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CTD-assoziierte interstitielle Lungenerkrankungen

Diagnostik und Klassifikation

Screening auch ohne Symptome
HRCT bei SSc/MCTD und IIM mit Risikofaktoren; bei den meisten übrigen IIM außer IBM sowie bei RA/Sjögren mit Risikofaktoren erwägen
Symptome
Belastungsdyspnoe, trockener Husten; frühe ILD auch symptomarm
Befunde
basales inspiratorisches Knisterrasseln, Belastungsdesaturation
Lungenfunktion
DLCO ↓, ggf. FVC ↓ / Restriktion
HRCT
interstitielles Muster und Ausdehnung; z. B. NSIP, UIP, organisierende Pneumonie
Krankheitsbezug
SSc, RA, IIM, MCTD, Sjögren; Screening nach Grunderkrankung/Risiko
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HRCT-Screening

Erkrankung Empfehlung Wesentliche Auswahlmerkmale
SSc Alle Patient:innen; stark Unabhängig von kutanem Subtyp und normaler Lungenfunktion
MCTD Alle Patient:innen; stark Auch ohne respiratorische Symptome
IIM mit Risikomerkmalen Stark Antisynthetase-Syndrom, klinisch amyopathische DM, Mechanikerhände, Arthritis; Antisynthetase-, Anti-MDA5- oder Anti-Ro52-Antikörper; Anti-Ku-/Anti-PM/Scl-Antikörper (ACR ILD-Screening 2023)
Übrige IIM Bei den meisten erwägen; konditional IBM von dieser allgