterbrechung und Auswaschen wegen möglicher Wundheilungsstörung. Wiederbeginn bei ausreichender Wundheilung. [11][1]

ACR/AAHKS – elektive Hüft-/Knieendoprothetik bei entzündlicher Arthritis: Leflunomid kann ohne Therapiepause fortgeführt werden. [12]

Alltag und Handhabung

Einnahme: Tabletten unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit einnehmen; Nahrungsaufnahme beeinflusst die Resorption nicht. Alkohol wegen additiver Hepatotoxizität vermeiden. [1]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

Arava 10 mg, 20 mg und 100 mg Filmtabletten

Formulierung: Enthält Lactose; 100 mg dient der beschriebenen Aufsättigung. Die FI weist keine geeignete Anwendung unter 18 Jahren aus. [1]

Lagerung: Blister in Originalverpackung; Flasche fest verschlossen halten. [1]

Überdosierung und Antidot

Bei Überdosierung oder Toxizität Elimination mit Colestyramin oder Aktivkohle beschleunigen. Der aktive Metabolit wird durch Hämodialyse oder CAPD nicht wirksam entfernt. [1]

Quellen und Links
Methotrexat
Kurzzusammenfassung
Indikationen RA · PsA · polyartikuläre JIA (präparate-/altersabhängig); Psoriasis vulgaris; Morbus Crohn (präparateabhängig).
Dosierung

RA: 15 mg 1× wöchentlich, Steigerung bis 25 mg/Woche (präparateabhängig) p.o./s.c.

PsA: üblicherweise 20–25 mg/Woche.

Psoriasis: 15 mg/Woche, bei Bedarf 20 mg, vereinzelt bis 25 mg.

Crohn: 25 mg s.c./Woche zur Einleitung, 15 mg/Woche zur Erhaltung.

Gegenanzeigen (Auswahl) Kreatininclearance <30 ml/min; Schwangerschaft.
Besondere Sicherheitsmaßnahmen Einmal wöchentlich – fester Wochentag und sichere Handhabung. Schwangerschaft ausschließen.
Wirkmechanismus

Methotrexat ist ein Folsäureanalogon und hemmt kompetitiv die Dihydrofolat-Reduktase sowie die DNA-Synthese. Welche Bedeutung die immunsuppressive und entzündungshemmende Wirkung sowie erhöhte extrazelluläre Adenosinkonzentrationen für die klinische Wirkung haben, ist nicht abschließend geklärt. [1]

Indikationen
Indikation Anwendungsbereich
RA Aktive RA.
PsA Schwere Psoriasis-Arthritis.
JIA Polyarthritische Formen schwerer aktiver JIA nach unzureichendem NSAR-Ansprechen; Zulassung und Altersgrenzen präparateabhängig. Jylamvo ab 3 Jahren; metex-Tabletten 7,5/10 mg ohne JIA-Zulassung. [2][3]
Psoriasis vulgaris Mittelschwere bis schwere bzw. schwere therapierefraktäre Erkrankung.
Morbus Crohn metex PEN/Fertigspritzen, Methofill-Fertigspritzen/Fertiginjektoren und MTX-ratiopharm-Fertigspritzen bei leichtem bis mittelschwerem Crohn nach Thiopurin-Versagen/Unverträglichkeit, allein oder mit Kortikosteroiden. Nordimet bei mäßigem steroidabhängigem Crohn: Induktion mit Kortikosteroiden; Erhaltung als Monotherapie nach MTX-Ansprechen. [1][4][5][6][7][8]

Zulassungen, Vorbehandlung und Altersgrenzen nach Präparat.

Off-Label-Anwendungen

Systemischer Lupus erythematodes (SLE) (Off-Label): Option bei klinisch unzureichender Kontrolle unter Hydroxychloroquin und höchstens 5 mg Prednisolon-Äquivalent/Tag; auch bei trotz Basistherapie aktiver kutaner SLE-Manifestation. Keine Lupusnephritis-Standardtherapie. [9][10]

Weitere (Off-Label)-Anwendungen: Systemische Sklerose [11], Myositiden [12], Polymyalgia rheumatica und Riesenzellarteriitis [13], Takayasu-Arteriitis [14], Granulomatose mit Polyangiitis und mikroskopische Polyangiitis [15], Persistierende oligoartikuläre juvenile idiopathische Arthritis [16], JIA-assoziierte Uveitis [17].

Dosierung und Anwendung

MTX wird bei den hier beschriebenen entzündlichen Erkrankungen ausschließlich einmal wöchentlich angewendet. Eine versehentliche tägliche Anwendung kann tödlich verlaufen. Wochentag schriftlich festlegen und Verständnis der Einnahme bzw. Injektion prüfen. Verordnung und Überwachung durch in der MTX-Therapie erfahrene Ärzte.[1]

Indikation Dosierung
RA Initial 15 mg/Woche.
Rasche Steigerung bis 25 mg/Woche möglich. [18]
PsA – periphere Arthritis Üblicherweise 20–25 mg/Woche als ausreichende therapeutische Dosis. [19]
Psoriasis vulgaris Initial und zur Erhaltung meist 15 mg/Woche.
Bei unzureichendem Ansprechen 20 mg/Woche, bei einzelnen Patienten bis 25 mg/Woche. [20]
Morbus Crohn Einleitung: 25 mg s.c./Woche.
Erhaltung: 15 mg s.c./Woche.
Dosierschema der metex-PEN-FI. [1]
Takayasu-Arteriitis · Erwachsene (Off-Label)Etwa 0,3 mg/kg einmal wöchentlich nach den französischen nationalen Empfehlungen; zusätzlich zu Glukokortikoiden. Applikationsweg und präparatespezifische Höchstdosis individuell festlegen. [21]

RA – Präparateunterschied: Lantarel- und metex-Tabletten sowie MTX HEXAL Fertigspritzen: im Allgemeinen höchstens 20 mg/Woche. [22][3][23]

Abweichende FI-Startdosen, Höchstdosen und Testdosen.

Applikation und Einnahme

Tabletten bzw. Lösung zum Einnehmen oder s.c. Injektion. Bei höheren Dosen steigt die orale Exposition nicht proportional. Bei Dosen >15 mg/Woche, unzureichendem Ansprechen oder gastrointestinaler Unverträglichkeit s.c. Anwendung erwägen. [18]

Die metex-PEN-FI beschreibt eine variable orale Bioverfügbarkeit (im Mittel etwa 70 %, Spanne 25–100 %) gegenüber nahezu 100 % parenteral. Beim Wechsel von p.o. auf parenteral kann eine Dosisreduktion erforderlich sein. [1]

Selbstinjektion nach Schulung. Applikationswege, Einnahme und erste Injektion nach Präparat.

Versäumte Dosis

Keine doppelte Dosis anwenden. Konkrete Nachholregeln nach Präparat.

Folsäure

5 mg Folsäure etwa 24 Stunden nach MTX zur Verringerung von Nebenwirkungen. [24], [20] Präparatespezifische Angaben.

Pädiatrische Dosierungen

JIA: 10–15 mg/m² KOF einmal wöchentlich, p.o. oder s.c.; bei 15 mg/m²/Woche wird im MARAJIA-Konsens wegen der Bioverfügbarkeit die s.c. Gabe bevorzugt. [25]

Präparatespezifische Altersgrenzen, Applikationswege und höhere FI-Dosen bei therapierefraktärer JIA.

Dosisanpassung

Nierenfunktion – DGRh

Von MTX bei einer GFR ≤45 ml/min wird abgeraten; unter 30 ml/min soll MTX nicht eingesetzt werden. Bei einer GFR >45 bis 60 ml/min eine Initialdosis von höchstens 10 mg/Woche mit schrittweiser Anpassung erwägen; bei GFR >60 ml/min werden 15–25 mg/Woche genannt. [26]

Nierenfunktion – metex PEN: Dosisanpassung nach Kreatininclearance. [1]

Kreatininclearance Anteil der vorgesehenen Dosis
≥60 ml/min 100 %.
30–59 ml/min 50 %.
<30 ml/min Kontraindiziert.

Abweichende Bezugsgrößen: Die metex-PEN-Tabelle bezieht sich auf die Kreatininclearance; die DGRh-Empfehlung auf die GFR. [26][1]

Bei Kreatininanstieg MTX unterbrechen. [24] Bei Dehydratation eine Unterbrechung erwägen. [22]

Leberfunktion: Bei erheblicher aktueller oder früherer Lebererkrankung nur mit größter Vorsicht. Schwere Leberfunktionsstörung ist kontraindiziert; metex PEN nennt außerdem Bilirubin >5 mg/dl (85,5 µmol/l) als Gegenanzeige. Bei anhaltenden oder erheblichen Auffälligkeiten der Leberdiagnostik Behandlung nicht beginnen bzw. unterbrechen. Persistierende Transaminasenanstiege oder sinkendes Albumin erfordern Abklärung und gegebenenfalls Reduktion/Absetzen; normale Transaminasen schließen eine Fibrose nicht sicher aus. Risikofaktoren: Alkoholanamnese, persistierende Enzymerhöhung, eigene oder familiär erbliche Lebererkrankung, Diabetes, Adipositas, frühere hepatotoxische Exposition und lange MTX-Behandlung. Bei insulinpflichtigem Diabetes wurden Zirrhosen auch ohne Transaminasenanstieg beschrieben. [1]

Alter: Eingeschränkte Organfunktion und geringere Folatreserven berücksichtigen. [1] Bei >75 Jahren eine reduzierte Startdosis erwägen; bei >80 Jahren 10 mg/Woche als Startdosis, abhängig von biologischem Alter, Komorbiditäten und Körpergewicht. [26]

Aszites / Pleuraergüsse: Verzögerte Elimination möglich; besonders sorgfältige Überwachung, gegebenenfalls Dosisreduktion oder Absetzen. Pleuraergüsse und Aszites vor Therapiebeginn drainieren (metex PEN [1]).

Vor Therapiebeginn
Bereich Maßnahme
Anamnese und Aufklärung Infektionen, Lungen- und Lebererkrankung, Alkohol, Komedikation; einmal-wöchentliches Schema.
Blutbild Großes Blutbild einschließlich Differenzialblutbild und Thrombozyten.
Leber Transaminasen, Bilirubin, Albumin; Fibrosediagnostik bei entsprechender Risikokonstellation.
Niere Nierenfunktion / Kreatininclearance.
Reproduktion Schwangerschaft ausschließen; Kontrazeption.
Impfungen Impfstatus prüfen.

HBV-Screening: HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs; bei HBsAg+ oder Anti-HBc+ zusätzlich HBV-DNA. [27]

HBV-StatusRisiko unter MTXKontrollen ohne antivirale Prophylaxe
HBsAg+Niedrig (<1 %). [28]Nach deutscher S3 spätestens alle 8 Wochen; HBV-DNA und ALT. [27]
HBsAg−/Anti-HBc+; HBV-DNA+ vor TherapiebeginnNiedrig (<1 %). [28]Nach EASL Vorgehen wie bei HBsAg+; hepatologischen Therapie- und Kontrollplan vor Beginn festlegen. [28]
HBsAg−/Anti-HBc+; HBV-DNA−Niedrig (<1 %). [28]Nach deutscher S3 HBsAg, HBV-DNA und ALT alle 1–3 Monate. [27]

Gesamtrisiko: Glukokortikoiddosis/-dauer, weitere Immunsuppression sowie Chemo-/Transplantationsregime berücksichtigen. Anti-HBs+ schließt bei Anti-HBc+ eine Reaktivierung nicht aus. Bei erhöhtem Gesamtrisiko Prophylaxe erwägen. Wenn erforderliche HBV-Kontrollen nicht gesichert sind: Prophylaxe. [27][28]

Präemptive Therapie: Bei zuvor negativer HBV-DNA und neuem DNA-Nachweis oder HBsAg-Reversion sofort antiviral behandeln, vor Auftreten einer Hepatitis. [27]

Prophylaxe: Entecavir oder Tenofovir (TDF/TAF) vor Immunsuppression beginnen, währenddessen und danach 6–12 Monate (bei B-Zell-Depletion mindestens 18 Monate) fortführen. Nach Absetzen weiter überwachen; bei eigenständiger HBV-Therapieindikation länger behandeln. [27]

Impfung: Bei HBsAg−/Anti-HBc− und fehlendem Impfschutz möglichst vor Immunsuppression impfen; Schema und Erfolgskontrolle. [27][29]

Thoraxröntgen, Tbc und Hepatitis

Präparatespezifische Voruntersuchungen.

Beeinträchtigte Lungenfunktion: MTX mit besonderer Vorsicht anwenden; nach respiratorischen Beschwerden fragen und bei Bedarf die Lungenfunktion untersuchen (Nordimet). [8]

Kontrollen

Kontrollumfang: Blutbild einschließlich Differenzialblutbild/Thrombozyten, GOT/GPT, alkalische Phosphatase, Kreatinin; klinische Befragung und Untersuchung.

PhaseZeitpunkt / Intervall
Vor TherapiebeginnVor Beginn.
Erste KontrolleNach 1–2 Wochen.
Zweite KontrolleNach weiteren 2–3 Wochen.
Weiterer VerlaufAnschließend alle 4 Wochen.
Längerfristig komplikationslosIntervall auf 6–12 Wochen verlängerbar.

Blutbild mit Differenzialblutbild/Thrombozyten, Transaminasen und Albumin, Nierenfunktion einschließlich Urinanalyse, Mund-/Rachenschleimhaut und Lungensymptome. Häufigere Kontrollen bei Dosissteigerung, höherem Alter oder erhöhtem Toxizitätsrisiko. [1], [3]

Abweichende Kontrollintervalle der Fachinformationen.

Wirkbeginn und Therapiebeurteilung

RA: Wirkbeginn nach etwa 4–8 Wochen. [24]

PsA / Psoriasis: etwa 2–6 Wochen; Morbus Crohn: etwa 8–12 Wochen (metex PEN). [1]

RA – Therapieziel: Anhaltende Remission; bei individuell unerreichbarer Remission zumindest niedrige Krankheitsaktivität. [18]

RA: Bei aktiver Erkrankung Krankheitsaktivität alle 1–3 Monate beurteilen. Therapie anpassen, wenn spätestens nach 3 Monaten keine Besserung oder nach 6 Monaten keine Remission erreicht ist. [18]

Bei ausreichendem Ansprechen und Verträglichkeit langfristige Behandlung. [24]

Gegenanzeigen

Schwere Nierenfunktionsstörung: Kreatininclearance <30 ml/min.

Schwangerschaft – embryotoxisch und teratogen.

Schwere Leberfunktionsstörung; Alkoholabusus.

Vorbestehende Blutbildveränderungen: Knochenmarkhypoplasie, Leukopenie, Thrombozytopenie oder signifikante Anämie.

Schwere akute oder chronische Infektionen, etwa Tuberkulose; HIV und andere Immundefizienzsyndrome.

Ulzera der Mundhöhle und bekannte Ulzera des Magen-Darm-Trakts.

Stillzeit laut Fachinformation; abweichende EULAR-Empfehlung unter Schwangerschaft und Stillzeit.

Gleichzeitige Impfung mit Lebendimpfstoffen.

Überempfindlichkeit gegen Wirkstoff oder sonstige Bestandteile. [1]

Nebenwirkungen und Maßnahmen
Ereignis / Befund Konsequenz
Übelkeit, Erbrechen, leichte gastrointestinale Beschwerden Bei stärkerer Unverträglichkeit Wechsel der Applikationsform erwägen. [24]
Stomatitis / Schleimhautulzera MTX unterbrechen. [24], [1]
Diarrhö MTX unterbrechen (metex PEN [1]).
Transaminasen >3 × Normobergrenze Unterbrechen. [24] metex PEN [1]: bei anhaltender Enzymerhöhung Dosisreduktion oder Absetzen erwägen; relevante Albuminabnahme abklären.
Fortschreitende Leberfibrose / Zirrhose MTX unterbrechen. [24]
Leukozyten <3.000/µl, Granulozyten <2.000/µl oder Thrombozyten <100.000/µl Unterbrechen. [24]
Aplastische Anämie / Panzytopenie / ausgeprägte Knochenmarksuppression MTX sofort absetzen. Bei MTX-Toxizität Calciumfolinat; siehe Überdosierung und Antidot. [1]
Kreatininanstieg / akute Nierenfunktionsstörung Unterbrechen.
Trockener Husten, Dyspnoe, Fieber; Verdacht auf Pneumonitis Sofort unterbrechen und unverzüglich abklären, einschließlich infektiöser Differenzialdiagnosen. Bei MTX-induzierter Lungenerkrankung keine Wiederaufnahme (Nordimet [8]).
Pulmonale alveoläre Blutung Als mögliche MTX-assoziierte Komplikation berücksichtigen; sofortige Abklärung (metex PEN [1]).
Schwere Infektion MTX unterbrechen. [24]
Exanthem Unterbrechen. Schwere Hautreaktion oder Überempfindlichkeit: sofort absetzen und dringlich behandeln. Bei Verdacht auf SJS/TEN Wiederaufnahme erst nach deren Ausschluss. Bei MTX-assoziierter epidermaler Nekrose beschreibt die FI eine Behandlung mit Folinsäure (metex PEN [1]).
Photosensibilität, Alopezie, lokale Injektionsreaktionen Bei Photosensibilität intensive Sonne und UV-Strahlung vermeiden; Sonnenschutz verwenden. [1]
Neurologische Verschlechterung / PML-Verdacht PML differenzialdiagnostisch berücksichtigen. [1]
Lymphom / lymphoproliferative Erkrankung MTX absetzen; eine Rückbildung nach Absetzen ist möglich. [1]
Wechselwirkungen
Kombination Konsequenz
Cotrimoxazol in antibiotischer Therapiedosis, beispielsweise 960 mg zweimal täglich Nicht kombinieren; erhöhtes Risiko hämatologischer Toxizität.
Cotrimoxazol zur PJP-Prophylaxe, 960 mg dreimal wöchentlich Die Prophylaxedosis wird von der DGRh als unbedenklich bewertet. [26] Die FI warnt allgemein vor verstärkter Toxizität durch Trimethoprim/Sulfonamide. [1]
Penicillin-AntibiotikaMTX für die Dauer der Penicillinbehandlung pausieren. [26]
ProbenecidNicht mit MTX kombinieren; verminderte renale Ausscheidung und erhöhte MTX-Toxizität. [26]
ASS ≥2 g/Tag Nicht kombinieren.
ASS 80–100 mg/Tag zur Thrombozytenaggregationshemmung Unbedenklich nach DGRh. [26]
Metamizol Bei Erwachsenen bis 79 Jahre von der Kombination abraten; ab 80 Jahren soll sie nicht eingesetzt werden.
Isoniazid Engmaschigere Leberkontrollen wegen additiver Hepatotoxizität.
Leflunomid DGRh: Kombination bei RA unter regelmäßigen Blutbild- und Leberkontrollen vertretbar. Abweichend rät die Arava-Fachinformation von der Kombination ab. [26][30]
NSAR Erhöhtes Toxizitätsrisiko besonders bei eingeschränkter Nierenfunktion.
Protonenpumpenhemmer Bei MTX-Standarddosierung nach DGRh keine klinisch relevante Interaktion. [26] Die metex-PEN-FI nennt eine mögliche Verzögerung der renalen Elimination durch Omeprazol/Pantoprazol. [1]
Distickstoffmonoxid (Lachgas) Gleichzeitige Anwendung vermeiden; verstärkte Folatantagonisierung mit möglicher schwerer Myelosuppression und Stomatitis. metex PEN [1]
Theophyllin Theophyllinspiegel überwachen; MTX kann dessen Clearance vermindern. [1]
Mercaptopurin Erhöhte Mercaptopurinspiegel; gegebenenfalls Dosisanpassung. metex PEN [1]
Ciclosporin Verstärkte MTX-Wirkung und -Toxizität sowie Risiko übermäßiger Immunsuppression und Lymphoproliferation. Jylamvo [2]

Leflunomid: Kombination mit MTX und weitere Wechselwirkungen.

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: 1–3 Monate vor Konzeption absetzen und auf eine schwangerschaftsverträgliche Therapie umstellen. Während der Schwangerschaft kontraindiziert: embryotoxisch und teratogen. [31]

Stillzeit: ≤25 mg/Woche nur erwägen, wenn eine stillverträgliche Alternative ungeeignet ist. [31]

Väterlicher Kinderwunsch: Fortführung bis 25 mg/Woche möglich. [31]

Zusätzlich – ungeplante Exposition (BSR): Bei niedrig dosiertem MTX (≤25 mg/Woche) sofort absetzen, Folsäure 5 mg täglich geben bzw. fortführen und eine frühzeitige pränatalmedizinische Risikobeurteilung veranlassen. Bei Einnahme im Monat vor Konzeption empfiehlt die BSR 5 mg Folsäure täglich bis zur 12. Schwangerschaftswoche. [32] Weiterführende Ultraschallkontrollen und teratologische Beratung anbieten. Eine Senkung des MTX-bedingten fetalen Risikos durch Folsäure ist nicht belegt. [33]

Fachinformation – metex PEN: Schwangerschaft vor Therapiebeginn ausschließen. Kontrazeption für Frauen während der Therapie und mindestens 6 Monate danach, für Männer während der Therapie und mindestens 3 Monate danach; im gleichen Zeitraum keine Samenspende. Schwangerschaft und Stillzeit sind in der FI kontraindiziert. Bei Konzeption während oder innerhalb von sechs Monaten nach Therapieende: teratologische Beratung und Ultraschallkontrollen. [1]

Fachinformation – Expositionsdaten: Bei mütterlicher MTX-Einnahme <30 mg/Woche werden Spontanaborte bei 42,5 % gegenüber 22,5 % und schwere Geburtsfehler bei 6,6 % gegenüber etwa 4 % der Lebendgeburten angegeben; Vergleich jeweils mit Frauen ähnlicher Grunderkrankung unter anderen Arzneimitteln. Die Zahlen beziehen sich auf eine Exposition während der Schwangerschaft. [1]

Fachinformation – Fertilität: Oligospermie, Menstruationsstörungen und Amenorrhö sind möglich und meist reversibel. [1]

Impfungen

Fachinformation: Gleichzeitige Lebendimpfungen sind kontraindiziert; Impfantworten können vermindert sein. [1]

Lebendimpfungen bei Erwachsenen mit >20 mg MTX/Woche: Mindestens 4 Wochen vor Beginn beziehungsweise frühestens 2 Monate nach Therapieende. [34]

Niedrigdosiertes MTX: Bei Erwachsenen ≤0,4 mg/kg/Woche oder ≤20 mg/Woche, bei Kindern ≤15 mg/m²/Woche können MMR-, MMRV- oder Varizellenimpfungen mit Priorix, PriorixTetra beziehungsweise Varilrix nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung erwogen werden; abweichend von der MTX-FI. [34]

Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe

Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [29]

ImpfungIndikation / Schema
InfluenzaJährlich bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren; inaktivierter Impfstoff, ab 60 Jahren Hochdosis- oder MF59-adjuvantiert.
COVID-19Jährlich bei relevanter Immunsuppression/weiterem Risikofaktor oder ab 75 Jahren, bevorzugt Spätsommer/Frühherbst. Bei ausgeprägter Immundefizienz zusätzliche Dosen/verkürzte Abstände individuell. [35]
Pneumo­kokkenPCV20 bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren. Nach PCV13/15 ≥1 Jahr; nach PPSV23 ≥6 Jahre, bei ausgeprägter Immundefizienz gegebenenfalls ≥1 Jahr.
Herpes zosterAb 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression.
Hepatitis BBei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l.
RSVEinmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/Immundefizienz oder Pflegeheimbewohnenden. Möglichst vor der RSV-Saison.

Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [29]

Operationen

MTX kann perioperativ fortgeführt werden. Bei >20 mg/Woche vorübergehende Reduktion auf ≤15 mg/Woche erwägen. [36]

Elektive Hüft-/Knieendoprothetik: Bedingte Empfehlung zur Fortführung der üblichen Dosis. Bei schweren/rezidivierenden Infektionen oder früherer Protheseninfektion kann eine Pause gewählt werden. [37]

Alltag und Handhabung

Alkohol vermeiden. metex PEN hat einen geringen oder mäßigen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit; bei Müdigkeit oder Schwindel nicht fahren bzw. Maschinen bedienen.

Einnahme, Hilfsstoffe und Handhabung nach Präparat.

MTX und benutzte Injektionsgeräte sicher und für Kinder unzugänglich aufbewahren bzw. entsorgen.

Schwangeres medizinisches Fachpersonal darf metex PEN nicht handhaben oder verabreichen. Haut- und Schleimhautkontakt vermeiden; bei Kontakt sofort mit reichlich Wasser spülen. [1]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

Jylamvo · Lantarel · Lantarel FS · metex Tabletten · metex Fertigspritzen · metex PEN · Methofill · MTX HEXAL Tabletten · MTX HEXAL Fertigspritzen · MTX-ratiopharm · Nordimet

Auswahl. Wirkstärken in mg je Tablette, Pen oder Fertigspritze; Konzentrationen in mg/ml, Volumina in ml.

Lagerung: metex, Lantarel FS, MTX HEXAL und MTX-ratiopharm: nicht über 25 °C; in der Originalverpackung vor Licht schützen. [1], [4], [3], [38], [7], [23], [39] Weitere Angaben beim jeweiligen Präparat.

Pens und Fertigspritzen: Einmalige Anwendung; Reste verwerfen. [1], [8]

Jylamvo – Lösung zum Einnehmen

Konzentration: 2 mg/ml.
Zulassungsbesonderheit: Polyarthritische schwere aktive JIA nach unzureichendem NSAR-Ansprechen ab 3 Jahren.
FI-Dosierung bei JIA: 10–15 mg/m² KOF einmal wöchentlich; therapierefraktär bis 20 mg/m²/Woche mit häufigeren Kontrollen, höchstens 25 mg insgesamt pro Woche. [2]

Vor Therapiebeginn: Thoraxröntgen; Tbc- und Hepatitis-B-/C-Ausschluss bei klinischer Indikation.
Einnahme: Mit oder ohne Nahrung; orale Dosierspritze mit ml-Skalierung, 10 mg entsprechen 5 ml.
Folsäure: 5 mg zweimal wöchentlich, nicht am MTX-Tag. [2]

Hilfsstoffe: Parahydroxybenzoate; allergische Reaktionen, auch verzögert, möglich.
Lagerung / Anbruch: Nicht über 25 °C lagern; Flasche fest verschlossen halten; nach Anbruch 3 Monate haltbar. [2]

Lantarel – Tabletten

Wirkstärken: 2,5 · 7,5 · 10 mg.
Zulassung: Schwere aktive RA nach unzureichender Vorbehandlung/Unverträglichkeit oder bei besonders aggressivem Verlauf; schwere polyarthritische JIA ab dem 3. Lebensjahr nach NSAR-Versagen; schwere konventionell unzureichend behandelbare Psoriasis/PsA. [22]

FI-Dosierung bei RA: Initial 7,5 mg/Woche; Steigerung um 2,5 mg. Höherer Einstieg möglich; im Allgemeinen höchstens 20 mg/Woche.
Vor Therapiebeginn: Hepatitis-Serologie (A, B, C); ggf. Tbc-Ausschluss, Thoraxröntgen und Lungenfunktion. [22]

Einnahme: Einmal wöchentlich, unzerkaut mit Wasser; vorzugsweise abends und möglichst nicht zu den Mahlzeiten.
Teilbarkeit: Kerben bei 2,5 und 10 mg dienen nicht zum Teilen; 7,5 mg ohne Kerbe.
Hilfsstoffe: Lactose.
Lagerung: Die FI nennt ≤25 °C. [22]

Versäumte Dosis: Innerhalb von 24 Stunden nach dem vorgesehenen Tag nachholen; bei längerer Verzögerung vor der Anwendung ärztliche Rücksprache. Keine doppelte Dosis. [40]

Lantarel FS – Fertigspritzen

Wirkstärken: 7,5 · 10 · 15 · 20 · 25 mg.
Zulassungsbesonderheiten: Schwere konventionell unzureichend behandelbare PsA; polyarthritische schwere aktive JIA nach unzureichendem NSAR-Ansprechen, FI-Wortlaut „ab dem 3. Lebensjahr“. [38]

FI-Dosierung bei JIA: 10–15 mg/m² KOF einmal wöchentlich; in therapierefraktären Ausnahmefällen 20–30 mg/m²/Woche mit häufigeren Kontrollen.
Vor Therapiebeginn: Hepatitis-Serologie (A, B, C); ggf. Tbc-Ausschluss, Thoraxröntgen und Lungenfunktion.
Anwendung: Erwachsene s.c., i.m. oder i.v.; Kinder und Jugendliche s.c. oder i.m. [38]

metex – Tabletten

Wirkstärken: 2,5 · 7,5 · 10 mg. [41], [3]
Zulassungsbesonderheiten der 7,5-/10-mg-Tabletten: Schwere konventionell unzureichend behandelbare PsA; keine JIA-Indikation in dieser FI.
FI-Dosierung bei RA: Im Allgemeinen höchstens 20 mg/Woche. [3]

Vor Therapiebeginn: Hepatitis-Serologie (A, B, C); ggf. Tbc-Ausschluss, Thoraxröntgen und Lungenfunktion.
FI-Kontrollintervalle: Erste 2 Wochen wöchentlich; folgender Monat alle 2 Wochen; danach abhängig von Leukozytenzahl und Stabilität etwa monatlich.
Einnahme der 7,5-/10-mg-Tabletten: Unzerkaut mit Wasser, vorzugsweise abends und möglichst nicht zu den Mahlzeiten. [3]

metex – Fertigspritzen

Wirkstärken: 7,5 · 10 · 12,5 · 15 · 17,5 · 20 · 22,5 · 25 · 27,5 · 30 mg.
Zulassungsbesonderheiten: Schwere PsA bei Erwachsenen; schwere therapierefraktäre Psoriasis vulgaris.
Vor Therapiebeginn: Thoraxröntgen; Tbc- und Hepatitisausschluss bei klinischer Indikation. [4]

metex PEN – Fertigpen

Wirkstärken: 7,5 · 10 · 12,5 · 15 · 17,5 · 20 · 22,5 · 25 · 27,5 · 30 mg.
Konzentration / Volumen: 50 mg/ml; 15 mg entsprechen 0,30 ml. [1]

Zulassung: Aktive RA; schwere polyarthritische JIA nach NSAR-Versagen; mittelschwere bis schwere Psoriasis vulgaris für systemische Therapie; schwere PsA; leichter bis mittelschwerer Crohn nach Thiopurin-Versagen/Unverträglichkeit, allein oder mit Kortikosteroiden. Außer JIA jeweils Erwachsene. [1]

FI-Dosierung bei RA: Initial 7,5 mg s.c./Woche; Steigerung um 2,5 mg/Woche nach Aktivität und Verträglichkeit; in der Regel höchstens 25 mg/Woche.
PsA / Psoriasis: Initial 7,5 mg s.c./Woche, schrittweise Steigerung auf im Allgemeinen höchstens 25 mg/Woche. Parenterale Testdosis von 5–10 mg eine Woche vor Therapiebeginn empfohlen.
Höchstdosis bei PsA / Psoriasis: Üblicherweise 25 mg, in begründeten Ausnahmefällen bis 30 mg. Bei >20 mg/Woche erhöhtes Toxizitätsrisiko, insbesondere Knochenmarksuppression.
Crohn: Einleitung 25 mg s.c./Woche; Erhaltung 15 mg s.c./Woche. [1]

FI-Dosierung bei JIA, unter 16 Jahre: 10–15 mg/m² KOF einmal wöchentlich s.c.; therapierefraktär bis 20 mg/m²/Woche mit häufigeren Kontrollen. Unter 3 Jahren nicht empfohlen. [1]

Vor Therapiebeginn: Thoraxröntgen; Tbc- und Hepatitisausschluss bei klinischer Indikation.
FI-Kontrollintervalle: Erste 2 Wochen wöchentlich; folgender Monat alle 2 Wochen; folgende 6 Monate je nach Leukozytenzahl und klinischer Stabilität mindestens monatlich; danach mindestens alle 3 Monate. [1]

Anwendung: Einmal wöchentlich s.c.; erste Injektion unter direkter medizinischer Überwachung.
Folsäure: Supplementation nach Behandlungsleitlinien möglich.
Lagerung: ≤25 °C; nicht einfrieren; Lichtschutz im Umkarton. [1]
Versäumte Dosis: Keine doppelte Dosis anwenden. [42]

Nierenfunktion: Konkrete Dosisanteile in der Dosisanpassung. [1]

Methofill – Fertigspritzen und Fertiginjektoren

Fertigspritzen (Herstellerangebot): 7,5 · 10 · 12,5 · 15 · 17,5 · 20 · 25 mg.
Fertiginjektoren: 7,5 · 10 · 12,5 · 15 · 17,5 · 20 · 22,5 · 25 · 27,5 · 30 mg.
Konzentration: 50 mg/ml. [5], [6]

Lagerung: Nicht über 30 °C; im Umkarton vor Licht schützen. [5], [6]

MTX HEXAL – Tabletten

Wirkstärken: 2,5 · 5 · 7,5 · 10 · 15 mg. [43], [44], [45], [46], [39]
Zulassungsbesonderheit der 15-mg-Tabletten: Schwere konventionell unzureichend behandelbare PsA. [43]

MTX HEXAL – Fertigspritzen

Wirkstärken: 7,5 · 10 · 15 · 20 · 25 mg.
Zulassungsbesonderheit: Schwere PsA bei Erwachsenen.
Dosierung bei RA laut Gebrauchsinformation: Im Allgemeinen höchstens 20 mg/Woche.
Versäumte Dosis: Innerhalb von 24 Stunden nach dem vorgesehenen Tag nachholen; bei längerer Verzögerung vor der Anwendung ärztliche Rücksprache. Keine doppelte Dosis. [23]

MTX-ratiopharm – Fertigspritzen

Wirkstärken: 7,5 · 10 · 12,5 · 15 · 17,5 · 20 · 25 mg.
Zulassungsbesonderheit: Schwere PsA bei Erwachsenen.
Vor Therapiebeginn: Thoraxröntgen; Tbc- und Hepatitisausschluss bei klinischer Indikation. [7]

Nordimet – Fertigpens und Fertigspritzen

Wirkstärken: Beide Darreichungsformen mit 7,5 · 10 · 12,5 · 15 · 17,5 · 20 · 22,5 · 25 mg.
Konzentration / Volumen: 25 mg/ml; 15 mg entsprechen 0,60 ml. [8]

Zulassungsbesonderheiten: Schwere PsA bei Erwachsenen; schwere polyarthritische JIA nach unzureichendem NSAR-Ansprechen; mäßiger steroidabhängiger Crohn bei Erwachsenen, Remissionsinduktion mit Kortikosteroiden und Remissionserhaltung als Monotherapie nach MTX-Ansprechen. [8]

FI-Dosierung bei JIA, unter 16 Jahre: 10–15 mg/m² KOF einmal wöchentlich s.c.; therapierefraktär bis 20 mg/m²/Woche mit häufigeren Kontrollen. Unter 3 Jahren nicht empfohlen.
Vor Therapiebeginn: Thoraxröntgen; Tbc- und Hepatitisausschluss bei klinischer Indikation. [8]

Lagerung: Unter 25 °C; nicht einfrieren; im Umkarton vor Licht schützen. [8]

Vorbestehende Lungenfunktionsstörung: Besondere Vorsicht. [8]

Überdosierung und Antidot

Bei versehentlicher täglicher statt wöchentlicher Anwendung oder Verdacht auf schwere MTX-Toxizität: MTX sofort absetzen und unverzüglich ärztlich abklären. [42]

Calciumfolinat (Folinsäure, Leucovorin) ist das spezifische Antidot. Gewöhnliche Folsäure ersetzt keine Calciumfolinat-Rescue. [1], [47]

Akute versehentliche Überdosierung: metex PEN [1]: Calciumfolinat innerhalb einer Stunde i.v./i.m., mindestens in der Menge der schädigenden MTX-Dosis; Fortsetzung bis MTX <10⁻⁷ mol/l (=0,1 µmol/l).

Schwere Toxizität unter niedrig dosiertem MTX: In einer offenen, monozentrischen randomisierten Studie mit 38 Patienten wurden 15 mg Calciumfolinat i.v. alle 6 Stunden gegen 25 mg alle 6 Stunden geprüft. Nachträglich festgelegter primärer Endpunkt: 30-Tage-Mortalität. Eine Überlegenheit der höheren Dosis wurde nicht nachgewiesen; Äquivalenz ist nicht belegt. [47]

Low-dose-Toxizität: Die Überwachung der MTX-Serumspiegel ist hier nicht etabliert. Schwere Toxizität ist auch bei nicht nachweisbarem MTX-Spiegel möglich. [47]

Massive Überdosierung: Hydrierung und gegebenenfalls Harnalkalisierung zur Vermeidung tubulärer Präzipitation. Die FI berichtet wirksame Clearance durch akute intermittierende High-Flux-Hämodialyse; für konventionelle Hämo- und Peritonealdialyse ist eine verbesserte MTX-Elimination nicht belegt.[1]

Quellen und Links

Quellennummern gelten innerhalb dieses Medikamentenkapitels. DGRh-Therapieinformationen: jeweils unten genannter Originalstand.

Sulfasalazin
Konventionelles synthetisches DMARD · Sulfonamid/5-ASA-Prodrug
Fachinformation: Präparateauswahl
Kurzzusammenfassung
IndikationenAktive RA; JIA-Oligoarthritis/Enthesitis-assoziierte Arthritis und polyartikuläre JIA ab 6 Jahren nach unzureichendem NSAR-Ansprechen.
DosierungEinschleichende RA-Dosis bis 1.000 mg zweimal täglich; bei unzureichendem Ansprechen gegebenenfalls bis 3.000 mg/Tag. Pädiatrische Dosierung am Ende des Dosierungsabschnitts.
Gegenanzeigen (Auswahl)Überempfindlichkeit gegen Sulfonamide/Salicylate, schwere Leber-/Niereninsuffizienz, Blutbildveränderungen, G6PD-Mangel, Porphyrie, Methenamin und Alter unter 6 Jahren.
Besondere SicherheitsmaßnahmenBlutbild, Leberwerte, Nierenfunktion/Urinstatus nach engmaschigem FI-Schema; Folsäure in Schwangerschaft berücksichtigen.
Wirkmechanismus

Sulfasalazin ist eine Azoverbindung aus Sulfapyridin und 5-Aminosalicylsäure. Der genaue antirheumatische Wirkmechanismus ist nicht vollständig geklärt; diskutiert werden Effekte auf Leukotriensynthese, Arachidonsäurestoffwechsel und Immunmodulation.[1]

Indikationen
BereichAnwendung
RAAktive rheumatoide Arthritis. [1]
Oligoartikuläre JIA / Enthesitis-assoziierte ArthritisAktive juvenile idiopathische Oligoarthritis / Enthesitis-assoziierte Arthritis ab 6 Jahren nach unzureichendem Ansprechen auf NSAR und/oder lokale Glukokortikoidinjektionen. [1]
Polyartikuläre JIA / polyarthritische SpAAktive juvenile idiopathische Polyarthritis und polyarthritische Spondylarthritis / Enthesitis-assoziierte Arthritis ab 6 Jahren nach unzureichendem NSAR-Ansprechen. [1]

Systemische JIA: Aufgrund des Nebenwirkungsrisikos gemäß Fachinformation für diese Verlaufsform ungeeignet. [1]

Dosierung und Anwendung
Patientengruppe Schema
RA Einschleichend: Woche 1: 500 mg/Tag; Woche 2: 500 mg 2×/Tag; Woche 3: 500 mg morgens + 1.000 mg abends; ab Woche 4: 1.000 mg 2×/Tag.
Unzureichendes Ansprechen Nach 3 Monaten ggf. bis 3.000 mg/Tag; Tagesdosen >4.000 mg nicht überschreiten.

Mindestens 1 Stunde vor einer Mahlzeit mit reichlich Flüssigkeit unzerkaut einnehmen. Wirkungseintritt meist innerhalb 1–3 Monaten.

Leichte bis mäßige Nieren- oder Leberfunktionsstörung: keine Dosisreduktion, aber besondere Vorsicht. Schwere Funktionsstörung ist kontraindiziert.

Pädiatrische Dosierungen

Patientengruppe Schema
JIA ab 6 Jahren 50 mg/kg/Tag in 2 Dosen, maximal 2 g/Tag. Bei unzureichender Wirkung nach 3 Monaten Steigerung bis 75 mg/kg/Tag, maximal 3 g/Tag. [1]
Vor Therapiebeginn und Kontrollen

Vor Beginn: komplettes Blutbild mit Differential und Leberfunktion; Nierenfunktion einschließlich Urinstatus.[2]

Blutbild + Leberwerte: alle 2 Wochen in den ersten 3 Monaten, dann monatlich für weitere 3 Monate, anschließend alle 3 Monate bzw. klinisch.

Nierenfunktion/Urinstatus: zu Beginn und mindestens monatlich in den ersten 3 Monaten, danach nach Bedarf.

Immunglobuline und ANA zu Beginn und in regelmäßigen Abständen erwägen.

DGRh nennt ein weniger enges Routinemuster (erste 3 Monate ca. alle 4 Wochen, danach 8–12 Wochen); für die Sicherheitskontrollen gilt die aktuelle FI. [1]

Therapieunterbrechung und Absetzen

Schwere Infektion: Sulfasalazin absetzen.

SJS/TEN: sofort beenden; nach bestätigtem SJS/TEN niemals erneut anwenden.

DRESS oder andere schwere Überempfindlichkeit ohne alternative Ursache: absetzen.

Halsschmerzen, Fieber, Blässe, Purpura oder Ikterus: Therapie bis zum Vorliegen der Blutuntersuchungen unterbrechen.

Dosisabhängige Nebenwirkungen: nach etwa 1 Woche Pause erneuter langsamer Einstieg möglich; nicht bei Überempfindlichkeitsreaktionen.

[1]
Gegenanzeigen

Überempfindlichkeit gegen Sulfasalazin/Metaboliten, Sulfonamide oder Salicylate; Erkrankungen der Blutbildung; akute intermittierende Porphyrie; schwere Leber- oder Niereninsuffizienz; G6PD-Mangel; vorbestehende Leuko-/Thrombozytopenie; Ileus; Erythema exsudativum multiforme auch anamnestisch; gleichzeitige Methenamin-Therapie; Alter <6 Jahre.[1]

Nebenwirkungen und Maßnahmen
Bereich Auswahl
Gastrointestinal Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerz, Appetitlosigkeit, Diarrhö.
Haut/Allergie Exanthem, Pruritus; selten schwere Hautreaktionen wie SJS/TEN; DRESS möglich.
Blutbild Leukopenie/Agranulozytose, Thrombozytopenie, hämolytische oder aplastische Anämie, Methämoglobinämie.
Leber/Niere Hepatitis, Cholestase; Proteinurie, interstitielle Nephritis, Hämaturie/Kristallurie.
Fertilität Reversible Oligospermie beim Mann.
Wechselwirkungen

Verminderte Folsäureaufnahme; bei Frauen im gebärfähigen Alter Folsäuresupplementierung beachten.

Eisen bildet Chelate und vermindert die Sulfasalazinresorption; Calcium kann die Resorption verzögern.

Digoxinresorption kann sinken; Antibiotika und Anionenaustauscher können die Wirkung/Resorption vermindern.

Orale Antikoagulanzien: Gerinnung engmaschig kontrollieren. Hämatotoxische oder hepatotoxische Kombinationen erfordern engere Überwachung.

Methenamin ist kontraindiziert.

[1]

Ciclosporin: Talspiegel können sinken; Konzentration kontrollieren und Dosis gegebenenfalls anpassen. Azathioprin/6-Mercaptopurin: mögliche TPMT-Hemmung und verstärkte Myelotoxizität; Blutbild enger überwachen und Thiopurindosis prüfen. [1][3]

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: Fortführung bis 2 g/Tag; tägliche Folsäuresupplementierung. [4]

Stillzeit: Mit dem Stillen vereinbar. [4]

Väterlicher Kinderwunsch: Fortführung möglich. Bei verzögerter Konzeption wegen möglicher reversibler Spermienbeeinträchtigung eine Umstellung erwägen und weitere Infertilitätsursachen abklären. [4]

Fachinformation: Schwangerschaft nur bei eindeutiger Indikation; Folsäuresupplementierung bei Schwangerschaftsmöglichkeit und im 1. Trimenon. Stillzeit mit Vorsicht, besonders bei Frühgeborenen oder G6PD-Mangel; bei gestillten Säuglingen wurden Durchfall und Blutstuhl berichtet. Reversible Beeinträchtigung der männlichen Fertilität, meist Normalisierung innerhalb 2–3 Monaten nach Absetzen. [1]

Impfungen

Impfstatus: Tot- und Lebendimpfungen unter Sulfasalazin grundsätzlich möglich; zusätzliche Einschränkungen richten sich nach Grundkrankheit und Begleitimmunsuppression. [2][5]

Oraler Typhus-Lebendimpfstoff: Frühestens 24 Stunden nach Sulfasalazin verabreichen; sonst verminderte Impfantwort möglich. [1][5]

Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe

Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [6]

ImpfungIndikation / Schema
InfluenzaJährlich bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren; inaktivierter Impfstoff, ab 60 Jahren Hochdosis- oder MF59-adjuvantiert.
COVID-19Jährlich bei relevanter Immunsuppression/weiterem Risikofaktor oder ab 75 Jahren, bevorzugt Spätsommer/Frühherbst. Bei ausgeprägter Immundefizienz zusätzliche Dosen/verkürzte Abstände individuell. [7]
Pneumo­kokkenPCV20 bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren. Nach PCV13/15 ≥1 Jahr; nach PPSV23 ≥6 Jahre, bei ausgeprägter Immundefizienz gegebenenfalls ≥1 Jahr.
Herpes zosterAb 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression.
Hepatitis BBei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l.
RSVEinmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/Immundefizienz oder Pflegeheimbewohnenden. Möglichst vor der RSV-Saison.

Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [6]

Operationen

Perioperativ: Sulfasalazin nach DGRh fortführen; Gesamtimmunsuppression und individuelle Komplikationen gesondert berücksichtigen. [8]

Alltag und Handhabung

Magensaftresistente Tabletten mindestens 1 Stunde vor einer Mahlzeit mit reichlich Flüssigkeit unzerkaut einnehmen. Bei Halsschmerzen, Fieber, Blässe, Purpura oder Ikterus bis zur Blutbild-/Leberwertkontrolle pausieren. [1]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

Sulfasalazin-Heyl 500 mg magensaftresistente Filmtabletten

500 mg Sulfasalazin je magensaftresistenter Filmtablette. Zulassung für aktive RA und die oben abgegrenzten JIA-Formen. Ganze Tabletten mindestens 1 Stunde vor einer Mahlzeit mit reichlich Flüssigkeit einnehmen. [1]

Überdosierung und Antidot

Typisch sind Übelkeit, Erbrechen, Bauchbeschwerden sowie bei schwerer Intoxikation ZNS-Symptome bis zu Krämpfen. Sulfasalazin und Metaboliten sind dialysierbar; die FI nennt weitere spezifische Maßnahmen abhängig vom Verlauf.[1]

Quellen und Links

Biologische DMARDs

Abatacept
Kurzzusammenfassung
IndikationenRA · PsA; pJIA mit Orencia-Fertigspritzen ab 2 Jahren, i.v. ab 6 Jahren.
Dosierung125 mg s.c. wöchentlich oder 500/750/1.000 mg i.v. nach Gewicht; RA mit MTX.
Gegenanzeigen (Auswahl)Schwere und unkontrollierte Infektion.
Besondere SicherheitsmaßnahmenTbc-/HBV-Screening; Tumoranamnese beachten. I.v.-Form: Maltose-Interferenz bei Glukosemessung.
Wirkmechanismus

CTLA-4-Ig-Fusionsprotein; bindet CD80/CD86 auf antigenpräsentierenden Zellen und hemmt die CD28-vermittelte T-Zell-Kostimulation. [1]

Indikationen

RA: Mäßige bis schwere aktive RA nach unzureichendem DMARD-Ansprechen einschließlich MTX oder TNFi; außerdem hochaktive progrediente RA ohne vorherige MTX-Therapie. Mit MTX. [1]

PsA: Aktive Erkrankung nach unzureichendem DMARD-Ansprechen einschließlich MTX, sofern keine zusätzliche systemische Therapie der Hautläsionen erforderlich ist; allein oder mit MTX. [1]

Polyartikuläre JIA: Mäßige bis schwere aktive Erkrankung nach unzureichender DMARD-Therapie einschließlich MTX. Orencia-Fertigspritze s.c. ab 2 Jahren; Infusion ab 6 Jahren. Mit MTX, bei MTX-Intoleranz oder fehlender Eignung auch allein. Der Fertigpen ist für Erwachsene vorgesehen. [1]

Dosierung und Anwendung

RA s.c.: 125 mg einmal wöchentlich, unabhängig vom Körpergewicht; mit oder ohne einmalige i.v.-Aufsättigung nach Gewicht. Bei i.v.-Aufsättigung erste s.c.-Dosis innerhalb eines Tages. [2][1]

PsA s.c.: 125 mg einmal wöchentlich, unabhängig vom Körpergewicht; keine i.v.-Aufsättigung notwendig. [2][1]

KörpergewichtDosis pro Infusion
<60 kg500 mg
60–100 kg750 mg
>100 kg1.000 mg

I.v.-Intervall: Woche 0, 2 und 4, danach alle 4 Wochen; Infusion über 30 Minuten. DGRh: nach Infusion mindestens 1 Stunde beobachten. [1][2]

Wechsel i.v. → s.c.: Erste s.c.-Gabe zum Zeitpunkt der nächsten geplanten Infusion. [1]

Pädiatrische Dosierungen

KörpergewichtDosis einmal wöchentlich
10 bis <25 kg50 mg
25 bis <50 kg87,5 mg
≥50 kg125 mg

pJIA s.c.: Ohne i.v.-Aufsättigung beginnen. pJIA i.v., 6–17 Jahre: Unter 75 kg 10 mg/kg; ab 75 kg Erwachsenentabelle, maximal 1.000 mg. Woche 0, 2, 4, danach alle 4 Wochen. [1]

Dosisanpassung

Höheres Lebensalter: Keine Dosisanpassung. Nieren-/Leberfunktionsstörung: Nicht untersucht, keine Dosisempfehlung. [1]

Vor Therapiebeginn

Tuberkulose: Anamnese, klinische Untersuchung, IGRA und Thorax-Röntgen; aktive Tuberkulose vor einer LTBI-Prävention ausschließen. [3]

LTBI: Präventive Therapie vor Abatacept beginnen. Kürzere Rifamycin-Schemata bevorzugen: Rifampicin für 4 Monate oder Rifampicin plus Isoniazid für 3 Monate; alternativ Isoniazid für 9 Monate. Wechselwirkungen, Verträglichkeit und Resistenzanamnese berücksichtigen. [3]

Beginn unter LTBI-Prävention: Die gemeinsame Stellungnahme DZK/DGRh/DDG 2021 empfiehlt mindestens 4 Wochen präventive Therapie vor der Immunsuppression. Die S2k-Leitlinie 2022 bezeichnet den frühestmöglichen Start als nicht gesichert und beschreibt 4–8 Wochen als in der Literatur sicher angesehenen Vorlauf. Bei dringlicher Immunsuppression Zeitpunkt interdisziplinär unter Berücksichtigung der Grunderkrankung und des Präventionsverlaufs festlegen. [4][3]

HBV-Screening: HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs; bei HBsAg+ oder Anti-HBc+ zusätzlich HBV-DNA. [5]

HBV-StatusRisiko und Vorgehen
HBsAg+ oder HBsAg−/Anti-HBc+ mit HBV-DNA+ vor TherapiebeginnModerat (1–10 %): antivirale Prophylaxe. [6]
HBsAg−/Anti-HBc+; HBV-DNA−Moderat (1–10 %): Überwachung; bei erhöhtem Gesamtrisiko Prophylaxe erwägen. [6]

Gesamtrisiko: Glukokortikoiddosis/-dauer, weitere Immunsuppression sowie Chemo-/Transplantationsregime berücksichtigen. Anti-HBs+ schließt bei Anti-HBc+ eine Reaktivierung nicht aus. Wenn erforderliche HBV-Kontrollen nicht gesichert sind: Prophylaxe. [5][6]

Kontrollen ohne Prophylaxe: bei HBsAg−/Anti-HBc+/HBV-DNA− HBsAg, HBV-DNA und ALT alle 1–3 Monate. Bei neuem DNA-Nachweis oder HBsAg-Reversion sofort antiviral behandeln, vor Hepatitis. [5]

Prophylaxe: Entecavir oder Tenofovir (TDF/TAF) vor Immunsuppression beginnen, währenddessen und danach 6–12 Monate (bei B-Zell-Depletion mindestens 18 Monate) fortführen. Nach Absetzen weiter überwachen; bei eigenständiger HBV-Therapieindikation länger behandeln. [5]

Impfung: Bei HBsAg−/Anti-HBc− und fehlendem Impfschutz möglichst vor Immunsuppression impfen; Schema und Erfolgskontrolle. [5][7]

Impfstatus: Vor Therapiebeginn prüfen und erforderliche Impfungen unter Beachtung der substanzbezogenen Abstände planen. [8]

Kontrollen

DGRh-Sicherheitslabor: Großes Blutbild, AST/GOT, AP, Kreatinin und Urin-Stix nach 2–4 Wochen, danach vierteljährlich; Begleitmedikation berücksichtigen. BSG/CRP separat zur Aktivitätsbeurteilung. [2]

Klinisch: Infektionen, Lymphknoten und B-Symptome; regelmäßige Hautuntersuchung, besonders bei Hautkrebsrisiko. [2][1]

Wirkbeginn und Therapiebeurteilung

Therapieeffekt nach wenigen Anwendungen möglich. Ohne teilweises Ansprechen nach 3 Monaten beziehungsweise ausreichendes Ansprechen nach 6 Monaten Fortführung kritisch prüfen. [2]

Gegenanzeigen

Schwere und unkontrollierte Infektionen wie Sepsis oder opportunistische Infektionen; Überempfindlichkeit gegen Wirkstoff oder Bestandteile. [1]

Nebenwirkungen und Maßnahmen

Auswahl: Besonders Atemwegsinfektionen; außerdem Kopfschmerzen, Übelkeit, Transaminasenanstieg, Hautausschlag und Injektions-/Infusionsreaktionen. Bei COPD wurden in einer kleinen i.v.-Studiengruppe vermehrt respiratorische und schwerwiegende Ereignisse beobachtet. [1]

Schwerwiegende Infektion: Behandlung abbrechen. Anaphylaxie oder andere schwere allergische Reaktion: Unverzüglich und dauerhaft beenden, Reaktion behandeln. PML-Verdacht: Abatacept abbrechen und gezielt diagnostisch abklären. [1]

Wechselwirkungen

TNF-Inhibitoren: Kombination nicht empfohlen; mehr schwere Infektionen ohne nachgewiesenen Zusatznutzen. Kombination mit anderen Biologika nicht empfohlen. MTX, NSAR und Glukokortikoide: Keine klinisch relevante Änderung der Abatacept-Clearance. [1][2]

Tumoranamnese

Entzündliche Arthritis und Tumor in Remission: Abatacept nach EULAR nur vorsichtig und bei fehlenden therapeutischen Alternativen einsetzen. Bei aktiver Tumorerkrankung gemeinsame Entscheidung mit Onkologie. [9]

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: Anwendbar, wenn zur wirksamen Kontrolle der mütterlichen Erkrankung erforderlich. [10]

Stillzeit: Mit dem Stillen vereinbar. [10]

Väterlicher Kinderwunsch: Fortführung möglich. [10]

Säuglingsimpfungen: Totimpfstoffe nach regulärem Impfplan. Nach intrauteriner Exposition im 2./3. Trimenon Lebendimpfungen bis zum Alter von 6 Monaten verschieben. [10]

Fachinformation: Schwangerschaft nur bei klinischer Erforderlichkeit; zuverlässige Kontrazeption während und bis 14 Wochen nach Therapieende. Stillen in diesem Zeitraum unterbrechen. Bei intrauteriner Exposition nennt die FI für Säuglinge eine Lebendimpfpause bis 14 Wochen nach der letzten maternalen Gabe während der Schwangerschaft. [1]

Impfungen

Lebendimpfstoffe: Während Abatacept und innerhalb von 3 Monaten nach Absetzen vermeiden. Nichtlebendimpfstoffe: Möglich; Impfantwort kann vermindert sein. Bei pJIA Impfschutz vor Beginn aktualisieren. [1]

Abstand zu Lebendimpfstoffen: Mindestens 4 Wochen vor Therapiebeginn oder frühestens 3 Monate nach der letzten Dosis. [8]

Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe

Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [7]

ImpfungIndikation / Schema
InfluenzaJährlich bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren; inaktivierter Impfstoff, ab 60 Jahren Hochdosis- oder MF59-adjuvantiert.
COVID-19Jährlich bei relevanter Immunsuppression/weiterem Risikofaktor oder ab 75 Jahren, bevorzugt Spätsommer/Frühherbst. Bei ausgeprägter Immundefizienz zusätzliche Dosen/verkürzte Abstände individuell. [11]
Pneumo­kokkenPCV20 bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren. Nach PCV13/15 ≥1 Jahr; nach PPSV23 ≥6 Jahre, bei ausgeprägter Immundefizienz gegebenenfalls ≥1 Jahr.
Herpes zosterAb 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression.
Hepatitis BBei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l.
RSVEinmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/Immundefizienz oder Pflegeheimbewohnenden. Möglichst vor der RSV-Saison.

Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [7]

Operationen

Größere elektive Eingriffe/erhöhtes Infektionsrisiko: Pausieren und Operation am Ende des jeweiligen Intervalls planen: s.c. wöchentlich, i.v. vierwöchentlich. Wiederbeginn bei ausreichender Wundheilung ohne Infektionszeichen. [12]

ACR/AAHKS – elektive Hüft-/Knieendoprothetik bei entzündlicher Arthritis: Bei wöchentlicher s.c.-Gabe Operation in Woche 2, bei monatlicher i.v.-Gabe in Woche 5 nach der letzten Dosis planen. Wiederbeginn nach Wundheilung, Entfernung von Fäden/Klammern und ohne relevante Schwellung, Rötung, Sekretion oder anderweitige Infektion; typischerweise nach etwa 14 Tagen. [13]

Alltag und Handhabung

S.c.-Anwendung: Nach Schulung; etwa 30 Minuten vor Anwendung aus dem Kühlschrank nehmen, nicht schütteln. Versäumte s.c.-Dosis: Bis 3 Tage nachholen und bisherigen Rhythmus fortsetzen; bei >3 Tagen Fortsetzung individuell ärztlich festlegen. [1]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

Orencia: Kühl bei 2–8 °C, Lichtschutz. [1]

Orencia 250 mg Infusionspulver

250 mg je Durchstechflasche; nach Rekonstitution 25 mg/ml, anschließend verdünnen. Silikonfreie Spritze verwenden. Maltose: GDH-PQQ-basierte Glukosemessung kann am Infusionstag falsch hohe Werte liefern; nicht interferierende Messmethode verwenden. [1]

Anbruch: Rekonstituierte Lösung aus mikrobiologischer Sicht sofort verdünnen, fertige Infusion sofort verwenden. Chemisch/physikalisch jeweils 24 Stunden bei 2–8 °C stabil, für die fertige Infusion bei unmittelbarer Verdünnung; Infusion innerhalb von 24 Stunden nach Rekonstitution abschließen. [1]

Orencia Fertigspritzen

50 mg/0,4 ml, 87,5 mg/0,7 ml und 125 mg/1 ml; jeweils 125 mg/ml. Für gewichtsadaptierte pJIA-Therapie ab 2 Jahren sowie 125 mg bei Erwachsenen. Enthält Saccharose; nicht einfrieren. [1]

Orencia 125 mg Fertigpen

125 mg/1 ml für Erwachsene; keine pädiatrische Pen-Zulassung. Enthält Saccharose; nicht einfrieren. [1]

Überdosierung und Antidot

Bis 50 mg/kg i.v. ohne offensichtliche toxische Wirkung untersucht. Bei Überdosierung auf Nebenwirkungen überwachen und gegebenenfalls symptomatisch behandeln. [1]

Quellen und Links
Adalimumab
bDMARD · TNF-α-Inhibitor
Kurzzusammenfassung
IndikationenRA · PsA · axSpA · polyartikuläre JIA · Enthesitis-assoziierte Arthritis; Psoriasis · Hidradenitis suppurativa · Morbus Crohn · Colitis ulcerosa · nicht infektiöse Uveitis.
DosierungRA, PsA, axSpA: 40 mg s.c. alle 2 Wochen. Bei RA möglichst mit MTX.
Gegenanzeigen (Auswahl)Herzinsuffizienz NYHA III/IV; aktive Tbc oder andere schwere Infektionen.
Besondere SicherheitsmaßnahmenTbc- und Hepatitis-B-Screening. Aktive Infektionen ausschließen, Impfstatus prüfen.
Wirkmechanismus

Humaner monoklonaler IgG1-Antikörper gegen TNF-α. Blockiert dessen Bindung an die TNF-Rezeptoren p55 und p75. [1]

Indikationen

Rheumatoide Arthritis: Mäßige bis schwere aktive RA nach unzureichendem Ansprechen auf DMARDs einschließlich MTX; außerdem schwere aktive progressive RA ohne vorherige MTX-Therapie. In Kombination mit MTX; Monotherapie bei MTX-Unverträglichkeit oder wenn MTX nicht fortgeführt werden kann.

Psoriasis-Arthritis: Aktive progressive PsA nach unzureichendem Ansprechen auf DMARDs.

Axiale Spondyloarthritis: Schwere aktive ankylosierende Spondylitis nach unzureichender konventioneller Therapie; schwere aktive nicht röntgenologische axSpA mit erhöhtem CRP und/oder MRT-Entzündungszeichen nach unzureichendem Ansprechen auf oder Unverträglichkeit von NSAR.

Polyartikuläre JIA: Aktive Erkrankung ab 2 Jahren nach unzureichendem DMARD-Ansprechen, mit MTX beziehungsweise als Monotherapie bei ungeeignetem MTX. [1]

Enthesitis-assoziierte Arthritis: Aktive Erkrankung ab 6 Jahren nach unzureichendem Ansprechen auf oder Unverträglichkeit der konventionellen Therapie. [1]

Psoriasis: Mittelschwere bis schwere chronische Plaque-Psoriasis bei Eignung für eine systemische Therapie; schwere chronische Plaque-Psoriasis ab 4 Jahren nach unzureichendem Ansprechen auf oder bei ungeeigneter topischer Therapie und Phototherapie.

Hidradenitis suppurativa: Aktive mittelschwere bis schwere Erkrankung ab 12 Jahren nach unzureichendem Ansprechen auf eine konventionelle systemische Therapie.

Morbus Crohn: Mittelschwere bis schwere aktive Erkrankung ab 6 Jahren nach unzureichender konventioneller Therapie beziehungsweise bei deren Unverträglichkeit oder Kontraindikationen.

Colitis ulcerosa: Mittelschwere bis schwere aktive Erkrankung ab 6 Jahren nach unzureichender konventioneller Therapie beziehungsweise bei deren Unverträglichkeit oder Kontraindikationen.

Uveitis: Nicht infektiöse intermediäre, posteriore Uveitis und Panuveitis nach unzureichendem Kortikosteroid-Ansprechen, bei Bedarf einer Kortikosteroid-Einsparung oder bei ungeeigneten Kortikosteroiden. Chronische nicht infektiöse anteriore Uveitis ab 2 Jahren nach unzureichendem Ansprechen auf, Unverträglichkeit von oder bei ungeeigneter konventioneller Therapie.

Dosierung und Anwendung
IndikationDosierung
RA40 mg alle 2 Wochen, möglichst mit MTX. [2] Bei unzureichendem Ansprechen unter Monotherapie: 40 mg wöchentlich oder 80 mg alle 2 Wochen möglich. [1]
PsA40 mg alle 2 Wochen. [1]
AxSpA40 mg alle 2 Wochen. [1]
Plaque-PsoriasisInitial 80 mg; ab Woche 1 40 mg alle 2 Wochen. Bei unzureichendem Ansprechen nach 16 Wochen: 40 mg wöchentlich oder 80 mg alle 2 Wochen möglich; nach ausreichendem Ansprechen Rückkehr zu 40 mg alle 2 Wochen erwägen. [1]
Hidradenitis suppurativa160 mg an Tag 1, 80 mg an Tag 15; ab Tag 29 40 mg wöchentlich oder 80 mg alle 2 Wochen. [1]
Morbus Crohn80 mg in Woche 0, 40 mg in Woche 2; bei erforderlichem raschem Ansprechen alternativ 160/80 mg mit höherem Nebenwirkungsrisiko während der Einleitung. Ab Woche 4 40 mg alle 2 Wochen. Bei nachlassendem Ansprechen: 40 mg wöchentlich oder 80 mg alle 2 Wochen. [1]
Colitis ulcerosa160 mg in Woche 0, 80 mg in Woche 2; ab Woche 4 40 mg alle 2 Wochen. Bei nachlassendem Ansprechen: 40 mg wöchentlich oder 80 mg alle 2 Wochen. [1]
Nicht infektiöse UveitisInitial 80 mg; ab Woche 1 40 mg alle 2 Wochen. [1]

PsA mit peripherer Arthritis: Beim Beginn des ersten TNF-Hemmers ein bisher verträgliches MTX beziehungsweise anderes csDMARD fortführen. Für axiale Symptome ist ein zusätzlicher Nutzen von MTX nicht belegt. [3]

Versäumte Dosis: Sobald wie möglich nachholen; die nächste Dosis am ursprünglich vorgesehenen Tag anwenden. [1]

Pädiatrische Dosierungen

Indikation / AlterDosierung nach Körpergewicht
Polyartikuläre JIA ab 2 Jahren10 bis <30 kg: 20 mg alle 2 Wochen; ≥30 kg: 40 mg alle 2 Wochen.
Enthesitis-assoziierte Arthritis ab 6 Jahren15 bis <30 kg: 20 mg alle 2 Wochen; ≥30 kg: 40 mg alle 2 Wochen.
Plaque-Psoriasis, 4–17 Jahre15 bis <30 kg: initial 20 mg, ab Woche 1 20 mg alle 2 Wochen. ≥30 kg: initial 40 mg, ab Woche 1 40 mg alle 2 Wochen.
Hidradenitis suppurativa ab 12 Jahren, ≥30 kg80 mg in Woche 0; ab Woche 1 40 mg alle 2 Wochen. Bei unzureichendem Ansprechen 40 mg wöchentlich oder 80 mg alle 2 Wochen erwägen.
Morbus Crohn, 6–17 Jahre<40 kg: 40/20 mg in Woche 0/2, ab Woche 4 20 mg alle 2 Wochen. ≥40 kg: 80/40 mg in Woche 0/2, ab Woche 4 40 mg alle 2 Wochen. Bei erforderlichem raschem Ansprechen alternativ Einleitung mit 80/40 mg beziehungsweise 160/80 mg; höheres Nebenwirkungsrisiko. Bei unzureichendem Ansprechen: <40 kg 20 mg wöchentlich; ≥40 kg 40 mg wöchentlich oder 80 mg alle 2 Wochen.
Colitis ulcerosa, 6–17 Jahre<40 kg: 80/40 mg in Woche 0/2, ab Woche 4 40 mg alle 2 Wochen. ≥40 kg: 160/80 mg in Woche 0/2, ab Woche 4 80 mg alle 2 Wochen.
Chronische anteriore Uveitis ab 2 Jahren<30 kg: 20 mg alle 2 Wochen; ≥30 kg: 40 mg alle 2 Wochen, jeweils mit MTX. Optional eine Woche vor Beginn der Erhaltung eine Initialdosis von 40 mg beziehungsweise 80 mg. Für diese Initialdosis fehlen klinische Daten bei Kindern <6 Jahren.
Dosisanpassung

Nieren- und Leberfunktion: Nicht untersucht; keine Dosierungsempfehlung verfügbar.

Alter: Keine Dosisanpassung erforderlich. Bei über 65-Jährigen häufiger schwere Infektionen.

Vor Therapiebeginn

Klinik: Herzinsuffizienz NYHA III/IV und aktive Infektionen ausschließen. Impfstatus prüfen und gegebenenfalls vervollständigen. [2]

Tuberkulose: Anamnese, klinische Untersuchung, IGRA und Thorax-Röntgen; aktive Tuberkulose vor einer LTBI-Prävention ausschließen. [4]

LTBI: Präventive Therapie vor Adalimumab beginnen. Kürzere Rifamycin-Schemata bevorzugen: Rifampicin für 4 Monate oder Rifampicin plus Isoniazid für 3 Monate; alternativ Isoniazid für 9 Monate. Wechselwirkungen, Verträglichkeit und Resistenzanamnese berücksichtigen. [4]

Beginn unter LTBI-Prävention: Die gemeinsame Stellungnahme DZK/DGRh/DDG 2021 empfiehlt mindestens 4 Wochen präventive Therapie vor der Immunsuppression. Die S2k-Leitlinie 2022 bezeichnet den frühestmöglichen Start als nicht gesichert und beschreibt 4–8 Wochen als in der Literatur sicher angesehenen Vorlauf. Bei dringlicher Immunsuppression Zeitpunkt interdisziplinär unter Berücksichtigung der Grunderkrankung und des Präventionsverlaufs festlegen. [5][4]

HBV-Screening: HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs; bei HBsAg+ oder Anti-HBc+ zusätzlich HBV-DNA. [6]

HBV-StatusRisiko und Vorgehen
HBsAg+ oder HBsAg−/Anti-HBc+ mit HBV-DNA+ vor TherapiebeginnHoch (>10 %): antivirale Prophylaxe. [7]
HBsAg−/Anti-HBc+; HBV-DNA−Moderat (1–10 %): Überwachung; bei erhöhtem Gesamtrisiko Prophylaxe erwägen. [7]

Gesamtrisiko: Glukokortikoiddosis/-dauer, weitere Immunsuppression sowie Chemo-/Transplantationsregime berücksichtigen. Anti-HBs+ schließt bei Anti-HBc+ eine Reaktivierung nicht aus. Wenn erforderliche HBV-Kontrollen nicht gesichert sind: Prophylaxe. [6][7]

Kontrollen ohne Prophylaxe: bei HBsAg−/Anti-HBc+/HBV-DNA− HBsAg, HBV-DNA und ALT alle 1–3 Monate. Bei neuem DNA-Nachweis oder HBsAg-Reversion sofort antiviral behandeln, vor Hepatitis. [6]

Prophylaxe: Entecavir oder Tenofovir (TDF/TAF) vor Immunsuppression beginnen, währenddessen und danach 6–12 Monate (bei B-Zell-Depletion mindestens 18 Monate) fortführen. Nach Absetzen weiter überwachen; bei eigenständiger HBV-Therapieindikation länger behandeln. [6]

Impfung: Bei HBsAg−/Anti-HBc− und fehlendem Impfschutz möglichst vor Immunsuppression impfen; Schema und Erfolgskontrolle. [6][8]

Labor: BSG, CRP, großes Blutbild, GOT, GPT, Kreatinin. [2]

Haut: Vor Therapiebeginn Untersuchung auf nichtmelanozytären Hautkrebs, insbesondere nach umfangreicher Immunsuppression oder bei Psoriasis nach PUVA. [1]

Intermediäre Uveitis: Neurologische Untersuchung auf demyelinisierende Erkrankungen. [1]

Kontrollen

Labor: BSG und/oder CRP, großes Blutbild, GOT, GPT, Kreatinin. In den ersten 3 Monaten etwa alle 4 Wochen; bei stabil normalen Werten anschließend alle 8–12 Wochen.

Klinik: Infektionszeichen, Abszesse, Fieber, Husten, Kräfteschwund und Gewichtsverlust.

Ergänzend: Infektionsüberwachung bis 4 Monate nach Absetzen; bei HBV-Trägern auch nach Therapieende auf Reaktivierung achten. Während der Therapie Untersuchung auf nichtmelanozytären Hautkrebs. Bei intermediärer Uveitis regelmäßige neurologische Beurteilung. [1]

Wirkbeginn und Therapiebeurteilung

Rheumatologische Anwendung: Wirkungseintritt meist innerhalb der ersten 4 Wochen. Bei fehlender Besserung nach 12 Wochen Fortführung kritisch prüfen. [2]

Weitere Indikationen: Bei Psoriasis fehlendes Ansprechen nach 16 Wochen, bei Hidradenitis suppurativa nach 12 Wochen kritisch prüfen. Bei erwachsener Colitis ulcerosa ohne Ansprechen innerhalb von 2–8 Wochen nicht fortführen; bei pädiatrischer Colitis ulcerosa nach 8 Wochen kritisch prüfen. Bei Uveitis Nutzen und Risiko einer Langzeitbehandlung jährlich beurteilen. [1]

Gegenanzeigen

Mittelschwere bis schwere Herzinsuffizienz NYHA III/IV. Aktive Tuberkulose oder andere schwere Infektionen, beispielsweise Sepsis oder opportunistische Infektionen. Überempfindlichkeit gegen Adalimumab oder einen Hilfsstoff.

Nebenwirkungen und Maßnahmen

Häufig berichtete Beschwerden: Infektionen, lokale Injektionsreaktionen, Kopfschmerzen und muskuloskelettale Schmerzen.

BefundMaßnahme
Schwere Infektion / SepsisAdalimumab absetzen; Infektion behandeln.
HBV-ReaktivierungAdalimumab absetzen; wirksame antivirale Therapie beginnen.
Neue oder zunehmende HerzinsuffizienzAdalimumab absetzen.
Anaphylaxie / schwere allergische ReaktionSofort absetzen und behandeln.
Neue demyelinisierende ErkrankungAbsetzen erwägen.
Signifikante BlutbildveränderungenAbsetzen erwägen. Bei anhaltendem Fieber, Hämatomen, Blutungen oder Blässe unverzügliche ärztliche Abklärung.
Klinische Zeichen eines lupus­ähnlichen Syndroms und Anti-dsDNA+Adalimumab absetzen. Isolierte Anti-dsDNA-Positivität erfüllt dieses klinische Absetzkriterium allein nicht.

Malignome laut FI: Lymphome, Leukämien und Hauttumoren wurden berichtet. Seltene hepatosplenische T-Zell-Lymphome wurden insbesondere auch bei jungen Erwachsenen mit chronisch entzündlicher Darmerkrankung unter zusätzlichem Azathioprin oder 6-Mercaptopurin beschrieben. [1]

Wechselwirkungen

Andere Biologika oder JAK-Inhibitoren: Kombination nicht empfohlen. [2]

Methotrexat: Vermindert die Bildung von Anti-Adalimumab-Antikörpern; bei RA möglichst kombinieren. [1][2]

Azathioprin / 6-Mercaptopurin: Erhöhtes Risiko schwerer Infektionen und maligner Ereignisse gegenüber Adalimumab allein in Studien bei erwachsenem Morbus Crohn. [1]

Tumoranamnese

Solider Tumor in Remission: Bei entzündlicher Arthritis können TNF-Inhibitoren gegenüber anderen zielgerichteten Therapien bevorzugt werden. Dies gilt auch für nichtmelanozytären Hautkrebs; für ein Melanom enthält diese Empfehlung keine entsprechende Therapiepräferenz. [9]

Lymphom in der Anamnese: Bei entzündlicher Arthritis und Tumorremission kann eine B-Zell-depletierende Therapie gegenüber anderen zielgerichteten Therapien bevorzugt werden. [9]

Tumorerkrankung ohne Remission: Therapieentscheidung gemeinsam mit Patient und onkologisch behandelndem Team treffen. [9]

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: Während der gesamten Schwangerschaft anwendbar; individuelle Wirksamkeit und plazentaren Übertritt berücksichtigen. [10]

Stillzeit: Mit dem Stillen vereinbar. [10]

Väterlicher Kinderwunsch: Fortführung möglich. [10]

Säuglingsimpfungen: Totimpfstoffe und Rotavirusimpfung nach regulärem Impfplan. Nach intrauteriner Exposition nach der 20. Schwangerschaftswoche BCG-Impfung bis zum Alter von 6 Monaten verschieben. [10]

Fachinformation: Schwangerschaft bei eindeutiger Erforderlichkeit; Kontrazeption während der Behandlung und ≥5 Monate danach erwägen. Stillen möglich. Lebendimpfstoffe beim intrauterin exponierten Säugling bis 5 Monate nach letzter mütterlicher Gabe in der Schwangerschaft nicht empfohlen. [1]

Impfungen

Lebendimpfungen: Während der Therapie vermeiden; mindestens 4 Wochen vor Beginn oder frühestens 2 Monate nach letzter Dosis. [11][1]

Nichtlebendimpfstoffe: Unter Therapie möglich; möglichst mindestens 2, besser 4 Wochen vor Beginn vervollständigen. [11][1]

Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe

Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [8]

ImpfungIndikation / Schema
InfluenzaJährlich bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren; inaktivierter Impfstoff, ab 60 Jahren Hochdosis- oder MF59-adjuvantiert.
COVID-19Jährlich bei relevanter Immunsuppression/weiterem Risikofaktor oder ab 75 Jahren, bevorzugt Spätsommer/Frühherbst. Bei ausgeprägter Immundefizienz zusätzliche Dosen/verkürzte Abstände individuell. [12]
Pneumo­kokkenPCV20 bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren. Nach PCV13/15 ≥1 Jahr; nach PPSV23 ≥6 Jahre, bei ausgeprägter Immundefizienz gegebenenfalls ≥1 Jahr.
Herpes zosterAb 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression.
Hepatitis BBei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l.
RSVEinmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/Immundefizienz oder Pflegeheimbewohnenden. Möglichst vor der RSV-Saison.

Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [8]

Operationen

DGRh: Operation zum Ende des Therapieintervalls planen. Nach Unterbrechung in Abhängigkeit von der Wundheilung baldmöglichst wieder beginnen. [13]

ACR/AAHKS – elektive Hüft- oder Knieendoprothese: Bei Gabe alle 2 Wochen Operation in Woche 3 nach der letzten Dosis planen. Wiederbeginn bei heilender Wunde, entfernten Nähten/Klammern und ohne relevante Schwellung, Rötung, Sekretion oder weitere Infektion; typischerweise nach etwa 14 Tagen. Bedingte Empfehlung. [14]

Alltag und Handhabung

Injektion: Selbstinjektion nach Schulung. Injektionsstellen an Bauch oder Oberschenkel wechseln; nicht in druckempfindliche, gerötete, verhärtete oder verletzte Haut injizieren. [1]

Rückverfolgbarkeit: Präparat und Chargennummer dokumentieren. [1]

Verkehrstüchtigkeit: Geringer Einfluss möglich; Schwindel und Sehstörungen können auftreten. [1]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

Auswahl zugelassener Darreichungsformen: Humira · Amgevita · Hulio · Hyrimoz · Idacio · Imraldi · Yuflyma.

Lagerung: Bei 2–8 °C im Kühlschrank. Nicht einfrieren. Im Umkarton vor Licht schützen. Eine Lagerung bis 25 °C ist für die unten genannten Zeiträume möglich; danach verwerfen. [1][15][16][17][18][19][20]

Anwendung: Pens und Fertigspritzen zur einmaligen subkutanen Anwendung. [1]

Humira [1]

Fertigspritzen: 20 mg/0,2 ml; 40 mg/0,4 ml; 80 mg/0,8 ml. Pens: 40 mg/0,4 ml; 80 mg/0,8 ml. Jeweils 100 mg/ml.

Stärkenabhängige Zulassungen: 40 mg: Indikationen wie oben. 20 mg: pädiatrische JIA, Enthesitis-assoziierte Arthritis, Psoriasis, Morbus Crohn und Uveitis. 80 mg: RA, Psoriasis bei Erwachsenen, Hidradenitis suppurativa, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und Uveitis; alters- und gewichtsabhängige Dosierung beachten.

RA: Die Eskalation auf 80 mg alle 2 Wochen ist im Dosierungsschema für die Monotherapie beschrieben.

Außerhalb des Kühlschranks: Bis 25 °C für höchstens 14 Tage.

Amgevita [15]

Fertigspritzen: 20 mg/0,2 ml, 40 mg/0,4 ml und 80 mg/0,8 ml. Pens: 40 mg/0,4 ml und 80 mg/0,8 ml. Jeweils 100 mg/ml.

Außerhalb des Kühlschranks: Bis 25 °C für höchstens 14 Tage.

Hulio [16]

Fertigspritzen: 20 mg/0,4 ml und 40 mg/0,8 ml. Pen: 40 mg/0,8 ml. Jeweils 50 mg/ml. Zusätzlich Durchstechflasche 40 mg/0,8 ml.

Außerhalb des Kühlschranks: Fertigspritzen und Pen bis 25 °C für höchstens 8 Wochen. Die Ausnahme gilt nicht für die Durchstechflasche.

Hyrimoz [17]

50 mg/ml: Fertigspritzen 20 mg/0,4 ml und 40 mg/0,8 ml; Pen 40 mg/0,8 ml. 100 mg/ml: Fertigspritzen 20 mg/0,2 ml, 40 mg/0,4 ml und 80 mg/0,8 ml; Pens 40 mg/0,4 ml und 80 mg/0,8 ml.

Außerhalb des Kühlschranks: Bis 25 °C; bei 50 mg/ml höchstens 21 Tage, bei 100 mg/ml höchstens 42 Tage.

Idacio [18]

Fertigspritze und Pen: 40 mg/0,8 ml; 50 mg/ml.

Pädiatrische Dosierung: Für Dosen unter 40 mg ist eine andere geeignete Adalimumab-Darreichungsform erforderlich.

Außerhalb des Kühlschranks: Bis 25 °C für höchstens 28 Tage.

Imraldi [19]

Fertigspritzen und Pens: 40 mg/0,8 ml (50 mg/ml) oder 40 mg/0,4 ml (100 mg/ml). Zusätzlich Durchstechflasche 40 mg/0,8 ml.

Außerhalb des Kühlschranks: Bis 25 °C; 40 mg/0,8 ml höchstens 28 Tage, 40 mg/0,4 ml höchstens 31 Tage. Die Ausnahme gilt nicht für die Durchstechflasche.

Yuflyma [20]

Fertigspritzen: 20 mg/0,2 ml, 40 mg/0,4 ml und 80 mg/0,8 ml. Pens: 40 mg/0,4 ml und 80 mg/0,8 ml. Jeweils 100 mg/ml.

Außerhalb des Kühlschranks: Bis 25 °C für höchstens 31 Tage.

Überdosierung und Antidot

In klinischen Studien wurde keine dosislimitierende Toxizität beobachtet. Die höchste untersuchte Dosierung betrug wiederholt 10 mg/kg intravenös; dies entspricht etwa dem 15-Fachen der empfohlenen Dosis. [1]

Quellen und Links

Quellennummern gelten innerhalb dieses Medikamentenkapitels. DGRh-Therapieinformationen: jeweils unten genannter Originalstand.

Anakinra
Kurzzusammenfassung
IndikationenRA; CAPS, FMF und Still ab 8 Monaten/≥10 kg; definierte COVID-19-Konstellation.
DosierungRA: 100 mg s.c. täglich mit MTX. Still/FMF ≥50 kg: 100 mg täglich; darunter gewichtsbezogen.
Gegenanzeigen (Auswahl)Bei absoluter Neutrophilenzahl <1,5 × 10⁹/l nicht beginnen; Überempfindlichkeit gegen aus E. coli gewonnene Proteine.
Besondere SicherheitsmaßnahmenNeutrophile monatlich über 6 Monate; Nierenanpassung, Tbc-/HBV-Screening; Leberwerte bei Still.
Wirkmechanismus

Rekombinanter humaner IL-1-Rezeptorantagonist; blockiert kompetitiv IL-1α und IL-1β am IL-1-Typ-I-Rezeptor. [1]

Indikationen

RA: Nach unzureichendem Ansprechen auf MTX, in Kombination mit MTX. [1]

CAPS: Ab 8 Monaten und ≥10 kg; einschließlich NOMID/CINCA, Muckle-Wells und FCAS. [1]

FMF: Ab 8 Monaten und ≥10 kg; gegebenenfalls zusammen mit Colchicin. [1]

Still-Syndrom: AOSD/sJIA ab 8 Monaten und ≥10 kg mit aktiven systemischen Merkmalen mäßiger bis hoher Aktivität oder fortbestehender Aktivität nach NSAR beziehungsweise Glukokortikoiden. Allein oder mit anderen Antiphlogistika/DMARDs. [1]

COVID-19 – Erwachsene: Pneumonie, Sauerstoffbedarf und Risiko für schwere respiratorische Insuffizienz bei suPAR ≥6 ng/ml; validierten suPAR-Test verwenden. [1][2]

Off-Label-Anwendungen

MAS bei Still-Syndrom: Anakinra zusätzlich zu hochdosierten Glukokortikoiden erwägen. Die intensivierten Schemata und i.v.-Gabe sind (Off-Label) – Dosis/Applikationsweg und MAS-Behandlung. [3]

Dosierung und Anwendung

RA: 100 mg s.c. einmal täglich, möglichst gleiche Tageszeit, mit MTX. [4][1]

Still-Syndrom: ≥50 kg 100 mg s.c. täglich; <50 kg 1–2 mg/kg täglich. [1]

FMF: ≥50 kg 100 mg s.c. täglich; <50 kg 1–2 mg/kg täglich. [1]

CAPS: Start 1–2 mg/kg s.c. täglich. Bei schwerem CAPS meist 3–4 mg/kg täglich, bei Bedarf bis 8 mg/kg täglich. [4][1]

COVID-19 – Erwachsene: 100 mg s.c. täglich für 10 Tage. [1][2]

MAS bei Still-Syndrom – Erwachsene (Off-Label): 2–10 mg/kg pro Tag s.c., verteilt auf 2 Gaben. Intensivierte Dosis; i.v.-Anwendung nur im spezialisierten Akutkonzept. [3]

Pädiatrische Dosierungen

Still-Syndrom, ab 8 Monaten und ≥10 kg: Unter 50 kg 1–2 mg/kg s.c. täglich; ab 50 kg 100 mg täglich. Bei unzureichendem Ansprechen Steigerung bis 4 mg/kg täglich möglich. [1]

FMF, ab 8 Monaten und ≥10 kg: Unter 50 kg 1–2 mg/kg s.c. täglich; ab 50 kg 100 mg täglich. Bei unzureichendem Ansprechen Steigerung bis 4 mg/kg täglich möglich. [1]

CAPS, ab 8 Monaten und ≥10 kg: Start 1–2 mg/kg s.c. täglich, bei schwerem CAPS meist 3–4 mg/kg, bei Bedarf bis 8 mg/kg täglich. [1]

MAS bei Still-Syndrom – Kinder (Off-Label): 5–15 mg/kg pro Tag s.c. oder i.v., verteilt auf 2–4 Gaben; spezialisiertes Akutkonzept. [3]

Alters-/Gewichtsgrenze: Das Supplement nennt für das pädiatrische MAS-Regime ≥8 Monate oder 10 kg; die Still-Zulassung verlangt ≥8 Monate und ≥10 kg. Die abweichende Formulierung ist ungeklärt. Für Kinder unter einer der Zulassungsgrenzen lässt sich daraus keine allgemeine Dosierungsempfehlung ableiten. [3][1]

Dosisanpassung
KreatininclearanceVorgehen
60–89 ml/minKeine Dosisanpassung.
30–59 ml/minMit Vorsicht anwenden.
<30 ml/min oder terminale Niereninsuffizienz einschließlich DialyseVerordnete Einzeldosis jeden zweiten Tag erwägen.

Leber: Bei Child-Pugh B keine Anpassung; bei schwerer Einschränkung vorsichtig anwenden. [1]

Vor Therapiebeginn

Basis: Aktive Infektion ausschließen, Impfstatus prüfen; großes Blutbild einschließlich absoluter Neutrophiler, AST/GOT, ALT/GPT und Kreatinin. BSG/CRP separat zur Aktivität. Bei ANC <1,5 × 10⁹/l nicht beginnen. [4][1]

Tuberkulose: Anamnese, klinische Untersuchung, IGRA und Thorax-Röntgen; aktive Tuberkulose vor einer LTBI-Prävention ausschließen. [5]

LTBI: Präventive Therapie vor Anakinra beginnen. Kürzere Rifamycin-Schemata bevorzugen: Rifampicin für 4 Monate oder Rifampicin plus Isoniazid für 3 Monate; alternativ Isoniazid für 9 Monate. Wechselwirkungen, Verträglichkeit und Resistenzanamnese berücksichtigen. [5]

Beginn unter LTBI-Prävention: Die gemeinsame Stellungnahme DZK/DGRh/DDG 2021 empfiehlt mindestens 4 Wochen präventive Therapie vor der Immunsuppression. Die S2k-Leitlinie 2022 bezeichnet den frühestmöglichen Start als nicht gesichert und beschreibt 4–8 Wochen als in der Literatur sicher angesehenen Vorlauf. Bei dringlicher Immunsuppression Zeitpunkt interdisziplinär unter Berücksichtigung der Grunderkrankung und des Präventionsverlaufs festlegen. [6][5]

HBV-Screening: HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs; bei HBsAg+ oder Anti-HBc+ zusätzlich HBV-DNA. [7]

HBV-Risiko: Substanzspezifisch unzureichend quantifiziert; Prophylaxe und Kontrollen hepatologisch nach Serostatus und Gesamtregime festlegen. [7]

Gesamtrisiko: Glukokortikoiddosis/-dauer, weitere Immunsuppression sowie Chemo-/Transplantationsregime berücksichtigen. Anti-HBs+ schließt bei Anti-HBc+ eine Reaktivierung nicht aus. Wenn erforderliche HBV-Kontrollen nicht gesichert sind: Prophylaxe. [7][8]

Kontrollen ohne Prophylaxe: Bei HBsAg+ und niedrigem Gesamtrisiko HBV-DNA/ALT spätestens alle 8 Wochen; bei HBsAg−/Anti-HBc+/HBV-DNA− HBsAg, HBV-DNA und ALT alle 1–3 Monate. Bei neuem DNA-Nachweis oder HBsAg-Reversion sofort antiviral behandeln, vor Hepatitis. [7]

Prophylaxe: Entecavir oder Tenofovir (TDF/TAF) vor Immunsuppression beginnen, währenddessen und danach 6–12 Monate (bei B-Zell-Depletion mindestens 18 Monate) fortführen. Nach Absetzen weiter überwachen; bei eigenständiger HBV-Therapieindikation länger behandeln. [7]

Impfung: Bei HBsAg−/Anti-HBc− und fehlendem Impfschutz möglichst vor Immunsuppression impfen; Schema und Erfolgskontrolle. [7][9]

Kontrollen

Neutrophile: Vor Beginn, in den ersten 6 Monaten monatlich, danach vierteljährlich. Bei ANC <1,5 × 10⁹/l unter Therapie absetzen und engmaschig kontrollieren. [1][2]

Weiteres Sicherheitslabor: Großes Blutbild, AST/GOT, ALT/GPT und Kreatinin in den ersten 3 Monaten etwa alle 4 Wochen, bei stabil normalen Werten danach alle 8–12 Wochen. BSG/CRP zur Aktivität; das längere DGRh-Intervall ersetzt die monatliche Neutrophilenkontrolle der ersten 6 Monate nicht. [4][1]

Still-Syndrom: Leberenzymkontrollen im ersten Monat erwägen, besonders bei Risikofaktoren oder Symptomen einer Leberfunktionsstörung. [1][2]

Schweres CAPS: ZNS einschließlich Innenohr sowie Augen nach 3 Monaten, danach alle 6 Monate bis zur wirksamen Dosis; bei guter klinischer Kontrolle jährlich. Untersuchungen umfassen nach Manifestation MRT/CT, Liquor, Audiologie und Ophthalmologie. [1]

Wirkbeginn und Therapiebeurteilung

Wirkbeginn: Meist innerhalb weniger Tage bis etwa 4 Wochen. Ohne Besserung nach etwa 4 Wochen Fortführung überprüfen; beim Still-Syndrom ausdrücklich Beurteilung nach 1 Monat. [4][1]

Gegenanzeigen

ANC <1,5 × 10⁹/l bei Therapiebeginn; Überempfindlichkeit gegen Anakinra, Bestandteile oder aus E. coli gewonnene Proteine. [1]

Nebenwirkungen und Maßnahmen

Auswahl: Sehr häufig lokale Injektionsreaktionen, Kopfschmerzen und erhöhter Cholesterinspiegel; außerdem schwere Infektionen, Neutropenie und Thrombozytopenie. Nichtinfektiöse Hepatitis einschließlich einzelner Fälle akuten Leberversagens bei Still-Syndrom berichtet. [1]

Schwere Infektion: Bei RA absetzen. Bei CAPS/FMF kann wegen Schubrisikos unter sorgfältiger Überwachung fortgeführt werden; bei COVID-19 Fortführung trotz sekundärer Infektion möglich. [1][2]

DRESS: Bei passenden Symptomen ohne alternative Ursache absetzen und andere Behandlung erwägen. Schwere allergische Reaktion: Absetzen und behandeln. [1]

Pulmonale Ereignisse: ILD, alveoläre Proteinose und pulmonale Hypertonie vor allem bei pädiatrischem Still unter IL-1-/IL-6-Hemmung berichtet; Trisomie 21 überrepräsentiert. Kausalität für Anakinra nicht gesichert. [1]

Amyloidablagerung an Injektionsstellen: Bei bestätigtem Befund auf systemische AIL1RAP-Amyloidose achten, einschließlich engmaschiger Proteinuriekontrolle. [1]

Wechselwirkungen

TNF-Inhibitoren: Kombination nicht empfohlen; höhere Raten schwerer Infektionen/Neutropenie ohne zusätzlichen Nutzen. DGRh rät auch von Kombination mit anderen bDMARDs oder JAK-Inhibitoren ab. [1][4]

CYP450-Substrate mit enger therapeutischer Breite: Bei Beginn und Ende, etwa bei Warfarin oder Phenytoin, Wirkungs-/Spiegelkontrolle und gegebenenfalls Dosisanpassung erwägen. [1]

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: Anwendbar, wenn zur wirksamen Kontrolle der mütterlichen Erkrankung erforderlich. [10]

Stillzeit: Mit dem Stillen vereinbar. [10]

Väterlicher Kinderwunsch: Fortführung möglich. [10]

Säuglingsimpfungen: Totimpfstoffe nach regulärem Impfplan. Nach intrauteriner Exposition im 2./3. Trimenon Lebendimpfungen bis zum Alter von 6 Monaten verschieben. [10]

Fachinformation: Schwangerschaft und Anwendung ohne Kontrazeption aus Vorsicht vermeiden; Stillen während der Therapie unterbrechen. [1][2]

Impfungen

Lebendimpfstoffe: Nicht gleichzeitig mit Anakinra. Nichtlebendimpfstoffe: Unter Therapie möglich. [1][4]

Abstand zu Lebendimpfstoffen: Mindestens 4 Wochen vor Therapiebeginn oder frühestens 1 Monat nach der letzten Dosis. [11]

Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe

Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [9]

ImpfungIndikation / Schema
InfluenzaJährlich bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren; inaktivierter Impfstoff, ab 60 Jahren Hochdosis- oder MF59-adjuvantiert.
COVID-19Jährlich bei relevanter Immunsuppression/weiterem Risikofaktor oder ab 75 Jahren, bevorzugt Spätsommer/Frühherbst. Bei ausgeprägter Immundefizienz zusätzliche Dosen/verkürzte Abstände individuell. [12]
Pneumo­kokkenPCV20 bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren. Nach PCV13/15 ≥1 Jahr; nach PPSV23 ≥6 Jahre, bei ausgeprägter Immundefizienz gegebenenfalls ≥1 Jahr.
Herpes zosterAb 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression.
Hepatitis BBei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l.
RSVEinmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/Immundefizienz oder Pflegeheimbewohnenden. Möglichst vor der RSV-Saison.

Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [9]

Operationen

Perioperativ: Nach DGRh 1–2 Tage präoperativ pausieren; Wiederbeginn bei ausreichender Wundheilung ohne Infektionszeichen. [13]

ACR/AAHKS – elektive Hüft-/Knieendoprothetik bei entzündlicher Arthritis: Bei täglicher Gabe Operation an Tag 2 nach der letzten Dosis planen. Wiederbeginn nach Wundheilung, Entfernung von Fäden/Klammern und ohne relevante Schwellung, Rötung, Sekretion oder anderweitige Infektion; typischerweise nach etwa 14 Tagen. [14]

Alltag und Handhabung

Injektion: S.c., Einstichstelle täglich wechseln. Lokale Reaktionen durch Kühlung und bei Bedarf topische Glukokortikoide/Antihistaminika lindern; meist kein Absetzen erforderlich. [1][4]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

Kineret 100 mg/0,67 ml Fertigspritze

Konzentration: 150 mg/ml; graduierte Fertigspritze für 20–100 mg. Wegen der kleinsten Dosis von 20 mg nicht für Kinder <10 kg geeignet. Polysorbat 80. [1]

Lagerung: 2–8 °C, nicht einfrieren, Lichtschutz. Für ambulante Anwendung bis 72 Stunden bei höchstens 25 °C; anschließend verwenden oder verwerfen, nicht erneut kühlen. Nicht schütteln, vor Injektion Raumtemperatur annehmen lassen. [1]

Überdosierung und Antidot

In Sepsisstudien erhielten 1.015 Patienten bis 2 mg/kg pro Stunde i.v. über 72 Stunden; keine dosislimitierenden Toxizitäten beobachtet. Bei Überdosierung klinisch überwachen und symptomatisch behandeln. [1]

Quellen und Links
Anifrolumab
Biologikum · Typ-I-Interferon-Rezeptor-(IFNAR1)-Antikörper
Fachinformation: Präparateauswahl
Kurzzusammenfassung
IndikationenMäßiger bis schwerer aktiver, Autoantikörper-positiver SLE trotz Standardtherapie (Erwachsene).
Dosierung300 mg i.v. alle 4 Wochen über 30 Minuten oder 120 mg s.c. einmal wöchentlich.
Besondere SicherheitsmaßnahmenHerpes-zoster-Risiko und Impfstatus; Therapiebeginn nach Kontrolle relevanter aktiver Infektionen, Lebendimpfstoffe vor Therapiebeginn abschließen.
Wirkmechanismus

Humaner monoklonaler IgG1κ-Antikörper gegen die Untereinheit 1 des Typ-I-Interferon-Rezeptors (IFNAR1). Hemmt die Signalübertragung der Typ-I-Interferone und fördert die Internalisierung des Rezeptors; dadurch werden interferonabhängige Entzündungs- und Immunprozesse vermindert.

Indikationen

SLE bei Erwachsenen

Trotz Standardtherapie mäßigem bis schwerem, aktivem, Autoantikörper-positivem systemischem Lupus erythematodes (SLE) als Zusatztherapie. Die Indikation gilt für i.v. und s.c. [1]

Klinische Einordnung nach S3: Sind klinische Manifestationen unter Hydroxychloroquin und maximal 5 mg Prednisolon-Äquivalent/Tag unzureichend kontrolliert, soll eine zusätzliche immunsuppressive bzw. immunmodulierende Therapie eingeleitet werden; Anifrolumab ist eine der genannten Optionen. Ein vorheriger Therapieversuch mit einem konventionellen Immunsuppressivum ist nicht zwingend erforderlich. Keine Rangfolge zwischen Anifrolumab und Belimumab; direkte Vergleichsstudien fehlen in der Leitliniengrundlage. [2]

Hautmanifestationen im Rahmen eines SLE: leitliniengestützte Option bei unzureichendem Ansprechen auf die Erstlinientherapie. Isolierter kutaner Lupus ohne SLE ist von der genannten Zulassung nicht erfasst (Off-Label). [2]

Schwere aktive Lupusnephritis oder schwerer aktiver ZNS-Lupus: aus den maßgeblichen Zulassungsstudien ausgeschlossen; DGRh empfiehlt die Anwendung in diesen Situationen nicht. [1] [3]

Unter 18 Jahren sind Sicherheit und Wirksamkeit nicht belegt; keine zugelassene pädiatrische Anwendung. [1]

Dosierung und Anwendung
Situation Schema
i.v. 300 mg alle 4 Wochen, Infusion über 30 Minuten; gewichtsunabhängig. Kein i.v. Bolus/Push.
s.c. 120 mg einmal wöchentlich, eine Fertigspritze/ein Fertigpen mit 0,8 ml; gewichtsunabhängig.
Versäumte i.v. Dosis Möglichst bald nachholen; zwischen zwei i.v. Dosen mindestens 14 Tage Abstand.
Versäumte s.c. Dosis Möglichst bald nachholen. Danach neuer Wochenrhythmus ab Nachholtag oder Rückkehr zum bisherigen Wochentag, sofern zwischen den Injektionen mindestens 3 Tage liegen.
Wechsel i.v. → s.c. Erste s.c. Injektion ungefähr 2 Wochen nach der letzten i.v. Dosis.
Wechsel s.c. → i.v. Erste i.v. Infusion ungefähr 3–4 Wochen nach der letzten s.c. Dosis.
Ältere Patient:innen Keine Dosisanpassung; begrenzte Daten ab 65 Jahren, keine Daten über 75 Jahre.
Nieren-/Leberfunktionsstörung Laut FI keine Dosisanpassung erforderlich. Bei schwerer Niereninsuffizienz/terminaler Nierenerkrankung fehlen Erfahrungen. Aus den in FI 5.2 beschriebenen Studien ausgeschlossen: eGFR <30 ml/min/1,73 m² bzw. UPCR >2 mg/mg (= 2 g/g).

i.v. Zubereitung: 2 ml Konzentrat (= 300 mg) mit NaCl 0,9 % auf ein Gesamtvolumen von 50 oder 100 ml verdünnen. Proteinarmen sterilen Filter mit 0,2–15 µm Porengröße verwenden; anschließend mit 25 ml NaCl 0,9 % nachspülen. Keine gleichzeitige Gabe anderer Arzneimittel über dieselbe Leitung. Nicht schütteln. [1]

Bei vorausgegangener Infusionsreaktion bzw. Überempfindlichkeitsreaktion kann vor der Infusion eine Prämedikation, z. B. ein Antihistaminikum, erwogen werden; keine generelle Prämedikationspflicht für alle Patient:innen. [1]

s.c. Anwendung: Oberschenkel oder Bauch mit mindestens 5 cm Abstand zum Nabel; Oberarm nur bei Gabe durch Fachpersonal oder Betreuungsperson. Nicht in schmerzhafte, gerötete, verhärtete oder blutunterlaufene Haut injizieren. Innerhalb derselben Körperregion mindestens 3 cm Abstand zur letzten Einstichstelle. Vor Gebrauch 60 Minuten auf Raumtemperatur kommen lassen. [1]

Vor Therapiebeginn

Einleitung und Überwachung durch eine Ärztin/einen Arzt mit Erfahrung in der SLE-Behandlung. [1]

Aktive Infektion klinisch ausschließen; chronische bzw. rezidivierende Infektionen, Infektionsrisiken, Überempfindlichkeit und Tumoranamnese erfassen. Bei klinisch relevanter aktiver Infektion erst nach Abklingen oder adäquater Behandlung beginnen; bei aktiver Tuberkulose nicht verabreichen.

DGRh-Basislabor: großes Blutbild, GOT/AST, GPT/ALT und Kreatinin. Krankheitsaktivität und Organmanifestationen dokumentieren; Urin/Proteinurie, C3/C4 und Anti-dsDNA für die SLE-Verlaufseinordnung berücksichtigen. [3]

Impfstatus prüfen und erforderliche Impfungen möglichst vor Beginn vervollständigen. Rekombinanten Herpes-zoster-Impfstoff besonders berücksichtigen, nach DGRh auch bei jüngeren Patient:innen erwägen. Von der Zoster-Impfung ist eine Lebendimpfung gegen primäre Varizellen zu unterscheiden. [3]

Für Infusionen müssen Überwachung, Notfallausrüstung und Notfallmedikation zur Behandlung akuter allergischer Reaktionen verfügbar sein. [3]

Vor s.c. Selbstanwendung Eignung beurteilen, Injektionstechnik schulen und über Überempfindlichkeitssymptome aufklären. [1]

Tuberkulose – klassenbezogenes DZK-Vorgehen: Bei unzureichender substanzspezifischer Datenlage Anamnese, klinische Untersuchung, IGRA und Thorax-Röntgen; aktive Tuberkulose ausschließen. Bei LTBI präventive Therapie. Kürzere Schemata bevorzugen: Rifampicin 4 Monate oder Rifampicin plus Isoniazid 3 Monate; alternativ Isoniazid 9 Monate. Wechselwirkungen und Resistenzanamnese beachten. Allgemeine Empfehlung für neuere Biologika, keine quantifizierte Anifrolumab-Risikokategorie. [4][5]

Fachinformation: Bei unbehandelter latenter Tuberkulose vor Anifrolumab eine antituberkulöse Therapie erwägen; bei aktiver Tuberkulose kein Anifrolumab verabreichen. Die weitergehende klassenbezogene Screeningempfehlung oben gesondert berücksichtigen. [1][4]

HBV-Screening: HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs; bei HBsAg+ oder Anti-HBc+ zusätzlich HBV-DNA. [6]

HBV-Risiko: Substanzspezifisch unzureichend quantifiziert; Prophylaxe und Kontrollen hepatologisch nach Serostatus und Gesamtregime festlegen. [6]

Gesamtrisiko: Glukokortikoiddosis/-dauer, weitere Immunsuppression sowie Chemo-/Transplantationsregime berücksichtigen. Anti-HBs+ schließt bei Anti-HBc+ eine Reaktivierung nicht aus. Wenn erforderliche HBV-Kontrollen nicht gesichert sind: Prophylaxe. [6][7]

Kontrollen ohne Prophylaxe: Bei HBsAg+ und niedrigem Gesamtrisiko HBV-DNA/ALT spätestens alle 8 Wochen; bei HBsAg−/Anti-HBc+/HBV-DNA− HBsAg, HBV-DNA und ALT alle 1–3 Monate. Bei neuem DNA-Nachweis oder HBsAg-Reversion sofort antiviral behandeln, vor Hepatitis. [6]

Prophylaxe: Entecavir oder Tenofovir (TDF/TAF) vor Immunsuppression beginnen, währenddessen und danach 6–12 Monate (bei B-Zell-Depletion mindestens 18 Monate) fortführen. Nach Absetzen weiter überwachen; bei eigenständiger HBV-Therapieindikation länger behandeln. [6]

Impfung: Bei HBsAg−/Anti-HBc− und fehlendem Impfschutz möglichst vor Immunsuppression impfen; Schema und Erfolgskontrolle. [6][8]

Beginn unter LTBI-Prävention: Die gemeinsame Stellungnahme DZK/DGRh/DDG 2021 empfiehlt mindestens 4 Wochen präventive Therapie vor der Immunsuppression. Die S2k-Leitlinie 2022 bezeichnet den frühestmöglichen Start als nicht gesichert und beschreibt 4–8 Wochen als in der Literatur sicher angesehenen Vorlauf. Bei dringlicher Immunsuppression Zeitpunkt interdisziplinär unter Berücksichtigung der Grunderkrankung und des Präventionsverlaufs festlegen. [4][5]

Kontrollen
Kontrolle Zeitpunkt / Inhalt
Klinischer Verlauf Infektionszeichen, insbesondere Atemwegsinfektionen und Herpes zoster, sowie Krankheitsaktivität prüfen; bei jeder SLE-Visite Aktivität mit einem validierten Instrument erfassen. Während i.v. Gabe auf Infusionsreaktionen achten.
Sicherheits- und Aktivitätslabor BSG, CRP, großes Blutbild und GOT/AST nach etwa 4 Wochen; anschließend abhängig von der Krankheitsaktivität etwa alle 3 Monate.[3]
SLE-Serologie C3, C4 und Anti-dsDNA abhängig von der Krankheitsaktivität etwa alle 3–6 Monate.[3]
Nierenbeteiligung Auch ohne bekannte Lupusnephritis alle 3 Monate auf Proteinurie testen; bei Verdacht auf Nierenbeteiligung weiterführende Diagnostik. [2]
Begleitmedikation Zusätzlich erforderliche Labor- und Organkontrollen der jeweiligen Immunsuppressiva und Begleiterkrankungen fortführen.
Wirkbeginn und Therapiebeurteilung

DGRh: Wirkungseintritt nach etwa 1–3 Monaten; bei fehlender Besserung nach etwa 6 Monaten Fortführung kritisch prüfen. [3]

Klinische Organaktivität, Schübe und Glukokortikoidbedarf beurteilen; bei Hautmanifestationen einen geeigneten Hautaktivitätsindex berücksichtigen. Ziel ist Remission, mindestens niedrige Krankheitsaktivität, mit möglichst geringer Glukokortikoidexposition. Serologie ergänzt die klinische Beurteilung. [2]

s.c.-Wirksamkeit: Die FI berichtet die präspezifizierte Interimsanalyse von TULIP-SC (n = 220): BICLA-Ansprechen in Woche 52 59,4 % vs. 43,9 %, Differenz 15,5 Prozentpunkte (95%-KI 2,3–28,6) gegenüber Placebo, jeweils zusätzlich zur Standardtherapie. Der Primärendpunkt erreichte das für die Interimsanalyse angepasste Signifikanzniveau. [1]

Die Primärpublikation berichtet zusätzlich die Gesamtanalyse mit n = 367. Beispiel eines separat definierten sekundären Endpunkts: BICLA-Ansprechen bei gleichzeitig niedrig gehaltener/reduzierter Glukokortikoiddosis bis Woche 52 56,2 % vs. 34,0 %, berichtete Differenz 22,3 Prozentpunkte (95%-KI 12,3–32,2). Dieser kombinierte Endpunkt ist nicht mit dem reinen BICLA-Primärendpunkt gleichzusetzen. TULIP-SC enthält keinen randomisierten direkten Vergleich zwischen s.c. und i.v.; die genannten Daten beweisen weder Überlegenheit noch Gleichwertigkeit der Applikationswege. [9]

Therapieunterbrechung und Absetzen

Schwere Überempfindlichkeits-/Infusionsreaktion einschließlich Anaphylaxie: Verabreichung sofort unterbrechen und geeignete Notfalltherapie einleiten. Bei leichteren Infusionsreaktionen Infusionsgeschwindigkeit reduzieren oder Infusion vorübergehend unterbrechen, abhängig vom Schweregrad.

Schwere Infektion: Therapie unterbrechen. [3] Bei sonstigen Infektionen engmaschig überwachen und eine Pause bis zum Abklingen nach Schweregrad und Verlauf erwägen; dies gilt besonders bei unzureichendem Ansprechen auf die Infektionsbehandlung. Herpes zoster kann disseminiert, auch mit ZNS-Beteiligung, auftreten. [1]

Neu auftretende Tumorerkrankung: Nutzen und Risiko einer Fortführung individuell prüfen.

Perioperativ: Indikations- und quellenbezogene Empfehlungen im Abschnitt Operationen.

Gegenanzeigen

Formale FI-Gegenanzeige: Überempfindlichkeit gegen Anifrolumab oder einen sonstigen Bestandteil. Beide Darreichungsformen enthalten Polysorbat 80, das allergische Reaktionen verursachen kann.[1]

Zusätzliche Warnhinweise getrennt einordnen: bei aktiver TB kein Anifrolumab verabreichen; bei klinisch relevanter aktiver Infektion nicht mit Anifrolumab beginnen. DGRh führt unter „Kontraindikationen und Warnhinweise“ außerdem chronische Virusinfektionen (HIV, aktive/persistierende Hepatitis B oder C), opportunistische Infektionen sowie erhöhtes Infektionsrisiko an. Diese Aufzählung ist keine Erweiterung des formalen FI-Abschnitts 4.3; ein positiver Antikörperbefund allein belegt keine aktive Virusinfektion.[1] [3]

Bei Tumoranamnese fordert DGRh insbesondere für die letzten 5 Jahre eine Nutzen-Risiko-Abwägung. Die FI nennt keine generelle 5-Jahres-Freigabegrenze; ein möglicher Einfluss auf das Malignitätsrisiko ist nicht geklärt.[1] [3]

Evidenzgrenzen bei Tumoranamnese: laut FI grundsätzlich nicht untersucht; einschlussfähig waren jedoch vollständig exzidierte oder adäquat behandelte Plattenepithel-/Basalzellkarzinome der Haut sowie Zervixkarzinome. Für Patient:innen mit primärer Immundefizienz fehlen ebenfalls Studien. [1]

Nebenwirkungen und Maßnahmen
Organsystem / Ereignis Häufigkeit Einordnung
Infektionen der oberen Atemwege Sehr häufig Einschließlich Nasopharyngitis und Pharyngitis.
Bronchitis Häufig In der aktuellen FI 9,8 %; der DGRh-Arztbogen 03/2026 ordnet Bronchitis noch gemeinsam mit oberen Atemwegsinfektionen als sehr häufig ein.
Herpes zoster Häufig Auch multidermatomale/disseminierte und schwere Verläufe möglich.
Weitere Atemwegsinfektionen Häufig Virale und bakterielle Atemwegsinfektionen eingeschlossen.
Überempfindlichkeit Häufig Schwere Reaktionen einschließlich Angioödem möglich.
Anaphylaktische Reaktion Gelegentlich Sofortiges Eingreifen erforderlich.
Infusionsbedingte Reaktionen Häufig Nur auf die i.v. Verabreichung bezogen; z. B. Kopfschmerz, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit oder Schwindel.
Arthralgie Häufigkeit nicht bekannt In der aktuellen FI aufgeführt.

Herpes-zoster-Risiko: In den gepoolten kontrollierten i.v./s.c. Studien über 52 Wochen 5,4 % unter Anifrolumab gegenüber 1,2 % unter Placebo. Zusätzliche Immunsuppressiva können das Risiko weiter erhöhen. [1]

Schwere Infektionen: In kontrollierten Studien traten schwere und teilweise tödliche Infektionen einschließlich Pneumonie auf, auch unter Anifrolumab. Häufigste schwerwiegende arzneimittelbezogene Nebenwirkungen in der aktuellen FI: Herpes zoster und Bronchitis mit jeweils 0,3 %. Diese beiden Häufigkeiten beschreiben nicht sämtliche schweren Infektionen. [1]

Zoster-Zeitverlauf: mittlerer Beginn unter Anifrolumab 132 Tage, Spanne 2–351 Tage. [1]

Überempfindlichkeit: insgesamt 2,2 % vs. 0,5 % unter Placebo; schwere Überempfindlichkeitsreaktionen einschließlich Angioödem unter Anifrolumab 0,5 % in den gepoolten 52-Wochen-Studien. In den i.v.-Studien wurden die Überempfindlichkeitsreaktionen innerhalb der ersten 6 Infusionen berichtet; daraus folgt keine Freigabe zur verminderten Überwachung späterer Gaben. [1]

Malignitätsbeobachtungen: über 52 Wochen maligne Neoplasien einschließlich nichtmelanozytärer Hauttumoren (NMSC) 0,9 % vs. 0,6 %, expositionsadjustiert 0,95 vs. 0,64 Ereignisse/100 Patientenjahre; ohne NMSC 0,5 % vs. 0,6 %. Seltene Ereignisse und kurze Beobachtung erlauben keinen belastbaren kausalen Risikovergleich. [1]

Präklinisch: erhöhtes karzinogenes Potenzial in Nagermodellen der IFNAR1-Blockade; klinische Relevanz unbekannt. Keine direkten Karzinogenitätsstudien mit Anifrolumab. [1]

Immunogenität nach EU-FI: behandlungsbedingte Anti-Drug-Antikörper i.v. 6/352 (1,7 %) im 60-Wochen-Zeitraum, s.c. 9/178 (5,1 %) während 52 Wochen; in dieser s.c.-Phase-III-Studie keine neutralisierenden Antikörper nachgewiesen. Getrennte Studien/Beobachtungszeiträume, kein randomisierter Applikationsvergleich. Ein klinisch relevanter Unterschied zwischen s.c. und i.v. ist damit nicht belegt; Einfluss auf Wirksamkeit und Sicherheit nicht abschließend beurteilbar. [1]

Wechselwirkungen

Kombination mit anderen Biologika, einschließlich B-Zell-gerichteter Therapien wie Belimumab oder Rituximab, nicht empfohlen; nicht ausreichend untersucht.

Keine formalen Interaktionsstudien. Eine relevante hepatische Enzymmetabolisierung oder renale Elimination des Antikörpers wird nicht erwartet. Der Einfluss der veränderten Zytokinaktivität auf CYP450 ist jedoch unklar: Bei individuell dosierten CYP-Substraten mit enger therapeutischer Breite, z. B. Warfarin, empfiehlt die FI therapeutisches Monitoring.

Zusätzliche Kontrollen und Risiken konventioneller Begleitimmunsuppressiva bleiben zu beachten.

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: Nur erwägen, wenn andere schwangerschaftsverträgliche Therapien die mütterliche Erkrankung unzureichend kontrollieren; sehr begrenzte Sicherheitsdaten. [10]

Stillzeit: Mit dem Stillen vereinbar; sehr begrenzte substanzbezogene Daten. [10]

Väterlicher Kinderwunsch: Umstellung auf eine alternative antirheumatische Therapie erwägen; begrenzte Daten zur väterlichen Exposition. [10]

Säuglingsimpfungen: Totimpfstoffe nach regulärem Impfplan. Nach intrauteriner Exposition im 2./3. Trimenon Lebendimpfungen bis zum Alter von 6 Monaten verschieben. [10]

Fachinformation: Während der Schwangerschaft und bei Schwangerschaftsmöglichkeit ohne Kontrazeption nur bei überwiegendem maternalen Nutzen. Stillen oder Therapie unter Abwägung des Nutzens für Kind und Mutter fortführen beziehungsweise unterbrechen. [1]

Impfungen

Impfungen: Lebendimpfstoffe während der Therapie vermeiden. Indizierte Totimpfstoffe können und sollen gemäß Impfempfehlungen verabreicht werden. Für saisonale Influenza waren humorale Impfantworten in einer kleinen explorativen Studie numerisch vergleichbar mit der Standardtherapie allein. [1] Die FI nennt keine feste Wartefrist für Lebendimpfstoffe nach Therapieende.

SLE: Impfungen nach STIKO unter Berücksichtigung der Immunsuppression; insbesondere rekombinanten Herpes-zoster-Impfstoff und COVID-19-Impfung berücksichtigen. [2]

Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe

Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [8]

ImpfungIndikation / Schema
InfluenzaJährlich bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren; inaktivierter Impfstoff, ab 60 Jahren Hochdosis- oder MF59-adjuvantiert.
COVID-19Jährlich bei relevanter Immunsuppression/weiterem Risikofaktor oder ab 75 Jahren, bevorzugt Spätsommer/Frühherbst. Bei ausgeprägter Immundefizienz zusätzliche Dosen/verkürzte Abstände individuell. [11]
Pneumo­kokkenPCV20 bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren. Nach PCV13/15 ≥1 Jahr; nach PPSV23 ≥6 Jahre, bei ausgeprägter Immundefizienz gegebenenfalls ≥1 Jahr.
Herpes zosterAb 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression.
Hepatitis BBei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l.
RSVEinmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/Immundefizienz oder Pflegeheimbewohnenden. Möglichst vor der RSV-Saison.

Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [8]

Operationen

DGRh-Arztinformation 03/2026: Bei größeren planbaren Operationen eine Gabe in der Operationswoche auslassen; Wiederbeginn nach Wundheilung. [3]

Übergreifende DGRh-Empfehlung: Bei größeren elektiven Eingriffen beziehungsweise erhöhtem Infektionsrisiko bDMARD-Therapie pausieren und den Eingriff am Ende des Therapieintervalls planen. Auf Anifrolumab nur analog übertragbar; i.v. vierwöchentliches und s.c. wöchentliches Schema unterscheiden. Wiederbeginn bei ausreichender Wundheilung und Infektionsfreiheit. [12]

ACR/AAHKS – schwerer SLE, elektive Hüft-/Knieendoprothetik: Fortführung nach Abstimmung mit der Rheumatologie bedingt empfohlen; für die i.v. Therapie Operation in Woche 4. Keine direkte Empfehlung für das spätere s.c. Schema. [13]

Alltag und Handhabung

Produkt und Charge dokumentieren; s.c. Anwendung nach Einweisung bzw. i.v. Gabe durch medizinisches Fachpersonal. Zusätzliche Überwachung: Verdachtsfälle von Nebenwirkungen melden. [1]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

Aufbewahrung: 2–8 °C, lichtgeschützt im Umkarton; nicht einfrieren, schütteln oder erhitzen. Fertigspritze/Fertigpen dürfen bei Bedarf maximal 7 Tage bei 20–25 °C lichtgeschützt aufbewahrt werden; nach Erreichen der Raumtemperatur nicht zurück in den Kühlschrank, danach unverbraucht verwerfen. Verdünnte i.v. Lösung möglichst sofort verwenden; chemisch/physikalisch 24 Stunden bei 2–8 °C bzw. 4 Stunden bei 25 °C stabil, mikrobiologische Anforderungen zusätzlich beachten. [1]

Saphnelo 300 mg Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung

AstraZeneca; i.v. 300 mg alle 4 Wochen.[1]

Saphnelo 120 mg/0,8 ml Fertigspritze

AstraZeneca; s.c. 120 mg wöchentlich. Konzentration 150 mg/ml.[1] [14]

Saphnelo 120 mg/0,8 ml Fertigpen

AstraZeneca; s.c. 120 mg wöchentlich. Konzentration 150 mg/ml.[1] [14]

Überdosierung und Antidot

Kein spezifisches Antidot; supportive Behandlung und angemessene Überwachung. In klinischen Studien wurden bis zu 1.000 mg i.v. ohne Hinweise auf dosislimitierende Toxizität verabreicht. Dies ist keine zugelassene Dosierung und keine Unbedenklichkeitsgrenze bei Überdosierung.[1]

Quellen und Links
Belimumab
Biologikum · BLyS/BAFF-Inhibitor
Fachinformation: Präparateauswahl
Kurzzusammenfassung
IndikationenAktiver, Autoantikörper-positiver SLE trotz Standardtherapie: i.v. ab 5 Jahren, s.c. form-/gewichtsabhängig. Aktive Lupusnephritis mit immunsuppressiver Basistherapie: Erwachsene.
DosierungErwachsene: 200 mg s.c. wöchentlich; bei neuer Lupusnephritis 400 mg wöchentlich für 4 Wochen, danach 200 mg. i.v. 10 mg/kg an Tag 0, 14, 28, danach alle 4 Wochen.
Besondere SicherheitsmaßnahmenDepression/Suizidalität vor Beginn und im Verlauf beurteilen; bei Verdacht auf progressive multifokale Leukenzephalopathie Therapie pausieren und neurologisch abklären.
Wirkmechanismus

Belimumab ist ein humaner monoklonaler IgG1λ-Antikörper gegen lösliches BLyS/BAFF. Durch Blockade der Bindung von BLyS an BLyS/BAFF-Rezeptoren auf B-Zellen wird das Überleben von B-Zellen einschließlich autoreaktiver B-Zellen vermindert und die Differenzierung zu Immunglobulin-bildenden Plasmazellen reduziert.

Indikationen
BereichAnwendung
SLEZusatztherapie bei aktivem, Autoantikörper-positivem SLE mit hoher Krankheitsaktivität trotz Standardtherapie. I.v. ab 5 Jahren; s.c. Fertigpen ab 5 Jahren und ≥15 kg, Fertigspritze für Erwachsene. [1]

Therapieeinordnung: Bei klinisch unzureichender Kontrolle unter Hydroxychloroquin und höchstens 5 mg Prednisolon-Äquivalent/Tag zusätzliche immunsuppressive/immunmodulierende Therapie; Belimumab eine der Optionen. Kein obligates vorheriges Versagen eines konventionellen Immunsuppressivums; keine Leitlinienrangfolge gegenüber Anifrolumab. [2]

LNAktive Lupusnephritis bei Erwachsenen in Kombination mit immunsuppressiven Basistherapien. [1]
Dosierung und Anwendung

Subkutan – SLE (Erwachsene): 200 mg einmal wöchentlich. [1]

Subkutan – aktive Lupusnephritis (Erwachsene): bei Neubeginn 400 mg einmal wöchentlich für 4 Wochen, danach 200 mg einmal wöchentlich. Bei bereits laufender Belimumab-Therapie 200 mg einmal wöchentlich. [1]

Intravenös – SLE (Erwachsene): 10 mg/kg Körpergewicht an den Tagen 0, 14 und 28, anschließend alle 4 Wochen; Infusionsdauer 1 Stunde. [1]

Intravenös – aktive Lupusnephritis (Erwachsene): 10 mg/kg Körpergewicht an den Tagen 0, 14 und 28, anschließend alle 4 Wochen; Infusionsdauer 1 Stunde. [1]

Bei aktiver Lupusnephritis Kombination mit Corticosteroiden und Mycophenolat oder Cyclophosphamid zur Induktion sowie Mycophenolat oder Azathioprin zur Erhaltung.

Ältere Patienten: keine Dosisanpassung, aber Vorsicht wegen begrenzter Daten. Nierenfunktionsstörung: keine Dosisanpassung erforderlich, bei Niereninsuffizienz wegen begrenzter Daten Vorsicht. Leberfunktionsstörung: Dosisanpassung wahrscheinlich nicht erforderlich.

IndikationErste subkutane Gabe
SLE1–4 Wochen nach letzter i.v. Dosis; alters-/gewichtsbezogenes s.c. Schema.
Lupusnephritis (Erwachsene)200 mg 1–2 Wochen nach letzter i.v. Dosis, anschließend wöchentlich. Umstellung nach mindestens zwei i.v. Gaben möglich.

Bei versäumter s.c. Dosis möglichst bald nachholen; danach den bisherigen Injektionstag fortführen oder ab dem Nachholtag neu planen. [1]

Pädiatrische Dosierungen

Körpergewicht Subkutane Dosis mit Fertigpen
≥50 kg 200 mg einmal wöchentlich
30 bis <50 kg 200 mg alle 10 Tage
15 bis <30 kg 200 mg alle 2 Wochen

Unter 10 Jahren verabreicht medizinisches Fachpersonal oder eine geschulte Betreuungsperson den Fertigpen. Für die Fertigspritze besteht keine pädiatrische Dosierungsempfehlung. [1]

SLE, 5 bis <18 Jahre, i.v.: 10 mg/kg an den Tagen 0, 14 und 28, anschließend alle 4 Wochen; Infusion über 1 Stunde. [1]

Lupusnephritis – Therapieeinordnung (Erwachsene)

Proliferative Lupusnephritis – deutsche S3: Eine initiale Kombination aus Belimumab und Mycophenolat oder niedrig dosiertem i.v. Cyclophosphamid, jeweils mit Glukokortikoiden, sollte abgewogen werden.[2]

EULAR-LN 2025: Frühe Kombination aus Belimumab und Mycophenolat oder niedrig dosiertem i.v. Cyclophosphamid für aktive LN empfohlen, besonders bei ungünstigen Prognosefaktoren. Als Alternative kommt ein einzelnes Immunsuppressivum zusätzlich zu Glukokortikoiden infrage. Nach renalem Ansprechen die wirksame Belimumab-Kombination fortführen; Cyclophosphamid dabei durch Mycophenolat oder Azathioprin ersetzen. Immunsuppressive Behandlung mindestens 3 Jahre nach renalem Ansprechen.[3]

Vor Therapiebeginn

Allgemeinstatus mit besonderem Augenmerk auf aktive Infektionen; Belimumab darf bei aktiven schweren Infektionen nicht eingesetzt werden.

Risiko für Depressionen und Suizidalität anhand Anamnese und aktuellem psychiatrischem Zustand vor Beginn bewerten.

DGRh empfiehlt Basislabor mit großem Blutbild, GOT, GPT und Kreatinin sowie Überprüfung/Aktualisierung des Impfstatus. [4]

Belimumab wurde u. a. bei HIV, früherer/aktueller Hepatitis B oder C, Hypogammaglobulinämie (IgG <400 mg/dl), IgA-Mangel (<10 mg/dl) sowie nach bestimmten Organ-/Stammzelltransplantationen nicht untersucht und wird dort nicht empfohlen.

Schwerer aktiver ZNS-Lupus: nicht untersucht; die Anwendung wird nicht empfohlen. [1]

Tuberkulose – klassenbezogenes DZK-Vorgehen: Bei unzureichender substanzspezifischer Datenlage Anamnese, klinische Untersuchung, IGRA und Thorax-Röntgen; aktive Tuberkulose ausschließen. Bei LTBI präventive Therapie. Kürzere Schemata bevorzugen: Rifampicin 4 Monate oder Rifampicin plus Isoniazid 3 Monate; alternativ Isoniazid 9 Monate. Wechselwirkungen und Resistenzanamnese beachten. Allgemeine Empfehlung für neuere Biologika, keine quantifizierte Belimumab-Risikokategorie. [5][6]

Fachinformation: Kein eigenständiges routinemäßiges LTBI-Screeningprogramm; die klassenbezogene DZK-Empfehlung und das individuelle Infektionsrisiko zusätzlich berücksichtigen. [1][6]

HBV-Screening: HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs; bei HBsAg+ oder Anti-HBc+ zusätzlich HBV-DNA. [7]

HBV-Risiko: Substanzspezifisch unzureichend quantifiziert; Prophylaxe und Kontrollen hepatologisch nach Serostatus und Gesamtregime festlegen. [7]

Gesamtrisiko: Glukokortikoiddosis/-dauer, weitere Immunsuppression sowie Chemo-/Transplantationsregime berücksichtigen. Anti-HBs+ schließt bei Anti-HBc+ eine Reaktivierung nicht aus. Wenn erforderliche HBV-Kontrollen nicht gesichert sind: Prophylaxe. [7][8]

Kontrollen ohne Prophylaxe: Bei HBsAg+ und niedrigem Gesamtrisiko HBV-DNA/ALT spätestens alle 8 Wochen; bei HBsAg−/Anti-HBc+/HBV-DNA− HBsAg, HBV-DNA und ALT alle 1–3 Monate. Bei neuem DNA-Nachweis oder HBsAg-Reversion sofort antiviral behandeln, vor Hepatitis. [7]

Prophylaxe: Entecavir oder Tenofovir (TDF/TAF) vor Immunsuppression beginnen, währenddessen und danach 6–12 Monate (bei B-Zell-Depletion mindestens 18 Monate) fortführen. Nach Absetzen weiter überwachen; bei eigenständiger HBV-Therapieindikation länger behandeln. [7]

Impfung: Bei HBsAg−/Anti-HBc− und fehlendem Impfschutz möglichst vor Immunsuppression impfen; Schema und Erfolgskontrolle. [7][9]

Beginn unter LTBI-Prävention: Die gemeinsame Stellungnahme DZK/DGRh/DDG 2021 empfiehlt mindestens 4 Wochen präventive Therapie vor der Immunsuppression. Die S2k-Leitlinie 2022 bezeichnet den frühestmöglichen Start als nicht gesichert und beschreibt 4–8 Wochen als in der Literatur sicher angesehenen Vorlauf. Bei dringlicher Immunsuppression Zeitpunkt interdisziplinär unter Berücksichtigung der Grunderkrankung und des Präventionsverlaufs festlegen. [5][6]

Kontrollen

Infusionen: Mindestens nach den ersten zwei Gaben für einige Stunden klinisch nachbeobachten; verzögerte oder erneut auftretende Überempfindlichkeit berücksichtigen. Notfallbehandlung muss verfügbar sein. [1][4]

Krankheitsaktivität kontinuierlich überwachen; bei SLE nach 6 Monaten ohne Verbesserung Abbruch in Erwägung ziehen.

Auf Infektionen, neue oder zunehmende depressive/suizidale Symptome, Hautreaktionen und neurologisch-psychiatrische Zeichen einer PML achten.

DGRh: Sicherheits- und Aktivitätsparameter (BSG, CRP, großes Blutbild, GOT) nach ca. 4 Wochen, danach je nach Krankheitsaktivität etwa alle 3 Monate. [4]

DGRh: C3, C4 und Anti-dsDNA je nach Krankheitsaktivität etwa alle 3–6 Monate. [4]

Nierenbeteiligung – S3 SLE: Ohne bekannte Lupusnephritis alle 3 Monate auf Proteinurie testen; bei Verdacht auf Nierenbeteiligung weiterführende Diagnostik. [2]

Therapieunterbrechung und Absetzen

Schwere Überempfindlichkeits-/Infusionsreaktion: Verabreichung unterbrechen und geeignete Therapie einleiten.

Bei Infektion während der Therapie engmaschig überwachen; Unterbrechung der immunsuppressiven Therapie einschließlich Belimumab bis zur Überwindung der Infektion sorgfältig abwägen.

Bei neuen oder zunehmenden Depressionen/Suizidgedanken oder -verhalten Therapieabbruch in Betracht ziehen.

Bei Verdacht auf PML immunsuppressive Therapie einschließlich Belimumab aussetzen, bis PML ausgeschlossen ist; bei bestätigter PML absetzen.

Bei Zeichen von SJS/TEN sofort absetzen; nach bestätigtem SJS/TEN niemals wieder anwenden.

Perioperativ: Indikations- und quellenbezogene Empfehlungen im Abschnitt Operationen.

Gegenanzeigen

Überempfindlichkeit gegen Belimumab oder einen sonstigen Bestandteil.[1]

Die weiteren in Abschnitt 4.4 aufgeführten Situationen sind Warnhinweise bzw. „nicht empfohlen“-Konstellationen und keine zusätzlichen formalen Gegenanzeigen nach Abschnitt 4.3.[1]

Nebenwirkungen und Maßnahmen
Organsystem Häufigkeit Nebenwirkungen
Infektionen Sehr häufig Bakterielle Infektionen, z. B. Bronchitis, Harnwegsinfekt
Infektionen Häufig Virale Gastroenteritis, Pharyngitis, Nasopharyngitis, virale Infektion der oberen Atemwege
Blut/Lymphsystem Häufig Leukopenie
Immunsystem Häufig Überempfindlichkeitsreaktionen
Immunsystem Gelegentlich Anaphylaktische Reaktion
Immunsystem Selten Nicht-akute Überempfindlichkeitsreaktionen vom verzögerten Typ
Psychiatrisch Häufig Depression
Psychiatrisch Gelegentlich Suizidverhalten, Suizidgedanken
Nervensystem Häufig Migräne
Gastrointestinal Häufig Diarrhö, Übelkeit
Haut Häufig Reaktionen an der Injektionsstelle, Urtikaria, Ausschlag
Haut Gelegentlich Angioödem
Haut Nicht bekannt Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse
Bewegungsapparat Häufig Schmerzen in den Extremitäten
Allgemein Häufig Systemische Reaktionen im Zusammenhang mit Infusion/Injektion, Fieber
Wechselwirkungen

Die verfügbaren Daten unterstützen nicht die gemeinsame Anwendung von Rituximab mit Belimumab bei SLE; bei anderen B-Zell-gerichteten Therapien ist Vorsicht geboten.

Bei CYP-Substraten mit enger therapeutischer Breite und individuell angepasster Dosis (z. B. Warfarin) bei Beginn oder Absetzen von Belimumab therapeutische Überwachung in Erwägung ziehen.

DGRh rät von der Kombination mit anderen Biologika ab. [4]

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: Anwendbar, wenn zur wirksamen Kontrolle der mütterlichen Erkrankung erforderlich. [10]

Stillzeit: Mit dem Stillen vereinbar. [10]

Väterlicher Kinderwunsch: Fortführung möglich. [10]

Säuglingsimpfungen: Totimpfstoffe nach regulärem Impfplan. Nach intrauteriner Exposition im 2./3. Trimenon Lebendimpfungen bis zum Alter von 6 Monaten verschieben. Nach Gabe in der zweiten Schwangerschaftshälfte mögliche vorübergehende B-Zell-Depletion oder Zytopenien beim Neugeborenen berücksichtigen. [10]

Fachinformation: Zuverlässige Verhütung während der Therapie und mindestens 4 Monate danach. Schwangerschaftsanwendung nur bei überwiegendem maternalen Nutzen. Stillen oder Therapie unter Abwägung des Nutzens für Kind und Mutter fortführen beziehungsweise unterbrechen. [1]

Impfungen

Lebendimpfstoffe sollen in den letzten 30 Tagen vor sowie während der Anwendung nicht verabreicht werden.[1]

Nichtlebendimpfstoffe: Nach DGRh können und sollen indizierte Impfungen erfolgen. [4]

Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe

Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [9]

ImpfungIndikation / Schema
InfluenzaJährlich bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren; inaktivierter Impfstoff, ab 60 Jahren Hochdosis- oder MF59-adjuvantiert.
COVID-19Jährlich bei relevanter Immunsuppression/weiterem Risikofaktor oder ab 75 Jahren, bevorzugt Spätsommer/Frühherbst. Bei ausgeprägter Immundefizienz zusätzliche Dosen/verkürzte Abstände individuell. [11]
Pneumo­kokkenPCV20 bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren. Nach PCV13/15 ≥1 Jahr; nach PPSV23 ≥6 Jahre, bei ausgeprägter Immundefizienz gegebenenfalls ≥1 Jahr. Vor Therapiebeginn in Betracht ziehen. [1]
Herpes zosterAb 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression.
Hepatitis BBei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l.
RSVEinmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/Immundefizienz oder Pflegeheimbewohnenden. Möglichst vor der RSV-Saison.

Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [9]

Operationen

DGRh-Arztinformation 03/2026: Einmalige Pause in der Operationswoche; Wiederbeginn nach Wundheilung. [4]

Übergreifende DGRh-Empfehlung: Bei größeren elektiven Eingriffen beziehungsweise erhöhtem Infektionsrisiko pausieren und den Eingriff am Ende des jeweiligen Therapieintervalls planen; s.c. wöchentliches und i.v. vierwöchentliches Schema unterscheiden. Wiederbeginn nach ausreichender Wundheilung und bei Infektionsfreiheit. [12]

ACR/AAHKS – elektive Hüft-/Knieendoprothetik: Bei schwerem SLE Fortführung bedingt empfohlen, nach Abstimmung mit der Rheumatologie; s.c. Operation jederzeit, i.v. in Woche 4. Bei nicht schwerem SLE vor dem Eingriff pausieren; bei wöchentlicher s.c. Gabe Operation in Woche 2, bei monatlicher i.v. Gabe in Woche 5. [13]

Alltag und Handhabung

Produkt und Charge dokumentieren. Erste s.c. Gabe unter fachlicher Aufsicht in einem für Überempfindlichkeitsreaktionen geeigneten Umfeld; Selbstinjektion bzw. Betreuungsperson nach Eignungsprüfung und Schulung. I.v. Gabe durch medizinisches Fachpersonal. [1]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

Fertigpen/Fertigspritze: Bei 2–8 °C lichtgeschützt lagern, nicht einfrieren. Außerhalb des Kühlschranks bei höchstens 25 °C innerhalb von 12 Stunden verwenden; danach verwerfen. [1]

Benlysta 200 mg/ml Fertigpen

GSK; SLE ab 5 Jahren und ≥15 kg; bei 5- bis <18-Jährigen gewichtsabhängiges Intervall. Erwachsene mit SLE oder aktiver Lupusnephritis: Schema siehe Dosierung. [1]

Benlysta 200 mg/ml Fertigspritze

GSK; SLE oder aktive Lupusnephritis bei Erwachsenen. Für Kinder/Jugendliche keine Dosierungsempfehlung für diese Darreichungsform. [1]

Benlysta 120 mg / 400 mg Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung

GSK; i.v. 10 mg/kg. SLE ab 5 Jahren; aktive Lupusnephritis bei Erwachsenen. [1]

Überdosierung und Antidot

Begrenzte Erfahrungen. Zwei i.v. Dosen bis 20 mg/kg im Abstand von 21 Tagen führten nicht zu einer erhöhten Inzidenz oder Schwere von Nebenwirkungen. Bei versehentlicher Überdosierung sorgfältig überwachen und supportive Behandlung durchführen.[1]

Quellen und Links

[ELN] EULAR-LN 2025 – Originalempfehlungen
Fanouriakis et al. Ann Rheum Dis 2026;85(1):75–90. Empfehlungen 4–6; frühe Kombination, Auswahl von CYC-Regimen und Fortführung nach renalem Ansprechen.
Originalpublikation (DOI) · Autoren-Volltext

Bimekizumab
Kurzzusammenfassung
IndikationenPsA · AS · nr-axSpA · Plaque-Psoriasis · Hidradenitis suppurativa (jeweils Erwachsene).
DosierungPsA/AS/nr-axSpA: 160 mg s.c. alle 4 Wochen. Bei begleitender mittelschwerer/schwerer Plaque-Psoriasis deren 320-mg-Schema.
Gegenanzeigen (Auswahl)Klinisch relevante aktive Infektion, einschließlich aktiver Tbc.
Besondere SicherheitsmaßnahmenCandidosen und neue Darmentzündung beachten; Tbc-/HBV-Screening.
Wirkmechanismus

Humanisierter monoklonaler IgG1/κ-Antikörper, der IL-17A, IL-17F und IL-17AF bindet und deren Interaktion mit dem IL-17RA/IL-17RC-Rezeptorkomplex blockiert. [1]

Indikationen

Psoriasis-Arthritis – Erwachsene: Aktive Erkrankung nach unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit gegenüber mindestens einem DMARD; allein oder mit MTX. [1]

Ankylosierende Spondylitis – Erwachsene: Aktive Erkrankung nach unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit gegenüber konventioneller Therapie. [1]

Nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis – Erwachsene: Aktive Erkrankung mit erhöhtem CRP und/oder MRT-Entzündung nach unzureichendem NSAR-Ansprechen oder NSAR-Unverträglichkeit. [1]

Plaque-Psoriasis – Erwachsene: Mittelschwere bis schwere Erkrankung, wenn eine systemische Therapie infrage kommt. [1]

Hidradenitis suppurativa – Erwachsene: Aktive mittelschwere bis schwere Erkrankung nach unzureichendem Ansprechen auf konventionelle systemische HS-Therapie. [1]

Dosierung und Anwendung
IndikationDosierung
Psoriasis-Arthritis160 mg alle 4 Wochen. Bei gleichzeitiger mittelschwerer/schwerer Plaque-Psoriasis deren Schema. Falls nach Woche 16 darunter die Gelenkkontrolle nicht aufrechterhalten wird, 160 mg alle 4 Wochen erwägen.
Ankylosierende Spondylitis160 mg alle 4 Wochen.
Nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis160 mg alle 4 Wochen.
Plaque-Psoriasis320 mg in Woche 0, 4, 8, 12 und 16, danach alle 8 Wochen. Bei ≥120 kg und fehlender vollständiger Hautabheilung in Woche 16 kann eine Fortführung mit 320 mg alle 4 Wochen das Ansprechen verbessern; gilt auch bei gleichzeitig bestehender PsA.
Hidradenitis suppurativa320 mg alle 2 Wochen bis Woche 16, danach alle 4 Wochen.

320 mg als eine 320-mg-Injektion oder zwei 160-mg-Injektionen an unterschiedlichen Stellen verabreichen. [1]

Pädiatrische Dosierungen

Unter 18 Jahren sind Sicherheit und Wirksamkeit nicht erwiesen; keine Dosisempfehlung. [1]

Dosisanpassung

Alter ab 65 Jahren: Keine Dosisanpassung. [1]

Nieren-/Leberfunktionsstörung: Nicht untersucht; nach Fachinformation werden aufgrund der Pharmakokinetik Dosisanpassungen nicht als notwendig erachtet. [1]

Vor Therapiebeginn

Basis: Aktive Infektion ausschließen und Impfstatus prüfen; großes Blutbild, ALT/GPT und Kreatinin bestimmen. Anamnese einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung und rezidivierender Infektionen erheben. [2][1]

Tuberkulose – DZK: Anamnese, klinische Untersuchung, IGRA und Thorax-Röntgen vor Beginn; aktive Tbc ausschließen. Bei LTBI präventive Therapie vor Beginn der Biologikatherapie einleiten. Kürzere Rifamycin-Schemata bevorzugen: Rifampicin 4 Monate oder Rifampicin plus Isoniazid 3 Monate; alternativ Isoniazid 9 Monate. Wechselwirkungen und Resistenzanamnese berücksichtigen. [3]

Beginn unter LTBI-Prävention: Die gemeinsame Stellungnahme DZK/DGRh/DDG 2021 empfiehlt mindestens 4 Wochen präventive Therapie vor der Immunsuppression. Die S2k-Leitlinie 2022 bezeichnet den frühestmöglichen Start als nicht gesichert und beschreibt 4–8 Wochen als in der Literatur sicher angesehenen Vorlauf. Bei dringlicher Immunsuppression Zeitpunkt interdisziplinär unter Berücksichtigung der Grunderkrankung und des Präventionsverlaufs festlegen. [4][3]

Tuberkulose – ergänzende Fachinformation: Bei latenter oder früherer aktiver Tbc ohne bestätigte adäquate Vorbehandlung vor Beginn eine Anti-Tbc-Therapie erwägen. [1]

Tuberkulose-Screening bei Psoriasis – S3: Bei negativem IGRA Thorax-Röntgen nur bei erhöhter Tbc-Wahrscheinlichkeit oder erhöhtem Risiko eines falsch negativen IGRA, etwa durch Immunsuppression oder Lymphopenie. Bei positivem IGRA aktive Tbc einschließlich Thorax-Röntgen ausschließen. [5]

LTBI bei Psoriasis – S3: Bei Beginn einer IL-17-Hemmung kann eine präventive antituberkulöse Therapie erwogen werden; weitere Präventionsindikationen berücksichtigen. [5]

HBV-Screening: HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs; bei HBsAg+ oder Anti-HBc+ zusätzlich HBV-DNA. [6]

HBV-StatusRisiko und Vorgehen
HBsAg+ oder HBsAg−/Anti-HBc+ mit HBV-DNA+ vor TherapiebeginnHoch (>10 %): antivirale Prophylaxe. [7]
HBsAg−/Anti-HBc+; HBV-DNA−Moderat (1–10 %): Überwachung; bei erhöhtem Gesamtrisiko Prophylaxe erwägen. [7]

Gesamtrisiko: Glukokortikoiddosis/-dauer, weitere Immunsuppression sowie Chemo-/Transplantationsregime berücksichtigen. Anti-HBs+ schließt bei Anti-HBc+ eine Reaktivierung nicht aus. Wenn erforderliche HBV-Kontrollen nicht gesichert sind: Prophylaxe. [6][7]

Kontrollen ohne Prophylaxe: bei HBsAg−/Anti-HBc+/HBV-DNA− HBsAg, HBV-DNA und ALT alle 1–3 Monate. Bei neuem DNA-Nachweis oder HBsAg-Reversion sofort antiviral behandeln, vor Hepatitis. [6]

Prophylaxe: Entecavir oder Tenofovir (TDF/TAF) vor Immunsuppression beginnen, währenddessen und danach 6–12 Monate (bei B-Zell-Depletion mindestens 18 Monate) fortführen. Nach Absetzen weiter überwachen; bei eigenständiger HBV-Therapieindikation länger behandeln. [6]

Impfung: Bei HBsAg−/Anti-HBc− und fehlendem Impfschutz möglichst vor Immunsuppression impfen; Schema und Erfolgskontrolle. [6][8]

Kontrollen

DGRh-Verlaufskontrollen: Großes Blutbild, ALT/GPT und Kreatinin in den ersten 3 Monaten etwa alle 4 Wochen, danach etwa alle 3 Monate. BSG/CRP separat zur Krankheitsaktivität. Nach Fieber, Husten, Schluckbeschwerden und Durchfall fragen; Mundhöhle auf Candidose untersuchen. [2]

Fieberhafte Infektion: Nächste Gabe nach DGRh verschieben, bis der Infekt abgeklungen ist. Bei schwerer Infektion pausieren, bis diese abgeklungen ist. [2][1]

Infektion ohne Ansprechen auf Standardtherapie: Ebenfalls pausieren, bis die Infektion abgeklungen ist. [1]

Neue oder verschlechterte chronisch-entzündliche Darmerkrankung: Absetzen und angemessen behandeln. Bei schwerer Überempfindlichkeitsreaktion unverzüglich absetzen und behandeln. [1]

Wirkbeginn und Therapiebeurteilung

DGRh: Wirkungseintritt nach etwa 2–4 Wochen; ohne Besserung nach 3–4 Monaten Fortführung überprüfen. [2]

Fachinformation: Bei fehlender Besserung nach 16 Wochen Absetzen erwägen. [1]

Gegenanzeigen

Formale Gegenanzeigen: Klinisch relevante aktive Infektion, z. B. aktive Tbc; Überempfindlichkeit gegen Wirkstoff oder Bestandteile. [1]

Chronisch-entzündliche Darmerkrankung: Anwendung nicht empfohlen. [1]

Nebenwirkungen und Maßnahmen
HäufigkeitNebenwirkungen
Sehr häufigInfektionen der oberen Atemwege.
HäufigOrale/oropharyngeale Candidose, Tinea, Herpes simplex, Gastroenteritis, Follikulitis, vulvovaginale Pilzinfektion; Kopfschmerzen, Ausschlag, Dermatitis, Ekzem, Akne, Injektionsstellenreaktionen, Fatigue.
GelegentlichMukokutane einschließlich ösophagealer Candidose, Neutropenie, entzündliche Darmerkrankung.

Schwere Überempfindlichkeitsreaktionen einschließlich Anaphylaxie sind möglich; bei Auftreten unverzüglich absetzen und behandeln. [1]

Wechselwirkungen

CYP450-Substrate: Durch Rückgang der Entzündung kann sich die CYP-Aktivität normalisieren und die Exposition entsprechender Arzneimittel abnehmen. Bei Substraten mit enger therapeutischer Breite, z. B. Warfarin, zu Beginn therapeutische Überwachung erwägen. [1]

MTX/csDMARDs: Kein klinisch relevanter Einfluss auf die Bimekizumab-Clearance. Kombination mit anderen Biologika nach DGRh nicht empfohlen. [1][2]

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft – DGRh: Aus Vorsichtsgründen vermeiden; Anwendung nur, wenn die klinische Situation dies erfordert. [2]

Stillzeit – EULAR: Mit dem Stillen vereinbar; begrenzte substanzbezogene Daten. [9]

Fachinformation: Zuverlässige Verhütung während und mindestens 17 Wochen nach Behandlung. In der Schwangerschaft aus Vorsichtsgründen vermeiden. Stillen oder Therapie unter Abwägung des Nutzens für Kind und Mutter fortführen beziehungsweise unterbrechen. [1]

Säuglingsimpfungen – DGRh: Nach Exposition in der zweiten Schwangerschaftshälfte Lebendimpfungen bis zum Alter von 6 Monaten verschieben. [2]

Impfungen

Nichtlebendimpfstoffe: Können unter Therapie verabreicht werden. Impfstatus vor Beginn vervollständigen. [1]

Lebendimpfstoffe: Während der Therapie nicht anwenden. [1]

Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe

Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [8]

ImpfungIndikation / Schema
InfluenzaJährlich bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren; inaktivierter Impfstoff, ab 60 Jahren Hochdosis- oder MF59-adjuvantiert.
COVID-19Jährlich bei relevanter Immunsuppression/weiterem Risikofaktor oder ab 75 Jahren, bevorzugt Spätsommer/Frühherbst. Bei ausgeprägter Immundefizienz zusätzliche Dosen/verkürzte Abstände individuell. [10]
Pneumo­kokkenPCV20 bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren. Nach PCV13/15 ≥1 Jahr; nach PPSV23 ≥6 Jahre, bei ausgeprägter Immundefizienz gegebenenfalls ≥1 Jahr.
Herpes zosterAb 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression.
Hepatitis BBei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l.
RSVEinmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/Immundefizienz oder Pflegeheimbewohnenden. Möglichst vor der RSV-Saison.

Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [8]

Operationen

DGRh: Größere elektive Eingriffe am Ende des Behandlungsintervalls planen; Wiederbeginn abhängig von Wundheilung und Infektionsfreiheit. [11]

Alltag und Handhabung

Selbstinjektion: Nach Schulung möglich; Injektionsstellen wechseln und empfindliche, gerötete, verhärtete, verletzte oder psoriatische Haut aussparen. Nicht schütteln. Produktname und Charge dokumentieren. [1]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

Lagerung: Bei 2–8 °C, nicht einfrieren; Umkarton als Lichtschutz. Einmalig höchstens 25 Tage bei ≤25 °C; danach oder nach früher erreichtem Verfalldatum verwerfen. Vor Injektion 30–45 Minuten Raumtemperatur annehmen lassen. [1]

Bimzelx 160 mg/1 ml Fertigspritze

160 mg pro Spritze; für 320 mg zwei Spritzen verwenden. [1]

Bimzelx 160 mg/1 ml Fertigpen

160 mg pro Pen; für 320 mg zwei Pens verwenden. [1]

Bimzelx 320 mg/2 ml Fertigspritze

320 mg als eine Injektion. [1]

Bimzelx 320 mg/2 ml Fertigpen

320 mg als eine Injektion. [1]

Überdosierung und Antidot

Einzeldosen von 640 mg i.v. oder 640 mg s.c., gefolgt von fünf Dosen zu 320 mg s.c. alle 2 Wochen, wurden ohne dosislimitierende Toxizität verabreicht. Bei Überdosierung auf Nebenwirkungen überwachen und bei Bedarf symptomatisch behandeln. [1]

Quellen und Links
Canakinumab
Kurzzusammenfassung
IndikationenStill-Syndrom und CAPS/TRAPS/HIDS-MKD/FMF ab 2 Jahren; Gichtanfälle unter definierten Voraussetzungen.
DosierungStill ab 7,5 kg: 4 mg/kg s.c. alle 4 Wochen, maximal 300 mg. Gicht: 150 mg einmalig; Wiederholung frühestens nach 12 Wochen.
Gegenanzeigen (Auswahl)Aktive schwere Infektion.
Besondere SicherheitsmaßnahmenBei Neutropenie/Leukopenie nicht beginnen; Blutbild, Tbc-Screening; MAS bei Still beachten.
Wirkmechanismus

Humaner monoklonaler Antikörper gegen IL-1β; blockiert dessen Interaktion mit dem IL-1-Rezeptor. [1]

Indikationen

CAPS: Ab 2 Jahren; Muckle-Wells, NOMID/CINCA und schweres FCAS mit über die Kälteurtikaria hinausgehenden Symptomen. [1]

TRAPS: Ab 2 Jahren. [1]

HIDS/MKD: Ab 2 Jahren. [1]

FMF: Ab 2 Jahren, gegebenenfalls mit Colchicin. [1]

Still-Syndrom ab 2 Jahren: Aktive AOSD/sJIA nach unzureichendem Ansprechen auf NSAR und systemische Kortikosteroide; allein oder mit MTX. [1]

Gichtarthritis: ≥3 Anfälle in den letzten 12 Monaten; NSAR und Colchicin kontraindiziert, unverträglich oder unzureichend wirksam und wiederholte Kortikosteroidzyklen nicht geeignet. [1]

Dosierung und Anwendung

Still-Syndrom, Erwachsene und Kinder ab 2 Jahren und ≥7,5 kg: 4 mg/kg s.c. alle 4 Wochen, maximal 300 mg. [2][1]

TRAPS, HIDS/MKD und FMF, Erwachsene und Kinder ab 2 Jahren und ≥7,5 kg: >40 kg 150 mg; ≥7,5 bis ≤40 kg 2 mg/kg; jeweils s.c. alle 4 Wochen. Ohne ausreichendes Ansprechen nach 7 Tagen Zusatzdosis in gleicher Höhe erwägen. Bei anschließend vollständigem Ansprechen 300 mg beziehungsweise 4 mg/kg alle 4 Wochen fortführen. [2][1]

CAPS · Erwachsene und Kinder ab 2 Jahren

Alter und GewichtDosis s.c.
Ab 4 Jahren, >40 kg150 mg
Ab 4 Jahren, ≥15 bis ≤40 kg2 mg/kg
Ab 4 Jahren, ≥7,5 bis <15 kg4 mg/kg
2 bis <4 Jahre, ≥7,5 kg4 mg/kg

CAPS-Eskalation bei Start 150 mg/2 mg/kg: Nach 7 Tagen ohne zufriedenstellendes Ansprechen zweite Gabe 150 mg/2 mg/kg erwägen; bei vollständigem Ansprechen Erhaltung 300 mg/4 mg/kg alle 8 Wochen. Nach weiteren 7 Tagen ohne ausreichendes Ansprechen dritte Gabe 300 mg/4 mg/kg erwägen; bei vollständigem Ansprechen Erhaltung 600 mg/8 mg/kg alle 8 Wochen nach klinischer Beurteilung. [1]

CAPS-Eskalation bei Start 4 mg/kg: Nach 7 Tagen ohne ausreichendes Ansprechen weitere 4 mg/kg erwägen; bei vollständigem Ansprechen Erhaltung 8 mg/kg alle 8 Wochen erwägen. Erfahrung mit >600 mg beziehungsweise >8 mg/kg oder Intervallen <4 Wochen begrenzt. [1]

Gichtanfall: 150 mg s.c. einmalig, möglichst früh im Anfall; erneute Behandlung nur bei initialem Ansprechen und frühestens nach 12 Wochen. Harnsäuresenkende Therapie einleiten beziehungsweise optimieren. [2][1]

Dosisanpassung

Nierenfunktionsstörung: Keine Dosisanpassung; begrenzte klinische Erfahrung. Leberfunktionsstörung: Nicht untersucht, keine Dosisempfehlung. Höheres Lebensalter: Keine Dosisanpassung. [1][3]

Still-Syndrom, Deeskalation: Nach EULAR/PReS mindestens 3 Monate klinisch inaktive Erkrankung ohne Glukokortikoide, bei schwerem oder schwierig zu behandelndem Verlauf gegebenenfalls 6 Monate. Im EULAR/PReS-Supplement vorgeschlagene Optionen: 4 → 2 → 1 mg/kg alle 4 Wochen oder Intervallverlängerung von 4 auf 8 auf 12 Wochen bei 4 mg/kg; jeweils 6 Monate pro Reduktionsstufe vor Absetzen. (Off-Label) – reduzierte Dosis beziehungsweise verlängertes Intervall. [4]

Vor Therapiebeginn

Basis: Aktive Infektion ausschließen, Impfstatus prüfen; großes Blutbild, AST/GOT, ALT/GPT, Kreatinin und Urinstatus; BSG/CRP zur Aktivitätskontrolle. [2]

Blutbild: Bei Neutropenie, ANC <1,5 × 10⁹/l, oder Leukopenie nicht beginnen. [1]

Tuberkulose: Anamnese, klinische Untersuchung, IGRA und Thorax-Röntgen; aktive Tuberkulose vor einer LTBI-Prävention ausschließen. [5]

LTBI: Präventive Therapie vor Canakinumab beginnen. Kürzere Rifamycin-Schemata bevorzugen: Rifampicin für 4 Monate oder Rifampicin plus Isoniazid für 3 Monate; alternativ Isoniazid für 9 Monate. Wechselwirkungen, Verträglichkeit und Resistenzanamnese berücksichtigen. [5]

Beginn unter LTBI-Prävention: Die gemeinsame Stellungnahme DZK/DGRh/DDG 2021 empfiehlt mindestens 4 Wochen präventive Therapie vor der Immunsuppression. Die S2k-Leitlinie 2022 bezeichnet den frühestmöglichen Start als nicht gesichert und beschreibt 4–8 Wochen als in der Literatur sicher angesehenen Vorlauf. Bei dringlicher Immunsuppression Zeitpunkt interdisziplinär unter Berücksichtigung der Grunderkrankung und des Präventionsverlaufs festlegen. [6][5]

HBV-Screening: HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs; bei HBsAg+ oder Anti-HBc+ zusätzlich HBV-DNA. [7]

HBV-Risiko: Substanzspezifisch unzureichend quantifiziert; Prophylaxe und Kontrollen hepatologisch nach Serostatus und Gesamtregime festlegen. [7]

Gesamtrisiko: Glukokortikoiddosis/-dauer, weitere Immunsuppression sowie Chemo-/Transplantationsregime berücksichtigen. Anti-HBs+ schließt bei Anti-HBc+ eine Reaktivierung nicht aus. Wenn erforderliche HBV-Kontrollen nicht gesichert sind: Prophylaxe. [7][8]

Kontrollen ohne Prophylaxe: Bei HBsAg+ und niedrigem Gesamtrisiko HBV-DNA/ALT spätestens alle 8 Wochen; bei HBsAg−/Anti-HBc+/HBV-DNA− HBsAg, HBV-DNA und ALT alle 1–3 Monate. Bei neuem DNA-Nachweis oder HBsAg-Reversion sofort antiviral behandeln, vor Hepatitis. [7]

Prophylaxe: Entecavir oder Tenofovir (TDF/TAF) vor Immunsuppression beginnen, währenddessen und danach 6–12 Monate (bei B-Zell-Depletion mindestens 18 Monate) fortführen. Nach Absetzen weiter überwachen; bei eigenständiger HBV-Therapieindikation länger behandeln. [7]

Impfung: Bei HBsAg−/Anti-HBc− und fehlendem Impfschutz möglichst vor Immunsuppression impfen; Schema und Erfolgskontrolle. [7][9]

Kontrollen

Sicherheitslabor nach DGRh: Großes Blutbild, AST/GOT, ALT/GPT, Kreatinin und Urinstatus nach 2–4 Wochen, im 2. und 3. Monat alle 4–8 Wochen, danach etwa alle 12 Wochen. BSG/CRP separat zur Aktivität. [2]

FI: Leukozyten einschließlich Neutrophiler vor Beginn, nach 1–2 Monaten und bei Langzeit-/Wiederholungstherapie regelmäßig. Bei Neutro-/Leukopenie engmaschiger kontrollieren und Absetzen erwägen. [1]

Still-Syndrom: Auf MAS achten; unter Canakinumab können Fieber und Ferritinanstieg abgeschwächt oder verzögert auftreten. [4]

Wirkbeginn und Therapiebeurteilung

Gicht: Wirkung meist nach 6–72 Stunden; bei fehlendem Ansprechen keine erneute Gabe. Still/Fiebersyndrome: Wirkung innerhalb weniger Tage bis Wochen; ohne klinische Besserung Fortführung überprüfen. [2][1]

Gegenanzeigen

Aktive schwere Infektionen; Überempfindlichkeit gegen Wirkstoff oder Bestandteile. [1]

Nebenwirkungen und Maßnahmen

Auswahl: Infektionen einschließlich Atemwegsinfektionen, Reaktionen an der Einstichstelle, Oberbauchbeschwerden; Leukopenie/Neutropenie und Transaminasenanstieg. [1]

Infektionen: Bei Still/Fiebersyndromen während einer aktiven behandlungsbedürftigen Infektion weder beginnen noch fortführen; bei Gicht keine Gabe während einer aktiven Infektion. [1]

DRESS: Bei typischen Zeichen ohne andere feststellbare Ursache nicht weiter verabreichen und alternative Behandlung erwägen. MAS-Verdacht: Unverzüglich diagnostisch und therapeutisch angehen. [1][3]

Wechselwirkungen

TNF-Inhibitoren: Kombination wegen schwerer Infektionen nicht empfohlen; DGRh rät auch von Kombination mit anderen bDMARDs/JAK-Inhibitoren ab. [1][2]

CYP450-Substrate mit enger therapeutischer Breite: Bei Einleitung Wirkung beziehungsweise Wirkstoffspiegel kontrollieren und gegebenenfalls Begleitdosis anpassen. [1]

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: Anwendbar, wenn zur wirksamen Kontrolle der mütterlichen Erkrankung erforderlich. [10]

Stillzeit: Mit dem Stillen vereinbar. [10]

Väterlicher Kinderwunsch: Fortführung möglich. [10]

Säuglingsimpfungen: Totimpfstoffe nach regulärem Impfplan. Nach intrauteriner Exposition im 2./3. Trimenon Lebendimpfungen bis zum Alter von 6 Monaten verschieben. [10]

Fachinformation: Schwangerschaft und Stillen nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung. Kontrazeption während und bis 3 Monate nach letzter Dosis. Für intrauterin exponierte Säuglinge nennt die FI eine Lebendimpfpause bis 16 Wochen nach letzter maternaler Gabe vor Geburt. [1][3]

Impfungen

Lebendimpfstoffe: Während Therapie vermeiden, außer bei klar überwiegendem Nutzen. Falls indiziert: mindestens 3 Monate Abstand nach der letzten und vor der nächsten Canakinumab-Injektion. [1]

Vor Therapiebeginn: Pneumokokken- und inaktivierte Influenzaimpfung möglichst vervollständigen. [1]

Impfplanung: Nichtlebendimpfungen sind unter Therapie möglich; möglichst mindestens 2, besser 4 Wochen vor Beginn abschließen. [11][1]

Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe

Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [9]

ImpfungIndikation / Schema
InfluenzaJährlich bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren; inaktivierter Impfstoff, ab 60 Jahren Hochdosis- oder MF59-adjuvantiert.
COVID-19Jährlich bei relevanter Immunsuppression/weiterem Risikofaktor oder ab 75 Jahren, bevorzugt Spätsommer/Frühherbst. Bei ausgeprägter Immundefizienz zusätzliche Dosen/verkürzte Abstände individuell. [12]
Pneumo­kokkenPCV20 bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren. Nach PCV13/15 ≥1 Jahr; nach PPSV23 ≥6 Jahre, bei ausgeprägter Immundefizienz gegebenenfalls ≥1 Jahr.
Herpes zosterAb 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression.
Hepatitis BBei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l.
RSVEinmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/Immundefizienz oder Pflegeheimbewohnenden. Möglichst vor der RSV-Saison.

Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [9]

Operationen

Größere elektive Eingriffe/erhöhtes Infektionsrisiko: Pausieren; Operation am Ende des tatsächlich verwendeten Therapieintervalls planen. Wiederbeginn bei ausreichender Wundheilung ohne Infektionszeichen. [13]

Alltag und Handhabung

Selbstinjektion: Bei Fiebersyndromen/Still nach Schulung möglich; bei Gicht Verabreichung durch medizinisches Fachpersonal. Einstichstellen wechseln, Narben und entzündete/verletzte Haut vermeiden. [1]

Ausgelassene Dosis bei Fiebersyndromen/Still: Bald nachholen; Folgedosen im empfohlenen Intervall. [1]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

Ilaris: 150 mg/ml; Durchstechflasche und Fertigpen enthalten jeweils 150 mg in 1 ml. Polysorbat 80. Lagerung bei 2–8 °C, nicht einfrieren, Lichtschutz. [1]

Ilaris 150 mg/ml Durchstechflasche

Erforderliches Volumen mit geeigneter Spritze entnehmen; Einmalgebrauch. Nach Öffnen aus mikrobiologischer Sicht sofort verwenden. [1]

Ilaris 150 mg SensoReady Pen

Feste Dosis von 150 mg je Pen; nicht schütteln. Selbstinjektion bei Fiebersyndromen/Still für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren mit >40 kg nach Schulung. Außerhalb des Kühlschranks: Innerhalb von 14 Tagen verwenden, nicht über 30 °C und nicht über das ursprüngliche Verfalldatum hinaus. Vor Injektion 30 Minuten Raumtemperatur annehmen lassen. [1]

Für gewichtsbezogene Dosen, die sich mit ganzen 150-mg-Pens nicht abbilden lassen, die Durchstechflasche verwenden. [3]

Überdosierung und Antidot

Begrenzte Erfahrung; bis 10 mg/kg i.v. oder s.c. in frühen Studien ohne Hinweise auf akute Toxizität. Bei Überdosierung überwachen und bei Bedarf unverzüglich symptomatisch behandeln. [1]

Quellen und Links
Certolizumab Pegol
bDMARD · TNF-α-Hemmer · pegyliertes Fab′-Fragment
Kurzzusammenfassung
IndikationenRA · PsA · axSpA · Plaque-Psoriasis; jeweils Erwachsene.
Dosierung400 mg s.c. in Woche 0, 2 und 4, danach 200 mg alle 2 Wochen. Bei RA/PsA nach Ansprechen alternativ 400 mg alle 4 Wochen; bei axSpA beide Erhaltungsschemata möglich.
Gegenanzeigen (Auswahl)Aktive Tbc oder andere schwere Infektionen; Herzinsuffizienz NYHA III/IV.
Besondere SicherheitsmaßnahmenTbc- und HBV-Screening. Mögliche falsch erhöhte aPTT beachten.
Wirkmechanismus

Certolizumab Pegol ist ein humanisiertes, mit Polyethylenglycol verbundenes Fab′-Fragment ohne Fc-Region. Es neutralisiert lösliches und membrangebundenes TNF-α. [1]

Indikationen

Rheumatoide Arthritis: Mittelschwere bis schwere aktive RA nach unzureichendem Ansprechen auf DMARDs einschließlich MTX; außerdem schwere, aktive und fortschreitende RA ohne vorherige MTX- oder andere DMARD-Therapie. Kombination mit MTX; Monotherapie bei MTX-Unverträglichkeit oder wenn eine Fortsetzung von MTX ungeeignet ist. [1]

Psoriasis-Arthritis: Aktive PsA nach unzureichendem Ansprechen auf DMARDs, in Kombination mit MTX. Monotherapie bei MTX-Unverträglichkeit oder wenn MTX nicht fortgesetzt werden kann. [1]

Axiale Spondyloarthritis: Schwere aktive ankylosierende Spondylitis beziehungsweise nicht-röntgenologische axSpA nach unzureichendem NSAR-Ansprechen oder NSAR-Unverträglichkeit. Bei nicht-röntgenologischer axSpA erhöhte CRP-Werte und/oder MRT-Entzündungszeichen erforderlich. [1]

Plaque-Psoriasis: Mittelschwere bis schwere Erkrankung, die für eine systemische Therapie infrage kommen. [1]

Dosierung und Anwendung

Initial: 400 mg s.c. in Woche 0, 2 und 4, jeweils zwei Injektionen zu 200 mg. Danach 200 mg alle 2 Wochen. [2][1]

RA: Nach bestätigtem klinischem Ansprechen alternativ 400 mg alle 4 Wochen. MTX soweit möglich fortführen. [1]

PsA: Nach bestätigtem klinischem Ansprechen alternativ 400 mg alle 4 Wochen. MTX soweit möglich fortführen. Bei peripherer PsA ein bereits vertragenes csDMARD beim Beginn des ersten TNF-Hemmers fortführen. [1][3]

AxSpA: Erhaltung mit 200 mg alle 2 Wochen oder 400 mg alle 4 Wochen. Nach mindestens einem Jahr Behandlung kann bei anhaltender Remission eine Reduktion auf 200 mg alle 4 Wochen erwogen werden. [1]

Plaque-Psoriasis: Nach der Initialphase 200 mg alle 2 Wochen; bei unzureichendem Ansprechen 400 mg alle 2 Wochen erwägen. [1]

Dosisanpassung

Nieren- und Leberfunktionsstörung: Nicht untersucht; keine Dosierungsempfehlung verfügbar. Ab 65 Jahren: Keine Dosisanpassung erforderlich. [1]

Kinder und Jugendliche: Zulassung für Erwachsene; Sicherheit und Wirksamkeit unter 18 Jahren bisher nicht nachgewiesen. [1]

Vor Therapiebeginn

Klinisch: Herzinsuffizienz NYHA III/IV und aktive Infektionen ausschließen; demyelinisierende Erkrankungen und Tumoranamnese erfassen. [2][1]

Impfstatus: Überprüfen und gegebenenfalls aktualisieren. [2]

Tuberkulose: Anamnese, klinische Untersuchung, IGRA und Thorax-Röntgen; aktive Tuberkulose vor einer LTBI-Prävention ausschließen. [4]

LTBI: Präventive Therapie vor Certolizumab beginnen. Kürzere Rifamycin-Schemata bevorzugen: Rifampicin für 4 Monate oder Rifampicin plus Isoniazid für 3 Monate; alternativ Isoniazid für 9 Monate. Wechselwirkungen, Verträglichkeit und Resistenzanamnese berücksichtigen. [4]

Beginn unter LTBI-Prävention: Die gemeinsame Stellungnahme DZK/DGRh/DDG 2021 empfiehlt mindestens 4 Wochen präventive Therapie vor der Immunsuppression. Die S2k-Leitlinie 2022 bezeichnet den frühestmöglichen Start als nicht gesichert und beschreibt 4–8 Wochen als in der Literatur sicher angesehenen Vorlauf. Bei dringlicher Immunsuppression Zeitpunkt interdisziplinär unter Berücksichtigung der Grunderkrankung und des Präventionsverlaufs festlegen. [5][4]

HBV-Screening: HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs; bei HBsAg+ oder Anti-HBc+ zusätzlich HBV-DNA. [6]

HBV-StatusRisiko und Vorgehen
HBsAg+ oder HBsAg−/Anti-HBc+ mit HBV-DNA+ vor TherapiebeginnHoch (>10 %): antivirale Prophylaxe. [7]
HBsAg−/Anti-HBc+; HBV-DNA−Moderat (1–10 %): Überwachung; bei erhöhtem Gesamtrisiko Prophylaxe erwägen. [7]

Gesamtrisiko: Glukokortikoiddosis/-dauer, weitere Immunsuppression sowie Chemo-/Transplantationsregime berücksichtigen. Anti-HBs+ schließt bei Anti-HBc+ eine Reaktivierung nicht aus. Wenn erforderliche HBV-Kontrollen nicht gesichert sind: Prophylaxe. [6][7]

Kontrollen ohne Prophylaxe: bei HBsAg−/Anti-HBc+/HBV-DNA− HBsAg, HBV-DNA und ALT alle 1–3 Monate. Bei neuem DNA-Nachweis oder HBsAg-Reversion sofort antiviral behandeln, vor Hepatitis. [6]

Prophylaxe: Entecavir oder Tenofovir (TDF/TAF) vor Immunsuppression beginnen, währenddessen und danach 6–12 Monate (bei B-Zell-Depletion mindestens 18 Monate) fortführen. Nach Absetzen weiter überwachen; bei eigenständiger HBV-Therapieindikation länger behandeln. [6]

Impfung: Bei HBsAg−/Anti-HBc− und fehlendem Impfschutz möglichst vor Immunsuppression impfen; Schema und Erfolgskontrolle. [6][8]

Sicherheitslabor: Großes Blutbild, GPT und Kreatinin. [2]

Kontrollen

Labor: Großes Blutbild, GPT und Kreatinin nach 2 und 4 Wochen, nach 2 und 3 Monaten, danach nach klinischem Ermessen. BSG/CRP zur Beurteilung der Krankheitsaktivität. [2]

Klinisch: Auf Infektionszeichen, Lymphknotenveränderungen und Lupus-ähnliche Symptome achten. [2] Infektionsüberwachung bis 5 Monate nach Therapieende; regelmäßige Hautuntersuchungen, besonders bei Hautkrebsrisikofaktoren. [1]

Wirkbeginn und Therapiebeurteilung

Wirkbeginn: Nach etwa 2–3 Wochen; bei fehlender Wirkung nach 8–12 Wochen Fortsetzung überprüfen. [2]

Plaque-Psoriasis: Bei fehlendem therapeutischem Nutzen nach 16 Wochen Fortsetzung überprüfen. Bei anfänglichem Teilansprechen kann eine weitere Besserung nach Woche 16 auftreten. [1]

Gegenanzeigen

Herzinsuffizienz NYHA III/IV; aktive Tuberkulose oder andere schwere Infektionen einschließlich Sepsis und opportunistischer Infektionen; Überempfindlichkeit gegen Certolizumab Pegol oder Bestandteile. [1]

Nebenwirkungen und Maßnahmen

Häufig: Bakterielle und virale Infektionen, Leukopenie einschließlich Neutro- und Lymphopenie, Eosinophilie, Kopfschmerzen, Übelkeit, Leberwertanstieg, Exanthem und Reaktionen an der Injektionsstelle. [1]

Schwere Infektion: Pausieren, bis die Infektion unter Kontrolle ist. HBV-Reaktivierung: Pausieren und wirksame antivirale Therapie beginnen. [1]

Demyelinisierende Symptome: Therapie pausieren und neurologisch abklären. [2] Neue oder zunehmende Herzinsuffizienz: Certolizumab absetzen und kardial abklären. [1]

Bestätigte relevante Zytopenie: Beendigung erwägen. Lupus-ähnliches Syndrom: Therapie beenden. [1]

Schwere Überempfindlichkeitsreaktion: Sofort beenden und behandeln. [1]

Wechselwirkungen

Andere Biologika: Kombination nicht empfohlen, insbesondere mit Anakinra oder Abatacept. [2][1]

Gerinnungsdiagnostik: Einige aPTT-Tests einschließlich bestimmter Lupus-Antikoagulans-Testsysteme können falsch erhöhte Werte ergeben. Keine nachgewiesene Auswirkung auf die Gerinnung in vivo; Thrombinzeit und Prothrombinzeit waren nicht beeinflusst. [1]

Tumoranamnese

Solider Tumor in Remission: Bei entzündlicher Arthritis können TNF-Inhibitoren gegenüber anderen zielgerichteten Therapien bevorzugt werden. Dies gilt auch für nichtmelanozytären Hautkrebs; für ein Melanom enthält diese Empfehlung keine entsprechende Therapiepräferenz. [9]

Lymphom in der Anamnese: Bei entzündlicher Arthritis und Tumorremission kann eine B-Zell-depletierende Therapie gegenüber anderen zielgerichteten Therapien bevorzugt werden. [9]

Tumorerkrankung ohne Remission: Therapieentscheidung gemeinsam mit Patient und onkologisch behandelndem Team treffen. [9]

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: Während der gesamten Schwangerschaft anwendbar; minimaler bis nicht nachweisbarer plazentarer Transfer. [10]

Stillzeit: Mit dem Stillen vereinbar. [10]

Väterlicher Kinderwunsch: Fortführung möglich. [10]

Säuglingsimpfungen: Tot- und Lebendimpfungen nach regulärem Impfplan. [10]

Fachinformation: Schwangerschaftsanwendung bei klinischer Notwendigkeit; Stillzeit zulässig. Wird vor Konzeption eine Elimination angestrebt, Verhütung bis 5 Monate nach der letzten Dosis. [1]

Fachinformation – Säuglingsimpfungen: Mit Lebendimpfstoffen mindestens 5 Monate nach der letzten mütterlichen Gabe in der Schwangerschaft warten, außer der Nutzen überwiegt das theoretische Risiko deutlich. [1]

Impfungen

Unter Certolizumab: Totimpfstoffe möglich; keine gleichzeitigen Lebendimpfstoffe. [1]

Lebendimpfungen: Mindestens 4 Wochen vor Beginn beziehungsweise frühestens 2 Monate nach Therapieende. [11]

Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe

Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [8]

ImpfungIndikation / Schema
InfluenzaJährlich bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren; inaktivierter Impfstoff, ab 60 Jahren Hochdosis- oder MF59-adjuvantiert.
COVID-19Jährlich bei relevanter Immunsuppression/weiterem Risikofaktor oder ab 75 Jahren, bevorzugt Spätsommer/Frühherbst. Bei ausgeprägter Immundefizienz zusätzliche Dosen/verkürzte Abstände individuell. [12]
Pneumo­kokkenPCV20 bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren. Nach PCV13/15 ≥1 Jahr; nach PPSV23 ≥6 Jahre, bei ausgeprägter Immundefizienz gegebenenfalls ≥1 Jahr.
Herpes zosterAb 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression.
Hepatitis BBei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l.
RSVEinmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/Immundefizienz oder Pflegeheimbewohnenden. Möglichst vor der RSV-Saison.

Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [8]

Operationen

DGRh: Operation zum Ende des Therapieintervalls planen; nach Unterbrechung abhängig von der Wundheilung baldmöglichst wieder beginnen. [13]

Elektive Hüft- oder Knieendoprothese: Nach ACR/AAHKS bei zweiwöchentlicher Gabe Operation in Woche 3, bei vierwöchentlicher Gabe in Woche 5 nach der letzten Dosis. Wiederbeginn bei ausreichender Wundheilung, entfernten Nähten/Klammern und ohne relevante Schwellung, Rötung, Sekretion oder weitere Infektion; meist nach etwa 14 Tagen. Bedingte Empfehlung. [14]

Alltag und Handhabung

Anwendung: Subkutan in Oberschenkel oder Abdomen; Einstichstellen wechseln. Bei 400 mg zwei Injektionen an verschiedenen Stellen. [1]

Vergessene Dosis: Nachholen, sobald bemerkt; die weiteren Gaben nach ärztlicher Festlegung fortsetzen. [1]

Dokumentation: Handelsname und Charge festhalten; Patientenpass aushändigen. Verkehrstüchtigkeit: Geringer Einfluss möglich, insbesondere durch Schwindel, Sehstörungen oder Müdigkeit. [1]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

Cimzia

Wirkstärken und Formen: Fertigspritze und AutoClicks-Fertigpen mit jeweils 200 mg/1 ml; Konzentration 200 mg/ml. Fertigspritze mit Nadelschutzsystem ausschließlich zur Anwendung durch medizinisches Fachpersonal. [1]

Vor der Injektion: Fertigspritze etwa 30 Minuten, Pen 30–45 Minuten auf Raumtemperatur kommen lassen; nicht künstlich erwärmen. Die Nadelhüllen enthalten ein Naturkautschuk-Derivat; Latexüberempfindlichkeit beachten. [1]

Lagerung: 2–8 °C, nicht einfrieren; im Umkarton vor Licht schützen. Einmalig bis zu 10 Tage bei höchstens 25 °C; danach verwenden oder entsorgen. [1]

Überdosierung und Antidot

In klinischen Studien wurde keine dosislimitierende Toxizität beobachtet. Verabreicht wurden Mehrfachdosierungen bis 800 mg s.c. beziehungsweise 20 mg/kg i.v. Bei Überdosierung engmaschig auf unerwünschte Wirkungen überwachen und symptomatisch behandeln. [1]

Quellen und Links

Quellennummern gelten innerhalb dieses Medikamentenkapitels. DGRh-Therapieinformationen: jeweils unten genannter Originalstand.

Etanercept
bDMARD · TNF-Rezeptor-Fc-Fusionsprotein
Kurzzusammenfassung
IndikationenRA · PsA · axSpA · polyartikuläre und erweiterte oligoartikuläre JIA · Enthesitis-assoziierte Arthritis · Plaque-Psoriasis.
Dosierung50 mg s.c. einmal wöchentlich, alternativ 25 mg zweimal wöchentlich.
AnwendungsbeschränkungenBei Herzinsuffizienz NYHA III/IV nach DGRh nicht anwenden.
Besondere SicherheitsmaßnahmenTbc- und HBV-Screening. Impfstatus prüfen; auf Infektionen achten.
Wirkmechanismus

Etanercept ist ein lösliches TNF-Rezeptor-p75-Fc-Fusionsprotein. Es bindet TNF und hemmt dessen Bindung an die zellständigen Rezeptoren. [1]

Indikationen

Rheumatoide Arthritis: Mäßige bis schwere aktive RA nach unzureichendem Ansprechen auf DMARDs einschließlich Methotrexat; außerdem schwere, aktive und fortschreitende RA ohne vorausgegangene MTX-Therapie. Kombination mit MTX; Monotherapie bei MTX-Unverträglichkeit oder wenn eine Fortsetzung von MTX ungeeignet ist. [1]

Psoriasis-Arthritis: Aktive und fortschreitende PsA nach unzureichendem Ansprechen auf eine vorherige DMARD-Therapie. [1]

Axiale Spondyloarthritis: Schwere aktive ankylosierende Spondylitis nach unzureichendem Ansprechen auf konventionelle Therapie; schwere nicht-röntgenologische axSpA mit erhöhtem CRP und/oder MRT-Entzündungszeichen nach unzureichendem NSAR-Ansprechen. [1]

Polyartikuläre JIA: Polyarthritis und erweiterte Oligoarthritis ab 2 Jahren nach unzureichendem Ansprechen auf oder Unverträglichkeit von MTX. [1]

Juvenile Psoriasis-Arthritis: Ab 12 Jahren nach unzureichendem MTX-Ansprechen oder MTX-Unverträglichkeit. [1]

Enthesitis-assoziierte Arthritis: Ab 12 Jahren nach unzureichendem Ansprechen auf oder Unverträglichkeit von konventioneller Therapie. [1]

Plaque-Psoriasis: Mittelschwere bis schwere Erkrankung nach Versagen, bei Kontraindikation oder Unverträglichkeit anderer systemischer Therapien einschließlich Ciclosporin, MTX oder PUVA. Chronische schwere Plaque-Psoriasis ab 6 Jahren bei unzureichender Kontrolle durch oder Unverträglichkeit anderer systemischer Therapien oder Phototherapie. [1]

Präparate: Die genannten Indikationen gelten für Enbrel, Benepali, Erelzi und Nepexto. Die mögliche Kinderdosis hängt von der Darreichungsform ab; siehe Präparate und Wirkstärken. [1][2][3][4]

Dosierung und Anwendung

RA: 50 mg s.c. einmal wöchentlich, alternativ 25 mg zweimal wöchentlich. [5][1]

PsA: 50 mg s.c. einmal wöchentlich, alternativ 25 mg zweimal wöchentlich. [5][1]

AxSpA: 50 mg s.c. einmal wöchentlich, alternativ 25 mg zweimal wöchentlich. [5][1]

RA: Mit Methotrexat kombinieren; Monotherapie bei MTX-Unverträglichkeit oder wenn MTX nicht geeignet ist. [1]

Periphere PsA: Beim Beginn des ersten TNF-Hemmers ein bereits vertragenes csDMARD, insbesondere MTX, fortführen. [6]

Plaque-Psoriasis: 50 mg einmal wöchentlich oder 25 mg zweimal wöchentlich. Alternativ zunächst 50 mg zweimal wöchentlich für höchstens 12 Wochen, anschließend Standarddosis. Behandlung bis zur Remission, für bis zu 24 Wochen; bei einzelnen Erwachsenen länger. [1]

Nieren- und Leberfunktion, höheres Alter: Keine Dosisanpassung erforderlich; bei Nieren- oder Leberfunktionsstörung begrenzte klinische Erfahrung. [1]

Pädiatrische Dosierungen

JIA: 0,8 mg/kg einmal wöchentlich, maximal 50 mg, oder 0,4 mg/kg zweimal wöchentlich, maximal 25 mg pro Gabe; bei zweimal wöchentlicher Gabe Abstand von 3–4 Tagen. Zulassungsalter je JIA-Form beachten. [1]

Plaque-Psoriasis ab 6 Jahren: 0,8 mg/kg einmal wöchentlich, maximal 50 mg, für bis zu 24 Wochen. [1]

Gewichtsadaptierte Dosis: Für Dosen, die nicht einer vollständigen 25- oder 50-mg-Fertigspritze beziehungsweise einem vollständigen Pen entsprechen, eine geeignete Pulverzubereitung verwenden. Benepali, Erelzi und Nepexto bieten keine solchen Teilmengen; unter 62,5 kg verlangen ihre FI eine genaue Dosierung nach Körpergewicht mit einer geeigneten Etanercept-Zubereitung. [1][2][3][4]

Vor Therapiebeginn

Klinisch: Aktive Infektionen ausschließen. Herzinsuffizienz, demyelinisierende Erkrankungen und Tumoranamnese erfassen; Impfstatus prüfen. [5][1]

Tuberkulose: Anamnese, klinische Untersuchung, IGRA und Thorax-Röntgen; aktive Tuberkulose vor einer LTBI-Prävention ausschließen. [7]

LTBI: Präventive Therapie vor Etanercept beginnen. Kürzere Rifamycin-Schemata bevorzugen: Rifampicin für 4 Monate oder Rifampicin plus Isoniazid für 3 Monate; alternativ Isoniazid für 9 Monate. Wechselwirkungen, Verträglichkeit und Resistenzanamnese berücksichtigen. [7]

Beginn unter LTBI-Prävention: Die gemeinsame Stellungnahme DZK/DGRh/DDG 2021 empfiehlt mindestens 4 Wochen präventive Therapie vor der Immunsuppression. Die S2k-Leitlinie 2022 bezeichnet den frühestmöglichen Start als nicht gesichert und beschreibt 4–8 Wochen als in der Literatur sicher angesehenen Vorlauf. Bei dringlicher Immunsuppression Zeitpunkt interdisziplinär unter Berücksichtigung der Grunderkrankung und des Präventionsverlaufs festlegen. [8][7]

HBV-Screening: HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs; bei HBsAg+ oder Anti-HBc+ zusätzlich HBV-DNA. [9]

HBV-StatusRisiko und Vorgehen
HBsAg+ oder HBsAg−/Anti-HBc+ mit HBV-DNA+ vor TherapiebeginnHoch (>10 %): antivirale Prophylaxe. [10]
HBsAg−/Anti-HBc+; HBV-DNA−Moderat (1–10 %): Überwachung; bei erhöhtem Gesamtrisiko Prophylaxe erwägen. [10]

Gesamtrisiko: Glukokortikoiddosis/-dauer, weitere Immunsuppression sowie Chemo-/Transplantationsregime berücksichtigen. Anti-HBs+ schließt bei Anti-HBc+ eine Reaktivierung nicht aus. Wenn erforderliche HBV-Kontrollen nicht gesichert sind: Prophylaxe. [9][10]

Kontrollen ohne Prophylaxe: bei HBsAg−/Anti-HBc+/HBV-DNA− HBsAg, HBV-DNA und ALT alle 1–3 Monate. Bei neuem DNA-Nachweis oder HBsAg-Reversion sofort antiviral behandeln, vor Hepatitis. [9]

Prophylaxe: Entecavir oder Tenofovir (TDF/TAF) vor Immunsuppression beginnen, währenddessen und danach 6–12 Monate (bei B-Zell-Depletion mindestens 18 Monate) fortführen. Nach Absetzen weiter überwachen; bei eigenständiger HBV-Therapieindikation länger behandeln. [9]

Impfung: Bei HBsAg−/Anti-HBc− und fehlendem Impfschutz möglichst vor Immunsuppression impfen; Schema und Erfolgskontrolle. [9][11]

Sicherheitslabor: Großes Blutbild, GOT, GPT und Kreatinin. BSG und/oder CRP zur Beurteilung der Krankheitsaktivität. [5]

Kontrollen

Labor: Großes Blutbild, GOT, GPT und Kreatinin in den ersten 3 Monaten etwa alle 4 Wochen, bei stabil normalen Werten danach alle 8–12 Wochen. BSG und/oder CRP als Aktivitätsparameter. [5]

Klinisch: Auf Infektionszeichen, Fieber, Husten, Abszesse und Gewichtsverlust achten. [5] Regelmäßige Hautuntersuchungen, besonders bei erhöhtem Hautkrebsrisiko. [1]

Wirkbeginn und Therapiebeurteilung

Wirkbeginn: Meist innerhalb der ersten 4 Wochen. Bei fehlender Besserung nach 12 Wochen Fortsetzung kritisch prüfen. [5]

Plaque-Psoriasis: Bei fehlendem Ansprechen nach 12 Wochen Behandlung beenden. JIA: Bei fehlendem Ansprechen nach 4 Monaten Beendigung erwägen. [1]

Gegenanzeigen und besondere Anwendungsbeschränkungen

Herzinsuffizienz: Bei NYHA III/IV nach DGRh nicht anwenden. [5] Die FI führt Herzinsuffizienz als Warnhinweis, nicht als formale Gegenanzeige. [1]

Formale Gegenanzeigen der genannten Präparate: Sepsis oder Sepsisrisiko; Überempfindlichkeit gegen Etanercept oder Bestandteile. Bei aktiven, auch chronischen oder lokalisierten Infektionen nicht beginnen. [1][2][3][4]

Nebenwirkungen und Maßnahmen

Häufige Beschwerden: Reaktionen an der Einstichstelle, Infektionen, Kopfschmerzen, Juckreiz und Hautausschlag. [1]

Schwere Infektionen: Einschließlich Tbc und opportunistischer Infektionen. Bei schwerer Infektion pausieren. [5][1]

HBV-Reaktivierung: Etanercept pausieren und wirksame antivirale Behandlung beginnen. [1]

Blutbildveränderungen: Selten Panzytopenie, sehr selten aplastische Anämie. Bei anhaltendem Fieber, Halsschmerzen, Blutungszeichen oder Blässe dringend Blutbild bestimmen; bei bestätigter schwerwiegender Blutbildveränderung Therapie beenden. [1]

Neurologische oder kardiale Symptome: Bei Symptomen einer demyelinisierenden Erkrankung oder neu auftretender beziehungsweise zunehmender dekompensierter Herzinsuffizienz pausieren. [5]

Lupus-ähnliches Syndrom: Bei entsprechenden Symptomen und gleichzeitigem Auftreten von Anti-dsDNA-Antikörpern pausieren. [5]

Schwere allergische Reaktion oder Anaphylaxie: Etanercept sofort beenden und angemessen behandeln. [1]

Weitere relevante Ereignisse: Transaminasenanstieg, Autoimmunhepatitis, interstitielle Lungenerkrankung, paradoxe Psoriasis oder Uveitis sowie Hauttumoren. [1]

Wechselwirkungen

Andere bDMARDs oder JAK-Inhibitoren: Kombination nicht empfohlen. [5] Insbesondere bei Anakinra oder Abatacept erhöhtes Risiko schwerer Infektionen ohne belegten Zusatznutzen. [1]

Sulfasalazin: Zusätzlicher Leukozytenabfall möglich; Kombination mit Vorsicht. [1]

Antidiabetika: Nach Therapiebeginn wurden Hypoglykämien berichtet; gegebenenfalls Dosis der antidiabetischen Behandlung reduzieren. [1]

Tumoranamnese

Solider Tumor in Remission: Bei entzündlicher Arthritis können TNF-Inhibitoren gegenüber anderen zielgerichteten Therapien bevorzugt werden. Dies gilt auch für nichtmelanozytären Hautkrebs; für ein Melanom enthält diese Empfehlung keine entsprechende Therapiepräferenz. [12]

Lymphom in der Anamnese: Bei entzündlicher Arthritis und Tumorremission kann eine B-Zell-depletierende Therapie gegenüber anderen zielgerichteten Therapien bevorzugt werden. [12]

Tumorerkrankung ohne Remission: Therapieentscheidung gemeinsam mit Patient und onkologisch behandelndem Team treffen. [12]

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: Während der gesamten Schwangerschaft anwendbar; individuelle Wirksamkeit und plazentaren Übertritt berücksichtigen. Bei stabiler Krankheitskontrolle zur Minimierung kindlicher Wirkstoffspiegel ein Absetzen bis zur 30.–32. Schwangerschaftswoche erwägen. [13]

Stillzeit: Mit dem Stillen vereinbar. [13]

Väterlicher Kinderwunsch: Fortführung möglich. [13]

Säuglingsimpfungen: Totimpfstoffe und Rotavirusimpfung nach regulärem Impfplan. Nach intrauteriner Exposition nach der 32. Schwangerschaftswoche BCG-Impfung bis zum Alter von 6 Monaten verschieben. [13]

Fachinformation: Anwendung in der Schwangerschaft nur, wenn eindeutig erforderlich; Verhütung während und für 3 Wochen nach Therapieende erwägen. Stillen nach Nutzenabwägung möglich. [1]

Fachinformation – Säuglingsimpfungen: Lebendimpfstoffe im Allgemeinen erst 16 Wochen nach der letzten mütterlichen Dosis. Bei Behandlung während des Stillens nennt die FI 16 Wochen nach Stillende oder früher bei nicht nachweisbarem Etanercept-Serumspiegel des Kindes. [1]

Impfungen

Lebendimpfungen vor Beginn: Mindestens 4 Wochen Abstand. [14]

Unter Etanercept: Totimpfstoffe können gegeben werden. Keine Lebendimpfstoffe während der Therapie. [14][1]

Lebendimpfungen nach Therapieende: Frühestens nach 2 Monaten; bei klinischer Remission gegebenenfalls bereits nach mindestens 1 Monat. [14]

Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe

Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [11]

ImpfungIndikation / Schema
InfluenzaJährlich bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren; inaktivierter Impfstoff, ab 60 Jahren Hochdosis- oder MF59-adjuvantiert.
COVID-19Jährlich bei relevanter Immunsuppression/weiterem Risikofaktor oder ab 75 Jahren, bevorzugt Spätsommer/Frühherbst. Bei ausgeprägter Immundefizienz zusätzliche Dosen/verkürzte Abstände individuell. [15]
Pneumo­kokkenPCV20 bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren. Nach PCV13/15 ≥1 Jahr; nach PPSV23 ≥6 Jahre, bei ausgeprägter Immundefizienz gegebenenfalls ≥1 Jahr.
Herpes zosterAb 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression.
Hepatitis BBei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l.
RSVEinmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/Immundefizienz oder Pflegeheimbewohnenden. Möglichst vor der RSV-Saison.

Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [11]

Operationen

DGRh: Operation zum Ende des Therapieintervalls planen. Nach Unterbrechung abhängig von der Wundheilung baldmöglichst wieder beginnen. [16]

ACR/AAHKS – elektive Hüft- oder Knieendoprothese: Bei wöchentlicher Gabe Operation in Woche 2 nach der letzten Dosis planen. Wiederbeginn bei heilender Wunde, entfernten Nähten/Klammern und ohne relevante Schwellung, Rötung, Sekretion oder weitere Infektion; typischerweise nach etwa 14 Tagen. Bedingte Empfehlung. [17]

Weitere besondere Hinweise

AxSpA mit Uveitis oder chronisch-entzündlicher Darmerkrankung: Monoklonale TNF-Antikörper bevorzugen. [18]

Alltag und Handhabung

Injektion: Subkutan nach Einweisung. Einstichstelle wechseln; nicht in schmerzhafte, gerötete, verhärtete oder verletzte Haut injizieren. Nicht schütteln oder künstlich erwärmen. [1]

Vergessene Dosis: Nachholen, sobald bemerkt; steht die nächste reguläre Gabe bereits am folgenden Tag an, die vergessene Dosis auslassen. Danach am gewohnten Wochentag fortfahren. Keine doppelte Dosis. [1]

Varizellenexposition: Bei erheblicher Exposition vorübergehend pausieren und eine Prophylaxe mit Varizella-Zoster-Immunglobulin erwägen. [1] Bei fehlender oder unsicherer Immunität VZIG möglichst rasch, spätestens innerhalb von 96 Stunden nach Exposition. [19]

Dokumentation: Präparat und Charge festhalten; Patientenkarte aushändigen. Verkehrstüchtigkeit: Kein oder vernachlässigbarer Einfluss. [1]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

Subkutane Anwendung; Zulassungen und Dosierschemata wie oben. Im Kühlschrank bei 2–8 °C lagern, nicht einfrieren. Fertigspritzen, Pens und Patronen im Umkarton vor Licht schützen. Nach Beginn des unten genannten Zeitraums außerhalb der Kühlung nicht erneut kühlen; unbenutztes Präparat nach Ablauf entsorgen. [1][2][3][4]

Enbrel

Fertigspritzen und Pens: Jeweils 25 mg/0,5 ml und 50 mg/1 ml; Konzentration 50 mg/ml. Patronen für SMARTCLIC: 25 mg/0,5 ml und 50 mg/1 ml; 50 mg/ml. Pulver: 25 mg; außerdem 10 mg mit Lösungsmittel zur Anwendung bei Kindern. Nach Rekonstitution mit 1 ml Wasser für Injektionszwecke 25 beziehungsweise 10 mg/ml. [1]

Dosierung bei Kindern: Pulverzubereitung ermöglicht genaue Dosierung nach Körpergewicht. Lagerung außerhalb der Kühlung: Einmalig bis zu 4 Wochen bei höchstens 25 °C. Rekonstituierte Lösung möglichst unmittelbar, spätestens innerhalb von 6 Stunden bei höchstens 25 °C verwenden. Latex: Kanülenkappen der Fertigspritzen/Pens und Verschlusskappen der Lösungsmittelspritzen enthalten Trockenkautschuk. [1]

Benepali

Fertigspritzen: 25 mg/0,5 ml und 50 mg/1 ml. Pen: 50 mg/1 ml; nominale Konzentration jeweils 50 mg/ml. Nur vollständige 25- oder 50-mg-Dosen; keine Teilmengen zur gewichtsabhängigen Kinderdosierung. Vor Anwendung: Etwa 30 Minuten Raumtemperatur annehmen lassen. Lagerung außerhalb der Kühlung: Einmalig bis zu 31 Tage bei höchstens 30 °C. [2]

Erelzi

Fertigspritzen: 25 mg/0,5 ml und 50 mg/1 ml. Pen: 50 mg/1 ml; Konzentration jeweils 50 mg/ml. Nur vollständige 25- oder 50-mg-Dosen; keine Teilmengen zur gewichtsabhängigen Kinderdosierung. Vor Anwendung: Etwa 15–30 Minuten Raumtemperatur annehmen lassen. Lagerung außerhalb der Kühlung: Einmalig bis zu 4 Wochen bei höchstens 25 °C. [3]

Nepexto

Fertigspritzen: 25 mg/0,5 ml und 50 mg/1 ml. Pen: 50 mg/1 ml; Konzentration jeweils 50 mg/ml. Nur vollständige 25- oder 50-mg-Dosen; keine Teilmengen zur gewichtsabhängigen Kinderdosierung. Lagerung außerhalb der Kühlung: Einmalig bis zu 4 Wochen bei höchstens 25 °C. [4]

Überdosierung und Antidot

In klinischen RA-Studien wurde keine dosislimitierende Toxizität beobachtet. Höchste untersuchte Dosierung: 32 mg/m² i.v. als Initialdosis, gefolgt von 16 mg/m² s.c. zweimal wöchentlich. Ein spezifisches Antidot ist nicht bekannt. [1]

Quellen und Links

Quellennummern gelten innerhalb dieses Medikamentenkapitels. DGRh-Therapieinformationen: jeweils unten genannter Originalstand.

Golimumab
Kurzzusammenfassung
IndikationenRA · PsA · AS/nr-axSpA · pJIA ab 2 Jahren; Colitis ulcerosa, pädiatrisch ab 2 Jahren/≥15 kg mit dafür vorgesehenen Simponi-Formen.
DosierungRA/PsA/axSpA: 50 mg s.c. monatlich; RA mit MTX. Bei >100 kg ggf. 100 mg monatlich.
Gegenanzeigen (Auswahl)Herzinsuffizienz NYHA III/IV; aktive Tbc oder andere schwere Infektionen.
Besondere SicherheitsmaßnahmenTbc- und HBV-Screening; Impfstatus vor Beginn prüfen.
Wirkmechanismus

Humaner monoklonaler IgG1κ-Antikörper gegen lösliches und membrangebundenes TNF-α. [1]

Indikationen

RA: Mittelschwere bis schwere aktive RA nach unzureichendem DMARD-Ansprechen einschließlich MTX; außerdem schwere aktive progrediente RA ohne vorherige MTX-Therapie. In Kombination mit MTX. [1]

PsA: Aktive fortschreitende Erkrankung nach unzureichendem DMARD-Ansprechen; allein oder mit MTX. [1]

AxSpA: Schwere aktive AS nach unzureichender konventioneller Therapie; schwere aktive nr-axSpA mit erhöhtem CRP und/oder MRT-Entzündung nach NSAR-Versagen oder -Unverträglichkeit. [1]

Polyartikuläre JIA: Ab 2 Jahren nach unzureichendem MTX-Ansprechen, mit MTX. Unter 40 kg: 45-mg-VarioJect; ab 40 kg: 50-mg-Pen oder -Fertigspritze. [1]

Colitis ulcerosa: Mittelschwere bis schwere aktive CU nach Versagen, Unverträglichkeit oder Kontraindikation konventioneller Therapie einschließlich Kortikosteroiden und 6-MP oder AZA. Kinder ab 2 Jahren und ≥15 kg mit den hierfür vorgesehenen Fertigspritzen beziehungsweise dem 45-mg-Pen für die reduzierte 25-mg-Erhaltung. [1]

Dosierung und Anwendung

RA: 50 mg s.c. einmal monatlich am gleichen Kalendertag. Mit MTX. [2][1]

PsA: 50 mg s.c. einmal monatlich am gleichen Kalendertag. [2][1]

AxSpA: 50 mg s.c. einmal monatlich am gleichen Kalendertag. [2][1]

Dosissteigerung nach FI: Bei >100 kg und unzureichendem Ansprechen nach 3–4 Dosen 100 mg monatlich erwägen; höheres Risiko bestimmter schwerwiegender Nebenwirkungen berücksichtigen. Ohne Nutzen nach weiteren 3–4 Dosen à 100 mg Fortführung überprüfen. [1]

Colitis ulcerosa[1]

PhaseDosierung s.c.
Einleitung200 mg in Woche 0, 100 mg in Woche 2.
Erhaltung bei <80 kgAb Woche 6: 50 mg alle 4 Wochen bei ausreichendem Ansprechen; bei unzureichendem Ansprechen 100 mg alle 4 Wochen möglich.
Erhaltung bei ≥80 kg100 mg alle 4 Wochen ab Woche 6.

Pädiatrische Dosierungen

pJIA: Unter 40 kg 30 mg/m² s.c. monatlich, maximal 40 mg; Volumen nach Größen-/Gewichtstabelle der 45-mg-FI. Ab 40 kg 50 mg s.c. monatlich. [1]

Colitis ulcerosa, 2–17 Jahre und ≥15 kg: Subkutane Induktion und Erhaltung nach Körpergewicht. [1]

KörpergewichtEinleitung → Erhaltung ab Woche 6
≥15 bis <40 kg100 mg Woche 0, 50 mg Woche 2 → 50 mg alle 4 Wochen.
≥40 kg200 mg Woche 0, 100 mg Woche 2 → 100 mg alle 4 Wochen.

Reduzierte pädiatrische CU-Erhaltung: Bei Remission oder ab Woche 54 erwägen: ≥15 bis <40 kg 25 mg alle 4 Wochen; ≥40 bis <80 kg 50 mg alle 4 Wochen. [1]

Dosisanpassung

Alter ≥65 Jahre: Keine Dosisanpassung. Nieren-/Leberfunktionsstörung: Nicht untersucht; keine Dosisempfehlung verfügbar. [1]

Vor Therapiebeginn

Basis: Aktive Infektion ausschließen, Impfstatus prüfen. Großes Blutbild, AST/GOT, ALT/GPT und Kreatinin; BSG/CRP zur Aktivitätsbeurteilung. [2]

Tuberkulose: Anamnese, klinische Untersuchung, IGRA und Thorax-Röntgen; aktive Tuberkulose vor einer LTBI-Prävention ausschließen. [3]

LTBI: Präventive Therapie vor Golimumab beginnen. Kürzere Rifamycin-Schemata bevorzugen: Rifampicin für 4 Monate oder Rifampicin plus Isoniazid für 3 Monate; alternativ Isoniazid für 9 Monate. Wechselwirkungen, Verträglichkeit und Resistenzanamnese berücksichtigen. [3]

Beginn unter LTBI-Prävention: Die gemeinsame Stellungnahme DZK/DGRh/DDG 2021 empfiehlt mindestens 4 Wochen präventive Therapie vor der Immunsuppression. Die S2k-Leitlinie 2022 bezeichnet den frühestmöglichen Start als nicht gesichert und beschreibt 4–8 Wochen als in der Literatur sicher angesehenen Vorlauf. Bei dringlicher Immunsuppression Zeitpunkt interdisziplinär unter Berücksichtigung der Grunderkrankung und des Präventionsverlaufs festlegen. [4][3]

HBV-Screening: HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs; bei HBsAg+ oder Anti-HBc+ zusätzlich HBV-DNA. [5]

HBV-StatusRisiko und Vorgehen
HBsAg+ oder HBsAg−/Anti-HBc+ mit HBV-DNA+ vor TherapiebeginnHoch (>10 %): antivirale Prophylaxe. [6]
HBsAg−/Anti-HBc+; HBV-DNA−Moderat (1–10 %): Überwachung; bei erhöhtem Gesamtrisiko Prophylaxe erwägen. [6]

Gesamtrisiko: Glukokortikoiddosis/-dauer, weitere Immunsuppression sowie Chemo-/Transplantationsregime berücksichtigen. Anti-HBs+ schließt bei Anti-HBc+ eine Reaktivierung nicht aus. Wenn erforderliche HBV-Kontrollen nicht gesichert sind: Prophylaxe. [5][6]

Kontrollen ohne Prophylaxe: bei HBsAg−/Anti-HBc+/HBV-DNA− HBsAg, HBV-DNA und ALT alle 1–3 Monate. Bei neuem DNA-Nachweis oder HBsAg-Reversion sofort antiviral behandeln, vor Hepatitis. [5]

Prophylaxe: Entecavir oder Tenofovir (TDF/TAF) vor Immunsuppression beginnen, währenddessen und danach 6–12 Monate (bei B-Zell-Depletion mindestens 18 Monate) fortführen. Nach Absetzen weiter überwachen; bei eigenständiger HBV-Therapieindikation länger behandeln. [5]

Impfung: Bei HBsAg−/Anti-HBc− und fehlendem Impfschutz möglichst vor Immunsuppression impfen; Schema und Erfolgskontrolle. [5][7]

Kontrollen

Sicherheitslabor: Großes Blutbild, AST/GOT, ALT/GPT und Kreatinin zunächst etwa alle 4 Wochen über 3 Monate; bei stabil normalen Werten alle 8–12 Wochen. BSG/CRP separat zur Krankheitsaktivität. [2]

Klinisch: Infektionen einschließlich Tbc während und bis 5 Monate nach Therapieende beachten. Regelmäßige Hautuntersuchungen, besonders bei Hautkrebsrisiko. [1]

Wirkbeginn und Therapiebeurteilung

Wirkbeginn: Meist innerhalb der ersten 4 Wochen; nach 12 Wochen ohne Besserung Fortführung überprüfen. Die FI nennt zur Beurteilung üblicherweise 12–14 Wochen. [2][1]

Gegenanzeigen

Herzinsuffizienz NYHA III/IV; aktive Tuberkulose oder andere schwere Infektionen einschließlich Sepsis und opportunistischer Infektionen; Überempfindlichkeit gegen Wirkstoff oder Bestandteile. [1]

Nebenwirkungen und Maßnahmen

Auswahl: Atemwegsinfektionen, Reaktionen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen, Übelkeit und Transaminasenanstieg; schwerwiegende Infektionen einschließlich Tbc und opportunistischer Infektionen. [1]

Schwere Infektion/Sepsis: Behandlung unterbrechen und Infektion behandeln. HBV-Reaktivierung: Golimumab absetzen und antiviral behandeln. [1]

Neue oder zunehmende Herzinsuffizienz: Golimumab absetzen. Demyelinisierende Erkrankung: Absetzen erwägen. Schwere allergische Reaktion: Unverzüglich beenden und behandeln. [1]

Wechselwirkungen

Andere bDMARDs oder JAK-Inhibitoren: Kombination nicht empfohlen. Keine gleichzeitigen infektiösen therapeutischen Agenzien, etwa intravesikales BCG. MTX: Höhere Golimumab-Talspiegel; keine daraus erforderliche Dosisanpassung. [2][1]

Tumoranamnese

Solider Tumor in Remission: Bei entzündlicher Arthritis können TNF-Inhibitoren gegenüber anderen zielgerichteten Therapien bevorzugt werden. Dies gilt auch für nichtmelanozytären Hautkrebs; für ein Melanom enthält diese Empfehlung keine entsprechende Therapiepräferenz. [8]

Lymphom in der Anamnese: Bei entzündlicher Arthritis und Tumorremission kann eine B-Zell-depletierende Therapie gegenüber anderen zielgerichteten Therapien bevorzugt werden. [8]

Tumorerkrankung ohne Remission: Therapieentscheidung gemeinsam mit Patient und onkologisch behandelndem Team treffen. [8]

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: Während der gesamten Schwangerschaft anwendbar; individuelle Wirksamkeit und plazentaren Übertritt berücksichtigen. [9]

Stillzeit: Mit dem Stillen vereinbar. [9]

Väterlicher Kinderwunsch: Fortführung möglich. [9]

Säuglingsimpfungen: Totimpfstoffe und Rotavirusimpfung nach regulärem Impfplan. Nach intrauteriner Exposition nach der 20. Schwangerschaftswoche BCG-Impfung bis zum Alter von 6 Monaten verschieben. [9]

Fachinformation: Schwangerschaft nur bei eindeutiger Erforderlichkeit; Kontrazeption während und mindestens 6 Monate nach Therapie. Nicht stillen während und mindestens 6 Monate danach. Säuglinge nach intrauteriner Exposition: keine Lebendimpfstoffe für 6 Monate nach der letzten maternalen Gabe während der Schwangerschaft. [1]

Impfungen

Lebendimpfstoffe: Nicht gleichzeitig mit Golimumab. Nichtlebendimpfstoffe: Unter Therapie möglich. [1][2]

Abstand zu Lebendimpfstoffen: Mindestens 4 Wochen vor Therapiebeginn oder frühestens 3 Monate nach der letzten Dosis. [10]

Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe

Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [7]

ImpfungIndikation / Schema
InfluenzaJährlich bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren; inaktivierter Impfstoff, ab 60 Jahren Hochdosis- oder MF59-adjuvantiert.
COVID-19Jährlich bei relevanter Immunsuppression/weiterem Risikofaktor oder ab 75 Jahren, bevorzugt Spätsommer/Frühherbst. Bei ausgeprägter Immundefizienz zusätzliche Dosen/verkürzte Abstände individuell. [11]
Pneumo­kokkenPCV20 bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren. Nach PCV13/15 ≥1 Jahr; nach PPSV23 ≥6 Jahre, bei ausgeprägter Immundefizienz gegebenenfalls ≥1 Jahr.
Herpes zosterAb 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression.
Hepatitis BBei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l.
RSVEinmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/Immundefizienz oder Pflegeheimbewohnenden. Möglichst vor der RSV-Saison.

Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [7]

Operationen

Größere elektive Eingriffe/erhöhtes Infektionsrisiko: Pausieren und Eingriff am Ende des jeweiligen Therapieintervalls planen; Wiederbeginn bei ausreichender Wundheilung ohne Infektionszeichen. [12]

ACR/AAHKS – elektive Hüft-/Knieendoprothetik bei entzündlicher Arthritis: Bei vierwöchentlicher s.c.-Gabe Operation in Woche 5 nach der letzten Dosis planen. Wiederbeginn nach Wundheilung, Entfernung von Fäden/Klammern und ohne relevante Schwellung, Rötung, Sekretion oder anderweitige Infektion; typischerweise nach etwa 14 Tagen. [13]

Alltag und Handhabung

Anwendung: S.c. nach Schulung; Patientenkarte aushändigen, Präparat und Charge dokumentieren. Nicht schütteln; vor Injektion 30 Minuten Raumtemperatur annehmen lassen. [1]

Vergessene Dosis: Bald nachholen, keine doppelte Dosis. Bei weniger als 2 Wochen Verspätung ursprünglicher Rhythmus; bei mehr als 2 Wochen neuen Rhythmus ab Nachholinjektion beginnen. [1]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

Simponi – Lagerung: 2–8 °C, nicht einfrieren, Lichtschutz. Einmalig bis 30 Tage bei höchstens 25 °C innerhalb des ursprünglichen Verfalldatums; nicht erneut kühlen, neues Verfalldatum vermerken. [1]

Simponi 45 mg/0,45 ml VarioJect

Dosiswahl: 10–45 mg in 5-mg-Schritten; einmaliger Gebrauch. Für pJIA <40 kg; bei pädiatrischer CU für die reduzierte 25-mg-Erhaltung. Hilfsstoffe/Nadelkappe: Sorbitol, Polysorbat 80; Kautschuk mit Latex. [1]

Simponi 50 mg

Formen: Fertigspritze und Fertigpen mit 50 mg/0,5 ml. Erwachsene und pJIA ≥40 kg; pädiatrische CU mit Fertigspritze. Hilfsstoffe/Nadelkappe: Sorbitol, Polysorbat 80; Kautschuk mit Latex. [1]

Simponi 100 mg

Formen: Fertigspritze und Fertigpen mit 100 mg/1 ml. Rheumatologische Dosissteigerung bei Erwachsenen und CU-Schemata; pädiatrische CU mit Fertigspritze. Hilfsstoffe/Nadelkappe: Sorbitol, Polysorbat 80; Kautschuk mit Latex. [1]

Überdosierung und Antidot

Einzeldosen bis 10 mg/kg i.v. in einer klinischen Studie ohne dosislimitierende Toxizität. Bei Überdosierung klinisch überwachen und erforderlichenfalls symptomatisch behandeln. [1]

Quellen und Links
Infliximab
bDMARD · TNF-α-Hemmer · monoklonaler Antikörper
Kurzzusammenfassung
IndikationenRA · PsA · ankylosierende Spondylitis · Plaque-Psoriasis · Morbus Crohn · Colitis ulcerosa. S.c. für Erwachsene; chronisch-entzündliche Darmerkrankungen ab 6 Jahren i.v.
Dosierung

RA i.v.: 3 mg/kg in Woche 0, 2 und 6, danach alle 8 Wochen, mit MTX.

PsA/AS i.v.: 5 mg/kg in Woche 0, 2 und 6, danach alle 8 bzw. 6–8 Wochen.

Infliximab s.c.: Erhaltung 120 mg alle 2 Wochen. RA: direkte Induktion mit 120 mg s.c. in Woche 0, 1, 2, 3 und 4; ab Woche 6 alle 2 Wochen, mit MTX. Alternativ i.v.-Induktion; bei den übrigen Indikationen i.v.-Induktion erforderlich. [1]

Gegenanzeigen (Auswahl)Aktive Tbc oder andere schwere Infektionen; Herzinsuffizienz NYHA III/IV. Beim sorbitolhaltigen i.v.-Konzentrat (40 mg/ml) zusätzlich: hereditäre Fructoseintoleranz.
Besondere SicherheitsmaßnahmenTbc- und HBV-Screening. Infusionsreaktionen: Notfallausrüstung und Nachbeobachtung.
Wirkmechanismus

Chimärer human-muriner IgG1-Antikörper gegen lösliches und membrangebundenes TNF-α. [2]

Indikationen

Rheumatoide Arthritis: Aktive RA nach unzureichendem DMARD-Ansprechen einschließlich MTX; außerdem schwere, aktive und fortschreitende RA ohne vorherige MTX- oder andere DMARD-Therapie. In Kombination mit MTX. [2][3]

Psoriasis-Arthritis: Aktive und fortschreitende PsA nach unzureichendem DMARD-Ansprechen. Mit MTX; Monotherapie bei MTX-Unverträglichkeit oder MTX-Kontraindikation. [2][3]

Ankylosierende Spondylitis: Schwere aktive Erkrankung nach unzureichendem Ansprechen auf konventionelle Therapie. Keine Zulassung für nicht-röntgenologische axSpA. [2][3]

Plaque-Psoriasis: Mittelschwere bis schwere Erkrankung nach Versagen, Unverträglichkeit oder Kontraindikation anderer systemischer Therapien einschließlich Ciclosporin, MTX oder PUVA. [2][3]

Morbus Crohn: Mäßig- bis schwergradig aktive Erkrankung nach Versagen, Unverträglichkeit oder Kontraindikation von Glukokortikoiden und/oder Immunsuppressiva; außerdem aktiver fistulierender Verlauf nach unzureichendem Ansprechen auf konventionelle Behandlung einschließlich Antibiotika, Drainage und Immunsuppression. [2][3]

Colitis ulcerosa: Mittelschwere bis schwere aktive Erkrankung nach Versagen, Unverträglichkeit oder Kontraindikation konventioneller Therapie einschließlich Glukokortikoiden und Azathioprin/6-Mercaptopurin. [2][3]

Morbus Crohn, 6–17 Jahre: Schwere aktive Erkrankung nach entsprechender konventioneller Vortherapie einschließlich primärer Ernährungstherapie oder bei deren Unverträglichkeit/Kontraindikation. Nur intravenös. [2][3][4][5]

Colitis ulcerosa, 6–17 Jahre: Schwere aktive Erkrankung nach entsprechender konventioneller Vortherapie oder bei deren Unverträglichkeit/Kontraindikation. Nur intravenös. Infliximab s.c. ist nur für Erwachsene zugelassen. [2][3][4][5]

Dosierung und Anwendung

Intravenös: Initial in Woche 0, 2 und 6, danach indikationsabhängige Erhaltung. [6]

RA: 3 mg/kg alle 8 Wochen, mit MTX. Bei unzureichendem oder verlorenem Ansprechen nach 12 Wochen schrittweise Steigerung um etwa 1,5 mg/kg bis 7,5 mg/kg alle 8 Wochen oder 3 mg/kg alle 4 Wochen erwägen. [2]

PsA: 5 mg/kg alle 8 Wochen. MTX fortführen, sofern verträglich und nicht kontraindiziert. [2] Bei peripherer PsA ein bereits vertragenes csDMARD beim Beginn des ersten TNF-Hemmers fortführen. [7]

Ankylosierende Spondylitis: 5 mg/kg alle 6–8 Wochen. [2]

Plaque-Psoriasis: 5 mg/kg alle 8 Wochen nach der Initialphase. [2]

Morbus Crohn: 5 mg/kg alle 8 Wochen nach der Initialphase. Bei nichtfistulierendem Morbus Crohn unter i.v. Therapie Fortsetzung nur bei Ansprechen auf die ersten beiden Infusionen. [2]

Colitis ulcerosa: 5 mg/kg alle 8 Wochen nach der Initialphase. [2]

Infliximab s.c. – Erwachsene

Indikation / BeginnDosierung
RA – direkte s.c.-Induktion120 mg s.c. in Woche 0, 1, 2, 3 und 4; ab Woche 6 alle 2 Wochen. Mit MTX. [1]
RA – alternative i.v.-Induktion3 mg/kg i.v. in Woche 0 und 2; ab Woche 6 jeweils 120 mg s.c. alle 2 Wochen. Mit MTX. [1]
PsA / AS / Plaque-Psoriasis5 mg/kg i.v. in Woche 0 und 2; ab Woche 6 jeweils 120 mg s.c. alle 2 Wochen. [1]
Morbus Crohn / Colitis ulcerosa5 mg/kg i.v. in Woche 0 und 2; zusätzliche i.v.-Gabe von 5 mg/kg in Woche 6 möglich. Erste s.c. Gabe 4 Wochen nach der letzten Induktionsinfusion, somit in Woche 6 oder 10; anschließend 120 mg s.c. alle 2 Wochen. [1]

Pädiatrische Dosierungen

Morbus Crohn, 6–17 Jahre: 5 mg/kg i.v. in Woche 0, 2 und 6, danach alle 8 Wochen. [2]

Colitis ulcerosa, 6–17 Jahre: 5 mg/kg i.v. in Woche 0, 2 und 6, danach alle 8 Wochen. [2]

Dosisanpassung

Nieren- oder Leberfunktionsstörung: Nicht untersucht; keine Dosierungsempfehlung verfügbar. Ältere Menschen: Keine Dosisanpassung erforderlich. [2][3]

Umstellung i.v. auf Infliximab s.c.: Bei bestehender Erhaltungstherapie erste s.c. Dosis zum Zeitpunkt der nächsten geplanten Infusion. Unzureichende Daten nach i.v. Dosen über 3 mg/kg bei RA beziehungsweise über 5 mg/kg bei Morbus Crohn alle 8 Wochen. [3]

Vor Therapiebeginn

Klinisch: Aktive Infektion und Herzinsuffizienz NYHA III/IV ausschließen; demyelinisierende Erkrankungen und frühere Infusionsreaktionen berücksichtigen. [6][2]

Tuberkulose: Anamnese, klinische Untersuchung, IGRA und Thorax-Röntgen; aktive Tuberkulose vor einer LTBI-Prävention ausschließen. [8]

LTBI: Präventive Therapie vor Infliximab beginnen. Kürzere Rifamycin-Schemata bevorzugen: Rifampicin für 4 Monate oder Rifampicin plus Isoniazid für 3 Monate; alternativ Isoniazid für 9 Monate. Wechselwirkungen, Verträglichkeit und Resistenzanamnese berücksichtigen. [8]

Beginn unter LTBI-Prävention: Die gemeinsame Stellungnahme DZK/DGRh/DDG 2021 empfiehlt mindestens 4 Wochen präventive Therapie vor der Immunsuppression. Die S2k-Leitlinie 2022 bezeichnet den frühestmöglichen Start als nicht gesichert und beschreibt 4–8 Wochen als in der Literatur sicher angesehenen Vorlauf. Bei dringlicher Immunsuppression Zeitpunkt interdisziplinär unter Berücksichtigung der Grunderkrankung und des Präventionsverlaufs festlegen. [9][8]

HBV-Screening: HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs; bei HBsAg+ oder Anti-HBc+ zusätzlich HBV-DNA. [10]

HBV-StatusRisiko und Vorgehen
HBsAg+ oder HBsAg−/Anti-HBc+ mit HBV-DNA+ vor TherapiebeginnHoch (>10 %): antivirale Prophylaxe. [11]
HBsAg−/Anti-HBc+; HBV-DNA−Moderat (1–10 %): Überwachung; bei erhöhtem Gesamtrisiko Prophylaxe erwägen. [11]

Gesamtrisiko: Glukokortikoiddosis/-dauer, weitere Immunsuppression sowie Chemo-/Transplantationsregime berücksichtigen. Anti-HBs+ schließt bei Anti-HBc+ eine Reaktivierung nicht aus. Wenn erforderliche HBV-Kontrollen nicht gesichert sind: Prophylaxe. [10][11]

Kontrollen ohne Prophylaxe: bei HBsAg−/Anti-HBc+/HBV-DNA− HBsAg, HBV-DNA und ALT alle 1–3 Monate. Bei neuem DNA-Nachweis oder HBsAg-Reversion sofort antiviral behandeln, vor Hepatitis. [10]

Prophylaxe: Entecavir oder Tenofovir (TDF/TAF) vor Immunsuppression beginnen, währenddessen und danach 6–12 Monate (bei B-Zell-Depletion mindestens 18 Monate) fortführen. Nach Absetzen weiter überwachen; bei eigenständiger HBV-Therapieindikation länger behandeln. [10]

Impfung: Bei HBsAg−/Anti-HBc− und fehlendem Impfschutz möglichst vor Immunsuppression impfen; Schema und Erfolgskontrolle. [10][12]

Sicherheitslabor: Großes Blutbild, GOT, GPT und Kreatinin. BSG/CRP zur Beurteilung der Krankheitsaktivität. [6]

Impfstatus: Vor Therapiebeginn prüfen und erforderliche Impfungen unter Beachtung der substanzbezogenen Abstände planen. [13]

Kontrollen

Labor: Großes Blutbild, GOT, GPT und Kreatinin in den ersten 3 Monaten etwa alle 4 Wochen, bei stabil normalen Werten danach alle 8–12 Wochen. [6]

Klinisch: Auf Infektionen, Abszesse, Fieber, Husten und Gewichtsverlust achten. [6] Infektionsüberwachung bis 6 Monate nach Therapieende. Regelmäßige Hautuntersuchungen, insbesondere bei Hautkrebsrisikofaktoren. [2]

Wirkbeginn und Therapiebeurteilung

Wirkbeginn: Meist innerhalb der ersten 4 Wochen. Ohne Besserung nach 12 Wochen Fortsetzung überprüfen. [6]

Ankylosierende Spondylitis: Ohne Ansprechen nach 6 Wochen nicht fortführen. Plaque-Psoriasis: Ohne Ansprechen nach 14 Wochen nicht fortführen. [2]

CED, intravenös: Nichtfistulierender Morbus Crohn: ohne Ansprechen nach zwei Infusionen keine Fortsetzung. Fistulierender Crohn unter i.v. Therapie: nach drei erfolglosen Infusionen keine Fortsetzung. Colitis ulcerosa: Nutzen nach 14 Wochen prüfen. Bei Kindern ohne Ansprechen Fortsetzung bei Crohn nach 10 Wochen, bei Colitis ulcerosa nach 8 Wochen nicht durch Daten gestützt. [2]

Gegenanzeigen

Herzinsuffizienz NYHA III/IV; Tuberkulose oder andere schwere Infektionen einschließlich Sepsis, Abszessen und opportunistischen Infektionen; Überempfindlichkeit gegen Infliximab, andere murine Proteine oder Bestandteile. [2][3][4][5]

Infliximab 40 mg/ml Infusionskonzentrat zusätzlich: Hereditäre Fructoseintoleranz. [3]

Nebenwirkungen und Maßnahmen

Häufig/sehr häufig: Atemwegs- und andere Infektionen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Bauchschmerzen, Leberwertanstieg, Hautausschlag, Infusionsreaktionen; bei s.c. Gabe lokale Injektionsreaktionen. [2][3]

Akute Infusionsreaktion: Infusion sofort unterbrechen. Bei leichter vorübergehender Reaktion nach Abklingen gegebenenfalls langsamer fortsetzen. Bei schwerer Reaktion behandeln und keine weiteren Infliximab-Infusionen. [6][2]

Schwere Infektion: Infliximab absetzen und Infektion behandeln. [1] Demyelinisierende Symptome: Therapie pausieren und neurologisch abklären. [6] Neue oder zunehmende Herzinsuffizienz: Infliximab absetzen und kardial abklären. [1]

Ikterus oder ALT ≥5-fache obere Normgrenze: Infliximab absetzen und umfassend abklären. [1]

HBV-Reaktivierung: Infliximab absetzen und wirksame antivirale Behandlung beginnen. [1]

Lupus-ähnliches Syndrom mit Anti-dsDNA-Antikörpern: Nicht weiterbehandeln. Bei bestätigter erheblicher Zytopenie Beendigung erwägen. [2]

Thiopurin-Kombination: Sehr selten hepatosplenische T-Zell-Lymphome berichtet, überwiegend bei männlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit CED; fast alle hatten Azathioprin oder 6-Mercaptopurin erhalten. [2]

Wechselwirkungen

MTX: Vermindert die Bildung von Antikörpern gegen Infliximab und erhöht die Plasmakonzentration. [6]

Andere Biologika, insbesondere Anakinra oder Abatacept: Kombination nicht empfohlen. Therapeutische infektiöse Agenzien, etwa intravesikales BCG: Nicht gleichzeitig anwenden. [2]

Tumoranamnese

Solider Tumor in Remission: Bei entzündlicher Arthritis können TNF-Inhibitoren gegenüber anderen zielgerichteten Therapien bevorzugt werden. Dies gilt auch für nichtmelanozytären Hautkrebs; für ein Melanom enthält diese Empfehlung keine entsprechende Therapiepräferenz. [14]

Lymphom in der Anamnese: Bei entzündlicher Arthritis und Tumorremission kann eine B-Zell-depletierende Therapie gegenüber anderen zielgerichteten Therapien bevorzugt werden. [14]

Tumorerkrankung ohne Remission: Therapieentscheidung gemeinsam mit Patient und onkologisch behandelndem Team treffen. [14]

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: Während der gesamten Schwangerschaft anwendbar; individuelle Wirksamkeit und plazentaren Übertritt berücksichtigen. [15]

Stillzeit: Mit dem Stillen vereinbar. [15]

Väterlicher Kinderwunsch: Fortführung möglich. [15]

Säuglingsimpfungen: Totimpfstoffe und Rotavirusimpfung nach regulärem Impfplan. Nach intrauteriner Exposition nach der 20. Schwangerschaftswoche BCG-Impfung bis zum Alter von 6 Monaten verschieben. [15]

Fachinformation: Schwangerschaftsanwendung nur bei eindeutiger Erforderlichkeit; Verhütung während der Behandlung und für mindestens 6 Monate nach der letzten Dosis in Betracht ziehen. Stillen kann erwogen werden. [2]

Fachinformation – Säuglingsimpfungen: Nach intrauteriner Exposition 12 Monate keine Lebendimpfung empfohlen. Frühere Impfung bei eindeutigem klinischem Nutzen erwägen, wenn Infliximab beim Kind nicht nachweisbar ist oder die Exposition auf das erste Trimester beschränkt war. Bei Säuglingen, die während mütterlicher Infliximab-Therapie gestillt werden, ebenfalls keine Lebendimpfung empfohlen, außer bei nicht nachweisbarem Infliximab-Serumspiegel des Kindes. [2][3]

Impfungen

Totimpfstoffe: Möglich; unter laufender Therapie möglichst in der Mitte des Behandlungsintervalls. Verminderte Impfantwort unter anderem auf Influenza, Pneumokokken und Hepatitis B beschrieben, besonders bei Thiopurin-Kombination. [13]

Lebendimpfstoffe: Nicht während der Therapie; mindestens 4 Wochen vor Beginn beziehungsweise frühestens 3 Monate nach Therapieende. [13]

Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe

Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [12]

ImpfungIndikation / Schema
InfluenzaJährlich bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren; inaktivierter Impfstoff, ab 60 Jahren Hochdosis- oder MF59-adjuvantiert.
COVID-19Jährlich bei relevanter Immunsuppression/weiterem Risikofaktor oder ab 75 Jahren, bevorzugt Spätsommer/Frühherbst. Bei ausgeprägter Immundefizienz zusätzliche Dosen/verkürzte Abstände individuell. [16]
Pneumo­kokkenPCV20 bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren. Nach PCV13/15 ≥1 Jahr; nach PPSV23 ≥6 Jahre, bei ausgeprägter Immundefizienz gegebenenfalls ≥1 Jahr.
Herpes zosterAb 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression.
Hepatitis BBei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l.
RSVEinmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/Immundefizienz oder Pflegeheimbewohnenden. Möglichst vor der RSV-Saison.

Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [12]

Operationen

DGRh perioperativ: Operation zum Ende des Therapieintervalls planen; nach Unterbrechung abhängig von der Wundheilung baldmöglichst wieder beginnen. [17]

Abweichend im DGRh-Therapiebogen: Vor größeren Eingriffen etwa 4 Wochen bei i.v. beziehungsweise 2 Wochen bei s.c. pausieren; Wiederbeginn nach abgeschlossener Wundheilung. [6]

Elektive Hüft- oder Knieendoprothese: ACR/AAHKS: bei i.v. Intervallen von 4, 6 oder 8 Wochen Operation in Woche 5, 7 beziehungsweise 9 nach der letzten Gabe. Wiederbeginn bei ausreichender Wundheilung, entfernten Nähten/Klammern und ohne relevante Schwellung, Rötung, Sekretion oder weitere Infektion; meist nach etwa 14 Tagen. Bedingte Empfehlung. [18]

Alltag und Handhabung

Infusion: Über 2 Stunden; nach mindestens drei vertragenen zweistündigen Infusionen bei ausgewählten Erwachsenen Verkürzung auf mindestens 1 Stunde möglich. Verkürzte Infusionen über 6 mg/kg nicht untersucht. Nachbeobachtung mindestens 1–2 Stunden; Notfallausrüstung verfügbar halten. Sterilen, pyrogenfreien Inline-Filter mit geringer Proteinbindung und maximal 1,2 µm Porengröße verwenden. [2]

Prämedikation: Antihistaminikum, Hydrokortison und/oder Paracetamol können zur Verringerung von Infusionsreaktionen eingesetzt werden, insbesondere nach früheren Reaktionen. [2]

Wiederbeginn nach Unterbrechung der i.v. Erhaltungstherapie: Keine erneute Induktionsserie empfohlen; Einzeldosis, anschließend Erhaltungsschema. Längere Pausen erhöhen das Risiko verzögerter Überempfindlichkeitsreaktionen. [2]

Dokumentation: Handelsname und Charge festhalten; Patientenkarte aushändigen. Verkehrstüchtigkeit: Geringer Einfluss möglich, etwa durch Schwindel. [2]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

Grundlagerung: 2–8 °C. Abweichende Fristen außerhalb des Kühlschranks nach Präparat und Form: siehe Tabellen. [2][3][4][5]

Infliximab s.c.

MerkmalAngabe
Präparat / StärkeRemsima; 120 mg in 1 ml, entsprechend 120 mg/ml. Für Erwachsene. [1]
Anwendung30 Minuten vor Injektion auf Raumtemperatur kommen lassen; nicht künstlich erwärmen. Nach erster s.c. Gabe geeignete Nachbeobachtung. [1]
Vergessene DosisBis einschließlich 7 Tage nachholen und ursprünglichen Plan beibehalten; ab 8 Tagen auslassen und am nächsten geplanten Termin fortsetzen. [1]
LagerungIm Umkarton lichtgeschützt; nicht einfrieren. Bis zu 28 Tage bei höchstens 25 °C; anschließend unverwendetes Arzneimittel entsorgen. [1]

Infliximab i.v. – Formen und Zubereitung

Form / PräparateWirkstärke und Herstellung
Pulver: Remicade, Remsima, Flixabi, Zessly100 mg je Durchstechflasche. Mit 10 ml Wasser für Injektionszwecke rekonstituieren: 10 mg/ml. Anschließend mit NaCl 0,9 % verdünnen. [2][3][4][5]
Konzentrat: Remsima40 mg/ml; 100 mg in 2,5 ml oder 350 mg in 8,75 ml. Direkt mit NaCl 0,9 % verdünnen. [19]

Das i.v.-Konzentrat mit 40 mg/ml enthält 45 mg Sorbitol/ml: bei hereditärer Fructoseintoleranz kontraindiziert. [19][20]

Infliximab i.v. – Lagerung ungeöffnet

Präparat / FormFrist und Temperatur
Remicade / Remsima / Flixabi – PulverBis zu 6 Monate bei höchstens 25 °C. [2][3][4]
Zessly – PulverBis zu 6 Monate bei höchstens 30 °C. [5]
Remsima – Konzentrat 40 mg/mlBis zu 15 Tage bei höchstens 30 °C. [19]

Nach Entnahme für diese Lagerungsperiode nicht erneut kühlen; ursprüngliches Verfalldatum beachten. [2][3][4][5][19]

Nach Zubereitung: Infusion möglichst umgehend, innerhalb von 3 Stunden beginnen. Nach aseptischer Zubereitung bei 2–8 °C normalerweise innerhalb von 24 Stunden verwenden. Längere Aufbewahrung bei Remicade, Remsima und Flixabi ausschließlich unter den präparatespezifischen Bedingungen für kontrollierte, validierte aseptische Zubereitung. [2][3][4][5][19]

Konzentrat – nach Kühlung: Verdünnte Lösung aus dem 40-mg/ml-Konzentrat vor Infusion 3 Stunden bei Raumtemperatur bis 30 °C temperieren. [19]

Überdosierung und Antidot

Intravenös: Einzeldosen bis 20 mg/kg wurden ohne toxische Wirkungen verabreicht. Infliximab s.c.: Wiederholte Dosen bis 240 mg wurden ohne toxische Wirkungen verabreicht. Bei Überdosierung symptomatische Behandlung und gegebenenfalls unterstützende Maßnahmen. [2][3]

Quellen und Links

Quellennummern gelten innerhalb dieses Medikamentenkapitels. DGRh-Therapieinformationen: jeweils unten genannter Originalstand.

Ixekizumab
Kurzzusammenfassung
IndikationenPsA · AS · nr-axSpA (Erwachsene); juvenile PsA und Enthesitis-assoziierte Arthritis ab 6 Jahren/≥25 kg; Plaque-Psoriasis ab 6 Jahren/≥25 kg.
DosierungPsA/AS/nr-axSpA: 160 mg s.c. in Woche 0, danach 80 mg alle 4 Wochen. Bei begleitender mittelschwerer/schwerer Plaque-Psoriasis deren Einleitungsschema.
Gegenanzeigen (Auswahl)Klinisch relevante aktive Infektion, einschließlich aktiver Tbc.
Besondere SicherheitsmaßnahmenInfektionen, Candidosen und chronisch-entzündliche Darmerkrankung beachten; Tbc-/HBV-Screening.
Wirkmechanismus

Monoklonaler IgG4-Antikörper gegen IL-17A einschließlich IL-17A/F. Die Neutralisierung hemmt entzündliche Signalwege. [1]

Indikationen

Psoriasis-Arthritis – Erwachsene: Aktive Erkrankung nach unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit gegenüber mindestens einem DMARD; allein oder mit MTX. [1]

Ankylosierende Spondylitis – Erwachsene: Aktive Erkrankung nach unzureichendem Ansprechen auf konventionelle Therapie. [1]

Nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis – Erwachsene: Aktive Erkrankung mit erhöhtem CRP und/oder MRT-Entzündung nach unzureichendem NSAR-Ansprechen. [1]

Juvenile Psoriasis-Arthritis: Aktive Erkrankung ab 6 Jahren und ≥25 kg nach unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit gegenüber konventioneller Therapie; allein oder mit MTX. [1]

Enthesitis-assoziierte Arthritis: Aktive Erkrankung ab 6 Jahren und ≥25 kg nach unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit gegenüber konventioneller Therapie; allein oder mit MTX. [1]

Plaque-Psoriasis: Mittelschwere bis schwere Erkrankung, wenn eine systemische Therapie infrage kommt; auch ab 6 Jahren und ≥25 kg. [1]

Dosierung und Anwendung
IndikationDosierung
Psoriasis-Arthritis160 mg in Woche 0, danach 80 mg alle 4 Wochen. Bei gleichzeitiger mittelschwerer/schwerer Plaque-Psoriasis deren Schema.
Ankylosierende Spondylitis160 mg in Woche 0, danach 80 mg alle 4 Wochen.
Nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis160 mg in Woche 0, danach 80 mg alle 4 Wochen.
Plaque-Psoriasis160 mg in Woche 0, danach 80 mg in Woche 2, 4, 6, 8, 10 und 12; anschließend 80 mg alle 4 Wochen.

160 mg werden als zwei Injektionen zu je 80 mg verabreicht. [1]

Kinder und Jugendliche ab 6 Jahren und ≥25 kg

Gemeinsames Schema für juvenile Psoriasis-Arthritis, Enthesitis-assoziierte Arthritis und Plaque-Psoriasis. [1]

GewichtEinleitung → Erhaltung s.c.
25–50 kg80 mg in Woche 0 → 40 mg alle 4 Wochen.
>50 kg160 mg in Woche 0 → 80 mg alle 4 Wochen.

40-mg-Dosis: 40-mg-Fertigspritze verwenden. Wenn diese nicht verfügbar ist, Vorbereitung aus der 80-mg-Fertigspritze und Verabreichung ausschließlich durch medizinisches Fachpersonal nach FI-Anleitung. Unter 25 kg nicht empfohlen; unter 6 Jahren keine etablierte Dosierung. [1]

Dosierung nach aktuellem Körpergewicht; vor den Gaben regelmäßig überprüfen. [1]

Dosisanpassung

Alter ab 65 Jahren: Keine Dosisanpassung; Erfahrungen ab 75 Jahren begrenzt. [1]

Nieren-/Leberfunktionsstörung: Nicht untersucht; keine Dosisempfehlung verfügbar. [1]

Vor Therapiebeginn

Basis: Aktive Infektion ausschließen und Impfstatus prüfen; großes Blutbild, ALT/GPT und Kreatinin bestimmen. Anamnese einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung und rezidivierender Infektionen erheben. [2][1]

Tuberkulose – DZK: Anamnese, klinische Untersuchung, IGRA und Thorax-Röntgen vor Beginn; aktive Tbc ausschließen. Bei LTBI präventive Therapie vor Beginn der Biologikatherapie einleiten. Kürzere Rifamycin-Schemata bevorzugen: Rifampicin 4 Monate oder Rifampicin plus Isoniazid 3 Monate; alternativ Isoniazid 9 Monate. Wechselwirkungen und Resistenzanamnese berücksichtigen. [3]

Beginn unter LTBI-Prävention: Die gemeinsame Stellungnahme DZK/DGRh/DDG 2021 empfiehlt mindestens 4 Wochen präventive Therapie vor der Immunsuppression. Die S2k-Leitlinie 2022 bezeichnet den frühestmöglichen Start als nicht gesichert und beschreibt 4–8 Wochen als in der Literatur sicher angesehenen Vorlauf. Bei dringlicher Immunsuppression Zeitpunkt interdisziplinär unter Berücksichtigung der Grunderkrankung und des Präventionsverlaufs festlegen. [4][3]

Tuberkulose-Screening bei Psoriasis – S3: Bei negativem IGRA Thorax-Röntgen nur bei erhöhter Tbc-Wahrscheinlichkeit oder erhöhtem Risiko eines falsch negativen IGRA, etwa durch Immunsuppression oder Lymphopenie. Bei positivem IGRA aktive Tbc einschließlich Thorax-Röntgen ausschließen. [5]

LTBI bei Psoriasis – S3: Bei Beginn einer IL-17-Hemmung kann eine präventive antituberkulöse Therapie erwogen werden; weitere Präventionsindikationen berücksichtigen. [5]

HBV-Screening: HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs; bei HBsAg+ oder Anti-HBc+ zusätzlich HBV-DNA. [6]

HBV-StatusRisiko und Vorgehen
HBsAg+ oder HBsAg−/Anti-HBc+ mit HBV-DNA+ vor TherapiebeginnHoch (>10 %): antivirale Prophylaxe. [7]
HBsAg−/Anti-HBc+; HBV-DNA−Moderat (1–10 %): Überwachung; bei erhöhtem Gesamtrisiko Prophylaxe erwägen. [7]

Gesamtrisiko: Glukokortikoiddosis/-dauer, weitere Immunsuppression sowie Chemo-/Transplantationsregime berücksichtigen. Anti-HBs+ schließt bei Anti-HBc+ eine Reaktivierung nicht aus. Wenn erforderliche HBV-Kontrollen nicht gesichert sind: Prophylaxe. [6][7]

Kontrollen ohne Prophylaxe: bei HBsAg−/Anti-HBc+/HBV-DNA− HBsAg, HBV-DNA und ALT alle 1–3 Monate. Bei neuem DNA-Nachweis oder HBsAg-Reversion sofort antiviral behandeln, vor Hepatitis. [6]

Prophylaxe: Entecavir oder Tenofovir (TDF/TAF) vor Immunsuppression beginnen, währenddessen und danach 6–12 Monate (bei B-Zell-Depletion mindestens 18 Monate) fortführen. Nach Absetzen weiter überwachen; bei eigenständiger HBV-Therapieindikation länger behandeln. [6]

Impfung: Bei HBsAg−/Anti-HBc− und fehlendem Impfschutz möglichst vor Immunsuppression impfen; Schema und Erfolgskontrolle. [6][8]

Kontrollen

DGRh-Verlaufskontrollen: Großes Blutbild, ALT/GPT und Kreatinin in den ersten 3 Monaten etwa alle 4 Wochen, danach etwa alle 3 Monate. BSG/CRP separat zur Krankheitsaktivität. Nach Fieber, Husten, Schluckbeschwerden und Durchfall fragen; Mundhöhle auf Candidose untersuchen. [2]

Fieberhafte Infektion: Nächste Gabe nach DGRh verschieben, bis der Infekt abgeklungen ist. Bei schwerer Infektion pausieren, bis diese abgeklungen ist. [2][1]

Infektion ohne Ansprechen auf Standardtherapie: Ebenfalls pausieren, bis die Infektion ausgeheilt ist. [1]

Neue oder verschlechterte chronisch-entzündliche Darmerkrankung: Absetzen und angemessen behandeln. Bei schwerer Überempfindlichkeitsreaktion unverzüglich absetzen und behandeln. [1]

Wirkbeginn und Therapiebeurteilung

DGRh: Wirkungseintritt nach etwa 2–4 Wochen; ohne Besserung nach 3–4 Monaten Fortführung überprüfen. [2]

Fachinformation: Ohne Ansprechen nach 16–20 Wochen Absetzen erwägen; bei zunächst partiellem Ansprechen sind Verbesserungen nach mehr als 20 Wochen möglich. [1]

Gegenanzeigen

Formale Gegenanzeigen: Klinisch relevante aktive Infektion, z. B. aktive Tbc; schwerwiegende Überempfindlichkeit gegen Wirkstoff oder Bestandteile. [1]

Chronisch-entzündliche Darmerkrankung: Anwendung nicht empfohlen. [1]

Nebenwirkungen und Maßnahmen
HäufigkeitNebenwirkungen
Sehr häufigInfektionen der oberen Atemwege und Injektionsstellenreaktionen.
HäufigTinea, mukokutaner Herpes simplex, oropharyngeale Schmerzen, Übelkeit.
GelegentlichOrale Candidose, Konjunktivitis, Neutropenie, Thrombozytopenie, Angioödem, entzündliche Darmerkrankung, Urtikaria, Ausschlag, Ekzem.
SeltenÖsophageale Candidose, Anaphylaxie, exfoliative Dermatitis.

Verzögerte Überempfindlichkeit: Schwere Reaktionen können auch 10–14 Tage nach Injektion auftreten; bei schwerer Reaktion unverzüglich absetzen und behandeln. [1]

Wechselwirkungen

Begleitmedikation: Corticosteroide, NSAR, Sulfasalazin und MTX beeinflussten die Ixekizumab-Clearance nicht klinisch relevant. Keine klinisch signifikanten pharmakokinetischen Effekte auf untersuchte CYP3A4-, CYP2C9-, CYP2C19-, CYP1A2- oder CYP2D6-Substrate. [1]

Andere Biologika: Kombination nach DGRh nicht empfohlen. Bei Plaque-Psoriasis wurde die Sicherheit zusammen mit anderen Immunmodulatoren oder Phototherapie nicht untersucht. [2][1]

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: Anwendbar, wenn zur wirksamen Kontrolle der mütterlichen Erkrankung erforderlich. [9]

Stillzeit: Mit dem Stillen vereinbar. [9]

Väterlicher Kinderwunsch: Fortführung möglich. [9]

Säuglingsimpfungen: Totimpfstoffe nach regulärem Impfplan. Nach intrauteriner Exposition im 2./3. Trimenon Lebendimpfungen bis zum Alter von 6 Monaten verschieben. [9]

Fachinformation: Zuverlässige Verhütung während der Behandlung und mindestens 10 Wochen nach der letzten Dosis. In der Schwangerschaft aus Vorsichtsgründen vermeiden. Stillen oder Therapie unter Abwägung des Nutzens für Kind und Mutter fortführen beziehungsweise unterbrechen. [1]

Impfungen

Nichtlebendimpfstoffe: Unter Therapie möglich; Impfstatus vor Beginn prüfen. [2]

Lebendimpfstoffe: Nicht gleichzeitig anwenden. [1]

Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe

Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [8]

ImpfungIndikation / Schema
InfluenzaJährlich bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren; inaktivierter Impfstoff, ab 60 Jahren Hochdosis- oder MF59-adjuvantiert.
COVID-19Jährlich bei relevanter Immunsuppression/weiterem Risikofaktor oder ab 75 Jahren, bevorzugt Spätsommer/Frühherbst. Bei ausgeprägter Immundefizienz zusätzliche Dosen/verkürzte Abstände individuell. [10]
Pneumo­kokkenPCV20 bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren. Nach PCV13/15 ≥1 Jahr; nach PPSV23 ≥6 Jahre, bei ausgeprägter Immundefizienz gegebenenfalls ≥1 Jahr.
Herpes zosterAb 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression.
Hepatitis BBei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l.
RSVEinmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/Immundefizienz oder Pflegeheimbewohnenden. Möglichst vor der RSV-Saison.

Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [8]

Operationen

DGRh: Größere elektive Eingriffe am Ende des Behandlungsintervalls planen; Wiederbeginn abhängig von Wundheilung und Infektionsfreiheit. [11]

ACR/AAHKS – elektive Hüft-/Knieendoprothetik bei entzündlicher Arthritis: Bei vierwöchentlicher Gabe Operation in Woche 5 nach der letzten Dosis planen. Wiederbeginn nach Wundheilung, Entfernung von Fäden/Klammern und ohne relevante Schwellung, Rötung, Sekretion oder anderweitige Infektion, typischerweise nach etwa 14 Tagen. [12]

Alltag und Handhabung

Selbstinjektion: Nach Schulung möglich; Injektionsstellen wechseln, Psoriasishaut möglichst aussparen. Nicht schütteln. Produktname und Charge dokumentieren. [1]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

Lagerung: Bei 2–8 °C, nicht einfrieren; Umkarton als Lichtschutz. Höchstens 5 Tage bei ≤30 °C außerhalb des Kühlschranks, danach unbenutztes Präparat verwerfen. Vor Anwendung 30 Minuten Raumtemperatur annehmen lassen. [1]

Taltz 40 mg/0,5 ml Fertigspritze

Für die pädiatrische 40-mg-Dosis; enthält 0,15 mg Polysorbat 80 je Spritze. [1]

Taltz 80 mg/1 ml Fertigspritze

80 mg pro Spritze. Wenn die 40-mg-Fertigspritze nicht verfügbar ist: durch Fachpersonal den gesamten Inhalt in eine sterile Durchstechflasche aus klarem Glas geben und 0,5 ml mit einer sterilen 0,5- oder 1-ml-Spritze aufziehen. Nicht verdünnen; innerhalb von 4 Stunden nach Durchstechen bei Raumtemperatur verabreichen. Rest verwerfen. [1]

Taltz 80 mg/1 ml Fertigpen

Für vollständige 80-mg-Dosen; zwei Pens für 160 mg. [1]

Überdosierung und Antidot

Bis 180 mg s.c. wurden ohne dosislimitierende Toxizität verabreicht; einzelne Überdosierungen bis 240 mg s.c. ohne schwerwiegende Nebenwirkungen berichtet. Auf Nebenwirkungen überwachen und symptomatisch behandeln. [1]

Quellen und Links
Rituximab
Kurzzusammenfassung
IndikationenRA mit MTX · GPA/MPA, Induktion ab 2 Jahren mit MabThera, Truxima und Rixathon i.v.; Pemphigus vulgaris.
DosierungRA: 2 × 1.000 mg i.v., Abstand 2 Wochen. GPA/MPA-Induktion: 375 mg/m² wöchentlich × 4; Erhaltung 500 mg alle 6 Monate nach Startzyklus.
Gegenanzeigen (Auswahl)Bei RA/GPA/MPA/Pemphigus: NYHA IV oder schwere unkontrollierte Herzerkrankung; stark geschwächte Immunabwehr, aktive schwere Infektion.
Besondere SicherheitsmaßnahmenHBV-Screening und bei HBsAg- oder Anti-HBc-Positivität antivirale Prophylaxe; Immunglobuline und Blutbild; Infusionsüberwachung.
Wirkmechanismus

Chimärer monoklonaler Anti-CD20-Antikörper; länger anhaltende Depletion CD20-positiver B-Lymphozyten. [1]

Indikationen

RA: Schwere aktive Erkrankung nach unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit gegenüber anderen DMARDs einschließlich mindestens eines TNF-Inhibitors; in Kombination mit MTX. [1][2][3]

GPA/MPA: Schwere aktive Erkrankung, mit Glukokortikoiden; Induktion und Erhaltung. Bei Kindern von 2 bis <18 Jahren ist die Remissionsinduktion zugelassen. Dies gilt für die hier aufgeführten i.v.-Präparate MabThera, Truxima und Rixathon. [1][2][3]

Pemphigus vulgaris: Mäßige bis schwere Erkrankung. [1][2][3]

Onkologische Indikationen: Definierte Lymphome und CLL; nicht Gegenstand dieser rheumatologischen Dosierungsübersicht. S.c.-Formen von MabThera sind für onkologische Indikationen vorgesehen. [1][2][3]

Off-Label-Anwendungen

SLE (Off-Label): Rituximab kann bei refraktärem Verlauf, insbesondere bei organbedrohlicher Erkrankung, erwogen werden. Frühzeitiger Einsatz bei ausgewählten schweren ZNS-Manifestationen oder Immunzytopenien; bei therapierefraktärer Lupusnephritis Option nach individueller Bewertung. Auswahl nach Organmanifestation und Vorbehandlung. [4][5]

GPA/MPA-Induktion mit 2 × 1.000 mg i.v. im Abstand von 14 Tagen (Off-Label) – Dosisschema: In überwiegend retrospektiven Daten ähnlich wirksam wie 4 × 375 mg/m². Die deutsche S3 empfiehlt in der Regel das zugelassene Viergabenprotokoll. [6]

Dosierung und Anwendung

RA: 1.000 mg i.v., zweite Gabe nach 2 Wochen. Nach 24 Wochen weiteren Zyklus anhand der Krankheitsaktivität beurteilen; bei fortbestehender Aktivität wiederholen, sonst bis zur erneuten Aktivität aufschieben. [1]

GPA/MPA-Induktion: 375 mg/m² i.v. einmal wöchentlich, insgesamt 4 Infusionen, mit Glukokortikoiden. [6][1]

GPA/MPA-Erhaltung: Zu Beginn 2 × 500 mg i.v. im Abstand von 2 Wochen, anschließend 500 mg alle 6 Monate. Nach Rituximab-Induktion frühestens 16 Wochen nach deren letzter Infusion beginnen; nach anderer Standardinduktion innerhalb von 4 Wochen nach Remission. S3: Erhaltung in der Regel mindestens 36 Monate; Verlängerung oder Verkürzung individuell. Die FI nennt mindestens 24 Monate nach Remission, bei erhöhtem Rezidivrisiko bis 5 Jahre. [6][1]

Pemphigus vulgaris: 1.000 mg i.v. an Tag 1 und nach 2 Wochen, mit ausschleichenden Glukokortikoiden. Erhaltung 500 mg in Monat 12 und 18, danach bei Bedarf alle 6 Monate. Bei Rezidiv 1.000 mg; jede Folgeinfusion frühestens 16 Wochen nach der vorherigen. [1]

Prämedikation: Vor jeder Infusion Antipyretikum/Analgetikum und Antihistaminikum. DGRh 09/2026 zusätzlich i.v.-Glukokortikoid 30–60 Minuten vorher, beispielsweise 80 mg Methylprednisolon. Die Fachinformationen der hier genannten Präparate verlangen bei RA/GPA/MPA/Pemphigus 100 mg Methylprednisolon i.v., 30 Minuten vor der Infusion abgeschlossen. [7][1][2][3]

InfusionStart und Steigerung
Erste Infusion50 mg/h; nach jeweils 30 Minuten um 50 mg/h steigern, maximal 400 mg/h.
Weitere Infusionen100 mg/h; nach jeweils 30 Minuten um 100 mg/h steigern, maximal 400 mg/h.

Durchführung: Separater i.v.-Zugang, keine Bolusgabe. Engmaschige Überwachung und sofort verfügbare Reanimationsausrüstung. [1]

Pädiatrische Dosierungen

GPA/MPA, Remissionsinduktion, 2 bis <18 Jahre: 375 mg/m² i.v. einmal wöchentlich für 4 Wochen, mit Glukokortikoiden. [1]

GPA/MPA – Glukokortikoidbegleitung bei 2 bis <18 Jahren nach Fachinformation: Vor der ersten Rituximab-Infusion Methylprednisolon 30 mg/kg/Tag i.v., maximal 1 g/Tag, an 3 Tagen; bei Bedarf bis zu 3 zusätzliche Tagesgaben. Anschließend Prednison 1 mg/kg/Tag, maximal 60 mg/Tag, krankheitsadaptiert möglichst rasch ausschleichen. [1]

Dosisanpassung

Rituximab: Keine Dosisreduktion empfohlen; bei Toxizität indikations- und ereignisbezogen Unterbrechung beziehungsweise Beendigung prüfen. Ab 65 Jahren keine Altersanpassung. [1]

Vor Therapiebeginn

Basis: Aktive Infektionen und kardiale Risiken prüfen; großes Blutbild einschließlich Lymphozyten, GOT/GPT, Kreatinin und Immunglobuline. Hepatitis-B-/C-Screening und Impfstatus. BSG/CRP zur Aktivitätsbeurteilung. [7]

HBV-Screening: HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs; bei HBsAg+ oder Anti-HBc+ zusätzlich HBV-DNA. [8]

HBV-StatusRisiko und Vorgehen
HBsAg+ oder HBsAg−/Anti-HBc+ mit HBV-DNA+ vor TherapiebeginnHoch (>10 %): antivirale Prophylaxe. [9]
HBsAg−/Anti-HBc+; HBV-DNA−Hoch (>10 %): antivirale Prophylaxe. [9]

Gesamtrisiko: Glukokortikoiddosis/-dauer, weitere Immunsuppression sowie Chemo-/Transplantationsregime berücksichtigen. Anti-HBs+ schließt bei Anti-HBc+ eine Reaktivierung nicht aus. [8][9]

Unter und nach Prophylaxe: HBsAg, HBV-DNA und ALT hepatologisch überwachen. [8]

Prophylaxe: Entecavir oder Tenofovir (TDF/TAF) vor Immunsuppression beginnen, währenddessen und mindestens 18 Monate nach letzter Rituximab-Gabe fortführen. Nach Absetzen weiter überwachen; bei eigenständiger HBV-Therapieindikation länger behandeln. [8]

Impfung: Bei HBsAg−/Anti-HBc− und fehlendem Impfschutz möglichst vor Immunsuppression impfen; Schema und Erfolgskontrolle. [8][10]

Tuberkulose – DZK: Kein generelles LTBI-Screening vor Rituximab vorgeschrieben, da kein erhöhtes Reaktivierungsrisiko erkennbar ist. Exposition, Grunderkrankung und Begleitimmunsuppression bestimmen den individuellen Abklärungs- und Präventionsbedarf. [11]

Tuberkulose – Fachinformation: Aktive schwere Infektionen einschließlich Tuberkulose sind eine Gegenanzeige und vor der Gabe auszuschließen. [1][2][3]

PJP-Prophylaxe bei AAV: Unter RTX-Induktion Trimethoprim/Sulfamethoxazol; EULAR nennt für Erwachsene 80/400 mg täglich oder 160/800 mg jeden zweiten Tag. Als zeitliche Orientierung nach RTX-Induktion 6 Monate, bei fortbestehendem Risiko länger. Für Kinder gilt ein gewichtsbezogenes pädiatrisches Schema. Für Pemphigus empfiehlt die FI ebenfalls PJP-Prophylaxe nach örtlichem Standard. [6][12][1]

Kontrollen

DGRh-Sicherheitslabor: Großes Blutbild, GOT/GPT und Kreatinin in den ersten 3 Monaten etwa alle 4 Wochen, bei stabil normalen Werten anschließend etwa alle 12 Wochen. BSG/CRP separat zur Aktivität; zusätzliche Kontrollen der Begleitmedikation. [7]

Neutrophile: Vor jedem Zyklus und regelmäßig bis 6 Monate nach Therapieende; bei Infektionszeichen früher. AAV: Immunglobuline vor jedem Zyklus; deutsche S3 nennt in der Praxis Differenzialblutbild und Immunglobuline vor RTX-Infusion und bei Infektionen. [1][12][6]

Unterbrechen nach DGRh: Schwere Infektion, neue/reaktivierte Virusinfektion, schwere Neutropenie oder IgG <500 mg/dl. Eine Immunglobulinsubstitution richtet sich zusätzlich nach Ausprägung, Dauer und Infektanfälligkeit. [7]

Wirkbeginn und Therapiebeurteilung

DGRh 09/2026: Klinischer Wirkungseintritt nach etwa 2–3 Monaten, volle Wirkung gegebenenfalls erst nach 6–12 Monaten; ohne Besserung nach 1–2 Zyklen Fortsetzung kritisch prüfen. RA-FI: Ansprechen meist innerhalb von 16–24 Wochen nach dem ersten Zyklus; ohne Nutzen bereits dann weitere Behandlung kritisch beurteilen. [7][1]

Gegenanzeigen

RA/GPA/MPA/Pemphigus: Schwere Herzinsuffizienz NYHA IV oder schwere unkontrollierte Herzerkrankung. Stark geschwächte Immunabwehr; aktive schwere Infektionen; Überempfindlichkeit gegen Rituximab, murine Proteine oder Bestandteile. [1][2][3]

Nebenwirkungen und Maßnahmen

Auswahl: Infusionsreaktionen, Atemwegs-/Harnwegsinfektionen, Neutropenie sowie IgM-/IgG-Abfall; möglich sind schwere/opportunistische Infektionen, HBV-Reaktivierung und verzögerte Neutropenie. [7][1]

Infusionsreaktion: Bei leichter/mäßiger Reaktion Rate reduzieren; bei schwerer Reaktion sofort unterbrechen und behandeln. Erst nach vollständigem Abklingen gegebenenfalls mit höchstens der halben vorherigen Rate wiederbeginnen; endgültige Beendigung nach Schwere und Verlauf. [1]

PML-Verdacht: Rituximab aussetzen und neurologisch abklären; bei bestätigter PML dauerhaft beenden. Schwere Hautreaktion wie SJS/TEN: Dauerhaft absetzen, wenn ein Zusammenhang vermutet wird. [1]

Seltene Infektionen: Unter B-Zell-Depletion können serologische Tests falsch negativ sein; bei klinischem Verdacht alternative Diagnostik erwägen. [1]

Wechselwirkungen

Antihypertensiva: Wegen möglicher Infusionshypotonie eine Pause ab 12 Stunden vor der Infusion erwägen. Weitere DMARDs/Biologika: Bei RA Kombinationen außerhalb des zugelassenen Regimes nicht empfohlen; bei nachfolgender Therapie auf Infektionen achten. MTX verändert die Rituximab-Pharmakokinetik nicht relevant. [1]

Tumoranamnese

Entzündliche Arthritis mit früherem Lymphom: Bei notwendiger zielgerichteter Therapie kann B-Zell-Depletion nach EULAR bevorzugt werden; die Evidenz beruht auf Expertenkonsens. Bei aktiver Tumorerkrankung gemeinsame Entscheidung mit Onkologie. [13]

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: Anwendbar, wenn zur wirksamen Kontrolle der mütterlichen Erkrankung erforderlich. [14]

Stillzeit: Mit dem Stillen vereinbar. [14]

Väterlicher Kinderwunsch: Fortführung möglich. [14]

Säuglingsimpfungen: Totimpfstoffe nach regulärem Impfplan. Nach intrauteriner Exposition im 2./3. Trimenon Lebendimpfungen bis zum Alter von 6 Monaten verschieben. Nach Gabe in der zweiten Schwangerschaftshälfte mögliche vorübergehende B-Zell-Depletion oder Zytopenien beim Neugeborenen berücksichtigen. [14]

DGRh – Säuglingsimpfungen: Nach intrauteriner Exposition Verschiebung von Lebendimpfungen bis zur Normalisierung der kindlichen B-Zellen erwägen. [7]

Fachinformation: Wirksame Kontrazeption während und 12 Monate nach Behandlung. Schwangerschaft nur bei überwiegendem Nutzen. Stillen während und optimalerweise 6 Monate nach Therapie nicht empfohlen; dies weicht von der EULAR- und aktuellen DGRh-Bewertung ab. [1][7]

Impfungen

Impfantwort: Unter B-Zell-Depletion deutlich vermindert. Nach FI Impfungen mindestens 4 Wochen vor der ersten Gabe abschließen; erforderliche Nichtlebendimpfungen unter Therapie mindestens 4 Wochen vor dem nächsten Zyklus. DGRh 09/2026 nennt 2–4 Wochen vor dem nächsten, gegebenenfalls verzögerten Zyklus. [1][7]

Lebendimpfstoffe: Während der Behandlung und bei fortbestehender peripherer B-Zell-Depletion nicht empfohlen. [1]

Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe

Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [10]

ImpfungIndikation / Schema
InfluenzaJährlich bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren; inaktivierter Impfstoff, ab 60 Jahren Hochdosis- oder MF59-adjuvantiert.
COVID-19Jährlich bei relevanter Immunsuppression/weiterem Risikofaktor oder ab 75 Jahren, bevorzugt Spätsommer/Frühherbst. Bei ausgeprägter Immundefizienz zusätzliche Dosen/verkürzte Abstände individuell. [15]
Pneumo­kokkenPCV20 bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren. Nach PCV13/15 ≥1 Jahr; nach PPSV23 ≥6 Jahre, bei ausgeprägter Immundefizienz gegebenenfalls ≥1 Jahr.
Herpes zosterAb 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression.
Hepatitis BBei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l.
RSVEinmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/Immundefizienz oder Pflegeheimbewohnenden. Möglichst vor der RSV-Saison.

Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [10]

Operationen

DGRh 09/2026: Elektive Eingriffe gegen Ende des meist sechsmonatigen Intervalls, in der Regel im 5. oder 6. Monat. Spezielle perioperative DGRh-Empfehlung 2021/2022: Ab 4 Monaten nach der letzten Infusion und spätestens 4 Wochen vor der nächsten. Planung anhand von Infektionsrisiko, Krankheitsaktivität und Wundheilung; Wiederbeginn bei ausreichender Wundheilung ohne Infektionszeichen. [7][16]

Alltag und Handhabung

Patientenpass: Bei jeder Infusion aushändigen. Präparat und Charge dokumentieren. Bei Infektionszeichen sowie neuen neurologischen Symptomen zeitnahe ärztliche Beurteilung. [1]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

I.v.-Präparate: MabThera, Truxima und Rixathon jeweils 100 mg/10 ml und 500 mg/50 ml, 10 mg/ml. Verdünnung auf 1–4 mg/ml in NaCl 0,9 % oder Glucose 5 %; aseptisch zubereiten, nicht aufschäumen. Je 10/50 ml 52,6/263,2 mg Natrium. [1][2][3]

Zubereitete Infusion: Mikrobiologisch sofort verwenden; ohne kontrollierte und validierte aseptische Herstellung üblicherweise höchstens 24 Stunden bei 2–8 °C aufbewahren. Längere chemisch-physikalische Stabilität ersetzt diese Voraussetzung nicht. [1][2][3]

MabThera

Ungeöffnet i.v.: 2–8 °C, nicht einfrieren, Lichtschutz. S.c. 1.400 mg/11,7 ml und 1.600 mg/13,4 ml: Onkologische Formen; keine rheumatologische s.c.-Zulassung. [1]

Beschleunigte Infusion nur bei RA: Ab zweiter 1.000-mg-Gabe nach verträglicher Standardinfusion möglich. Gesamtdosis 1.000 mg in 250 ml (4 mg/ml): 250 mg/h für 30 Minuten, anschließend 600 mg/h bis zur vollständigen Gabe der verbleibenden 875 mg; Gesamtdauer etwa 2 Stunden. Bei klinisch relevanter kardiovaskulärer Erkrankung/Arrhythmie oder früherer schwerer Infusionsreaktion auf ein Biologikum beziehungsweise Rituximab das Standardschema verwenden. [1]

Truxima

Ungeöffnet: 2–8 °C, Lichtschutz. Einmalig bis 10 Tage bei höchstens 30 °C, innerhalb der ursprünglichen Haltbarkeit; neues Verfallsdatum aufschreiben und nicht wieder kühlen. Je 10/50 ml 7/35 mg Polysorbat 80. [2]

Rixathon

Ungeöffnet: 2–8 °C, nicht einfrieren, Lichtschutz. Einmalig bis 7 Tage bei höchstens 30 °C, innerhalb der ursprünglichen Haltbarkeit; neues Verfallsdatum aufschreiben und nicht wieder kühlen. Je 10/50 ml 7/35 mg Polysorbat 80. [3]

Überdosierung und Antidot

Vorgehen: Infusion sofort unterbrechen und engmaschig überwachen. In einer CLL-Dosissteigerungsstudie bis 5.000 mg i.v. (2.250 mg/m²) ohne zusätzliche Sicherheitssignale untersucht. Nach Markteinführung wurden auch schwere Verläufe einschließlich tödlichen Atemversagens bei gemeldeter Überdosierung beschrieben. [1]

Quellen und Links
Sarilumab
Kurzzusammenfassung
IndikationenRA nach unzureichendem DMARD-Ansprechen/Unverträglichkeit; PMR nach unzureichendem Corticosteroid-Ansprechen; pJIA ab 2 Jahren.
DosierungRA und PMR: 200 mg s.c. alle 2 Wochen; bei RA gegebenenfalls 150 mg. pJIA nach Körpergewicht.
Gegenanzeigen (Auswahl)aktive schwere Infektionen.
Besondere SicherheitsmaßnahmenBlutbild-Start-/Pausengrenzen, Transaminasen und Lipide; IL-6-Blockade kann den CRP-Anstieg bei Infektionen abschwächen.
Wirkmechanismus

Humaner monoklonaler IgG1-Antikörper gegen lösliche und membrangebundene IL-6-Rezeptoren; hemmt die IL-6-vermittelte Signalübertragung. [1]

Indikationen

Rheumatoide Arthritis: Mittelschwere bis schwere aktive RA nach unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit gegenüber mindestens einem DMARD. Mit MTX; Monotherapie bei MTX-Unverträglichkeit oder ungeeigneter MTX-Therapie. Fertigspritze oder Fertigpen. [1]

Polymyalgia rheumatica: Nach unzureichendem Ansprechen auf Corticosteroide oder bei Rezidiv während ihres Ausschleichens. Fertigspritze oder Fertigpen. [1]

Polyartikuläre JIA: Aktive RF-positive oder -negative Polyarthritis und ausgedehnte Oligoarthritis ab 2 Jahren nach unzureichendem Ansprechen auf csDMARDs. Allein oder mit MTX; Durchstechflasche. [1]

Dosierung und Anwendung
IndikationSchema s.c.
RA200 mg alle 2 Wochen; bei bestimmten Laborabweichungen Reduktion auf 150 mg alle 2 Wochen.[2]
PMR200 mg alle 2 Wochen zusammen mit ausschleichenden systemischen Corticosteroiden; anschließend Monotherapie möglich.

PMR: Daten zur Behandlung bis 1 Jahr. Fortsetzung über 52 Wochen nach Krankheitsaktivität und gemeinsamer Therapieentscheidung. [1][3]

Versäumte Dosis: Bei höchstens 3 Tagen Verzögerung möglichst bald nachholen, Folgedosis zum geplanten Termin. Bei mindestens 4 Tagen Verzögerung erst am nächsten geplanten Termin fortfahren; keine Verdoppelung. [1]

Pädiatrische Dosierungen

pJIA ab 2 Jahren und mindestens 10 kg: 175-mg/ml-Durchstechflasche, s.c. alle 2 Wochen durch medizinisches Fachpersonal. 10 bis <30 kg: Grundschema 4 mg/kg; ≥30 kg: Grundschema 3 mg/kg. Das Injektionsvolumen folgt der Gewichtstabelle; bei ≥63 kg nennt die FI eine Begrenzung auf 200 mg und ein Tabellenvolumen von 1,1 ml. [1]

Übergang bei Wachstum: Bei mit 4 mg/kg begonnener Behandlung im Bereich 27,5 bis <39,5 kg das Volumen von 0,65 ml beibehalten; erst bei 39,5 kg auf das 3-mg/kg-Schema umstellen. Dosis nur bei dauerhafter Gewichtsänderung ändern. [1]

pJIA · Grundschema 4 mg/kg alle 2 Wochen

KörpergewichtVolumen je Injektion
≥10 bis <12,5 kg0,25 ml
≥12,5 bis <14,5 kg0,30 ml
≥14,5 bis <16,5 kg0,35 ml
≥16,5 bis <19 kg0,40 ml
≥19 bis <21 kg0,45 ml
≥21 bis <23,5 kg0,50 ml
≥23,5 bis <25,5 kg0,55 ml
≥25,5 bis <27,5 kg0,60 ml
≥27,5 bis <30 kg0,65 ml

[4]

175 mg/ml; Übergangsregel bis <39,5 kg beachten. [1]

pJIA · Grundschema 3 mg/kg alle 2 Wochen

KörpergewichtVolumen je Injektion
≥30 bis <31 kg0,50 ml
≥31 bis <34 kg0,55 ml
≥34 bis <37 kg0,60 ml
≥37 bis <39,5 kg0,65 ml
≥39,5 bis <42,5 kg0,70 ml
≥42,5 bis <45 kg0,75 ml
≥45 bis <48,5 kg0,80 ml
≥48,5 bis <51,5 kg0,85 ml
≥51,5 bis <54,5 kg0,90 ml
≥54,5 bis <57 kg0,95 ml
≥57 bis <63 kg1,00 ml
≥63 kg1,1 ml

[4]

175 mg/ml; bei zuvor mit 4 mg/kg behandeltem Kind bis <39,5 kg weiterhin 0,65 ml gemäß Übergangsregel. Die Tabelle ist auch an Gewichtsgrenzen maßgeblich. [1]

Dosisanpassung und Unterbrechung

Nierenfunktion: Bei leichter bis mittelschwerer Einschränkung keine Dosisanpassung; schwere Einschränkung nicht untersucht. [1]

Leberfunktion: Bei aktiver Lebererkrankung oder Leberfunktionsstörung Anwendung nicht empfohlen; keine gesicherte Dosisanpassung. [1]

Rheumatoide Arthritis

BefundMaßnahme
ANC 0,5–1 × 10⁹/lPausieren bis >1 × 10⁹/l; Wiederbeginn mit 150 mg alle 2 Wochen, gegebenenfalls wieder 200 mg.
ANC <0,5 × 10⁹/lAbsetzen.
Thrombozyten 50–100 × 10³/µlPausieren bis >100 × 10³/µl; Wiederbeginn mit 150 mg alle 2 Wochen, gegebenenfalls wieder 200 mg.
Thrombozyten <50 × 10³/µlBei Bestätigung durch Wiederholungsmessung absetzen.
ALT >1 bis 3 × obere NormgrenzeBegleitende DMARDs beziehungsweise Immunmodulatoren gegebenenfalls anpassen.
ALT >3 bis 5 × obere NormgrenzePausieren bis <3 × obere Normgrenze; Wiederbeginn mit 150 mg alle 2 Wochen, gegebenenfalls wieder 200 mg.
ALT >5 × obere NormgrenzeAbsetzen.

Bei ANC >1 × 10⁹/l derzeitige Dosis beibehalten; Neutrophilenwerte für Anpassungen am Ende des Dosierungsintervalls beurteilen. [1]

Polymyalgia rheumatica

BefundMaßnahme
ANC <1 × 10⁹/l am Ende des DosierungsintervallsAbsetzen.
Thrombozyten <100 × 10³/µlAbsetzen.
AST-/ALT-Erhöhung auf das Dreifache der oberen NormgrenzeAbsetzen.

Dosisanpassungen bei PMR mit diesen Laborabweichungen wurden nicht untersucht. [1]

Pädiatrische Dosisunterbrechung bei pJIA

BefundMaßnahme
ANC ≥0,5 bis <1 × 10⁹/l, mit oder ohne InfektionPausieren bis zur Beurteilung des klinischen Zustands.
ANC <0,5 × 10⁹/l ohne InfektionNach Tabelle 2 pausieren bis zur Beurteilung des klinischen Zustands.
ANC <0,5 × 10⁹/l mit InfektionAbsetzen.
Thrombozyten 50–100 × 10³/µlPausieren bis >100 × 10³/µl und bis zur Beurteilung des klinischen Zustands.
Thrombozyten <50 × 10³/µlAbsetzen.
ALT >1 bis 3 × obere NormgrenzeBegleitendes MTX beziehungsweise andere Arzneimittel gegebenenfalls anpassen.
ALT >3 bis 5 × obere NormgrenzePausieren bis <3 × obere Normgrenze und bis zur Beurteilung des klinischen Zustands.
ALT >5 × obere NormgrenzeAbsetzen.

[4]

pJIA und ANC <0,5 × 10⁹/l: Abschnitt 4.4 der Fachinformation empfiehlt generell den Abbruch, während Tabelle 2 in Abschnitt 4.2 nach begleitender Infektion unterscheidet. Wiederaufnahme oder endgültiges Absetzen nach individueller kinderrheumatologischer Beurteilung. Eine Dosisreduktion bei pJIA wurde nicht untersucht. [1]

Vor Therapiebeginn

Basis: Aktive Infektion ausschließen, Impfstatus prüfen; großes Blutbild, ALT/GPT, AST/GOT, Kreatinin und Lipidprofil. BSG/CRP zur Ausgangsaktivität. [2][1]

Tuberkulose – DZK: Anamnese, klinische Untersuchung, IGRA und Thorax-Röntgen vor Beginn; aktive Tbc ausschließen. Bei LTBI präventive Therapie vor IL-6-Blockade beginnen. Kürzere Rifamycin-Schemata bevorzugen: Rifampicin 4 Monate oder Rifampicin plus Isoniazid 3 Monate; alternativ Isoniazid 9 Monate. Wechselwirkungen und Resistenzanamnese berücksichtigen. [5]

Beginn unter LTBI-Prävention: Die gemeinsame Stellungnahme DZK/DGRh/DDG 2021 empfiehlt mindestens 4 Wochen präventive Therapie vor der Immunsuppression. Die S2k-Leitlinie 2022 bezeichnet den frühestmöglichen Start als nicht gesichert und beschreibt 4–8 Wochen als in der Literatur sicher angesehenen Vorlauf. Bei dringlicher Immunsuppression Zeitpunkt interdisziplinär unter Berücksichtigung der Grunderkrankung und des Präventionsverlaufs festlegen. [6][5]

Tuberkulose – ergänzende Fachinformation: Bei früherer aktiver oder latenter Tbc ohne Nachweis einer adäquaten Behandlung sowie bei negativem LTBI-Test und bestehenden Infektionsrisikofaktoren eine antimykobakterielle Therapie vor Beginn erwägen; gegebenenfalls Tbc-Spezialisten hinzuziehen. [1]

HBV-Screening: HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs; bei HBsAg+ oder Anti-HBc+ zusätzlich HBV-DNA. [7]

HBV-StatusRisiko und Vorgehen
HBsAg+ oder HBsAg−/Anti-HBc+ mit HBV-DNA+ vor TherapiebeginnHoch (>10 %): antivirale Prophylaxe. [8]
HBsAg−/Anti-HBc+; HBV-DNA−Risiko unzureichend quantifiziert; Prophylaxe/Kontrollen nach Gesamtregime hepatologisch festlegen. [7]

Gesamtrisiko: Glukokortikoiddosis/-dauer, weitere Immunsuppression sowie Chemo-/Transplantationsregime berücksichtigen. Anti-HBs+ schließt bei Anti-HBc+ eine Reaktivierung nicht aus. Wenn erforderliche HBV-Kontrollen nicht gesichert sind: Prophylaxe. [7][8]

Kontrollen ohne Prophylaxe: bei HBsAg−/Anti-HBc+/HBV-DNA− HBsAg, HBV-DNA und ALT alle 1–3 Monate. Bei neuem DNA-Nachweis oder HBsAg-Reversion sofort antiviral behandeln, vor Hepatitis. [7]

Prophylaxe: Entecavir oder Tenofovir (TDF/TAF) vor Immunsuppression beginnen, währenddessen und danach 6–12 Monate (bei B-Zell-Depletion mindestens 18 Monate) fortführen. Nach Absetzen weiter überwachen; bei eigenständiger HBV-Therapieindikation länger behandeln. [7]

Impfung: Bei HBsAg−/Anti-HBc− und fehlendem Impfschutz möglichst vor Immunsuppression impfen; Schema und Erfolgskontrolle. [7][9]

Laborgrenzen vor Beginn: Bei ANC <2 × 10⁹/l, Thrombozyten <150 × 10³/µl oder ALT/AST >1,5 × obere Normgrenze Beginn nicht empfohlen; diese Warnhinweise stehen auch in der FI der pJIA-Durchstechflasche. [1]

Divertikulitis/Ulzera: Anamnese und Begleitmedikation auf ein Perforationsrisiko prüfen. Patientenpass aushändigen und Infektions-/Abdominalsymptome erläutern. [1][2]

Kontrollen

Blutbild: Neutrophile und Thrombozyten 4–8 Wochen nach Beginn, anschließend nach klinischem Ermessen. Für Neutrophilen-bedingte Anpassungen Werte vom Ende des Dosierungsintervalls verwenden. [1]

ALT/AST: 4–8 Wochen nach Beginn, anschließend alle 3 Monate; bei klinischem Anlass Bilirubin und weitere Leberparameter. Lipide nach 4–8 Wochen und anschließend etwa alle 6 Monate. [1]

DGRh-Verlauf bei RA: Großes Blutbild, ALT/AST und Kreatinin in den ersten 3 Monaten alle 4 Wochen, danach bei stabil normalen Werten alle 8–12 Wochen; BSG/CRP zur Aktivitätskontrolle. [2]

Infektionsbeurteilung: IL-6-Hemmung kann den CRP-Anstieg verzögern oder abschwächen. Klinische Infektionszeichen auch bei normalem CRP untersuchen. Bei schwerer oder opportunistischer Infektion pausieren, bis sie kontrolliert ist. [2][1]

Wirkbeginn und Therapiebeurteilung

RA – DGRh: Wirkung meist innerhalb der ersten 4 Wochen; ohne Besserung nach 12 Wochen Fortführung überprüfen. [2]

PMR: Beschwerden, Funktionsfähigkeit, Rezidive und Glukokortikoidbedarf beurteilen. Unter IL-6-Hemmung die supprimierten Entzündungsmarker berücksichtigen. [10][2]

Gegenanzeigen

Fachinformation: Überempfindlichkeit gegen Sarilumab oder Bestandteile; aktive schwere Infektionen. Warnhinweis: Auch bei aktiver lokalisierter Infektion nicht verabreichen. [1]

DGRh-Arztbogen 11/2019: Nennt chronische Virusinfektionen (HIV, aktive/persistierende Hepatitis B/C) und bekannte opportunistische Infektionen als zusätzliche Gegenanzeigen. Bei HBV die serologie- und risikobezogene DGVS-Empfehlung berücksichtigen. [2][7]

Nebenwirkungen und Maßnahmen

Häufige Befunde: Neutropenie, Atemwegs- und Harnwegsinfektionen, erhöhte ALT sowie Reaktionen an der Injektionsstelle. Lipiderhöhungen und Thrombozytopenie können auftreten. Bei pJIA zählen Nasopharyngitis, Neutropenie und obere Atemwegsinfektionen zu den häufigsten Ereignissen. [1]

Abdominelle Beschwerden: Bei neuen Bauchschmerzen umgehend Divertikulitis und gastrointestinale Perforation abklären, besonders unter gleichzeitigen NSAR oder Corticosteroiden; ein niedriges CRP schließt die Komplikation nicht aus. [1][2]

Anaphylaxie/Überempfindlichkeit: Anwendung sofort beenden und behandeln. Bei Infektion oder Laborabweichungen die indikationsspezifischen Pausen-/Abbruchregeln anwenden. [1]

Wechselwirkungen

CYP-Substrate: IL-6-Hemmung kann CYP-Aktivität normalisieren und Wirkstoffspiegel vermindern. Bei Beginn und Ende Wirkung beziehungsweise Spiegel individuell dosierter CYP-Substrate überwachen, etwa INR bei Vitamin-K-Antagonisten oder Theophyllinspiegel. [1]

CYP3A4: Verminderte Exposition unter anderem von Statinen und oralen Kontrazeptiva möglich; zuverlässige Verhütung unter Berücksichtigung dieser Wechselwirkung sicherstellen. [1]

Weitere Immuntherapie: Kombination mit anderen biologischen DMARDs oder JAK-Inhibitoren nach DGRh vermeiden. Zusammen mit MTX können Transaminasen häufiger und stärker steigen. [2][1]

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: Anwendbar, wenn zur wirksamen Kontrolle der mütterlichen Erkrankung erforderlich. [11]

Stillzeit: Mit dem Stillen vereinbar. [11]

Väterlicher Kinderwunsch: Fortführung möglich. [11]

Säuglingsimpfungen: Totimpfstoffe nach regulärem Impfplan. Nach intrauteriner Exposition im 2./3. Trimenon Lebendimpfungen bis zum Alter von 6 Monaten verschieben. [11]

Fachinformation: Zuverlässige Verhütung während und bis 3 Monate nach Therapieende. In der Schwangerschaft nur anwenden, wenn der klinische Zustand dies erfordert. Stillen oder Behandlung unter Abwägung des Nutzens für Kind und Mutter fortführen beziehungsweise unterbrechen. [1][3]

Impfungen

Nichtlebendimpfstoffe: Unter Therapie möglich; möglichst mindestens 2, besser 4 Wochen vor Beginn abschließen. Bei laufender Therapie möglichst in der Mitte des Dosierungsintervalls verabreichen. [12]

Lebendimpfstoffe: Während der Therapie vermeiden; mindestens 4 Wochen vor Beginn oder frühestens 2 Monate nach der letzten Dosis verabreichen. [1][12]

Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe

Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [9]

ImpfungIndikation / Schema
InfluenzaJährlich bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren; inaktivierter Impfstoff, ab 60 Jahren Hochdosis- oder MF59-adjuvantiert.
COVID-19Jährlich bei relevanter Immunsuppression/weiterem Risikofaktor oder ab 75 Jahren, bevorzugt Spätsommer/Frühherbst. Bei ausgeprägter Immundefizienz zusätzliche Dosen/verkürzte Abstände individuell. [13]
Pneumo­kokkenPCV20 bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren. Nach PCV13/15 ≥1 Jahr; nach PPSV23 ≥6 Jahre, bei ausgeprägter Immundefizienz gegebenenfalls ≥1 Jahr.
Herpes zosterAb 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression.
Hepatitis BBei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l.
RSVEinmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/Immundefizienz oder Pflegeheimbewohnenden. Möglichst vor der RSV-Saison.

Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [9]

Operationen

DGRh: Elektiven Eingriff unter Berücksichtigung von Infektions- und Schubrisiko am Ende des zweiwöchentlichen Dosierungsintervalls planen; Wiederbeginn nach ausreichender Wundheilung ohne Infektion. [14]

Alltag und Handhabung

S.c.-Anwendung: Bauch, Oberschenkel oder Oberarm, Injektionsstellen wechseln. Nicht in empfindliche, verletzte, vernarbte oder von Blutergüssen betroffene Haut injizieren. Nach Schulung können RA-/PMR-Patienten oder Pflegepersonen Spritze/Pen anwenden. Die pJIA-Durchstechflasche wird ausschließlich durch medizinisches Fachpersonal verabreicht. [1]

Lagerung: Alle Formen bei 2–8 °C, nicht einfrieren, im Umkarton lichtgeschützt. Nach Entnahme höchstens 14 Tage bei ≤25 °C. Nicht schütteln oder aktiv erwärmen; trübe, verfärbte oder partikelhaltige Lösung verwerfen. [1]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

Kevzara · Fertigspritze 150 mg oder 200 mg

Jeweils 1,14 ml; für RA/PMR. Gesamten Inhalt injizieren. Vor Anwendung mindestens 30 Minuten Raumtemperatur annehmen lassen.[1]

Kevzara · Fertigpen 150 mg oder 200 mg

Jeweils 1,14 ml; für RA/PMR. Gesamten Inhalt injizieren. Vor Anwendung mindestens 60 Minuten Raumtemperatur annehmen lassen.[1]

Kevzara · Durchstechflasche 175 mg/ml

200 mg in 1,14 ml; für pJIA ab 2 Jahren und mindestens 10 kg. Gebrauchsfertig, nicht verdünnen. Dosis mit steriler Spritze/Nadel entnehmen; Rest verwerfen, Inhalte verschiedener Flaschen nicht mischen.[1]

Fertigspritze und Fertigpen sind unter 18 Jahren nicht untersucht; Kinderdosen mit der Durchstechflasche nach der FI-Gewichtstabelle. [1]

Überdosierung und Antidot

Kein spezifisches Antidot. Engmaschig auf Nebenwirkungen überwachen und umgehend symptomatisch beziehungsweise unterstützend behandeln. [1]

Quellen und Links
Secukinumab
Kurzzusammenfassung
IndikationenPsA · AS · nr-axSpA (Erwachsene); Enthesitis-assoziierte Arthritis und juvenile PsA ab 6 Jahren; Plaque-Psoriasis ab 6 Jahren; Hidradenitis suppurativa (Erwachsene).
DosierungPsA/AS: 150 mg s.c. in Woche 0, 1, 2, 3 und 4, danach monatlich; indikations- und ansprechabhängig 300 mg. Plaque-Psoriasis/Hidradenitis suppurativa: 300 mg.
Gegenanzeigen (Auswahl)Klinisch relevante aktive Infektion, einschließlich aktiver Tbc.
Besondere SicherheitsmaßnahmenInfektionen und Candidosen; chronisch-entzündliche Darmerkrankung beachten. Tbc-/HBV-Screening.
Wirkmechanismus

Vollständig humaner monoklonaler IgG1/κ-Antikörper gegen IL-17A. Die Neutralisierung vermindert entzündliche Signalwege und Gewebeentzündung. [1]

Indikationen

Psoriasis-Arthritis – Erwachsene: Aktive Erkrankung nach unzureichendem DMARD-Ansprechen; allein oder mit MTX. [1]

Ankylosierende Spondylitis – Erwachsene: Aktive Erkrankung nach unzureichendem Ansprechen auf konventionelle Therapie. [1]

Nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis – Erwachsene: Aktive Erkrankung mit erhöhtem CRP und/oder MRT-Entzündungszeichen nach unzureichendem NSAR-Ansprechen. [1]

Enthesitis-assoziierte Arthritis: Aktive Erkrankung ab 6 Jahren nach unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit gegenüber konventioneller Therapie; allein oder mit MTX. [1]

Juvenile Psoriasis-Arthritis: Aktive Erkrankung ab 6 Jahren nach unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit gegenüber konventioneller Therapie; allein oder mit MTX. [1]

Plaque-Psoriasis: Mittelschwere bis schwere Erkrankung, wenn eine systemische Therapie infrage kommt; auch ab 6 Jahren. [1]

Hidradenitis suppurativa – Erwachsene: Mittelschwere bis schwere aktive Erkrankung nach unzureichendem Ansprechen auf konventionelle systemische HS-Therapie. [1]

Dosierung und Anwendung
IndikationDosierung
Psoriasis-Arthritis150 mg in Woche 0, 1, 2, 3 und 4, danach monatlich. Bei unzureichendem TNF-Hemmer-Ansprechen 300 mg in demselben Intervall; sonst nach Ansprechen Steigerung von 150 auf 300 mg möglich. Bei gleichzeitiger mittelschwerer/schwerer Plaque-Psoriasis gilt deren Schema.
Ankylosierende Spondylitis150 mg in Woche 0, 1, 2, 3 und 4, danach monatlich; je nach Ansprechen auf 300 mg erhöhen.
Nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis150 mg in Woche 0, 1, 2, 3 und 4, danach monatlich.
Plaque-Psoriasis300 mg in Woche 0, 1, 2, 3 und 4, danach monatlich. Bei ≥90 kg kann eine Erhaltung mit 300 mg alle 2 Wochen zusätzlichen Nutzen bieten.
Hidradenitis suppurativa300 mg in Woche 0, 1, 2, 3 und 4, danach monatlich; nach Ansprechen Erhöhung der Erhaltung auf 300 mg alle 2 Wochen möglich.

Eine 300-mg-Dosis als eine 300-mg-Injektion oder zwei 150-mg-Injektionen verabreichen. [1]

Pädiatrische Dosierungen

Enthesitis-assoziierte Arthritis ab 6 Jahren

KörpergewichtEinzeldosis s.c.
<50 kg75 mg
≥50 kg150 mg

Gabe in Woche 0, 1, 2, 3 und 4, danach monatlich. [1]

Juvenile Psoriasis-Arthritis ab 6 Jahren

KörpergewichtEinzeldosis s.c.
<50 kg75 mg
≥50 kg150 mg

Gabe in Woche 0, 1, 2, 3 und 4, danach monatlich. [1]

Darreichungsform: Bei <50 kg die 75-mg-Fertigspritze oder fachgerecht zubereitete 75-mg-Dosis aus dem 150-mg-Pulver verwenden. 150-/300-mg-Fertigspritzen und -Pens sind für pädiatrische Patienten <50 kg nicht angezeigt. [1]

Plaque-Psoriasis ab 6 Jahren

KörpergewichtEinzeldosis s.c.
<50 kg75 mg
≥50 kg150 mg; bei Bedarf auf 300 mg erhöhen.

Gabe in Woche 0, 1, 2, 3 und 4, danach monatlich. [1]

Dosisanpassung

Alter ab 65 Jahren: Keine Dosisanpassung. [1]

Nieren-/Leberfunktionsstörung: Nicht untersucht; keine Dosisempfehlung verfügbar. [1]

Vor Therapiebeginn

Basis: Aktive Infektion ausschließen und Impfstatus prüfen; großes Blutbild, ALT/GPT und Kreatinin bestimmen. Anamnese einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung und rezidivierender Infektionen erheben. [2][1]

Tuberkulose – DZK: Anamnese, klinische Untersuchung, IGRA und Thorax-Röntgen vor Beginn; aktive Tbc ausschließen. Bei LTBI präventive Therapie vor Beginn der Biologikatherapie einleiten. Kürzere Rifamycin-Schemata bevorzugen: Rifampicin 4 Monate oder Rifampicin plus Isoniazid 3 Monate; alternativ Isoniazid 9 Monate. Wechselwirkungen und Resistenzanamnese berücksichtigen. [3]

Beginn unter LTBI-Prävention: Die gemeinsame Stellungnahme DZK/DGRh/DDG 2021 empfiehlt mindestens 4 Wochen präventive Therapie vor der Immunsuppression. Die S2k-Leitlinie 2022 bezeichnet den frühestmöglichen Start als nicht gesichert und beschreibt 4–8 Wochen als in der Literatur sicher angesehenen Vorlauf. Bei dringlicher Immunsuppression Zeitpunkt interdisziplinär unter Berücksichtigung der Grunderkrankung und des Präventionsverlaufs festlegen. [4][3]

Tuberkulose-Screening bei Psoriasis – S3: Bei negativem IGRA Thorax-Röntgen nur bei erhöhter Tbc-Wahrscheinlichkeit oder erhöhtem Risiko eines falsch negativen IGRA, etwa durch Immunsuppression oder Lymphopenie. Bei positivem IGRA aktive Tbc einschließlich Thorax-Röntgen ausschließen. [5]

LTBI bei Psoriasis – S3: Bei Beginn einer IL-17-Hemmung kann eine präventive antituberkulöse Therapie erwogen werden; weitere Präventionsindikationen berücksichtigen. [5]

HBV-Screening: HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs; bei HBsAg+ oder Anti-HBc+ zusätzlich HBV-DNA. [6]

HBV-StatusRisiko und Vorgehen
HBsAg+ oder HBsAg−/Anti-HBc+ mit HBV-DNA+ vor TherapiebeginnHoch (>10 %): antivirale Prophylaxe. [7]
HBsAg−/Anti-HBc+; HBV-DNA−Moderat (1–10 %): Überwachung; bei erhöhtem Gesamtrisiko Prophylaxe erwägen. [7]

Gesamtrisiko: Glukokortikoiddosis/-dauer, weitere Immunsuppression sowie Chemo-/Transplantationsregime berücksichtigen. Anti-HBs+ schließt bei Anti-HBc+ eine Reaktivierung nicht aus. Wenn erforderliche HBV-Kontrollen nicht gesichert sind: Prophylaxe. [6][7]

Kontrollen ohne Prophylaxe: bei HBsAg−/Anti-HBc+/HBV-DNA− HBsAg, HBV-DNA und ALT alle 1–3 Monate. Bei neuem DNA-Nachweis oder HBsAg-Reversion sofort antiviral behandeln, vor Hepatitis. [6]

Prophylaxe: Entecavir oder Tenofovir (TDF/TAF) vor Immunsuppression beginnen, währenddessen und danach 6–12 Monate (bei B-Zell-Depletion mindestens 18 Monate) fortführen. Nach Absetzen weiter überwachen; bei eigenständiger HBV-Therapieindikation länger behandeln. [6]

Impfung: Bei HBsAg−/Anti-HBc− und fehlendem Impfschutz möglichst vor Immunsuppression impfen; Schema und Erfolgskontrolle. [6][8]

Kontrollen

DGRh-Verlaufskontrollen: Großes Blutbild, ALT/GPT und Kreatinin in den ersten 3 Monaten etwa alle 4 Wochen, danach etwa alle 3 Monate. BSG/CRP separat zur Krankheitsaktivität. Nach Fieber, Husten, Schluckbeschwerden und Durchfall fragen; Mundhöhle auf Candidose untersuchen. [2]

Fieberhafte Infektion: Nächste Gabe nach DGRh verschieben, bis der Infekt abgeklungen ist. Bei schwerer Infektion pausieren, bis diese abgeklungen ist. [2][1]

Neue oder verschlechterte chronisch-entzündliche Darmerkrankung: Absetzen und angemessen behandeln. Bei schwerer Überempfindlichkeitsreaktion unverzüglich absetzen und behandeln. [1]

Wirkbeginn und Therapiebeurteilung

DGRh: Wirkungseintritt etwa nach 2–4 Wochen; bei fehlender Besserung nach 3–4 Monaten Fortführung überprüfen. [2]

Fachinformation: Bei fehlendem Ansprechen nach 16 Wochen Absetzen erwägen. Bei zunächst partiellem Ansprechen sind spätere Verbesserungen möglich. [1]

Gegenanzeigen

Formale Gegenanzeigen: Klinisch relevante aktive Infektion, z. B. aktive Tbc; Überempfindlichkeit gegen Wirkstoff oder Bestandteile. [1]

Chronisch-entzündliche Darmerkrankung: Anwendung nicht empfohlen. [1]

Nebenwirkungen und Maßnahmen
HäufigkeitNebenwirkungen
Sehr häufigInfektionen der oberen Atemwege.
HäufigOraler Herpes, Kopfschmerzen, Rhinorrhö, Diarrhö, Übelkeit, Ekzem, Ermüdung.
GelegentlichOrale Candidose, Infektionen der unteren Atemwege, Neutropenie, Urtikaria, entzündliche Darmerkrankung.
SeltenAnaphylaxie, Angioödem, exfoliative Dermatitis, Hypersensitivitätsvaskulitis.

Bei schweren Infektionen, CED oder schwerer Überempfindlichkeit gelten die oben genannten Unterbrechungs-/Abbruchregeln. [1]

Wechselwirkungen

MTX/Corticosteroide: Keine klinisch relevante Wechselwirkung in Arthritisstudien beobachtet. Midazolam-Exposition durch CYP3A4-Interaktion nicht klinisch relevant verändert. [1]

Andere Biologika: Kombination nach DGRh nicht empfohlen. [2]

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: Anwendbar, wenn zur wirksamen Kontrolle der mütterlichen Erkrankung erforderlich. [9]

Stillzeit: Mit dem Stillen vereinbar. [9]

Väterlicher Kinderwunsch: Fortführung möglich. [9]

Säuglingsimpfungen: Totimpfstoffe nach regulärem Impfplan. Nach intrauteriner Exposition im 2./3. Trimenon Lebendimpfungen bis zum Alter von 6 Monaten verschieben. [9]

Fachinformation: Zuverlässige Verhütung während der Behandlung und mindestens 20 Wochen nach der letzten Dosis. In der Schwangerschaft aus Vorsichtsgründen vermeiden. Entscheidung zwischen Stillpause während und bis 20 Wochen nach Behandlung oder Unterbrechung der Therapie unter Abwägung des Nutzens für Kind und Mutter. [1]

Impfungen

Nichtlebendimpfstoffe: Können unter Therapie verabreicht werden. Impfstatus vor Beginn vervollständigen. [1]

Lebendimpfstoffe: Während der Therapie nicht anwenden. [1]

Impfabstände: Nichtlebendimpfungen möglichst mindestens 2, besser 4 Wochen vor Beginn abschließen; bei laufender Therapie möglichst in der Mitte des Behandlungsintervalls. Lebendimpfungen mindestens 4 Wochen vor Beginn oder frühestens 2 Monate nach der letzten Dosis. [10]

Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe

Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [8]

ImpfungIndikation / Schema
InfluenzaJährlich bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren; inaktivierter Impfstoff, ab 60 Jahren Hochdosis- oder MF59-adjuvantiert.
COVID-19Jährlich bei relevanter Immunsuppression/weiterem Risikofaktor oder ab 75 Jahren, bevorzugt Spätsommer/Frühherbst. Bei ausgeprägter Immundefizienz zusätzliche Dosen/verkürzte Abstände individuell. [11]
Pneumo­kokkenPCV20 bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren. Nach PCV13/15 ≥1 Jahr; nach PPSV23 ≥6 Jahre, bei ausgeprägter Immundefizienz gegebenenfalls ≥1 Jahr.
Herpes zosterAb 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression.
Hepatitis BBei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l.
RSVEinmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/Immundefizienz oder Pflegeheimbewohnenden. Möglichst vor der RSV-Saison.

Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [8]

Operationen

DGRh: Größere elektive Eingriffe am Ende des Behandlungsintervalls planen; Wiederbeginn abhängig von Wundheilung und Infektionsfreiheit. [12]

ACR/AAHKS – elektive Hüft-/Knieendoprothetik bei entzündlicher Arthritis: Bei vierwöchentlicher Gabe Operation in Woche 5 nach der letzten Dosis planen. Wiederbeginn nach Wundheilung, Entfernung von Fäden/Klammern und ohne relevante Schwellung, Rötung, Sekretion oder anderweitige Infektion, typischerweise nach etwa 14 Tagen. [13]

Alltag und Handhabung

Selbstinjektion: Nach Schulung möglich. Nicht schütteln; Injektionsstellen wechseln und betroffene Psoriasishaut möglichst aussparen. Produktname und Charge dokumentieren. [1]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

Fertigspritzen und Pens: Bei 2–8 °C lagern, nicht einfrieren, im Umkarton vor Licht schützen. Einmalig höchstens 4 Tage bei ≤30 °C außerhalb des Kühlschranks. [1]

Cosentyx 75 mg/0,5 ml Fertigspritze

Für gewichtsbezogene pädiatrische 75-mg-Dosen. Vor Anwendung etwa 20 Minuten Raumtemperatur annehmen lassen. Nadelschutzkappe enthält ein Naturkautschuk-Latexderivat. [1]

Cosentyx 150 mg/1 ml Fertigspritze und Fertigpen

Vor Anwendung etwa 20 Minuten Raumtemperatur annehmen lassen. Nadelschutzkappe enthält ein Naturkautschuk-Latexderivat. Bei Kindern <50 kg diese Formen nicht anwenden. [1]

Cosentyx 300 mg/2 ml Fertigspritze und Fertigpen

300 mg als eine Injektion. Vor Anwendung 30–45 Minuten Raumtemperatur annehmen lassen. Bei Kindern <50 kg diese Formen nicht anwenden. [1]

Cosentyx 150 mg Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung

Durch medizinisches Fachpersonal mit 1 ml sterilem Wasser rekonstituieren; resultierende Konzentration 150 mg/ml. Für 75 mg werden 0,5 ml verabreicht, für 300 mg zwei Durchstechflaschen verwendet. Zubereitung aseptisch, nicht schütteln; genaue Aufzieh-/Entlüftungsschritte nach Gebrauchsinformation. [1]

Ungeöffnet bei 2–8 °C. Nach Rekonstitution chemisch/physikalisch 24 Stunden bei 2–8 °C stabil; mikrobiologisch sofort verwenden, sofern die Rekonstitutionsmethode ein Kontaminationsrisiko nicht ausschließt. [1]

Überdosierung und Antidot

Bis 30 mg/kg i.v. (etwa 2.000–3.000 mg) wurden ohne dosislimitierende Toxizität verabreicht. Bei Überdosierung auf Nebenwirkungen überwachen und geeignete symptomatische Behandlung einleiten. [1]

Quellen und Links
Tocilizumab
Kurzzusammenfassung
IndikationenRA; Riesenzellarteriitis; sJIA/pJIA mit Alters- und Formgrenzen; i.v. COVID-19 und durch CAR-T-Zelltherapie induziertes Zytokinfreisetzungssyndrom.
DosierungRA: 162 mg s.c. wöchentlich oder 8 mg/kg i.v. alle 4 Wochen. RZA: 162 mg s.c. wöchentlich.
Gegenanzeigen (Auswahl)aktive schwere Infektion. i.v. Ausnahme für die behandelte COVID-19-Erkrankung, nicht für zusätzliche schwere Infektionen.
Besondere SicherheitsmaßnahmenBlutbild-Start-/Pausengrenzen, Transaminasen und Lipide; IL-6-Blockade kann den CRP-Anstieg bei Infektionen abschwächen.
Wirkmechanismus

Humanisierter monoklonaler IgG1-Antikörper gegen lösliche und membrangebundene IL-6-Rezeptoren; hemmt die IL-6-vermittelte Signalübertragung. [1]

Indikationen

Rheumatoide Arthritis: Schwere aktive und progressive RA ohne vorausgegangene MTX-Behandlung oder mäßige bis schwere aktive RA nach unzureichendem Ansprechen beziehungsweise Unverträglichkeit gegenüber DMARDs oder TNF-Hemmern. Mit MTX; Monotherapie bei MTX-Unverträglichkeit oder wenn eine Fortsetzung von MTX unangemessen ist. I.v. oder s.c. [1]

Riesenzellarteriitis: Subkutane Behandlung, zunächst zusammen mit ausschleichenden Glukokortikoiden. [1]

Systemische JIA: Aktive Erkrankung nach unzureichendem Ansprechen auf NSAR und systemische Corticosteroide; mit MTX oder bei MTX-Unverträglichkeit beziehungsweise ungeeigneter MTX-Behandlung allein. I.v. ab 2 Jahren; s.c. Fertigspritze ab 1 Jahr und mindestens 10 kg, Fertigpen ab 12 Jahren. [1]

Polyartikuläre JIA: RF-positive oder -negative Polyarthritis und erweiterte Oligoarthritis nach unzureichendem MTX-Ansprechen. Mit MTX, bei MTX-Unverträglichkeit oder ungeeigneter Fortsetzung auch allein. I.v. und s.c. Fertigspritze ab 2 Jahren, Fertigpen ab 12 Jahren. [1]

COVID-19: I.v. bei systemischer Corticosteroidtherapie und zusätzlichem Sauerstoffbedarf oder maschineller Beatmung. [1]

CAR-T-induziertes Zytokin-Freisetzungssyndrom (CRS): Schweres oder lebensbedrohliches CRS, i.v.; auch bei Kindern ab 2 Jahren. [1]

Off-Label-Anwendungen

Adult-onset Still-Erkrankung: IL-1- oder IL-6-Hemmung nach EULAR/PReS früh im Verlauf zur Krankheitskontrolle und Begrenzung der Glukokortikoidexposition einsetzen; Tocilizumab bei AOSD (Off-Label). [2]

Polymyalgia rheumatica: IL-6-Rezeptor-Hemmung zusätzlich zu Glukokortikoiden bei rezidivierendem Verlauf; bei neu aufgetretener Erkrankung und hohem Risiko für Glukokortikoidnebenwirkungen erwägen. Tocilizumab (Off-Label). [3]

Systemische Sklerose mit ILD: Nach ERS/EULAR bei früher diffus-kutaner SSc mit erhöhten Entzündungsparametern oder kürzlich fortgeschrittener Hautfibrose empfohlen (Off-Label). [4]

Dosierung und Anwendung
Indikation / WegSchema
RA · s.c.162 mg einmal wöchentlich.[5]
RA · i.v.8 mg/kg alle 4 Wochen über 60 Minuten; bei >100 kg nicht mehr als 800 mg je Infusion.
RZA · s.c.162 mg einmal wöchentlich mit ausschleichenden Glukokortikoiden; nach deren Absetzen Monotherapie möglich.
COVID-19 · i.v.8 mg/kg einmal über 60 Minuten, höchstens 800 mg. Bei fehlender Besserung oder Verschlechterung eine zweite Dosis nach mindestens 8 Stunden möglich.
CAR-T-induziertes CRS · i.v.≥30 kg: 8 mg/kg; <30 kg: 12 mg/kg. Jeweils über 60 Minuten, höchstens 800 mg. Bei fehlender Besserung bis zu 3 weitere Dosen mit jeweils mindestens 8 Stunden Abstand.

I.v.- und s.c.-Präparate nach dem zugelassenen Anwendungsgebiet auswählen. [1]

RZA: Tocilizumab-Monotherapie nicht zur Behandlung eines akuten Rezidivs einsetzen. Fortsetzung über 52 Wochen anhand von Krankheitsaktivität und gemeinsamer Therapieentscheidung. [1]

AOSD: Nach EULAR/PReS-Supplement 8 mg/kg i.v. monatlich oder 162 mg s.c. wöchentlich (Off-Label). [2]

PMR: In der DGRh-Leitlinie beschriebenes Studienregime: 162 mg s.c. wöchentlich zusätzlich zu Glukokortikoiden (Off-Label). [3]

Wechsel von i.v. auf s.c. bei RA: Erste subkutane Dosis anstelle der nächsten geplanten Infusion unter medizinischer Aufsicht; anschließend wöchentlich. [1]

Versäumte s.c.-Dosis bei RA/RZA, höchstens 7 Tage: Beim Wochenschema am nächsten geplanten Termin anwenden; beim Zweiwochenschema sofort nachholen und nächste Dosis am geplanten Termin. Bei längerer Verzögerung oder Unsicherheit ärztlich rückfragen. [1]

Pädiatrische Dosierungen

sJIA

Weg / AlterSchema
I.v. · ab 2 Jahren<30 kg: 12 mg/kg alle 2 Wochen; ≥30 kg: 8 mg/kg alle 2 Wochen. Infusion über 60 Minuten.
S.c. · Spritze ab 1 Jahr; Pen ab 12 Jahren10 bis <30 kg: 162 mg alle 2 Wochen; ≥30 kg: 162 mg wöchentlich. Mindestgewicht 10 kg.

Gewichtsabhängige Änderung bei dauerhafter Gewichtsveränderung. [1]

pJIA

Weg / AlterSchema
I.v. · ab 2 Jahren<30 kg: 10 mg/kg alle 4 Wochen; ≥30 kg: 8 mg/kg alle 4 Wochen. Infusion über 60 Minuten.
S.c. · Spritze ab 2 Jahren; Pen ab 12 Jahren<30 kg: 162 mg alle 3 Wochen; ≥30 kg: 162 mg alle 2 Wochen.

I.v. bei sJIA/pJIA: Dosis bei jeder Gabe anhand des Körpergewichts berechnen; Änderung bei dauerhafter Gewichtsveränderung. [1]

CAR-T-induziertes CRS, ab 2 Jahren

GewichtSchema i.v.
<30 kg12 mg/kg über 60 Minuten, höchstens 800 mg.
≥30 kg8 mg/kg über 60 Minuten, höchstens 800 mg.

Bei fehlender Besserung bis zu 3 weitere Dosen; mindestens 8 Stunden zwischen den Gaben. [1]

Versäumte s.c.-Dosis bei Kindern, höchstens 7 Tage: sJIA-Wochenschema: am nächsten geplanten Termin; sJIA-Zweiwochenschema: sofort nachholen. Bei pJIA sofort nachholen. Folgedosis jeweils zum geplanten Termin. Bei mehr als 7 Tagen Verzögerung oder Unsicherheit ärztlich rückfragen. [1]

Dosisanpassung und Unterbrechung

Nierenfunktion: S.c. bei leichter bis mäßiger Einschränkung keine Dosisanpassung; schwere Einschränkung nicht untersucht, engmaschig überwachen. I.v. nur bei leichter Einschränkung ohne Anpassung; mäßige bis schwere Einschränkung nicht untersucht, engmaschig überwachen. [1][6][7]

Leberfunktion: Bei Leberfunktionsstörung keine gesicherte Dosisempfehlung. Aktive Lebererkrankung und hepatotoxische Begleitmedikation berücksichtigen. [1]

BefundMaßnahme
ALT/AST >1 bis 3 × obere NormgrenzeBegleitende DMARDs/Immunsuppression anpassen. Bei anhaltender Erhöhung i.v. auf 4 mg/kg reduzieren oder pausieren; s.c. auf alle 2 Wochen reduzieren oder pausieren, bis normalisiert. Danach klinisch angemessen wieder beginnen.
ALT/AST >3 bis 5 × obere NormgrenzeErhöhung durch Wiederholungsmessung bestätigen; pausieren bis <3 × obere Normgrenze, anschließend Vorgehen wie oben. Bei anhaltend >3 × obere Normgrenze absetzen.
ALT/AST >5 × obere NormgrenzeAbsetzen.
ANC 0,5–1 × 10⁹/lPausieren. Nach Anstieg auf >1 × 10⁹/l i.v. mit 4 mg/kg oder s.c. alle 2 Wochen wieder beginnen; gegebenenfalls auf 8 mg/kg beziehungsweise wöchentlich steigern.
ANC <0,5 × 10⁹/lAbsetzen.
Thrombozyten 50–100 × 10³/µlPausieren. Nach Anstieg auf >100 × 10³/µl i.v. mit 4 mg/kg oder s.c. alle 2 Wochen wieder beginnen; gegebenenfalls steigern.
Thrombozyten <50 × 10³/µlAbsetzen.

Grenzen beziehen sich auf die genannten Indikationen und Darreichungsformen. [1]

Pädiatrische Dosisunterbrechung

BefundMaßnahme
ALT/AST >1 bis 3 × obere NormgrenzeMTX gegebenenfalls anpassen; bei anhaltender Erhöhung Tocilizumab bis zur Normalisierung pausieren.
ALT/AST >3 bis 5 × obere NormgrenzeMTX gegebenenfalls anpassen; Tocilizumab bis <3 × obere Normgrenze pausieren, danach Vorgehen wie oben.
ALT/AST >5 × obere NormgrenzeAbsetzen nach individueller medizinischer Beurteilung.
ANC 0,5–1 × 10⁹/lPausieren; Wiederbeginn bei >1 × 10⁹/l.
ANC <0,5 × 10⁹/lAbsetzen nach individueller medizinischer Beurteilung.
Thrombozyten 50–100 × 10³/µlMTX gegebenenfalls anpassen; Tocilizumab pausieren, Wiederbeginn bei >100 × 10³/µl.
Thrombozyten <50 × 10³/µlAbsetzen nach individueller medizinischer Beurteilung.

Bei sJIA/pJIA Begleiterkrankungen und Begleitmedikation berücksichtigen; eine pauschale Dosisreduktion beziehungsweise Verlängerung des s.c.-Intervalls wegen Laborabweichungen ist nicht ausreichend untersucht. [1]

Vor Therapiebeginn

Basis: Aktive Infektion ausschließen, Impfstatus prüfen; großes Blutbild, ALT/GPT, AST/GOT, Kreatinin und Lipidprofil. BSG/CRP zur Ausgangsaktivität. [5][1]

Tuberkulose – DZK: Anamnese, klinische Untersuchung, IGRA und Thorax-Röntgen vor Beginn; aktive Tbc ausschließen. Bei LTBI präventive Therapie vor IL-6-Blockade beginnen. Kürzere Rifamycin-Schemata bevorzugen: Rifampicin 4 Monate oder Rifampicin plus Isoniazid 3 Monate; alternativ Isoniazid 9 Monate. Wechselwirkungen und Resistenzanamnese berücksichtigen. [8]

Beginn unter LTBI-Prävention: Die gemeinsame Stellungnahme DZK/DGRh/DDG 2021 empfiehlt mindestens 4 Wochen präventive Therapie vor der Immunsuppression. Die S2k-Leitlinie 2022 bezeichnet den frühestmöglichen Start als nicht gesichert und beschreibt 4–8 Wochen als in der Literatur sicher angesehenen Vorlauf. Bei dringlicher Immunsuppression Zeitpunkt interdisziplinär unter Berücksichtigung der Grunderkrankung und des Präventionsverlaufs festlegen. [9][8]

HBV-Screening: HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs; bei HBsAg+ oder Anti-HBc+ zusätzlich HBV-DNA. [10]

HBV-StatusRisiko und Vorgehen
HBsAg+ oder HBsAg−/Anti-HBc+ mit HBV-DNA+ vor TherapiebeginnHoch (>10 %): antivirale Prophylaxe. [11]
HBsAg−/Anti-HBc+; HBV-DNA−Risiko unzureichend quantifiziert; Prophylaxe/Kontrollen nach Gesamtregime hepatologisch festlegen. [10]

Gesamtrisiko: Glukokortikoiddosis/-dauer, weitere Immunsuppression sowie Chemo-/Transplantationsregime berücksichtigen. Anti-HBs+ schließt bei Anti-HBc+ eine Reaktivierung nicht aus. Wenn erforderliche HBV-Kontrollen nicht gesichert sind: Prophylaxe. [10][11]

Kontrollen ohne Prophylaxe: bei HBsAg−/Anti-HBc+/HBV-DNA− HBsAg, HBV-DNA und ALT alle 1–3 Monate. Bei neuem DNA-Nachweis oder HBsAg-Reversion sofort antiviral behandeln, vor Hepatitis. [10]

Prophylaxe: Entecavir oder Tenofovir (TDF/TAF) vor Immunsuppression beginnen, währenddessen und danach 6–12 Monate (bei B-Zell-Depletion mindestens 18 Monate) fortführen. Nach Absetzen weiter überwachen; bei eigenständiger HBV-Therapieindikation länger behandeln. [10]

Impfung: Bei HBsAg−/Anti-HBc− und fehlendem Impfschutz möglichst vor Immunsuppression impfen; Schema und Erfolgskontrolle. [10][12]

Labor vor Beginn – Fachinformation: Bei ANC <2 × 10⁹/l Beginn nicht empfohlen. Bei Thrombozyten <100 × 10³/µl sowie ALT/AST >1,5 × obere Normgrenze sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung; bei ALT/AST >5 × obere Normgrenze Beginn bei RA, RZA, sJIA/pJIA nicht empfohlen. [1]

DGRh-Arztbogen 11/2019: Beginn bereits bei ALT/AST >3 × obere Normgrenze beziehungsweise Thrombozyten <100 × 10³/µl nicht empfohlen. [5]

COVID-19 – gesonderte FI-Grenzen: Keine Gabe bei weiterer aktiver schwerer Infektion. Bei ALT/AST ≥10 × obere Normgrenze, ANC <1 × 10⁹/l oder Thrombozyten <50 × 10³/µl Gabe nicht empfohlen. [1]

Divertikulitis/Ulzera: Anamnese und Begleitmedikation, insbesondere Glukokortikoide, prüfen; erhöhtes Risiko gastrointestinaler Perforation berücksichtigen. Patientenpass aushändigen. [1][5]

Kontrollen

ALT/AST bei RA, RZA, sJIA/pJIA: In den ersten 6 Monaten alle 4–8 Wochen, danach alle 12 Wochen. Bei klinischem Anlass Bilirubin und weitere Leberparameter. [1]

Neutrophile/Thrombozyten: RA/RZA erstmals 4–8 Wochen nach Beginn, danach regelmäßig. sJIA/pJIA bereits bei der zweiten Gabe, danach entsprechend dem klinischen Verlauf. [1]

DGRh-Verlauf: Großes Blutbild und ALT/AST in den ersten 3 Monaten alle 4 Wochen; bei stabil normalen Werten danach alle 8–12 Wochen. Lipide nach 4–8 Wochen und danach alle 6 Monate; Dyslipidämie behandeln. [5]

Infektionsbeurteilung: CRP-Anstieg kann verzögert oder stark abgeschwächt sein; auch bei normalem CRP klinische Infektionszeichen abklären. Bei schwerer Infektion pausieren, bis sie kontrolliert ist. [1][5]

Wirkbeginn und Therapiebeurteilung

RA – DGRh: Wirkung meist innerhalb der ersten 4 Wochen; ohne Besserung nach 12 Wochen Fortführung überprüfen. [5]

sJIA i.v.: Klinische Besserung innerhalb von 6 Wochen zu erwarten; ohne Besserung Fortführung sorgfältig abwägen. [1]

pJIA i.v.: Ohne klinische Verbesserung innerhalb von 12 Wochen Fortführung sorgfältig abwägen. Für die s.c.-JIA-Behandlung nennt die FI ebenfalls eine Beurteilung nach 12 Wochen anhand der i.v.-Daten. [1]

Gegenanzeigen

Fachinformation: Überempfindlichkeit gegen Wirkstoff oder Bestandteile; aktive schwere Infektion. Die i.v.-Fachinformation nimmt die behandelte COVID-19-Erkrankung hiervon aus; zusätzliche aktive schwere Infektionen schließen die Gabe aus. [1]

DGRh-Arztbogen 11/2019: Führt außerdem chronische Virusinfektionen (HIV, aktive/persistierende Hepatitis B/C) und bekannte opportunistische Infektionen als Gegenanzeigen. Bei HBV die serologie- und risikobezogene DGVS-Empfehlung berücksichtigen. [5][10]

Nebenwirkungen und Maßnahmen

Häufige Befunde: Atemwegsinfektionen, Kopfschmerzen, Hypertonie, Transaminasen- und Lipiderhöhungen sowie Neutropenie/Leukopenie; lokale Reaktionen nach s.c.-Injektion. [1]

Schwere Infektion oder Leberschädigung: Umgehend abklären. Bei Infektion pausieren; bei Leberschaden Laborgrenzen und klinischen Verlauf berücksichtigen. Akutes Leberversagen bis hin zur erforderlichen Transplantation wurde berichtet. [1]

Abdominelle Beschwerden: Neue Bauchschmerzen, Blutung oder veränderte Stuhlgewohnheiten unverzüglich auf Divertikulitis und Perforation untersuchen, auch bei niedrigem CRP. [1][5]

Anaphylaxie/schwere Überempfindlichkeit: Gabe sofort abbrechen und Tocilizumab dauerhaft absetzen; Notfallbehandlung einleiten. [1]

Still-Erkrankung: Bei Makrophagenaktivierungssyndrom können unter Tocilizumab Fieber, Ferritinanstieg und weitere Befunde abgeschwächt sein; klinischen Verlauf und Labortrends gemeinsam beurteilen. [2]

Wechselwirkungen

CYP-Substrate: Die Normalisierung entzündungsbedingt verminderter CYP1A2-, CYP2C9-, CYP2C19- und CYP3A4-Aktivität kann Wirkstoffspiegel senken. Bei Beginn und Ende engmaschig klinische Wirkung beziehungsweise Spiegel/INR prüfen, insbesondere bei individuell dosierten Arzneimitteln wie Vitamin-K-Antagonisten, Ciclosporin, Phenytoin und Theophyllin. Der Effekt kann nach Absetzen mehrere Wochen anhalten. [1]

Weitere Immuntherapie: Kombination mit anderen biologischen DMARDs oder JAK-Inhibitoren nach DGRh vermeiden. MTX erhöht das Risiko von Transaminasenanstiegen. [5][1]

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: Anwendbar, wenn zur wirksamen Kontrolle der mütterlichen Erkrankung erforderlich. [13]

Stillzeit: Mit dem Stillen vereinbar. [13]

Väterlicher Kinderwunsch: Fortführung möglich. [13]

Säuglingsimpfungen: Totimpfstoffe nach regulärem Impfplan. Nach intrauteriner Exposition im 2./3. Trimenon Lebendimpfungen bis zum Alter von 6 Monaten verschieben. [13]

Fachinformation: Zuverlässige Verhütung während und bis 3 Monate nach Therapieende. In der Schwangerschaft nur anwenden, wenn der klinische Zustand dies erfordert. Stillen oder Behandlung unter Abwägung des Nutzens für Kind und Mutter fortführen beziehungsweise unterbrechen. [1][7][6]

Impfungen

Nichtlebendimpfstoffe: Unter Therapie möglich; möglichst mindestens 2, besser 4 Wochen vor Beginn abschließen. Bei laufender Therapie möglichst in der Mitte des Dosierungsintervalls verabreichen. [14]

Lebendimpfstoffe: Während der Therapie vermeiden; mindestens 4 Wochen vor Beginn oder frühestens 2 Monate nach der letzten Dosis verabreichen. [1][14]

Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe

Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [12]

ImpfungIndikation / Schema
InfluenzaJährlich bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren; inaktivierter Impfstoff, ab 60 Jahren Hochdosis- oder MF59-adjuvantiert.
COVID-19Jährlich bei relevanter Immunsuppression/weiterem Risikofaktor oder ab 75 Jahren, bevorzugt Spätsommer/Frühherbst. Bei ausgeprägter Immundefizienz zusätzliche Dosen/verkürzte Abstände individuell. [15]
Pneumo­kokkenPCV20 bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren. Nach PCV13/15 ≥1 Jahr; nach PPSV23 ≥6 Jahre, bei ausgeprägter Immundefizienz gegebenenfalls ≥1 Jahr.
Herpes zosterAb 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression.
Hepatitis BBei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l.
RSVEinmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/Immundefizienz oder Pflegeheimbewohnenden. Möglichst vor der RSV-Saison.

Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [12]

Operationen

DGRh: Elektiven Eingriff unter Berücksichtigung von Infektions- und Schubrisiko am Ende des tatsächlich verwendeten Dosierungsintervalls planen; Wiederbeginn nach ausreichender Wundheilung ohne Infektion. [16]

ACR/AAHKS – elektive Hüft-/Knieendoprothetik bei entzündlicher Arthritis: Bei wöchentlicher s.c.-Gabe Operation in Woche 2, bei vierwöchentlicher i.v.-Gabe in Woche 5 nach der letzten Dosis. Wiederbeginn nach Wundheilung, Faden-/Klammerentfernung und ohne relevante Schwellung, Rötung, Sekretion oder andere Infektion, typischerweise nach etwa 14 Tagen. [17]

Alltag und Handhabung

S.c.-Anwendung: Injektionstechnik schulen; Bauch, Oberschenkel oder Oberarm verwenden und Stellen wechseln. Nicht in gereizte, verhärtete, verletzte oder vernarbte Haut injizieren. Nicht schütteln; trübe Lösung oder sichtbare Partikel ausschließen. [1]

Lagerung: 2–8 °C, nicht einfrieren, im Umkarton lichtgeschützt. Zeiten außerhalb des Kühlschranks sind präparat- und formabhängig. [1][18][19]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

RoActemra · 162 mg/0,9 ml s.c.

Fertigspritze: sJIA ab 1 Jahr und ≥10 kg, pJIA ab 2 Jahren. Fertigpen: ab 12 Jahren. Beide auch RA/RZA; höchstens 2 Wochen bei ≤30 °C. Vor Injektion Spritze 25–30 Minuten, Pen 45 Minuten bei Raumtemperatur erwärmen lassen. [1]

Tyenne · 162 mg/0,9 ml s.c.

Fertigspritze: sJIA ab 1 Jahr und ≥10 kg, pJIA ab 2 Jahren. Fertigpen: ab 12 Jahren. Beide auch RA/RZA; einmalig höchstens 14 Tage bei ≤30 °C. Spritze vor Injektion mindestens 30 Minuten, Pen 45 Minuten bei Raumtemperatur erwärmen lassen. [18]

Avtozma · 162 mg/0,9 ml s.c.

Fertigspritze: sJIA ab 1 Jahr und ≥10 kg, pJIA ab 2 Jahren. Fertigpen: ab 12 Jahren. Beide auch RA/RZA; nach Entnahme höchstens 3 Wochen bei ≤30 °C. [19]

S.c.-Formen: Vollständigen Inhalt injizieren. Die Altersgrenze des Pens gilt unabhängig vom gewichtsabhängigen Dosierungsintervall. [1][18][19]

RoActemra · 20 mg/ml i.v.

80 mg/4 ml, 200 mg/10 ml, 400 mg/20 ml. Verdünnung mit NaCl 0,9 %. Polysorbat 80: 0,5 mg/ml. [1]

Tyenne · 20 mg/ml i.v.

80 mg/4 ml, 200 mg/10 ml, 400 mg/20 ml. Verdünnung mit NaCl 0,9 % oder 0,45 %. Ungeöffnete Flasche einmalig bis 4 Wochen bei ≤25 °C. Polysorbat 80: 0,2 mg/ml. [18]

Avtozma · 20 mg/ml i.v.

80 mg/4 ml, 200 mg/10 ml, 400 mg/20 ml. Verdünnung mit NaCl 0,9 % oder 0,45 %. Ungeöffnete Flasche bis 5 Wochen bei ≤25 °C. [19]

Infusionszubereitung: Bei RA/COVID-19 sowie CRS ≥30 kg auf 100 ml Endvolumen; bei sJIA/pJIA/CRS <30 kg auf 50 ml, bei sJIA/pJIA ≥30 kg auf 100 ml. Entsprechendes NaCl-Volumen vor Zugabe entnehmen. Über 60 Minuten infundieren; keine Bolusgabe. Zubereitete Lösung aus mikrobiologischer Sicht sofort verwenden; validierte aseptische Herstellung und formbezogene FI-Stabilitätsgrenzen beachten. [1][18][19]

Überdosierung und Antidot

Begrenzte Daten: Die i.v.-Fachinformation beschreibt eine versehentliche Einzeldosis von 40 mg/kg bei einer Patientin mit multiplem Myelom ohne beobachtete Nebenwirkungen. Bei gesunden Freiwilligen wurden bis 28 mg/kg keine schwerwiegenden Nebenwirkungen beobachtet; eine dosislimitierende Neutropenie trat auf. [1]

Quellen und Links

Zielgerichtete synthetische DMARDs / JAK-Inhibitoren

Baricitinib
Kurzzusammenfassung
IndikationenRA · pJIA · Enthesitis-assoziierte Arthritis · juvenile PsA; atopische Dermatitis und Alopecia areata.
DosierungErwachsene: Meist 4 mg einmal täglich; 2 mg bei definierten Risiken.
Gegenanzeigen (Auswahl)Schwangerschaft.
Besondere SicherheitsmaßnahmenRisiken für schwere Infektionen, kardiovaskuläre Ereignisse, venöse Thromboembolien und Malignome prüfen; Alters-/Risikobeschränkungen und Blutbild-Startgrenzen beachten.
Wirkmechanismus

Reversibler JAK1-/JAK2-Inhibitor; vermindert die intrazelluläre Signalübertragung entzündungsrelevanter Zytokine. [1]

Indikationen

Rheumatoide Arthritis: Mittelschwere bis schwere aktive Erkrankung nach unzureichendem Ansprechen auf mindestens ein DMARD oder Unverträglichkeit; allein oder mit MTX. [1]

Polyartikuläre JIA: Aktive RF-positive oder RF-negative Polyarthritis oder erweiterte Oligoarthritis ab 2 Jahren nach unzureichendem Ansprechen auf konventionelle synthetische oder biologische DMARDs bzw. Unverträglichkeit; allein oder mit MTX. [1]

Enthesitis-assoziierte Arthritis: Aktive Erkrankung ab 2 Jahren nach unzureichendem Ansprechen auf konventionelle synthetische oder biologische DMARDs bzw. Unverträglichkeit; allein oder mit MTX. [1]

Juvenile Psoriasis-Arthritis: Aktive Erkrankung ab 2 Jahren nach unzureichendem Ansprechen auf konventionelle synthetische oder biologische DMARDs bzw. Unverträglichkeit; allein oder mit MTX. [1]

Atopische Dermatitis: Mittelschwere bis schwere Erkrankung ab 2 Jahren bei Eignung für eine systemische Therapie. [1]

Alopecia areata: Schwere Erkrankung ab 12 Jahren. [1]

Dosierung und Anwendung
IndikationDosierung
Rheumatoide Arthritis4 mg einmal täglich. [2]
Atopische Dermatitis4 mg einmal täglich.
Alopecia areata4 mg einmal täglich.

Niedrigere Dosis: 2 mg einmal täglich ab 65 Jahren, bei erhöhtem VTE-, MACE- oder Malignomrisiko sowie bei chronischen oder wiederkehrenden Infektionen. Bei unzureichender anhaltender Kontrolle mit 2 mg können 4 mg erwogen werden. Bei anhaltender Kontrolle mit 4 mg Reduktion auf 2 mg erwägen. [1]

Atopische Dermatitis: Mit oder ohne topische Corticosteroide; topische Calcineurininhibitoren auf empfindliche Bereiche begrenzen. [1]

Pädiatrische Dosierungen

Polyartikuläre JIA · ab 2 Jahren

KörpergewichtDosierung
10 bis <30 kg2 mg einmal täglich.
≥30 kg4 mg einmal täglich.

Enthesitis-assoziierte Arthritis · ab 2 Jahren

KörpergewichtDosierung
10 bis <30 kg2 mg einmal täglich.
≥30 kg4 mg einmal täglich.

Juvenile Psoriasis-Arthritis · ab 2 Jahren

KörpergewichtDosierung
10 bis <30 kg2 mg einmal täglich.
≥30 kg4 mg einmal täglich.

Atopische Dermatitis · ab 2 Jahren

KörpergewichtDosierung
10 bis <30 kg2 mg einmal täglich.
≥30 kg4 mg einmal täglich.

Alopecia areata · 12–17 Jahre

Ab 30 kg 4 mg einmal täglich; bei anhaltender Kontrolle Reduktion auf 2 mg erwägen. Für Kinder unter 12 Jahren oder unter 30 kg sind Sicherheit und Wirksamkeit nicht erwiesen. [1]

Reduktion bei atopischer Dermatitis: Bei anhaltender Kontrolle Halbierung der Dosis erwägen. Die pädiatrischen FI-Tabellen beginnen bei 10 kg. [1]

Dosisanpassung
SituationVorgehen
Kreatininclearance 30–60 ml/min2 mg einmal täglich; bei Kindern die empfohlene Dosis halbieren.
Kreatininclearance <30 ml/minAnwendung nicht empfohlen.
Starke OAT3-Hemmung, z. B. Probenecid2 mg einmal täglich; bei Kindern die empfohlene Dosis halbieren.
Leichte oder mäßige LeberfunktionsstörungKeine Dosisanpassung.
Schwere LeberfunktionsstörungAnwendung nicht empfohlen.

Dosisanpassungen nach Fachinformation. [1]

Altersgrenze – Quellen: Die aktuelle Fachinformation empfiehlt 2 mg ab 65 Jahren. Der DGRh-Bogen von Juli 2022 nennt hierfür noch 75 Jahre. [1][2]

Vor Therapiebeginn

Basis: Aktive Infektion ausschließen, Impfstatus prüfen; großes Blutbild, ALT/GPT, AST/GOT, Kreatinin und Lipidprofil. BSG/CRP zur Ausgangsaktivität. [2][1]

Tuberkulose – DZK: Anamnese, klinische Untersuchung, IGRA und Thorax-Röntgen vor Beginn; aktive Tbc ausschließen. Bei LTBI präventive Therapie vor JAK-Hemmung beginnen. Kürzere Rifamycin-Schemata bevorzugen: Rifampicin 4 Monate oder Rifampicin plus Isoniazid 3 Monate; alternativ Isoniazid 9 Monate. Wechselwirkungen und Resistenzanamnese berücksichtigen. [3]

Beginn unter LTBI-Prävention: Die gemeinsame Stellungnahme DZK/DGRh/DDG 2021 empfiehlt mindestens 4 Wochen präventive Therapie vor der Immunsuppression. Die S2k-Leitlinie 2022 bezeichnet den frühestmöglichen Start als nicht gesichert und beschreibt 4–8 Wochen als in der Literatur sicher angesehenen Vorlauf. Bei dringlicher Immunsuppression Zeitpunkt interdisziplinär unter Berücksichtigung der Grunderkrankung und des Präventionsverlaufs festlegen. [4][3]

HBV-Screening: HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs; bei HBsAg+ oder Anti-HBc+ zusätzlich HBV-DNA. [5]

HBV-StatusRisiko und Vorgehen
HBsAg+ oder HBsAg−/Anti-HBc+ mit HBV-DNA+ vor TherapiebeginnHoch (>10 %): antivirale Prophylaxe. [6]
HBsAg−/Anti-HBc+; HBV-DNA−Moderat (1–10 %): Überwachung; bei erhöhtem Gesamtrisiko Prophylaxe erwägen. [6]

Gesamtrisiko: Glukokortikoiddosis/-dauer, weitere Immunsuppression sowie Chemo-/Transplantationsregime berücksichtigen. Anti-HBs+ schließt bei Anti-HBc+ eine Reaktivierung nicht aus. Wenn erforderliche HBV-Kontrollen nicht gesichert sind: Prophylaxe. [5][6]

Kontrollen ohne Prophylaxe: Bei HBsAg+ und niedrigem Gesamtrisiko HBV-DNA/ALT spätestens alle 8 Wochen; bei HBsAg−/Anti-HBc+/HBV-DNA− HBsAg, HBV-DNA und ALT alle 1–3 Monate. Bei neuem DNA-Nachweis oder HBsAg-Reversion sofort antiviral behandeln, vor Hepatitis. [5]

Prophylaxe: Entecavir oder Tenofovir (TDF/TAF) vor Immunsuppression beginnen, währenddessen und danach 6–12 Monate (bei B-Zell-Depletion mindestens 18 Monate) fortführen. Nach Absetzen weiter überwachen; bei eigenständiger HBV-Therapieindikation länger behandeln. [5]

Impfung: Bei HBsAg−/Anti-HBc− und fehlendem Impfschutz möglichst vor Immunsuppression impfen; Schema und Erfolgskontrolle. [5][7]

Virushepatitis: Vor Beginn zusätzlich auf Hepatitis C entsprechend den klinischen Leitlinien untersuchen. [1]

Therapiewahl bei erhöhtem Risiko: Ab 65 Jahren, bei atherosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder anderen kardiovaskulären Risikofaktoren einschließlich aktuellem oder früherem langjährigem Rauchen sowie bei Risikofaktoren für maligne Erkrankungen nur anwenden, wenn keine geeigneten Behandlungsalternativen zur Verfügung stehen. [1]

Venöse Thromboembolien: Frühere VTE, größere Operation, Immobilisierung, kombinierte hormonelle Kontrazeption/Hormonersatztherapie und erbliche Gerinnungsstörungen erfassen; bei entsprechenden Risiken vorsichtig anwenden und im Verlauf erneut bewerten. [1]

Blutbild: Kein Beginn bei Neutrophilen <1 × 10⁹/l, Lymphozyten <0,5 × 10⁹/l oder Hb <8 g/dl. [1]

Kontrollen

Infektionen: Bei fehlendem Ansprechen auf Standardtherapie pausieren; erst nach Ausheilung wieder beginnen. [1]

DGRh-Verlaufskontrollen: Klinisch nach Infektionszeichen, insbesondere Fieber, Atemwegsbeschwerden, Herpes zoster, Durchfall und Gewichtsverlust fragen. Sicherheitslabor mit Differenzialblutbild, ALT/GPT und AST/GOT in den ersten 3 Monaten etwa alle 4 Wochen, bei stabilen Werten danach alle 8–12 Wochen; zusätzliche Kontrollen nach Begleitmedikation. BSG/CRP im Verlauf zur Krankheitsaktivität. [2]

Lipide: Fachinformation: nach etwa 12 Wochen, danach nach Hyperlipidämie-Leitlinien. DGRh 07/2022: nach 4–8 Wochen, danach halbjährlich. [1][2]

Unterbrechung: Bei schwerer Infektion pausieren, bis diese kontrolliert ist. Bei Herpes zoster pausieren, bis die Infektion abgeklungen ist. Bei Verdacht auf arzneimittelbedingte Leberschädigung pausieren und Ursache klären. Bei VTE-Verdacht absetzen und unverzüglich untersuchen. [1]

Weitere Überwachung: Kardiovaskuläres Risiko, VTE-Risiko und Tumorrisiko regelmäßig neu bewerten; regelmäßige Hautuntersuchungen. Neu auftretende Bauchschmerzen unverzüglich auf Divertikulitis oder Perforation abklären. [1]

ParameterVorgehen
Neutrophile <1 × 10⁹/lNicht beginnen bzw. pausieren; Wiederbeginn bei >1 × 10⁹/l.
Lymphozyten <0,5 × 10⁹/lNicht beginnen bzw. pausieren; Wiederbeginn bei >0,5 × 10⁹/l.
Hb <8 g/dlNicht beginnen bzw. pausieren; Wiederbeginn bei >8 g/dl.

Grenzen nach Fachinformation. [1]

Wirkbeginn und Therapiebeurteilung

Rheumatologische Therapie – DGRh: Wirkung häufig ab etwa 1 Woche; bei fehlender Besserung nach 12 Wochen Fortführung überprüfen. [2]

Atopische Dermatitis: Bei fehlendem therapeutischem Nutzen nach 8 Wochen Absetzen erwägen. [1]

Alopecia areata: Nach stabilem Ansprechen mehrere Monate weiterbehandeln; Nutzen/Risiko regelmäßig überprüfen. Ohne therapeutischen Nutzen nach 36 Wochen Absetzen erwägen. [1]

JIA: Ohne therapeutischen Nutzen nach 12 Wochen Absetzen erwägen. [1]

Gegenanzeigen

Schwangerschaft; Überempfindlichkeit gegen Wirkstoff oder Bestandteile. [1]

Weitere Anwendungsbeschränkungen: Bei aktiver Tuberkulose nicht anwenden; schwere Infektionen vor Beginn behandeln. Nieren-/Leberbeschränkungen und Blutbildgrenzen siehe oben. [1]

Nebenwirkungen und Maßnahmen

Auswahl: Infektionen der oberen Atemwege, Herpes zoster/simplex, Harnwegsinfekte, Übelkeit, Akne; Hypercholesterinämie, Transaminasen-/CK-Anstieg und Blutbildveränderungen. Schwere/opportunistische Infektionen, VTE, MACE, maligne Erkrankungen einschließlich nichtmelanozytärem Hautkrebs sowie Divertikulitis und gastrointestinale Perforation beachten. [1]

Diabetes: Bei Hypoglykämie nach Therapiebeginn gegebenenfalls Antidiabetika anpassen. [1]

Wechselwirkungen

Immunsuppression: Kombination mit Biologika oder anderen JAK-Hemmern nicht empfohlen. Bei RA/JIA sind Daten zu Azathioprin, Tacrolimus und Ciclosporin begrenzt; FI: Vorsicht, DGRh rät von diesen Kombinationen ab. Bei atopischer Dermatitis/Alopecia areata Kombination mit potenten Immunsuppressiva nicht empfohlen. [1][2]

Transporter: Probenecid erfordert Dosisreduktion. Bei Leflunomid/Teriflunomid wegen möglicher Expositionserhöhung vorsichtig vorgehen; keine feste Reduktionsdosis für diese Kombination belegt. Für Ibuprofen/Diclofenac wird keine klinisch relevante pharmakokinetische Interaktion erwartet. [1]

Rifampicin: Keine klinisch relevante Änderung der Baricitinib-Exposition in der Interaktionsstudie. [1]

Tumoranamnese

Tumoranamnese bei entzündlicher Arthritis: JAK-Hemmer nach EULAR mit Vorsicht und nur bei fehlenden therapeutischen Alternativen einsetzen. Bei Tumorerkrankung ohne Remission Therapieentscheidung gemeinsam mit Patient und onkologisch behandelndem Team treffen. [8]

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: Vor geplanter Schwangerschaft auf eine schwangerschaftsverträgliche Therapie umstellen; während der Schwangerschaft wegen unzureichender Sicherheitsdaten vermeiden. [9]

Stillzeit: Wegen unzureichender Sicherheitsdaten eine stillverträgliche Alternative wählen. [9]

Väterlicher Kinderwunsch: Umstellung auf eine alternative antirheumatische Therapie erwägen; begrenzte Daten zur väterlichen Exposition. [9]

Fachinformation: Schwangerschaft ist kontraindiziert. Zuverlässige Verhütung während der Behandlung und mindestens 1 Woche nach der letzten Dosis. Während der Stillzeit nicht anwenden; Stillen oder Therapie unter Abwägung des Nutzens unterbrechen. [1]

Impfungen

Nichtlebendimpfstoffe: Unter Therapie möglich; möglichst mindestens 2, besser 4 Wochen vor Beginn abschließen. [10]

Lebendimpfstoffe – Fachinformation: Während der Behandlung vermeiden; Impfstatus vor Beginn vervollständigen. [1]

Abstand zu Lebendimpfstoffen: Mindestens 4 Wochen vor Beginn oder frühestens 1 Monat nach Therapieende. [10]

Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe

Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [7]

ImpfungIndikation / Schema
InfluenzaJährlich bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren; inaktivierter Impfstoff, ab 60 Jahren Hochdosis- oder MF59-adjuvantiert.
COVID-19Jährlich bei relevanter Immunsuppression/weiterem Risikofaktor oder ab 75 Jahren, bevorzugt Spätsommer/Frühherbst. Bei ausgeprägter Immundefizienz zusätzliche Dosen/verkürzte Abstände individuell. [11]
Pneumo­kokkenPCV20 bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren. Nach PCV13/15 ≥1 Jahr; nach PPSV23 ≥6 Jahre, bei ausgeprägter Immundefizienz gegebenenfalls ≥1 Jahr.
Herpes zosterAb 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression. [12][1]
Hepatitis BBei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l.
RSVEinmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/Immundefizienz oder Pflegeheimbewohnenden. Möglichst vor der RSV-Saison.

Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [7]

Operationen

DGRh: Vor größeren Operationen JAK-Hemmer 3–4 Tage pausieren. Wiederbeginn abhängig von der Wundheilung möglichst bald, ohne Infektionszeichen. [13]

ACR/AAHKS – elektive Hüft-/Knieendoprothetik bei entzündlicher Arthritis: Drei Tage vor der Operation pausieren; Operation an Tag 4 nach der letzten Dosis. Wiederbeginn nach Wundheilung, Entfernung von Fäden/Klammern und ohne relevante Schwellung, Rötung, Sekretion oder anderweitige Infektion, typischerweise nach etwa 14 Tagen. [14]

Alltag und Handhabung

Einnahme: Einmal täglich mit oder ohne Nahrung. Bei Fieber, Gürtelrose, Atemnot, einseitiger Beinschwellung oder akutem Bauchschmerz umgehend ärztlich abklären. [1]

Tabletten bei kindlicher Schluckstörung: Benötigte ganze Tablette in 5–10 ml Wasser suspendieren, vorsichtig schwenken und sofort geben; Behältnis mit weiteren 5–10 ml Wasser nachspülen und Inhalt geben. Nur Wasser verwenden. Falls nicht alles eingenommen wurde, keine zusätzliche Tablette geben, sondern nächste reguläre Dosis abwarten. [1]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

Olumiant · Filmtabletten

1 mg, 2 mg und 4 mg. Keine besonderen Lagerungsbedingungen. In Wasser suspendierte Tablette bei Raumtemperatur bis 4 Stunden stabil; Zubereitung und sofortige Gabe siehe Handhabung. [1]

Olumiant · Suspension zum Einnehmen

2 mg/ml; 1 mg entspricht 0,5 ml, 2 mg entspricht 1 ml, 4 mg entspricht 2 ml. Vor jeder Gabe mindestens 10 Sekunden kräftig schütteln; nach >15 Minuten Standzeit erneut schütteln. Mit beiliegender Applikationsspritze abmessen. Nach Anbruch 90 Tage bei 10–30 °C stehend lagern. Enthält Sorbitol, Natriumbenzoat und Benzylalkohol. Enterale Sondengabe mit Verdünnung und Spülung gemäß FI 6.6 möglich. [1]

Überdosierung und Antidot

In Studien wurden Einzeldosen bis 40 mg und bis 20 mg täglich für 10 Tage ohne dosislimitierende Toxizität untersucht. Nach 40 mg einmalig sind >90 % Elimination innerhalb von 24 Stunden zu erwarten. Auf Nebenwirkungen überwachen und bei Bedarf behandeln. [1]

Quellen und Links
Filgotinib
Kurzzusammenfassung
IndikationenRheumatoide Arthritis und Colitis ulcerosa nach Fachinformation.
DosierungRA: 200 mg einmal täglich; ab 65 Jahren oder bei erhöhtem VTE-/MACE-/Malignomrisiko 100 mg einmal täglich, bei unzureichender Kontrolle ggf. 200 mg. Colitis ulcerosa: Einleitung 200 mg einmal täglich; Erhaltung 100–200 mg risikoadaptiert.
Gegenanzeigen (Auswahl)Schwangerschaft; aktive Tbc oder aktive schwere Infektion.
Besondere SicherheitsmaßnahmenRisiken für schwere Infektionen, kardiovaskuläre Ereignisse, venöse Thromboembolien und Malignome prüfen; Alters-/Risikobeschränkungen und Blutbild-Startgrenzen beachten.
Wirkmechanismus

ATP-kompetitiver, reversibler JAK-Inhibitor mit bevorzugter Hemmung JAK1-abhängiger Signalwege; ein aktiver Metabolit trägt zur Wirkung bei. [1]

Indikationen

Rheumatoide Arthritis: Mittelschwere bis schwere aktive Erkrankung nach unzureichendem Ansprechen auf mindestens ein DMARD oder Unverträglichkeit; allein oder mit MTX. [1]

Colitis ulcerosa: Mittelschwere bis schwere aktive Erkrankung nach unzureichendem Ansprechen, Wirkverlust oder Unverträglichkeit unter konventioneller oder biologischer Therapie. [1]

Dosierung und Anwendung

Rheumatoide Arthritis

200 mg einmal täglich. Bei erhöhtem VTE-, MACE- oder Malignomrisiko sowie ab 65 Jahren 100 mg einmal täglich; bei unzureichender Krankheitskontrolle Steigerung auf 200 mg möglich. Niedrigste wirksame Langzeitdosis. [1][2]

Colitis ulcerosa

PhaseDosierung
Einleitung200 mg einmal täglich für 10 Wochen; bei unzureichendem Nutzen weitere 12 Wochen möglich, insgesamt 22 Wochen. Ohne therapeutischen Nutzen nach 22 Wochen absetzen.
Erhaltung200 mg einmal täglich. Bei erhöhtem VTE-/MACE-/Malignomrisiko oder ab 65 Jahren 100 mg einmal täglich; bei Krankheitsschub Steigerung auf 200 mg möglich. Niedrigste wirksame Dosis.

Ab 75 Jahren: Bei Colitis ulcerosa mangels Daten nicht empfohlen. [1]

Pädiatrische Dosierungen

Unter 18 Jahren sind Sicherheit und Wirksamkeit nicht erwiesen; keine zugelassene pädiatrische Dosierung. [1]

Dosisanpassung
SituationVorgehen
Kreatininclearance ≥60 ml/minKeine Dosisanpassung.
Kreatininclearance 15 bis <60 ml/min100 mg einmal täglich; gilt auch für die CU-Einleitung.
Kreatininclearance <15 ml/minAnwendung nicht empfohlen.
Child-Pugh A/BKeine Dosisanpassung.
Child-Pugh CAnwendung nicht empfohlen.

Anpassungen nach Fachinformation. [1]

Altersgrenze – Quellen: Aktuelle FI: Bei RA ab 65 Jahren 100 mg als empfohlene Dosis. DGRh 01/2023 nennt noch 75 Jahre für die niedrigere Anfangsdosis. [1][2]

Vor Therapiebeginn

Basis: Aktive Infektion ausschließen, Impfstatus prüfen; großes Blutbild, ALT/GPT, AST/GOT, Kreatinin und Lipidprofil. BSG/CRP zur Ausgangsaktivität. [2][1]

Tuberkulose – DZK: Anamnese, klinische Untersuchung, IGRA und Thorax-Röntgen vor Beginn; aktive Tbc ausschließen. Bei LTBI präventive Therapie vor JAK-Hemmung beginnen. Kürzere Rifamycin-Schemata bevorzugen: Rifampicin 4 Monate oder Rifampicin plus Isoniazid 3 Monate; alternativ Isoniazid 9 Monate. Wechselwirkungen und Resistenzanamnese berücksichtigen. [3]

Beginn unter LTBI-Prävention: Die gemeinsame Stellungnahme DZK/DGRh/DDG 2021 empfiehlt mindestens 4 Wochen präventive Therapie vor der Immunsuppression. Die S2k-Leitlinie 2022 bezeichnet den frühestmöglichen Start als nicht gesichert und beschreibt 4–8 Wochen als in der Literatur sicher angesehenen Vorlauf. Bei dringlicher Immunsuppression Zeitpunkt interdisziplinär unter Berücksichtigung der Grunderkrankung und des Präventionsverlaufs festlegen. [4][3]

HBV-Screening: HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs; bei HBsAg+ oder Anti-HBc+ zusätzlich HBV-DNA. [5]

HBV-StatusRisiko und Vorgehen
HBsAg+ oder HBsAg−/Anti-HBc+ mit HBV-DNA+ vor TherapiebeginnHoch (>10 %): antivirale Prophylaxe. [6]
HBsAg−/Anti-HBc+; HBV-DNA−Moderat (1–10 %): Überwachung; bei erhöhtem Gesamtrisiko Prophylaxe erwägen. [6]

Gesamtrisiko: Glukokortikoiddosis/-dauer, weitere Immunsuppression sowie Chemo-/Transplantationsregime berücksichtigen. Anti-HBs+ schließt bei Anti-HBc+ eine Reaktivierung nicht aus. Wenn erforderliche HBV-Kontrollen nicht gesichert sind: Prophylaxe. [5][6]

Kontrollen ohne Prophylaxe: Bei HBsAg+ und niedrigem Gesamtrisiko HBV-DNA/ALT spätestens alle 8 Wochen; bei HBsAg−/Anti-HBc+/HBV-DNA− HBsAg, HBV-DNA und ALT alle 1–3 Monate. Bei neuem DNA-Nachweis oder HBsAg-Reversion sofort antiviral behandeln, vor Hepatitis. [5]

Prophylaxe: Entecavir oder Tenofovir (TDF/TAF) vor Immunsuppression beginnen, währenddessen und danach 6–12 Monate (bei B-Zell-Depletion mindestens 18 Monate) fortführen. Nach Absetzen weiter überwachen; bei eigenständiger HBV-Therapieindikation länger behandeln. [5]

Impfung: Bei HBsAg−/Anti-HBc− und fehlendem Impfschutz möglichst vor Immunsuppression impfen; Schema und Erfolgskontrolle. [5][7]

Virushepatitis: Vor Beginn zusätzlich auf Hepatitis C entsprechend den klinischen Leitlinien untersuchen. [1]

Therapiewahl bei erhöhtem Risiko: Ab 65 Jahren, bei atherosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder anderen kardiovaskulären Risikofaktoren einschließlich aktuellem oder früherem langjährigem Rauchen sowie bei Risikofaktoren für maligne Erkrankungen nur anwenden, wenn keine geeigneten Behandlungsalternativen zur Verfügung stehen. [1]

Venöse Thromboembolien: Frühere VTE, größere Operation, Immobilisierung, kombinierte hormonelle Kontrazeption/Hormonersatztherapie und erbliche Gerinnungsstörungen erfassen; bei entsprechenden Risiken vorsichtig anwenden und im Verlauf erneut bewerten. [1]

Startgrenzen: Kein Beginn bei Neutrophilen <1 × 10⁹/l, Lymphozyten <0,5 × 10⁹/l oder Hb <8 g/dl. [1]

Kontrollen

DGRh-Verlaufskontrollen: Klinisch nach Infektionszeichen, insbesondere Fieber, Atemwegsbeschwerden, Herpes zoster, Durchfall und Gewichtsverlust fragen. Sicherheitslabor mit Differenzialblutbild, ALT/GPT und AST/GOT in den ersten 3 Monaten etwa alle 4 Wochen, bei stabilen Werten danach alle 8–12 Wochen; zusätzliche Kontrollen nach Begleitmedikation. BSG/CRP im Verlauf zur Krankheitsaktivität. [2]

Lipide: Nach etwa 12 Wochen; anschließend nach Hyperlipidämie-Leitlinien, nach DGRh etwa halbjährlich. [1][2]

Unterbrechung: Bei schwerer Infektion pausieren, bis diese kontrolliert ist. Bei Herpes zoster pausieren, bis die Infektion abgeklungen ist. Bei VTE-Verdacht absetzen und unverzüglich untersuchen. [1]

Weitere Überwachung: Kardiovaskuläres Risiko, VTE-Risiko und Tumorrisiko regelmäßig neu bewerten; regelmäßige Hautuntersuchungen. [1]

ParameterVorgehen
Neutrophile <1 × 10⁹/lNicht beginnen bzw. pausieren; Wiederbeginn bei >1 × 10⁹/l.
Lymphozyten <0,5 × 10⁹/lNicht beginnen bzw. pausieren; Wiederbeginn bei >0,5 × 10⁹/l.
Hb <8 g/dlNicht beginnen bzw. pausieren; Wiederbeginn bei >8 g/dl.

Grenzen nach Fachinformation. [1]

Wirkbeginn und Therapiebeurteilung

Rheumatoide Arthritis – DGRh: Wirkung häufig ab etwa 1 Woche; ohne Besserung nach 12 Wochen Fortführung überprüfen. [2]

Colitis ulcerosa: Nach 10 Wochen über verlängerte Einleitung entscheiden; ohne therapeutischen Nutzen nach insgesamt 22 Wochen absetzen. [1]

Gegenanzeigen

Schwangerschaft; aktive Tuberkulose oder aktive schwere Infektion; Überempfindlichkeit gegen Wirkstoff oder Bestandteile. [1]

Weitere Beschränkungen: Bei schwerer Leberfunktionsstörung oder Kreatininclearance <15 ml/min nicht empfohlen; Blutbildgrenzen beachten. [1]

Nebenwirkungen und Maßnahmen

Auswahl: Atemwegsinfektionen, Harnwegsinfekte, Übelkeit und Schwindel; Herpes zoster, Pneumonie, Neutropenie, Hypercholesterinämie und CK-Anstieg. Auch Kreatininanstiege und meist milde, vorübergehende Phosphatabfälle wurden beschrieben. Schwere/opportunistische Infektionen, VTE, MACE und maligne Erkrankungen einschließlich nichtmelanozytärem Hautkrebs beachten. [1]

Wechselwirkungen

Immunsuppression: Kombination mit anderen JAK-Hemmern, Biologika oder potenten Immunsuppressiva wie Ciclosporin und Tacrolimus nicht empfohlen; DGRh rät auch von der Kombination mit Azathioprin ab. [1][2]

CES2-Hemmer: Fenofibrat, Carvedilol, Diltiazem oder Simvastatin können die Carboxylesterase 2 in vitro hemmen; die klinische Relevanz für Filgotinib ist unbekannt. [1]

CYP1A2: Bei Substraten mit enger therapeutischer Breite Vorsicht; die Wirkung auf CYP1A2 ist nicht geklärt. Eine CYP2B6-Induktion in vivo kann nicht ausgeschlossen werden. Für Ethinylestradiol/Levonorgestrel keine Dosisanpassung erforderlich. [1]

Rifampicin oder Itraconazol: Laut FI-Interaktionsdaten keine Dosisanpassung von Filgotinib erforderlich. [1]

Tumoranamnese

Tumoranamnese bei entzündlicher Arthritis: JAK-Hemmer nach EULAR mit Vorsicht und nur bei fehlenden therapeutischen Alternativen einsetzen. Bei Tumorerkrankung ohne Remission Therapieentscheidung gemeinsam mit Patient und onkologisch behandelndem Team treffen. [8]

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: Vor geplanter Schwangerschaft auf eine schwangerschaftsverträgliche Therapie umstellen; während der Schwangerschaft wegen unzureichender Sicherheitsdaten vermeiden. [9]

Stillzeit: Wegen unzureichender Sicherheitsdaten eine stillverträgliche Alternative wählen. [9]

Väterlicher Kinderwunsch: Umstellung auf eine alternative antirheumatische Therapie erwägen. Für Filgotinib zeigte sich kein negativer Effekt auf die Spermienqualität; Daten zu Schwangerschaftsausgängen nach väterlicher Exposition sind weiterhin sehr begrenzt. [9]

Fachinformation: Schwangerschaft ist kontraindiziert. Zuverlässige Verhütung während der Behandlung und mindestens 1 Woche nach der letzten Dosis. Während der Stillzeit nicht anwenden; Stillen oder Therapie unter Abwägung des Nutzens unterbrechen. [1]

Fachinformation – männliche Fertilität: MANTA/MANTA-RAy: 248 Männer randomisiert, 240 im primären Vergleich auswertbar; mindestens 50 % Abnahme der Spermienkonzentration in Woche 13 unter 200 mg täglich bei 8/120 (6,7 %) versus Placebo 10/120 (8,3 %). Eingeschlossen waren Männer von 21–65 Jahren mit normalen Ausgangs-Samenparametern. Die FI berichtet auch in Woche 26 keinen Gruppenunterschied. Tierexperimentell wurden Fertilitäts-/Spermatogenesestörungen beobachtet. [1][10]

Impfungen

Nichtlebendimpfstoffe: Unter Therapie möglich; möglichst mindestens 2, besser 4 Wochen vor Beginn abschließen. [11]

Lebendimpfstoffe – Fachinformation: Während der Behandlung vermeiden; Impfstatus vor Beginn vervollständigen. [1]

Lebendimpfstoffe vor Beginn: Auch unmittelbar vor der Therapie nach Fachinformation vermeiden; erforderlichen Abstand nach Impfstoff und bestehender Immunsuppression planen. [1]

Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe

Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [7]

ImpfungIndikation / Schema
InfluenzaJährlich bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren; inaktivierter Impfstoff, ab 60 Jahren Hochdosis- oder MF59-adjuvantiert.
COVID-19Jährlich bei relevanter Immunsuppression/weiterem Risikofaktor oder ab 75 Jahren, bevorzugt Spätsommer/Frühherbst. Bei ausgeprägter Immundefizienz zusätzliche Dosen/verkürzte Abstände individuell. [12]
Pneumo­kokkenPCV20 bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren. Nach PCV13/15 ≥1 Jahr; nach PPSV23 ≥6 Jahre, bei ausgeprägter Immundefizienz gegebenenfalls ≥1 Jahr.
Herpes zosterAb 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression. [13][1]
Hepatitis BBei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l.
RSVEinmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/Immundefizienz oder Pflegeheimbewohnenden. Möglichst vor der RSV-Saison.

Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [7]

Operationen

DGRh: Vor größeren Operationen JAK-Hemmer 3–4 Tage pausieren. Wiederbeginn abhängig von der Wundheilung möglichst bald, ohne Infektionszeichen. [14]

Alltag und Handhabung

Einnahme: Einmal täglich mit oder ohne Nahrung; Tabletten im Ganzen schlucken. Teilen, Zerkleinern oder Zerkauen wurde nicht untersucht. Bei Schwindel nicht fahren oder Maschinen bedienen. [1]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

Jyseleca · Filmtabletten

100 mg und 200 mg; enthalten 76 mg bzw. 152 mg Lactose. Bei hereditärer Galactose-Intoleranz, völligem Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption nicht einnehmen. In Originalverpackung vor Feuchtigkeit schützen; Flasche fest verschlossen halten. [1]

Überdosierung und Antidot

Einmalige oder tägliche Gaben bis 450 mg wurden ohne dosislimitierende Toxizität untersucht. Nach 100 mg einmalig wurden etwa 50 % innerhalb von 24 Stunden und 90 % innerhalb von 72 Stunden eliminiert. Vitalzeichen und klinischen Zustand überwachen, unterstützend behandeln. Dialysierbarkeit ist nicht bekannt. [1]

Quellen und Links
Tofacitinib
Kurzzusammenfassung
IndikationenRA · PsA · AS · pJIA · juvenile PsA; Colitis ulcerosa nach jeweiliger Fachinformation.
DosierungRA/PsA/AS: 5 mg zweimal täglich oder 11 mg retard einmal täglich; Colitis ulcerosa-Einleitung: 10 mg zweimal täglich.
Gegenanzeigen (Auswahl)Schwangerschaft/Stillzeit; schwere Leberfunktionsstörung; aktive Tbc, schwere oder opportunistische Infektion/Sepsis.
Besondere SicherheitsmaßnahmenRisiken für schwere Infektionen, kardiovaskuläre Ereignisse, venöse Thromboembolien und Malignome prüfen; Alters-/Risikobeschränkungen und Blutbild-Startgrenzen beachten.
Wirkmechanismus

Reversibler Inhibitor der JAK-Familie; funktionell vor allem Hemmung JAK1-/JAK3-abhängiger Zytokinsignale. [1]

Indikationen

Rheumatoide Arthritis: Mittelschwere bis schwere aktive Erkrankung nach unzureichendem Ansprechen auf mindestens ein DMARD oder Unverträglichkeit; mit MTX, allein bei MTX-Unverträglichkeit oder wenn MTX ungeeignet ist. [1]

Psoriasis-Arthritis: Aktive Erkrankung nach unzureichendem Ansprechen auf ein DMARD oder Unverträglichkeit; in Kombination mit MTX. [1]

Ankylosierende Spondylitis: Aktive Erkrankung nach unzureichendem Ansprechen auf konventionelle Therapie. [1]

Polyartikuläre JIA: Ab 2 Jahren: aktive RF-positive/negative Polyarthritis oder erweiterte Oligoarthritis nach unzureichendem Ansprechen auf DMARDs; mit MTX oder allein, wenn MTX nicht vertragen wird oder ungeeignet ist. [1]

Juvenile Psoriasis-Arthritis: Aktive Erkrankung ab 2 Jahren nach unzureichendem Ansprechen auf DMARDs; mit MTX oder allein, wenn MTX nicht vertragen wird oder ungeeignet ist. [1]

Colitis ulcerosa: Mittelschwere bis schwere aktive Erkrankung nach unzureichendem Ansprechen, Wirkverlust oder Unverträglichkeit unter konventioneller oder biologischer Therapie; Filmtabletten. [1]

Darreichungsformen: 11 mg Retard nur für RA, PsA und AS. Pädiatrische Zulassungen betreffen 5-mg-Filmtabletten und 1-mg/ml-Lösung. [1]

Dosierung und Anwendung
IndikationDosierung
Rheumatoide Arthritis5 mg zweimal täglich oder 11 mg Retard einmal täglich.
Psoriasis-Arthritis5 mg zweimal täglich oder 11 mg Retard einmal täglich.
Ankylosierende Spondylitis5 mg zweimal täglich oder 11 mg Retard einmal täglich.

Rheumatologische Dosis nicht überschreiten. Wechsel zwischen 5 mg zweimal täglich und 11 mg Retard einmal täglich am Tag nach der letzten Dosis. [1][2]

Colitis ulcerosa

PhaseDosierung
Einleitung10 mg zweimal täglich für 8 Wochen; bei unzureichendem Nutzen weitere 8 Wochen, höchstens insgesamt 16 Wochen. Ohne therapeutischen Nutzen nach 16 Wochen absetzen.
Erhaltung5 mg zweimal täglich.

10 mg zweimal täglich zur Erhaltung: Bei VTE-, MACE- oder Malignomrisiko nicht empfohlen, außer wenn keine geeigneten Alternativen verfügbar sind. Ohne erhöhtes Risiko kann diese Dosis bei Ansprechverlust unter 5 mg zweimal täglich erwogen werden, wenn andere CU-Therapien, z. B. TNF-Hemmer, versagt haben. Höhere Dosis so kurz wie möglich; niedrigste wirksame Erhaltungsdosis. [1]

Erneute Einleitung nach Unterbrechung: Bei Wirkverlust können 10 mg zweimal täglich für 8 Wochen erwogen werden. [1]

Pädiatrische Dosierungen

Polyartikuläre JIA · ab 2 Jahren

KörpergewichtDosierung zweimal täglich
10 bis <20 kg3,2 mg = 3,2 ml der 1-mg/ml-Lösung je Gabe.
20 bis <40 kg4 mg = 4 ml der 1-mg/ml-Lösung je Gabe.
≥40 kg5 mg = 5 ml der Lösung oder eine 5-mg-Filmtablette je Gabe.

Juvenile Psoriasis-Arthritis · ab 2 Jahren

KörpergewichtDosierung zweimal täglich
10 bis <20 kg3,2 mg = 3,2 ml der 1-mg/ml-Lösung je Gabe.
20 bis <40 kg4 mg = 4 ml der 1-mg/ml-Lösung je Gabe.
≥40 kg5 mg = 5 ml der Lösung oder eine 5-mg-Filmtablette je Gabe.

Unter 40 kg Lösung verwenden. Unter 2 Jahren sowie für andere pädiatrische Indikationen sind Sicherheit und Wirksamkeit nicht erwiesen; die Gewichtstabelle beginnt bei 10 kg. [1]

Dosisanpassung
SituationVorgehen
Kreatininclearance ≥30 ml/minKeine renale Dosisanpassung.
Kreatininclearance <30 ml/min, einschließlich Hämodialyse5 mg zweimal täglich → 5 mg einmal täglich; 10 mg zweimal täglich → 5 mg zweimal täglich. Reduzierte Dosis auch nach Dialyse beibehalten.
Child-Pugh AKeine Dosisanpassung.
Child-Pugh B5 mg zweimal täglich → 5 mg einmal täglich; 10 mg zweimal täglich → 5 mg zweimal täglich.
Child-Pugh CKontraindiziert.
Starke CYP3A4-Hemmung oder mittelstarke CYP3A4- plus starke CYP2C19-HemmungTagesdosis halbieren: 5 mg zweimal täglich → einmal täglich; 10 mg zweimal täglich → 5 mg zweimal täglich.

Retardform: Falls Reduktion von 11 mg erforderlich ist, auf 5-mg-Filmtablette einmal täglich umstellen; Retardtablette nicht teilen. Ab 65 Jahren keine automatische Dosisreduktion, jedoch Risikobeschränkung der Therapiewahl beachten. [1]

Kinder: Bei Child-Pugh B, Kreatininclearance <30 ml/min oder den genannten Enzyminhibitoren gewichtsbezogene Einzeldosis einmal statt zweimal täglich geben. [1]

Vor Therapiebeginn

Basis: Aktive Infektion ausschließen, Impfstatus prüfen; großes Blutbild, ALT/GPT, AST/GOT, Kreatinin und Lipidprofil. BSG/CRP zur Ausgangsaktivität. [2][1]

Tuberkulose – DZK: Anamnese, klinische Untersuchung, IGRA und Thorax-Röntgen vor Beginn; aktive Tbc ausschließen. Bei LTBI präventive Therapie vor JAK-Hemmung beginnen. Kürzere Rifamycin-Schemata bevorzugen: Rifampicin 4 Monate oder Rifampicin plus Isoniazid 3 Monate; alternativ Isoniazid 9 Monate. Wechselwirkungen und Resistenzanamnese berücksichtigen. [3]

Beginn unter LTBI-Prävention: Die gemeinsame Stellungnahme DZK/DGRh/DDG 2021 empfiehlt mindestens 4 Wochen präventive Therapie vor der Immunsuppression. Die S2k-Leitlinie 2022 bezeichnet den frühestmöglichen Start als nicht gesichert und beschreibt 4–8 Wochen als in der Literatur sicher angesehenen Vorlauf. Bei dringlicher Immunsuppression Zeitpunkt interdisziplinär unter Berücksichtigung der Grunderkrankung und des Präventionsverlaufs festlegen. [4][3]

Tuberkulose – ergänzende Fachinformation: Prävention auch erwägen, wenn eine frühere latente oder aktive Tbc nicht nachweislich ausreichend behandelt wurde oder trotz negativem LTBI-Test Risikofaktoren bestehen; Tbc-Spezialisten hinzuziehen. [1]

HBV-Screening: HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs; bei HBsAg+ oder Anti-HBc+ zusätzlich HBV-DNA. [5]

HBV-StatusRisiko und Vorgehen
HBsAg+ oder HBsAg−/Anti-HBc+ mit HBV-DNA+ vor TherapiebeginnHoch (>10 %): antivirale Prophylaxe. [6]
HBsAg−/Anti-HBc+; HBV-DNA−Moderat (1–10 %): Überwachung; bei erhöhtem Gesamtrisiko Prophylaxe erwägen. [6]

Gesamtrisiko: Glukokortikoiddosis/-dauer, weitere Immunsuppression sowie Chemo-/Transplantationsregime berücksichtigen. Anti-HBs+ schließt bei Anti-HBc+ eine Reaktivierung nicht aus. Wenn erforderliche HBV-Kontrollen nicht gesichert sind: Prophylaxe. [5][6]

Kontrollen ohne Prophylaxe: Bei HBsAg+ und niedrigem Gesamtrisiko HBV-DNA/ALT spätestens alle 8 Wochen; bei HBsAg−/Anti-HBc+/HBV-DNA− HBsAg, HBV-DNA und ALT alle 1–3 Monate. Bei neuem DNA-Nachweis oder HBsAg-Reversion sofort antiviral behandeln, vor Hepatitis. [5]

Prophylaxe: Entecavir oder Tenofovir (TDF/TAF) vor Immunsuppression beginnen, währenddessen und danach 6–12 Monate (bei B-Zell-Depletion mindestens 18 Monate) fortführen. Nach Absetzen weiter überwachen; bei eigenständiger HBV-Therapieindikation länger behandeln. [5]

Impfung: Bei HBsAg−/Anti-HBc− und fehlendem Impfschutz möglichst vor Immunsuppression impfen; Schema und Erfolgskontrolle. [5][7]

Virushepatitis: Vor Beginn zusätzlich auf Hepatitis C entsprechend den klinischen Leitlinien untersuchen. [1]

Therapiewahl bei erhöhtem Risiko: Ab 65 Jahren, bei atherosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder anderen kardiovaskulären Risikofaktoren einschließlich aktuellem oder früherem langjährigem Rauchen sowie bei Risikofaktoren für maligne Erkrankungen nur anwenden, wenn keine geeigneten Behandlungsalternativen zur Verfügung stehen. [1]

Venöse Thromboembolien: Frühere VTE, größere Operation, Immobilisierung, kombinierte hormonelle Kontrazeption/Hormonersatztherapie und erbliche Gerinnungsstörungen erfassen; bei entsprechenden Risiken vorsichtig anwenden und im Verlauf erneut bewerten. [1]

Startgrenzen: Kein Beginn bei Lymphozyten <750/µl. Neutrophile mindestens 1.000/µl, bei Kindern mindestens 1.200/µl; Hb mindestens 9 g/dl, bei Kindern mindestens 10 g/dl. [1]

Kontrollen

DGRh-Verlaufskontrollen: Klinisch nach Infektionszeichen, insbesondere Fieber, Atemwegsbeschwerden, Herpes zoster, Durchfall und Gewichtsverlust fragen. Sicherheitslabor mit Differenzialblutbild, ALT/GPT und AST/GOT in den ersten 3 Monaten etwa alle 4 Wochen, bei stabilen Werten danach alle 8–12 Wochen; zusätzliche Kontrollen nach Begleitmedikation. BSG/CRP im Verlauf zur Krankheitsaktivität. [2]

FI-Laborintervalle: Lymphozyten vor Beginn und alle 3 Monate; Neutrophile und Hb vor Beginn, nach 4–8 Wochen und danach alle 3 Monate. Leberwerte regelmäßig. Lipide nach 8 Wochen; DGRh zusätzlich halbjährlich. [1][2]

Unterbrechung: Bei schwerer Infektion pausieren, bis diese kontrolliert ist. Bei Herpes zoster eine Pause bis zum Abklingen erwägen. Bei Verdacht auf arzneimittelbedingte Leberschädigung pausieren und Ursache klären. Bei VTE-Verdacht absetzen und unverzüglich untersuchen. [1]

Weitere Überwachung: Kardiovaskuläres Risiko, VTE-Risiko und Tumorrisiko regelmäßig neu bewerten; regelmäßige Hautuntersuchungen. Neu auftretende Bauchschmerzen unverzüglich auf Divertikulitis oder Perforation abklären. [1]

BefundVorgehen
Lymphozyten 500–750/µl, zwei aufeinanderfolgende Messungen10 mg zweimal täglich auf 5 mg zweimal täglich reduzieren; 5 mg zweimal täglich pausieren. Nach Erholung auf >750/µl wieder steigern bzw. wieder beginnen.
Lymphozyten <500/µl, innerhalb 7 Tagen bestätigtAbsetzen.
Neutrophile 500–1.000/µl, zwei aufeinanderfolgende Messungen10 mg zweimal täglich auf 5 mg zweimal täglich reduzieren; 5 mg zweimal täglich pausieren. Nach Erholung auf >1.000/µl wieder steigern bzw. wieder beginnen.
Neutrophile <500/µl, innerhalb 7 Tagen bestätigtAbsetzen.
Hb-Abfall >2 g/dl oder Hb <8 g/dl, bestätigtBis zur Normalisierung unterbrechen.

Bei Kindern mit niedrigerer gewichtsbezogener Dosis in den genannten Bereichen nach FI Dosis reduzieren oder unterbrechen, bis die Werte wieder über der jeweiligen Schwelle liegen. [1]

Abweichender FI-Fließtext: Abschnitt 4.4 empfiehlt bei bestätigten Lymphozyten <750/µl, die Therapie nicht fortzuführen. Abschnitt 4.2 sieht für anhaltende 500–750/µl abhängig von der bisherigen Dosis Reduktion oder Pause vor. [1]

Wirkbeginn und Therapiebeurteilung

Rheumatologische Therapie – DGRh: Wirkung häufig ab etwa 1 Woche; ohne Besserung nach 12 Wochen Fortführung überprüfen. [2]

Ankylosierende Spondylitis: Ohne klinische Besserung nach 16 Wochen Fortführung sorgfältig prüfen. [1]

Polyartikuläre JIA: Ohne klinische Besserung nach 18 Wochen Fortführung sorgfältig prüfen. [1]

Juvenile Psoriasis-Arthritis: Ohne klinische Besserung nach 18 Wochen Fortführung sorgfältig prüfen. [1]

Gegenanzeigen

Schwere Leberfunktionsstörung; Schwangerschaft und Stillzeit; aktive Tuberkulose, schwere Infektionen wie Sepsis oder opportunistische Infektionen; Überempfindlichkeit gegen Wirkstoff oder Bestandteile. [1]

Nebenwirkungen und Maßnahmen

Auswahl: Atemwegsinfektionen, Pneumonie, Herpes zoster, Harnwegsinfekte; Lymphopenie, Neutropenie, Anämie; Hyperlipidämie, Gewichtszunahme, Kopfschmerz, Übelkeit, Transaminasen-/CK-Anstieg. Schwere/opportunistische Infektionen, VTE, MACE, maligne Erkrankungen einschließlich nichtmelanozytärem Hautkrebs und gastrointestinale Perforation beachten. [1]

Diabetes: Bei Hypoglykämie nach Beginn gegebenenfalls Antidiabetika anpassen. [1]

Wechselwirkungen

Immunsuppression: Kombination mit Biologika oder potenten Immunsuppressiva wie Azathioprin, 6-Mercaptopurin, Tacrolimus oder Ciclosporin vermeiden. [1]

Enzymhemmung: Starke CYP3A4-Inhibitoren wie Ketoconazol oder mittelstarke CYP3A4- plus starke CYP2C19-Hemmung wie durch Fluconazol erfordern die oben angegebene Dosisreduktion. [1]

Enzyminduktion: Kombination mit starken CYP3A4-Induktoren wie Rifampicin wegen möglichen Wirkverlusts nicht empfohlen; bei LTBI-Prävention die Schemawahl abstimmen. [1][3]

Tumoranamnese

Tumoranamnese bei entzündlicher Arthritis: JAK-Hemmer nach EULAR mit Vorsicht und nur bei fehlenden therapeutischen Alternativen einsetzen. Bei Tumorerkrankung ohne Remission Therapieentscheidung gemeinsam mit Patient und onkologisch behandelndem Team treffen. [8]

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: Vor geplanter Schwangerschaft auf eine schwangerschaftsverträgliche Therapie umstellen; während der Schwangerschaft wegen unzureichender Sicherheitsdaten vermeiden. [9]

Stillzeit: Wegen unzureichender Sicherheitsdaten eine stillverträgliche Alternative wählen. [9]

Väterlicher Kinderwunsch: Umstellung auf eine alternative antirheumatische Therapie erwägen; begrenzte Daten zur väterlichen Exposition. [9]

Fachinformation: Schwangerschaft ist kontraindiziert. Zuverlässige Verhütung während der Behandlung und mindestens 4 Wochen nach der letzten Dosis. Stillzeit ist kontraindiziert. [1]

Impfungen

Nichtlebendimpfstoffe: Unter Therapie möglich; möglichst mindestens 2, besser 4 Wochen vor Beginn abschließen. [10]

Lebendimpfstoffe – Fachinformation: Während der Behandlung vermeiden; Impfstatus vor Beginn vervollständigen. [1]

Abstand vor Beginn: Fachinformation: Lebendimpfung mindestens 2, vorzugsweise 4 Wochen vor Beginn. [1]

Niedrigdosis – Anwendungshinweise: Bei 5–10 mg/Tag können MMR-, MMR-V- oder Varizellenimpfungen mit den genannten Impfstoffen nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung in stabiler Krankheitsphase erwogen werden (Off-Label). [10]

Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe

Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [7]

ImpfungIndikation / Schema
InfluenzaJährlich bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren; inaktivierter Impfstoff, ab 60 Jahren Hochdosis- oder MF59-adjuvantiert.
COVID-19Jährlich bei relevanter Immunsuppression/weiterem Risikofaktor oder ab 75 Jahren, bevorzugt Spätsommer/Frühherbst. Bei ausgeprägter Immundefizienz zusätzliche Dosen/verkürzte Abstände individuell. [11]
Pneumo­kokkenPCV20 bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren. Nach PCV13/15 ≥1 Jahr; nach PPSV23 ≥6 Jahre, bei ausgeprägter Immundefizienz gegebenenfalls ≥1 Jahr.
Herpes zosterAb 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression. [12][1]
Hepatitis BBei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l.
RSVEinmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/Immundefizienz oder Pflegeheimbewohnenden. Möglichst vor der RSV-Saison.

Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [7]

Operationen

DGRh: Vor größeren Operationen JAK-Hemmer 3–4 Tage pausieren. Wiederbeginn abhängig von der Wundheilung möglichst bald, ohne Infektionszeichen. [13]

ACR/AAHKS – elektive Hüft-/Knieendoprothetik bei entzündlicher Arthritis: Drei Tage vor der Operation pausieren; Operation an Tag 4 nach der letzten Dosis. Wiederbeginn nach Wundheilung, Entfernung von Fäden/Klammern und ohne relevante Schwellung, Rötung, Sekretion oder anderweitige Infektion, typischerweise nach etwa 14 Tagen. [14]

Alltag und Handhabung

Einnahme: Mit oder ohne Nahrung. Filmtabletten dürfen bei Schluckproblemen zerkleinert mit Wasser eingenommen werden. Retardtabletten ganz schlucken, nicht teilen, zerkleinern oder kauen. Die leere Retardtablettenhülle kann im Stuhl erscheinen. [1]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

Xeljanz · Filmtabletten

5 mg und 10 mg; Lactose 59,44 bzw. 118,88 mg je Tablette. 5 mg ab 40 kg auch für pJIA/jPsA. Keine besonderen Temperaturbedingungen; Originalverpackung zum Schutz vor Feuchtigkeit. [1]

Xeljanz · Retardtabletten

11 mg für RA, PsA und AS; keine CU- oder Kinderzulassung dieser Form. Enthält 152,23 mg Sorbitol. Keine besonderen Temperaturbedingungen; Originalverpackung zum Schutz vor Feuchtigkeit. [1]

Xeljanz · Lösung zum Einnehmen

1 mg/ml für pJIA/jPsA ab 2 Jahren; beiliegenden Adapter und Applikationsspritze verwenden. Enthält Natriumbenzoat und Propylenglycol. In Originalflasche/-verpackung lichtgeschützt lagern; keine besonderen Temperaturbedingungen. 60 Tage nach Anbruch verwerfen. [1]

Überdosierung und Antidot

Kein spezifisches Antidot; überwachen und symptomatisch/supportiv behandeln. Pharmakokinetische Daten zu Einzeldosen bis 100 mg lassen >95 % Elimination innerhalb von 24 Stunden erwarten. [1]

Quellen und Links
Upadacitinib
Kurzzusammenfassung
IndikationenRA, PsA, nr-axSpA, AS, RZA, atopische Dermatitis, Alopecia areata, Vitiligo, Colitis ulcerosa und Morbus Crohn.
DosierungRheumatologische Indikationen meist 15 mg einmal täglich; chronisch-entzündliche Darmerkrankungen-Einleitung indikationsbezogen höher.
Gegenanzeigen (Auswahl)Schwangerschaft; schwere Leberfunktionsstörung; aktive Tbc oder aktive schwere Infektion.
Besondere SicherheitsmaßnahmenRisiken für schwere Infektionen, kardiovaskuläre Ereignisse, venöse Thromboembolien und Malignome prüfen; Alters-/Risikobeschränkungen und Blutbild-Startgrenzen beachten.
Wirkmechanismus

Selektiver, reversibler JAK-Inhibitor mit bevorzugter Hemmung JAK1- bzw. JAK1/JAK3-abhängiger Zytokinsignale in menschlichen Zellen. [1]

Indikationen

Rheumatoide Arthritis: Mittelschwere bis schwere aktive Erkrankung nach unzureichendem DMARD-Ansprechen oder Unverträglichkeit; allein oder mit MTX. [1]

Psoriasis-Arthritis: Aktive Erkrankung nach unzureichendem Ansprechen auf mindestens ein DMARD oder Unverträglichkeit; allein oder mit MTX. [1]

Nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis: Aktive Erkrankung mit objektiven Entzündungszeichen durch erhöhtes CRP und/oder MRT nach unzureichendem NSAR-Ansprechen. [1]

Ankylosierende Spondylitis: Aktive Erkrankung nach unzureichendem Ansprechen auf konventionelle Therapie. [1]

Riesenzellarteriitis: Behandlung der Riesenzellarteriitis. [1]

Atopische Dermatitis: Mittelschwere bis schwere Erkrankung ab 12 Jahren bei Eignung für eine systemische Therapie. [1]

Alopecia areata: Schwere Erkrankung ab 12 Jahren. [1]

Nicht-segmentale Vitiligo: Ab 12 Jahren bei Eignung für eine systemische Therapie. [1]

Colitis ulcerosa: Mittelschwere bis schwere aktive Erkrankung nach unzureichendem Ansprechen, Wirkverlust oder Unverträglichkeit unter konventioneller oder biologischer Therapie. [1]

Morbus Crohn: Mittelschwerer bis schwerer aktiver Morbus Crohn nach unzureichendem Ansprechen, Wirkverlust oder Unverträglichkeit unter konventioneller oder biologischer Therapie. [1]

Dosierung und Anwendung
IndikationDosierung
Rheumatoide Arthritis15 mg einmal täglich.[2]
Psoriasis-Arthritis15 mg einmal täglich.
Nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis15 mg einmal täglich.
Ankylosierende Spondylitis15 mg einmal täglich.
Riesenzellarteriitis15 mg einmal täglich mit ausschleichenden Corticosteroiden; nach deren Absetzen als Monotherapie möglich.

Riesenzellarteriitis: Zur Behandlung akuter Rezidive keine Upadacitinib-Monotherapie; Corticosteroide nach klinischer Beurteilung geben. [1]

Hauterkrankungen

IndikationDosierung
Atopische Dermatitis15 oder 30 mg einmal täglich. Bei erhöhtem VTE-/MACE-/Malignomrisiko oder ab 65 Jahren 15 mg.
Alopecia areataAb 30 kg: 15 oder 30 mg einmal täglich; ab 65 Jahren 15 mg.
Nicht-segmentale VitiligoAb 30 kg: 15 mg einmal täglich.

Atopische Dermatitis: 30 mg bei hoher Krankheitslast ohne erhöhtes VTE-/MACE-/Malignomrisiko oder bei unzureichendem Ansprechen auf 15 mg erwägen. Topische Corticosteroide möglich; topische Calcineurininhibitoren für empfindliche Hautbereiche. [1]

Alopecia areata: 30 mg bei hoher Krankheitslast oder unzureichendem Ansprechen auf 15 mg erwägen. Bei beiden Indikationen niedrigste wirksame Erhaltungsdosis verwenden. [1]

Colitis ulcerosa

PhaseDosierung
Einleitung45 mg einmal täglich für 8 Wochen. Bei unzureichendem Nutzen weitere 8 Wochen mit 45 mg, insgesamt höchstens 16 Wochen. Ohne therapeutischen Nutzen nach 16 Wochen absetzen.
Erhaltung15 oder 30 mg einmal täglich. Bei erhöhtem VTE-/MACE-/Malignomrisiko oder ab 65 Jahren 15 mg.

30-mg-Erhaltung: Bei hoher Krankheitslast oder nach notwendiger 16-wöchiger Einleitung ohne erhöhtes VTE-/MACE-/Malignomrisiko sowie bei unzureichendem Ansprechen auf 15 mg erwägen; niedrigste wirksame Dosis. [1]

Morbus Crohn

PhaseDosierung
Einleitung45 mg einmal täglich für 12 Wochen. Bei unzureichendem Nutzen weitere 12 Wochen mit 30 mg einmal täglich. Ohne therapeutischen Nutzen nach 24 Wochen absetzen.
Erhaltung15 oder 30 mg einmal täglich. Bei erhöhtem VTE-/MACE-/Malignomrisiko oder ab 65 Jahren 15 mg.

30-mg-Erhaltung: Bei hoher Krankheitslast ohne erhöhtes VTE-/MACE-/Malignomrisiko oder unzureichendem Ansprechen auf 15 mg erwägen; niedrigste wirksame Dosis. [1]

Pädiatrische Dosierungen

Atopische Dermatitis · 12–17 Jahre, ≥30 kg

Zunächst 15 mg einmal täglich; bei unzureichendem Ansprechen auf 30 mg einmal täglich erhöhen. Niedrigste wirksame Dosis. [1]

Alopecia areata · 12–17 Jahre, ≥30 kg

15 oder 30 mg einmal täglich nach Krankheitsbild; 30 mg bei hoher Krankheitslast oder unzureichendem Ansprechen auf 15 mg erwägen. Niedrigste wirksame Dosis. [1]

Nicht-segmentale Vitiligo · 12–17 Jahre, ≥30 kg

15 mg einmal täglich. [1]

Unter 12 Jahren oder unter 30 kg sind für diese Indikationen keine Dosierungen etabliert. Für die übrigen Indikationen besteht keine pädiatrische Zulassung. [1]

Dosisanpassung

Nierenfunktion: Bei leichter oder mäßiger Einschränkung keine Dosisanpassung. Bei terminaler Niereninsuffizienz nicht empfohlen. [1]

Schwere Niereninsuffizienz

Bei eGFR 15 bis <30 ml/min/1,73 m² vorsichtig anwenden; folgende Tagesdosen verwenden. [1]

IndikationDosierung einmal täglich
Rheumatoide Arthritis15 mg.
Psoriasis-Arthritis15 mg.
Nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis15 mg.
Ankylosierende Spondylitis15 mg.
Riesenzellarteriitis15 mg.
Atopische Dermatitis15 mg.
Alopecia areata15 mg.
Vitiligo15 mg.
Colitis ulcerosaEinleitung 30 mg; Erhaltung 15 mg.
Morbus CrohnEinleitung 30 mg; Erhaltung 15 mg.

Leberfunktion: Child-Pugh A/B ohne Dosisanpassung; Child-Pugh C kontraindiziert. [1]

Vor Therapiebeginn

Basis: Aktive Infektion ausschließen, Impfstatus prüfen; großes Blutbild, ALT/GPT, AST/GOT, Kreatinin und Lipidprofil. BSG/CRP zur Ausgangsaktivität. [2][1]

Tuberkulose – DZK: Anamnese, klinische Untersuchung, IGRA und Thorax-Röntgen vor Beginn; aktive Tbc ausschließen. Bei LTBI präventive Therapie vor JAK-Hemmung beginnen. Kürzere Rifamycin-Schemata bevorzugen: Rifampicin 4 Monate oder Rifampicin plus Isoniazid 3 Monate; alternativ Isoniazid 9 Monate. Wechselwirkungen und Resistenzanamnese berücksichtigen. [3]

Beginn unter LTBI-Prävention: Die gemeinsame Stellungnahme DZK/DGRh/DDG 2021 empfiehlt mindestens 4 Wochen präventive Therapie vor der Immunsuppression. Die S2k-Leitlinie 2022 bezeichnet den frühestmöglichen Start als nicht gesichert und beschreibt 4–8 Wochen als in der Literatur sicher angesehenen Vorlauf. Bei dringlicher Immunsuppression Zeitpunkt interdisziplinär unter Berücksichtigung der Grunderkrankung und des Präventionsverlaufs festlegen. [4][3]

HBV-Screening: HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs; bei HBsAg+ oder Anti-HBc+ zusätzlich HBV-DNA. [5]

HBV-StatusRisiko und Vorgehen
HBsAg+ oder HBsAg−/Anti-HBc+ mit HBV-DNA+ vor TherapiebeginnHoch (>10 %): antivirale Prophylaxe. [6]
HBsAg−/Anti-HBc+; HBV-DNA−Moderat (1–10 %): Überwachung; bei erhöhtem Gesamtrisiko Prophylaxe erwägen. [6]

Gesamtrisiko: Glukokortikoiddosis/-dauer, weitere Immunsuppression sowie Chemo-/Transplantationsregime berücksichtigen. Anti-HBs+ schließt bei Anti-HBc+ eine Reaktivierung nicht aus. Wenn erforderliche HBV-Kontrollen nicht gesichert sind: Prophylaxe. [5][6]

Kontrollen ohne Prophylaxe: Bei HBsAg+ und niedrigem Gesamtrisiko HBV-DNA/ALT spätestens alle 8 Wochen; bei HBsAg−/Anti-HBc+/HBV-DNA− HBsAg, HBV-DNA und ALT alle 1–3 Monate. Bei neuem DNA-Nachweis oder HBsAg-Reversion sofort antiviral behandeln, vor Hepatitis. [5]

Prophylaxe: Entecavir oder Tenofovir (TDF/TAF) vor Immunsuppression beginnen, währenddessen und danach 6–12 Monate (bei B-Zell-Depletion mindestens 18 Monate) fortführen. Nach Absetzen weiter überwachen; bei eigenständiger HBV-Therapieindikation länger behandeln. [5]

Impfung: Bei HBsAg−/Anti-HBc− und fehlendem Impfschutz möglichst vor Immunsuppression impfen; Schema und Erfolgskontrolle. [5][7]

Virushepatitis: Vor Beginn zusätzlich auf Hepatitis C entsprechend den klinischen Leitlinien untersuchen. [1]

Therapiewahl bei erhöhtem Risiko: Ab 65 Jahren, bei atherosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder anderen kardiovaskulären Risikofaktoren einschließlich aktuellem oder früherem langjährigem Rauchen sowie bei Risikofaktoren für maligne Erkrankungen nur anwenden, wenn keine geeigneten Behandlungsalternativen zur Verfügung stehen. [1]

Venöse Thromboembolien: Frühere VTE, größere Operation, Immobilisierung, kombinierte hormonelle Kontrazeption/Hormonersatztherapie und erbliche Gerinnungsstörungen erfassen; bei entsprechenden Risiken vorsichtig anwenden und im Verlauf erneut bewerten. [1]

Startgrenzen: Kein Beginn bei Neutrophilen <1 × 10⁹/l, Lymphozyten <0,5 × 10⁹/l oder Hb <8 g/dl. [1]

Kontrollen

DGRh-Verlaufskontrollen: Klinisch nach Infektionszeichen, insbesondere Fieber, Atemwegsbeschwerden, Herpes zoster, Durchfall und Gewichtsverlust fragen. Sicherheitslabor mit Differenzialblutbild, ALT/GPT und AST/GOT in den ersten 3 Monaten etwa alle 4 Wochen, bei stabilen Werten danach alle 8–12 Wochen; zusätzliche Kontrollen nach Begleitmedikation. BSG/CRP im Verlauf zur Krankheitsaktivität. [2]

Fachinformation: Neutrophile, Lymphozyten und Hb vor Beginn, spätestens nach 12 Wochen und danach individuell; Transaminasen im Routineverlauf. Lipide nach 12 Wochen und danach nach Hyperlipidämie-Leitlinien. DGRh 07/2022: Lipide nach 4–8 Wochen und dann halbjährlich. [1][2]

Unterbrechung: Bei schwerer Infektion pausieren, bis diese kontrolliert ist. Bei Herpes zoster eine Pause bis zum Abklingen erwägen. Bei Verdacht auf arzneimittelbedingte Leberschädigung pausieren und Ursache klären. Bei VTE-Verdacht absetzen und unverzüglich untersuchen. [1]

Weitere Überwachung: Kardiovaskuläres Risiko, VTE-Risiko und Tumorrisiko regelmäßig neu bewerten; regelmäßige Hautuntersuchungen. Neu auftretende Bauchschmerzen unverzüglich auf Divertikulitis oder Perforation abklären. [1]

ParameterVorgehen
Neutrophile <1 × 10⁹/lNicht beginnen bzw. pausieren; Wiederbeginn bei >1 × 10⁹/l.
Lymphozyten <0,5 × 10⁹/lNicht beginnen bzw. pausieren; Wiederbeginn bei >0,5 × 10⁹/l.
Hb <8 g/dlNicht beginnen bzw. pausieren; Wiederbeginn bei >8 g/dl.

Grenzen nach Fachinformation. [1]

Sehstörungen: Bei Beschwerden, die auf einen Netzhautvenenverschluss hinweisen können, umgehend ärztlich abklären. [1]

Wirkbeginn und Therapiebeurteilung

Rheumatologische Therapie – DGRh: Wirkung häufig ab etwa 1 Woche; ohne Besserung nach 12 Wochen Fortführung überprüfen. [2]

Nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis: Ohne klinisches Ansprechen nach 16 Wochen Absetzen erwägen; partielles Ansprechen kann sich bei Fortsetzung verbessern. [1]

Ankylosierende Spondylitis: Ohne klinisches Ansprechen nach 16 Wochen Absetzen erwägen; partielles Ansprechen kann sich bei Fortsetzung verbessern. [1]

Atopische Dermatitis: Ohne therapeutischen Nutzen nach 12 Wochen Absetzen erwägen. [1]

Alopecia areata: Wirksamkeitsdaten über 24 Wochen; Nutzen/Risiko regelmäßig individuell neu beurteilen. [1]

Vitiligo: Ohne therapeutischen Nutzen nach 48 Wochen Absetzen erwägen. [1]

Gegenanzeigen

Schwere Leberinsuffizienz; Schwangerschaft; aktive Tuberkulose oder aktive schwere Infektionen; Überempfindlichkeit gegen Wirkstoff oder Bestandteile. [1]

Nebenwirkungen und Maßnahmen

Auswahl: Atemwegsinfektionen, Herpes zoster/simplex, Pneumonie, Akne, Kopfschmerz, Übelkeit, Bauchschmerz, Fatigue; Anämie, Neutropenie, Lymphopenie, Lipid-, Transaminasen- und CK-Anstieg. Schwere/opportunistische Infektionen, VTE, MACE, maligne Erkrankungen einschließlich nichtmelanozytärem Hautkrebs, gastrointestinale Perforation und schwere Überempfindlichkeit beachten. [1]

Diabetes: Bei Hypoglykämie nach Beginn gegebenenfalls Antidiabetika anpassen. [1]

Wechselwirkungen

Immunsuppression: Kombination mit anderen JAK-Hemmern, Biologika oder potenten Immunsuppressiva wie Azathioprin, 6-Mercaptopurin, Ciclosporin oder Tacrolimus nicht empfohlen. [1]

Starke CYP3A4-Inhibitoren: Beispielsweise Azolantimykotika oder Clarithromycin erhöhen die Exposition. 15 mg bei dauerhafter Kombination vorsichtig anwenden; bei atopischer Dermatitis bzw. Alopecia areata sind 30 mg unter dauerhafter starker CYP3A4-Hemmung nicht empfohlen. Langfristig Alternative zum Inhibitor erwägen. Grapefruit vermeiden. [1]

Colitis ulcerosa unter starker CYP3A4-Hemmung: Einleitung 30 mg, Erhaltung 15 mg einmal täglich. [1]

Morbus Crohn unter starker CYP3A4-Hemmung: Einleitung 30 mg, Erhaltung 15 mg einmal täglich. [1]

Starke CYP3A4-Induktoren: Rifampicin oder Phenytoin können die Wirkung abschwächen; Krankheitsaktivität überwachen. Bei LTBI-Prävention Schema und Interaktion abstimmen. [1][3]

Tumoranamnese

Tumoranamnese bei entzündlicher Arthritis: JAK-Hemmer nach EULAR mit Vorsicht und nur bei fehlenden therapeutischen Alternativen einsetzen. Bei Tumorerkrankung ohne Remission Therapieentscheidung gemeinsam mit Patient und onkologisch behandelndem Team treffen. [8]

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: Vor geplanter Schwangerschaft auf eine schwangerschaftsverträgliche Therapie umstellen; während der Schwangerschaft wegen unzureichender Sicherheitsdaten vermeiden. [9]

Stillzeit: Wegen unzureichender Sicherheitsdaten eine stillverträgliche Alternative wählen. [9]

Väterlicher Kinderwunsch: Umstellung auf eine alternative antirheumatische Therapie erwägen; begrenzte Daten zur väterlichen Exposition. [9]

Fachinformation: Schwangerschaft ist kontraindiziert. Zuverlässige Verhütung während der Behandlung und mindestens 4 Wochen nach der letzten Dosis. Während der Stillzeit nicht anwenden; Stillen oder Therapie unter Abwägung des Nutzens unterbrechen. [1]

Impfungen

Nichtlebendimpfstoffe: Unter Therapie möglich; möglichst mindestens 2, besser 4 Wochen vor Beginn abschließen. [10]

Lebendimpfstoffe – Fachinformation: Während der Behandlung vermeiden; Impfstatus vor Beginn vervollständigen. [1]

Lebendimpfstoffe vor Beginn: Auch unmittelbar vor der Therapie nach Fachinformation vermeiden; erforderlichen Abstand nach Impfstoff und bestehender Immunsuppression planen. [1]

Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe

Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [7]

ImpfungIndikation / Schema
InfluenzaJährlich bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren; inaktivierter Impfstoff, ab 60 Jahren Hochdosis- oder MF59-adjuvantiert.
COVID-19Jährlich bei relevanter Immunsuppression/weiterem Risikofaktor oder ab 75 Jahren, bevorzugt Spätsommer/Frühherbst. Bei ausgeprägter Immundefizienz zusätzliche Dosen/verkürzte Abstände individuell. [11]
Pneumo­kokkenPCV20 bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren. Nach PCV13/15 ≥1 Jahr; nach PPSV23 ≥6 Jahre, bei ausgeprägter Immundefizienz gegebenenfalls ≥1 Jahr.
Herpes zosterAb 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression. [12][1]
Hepatitis BBei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l.
RSVEinmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/Immundefizienz oder Pflegeheimbewohnenden. Möglichst vor der RSV-Saison.

Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [7]

Operationen

DGRh: Vor größeren Operationen JAK-Hemmer 3–4 Tage pausieren. Wiederbeginn abhängig von der Wundheilung möglichst bald, ohne Infektionszeichen. [13]

ACR/AAHKS – elektive Hüft-/Knieendoprothetik bei entzündlicher Arthritis: Drei Tage vor der Operation pausieren; Operation an Tag 4 nach der letzten Dosis. Wiederbeginn nach Wundheilung, Entfernung von Fäden/Klammern und ohne relevante Schwellung, Rötung, Sekretion oder anderweitige Infektion, typischerweise nach etwa 14 Tagen. [14]

Alltag und Handhabung

Einnahme: Einmal täglich mit oder ohne Nahrung; Retardtabletten ganz schlucken, nicht teilen, zerdrücken oder kauen. [1]

Rückstände im Stuhl oder Stoma: Bei wiederholt sichtbaren Arzneimittelresten behandelndes Team informieren. Klinisch überwachen und bei unzureichendem Ansprechen alternative Therapie erwägen. [1]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

Rinvoq · Retardtabletten

15 mg, 30 mg und 45 mg. 45 mg dient der Einleitung bei Colitis ulcerosa bzw. Morbus Crohn; indikationsbezogene Schemata beachten. Keine besonderen Temperaturbedingungen; Originalblister oder fest verschlossene Originalflasche zum Feuchtigkeitsschutz. [1]

Überdosierung und Antidot

In Studien wurde eine Exposition bis zum AUC-Äquivalent von 60 mg Retard einmal täglich untersucht; Nebenwirkungen waren mit niedrigeren Dosen vergleichbar, spezifische Toxizitäten wurden nicht erkannt. Etwa 90 % des systemischen Upadacitinibs werden im untersuchten Dosisbereich innerhalb von 24 Stunden ausgeschieden. Überwachen und Nebenwirkungen behandeln. [1]

Quellen und Links

Weitere Medikamente

Azathioprin
csDMARD · Thiopurin · Purinantagonist
Kurzzusammenfassung
IndikationenSLE · Dermatomyositis · Polymyositis · Polyarteriitis nodosa · schwere RA · Morbus Behçet (präparateabhängig); weitere Zulassungen bei Autoimmunhepatitis, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und Organtransplantation.
DosierungInitial 1–3 mg/kg Körpergewicht täglich p.o. Erhaltungsdosis nach Wirkung und Blutbild; niedrigste wirksame Dosis.
Gegenanzeigen (Auswahl)Schwere Leber- oder Knochenmarkfunktionsstörung; Pankreatitis (Azafalk).
Besondere SicherheitsmaßnahmenBlutbildkontrollen; TPMT-/NUDT15-Mangel beachten. Bei Allopurinol muss die Azathioprin-Dosis deutlich reduziert werden.
Wirkmechanismus

Azathioprin wird zu 6-Mercaptopurin und weiteren aktiven Thiopurinmetaboliten umgewandelt. Es hemmt die Purinsynthese und die Vermehrung von Zellen der Immunantwort. [1]

Indikationen

Steroidsparendes Immunsuppressivum; allein oder häufig in Kombination mit Glukokortikoiden. [1][2][3]

RA: Schwere aktive Erkrankung nach unzureichendem Ansprechen auf weniger toxische Basistherapeutika. [1][2][3]

SLE: Zugelassene Anwendung. [1][2][3] Therapieeinordnung: Zusätzliche immunsuppressive Option bei klinisch unzureichender Kontrolle unter Hydroxychloroquin und höchstens 5 mg Prednisolon-Äquivalent/Tag. Nach Cyclophosphamid bei Lupusnephritis Umstellung auf Azathioprin oder MMF zur Fortführung; immunsuppressive Therapie mindestens 3 Jahre nach renalem Ansprechen. [4]

Dermatomyositis und Polyarteriitis nodosa: Zugelassene Anwendung. [1][2][3]

Polymyositis: Azafalk und Azathioprin-ratiopharm. [2][3]

Morbus Behçet: Imurek. [1]

Organtransplantation: Zugelassene Anwendung. [1][2][3]

Autoimmunhepatitis: Zugelassene Anwendung. [1][2][3]

Morbus Crohn: Zugelassene Anwendung. [1][2][3]

Colitis ulcerosa: Zugelassene Anwendung. [1][2][3]

Autoimmune hämolytische Anämie: Zugelassene Anwendung. [1][2][3]

Chronisch refraktäre idiopathische thrombozytopenische Purpura: Zugelassene Anwendung. [1][2][3]

Pemphigus vulgaris: Imurek und Azathioprin-ratiopharm. [1][3]

Bullöses Pemphigoid: Imurek. [1]

Schubförmige Multiple Sklerose: Imurek. [1]

Generalisierte Myasthenia gravis: Imurek. [1]

Off-Label-Anwendungen

GPA/MPA (Off-Label): Remissionserhaltung als Alternative zu Rituximab. [5]

EGPA (Off-Label): Mögliche Remissionserhaltung nach einer Induktion mit Cyclophosphamid oder Rituximab. [5]

Takayasu-Arteriitis (Off-Label): konventionelle immunsuppressive Option zusätzlich zu Glukokortikoiden. [6]

Dosierung und Anwendung

Autoimmunerkrankungen: Initial 1–3 mg/kg Körpergewicht täglich p.o. Nach Ansprechen auf die niedrigste wirksame Dosis reduzieren. Anpassung nach Wirkung und Blutbild. [1][2][3]

Takayasu-Arteriitis – Erwachsene (Off-Label): 2–3 mg/kg täglich p.o., im französischen TAK-Regime höchstens 150 mg/Tag. Dosis nach Blutbild, Verträglichkeit sowie TPMT-/NUDT15-Status anpassen. [6][7]

Schwere Dermatomyositis: 2–3 mg/kg täglich p.o., zusätzlich zu Prednison. Eine Probedosis von 50 mg zur Verträglichkeitsprüfung ist möglich. [8]

Schwere Polymyositis: 2–3 mg/kg täglich p.o., zusätzlich zu Prednison. Eine Probedosis von 50 mg zur Verträglichkeitsprüfung ist möglich. [8]

Autoimmunhepatitis: Initial 1–1,5 mg/kg täglich; bei Imurek Erhaltung bis 2 mg/kg täglich. [1][2]

Einnahme: Unzerkaut mit mindestens 200 ml Wasser. Mögliche Einnahme: mindestens 1 Stunde vor Mahlzeiten und Milch/Milchprodukten. [1][2][3]

Dosisanpassung

TPMT/NUDT15 – intermediärer Metabolisierer in einem Gen, normales Ergebnis im anderen: Bei geplanter Standard-Startdosis ≥2 mg/kg täglich mit 30–80 % dieser Dosis beginnen. Bei bereits niedrigerer Startdosis kann eine zusätzliche Reduktion entfallen. [7]

Intermediärer Metabolisierer in beiden Genen: Bei geplanter Standard-Startdosis ≥2 mg/kg täglich mit 20–50 % dieser Dosis beginnen. Bei bereits niedrigerer Startdosis kann eine zusätzliche Reduktion entfallen. [7]

Fehlende Aktivität (Poor Metabolizer) mindestens eines Gens: Bei Autoimmunerkrankungen eine Alternative ohne Thiopurin erwägen. [7]

Weitere Anpassung: Nach Myelosuppression und indikationsbezogener Wirkung; nach Dosisänderung werden bei intermediären Metabolisierern meist 2–4 Wochen bis zum Steady State benötigt. TPMT-/NUDT15-Befunde ersetzen keine Blutbildkontrollen. [7]

NUDT15: Funktionsmindernde Varianten sind bei ostasiatischer und indigener amerikanischer Abstammung häufiger. Die genotypbezogenen Dosisempfehlungen gelten unabhängig von der Abstammung. [7]

Nierenfunktion: Die DGRh-Therapieinformation nennt bei Kreatininclearance <20 ml/min höchstens 1,5 mg/kg täglich. Die Fachinformationen empfehlen bei eingeschränkter Nierenfunktion eine Dosisreduktion zu erwägen beziehungsweise am unteren Dosisbereich zu beginnen. [9][1][2][3]

Leberfunktion und höheres Alter: Bei eingeschränkter Leberfunktion Dosisreduktion erwägen. Bei älteren Menschen insbesondere Leber- und Nierenfunktion berücksichtigen. Schwere Leberfunktionsstörung ist bei Azafalk kontraindiziert. [1][2][3]

Vor Therapiebeginn

TPMT: Testung insbesondere vor hohen Dosen empfohlen. NUDT15: Genotypisierung kann vor Beginn erwogen werden. [1]

Varizellen: Frühere Varizellen- oder Zosterinfektion erfragen; zur Klärung einer früheren Infektion Serologie erwägen. [1][2] Bei Seronegativität vor geplanter Immunsuppression zweimal gegen Varizellen impfen; Impfserie mindestens 4 Wochen vor Therapiebeginn abschließen. [10][11]

HBV-Screening: HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs; bei HBsAg+ oder Anti-HBc+ zusätzlich HBV-DNA. [12]

HBV-StatusRisiko und Vorgehen
HBsAg+ oder HBsAg−/Anti-HBc+ mit HBV-DNA+ vor TherapiebeginnNiedrig (<1 %): Überwachung; bei erhöhtem Gesamtrisiko Prophylaxe erwägen. [13]
HBsAg−/Anti-HBc+; HBV-DNA−Niedrig (<1 %): Überwachung; bei erhöhtem Gesamtrisiko Prophylaxe erwägen. [13]

Gesamtrisiko: Glukokortikoiddosis/-dauer, weitere Immunsuppression sowie Chemo-/Transplantationsregime berücksichtigen. Anti-HBs+ schließt bei Anti-HBc+ eine Reaktivierung nicht aus. Wenn erforderliche HBV-Kontrollen nicht gesichert sind: Prophylaxe. [12][13]

Kontrollen ohne Prophylaxe: Bei HBsAg+ und niedrigem Gesamtrisiko HBV-DNA/ALT spätestens alle 8 Wochen; bei HBsAg−/Anti-HBc+/HBV-DNA− HBsAg, HBV-DNA und ALT alle 1–3 Monate. Bei neuem DNA-Nachweis oder HBsAg-Reversion sofort antiviral behandeln, vor Hepatitis. [12]

Prophylaxe: Entecavir oder Tenofovir (TDF/TAF) vor Immunsuppression beginnen, währenddessen und danach 6–12 Monate (bei B-Zell-Depletion mindestens 18 Monate) fortführen. Nach Absetzen weiter überwachen; bei eigenständiger HBV-Therapieindikation länger behandeln. [12]

Impfung: Bei HBsAg−/Anti-HBc− und fehlendem Impfschutz möglichst vor Immunsuppression impfen; Schema und Erfolgskontrolle. [12][14]

Impfstatus: Vor Behandlungsbeginn prüfen und vervollständigen. [11]

Kontrollen

Intervalle: In den ersten 2 Monaten wöchentlich, danach alle 4 Wochen. [9]

Sicherheitslabor (Auswahl): Blutbild einschließlich Differenzialblutbild und Thrombozyten; GPT, γ-GT, alkalische Phosphatase, Kreatinin und Urinstatus. Auf Infektionen, Hautreaktionen und gastrointestinale Beschwerden achten. [9]

Bei Myositis: Differenzialblutbild und Leberwerte in Woche 0–6 zweimal wöchentlich, in Woche 7–12 wöchentlich, danach monatlich. Zielbereich 600–1.200 Lymphozyten/µl, Leukozyten >4.000/µl. [8]

Engmaschigere Kontrollen: Bei hoher Dosierung, höherem Alter, eingeschränkter Leber-/Nierenfunktion oder auffälligen Blutwerten. [1][2]

Wirkbeginn und Therapiebeurteilung

Erste Wirkung frühestens nach 4–8 Wochen. Bei fehlender Besserung nach 3–6 Monaten Therapie überprüfen. [9]

Gegenanzeigen

Überempfindlichkeit gegen Azathioprin oder Bestandteile. [1][2][3]

Azafalk zusätzlich: Schwere Leber- oder Knochenmarkfunktionsstörung, Pankreatitis; schwere Infektionen; Schwangerschaft, sofern der Nutzen die Risiken nicht überwiegt. [2]

Imurek und Azafalk zusätzlich: Lebendimpfstoffe, Stillzeit sowie Überempfindlichkeit gegen 6-Mercaptopurin. [1][2] Bei Azathioprin-ratiopharm ist bei 6-Mercaptopurin-Allergie eine Kreuzallergie möglich. [3]

Schwangerschaft und Stillzeit: Abweichende EULAR-Empfehlungen siehe Schwangerschaft und Stillzeit. [15]

Nebenwirkungen und Maßnahmen

Myelosuppression: Leukopenie, Thrombozytopenie und Anämie bis zur Panzytopenie. Bei ersten Zeichen eines abnormen Blutbildabfalls sofort pausieren; die Werte können trotz Therapiepause weiter fallen. [1][2]

DGRh-Pausengrenzen: Leukozyten <3.000/µl, Granulozyten <2.000/µl oder Thrombozyten <100.000/µl. [9]

Leber und Pankreas: Leberwertanstieg, Cholestase, Hepatitis und Pankreatitis. Bei hepatischer Toxizität Dosis reduzieren; bei Ikterus oder Pankreatitis pausieren. [1][9]

Überempfindlichkeit: Unter anderem Fieber, Exanthem, Myalgien, Hypotonie und Organbeteiligung. Bei Überempfindlichkeitsreaktion Azathioprin sofort absetzen. [1][2]

Infektionen: Erhöhte Anfälligkeit einschließlich opportunistischer Infektionen. [1]

Varizellen-/Zosterkontakt: Bei fehlender Immunität Kontakt zu Erkrankten meiden. [1][2] Nach Exposition unter Immunsuppression bei unsicherer oder fehlender Varizellen-Immunität Varizella-Zoster-Immunglobulin möglichst sofort, spätestens innerhalb von 96 Stunden geben. [10] Bei VZV-Infektion antivirale Therapie, gegebenenfalls Azathioprin pausieren. [1][2]

Malignome: Erhöhtes Risiko unter anderem für lymphoproliferative Erkrankungen und Hauttumoren. UV-Exposition begrenzen; Hautveränderungen beachten. Hepatosplenische T-Zell-Lymphome wurden insbesondere bei CED unter Thiopurinen, teilweise zusammen mit TNF-Hemmern, berichtet. [1][2]

Gastrointestinale Beschwerden: Insbesondere Übelkeit und Erbrechen. Einnahmevorgaben des jeweiligen Präparats beachten. [1][2][3]

Wechselwirkungen

Allopurinol: Kombination vermeiden. Falls dringend erforderlich, Azathioprin auf ein Viertel der üblichen Dosis reduzieren und engmaschig überwachen. [9][1]

Febuxostat: Kombination nach Azathioprin-Fachinformationen nicht empfohlen; diese legen kein verlässliches Reduktionsschema fest. Die Febuxostat-Fachinformation enthält für eine unvermeidbare Kombination die Reduktion des Thiopurins auf höchstens 20 % der bisherigen Dosis mit enger Überwachung. Alternative bevorzugen; eine solche Ausnahme ausschließlich unter spezialisierter Steuerung. [1][2][16]

Ribavirin: Kombination wegen schwerer Myelotoxizität nicht empfohlen. Andere myelosuppressive Arzneimittel: Kombination möglichst vermeiden. Bei Cotrimoxazol und ACE-Hemmern wurden hämatologische Veränderungen beschrieben. [1][3]

Mesalazin, Sulfasalazin, Olsalazin: TPMT-Hemmung; niedrigere Azathioprin-Dosen können erforderlich sein. [1][2][3]

Vitamin-K-Antagonisten: Verminderte gerinnungshemmende Wirkung von Warfarin beziehungsweise Acenocoumarol möglich; INR engmaschig kontrollieren. [3]

Muskelrelaxanzien: Wirkung nicht depolarisierender Mittel kann abgeschwächt, die von Succinylcholin verstärkt werden. [1]

Myositis – Quellenunterschied: Die deutsche S2k-Myositisleitlinie führt Allopurinol und Febuxostat als kontraindizierte Kombinationen auf. Die Azathioprin-Fachinformationen nennen für unvermeidbares Allopurinol dagegen die Reduktion auf ein Viertel. Für das Myositisregime Kombination vermeiden; eine Ausnahme erfordert eine spezialisierte Einzelentscheidung und engmaschige Blutbildkontrollen. [17][1][2]

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: Bei entsprechender Indikation während der Schwangerschaft fortführen. Bei normalem Thiopurinstoffwechsel bis 2 mg/kg/Tag. [15]

Stillzeit: Mit dem Stillen vereinbar. [15]

Väterlicher Kinderwunsch: Fortführung möglich. [15]

Fachinformation: Imurek und Azafalk führen Stillzeit als Gegenanzeige und verlangen bei Frauen und Männern Kontrazeption während der Behandlung und für 6 Monate danach. Azathioprin-ratiopharm empfiehlt Stillverzicht, sofern der therapeutische Nutzen das mögliche Risiko nicht überwiegt. [1][2][3]

Fachinformation – Schwangerschaftscholestase: Unter Azathioprin wurde eine intrahepatische Schwangerschaftscholestase berichtet. Bei Auftreten Nutzen und Risiken einer Fortführung abwägen. [1][2]

Impfungen

Lebendimpfungen vor Beginn: Mindestens 4 Wochen Abstand. [11]

Unter Azathioprin: Totimpfstoffe sind möglich, die Impfantwort kann vermindert sein. Keine Lebendimpfstoffe. Nach Therapieende Mindestabstand von 3 Monaten zu Lebendimpfungen. [11]

Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe

Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [14]

ImpfungIndikation / Schema
InfluenzaJährlich bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren; inaktivierter Impfstoff, ab 60 Jahren Hochdosis- oder MF59-adjuvantiert.
COVID-19Jährlich bei relevanter Immunsuppression/weiterem Risikofaktor oder ab 75 Jahren, bevorzugt Spätsommer/Frühherbst. Bei ausgeprägter Immundefizienz zusätzliche Dosen/verkürzte Abstände individuell. [18]
Pneumo­kokkenPCV20 bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren. Nach PCV13/15 ≥1 Jahr; nach PPSV23 ≥6 Jahre, bei ausgeprägter Immundefizienz gegebenenfalls ≥1 Jahr.
Herpes zosterAb 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression.
Hepatitis BBei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l.
RSVEinmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/Immundefizienz oder Pflegeheimbewohnenden. Möglichst vor der RSV-Saison.

Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [14]

Operationen

DGRh: Azathioprin 1–2 Tage vor der Operation pausieren. Bei hohem Schubrisiko fortführen. Nach Unterbrechung abhängig von der Wundheilung baldmöglichst wieder beginnen. [19]

ACR/AAHKS – elektive Hüft-/Knieendoprothese bei SLE: Bei schwerem SLE fortführen; bei nicht schwerem SLE 1 Woche vorher pausieren. Bedingte Empfehlungen. [20]

Alltag und Handhabung

Sonnenschutz: UV-Exposition begrenzen; schützende Kleidung und Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor verwenden. [1][2]

Tabletten: Filmüberzug nicht beschädigen. Imurek nicht teilen; bei Azathioprin-ratiopharm soll trotz Bruchkerbe die Halbierung vermieden werden. [1][3]

Verkehrstüchtigkeit: Keine spezifischen Untersuchungen; Gesundheitszustand und mögliche Nebenwirkungen berücksichtigen. [1]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

Orale Referenzpräparate: Bei rheumatologischen Autoimmunerkrankungen initial 1–3 mg/kg täglich; Erhaltung unter 1 bis 3 mg/kg täglich. Ansprechen und Verträglichkeit berücksichtigen. [1][2][3]

Imurek [1]

Filmtabletten: 25 mg und 50 mg. Enthalten Lactose. Nicht teilen.

Zulassungsbesonderheiten: Unter anderem Morbus Behçet, Pemphigus vulgaris/bullöses Pemphigoid, generalisierte Myasthenia gravis sowie schubförmige Multiple Sklerose, wenn Beta-Interferon nicht möglich ist oder unter Azathioprin ein stabiler Verlauf erreicht wurde. Polymyositis wird nicht genannt. Rheumatologische Autoimmunindikationen: mäßig schwere bis schwere Verläufe, üblicherweise mit Glukokortikoiden; auch bei deren Unverträglichkeit oder unzureichender Wirkung hoher Dosen. [1]

Für juvenile idiopathische Arthritis fehlen hinreichende Wirksamkeits- und Sicherheitsdaten.

Kontrollen: Blutbild einschließlich Thrombozyten in den ersten 8 Wochen mindestens wöchentlich; danach monatlich, längstens alle 3 Monate. Leberwerte regelmäßig.

Einnahme: Mindestens 1 Stunde vor oder 3 Stunden nach einer Mahlzeit beziehungsweise Milch, unzerkaut mit mindestens 200 ml Flüssigkeit.

Lagerung: Nicht über 25 °C. In der Originalverpackung vor Licht und Feuchtigkeit schützen.

Imurek i.v. [1]

Darreichung: 50 mg Pulver zur Herstellung einer Injektions- oder Infusionslösung. Intravenöse Anwendung nur, wenn eine orale Gabe nicht möglich ist; so früh wie möglich auf Filmtabletten umstellen.

Handhabung und Lagerung: Zubereitung unter den in der Fachinformation genannten aseptischen Schutzbedingungen. Ungeöffnet nicht über 25 °C; Originalverpackung als Licht- und Feuchtigkeitsschutz. Nicht verwendete Lösung verwerfen.

Azafalk [2]

Filmtabletten: 50 mg, 75 mg und 100 mg. Enthalten Lactose.

Zulassungsbesonderheiten: Schwere RA, SLE, Dermatomyositis und Polymyositis, Polyarteriitis nodosa sowie Organtransplantation, CED, Autoimmunhepatitis, autoimmune hämolytische Anämie und chronisch refraktäre idiopathische thrombozytopenische Purpura. Morbus Behçet wird nicht genannt.

Für JIA, juvenilen SLE, Dermatomyositis und Polyarteriitis nodosa im Kindesalter fehlen ausreichende Daten.

Einnahme: Mit oder ohne Nahrung, jedoch gleichbleibend. Zu Milch/Milchprodukten mindestens 1 Stunde vorher oder 2 Stunden danach. Unzerkaut mit mindestens 200 ml Flüssigkeit einnehmen; nicht zerdrücken. Für 25 mg eine entsprechend dosierte andere Zubereitung verwenden.

Besonderer Warnhinweis: Bei Kopfschmerzen, Bewusstseinsstörung, Krampfanfällen oder Sehstörungen an ein posteriores reversibles Enzephalopathie-Syndrom denken; bei Bestätigung Azathioprin absetzen.

Lagerung: In der Originalverpackung vor Licht schützen.

Kombinierte Immunsuppression: T-Helferzellen können unter 200/µl fallen, auch bei normaler Gesamtleukozytenzahl. T-Helferzellen gelegentlich bestimmen und die kombinierte Immunsuppression auf das minimal wirksame Niveau begrenzen. [2]

Azathioprin-ratiopharm [3]

Filmtabletten: 50 mg. Lactose ist in der Hilfsstoffliste nicht enthalten. Trotz Bruchkerbe Halbierung vermeiden; für 25 mg eine entsprechende Wirkstärke verwenden.

Zulassungsbesonderheiten: Schwere RA, SLE, Dermatomyositis und Polymyositis, Polyarteriitis nodosa, Organtransplantation, CED, Autoimmunhepatitis, Pemphigus vulgaris, autoimmune hämolytische Anämie und chronisch refraktäre idiopathische thrombozytopenische Purpura. Morbus Behçet wird nicht genannt.

Ohne Besserung innerhalb von 3 Monaten ein Absetzen erwägen.

Einnahme: Mit oder ohne Nahrung, jedoch gleichbleibend. Zu Milch/Milchprodukten mindestens 1 Stunde vorher oder 2 Stunden danach. Unzerkaut mit mindestens 200 ml Flüssigkeit.

Lagerung: Originalverpackung; keine besonderen Temperaturbedingungen erforderlich.

Überdosierung und Antidot

Kein spezifisches Antidot. Eine Knochenmarkdepression kann ihr Maximum erst nach 9–14 Tagen erreichen. Blutbild überwachen und unterstützend behandeln, gegebenenfalls mit Transfusionen. Aktivkohle kommt nach oraler Überdosierung innerhalb von etwa 60 Minuten infrage. Azathioprin ist teilweise dialysierbar; der Nutzen einer Dialyse bei Überdosierung ist nicht bekannt. [1]

Quellen und Links

Quellennummern gelten innerhalb dieses Medikamentenkapitels. DGRh-Therapieinformationen: jeweils unten genannter Originalstand.

Colchicin
Antiinflammatorikum · Mikrotubuli-Hemmung
DGRh-Arztinformation · Fachinformation
Kurzzusammenfassung
IndikationenGichtanfall und Anfallsprophylaxe bei Beginn einer Harnsäuresenkung · FMF. CPPD und Behçet-Syndrom (Off-Label).
Dosierung

Gichtanfall: 0,5 mg 2–3× täglich; höchstens 6 mg je Behandlungszyklus; neuer Zyklus frühestens 72 Stunden nach Ende des vorherigen.

Prophylaxe: 0,5–1 mg/Tag. FMF: Erwachsene initial meist 1–1,5 mg/Tag, nach Ansprechen bis 3 mg/Tag.

[1][2]
Gegenanzeigen (Auswahl)Schwere Nieren- oder Leberfunktionsstörung; Störungen des Blutbilds.[2]
Besondere SicherheitsmaßnahmenGeringe therapeutische Breite. Bei Erbrechen oder Diarrhö sofort absetzen und Toxizität abklären. Interaktionen vor jeder Neuverordnung prüfen; besonders Clarithromycin, Azole und Ciclosporin.[2]
Wirkmechanismus

Tubulinbindung und Hemmung der Mikrotubuli-Funktion; Beeinflussung neutrophiler Entzündungsreaktionen. Antiinflammatorische Wirkung; die Harnsäuresenkung erfolgt durch eine separate Therapie.[2]

Indikationen
IndikationAnwendungsbereich
GichtAkuter Gichtanfall bei Erwachsenen; Anfallsprophylaxe während der Einleitung einer uratsenkenden Therapie.
Familiäres Mittelmeerfieber (FMF)Erwachsene, Kinder und Jugendliche: Prävention von Fieberschüben und Amyloidose.

Anwendungsgebiete von Colchicin-ratiopharm, Colchicin AL und Colchicin Zentiva 0,5 mg. [2][3][4][5]

Colxi – kardiovaskuläre Indikation: Zusätzlich zur Standardtherapie zur Prophylaxe ischämischer kardiovaskulärer Ereignisse bei Erwachsenen mit atherosklerotischer koronarer Herzerkrankung und kürzlich stattgehabtem Myokardinfarkt. Eigenes Dosisschema und Gegenanzeigen; siehe Handelspräparate. [5]

Off-Label-Anwendungen

CPPD (Off-Label): Anfallsprophylaxe und chronische CPP-Kristallarthritis; niedrig dosiertes Colchicin als Option.[6]

Behçet-Syndrom (Off-Label): Colchicin als Erstlinienoption bei rezidivierenden mukokutanen und artikulären Manifestationen nach EULAR-Update 2025. Organbedrohende Manifestationen gesondert behandeln.[7]

Dosierung und Anwendung
IndikationDosis und Dauer
Akuter Gichtanfall0,5 mg 2–3× täglich; je nach Präparat gegebenenfalls initial 1 mg. Möglichst früh beginnen. Gesamtdosis einschließlich Anfangsdosis maximal 6 mg je Zyklus. Beenden bei abgeklungenem Anfall, früher bei gastrointestinalen Beschwerden oder ausbleibender Besserung nach 2–3 Tagen. Neuer Zyklus frühestens 72 Stunden nach dem Ende des vorherigen.[8][2]
Gicht-Anfallsprophylaxe0,5–1 mg täglich, laut FI abends. Deutsche S3: bei Einleitung eines Xanthinoxidasehemmers für 3–6 Monate erwägen; bei Febuxostat empfiehlt dessen FI mindestens 6 Monate.[8][2][9]
FMFEULAR/PReS: initial meist 1–1,5 mg/Tag; FI-Erwachsenenbereich 1–3 mg/Tag. Schrittweise nach Krankheitskontrolle und Verträglichkeit steigern; mindestens eine Woche zwischen Steigerungen. Bei Tagesdosen >1 mg Aufteilung auf zwei Einnahmen möglich. Langfristige kontinuierliche Behandlung; im FMF-Schub die reguläre Tagesdosis fortführen.[1][2]
CPPD-Prophylaxe / chronische CPP-Arthritis0,5–1 mg/Tag (Off-Label); Organfunktion und Interaktionen berücksichtigen.[6]

Gicht-Zyklus und FMF-Dauertherapie: Die 6-mg-Gesamtgrenze und die 72-Stunden-Zykluspause betreffen die akute Gichtbehandlung. Bei FMF gilt das kontinuierliche Tagesdosisschema.[1][2]

Tabletten mit einem Glas Wasser einnehmen. Die konkret verordnete Tages- beziehungsweise Zyklusdosis schriftlich festhalten.[2]

Pädiatrische Dosierungen – FMF

AlterAnfangsdosis
Unter 5 Jahren0,5 mg täglich.
5–10 Jahre1 mg täglich.
Über 10 Jahre1,5 mg täglich.

Pädiatrisch-fachärztliche Steuerung. Bei amyloider Nephropathie nennt die FI erforderlichenfalls bis zu 2 mg/Tag; EULAR/PReS nennt für Kinder eine Höchstdosis von 2 mg/Tag. Für eine erforderliche 0,25-mg-Dosis eine geeignete Darreichung wählen; die hier genannten Tabletten sind dafür ungeeignet. Gichtzulassung: Erwachsene.[1][2]

Behçet-Syndrom – eigenständiges Dauerregime

Mukokutaner / artikulärer Befall (Off-Label): EULAR empfiehlt Colchicin als Erstlinienoption.[7]

AnwendungRegime und Einordnung
In kontrollierter Studie verwendetes Regime1–2 mg/Tag p.o., körpergewichtsangepasst; untersucht bei Erwachsenen mit mukokutaner Erkrankung ohne Augen- oder schwere Organbeteiligung. Dauerregime, angepasst an Verträglichkeit und Organfunktion.[10]

Die Dosisangabe stammt aus der randomisierten Studie, die Therapiewahl aus dem EULAR-Update. Bei Nieren-/Leberfunktionsstörung oder interagierender Medikation Dosis und Alternative gesondert festlegen; die nachstehenden FI-Tabellen sind indikationsbezogen für Gicht und FMF.[11][7][10]

Dosisanpassung
KonstellationDosis / Konsequenz
Gicht: leichte bis mittelschwere Nieren- oder Leberfunktionsstörung0,5 mg/Tag; engmaschige Prüfung auf Toxizität.
FMF: leichte bis mittelschwere Nieren- oder LeberfunktionsstörungAnfangsdosis um 50 % reduzieren, beispielsweise auf ≤1 mg/Tag; weitere Steuerung nach Ansprechen und Verträglichkeit.
Schwere Nieren- oder LeberfunktionsstörungKontraindiziert. Die DGRh nennt für die Nierenfunktion eine GFR <30 ml/min als Ausschlussgrenze.
Hohes Alter / GebrechlichkeitDosierung anhand von Organfunktion, Komedikation und Verträglichkeit; erhöhte Aufmerksamkeit für Toxizität.

Die Tabelle betrifft die Gicht- und FMF-Regime der genannten rheumatologischen Präparate. DGRh-Nierengrenze ergänzend; das Colxi-Regime steht unter Handelspräparate. [11][2][5]

Vor Therapiebeginn

Interaktionsprüfung: einschließlich kurzfristiger Antibiotika-/Antimykotikatherapien, antiviraler Medikamente, Statine und pflanzlicher Präparate. Nieren- und Leberfunktion, Blutbildstörungen und vorausgegangene neuromuskuläre Beschwerden erfassen.[2]

DGRh-Basislabor: Differenzialblutbild, Kreatinin, AST/ALT, CK; CRP beziehungsweise BSG und Harnsäure entsprechend der Indikation.[11]

Aufklärung: Absetzzeichen bei gastrointestinaler Toxizität, Muskelschwäche und Blutbildstörung; kindersichere Aufbewahrung.[11][2]

Kontrollen
Zeitpunkt / AnlassKontrolle
Erste 3 MonateEtwa alle 4 Wochen: Differenzialblutbild, ALT, γ-GT, CK und Kreatinin; Aktivitätsparameter nach Grunderkrankung.[11]
Stabile normale Werte ab Monat 4Etwa alle 8–12 Wochen; kürzere Intervalle bei Organfunktionsänderung, relevanter Komedikation oder Beschwerden.[11][2]
FMF-VerlaufSchubfrequenz, Einnahmetreue, CRP und bevorzugt Serum-Amyloid A; Proteinurie mindestens jährlich prüfen. Dosissteigerung beziehungsweise ergänzende Therapie bei fortbestehender Entzündung fachärztlich steuern.[1]
Neue Muskelschwäche, Myalgien oder dunkler UrinCK und Nierenfunktion zeitnah prüfen; Myopathie/Rhabdomyolyse abklären.[11][2]
FMF: Leberenzyme >2× obere NormgrenzeNach EULAR/PReS Colchicindosis reduzieren und Ursachen fachärztlich abklären; auch unzureichend kontrollierte FMF-Entzündung kann Leberwerte erhöhen. Bei Toxizitätszeichen gelten die Absetzregeln unten. [1]
Wirkbeginn und Therapiebeurteilung

Beim akuten Gichtanfall Wirkung innerhalb von Stunden zu erwarten; ausbleibende Besserung nach 2–3 Tagen führt zur Beendigung des Zyklus und klinischen Neubewertung.[11][2]

Bei FMF stehen Schubkontrolle und Unterdrückung der subklinischen Entzündung im Vordergrund. Vor Eskalation Einnahmetreue und maximal verträgliche Dosis prüfen; bei unzureichender Kontrolle ergänzende IL-1-Hemmung erwägen.[1]

Therapieunterbrechung und Absetzen

Erbrechen, Diarrhö oder andere Toxizitätszeichen: Colchicin sofort absetzen, Einnahmedosis und Komedikation klären; Blutbild, Organfunktion und Elektrolyte nach klinischer Situation kontrollieren. Bei Überdosierungsverdacht umgehende Krankenhausabklärung.[2]

Fieber, Stomatitis, Halsschmerzen oder anhaltende Blutungen: sofort unterbrechen und vollständige hämatologische Abklärung. Progrediente Nieren-/Leberfunktionsstörung oder neuromuskuläre Toxizität: unterbrechen und Therapie neu bewerten.[11][2]

Gegenanzeigen

Überempfindlichkeit gegen Colchicin oder Bestandteile; Störungen des Blutbilds, schwere Nierenfunktionsstörung oder schwere Leberfunktionsstörung.[2]

Colxi zusätzlich: Gleichzeitige Behandlung mit starken P-gp- oder starken CYP3A4-Inhibitoren ist laut eigener FI kontraindiziert, unabhängig von der Organfunktion. Die FI nennt eGFR <30 ml/min als schwere Nierenfunktionsstörung. [5]

Nebenwirkungen und Maßnahmen
BefundEinordnung / Maßnahme
Abdominalschmerz, Übelkeit, Erbrechen, DiarrhöHäufig. Als mögliche frühe Toxizität werten; absetzen und abklären.
Knochenmarkdepression, Myopathie/Rhabdomyolyse, Neuropathie, LebertoxizitätHäufigkeit in der FI nicht quantifiziert. Therapie unterbrechen; gezielte Blutbild-, Organ- beziehungsweise neuromuskuläre Diagnostik.
Vitamin-B12-Mangel, Alopezie, Oligo-/AzoospermieBei entsprechendem klinischem Befund abklären; Therapie und Dosis individuell bewerten.

Häufigkeitszuordnung nach der Fachinformation; Maßnahmen zusätzlich nach DGRh.[11][2]

Wechselwirkungen
KombinationKonsequenz
CYP3A4-/P-gp-Inhibitoren
z. B. Clarithromycin, Ketoconazol/Itraconazol, Ritonavir, Ciclosporin, Verapamil, Diltiazem
Erhöhte Colchicinexposition bis zur lebensbedrohlichen Toxizität. Bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion diese Kombinationen vermeiden. Bei erhaltener Organfunktion erforderlichenfalls Colchicindosis reduzieren und engmaschig überwachen; Alternativmedikation bevorzugt prüfen.
Statine, Fibrate, Ciclosporin, DigoxinErhöhtes Myopathie-/Rhabdomyolyserisiko; neue Muskelbeschwerden unmittelbar abklären.
GrapefruitsaftWährend der Behandlung meiden.

CYP3A4: Cytochrom-P450-Isoenzym 3A4; P-gp: P-Glykoprotein.[2]

Colxi: Für starke P-gp-/CYP3A4-Inhibitoren gilt die oben genannte Gegenanzeige; das Dosisreduktionsvorgehen der Gicht-/FMF-Präparate ist darauf nicht übertragbar. [5]

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: Mit der Schwangerschaft vereinbar, üblicherweise 1–2 mg/Tag; bei FMF Therapie fortführen. [12]

Stillzeit: Mit dem Stillen vereinbar. [12]

Väterlicher Kinderwunsch: Fortführung möglich. [12]

Fachinformation – FMF: Anwendung in der Schwangerschaft nach Nutzen-Risiko-Abwägung; in der Stillzeit zwischen Stillen und Therapie anhand des jeweiligen Nutzens entscheiden. Bei männlichem Kinderwunsch individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung. [2]

Fachinformation – Gicht: Schwangerschaftsanwendung nur bei ungeeigneten Behandlungsalternativen erwägen. Kontrazeption für Frauen während und mindestens 3 Monate danach; Zeugung während und mindestens 6 Monate danach vermeiden. Anwendung in der Stillzeit vermeiden. [2]

Impfungen

STIKO-empfohlene Impfungen können unter Colchicin erfolgen. Zusätzliche Einschränkungen durch begleitende Immunsuppressiva berücksichtigen.[11]

Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe

Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [13]

ImpfungIndikation / Schema
InfluenzaJährlich bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren; inaktivierter Impfstoff, ab 60 Jahren Hochdosis- oder MF59-adjuvantiert.
COVID-19Jährlich bei relevanter Immunsuppression/weiterem Risikofaktor oder ab 75 Jahren, bevorzugt Spätsommer/Frühherbst. Bei ausgeprägter Immundefizienz zusätzliche Dosen/verkürzte Abstände individuell. [14]
Pneumo­kokkenPCV20 bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren. Nach PCV13/15 ≥1 Jahr; nach PPSV23 ≥6 Jahre, bei ausgeprägter Immundefizienz gegebenenfalls ≥1 Jahr.
Herpes zosterAb 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression.
Hepatitis BBei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l.
RSVEinmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/Immundefizienz oder Pflegeheimbewohnenden. Möglichst vor der RSV-Saison.

Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [13]

Operationen

UKCPA: Colchicin perioperativ fortführen; präoperatives Blutbild. Nach vorübergehend fehlender enteraler Zufuhr zur nächsten regulären Dosis wieder beginnen. Postoperativ Nieren-/Leberfunktion und neue Interaktionen, insbesondere Makrolide, prüfen.[15]

Alltag und Handhabung

Einnahmeplan nach Indikation; vorhandene prophylaktische Einnahmen bei einer Akutverordnung mit erfassen. Schriftliche Zyklusbegrenzung bei Gicht. Außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.[11][2]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

Colchicin-ratiopharm 0,5 mg Tabletten

0,5 mg je Tablette; akute Gicht, Anfallsprophylaxe bei Beginn der Harnsäuresenkung und FMF. Akutregime: 0,5 mg 2–3× täglich, gegebenenfalls zuvor 1 mg. 59 mg Lactose-Monohydrat je Tablette; für 0,25-mg-Dosen ungeeignet. In der Originalverpackung vor Licht schützen.[2]

Colchicin AL 0,5 mg Tabletten

0,5 mg je Tablette; Gicht, Anfallsprophylaxe und FMF. Die FI nennt das niedrig dosierte Akutregime und 6 mg als maximale Gesamtdosis je Zyklus. Lactosehaltig.[3]

Colchicin Zentiva 0,5 mg Tabletten

0,5 mg je Tablette; Gicht, Anfallsprophylaxe und FMF. Die FI beschreibt beim Gichtanfall initial 1 mg, danach 0,5 mg 2–3× täglich; Gesamtdosis höchstens 6 mg je Zyklus und mindestens 72 Stunden Abstand nach Zyklusende.[4]

Colxi 0,5 mg Filmtabletten

Eigenständige kardiovaskuläre Indikation nach Myokardinfarkt; keine Gicht-/FMF-Zulassung in dieser FI. 0,5 mg einmal täglich, Höchstdosis 0,5 mg/Tag. Bei bestätigter koronarer Herzerkrankung Beginn innerhalb von 3 Tagen, spätestens 30 Tage nach Infarkt. Unzerkaut mit Wasser, unabhängig von Mahlzeiten. Gegenanzeigen und Interaktionen nach der eigenen Fachinformation. [5]

Überdosierung und Antidot

Medizinischer Notfall – auch zunächst ohne Beschwerden. Sofort absetzen, umgehende ärztliche beziehungsweise toxikologische Abklärung und Krankenhausüberwachung. Gastrointestinale Beschwerden können dem Multiorganversagen vorausgehen. Supportive Behandlung; Hämodialyse entfernt Colchicin nicht wirksam, ein spezifisches Antidot steht nicht zur Verfügung.[2]

Quellen und Links

[1] DGRh/DEGAM: S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Gicht, Version 2.1, 2024; Empfehlungen 4.3–4.7, Kapitel 4.2 und 5. Originalabgleich 23.09.2026. Originalleitlinie

[2] Ozen et al.: EULAR/PReS FMF, 2024 update. Ann Rheum Dis 2025;84:899–909. Originalvolltext, R1–R3/R6/R10–R11 und Urinkontrollen; Abruf 23.09.2026. Originalpublikation · Original-PDF bei der tschechischen Fachgesellschaft

[3] DGRh: Therapie mit Colchicin, Arztinformation Juni 2020; Sicherheitskontrollen und Impfungen. Originalabgleich 23.09.2026; Zulassungsangaben nach aktuellen präparatespezifischen Fachinformationen. Originalquelle

[EP] Rüegg L et al.: EULAR recommendations for use of antirheumatic drugs in reproduction, pregnancy, and lactation: 2024 update. Ann Rheum Dis. 2025;84:910–926. Empfehlungen I–III, Tabellen 1–4 und Erläuterungen. DOI 10.1016/j.ard.2025.02.023. Originalquelle

[5] Colchicin-ratiopharm 0,5 mg: Fachinformation Juli 2025, Version 1; Abschnitte 4.1–4.9. Abruf 23.09.2026. Originalquelle

[6] Colchicin AL 0,5 mg: Fachinformation August 2023; Abschnitte 4.1–4.3. Abruf 23.09.2026. Originalquelle

[7] Colchicin Zentiva 0,5 mg: Fachinformation; Abschnitte 4.1–4.3. Abruf 23.09.2026. Originalquelle

[8] Zhang et al.: EULAR recommendations for calcium pyrophosphate deposition. Part II: management. 2011. Originalpublikation

[9] UKCPA Handbook of Perioperative Medicines: Colchicine, Review Juli 2023. Perioperative Empfehlung

[10] EULAR recommendations for the management of Behçet’s syndrome: 2025 update (2026). Publisher-Seite

[11] Febuxostat Viatris: deutsche EMA-Produktinformation, Abschnitt 4.4 zur mindestens sechsmonatigen Anfallsprophylaxe; Abruf 23.09.2026. Produktinformation

[12] Yurdakul et al. A double-blind trial of colchicine in Behçet’s syndrome. Arthritis Rheum 2001;44:2686–2692; 1–2 mg/Tag, 116 Erwachsene. Originalstudie

Cyclophosphamid
Immunsuppressivum · Alkylans
Kurzzusammenfassung
IndikationenSchwere, progrediente Lupusnephritis und GPA (präparateabhängig).
Dosierung

GPA/MPA: 15 mg/kg i.v., zunächst alle 2, dann alle 3 Wochen; Anpassung an Alter, Nierenfunktion und Blutbild.

Proliferative Lupusnephritis: 500 mg i.v. alle 2 Wochen, 6 Gaben (Euro-Lupus).

Gegenanzeigen (Auswahl)Schwere Knochenmarkfunktionsstörung; Zystitis; Harnabflussbehinderung.
Besondere SicherheitsmaßnahmenBlutbild und Urin kontrollieren; Mesna und ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Fertilitätserhalt vor Beginn besprechen.
Wirkmechanismus

Cyclophosphamid wird vorwiegend in der Leber aktiviert. Seine Metaboliten alkylieren und vernetzen DNA; dadurch werden Zellteilung und Immunantwort gehemmt. [1]

Indikationen

Lupusnephritis: Bedrohlicher Verlauf mit schwerer progredienter Erkrankung; Endoxan, Endoxan Lyophilisat und Cyclophosphamid HEXAL. [1][2][3]

Granulomatose mit Polyangiitis: Bedrohlicher Verlauf mit schwerer progredienter Erkrankung; Endoxan, Endoxan Lyophilisat und Cyclophosphamid HEXAL. [1][2][3]

Weitere Zulassungen: Onkologische Indikationen; bei intravenösen Zubereitungen außerdem bestimmte Konditionierungsregime vor Stammzelltransplantation. [1][2]

Off-Label-Anwendungen

(Off-Label) Mikroskopische Polyangiitis und eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis mit organ- oder lebensbedrohender Erkrankung. [4] Schwere organbedrohende extrarenale SLE-Manifestationen. [5] Systemische Sklerose mit interstitieller Lungenerkrankung. [6] Therapierefraktäre Myositiden und Antisynthetasesyndrom mit Alveolitis. [7]

Dosierung und Anwendung

GPA, Remissionsinduktion: Bei organ- oder lebensbedrohender Erkrankung zusammen mit Glukokortikoiden. 15 mg/kg Körpergewicht i.v. pro Infusion, höchstens 1,2 g; erste drei Gaben im Abstand von 14 Tagen, weitere Gaben im Abstand von 21 Tagen. Meist 6 Infusionen. Dosisreduktion nach Alter, Nierenfunktion und Blutbild. [4][8]

MPA, Remissionsinduktion: Bei organ- oder lebensbedrohender Erkrankung zusammen mit Glukokortikoiden. 15 mg/kg Körpergewicht i.v. pro Infusion, höchstens 1,2 g; erste drei Gaben im Abstand von 14 Tagen, weitere Gaben im Abstand von 21 Tagen. Meist 6 Infusionen. Dosisreduktion nach Alter, Nierenfunktion und Blutbild. [4][8]

GPA, orale Alternative: 2 mg/kg täglich, mit alters- und nierenfunktionsabhängiger Reduktion. Die intravenöse Pulstherapie wird zur Begrenzung der kumulativen Dosis bevorzugt. [4]

MPA, orale Alternative: 2 mg/kg täglich, mit alters- und nierenfunktionsabhängiger Reduktion. Die intravenöse Pulstherapie wird zur Begrenzung der kumulativen Dosis bevorzugt. [4]

Aktive Lupusnephritis: Euro-Lupus-Schema mit 500 mg i.v. alle 2 Wochen, insgesamt 6 Gaben, zusammen mit Glukokortikoiden. Deutsche S3: initiale Kombination mit Belimumab abwägen. EULAR-LN 2025: Cyclophosphamid plus Belimumab als frühe Kombination empfohlen, besonders bei ungünstigen Prognosefaktoren; Cyclophosphamid als einziges zusätzliches Immunsuppressivum bleibt eine Alternative.[9][10]

LN mit rasch progredienter Glomerulonephritis: Modifiziertes NIH-Schema nach EULAR-LN: 0,5–0,75 g/m² i.v. monatlich über 6 Monate, insgesamt 6–7 Pulse. [10]

Nach renalem Ansprechen: Cyclophosphamid durch Mycophenolat oder Azathioprin ersetzen; Mycophenolat bevorzugen, außer bei geplanter Schwangerschaft. Die anschließende immunsuppressive Therapie mindestens 3 Jahre nach Ansprechen fortführen. [10]

IndikationDosierung
SARD-ILD · i.v.500–750 mg/m² KOF alle 4 Wochen über 6 Monate nach ACR/CHEST. [11]
SARD-ILD · orale AlternativeInitial 50–150 mg/Tag; Zieldosis 2 mg/kg/Tag, höchstens 200 mg/Tag, über 6 Monate. Einige Experten begrenzen auf 100 mg/Tag. Individuell nach Verträglichkeit und Organfunktion. [11]
Therapierefraktäre Myositis / Antisynthetasesyndrom mit AlveolitisDGN: 0,5–1 g/m² KOF i.v. initial alle 4 Wochen; im Verlauf Intervall verlängern. Oral alternativ 1–2 mg/kg/Tag. [7]

Die Angaben sind indikationsbezogen; Dosis und weitere Gaben nach Blutbildnadir, Nierenfunktion und Verlauf anpassen. Mesna, Hydrierung und Fertilitätsschutz berücksichtigen. [12][7][11]

Anwendung: Möglichst morgens; orale Tagesdosis morgens auf einmal. Für ausreichende Flüssigkeitszufuhr und regelmäßige Blasenentleerung sorgen. Antiemetische Begleitbehandlung. [12][1]

Uroprotektion: Mesna bei oraler Dauer- und intravenöser Pulstherapie. [12] Bei intravenösen Pulsen üblicherweise je 20 % der Cyclophosphamid-Dosis als Mesna i.v. zu Stunde 0, 4 und 8; Gesamtdosis 60 %. [13]

PJP-Prophylaxe bei AAV: Unter Cyclophosphamid Cotrimoxazol 960 mg dreimal wöchentlich oder 480 mg täglich; Dosis bei eingeschränkter Nierenfunktion anpassen. [4] Fortführung für etwa 3 Monate nach der letzten Cyclophosphamid-Gabe erwägen; fortbestehende Risikofaktoren berücksichtigen. [8]

SLE – Einsatzbereich: I.v. Cyclophosphamid bei akuter organ- oder lebensbedrohlicher extrarenaler Erkrankung; bei proliferativer Lupusnephritis niedrig dosiertes i.v. Schema oder MMF zusammen mit Glukokortikoiden. Nach renalem Ansprechen Cyclophosphamid durch AZA oder MMF ersetzen; immunsuppressive Therapie mindestens 3 Jahre nach renalem Ansprechen. [9]

Dosisanpassung

GPA/MPA – intravenöse Pulse: Anpassung an Alter und Serumkreatinin. Die Angaben beziehen sich auf die Dosis pro Infusion. [4]

AlterKreatinin <300 µmol/l
(<3,4 mg/dl)
Kreatinin 300–500 µmol/l
(3,4–5,7 mg/dl)
<60 Jahre15 mg/kg12,5 mg/kg
60–70 Jahre12,5 mg/kg10 mg/kg
>70 Jahre10 mg/kg7,5 mg/kg
Vor Therapiebeginn

Labor und Harnwege: Blutbild mit Differenzialblutbild und Thrombozyten, Leber- und Nierenwerte sowie Urinstatus/-sediment. Harnabflussbehinderungen, Zystitis, Infektionen und Elektrolytstörungen vor Beginn ausschließen beziehungsweise behandeln. [12][1]

Infektionsscreening bei AAV: Vor intensiver Immunsuppression auf aktive beziehungsweise latente Infektionen untersuchen, insbesondere Hepatitis B und Tuberkulose. [4]

HBV-Screening: HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs; bei HBsAg+ oder Anti-HBc+ zusätzlich HBV-DNA. [14]

HBV-StatusRisiko und Vorgehen
HBsAg+ oder HBsAg−/Anti-HBc+ mit HBV-DNA+ vor TherapiebeginnHoch (>10 %): antivirale Prophylaxe. [15]
HBsAg−/Anti-HBc+; HBV-DNA−Moderat (1–10 %): Überwachung; bei erhöhtem Gesamtrisiko Prophylaxe erwägen. [15]

Gesamtrisiko: Glukokortikoiddosis/-dauer, weitere Immunsuppression sowie Chemo-/Transplantationsregime berücksichtigen. Anti-HBs+ schließt bei Anti-HBc+ eine Reaktivierung nicht aus. Wenn erforderliche HBV-Kontrollen nicht gesichert sind: Prophylaxe. [14][15]

Kontrollen ohne Prophylaxe: Bei HBsAg+ und niedrigem Gesamtrisiko HBV-DNA/ALT spätestens alle 8 Wochen; bei HBsAg−/Anti-HBc+/HBV-DNA− HBsAg, HBV-DNA und ALT alle 1–3 Monate. Bei neuem DNA-Nachweis oder HBsAg-Reversion sofort antiviral behandeln, vor Hepatitis. [14]

Prophylaxe: Entecavir oder Tenofovir (TDF/TAF) vor Immunsuppression beginnen, währenddessen und danach 6–12 Monate (bei B-Zell-Depletion mindestens 18 Monate) fortführen. Nach Absetzen weiter überwachen; bei eigenständiger HBV-Therapieindikation länger behandeln. [14]

Impfung: Bei HBsAg−/Anti-HBc− und fehlendem Impfschutz möglichst vor Immunsuppression impfen; Schema und Erfolgskontrolle. [14][16]

Impfstatus: Prüfen und vor Therapiebeginn vervollständigen. [17]

Fertilität: Vor Beginn über dauerhafte Fertilitätsschädigung und Fertilitätserhalt beraten. Männern Kryokonservierung von Spermien anbieten; Frauen können Kryokonservierung von Eizellen oder GnRH-Analoga angeboten werden. [4][18]

Hoch dosierte Pulse bei Lupusnephritis: Bei prämenopausalen Frauen monatliche GnRH-Analoga zum möglichen Erhalt der Ovarialfunktion. [10]

Kontrollen

Vor jeder Gabe: Leukozyten, Thrombozyten und Hämoglobin kontrollieren. Urinsediment regelmäßig untersuchen. [1]

Intravenöse Pulse: Blutbild, Leber- und Nierenwerte etwa am 10.–12. Tag nach der Gabe. [12] Bei AAV Leukozytenkontrolle im erwarteten Nadir, meist 8–14 Tage nach der Infusion; außerdem IgG-Serumkonzentration kontrollieren. [4]

Orale Dauertherapie: Blutbild wöchentlich; Leber- und Nierenwerte sowie Urinstatus/-sediment alle 2–4 Wochen. [12]

Verlauf: Dosis und Blutbild fortlaufend dokumentieren. Auf Infektzeichen, Dysurie und Hämaturie achten; Urinkontrollen auch nach Cyclophosphamid-Therapie. [12][4]

Wirkbeginn und Therapiebeurteilung

Wirkbeginn: Bei oraler Dauertherapie nach etwa 2–4 Wochen, bei Pulstherapie ab dem 2.–3. Puls. [12]

GPA/MPA: Nach erreichter Remission auf eine remissionserhaltende Therapie umstellen. [4]

Gegenanzeigen

Schwere Knochenmarkfunktionsstörung, Zystitis und Harnabflussbehinderungen; floride Infektionen; Überempfindlichkeit gegen Cyclophosphamid, seine Metaboliten oder Bestandteile. [1][2]

Cyclophosphamid HEXAL zusätzlich: Akute urotheliale Toxizität nach zytotoxischer Chemotherapie oder Strahlentherapie. [3]

Schwangerschaft und Stillzeit: Siehe gesonderten Abschnitt. [18][1]

Nebenwirkungen und Maßnahmen

Myelosuppression: Leukopenie, Thrombozytopenie und Anämie. Therapiepause bei Leukozyten <3.000/µl, Granulozyten <2.000/µl oder Thrombozyten <100.000/µl. [12]

Harnwege: Hämorrhagische Zystitis und Hämaturie. Bei Zystitis mit Mikro- oder Makrohämaturie bis zur Normalisierung pausieren. [1] Nichtglomeruläre Hämaturie oder Dysurie durch Urinkultur, Sonographie und gegebenenfalls Zystoskopie abklären. [4]

Infektionen: Schwere und opportunistische Infektionen, einschließlich PJP; Reaktivierung latenter Infektionen. [1]

Weitere Toxizitäten: Übelkeit/Erbrechen, Alopezie, Schleimhautschäden und Leberwerterhöhungen; Kardiotoxizität einschließlich Myokarditis und Herzversagen, Pneumonitis/Lungenfibrose sowie Hyponatriämie/SIADH. [1]

Langzeitrisiken: Dauerhafte Infertilität, Urothelkarzinome, Leukämien und myelodysplastische Syndrome. Risiken hängen unter anderem von der kumulativen Dosis ab. [1][4]

Wechselwirkungen

Allopurinol: Verstärkte Knochenmarkdepression möglich. [12][1]

Weitere myelotoxische Arzneimittel, ACE-Hemmer und Thiazide: Hämatotoxizität beziehungsweise Immunsuppression können verstärkt werden. [1]

Insulin und orale Antidiabetika: Blutzuckersenkung kann verstärkt werden. [12]

Warfarin: Verstärkung oder Abschwächung der gerinnungshemmenden Wirkung möglich. [1]

Succinylcholin: Verlängerte neuromuskuläre Blockade mit Apnoe möglich. [1]

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: 3 Monate vor geplanter Konzeption beenden; embryotoxisch und teratogen. Bei schwerer therapierefraktärer organ- oder lebensbedrohender mütterlicher Erkrankung und fehlender wirksamer Alternative im 2./3. Trimenon erwägen. [18]

Stillzeit: Eine stillverträgliche Alternative wählen. [18]

Väterlicher Kinderwunsch: Mindestens 3 Monate vor geplanter Zeugung beenden; vor Therapiebeginn Fertilitätserhalt besprechen. [18]

Fachinformation: Empfängnisverhütung für Frauen und Männer während und mindestens 6 Monate nach Therapieende. Während der Behandlung nicht stillen. [1][2]

Impfungen

Lebendimpfungen vor Beginn: Mindestens 4 Wochen Abstand. [17]

Unter Cyclophosphamid: Totimpfstoffe sind möglich, die Impfantwort kann vermindert sein. Bei laufender Pulstherapie möglichst in der Mitte des Behandlungsintervalls impfen. Keine Lebendimpfstoffe. Nach Therapieende Mindestabstand von 3 Monaten zu Lebendimpfungen. [17]

Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe

Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [16]

ImpfungIndikation / Schema
InfluenzaJährlich bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren; inaktivierter Impfstoff, ab 60 Jahren Hochdosis- oder MF59-adjuvantiert.
COVID-19Jährlich bei relevanter Immunsuppression/weiterem Risikofaktor oder ab 75 Jahren, bevorzugt Spätsommer/Frühherbst. Bei ausgeprägter Immundefizienz zusätzliche Dosen/verkürzte Abstände individuell. [19]
Pneumo­kokkenPCV20 bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren. Nach PCV13/15 ≥1 Jahr; nach PPSV23 ≥6 Jahre, bei ausgeprägter Immundefizienz gegebenenfalls ≥1 Jahr.
Herpes zosterAb 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression.
Hepatitis BBei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l.
RSVEinmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/Immundefizienz oder Pflegeheimbewohnenden. Möglichst vor der RSV-Saison.

Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [16]

Operationen

Bei Cyclophosphamid-Gabe innerhalb von 10 Tagen vor einer Vollnarkose den Anästhesisten informieren: Bei Succinylcholin kann es zu einer verlängerten Apnoe kommen. [1]

Alltag und Handhabung

Tabletten: Morgens unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit einnehmen; nicht teilen oder zerkleinern. [1]

Flüssigkeit und Blasenentleerung: Ausreichende Flüssigkeitszufuhr während und unmittelbar nach der Behandlung; Blase regelmäßig entleeren. [1]

Verkehrstüchtigkeit: Übelkeit, Erbrechen, Schwindel oder Sehstörungen können die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. [1]

Zubereitung: Schutzmaßnahmen für den Umgang mit Zytostatika einhalten. [1][2]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

Endoxan und Endoxan Lyophilisat sind für schwere, progrediente Lupusnephritis und GPA zugelassen. Ungeöffnete Präparate nicht über 25 °C lagern. [1][2] Endoxan-Tabletten und -Pulver in der Originalverpackung aufbewahren. [1]

Endoxan 50 mg überzogene Tabletten

Wirkstärke: 50 mg pro Tablette. FI-Dosierung bei Lupusnephritis/GPA: 1–2 mg/kg täglich, bei GPA 2 mg/kg täglich. Einnahme: Morgens unzerkaut; nicht teilen oder zerdrücken. Enthält Lactose. [1]

Endoxan Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung

Wirkstärken: 100 mg, 200 mg, 500 mg und 1 g pro Durchstechflasche. Konzentration nach Rekonstitution: 20 mg/ml; bei 100/200/500/1.000 mg jeweils 5/10/25/50 ml Natriumchloridlösung 0,9 %. FI-Dosierung bei Lupusnephritis/GPA: Initial 500–1.000 mg/m² i.v. Infusion: Weitere Verdünnung; Dauer 30 Minuten bis 2 Stunden. Nach Zubereitung: Bei 2–8 °C, höchstens 24 Stunden. [1]

Endoxan Lyophilisat zur Herstellung einer Injektionslösung

Wirkstärken: 500 mg, 1 g und 2 g pro Durchstechflasche. Konzentration nach Rekonstitution: 20 mg/ml; bei 500/1.000/2.000 mg jeweils 25/50/100 ml Natriumchloridlösung 0,9 %. FI-Dosierung bei Lupusnephritis/GPA: Initial 500–1.000 mg/m² i.v. Enthält Mannitol. Nach Zubereitung: Bei 2–8 °C, höchstens 24 Stunden. [2]

Dosisanpassung laut FI: Bei GFR <10 ml/min üblicherweise um 50 %, bei Bilirubin 3,1–5 mg/dl um 25 % reduzieren. Bei Dialyse möglichst gleichbleibenden Abstand zwischen Gabe und Dialyse einhalten. [1][2]

Blutbildkontrollen laut FI: Leukozyten zu Beginn alle 5–7 Tage, bei <3.000/µl alle 2 Tage; bei Dauerbehandlung im Allgemeinen etwa alle 14 Tage. Die DGRh-Kontrollintervalle stehen oben. [1][2]

Cyclophosphamid HEXAL

Pulver zur Injektions-/Infusionslösung: 500 mg und 2.000 mg. Nach Rekonstitution 20 mg/ml. Intravenöse Anwendung. Zulassung: Schwere, progrediente Lupusnephritis und GPA; weitere onkologische Indikationen. FI-Dosierung bei Autoimmunerkrankungen: 500–1.000 mg/m² monatlich. Lagerung: Ungeöffnet nicht über 25 °C. Zubereitete Lösung mikrobiologisch möglichst sofort verwenden; chemisch-physikalische Stabilität für 24 Stunden bei 2–8 °C nachgewiesen. [3]

Überdosierung und Antidot

Kein spezifisches Antidot. Cyclophosphamid und seine Metaboliten sind dialysierbar; bei Überdosierung ist rasche Hämodialyse angezeigt. Engmaschige Überwachung insbesondere auf Hämatotoxizität und unterstützende Behandlung. Mesna möglichst unmittelbar nach der Überdosis zur Begrenzung der Urotoxizität. [1][2]

Quellen und Links

Quellennummern gelten innerhalb dieses Medikamentenkapitels. DGRh-Therapieinformationen: jeweils unten genannter Originalstand.

[ELN] EULAR-LN 2025 – Originalempfehlungen
Fanouriakis et al. Ann Rheum Dis 2026;85(1):75–90. Empfehlungen 4–6; frühe Kombination, Auswahl von CYC-Regimen und Fortführung nach renalem Ansprechen.
Originalpublikation (DOI) · Autoren-Volltext

Mycophenolat-Mofetil (MMF)
Kurzzusammenfassung
IndikationenLupusnephritis und weitere rheumatologische Anwendungen (Off-Label); zugelassen zur Transplantationsabstoßungsprophylaxe.
DosierungLupusnephritis: Induktion 2–3 g MMF/Tag, Erhaltung 1–2 g/Tag nach G-BA/DGRh; Transplantationsschemata präparatespezifisch.
Gegenanzeigen (Auswahl)Schwangerschaft bei rheumatologischer Anwendung; Stillzeit; bei gebärfähigen Frauen fehlende hochwirksame Verhütung oder Beginn ohne negativen Schwangerschaftstest.
Besondere SicherheitsmaßnahmenBlutbild, Leberwerte, Infektionen, gastrointestinale Beschwerden und strenge Verhütung; G-BA-Verordnungsfähigkeit im Off-Label-Abschnitt.
Wirkmechanismus

Mycophenolatmofetil wird zu Mycophenolsäure (MPA) umgewandelt. MPA hemmt selektiv, reversibel und nicht kompetitiv die Inosinmonophosphatdehydrogenase und damit die De-novo-Guanosinnukleotidsynthese; besonders betroffen sind T- und B-Lymphozyten. [1]

Rheumatologische Anwendungen (Off-Label)

SLE außerhalb der Niere: Bei unzureichender Kontrolle unter Hydroxychloroquin und maximal 5 mg/Tag Prednisolon-Äquivalent als immunsuppressive Therapieoption (Off-Label). [2]

Aktive proliferative Lupusnephritis – deutsche S3: Mycophenolat zusammen mit Glukokortikoiden; eine initiale Kombination mit Belimumab oder einem Calcineurin-Inhibitor sollte abgewogen werden. Mycophenolat bei Lupusnephritis (Off-Label) – Indikation.[2]

EULAR-LN 2025: Für aktive LN, besonders bei ungünstigen Prognosefaktoren, frühe Kombination aus Mycophenolat und Belimumab, Voclosporin/Tacrolimus oder Obinutuzumab empfohlen, jeweils mit Glukokortikoiden. Mycophenolat als einziges zusätzliches Immunsuppressivum bleibt eine Alternative. Zulassungsbereich und Organfunktionsgrenzen des Kombinationspartners separat beachten.[3]

Systemische Sklerose mit ILD: MMF kann eingesetzt werden; auch die Kombination mit Nintedanib wird vorgeschlagen. (Off-Label) – MMF bei SSc-ILD. [4]

Lupusnephritis – G-BA-Anlage VI: Die Off-Label-Verordnung zur Induktion und Erhaltung der Lupusnephritis ist unter den Bedingungen der Anlage VI verordnungsfähig. Bei Klasse III/IV ist MMF/MPA eine Alternative zu Cyclophosphamid zur Induktion und zu Azathioprin zur Erhaltung; bei Klasse V ist MMF/MPA das bevorzugte Immunsuppressivum. [5]

G-BA-Dosierungen: Induktion 2.000–3.000 mg Mycophenolat-Mofetil pro Tag; Erhaltung 1.000–2.000 mg pro Tag, entsprechend 720–1.440 mg Mycophenolsäure. Nach klinischer und renaler Remission mindestens 36 Monate fortführen. [5]

Erstattungsvoraussetzung: Im G-BA-Off-Label-Kontext sind Hersteller mit Anerkennung der bestimmungsgemäßen Anwendung und Haftungsübernahme verordnungsfähig: Accord Healthcare GmbH, AxiCorp Pharma GmbH, B2B Medical GmbH, kohlpharma GmbH, MTK-PHARMA-Vertriebs-GmbH, Novartis Pharma GmbH, Oripharm GmbH, Pharma Gerke Arzneimittelvertriebs GmbH, Roche Registration GmbH, Teva GmbH und Teva Pharma B.V. Andere Mycophenolat-Produkte sind für diese G-BA-Indikation nicht automatisch erstattungsfähig. [5]

Zugelassene Transplantationsindikationen

Nierentransplantation: Prophylaxe akuter Abstoßungsreaktionen nach allogener Transplantation, mit Ciclosporin und Corticosteroiden. Orale CellCept-Formen auch bei 1–18 Jahren; i.v.-Form nur für Erwachsene. [1]

Herztransplantation: Prophylaxe akuter Abstoßungsreaktionen nach allogener Transplantation, mit Ciclosporin und Corticosteroiden. Zugelassen sind orale CellCept-Formen, auch bei 1–18 Jahren. [1]

Lebertransplantation: Prophylaxe akuter Abstoßungsreaktionen nach allogener Transplantation, mit Ciclosporin und Corticosteroiden. Orale CellCept-Formen auch bei 1–18 Jahren; i.v.-Form nur für Erwachsene. [1]

Dosierung und Anwendung

Rheumatologische Dosierung: Individuell nach Erkrankung und Verträglichkeit. Der DGRh-Arztbogen nennt als empfohlene Höchstdosis 2 g/Tag; in Studien wurden bis 3 g/Tag eingesetzt (Off-Label). [6]

Aktive proliferative Lupusnephritis: Initial 2–3 g MMF/Tag oral, zusammen mit Glukokortikoiden; Dosis nach Wirkung, Verträglichkeit und gegebenenfalls MPA-Exposition anpassen. Nach renalem Ansprechen Mycophenolat beziehungsweise die wirksame Mycophenolat-Kombination fortführen; Behandlung mindestens 3 Jahre nach renalem Ansprechen. Erhaltungsdosis entsprechend Regime und Toxizität. (Off-Label) – Mycophenolat bei Lupusnephritis.[2][3]

Zugelassene Transplantationsdosierung

TransplantatDosierung
Niere1 g p.o. zweimal täglich, Beginn innerhalb von 72 Stunden.
Herz1,5 g p.o. zweimal täglich, Beginn innerhalb von 5 Tagen.
LeberIn den ersten 4 Tagen 1 g i.v. zweimal täglich; anschließend sobald verträglich 1,5 g p.o. zweimal täglich.

Formabhängige i.v.-Anwendung siehe CellCept-Infusionspulver. [1]

Umstellung auf Mycophenolsäure: 720 mg Mycophenolsäure entsprechen nach DGRh 1.000 mg MMF. Orale Formulierungen nur unter klinischer Überwachung wechseln. [6][1]

Versäumte Dosis: Möglichst bald nachholen und anschließend zur gewohnten Zeit fortfahren; keine doppelte Dosis anwenden. [1]

Pädiatrische Dosierungen

Transplantationsprophylaxe, 1–18 Jahre: Orale Anwendung; Dosis und Form nach Körperoberfläche, klinischem Ansprechen und Verträglichkeit. [1]

TransplantatDosierung p.o.
Niere600 mg/m² KOF zweimal täglich zur Einleitung und Erhaltung; maximal 2 g/Tag.
Herz / LeberInitial 600 mg/m² KOF zweimal täglich, maximal 2 g/Tag. Bei guter Verträglichkeit und unzureichender Immunsuppression bis 900 mg/m² zweimal täglich, maximal 3 g/Tag.

Darreichungsform: Bei KOF <1,25 m² oder fehlender Schluckfähigkeit Suspension verwenden. Bei KOF 1,25–1,5 m² können Kapseln mit 750 mg zweimal täglich, bei KOF >1,5 m² Kapseln/Tabletten mit 1 g zweimal täglich verordnet werden; die individuelle Anpassung für Herz-/Lebertransplantation beachten. [1]

Dosisanpassung

Rheumatologische Anwendung: Nach DGRh innerhalb der empfohlenen Höchstdosis von 2 g/Tag keine Dosisreduktion allein wegen Nieren- oder Leberfunktionsstörung. Schwere Organschäden gesondert berücksichtigen. [6]

CellCept bei Nierentransplantation: Bei chronischer GFR <25 ml/min/1,73 m² außerhalb der unmittelbaren postoperativen Phase Dosen >1 g zweimal täglich vermeiden und sorgfältig überwachen. Bei verzögerter Transplantatfunktion keine Dosisanpassung. [1]

CellCept bei Leberfunktionsstörung: Bei Nierentransplantation mit schwerem Leberparenchymschaden keine Dosisanpassung; für Herztransplantation mit schwerem Leberparenchymschaden liegen keine entsprechenden Daten vor. [1]

Vor Therapiebeginn

Basis: Aktive Infektion ausschließen, Impfstatus prüfen; großes Blutbild, AST/GOT, ALT/GPT und Kreatinin. Hepatitis-C-Screening; BSG/CRP separat zur Krankheitsaktivität. [6]

Schwangerschaft: Bei gebärfähigen Frauen zwei negative Serum- oder Urintests vor Beginn; zweiten Test 8–10 Tage nach dem ersten. Hochwirksame Kontrazeption sicherstellen. [1]

Tuberkulose – DZK: Risikobezogene Abklärung bei csDMARD-Therapie; Exposition, Vorerkrankung und zusätzliche Immunsuppression berücksichtigen. Bei indizierter LTBI-Prävention kürzere Rifamycin-Schemata bevorzugen: Rifampicin 4 Monate oder Rifampicin plus Isoniazid 3 Monate; alternativ Isoniazid 9 Monate. Aktive Tbc zuvor ausschließen. [7]

HBV-Screening: HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs; bei HBsAg+ oder Anti-HBc+ zusätzlich HBV-DNA. [8]

HBV-StatusRisiko und Vorgehen
HBsAg+ oder HBsAg−/Anti-HBc+ mit HBV-DNA+ vor TherapiebeginnNiedrig (<1 %): Überwachung; bei erhöhtem Gesamtrisiko Prophylaxe erwägen. [9]
HBsAg−/Anti-HBc+; HBV-DNA−Niedrig (<1 %): Überwachung; bei erhöhtem Gesamtrisiko Prophylaxe erwägen. [9]

Gesamtrisiko: Glukokortikoiddosis/-dauer, weitere Immunsuppression sowie Chemo-/Transplantationsregime berücksichtigen. Anti-HBs+ schließt bei Anti-HBc+ eine Reaktivierung nicht aus. Wenn erforderliche HBV-Kontrollen nicht gesichert sind: Prophylaxe. [8][9]

Kontrollen ohne Prophylaxe: Bei HBsAg+ und niedrigem Gesamtrisiko HBV-DNA/ALT spätestens alle 8 Wochen; bei HBsAg−/Anti-HBc+/HBV-DNA− HBsAg, HBV-DNA und ALT alle 1–3 Monate. Bei neuem DNA-Nachweis oder HBsAg-Reversion sofort antiviral behandeln, vor Hepatitis. [8]

Prophylaxe: Entecavir oder Tenofovir (TDF/TAF) vor Immunsuppression beginnen, währenddessen und danach 6–12 Monate (bei B-Zell-Depletion mindestens 18 Monate) fortführen. Nach Absetzen weiter überwachen; bei eigenständiger HBV-Therapieindikation länger behandeln. [8]

Impfung: Bei HBsAg−/Anti-HBc− und fehlendem Impfschutz möglichst vor Immunsuppression impfen; Schema und Erfolgskontrolle. [8][10]

Kontrollen

Rheumatologische Anwendung: Großes Blutbild, AST/GOT und ALT/GPT in den ersten 3 Monaten etwa alle 4 Wochen, bei stabil normalen Werten anschließend alle 8–12 Wochen. Auf Infektionen, Hautveränderungen, Fieber und Durchfälle achten; BSG/CRP zur Aktivitätskontrolle. [6]

CellCept im Transplantationssetting: Vollständiges Blutbild im ersten Monat wöchentlich, im zweiten und dritten Monat zweimal monatlich, anschließend monatlich für die restlichen 9 Monate des ersten Jahres. [1]

Pause nach DGRh: Bei absoluten Lymphozyten < ca. 500/µl, absoluten Neutrophilen < ca. 1.300/µl oder Hb < ca. 8 g/dl; Wiederbeginn nach Normalisierung. [6]

Fachinformation: Bei Neutropenie mit absoluten Neutrophilen <1.300/µl Unterbrechung oder Beendigung erwägen. [1]

Wiederkehrende Infektionen: Serum-Immunglobuline bestimmen; bei anhaltender klinisch relevanter Hypogammaglobulinämie Therapieanpassung erwägen. [1]

Wirkbeginn und Therapiebeurteilung

Indikationsabhängig etwa 4–8 Wochen. Bei unzureichender Wirkung nach 3–6 Monaten Fortführung rheumatologisch überprüfen. [6]

Gegenanzeigen

Fachinformation: Überempfindlichkeit gegen MMF, MPA oder Bestandteile; gebärfähige Frauen ohne hochwirksame Verhütung beziehungsweise Therapiebeginn ohne negativen Schwangerschaftstest; Stillzeit. Schwangerschaft außer bei fehlender geeigneter Alternative zur Transplantatabstoßungsprophylaxe. [1]

DGRh bei rheumatologischer Anwendung: Schwere Leber-, Nieren- oder Knochenmarksschäden und aktive Infektion als Gegenanzeigen beachten. [6]

Weitere Vorsicht: Bei aktiver schwerwiegender gastrointestinaler Erkrankung nur vorsichtig anwenden. Bei erblichen HGPRT-Mangelsyndromen (Lesch-Nyhan/Kelley-Seegmiller) nicht anwenden. [1]

Nebenwirkungen und Maßnahmen

Häufige Beschwerden: Diarrhö, Übelkeit, Erbrechen, Infektionen und Zytopenien. Schwere/opportunistische Infektionen, gastrointestinale Ulzera, Blutung oder Perforation sind möglich. [1]

Pulmonale Beschwerden: Anhaltenden Husten oder Dyspnoe abklären; Bronchiektasen, interstitielle Lungenerkrankung und Lungenfibrose wurden berichtet. Bei neurologischen Symptomen PML berücksichtigen. [1]

Malignome: Unter kombinierter Immunsuppression erhöhtes Risiko für Lymphome und Hautmalignome; UV-Exposition begrenzen und Hautschutz verwenden. [1]

Wechselwirkungen

PPI/Antazida: Verminderte MPA-Exposition. DGRh empfiehlt 2 Stunden Einnahmeabstand; die CellCept-FI beschreibt die Expositionsminderung ohne allgemeines Abstandsschema für diese Kombination. [6][1]

Sevelamer: MMF mindestens 1 Stunde vorher oder 3 Stunden danach einnehmen. [1]

Rifampicin: MPA-Exposition kann abnehmen; Exposition überwachen und MMF-Dosis gegebenenfalls anpassen. Colestyramin, bestimmte Antibiotika und Ciclosporin beeinflussen den enterohepatischen Kreislauf; bei Wechseln der Begleitmedikation Expositionsänderungen beachten. [1]

Aciclovir/Ganciclovir und Prodrugs: Bei Niereninsuffizienz sorgfältig überwachen; erhöhte Spiegel der antiviralen Substanz beziehungsweise des MPA-Metaboliten MPAG sind möglich. Ganciclovir-Dosierung an die Nierenfunktion anpassen. [1]

Azathioprin: Gleichzeitige Anwendung nicht empfohlen. [1]

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: Teratogen; 1,5 Monate vor Konzeption absetzen und auf eine schwangerschaftsverträgliche Therapie umstellen. Bei schwerer therapierefraktärer organ- oder lebensbedrohlicher mütterlicher Erkrankung und fehlender wirksamer Alternative im 2./3. Trimenon erwägen (Off-Label) – rheumatologische Indikation. [11]

Stillzeit: Wegen unzureichender Sicherheitsdaten eine stillverträgliche Alternative wählen. [11]

Väterlicher Kinderwunsch: Fortführung möglich. [11]

Fachinformation – Frauen: Mindestens eine hochwirksame Verhütungsmethode vor Beginn, während und 6 Wochen nach Ende; bevorzugt zwei sich ergänzende Methoden. Schwangerschaft und Stillzeit sind kontraindiziert; die FI-Ausnahme in der Schwangerschaft betrifft ausschließlich fehlende Alternativen zur Transplantatabstoßungsprophylaxe. [1]

Fachinformation – Männer: Sexuell aktive Patienten oder ihre Partnerinnen sollen während und mindestens 90 Tage nach Behandlung hochwirksam verhüten. Keine Samenspende während und 90 Tage danach. [1]

Fachinformation – Exposition in der Schwangerschaft: Erhöhte Raten spontaner Fehlgeburten (45–49 %) und Fehlbildungen bei Lebendgeburten (23–27 %) wurden berichtet; bei Schwangerschaft unverzüglich spezialisierte Beratung und Therapieüberprüfung. [1]

Impfungen

Nichtlebendimpfstoffe: Möglich; Impfantwort kann abgeschwächt sein. Wenn möglich mindestens 2, besser 4 Wochen vor Beginn vervollständigen. [12]

Lebendimpfstoffe: Nach Fachinformation unter Behandlung vermeiden. Bei >2 g/Tag mindestens 4 Wochen vor Beginn oder frühestens 2 Monate nach Therapieende. Bei ≤2 g/Tag können MMR-, MMR-V- oder Varizellenimpfungen mit den in den Anwendungshinweisen genannten Impfstoffen nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung in stabiler Krankheitsphase erwogen werden (Off-Label). [1][12]

Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe

Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [10]

ImpfungIndikation / Schema
InfluenzaJährlich bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren; inaktivierter Impfstoff, ab 60 Jahren Hochdosis- oder MF59-adjuvantiert.
COVID-19Jährlich bei relevanter Immunsuppression/weiterem Risikofaktor oder ab 75 Jahren, bevorzugt Spätsommer/Frühherbst. Bei ausgeprägter Immundefizienz zusätzliche Dosen/verkürzte Abstände individuell. [13]
Pneumo­kokkenPCV20 bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren. Nach PCV13/15 ≥1 Jahr; nach PPSV23 ≥6 Jahre, bei ausgeprägter Immundefizienz gegebenenfalls ≥1 Jahr.
Herpes zosterAb 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression.
Hepatitis BBei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l.
RSVEinmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/Immundefizienz oder Pflegeheimbewohnenden. Möglichst vor der RSV-Saison.

Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [10]

Operationen

DGRh: MMF in der Regel 1–2 Tage vor Eingriff pausieren; bei hohem Schubrisiko kann die Fortführung angezeigt sein. [14]

ACR/AAHKS – elektive Hüft-/Knieendoprothetik: Bei schwerem SLE in Abstimmung mit dem behandelnden Rheumatologen fortführen; bei nicht schwerem SLE 1 Woche vor dem Eingriff pausieren. Wiederbeginn nach ausreichender Wundheilung ohne lokale oder anderweitige Infektion, typischerweise nach etwa 14 Tagen. [15]

Alltag und Handhabung

Handhabung: Kapseln nicht öffnen oder zerdrücken; Filmtabletten nicht zerkleinern. Pulver nicht einatmen und Haut-/Schleimhautkontakt vermeiden. Bei Kontakt Haut mit Wasser und Seife, Augen mit klarem Wasser spülen. [1]

Blutspende: Während und mindestens 6 Wochen nach Ende unterlassen. Sonnenschutz und schützende Kleidung verwenden. [1]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

CellCept 250 mg Kapseln / 500 mg Filmtabletten

Anwendung: Orale Transplantationsindikationen einschließlich 1–18 Jahren; KOF und Schluckfähigkeit beachten. Kapseln höchstens 25 °C, Filmtabletten höchstens 30 °C, jeweils in Originalverpackung vor Feuchtigkeit geschützt lagern. [1]

CellCept 1 g/5 ml Suspension zum Einnehmen

Konzentration: Nach Rekonstitution 200 mg/ml. Vor Gebrauch schütteln. Enthält Aspartam, Sorbitol und Methyl-4-hydroxybenzoat; bei Phenylketonurie Vorsicht, bei hereditärer Fructoseintoleranz nicht anwenden. Pulver und zubereitete Suspension höchstens 30 °C; nach Zubereitung 2 Monate haltbar. [1]

CellCept 500 mg Infusionspulver

Indikation: Nur bei Erwachsenen nach Nieren- oder Lebertransplantation. Erste Dosis innerhalb von 24 Stunden, Anwendung bis zu 14 Tage. Jeweils 1 g zweimal täglich als langsame i.v.-Infusion über 2 Stunden, niemals als Bolus; nach Lebertransplantation in den ersten 4 Tagen i.v., danach sobald verträglich oral. [1]

Zubereitung: Endkonzentration 6 mg/ml nach Rekonstitution und Verdünnung mit Glucose 5 %. Enthält 25 mg Polysorbat 80 je Durchstechflasche; bei Polysorbat-80-Allergie kontraindiziert. Ungeöffnet höchstens 30 °C; zubereitete Lösung bei 15–30 °C, Infusionsbeginn spätestens 3 Stunden nach Rekonstitution/Verdünnung. [1]

Myfortic 180 mg / 360 mg magensaftresistente Tabletten (Novartis)

Mycophenolsäure-Natrium; die MPA-Dosis ist nicht milligrammgleich mit MMF. Für eine Umstellung und die G-BA-Dosierung die MPA-Äquivalenz und aktuelle Fachinformation beachten. [5]

Mycophenolat Mofetil Accord 250 mg / 500 mg

Mycophenolat-Mofetil-Präparat eines in Anlage VI genannten Herstellers; im G-BA-Kontext die dortigen Anerkennungs- und Haftungsbedingungen beachten. [5]

Überdosierung und Antidot

Übermäßige Immunsuppression, Infektionen und Knochenmarksuppression sind möglich. Bei Neutropenie Behandlung unterbrechen oder Dosis reduzieren. Hämodialyse entfernt klinisch relevante Mengen MPA/MPAG voraussichtlich nicht; Colestyramin kann durch Unterbrechung des enterohepatischen Kreislaufs die MPA-Elimination fördern. [1]

Quellen und Links

[ELN] EULAR-LN 2025 – Originalempfehlungen
Fanouriakis et al. Ann Rheum Dis 2026;85(1):75–90. Empfehlungen 4–6; frühe Kombination, Auswahl von CYC-Regimen und Fortführung nach renalem Ansprechen.
Originalpublikation (DOI) · Autoren-Volltext

NSAR und Coxibe
Kurzzusammenfassung
IndikationenaxSpA; symptomatische Ergänzung bei RA/PsA und peripherer Arthritis; Gichtanfall nach Wirkstoff.
DosierungIbuprofen 1.200–2.400 mg/Tag; Naproxen meist 500–1.000 mg/Tag; Celecoxib 200–400 mg/Tag; Etoricoxib bei RA/AS 60–90 mg/Tag.
Gegenanzeigen (Auswahl)Ulkus/Blutung, schwere Organinsuffizienz; Coxibe zusätzlich arterielle Gefäßerkrankung/NYHA II–IV; Etoricoxib bei unkontrolliert >140/90 mmHg.
Besondere SicherheitsmaßnahmenGastrointestinale, renale und kardiovaskuläre Risiken; Blutdruck, Volumenstatus und relevante Kombinationen. Etoricoxib 120 mg nur akute Gicht, höchstens acht Tage.
Wirkmechanismus

Hemmung der Cyclooxygenasen und Prostaglandinsynthese; Ibuprofen/Naproxen nichtselektiv, Celecoxib/Etoricoxib COX-2-selektiv. Analgetische und antiphlogistische Wirkung; Behandlung nach Symptomen, Komorbidität und niedrigster wirksamer Dosis.[1][2][3][4][5]

Indikationen

axSpA: initiale pharmakologische Therapie; bei Bedarf ausreichender antiinflammatorischer Dosisversuch, kontinuierliche Gabe nach Symptomerfordernis. RA/PsA/periphere Arthritis: symptomatische Ergänzung zur krankheitsmodifizierenden Behandlung.[1][6]

Weitere zulassungsabhängige Anwendungen: aktivierte Arthrose und akuter Gichtanfall. Die Zulassungen der einzelnen Präparate unterscheiden sich; insbesondere Celecoxib ist kein zugelassenes Gichtanfallpräparat.[2][3][4][5]

Dosierung und Anwendung
WirkstoffDosis und Grenze
Ibuprofen1.200–2.400 mg/Tag in geteilten Gaben; Einzeldosis maximal 800 mg.
NaproxenIn der verwendeten FI 500–750 mg/Tag; bei Bedarf bis 1.000 mg/Tag, ein- oder zweimal täglich.
Celecoxib · RA100 mg zweimal täglich, bei Bedarf bis 200 mg zweimal täglich. Fehlt nach Dosiserhöhung innerhalb von zwei Wochen ein Zusatznutzen, Alternative prüfen.
Celecoxib · ankylosierende Spondylitis200 mg/Tag als Einmal- oder Zweimalgabe; bei Bedarf bis 400 mg/Tag. Bei fehlendem Zusatznutzen nach zwei Wochen Alternative prüfen.
Etoricoxib · RA/ankylosierende Spondylitis60 mg einmal täglich; bei unzureichender Wirkung 90 mg einmal täglich, nach Stabilisierung wieder 60 mg erwägen.

[2][3][4][5]

WirkstoffRegime
NaproxenInitial 750 mg, anschließend 250 mg alle acht Stunden bis zum Abklingen der Beschwerden.
Etoricoxib120 mg einmal täglich, ausschließlich akut und maximal acht Tage.

[3][5]

Für Ibuprofen gelten je nach Indikation/Alter unterschiedliche FI-Dosen; die oben genannten Rheumadosen sind von OTC-Schmerzregimen getrennt. Naproxen-CT ist laut verwendeter FI für Personen unter 18 Jahren ungeeignet; pädiatrische Formulierungen gesondert dosieren.[2][3]

Dosisanpassung
SituationVorgehen
Alle · Dehydratation oder akute NierenschädigungNSAR zurückstellen, Ursache behandeln und Nierenfunktion prüfen.
Celecoxib · Kreatinin-Clearance <30 ml/minKontraindiziert.
Celecoxib · mäßige LeberfunktionsstörungMit der Hälfte der empfohlenen Anfangsdosis beginnen; schwere Funktionsstörung kontraindiziert.
Etoricoxib · Kreatinin-Clearance <30 ml/minKontraindiziert.
Etoricoxib · Child-Pugh 5–6 / 7–9Maximal 60 mg/Tag / 30 mg/Tag; schwere Leberfunktionsstörung kontraindiziert.
Höheres Alter, MultimorbiditätNiedrig beginnen; gastrointestinales, renales und kardiovaskuläres Risiko engmaschiger prüfen.
Celecoxib · verminderter CYP2C9-MetabolismusBei bekanntem oder vermutetem schlechtem Metabolismus die Hälfte der niedrigsten empfohlenen Dosis erwägen. Kombination mit CYP2C9-Hemmern bei bekannt schlechtem Metabolismus vermeiden. [4]

[2][3][4][5]

Vor Therapiebeginn

Blutdruck, Nierenfunktion, Volumenstatus; Ulkus-/Blutungsanamnese, Herzinsuffizienz und arterielle Gefäßerkrankung; Antithrombotika, andere NSAR, ACE-Hemmer/Sartane, Diuretika und MTX. Bei längerfristiger Anwendung Blutbild/Hb und Leberwerte nach Ausgangsrisiko.[6][2][3][4][5]

Kontrollen

Blutdruck, Ödeme und Nierenfunktion nach Beginn/Dosissteigerung und bei Risikokonstellationen kontrollieren. Etoricoxib: Blutdruck innerhalb der ersten zwei Wochen, danach regelmäßig. Gastroprotektion bei erhöhtem gastrointestinalem Risiko festlegen.[2][3][4][5]

Meläna/Hämatemesis, neue Dyspnoe/Ödeme, Oligurie oder schwere Haut-/Schleimhautreaktion: absetzen und akut abklären. Gleichzeitige systemische NSAR vermeiden.[2][3][4][5]

Gegenanzeigen

Klassenbezogen/präparatespezifisch: aktive oder rezidivierende Ulzera/Blutung, frühere NSAR-bedingte Blutung/Perforation, relevante NSAR-Überempfindlichkeit, schwere Nieren-/Leberfunktionsstörung und schwere Herzinsuffizienz; jeweilige FI-Grenzen beachten.[2][3][4][5]

Celecoxib/Etoricoxib: etablierte koronare, periphere arterielle oder zerebrovaskuläre Erkrankung, Herzinsuffizienz NYHA II–IV sowie entzündliche Darmerkrankung kontraindiziert. Celecoxib zusätzlich Sulfonamid-Überempfindlichkeit. Etoricoxib: dauerhaft >140/90 mmHg bei unzureichender Blutdruckkontrolle; Alter unter 16 Jahren.[4][5]

Schwangerschafts-/Stillkontraindikationen für Coxibe und Dritttrimester-Kontraindikationen nichtselektiver NSAR gesondert beachten.[2][3][4][5]

Nebenwirkungen und Maßnahmen

Dyspepsie, Ulkus/Blutung, Nierenfunktionsverschlechterung, Flüssigkeitsretention, Hypertonie und kardiovaskuläre Ereignisse; Leberwerterhöhung, Überempfindlichkeit und schwere Hautreaktionen. Coxibe beseitigen gastrointestinale Risiken insbesondere bei ASS-Begleittherapie nicht.[2][3][4][5]

Wechselwirkungen

Niedrig dosiertes MTX bei rheumatischer Erkrankung: bei stabiler Nierenfunktion häufig mögliche Kombination mit Kontrollen; Dehydratation/Nierenfunktionsabfall erhöht MTX-Toxizität. ACE-Hemmer/Sartan plus Diuretikum: erhöhtes Risiko akuter Nierenschädigung. Antikoagulanzien, ASS, Glukokortikoide und SSRI erhöhen Blutungsrisiken; Lithiumspiegel können steigen. [6][2][3][4][5]

Ibuprofen kann die Thrombozytenhemmung niedrig dosierter ASS beeinflussen; bei regelmäßiger Kombination Alternativstrategie prüfen. Bei gleichzeitiger Fluconazolgabe nur die Hälfte der empfohlenen Celecoxib-Dosis anwenden. Bei bekannt schlechtem CYP2C9-Metabolismus diese Kombination vermeiden. [2][4]

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: Nur intermittierend und möglichst kurz; kurzwirksame nichtselektive NSAR wie Ibuprofen bevorzugen. Nach der 28. Schwangerschaftswoche beenden. Bei erschwerter Konzeption eine NSAR-Pause erwägen. [7]

Stillzeit: Nichtselektive NSAR und Celecoxib mit dem Stillen vereinbar; Ibuprofen bevorzugen. Etoricoxib vermeiden; begrenzte Sicherheitsdaten. [7]

Väterlicher Kinderwunsch: NSAR einschließlich COX-2-Hemmern können fortgeführt werden. [7]

Fachinformation: Ibuprofen/Naproxen können ab der 20. Schwangerschaftswoche fetale Nierenfunktionsstörung/Oligohydramnion verursachen; auch eine Ductus-Verengung im zweiten Trimenon wurde berichtet. Bei mehrtägiger Exposition ab der 20. Woche fetale Kontrollen auf beide Komplikationen erwägen und bei Nachweis absetzen. Im 3. Trimenon kontraindiziert. [2][3]

Fachinformation: Celecoxib und Etoricoxib sind in Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert; Celecoxib auch bei gebärfähigen Frauen ohne sichere Kontrazeption. Die Stillzeit-Empfehlung für Celecoxib weicht von EULAR ab. Längere Naproxenexposition in der Stillzeit präparatebezogen abwägen. [3][4][5]

Operationen

Blutungsrisiko, Nierenfunktion, Volumenstatus und pharmakologische Halbwertszeit in die perioperative Planung einbeziehen; Pause durch operatives/anästhesiologisches Team festlegen. Coxibe beeinflussen die Plättchenfunktion anders als nichtselektive NSAR, behalten aber renale und kardiovaskuläre Risiken.[2][3][4][5]

Alltag und Handhabung

Mit ausreichend Flüssigkeit einnehmen; Einnahme zu Mahlzeiten je nach Verträglichkeit und Präparat. Bei akuter Gastroenteritis, erheblicher Dehydratation oder Nierenfunktionsabfall pausieren und Therapie prüfen.[2][3][4][5]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

Geprüfte Auswahl: Ibu-ratiopharm 400/600/800 mg, Naproxen-CT 500 mg, Celecoxib-ratiopharm 100/200 mg, Etoricoxib-ratiopharm 30/60/90/120 mg. Teilbarkeit und pädiatrische Alternativformen jeweils nach eigener FI.[2][3][4][5]

Quellen und Links

[1] ASAS/EULAR: axSpA, Update 2022
Original 2023; NSAR als initiale pharmakologische Behandlung, Nutzung nach Beschwerden und Risiken.
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[2] DGRh: Wechselwirkungen und Dosierungen synthetischer DMARDs
Original 2023; Kernempfehlung 2 und Tabellen zu Cotrimoxazol/MTX und NSAR/MTX.
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[3] Ibu-ratiopharm 400/600/800 mg: Fachinformation Juni 2026; insbesondere 4.2–4.6, Rheumadosen, Organfunktion und Reproduktion. Abruf 23.09.2026. Fachinformation

[4] Naproxen-CT 500 mg: Fachinformation September 2024, Version 6; insbesondere 4.2–4.6, getrennte Rheuma-/Gichtregime. Abruf 23.09.2026. Fachinformation

[5] Celecoxib-ratiopharm 100/200 mg: Fachinformation Juli 2025, Version 1; Dokumentkopf und Abschnitt 10 stimmen überein. Dosierung, Organfunktion, CYP2C9/Fluconazol, Gegenanzeigen und Reproduktion. Abruf 23.09.2026. Fachinformation

[6] Etoricoxib-ratiopharm 30/60/90/120 mg: Fachinformation Februar 2021, Version 3; insbesondere 4.2–4.6, Dosis-/Dauergrenzen, Organfunktion und Blutdruck. Abruf 23.09.2026. Fachinformation

[EP] Rüegg L et al.: EULAR recommendations for use of antirheumatic drugs in reproduction, pregnancy, and lactation: 2024 update. Ann Rheum Dis. 2025;84:910–926. Empfehlungen I–III, Tabellen 1–4 und Erläuterungen. DOI 10.1016/j.ard.2025.02.023. Originalquelle

Systemische Glukokortikoide
Kurzzusammenfassung
IndikationenRA-Bridging; PMR/GCA/TAK; AAV, SLE und Myositiden nach Organaktivität.
DosierungPrednisolonäquivalent: RA bis 30 mg/Tag; PMR 15–25 mg/Tag; GCA/TAK 40–60 mg/Tag. Reduktionsziele indikationsbezogen.
Besondere SicherheitsmaßnahmenExposition minimieren; Infektionen, Glukose, Blutdruck, Knochen und Nebennierenfunktion. SSc: renale Krise beachten.
Wirkmechanismus

Glukokortikoidrezeptor-vermittelte antiinflammatorische und immunsuppressive Wirkung; höhere Dosierungen zusätzlich mit raschen nichtgenomischen Effekten.[1][2]

Indikationen

RA: kurzfristige Begleittherapie bei Beginn oder Umstellung eines csDMARD. PMR, GCA/TAK, AAV, SLE und Myositiden: Erkrankungsaktivität und Organbedrohung bestimmen Dosis, Applikationsweg und Kombinationstherapie.[3][4][5][6][7]

SSc: besondere Zurückhaltung wegen renaler Krise; bei erforderlicher Anwendung Blutdruck engmaschig kontrollieren.[8]

Weitere entzündliche, allergologische oder hämatologische Indikationen nach der jeweiligen Fachinformation.[1][2]

Dosierung und Anwendung

Alle folgenden oralen Angaben: Prednison-/Prednisolonäquivalent. Eine verordnete Methylprednisolonmenge ausdrücklich als tatsächliche Wirkstoffdosis kennzeichnen; zur Orientierung entsprechen 5 mg Prednisolon etwa 4 mg Methylprednisolon.[1][2]

IndikationInitialdosis und Reduktionsziel
RA · deutsche S3Bis maximal 30 mg/Tag; innerhalb von acht Wochen auf niedrige Dosis reduzieren, rasch beenden; Behandlung auf drei Monate begrenzen.
PMR15–25 mg/Tag; nach EULAR auf 10 mg innerhalb von 1–2 Monaten, Beendigung innerhalb eines Jahres anstreben. Individuell nach Verlauf und Begleittherapie.
GCA/TAK40–60 mg/Tag; nach EULAR auf 15–20 mg innerhalb von 2–3 Monaten; Beendigung innerhalb von 12–18 Monaten anstreben.
GPA/MPA · organ-/lebensbedrohendInitial 50–75 mg/Tag nach Körpergewicht, kombiniert mit RTX oder CYC; reduzierte PEXIVAS-Strategie, nach 15–16 Wochen 5–7,5 mg/Tag.
GPA/MPA · ohne OrganbedrohungInitial 0,5 mg/kg/Tag als mögliche reduzierte Strategie nach deutscher S3; begleitende Remissionsinduktion erforderlich.
Myositis · leicht bis mittelschwerDGN: 1 mg/kg/Tag bis klinische Besserung; anschließend schrittweise reduzieren, früh steroid-sparend kombinieren.

Zuordnung: RA [1], PMR [2,3], GCA/TAK [3], AAV [4], Myositis [5].[3][4][5][6][7]

GCA mit starker klinischer Wahrscheinlichkeit: GC sofort beginnen und Bestätigungsdiagnostik parallel durchführen. Bei akutem Sehverlust durch aktive GCA nach EULAR Methylprednisolon i.v. 250–1.000 mg/Tag für bis zu drei Tage erwägen; der Nutzen dieser Pulsstrategie ist nicht sicher belegt. Akute augenärztliche und rheumatologische Behandlung. [5]

SituationEinordnung
Schwere Myositis · DGNMethylprednisolon i.v. 250–1.000 mg/Tag über 3–5 Tage nach DGN-Tabelle 6.1; tatsächliche Wirkstoffdosis. Blutdruck und Blutzucker während der Infusion kontrollieren. [7]
Rasch progrediente SARD-ILD · ACR/CHESTMethylprednisolon 1 g i.v. täglich für 3 Tage, im spezialisierten Kombinationskonzept. Bei SSc wegen des renalen Krisenrisikos keine routinemäßige GC-Therapie; bei seltener RP-ILD individuelle Abwägung, kein Konsens für GC. [9]
Weitere organ-/lebensbedrohende ErkrankungenWirkstoffmenge, Infusionsdauer und Zahl der Gaben nach der jeweiligen Krankheitsleitlinie und der gewählten Hochdosis-FI.

[7][2]

Reduktion und Absetzen

Nach Kontrolle der Grunderkrankung reduzieren; bei längerfristiger Behandlung langsamer, sobald etwa 4–6 mg Prednison-/Prednisolonäquivalent pro Tag erreicht sind. Bei Absetzziel in diesem Bereich klinisch überwacht ausschleichen oder morgendliches Serumkortisol zur Beurteilung der Nebennierenfunktion bestimmen. Rezidiv, Entzugssyndrom und Nebenniereninsuffizienz differenzieren. [3][4][5][10]

Bei einer Kurzzeittherapie unter 3–4 Wochen ist aus endokrinologischer Sicht in der Regel kein Ausschleichen oder Funktionstest erforderlich. Ob die Erkrankungsaktivität ein Absetzen erlaubt, gesondert beurteilen. [10]

Bei aktueller oder kürzlich beendeter GC-Therapie und nicht ausgeschlossener Nebenniereninsuffizienz Stresssubstitution vorsehen. Bei größerem Eingriff, fehlender oraler Aufnahme, anhaltendem Erbrechen/Diarrhö oder Kreislaufinstabilität parenteral behandeln; bei Verdacht auf Nebennierenkrise unverzüglich Glukokortikoid und Flüssigkeit geben. [10]

Vor Therapiebeginn

Blutdruck, Gewicht, Glukosestoffwechsel, Fraktur-/Osteoporoserisiko, relevante Infektionen, Impfstatus, Ulkus-/Blutungsrisiko, psychiatrische und okuläre Risiken. Bei höher dosierter/längerer Immunsuppression HBV-Serologie mit HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs; weitere Infektionsdiagnostik nach Exposition und Gesamtregime.[6][1][11]

Kontrollen

Dosis und kumulative Exposition bei jedem Verlauf prüfen; Blutdruck, Gewicht/Ödeme und Blutzucker nach Dosis und Risiko. Bei längerfristiger Gabe Knochenschutz, Muskelkraft und Augen kontrollieren.[3][1]

Infektionen können ohne deutliche Fieberreaktion verlaufen. Bei AAV empfiehlt die deutsche S3 eine PJP-Prophylaxe unter RTX-Induktion, CYC oder mehr als 15 mg Prednisolonäquivalent/Tag über mehr als vier Wochen. Bei anderen Erkrankungen Gesamtrisiko individuell beurteilen. [6]

Bei SSc: neue Hypertonie oder Kreatininanstieg unmittelbar als mögliche renale Krise abklären.[8]

Unter Pulstherapie Blutdruck, Kreislauf, Glukose und Elektrolyte kontrollieren; Infusionsgeschwindigkeit entsprechend Präparat und Dosis.[2]

Gegenanzeigen und besondere Anwendungsbeschränkungen

Formale Gegenanzeige der genannten systemischen Präparate: Überempfindlichkeit. Infektionen, Diabetes, schwere Hypertonie, Ulkus, Osteoporose oder psychiatrische Erkrankung erfordern eine spezifische Nutzen-Risiko-Entscheidung und Begleitbehandlung; bei vitaler Indikation bestimmt die Notfallsituation das Vorgehen.[1][2]

Nebenwirkungen und Maßnahmen

Dosis-/dauerabhängig: Infektionen, Hyperglykämie/Diabetes, Hypertonie und Flüssigkeitsretention, Osteoporose/Frakturen, Myopathie, Gewichtszunahme, Hautatrophie, Katarakt/Glaukom, Schlaf- und psychische Störungen; Suppression der Nebennierenfunktion. Auch schwere psychiatrische Reaktionen und aseptische Knochennekrosen sind möglich; ihre Häufigkeit ist in den geprüften Fachinformationen nicht bezifferbar. [1][2]

Wechselwirkungen

NSAR erhöhen gastrointestinale Risiken. Kaliumverluste unter Diuretika beachten. CYP3A-Hemmer können die systemische Steroidexposition erhöhen, Enzyminduktoren vermindern. Antidiabetika und Antikoagulation nach Verlauf anpassen; zusätzliche Immunsuppressiva erhöhen das Infektionsrisiko.[1][2]

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: Prednison/Prednisolon bei erforderlicher Krankheitskontrolle; Erhaltungsdosis möglichst ≤5 mg/Tag, Absetzen anstreben. Höhere Dosen gegen maternale und fetale Risiken abwägen. Bei schwerer, therapierefraktärer mütterlicher Erkrankung i.v.-Methylprednisolonpulse erwägen. [12]

Stillzeit: Prednison/Prednisolon und i.v.-Methylprednisolonpulse mit dem Stillen vereinbar. Nach 1.000 mg i.v. Methylprednisolon kann ein Stillabstand von 2–4 Stunden die Säuglingsexposition vermindern. [12]

Väterlicher Kinderwunsch: Prednison/Prednisolon können fortgeführt werden. [12]

Fachinformation: Schwangerschaft nur nach Nutzen-Risiko-Abwägung; bei Exposition gegen Schwangerschaftsende mögliche Nebennierensuppression des Neugeborenen berücksichtigen. Prednisolon acis empfiehlt bei erforderlichen höheren Dosen abzustillen; Urbason solubile empfiehlt bei höheren Dosen oder Langzeitbehandlung Stillverzicht. Dies weicht von der oben genannten klinischen EULAR-Empfehlung ab. [1][2]

Impfungen

Totimpfstoffe möglich; Impfantwort unter höherer Immunsuppression vermindert. Lebendimpfungen bei immunsuppressiver Dosis/Dauer mit erforderlichem Abstand planen und die aktuelle Impfempfehlung heranziehen.[1][2]

Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe

Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [13]

ImpfungIndikation / Schema
InfluenzaJährlich bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren; inaktivierter Impfstoff, ab 60 Jahren Hochdosis- oder MF59-adjuvantiert.
COVID-19Jährlich bei relevanter Immunsuppression/weiterem Risikofaktor oder ab 75 Jahren, bevorzugt Spätsommer/Frühherbst. Bei ausgeprägter Immundefizienz zusätzliche Dosen/verkürzte Abstände individuell. [14]
Pneumo­kokkenPCV20 bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren. Nach PCV13/15 ≥1 Jahr; nach PPSV23 ≥6 Jahre, bei ausgeprägter Immundefizienz gegebenenfalls ≥1 Jahr.
Herpes zosterAb 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression.
Hepatitis BBei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l.
RSVEinmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/Immundefizienz oder Pflegeheimbewohnenden. Möglichst vor der RSV-Saison.

Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [13]

Operationen

DGRh: 2–3 Monate vor elektivem Eingriff auf die niedrigste mögliche Dosis, möglichst <10 mg/Tag, reduzieren. In den letzten 1–2 Wochen und am Operationstag Dosis stabil halten. Zusätzliche Stresssubstitution bei relevanter Nebenniereninsuffizienz anhand Eingriff und klinischer Situation.[15]

Alltag und Handhabung

Orale Einmalgabe überwiegend morgens; individueller Dosis-/Reduktionsplan. Bei längerfristiger Behandlung Steroidausweis und Vorgehen bei akuter Erkrankung besprechen. Intravenös Wirkstoff, Salzform, Dosis, Verdünnung und Infusionsdauer präzise verordnen.[1][2]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

Prednisolon acis: 5, 10, 20 und 50 mg Tabletten. Urbason solubile 16 mg/32 mg: Pulver mit Lösungsmittel; für Hochdosistherapie geeignete separate Hochdosisform verwenden. Tatsächliche Methylprednisolonmenge, Teilbarkeit, Lösungsmittel und Zubereitung präparatespezifisch prüfen. [1][2]

Quellen und Links

[1] Deutsche S3-Leitlinie RA, Version 3.0
Originalstand 16.08.2026; Empfehlung 5 zur Glukokortikoid-Bridging-Therapie.
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[2] Deutsche S2e-Leitlinie PMR, Update 2024
Initiale Glukokortikoide 15–25 mg Prednisonäquivalent/Tag; risikoadaptierte Reduktion und Kombination.
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[3] EULAR: PMR und primäre Großgefäßvaskulitiden, Update 2025
Originalpublikation 2026; Empfehlungen 2–5 zu Beginn, Dosierung und Reduktionszielen.
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[4] Deutsche S3-Leitlinie ANCA-assoziierte Vaskulitiden
Original 2025; Remissionsinduktion und Kapitel 11.1 zur PJP-Prophylaxe.
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[5] DGN: S2k-Leitlinie Myositissyndrome, 2022, verlängerte Fassung 2024; Kapitel 6.1, Flussdiagramm 1 (S.36) und Tabelle 6.1 (S.37). Widerspruch zur Bezugsgröße der i.v.-Dosis ausdrücklich erhalten. Bereitgestellte Originalfassung am 23.09.2026 geprüft. Leitlinienregister

[6] Prednisolon acis 5/10/20/50 mg: Fachinformation Januar 2026; Abschnitte 2–4.8, Schwerpunkt Dosierung, Warnhinweise und Nebenwirkungen. Abruf 23.09.2026. Fachinformation

[7] Urbason solubile 16/32 mg: Fachinformation April 2023; Abschnitte 2–4.8. Präparatestärke, Wirkstoffmenge und Prednisolonäquivalent unterscheiden. Abruf 23.09.2026. Fachinformation

[EP] Rüegg L et al.: EULAR recommendations for use of antirheumatic drugs in reproduction, pregnancy, and lactation: 2024 update. Ann Rheum Dis. 2025;84:910–926. Empfehlungen I–III, Tabellen 1–4 und Erläuterungen. DOI 10.1016/j.ard.2025.02.023. Originalquelle

[9] DGRh: Perioperativer Umgang mit antirheumatischer Therapie
Empfehlungen 2021, publiziert 2022; perioperative Glukokortikoide und DMARDs.
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[10] Deutsche S3-Leitlinie Hepatitis B, 2021
Screening, antivirale Prophylaxe und Überwachung bei Immunsuppression; hepatologische Mitbehandlung.
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[11] EULAR: Therapie der systemischen Sklerose, Update 2023
Originalpublikation 2025; Tabelle 1 und die jeweiligen Organkapitel.
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In der Arbeitsfassung v78 nicht enthalten: Asfotase alfa.

Die Wirkstoffseiten fassen Anwendungsgebiete und praktische Hinweise zusammen. Verbindlich sind Fachinformation und Zulassungstext des jeweiligen Präparats.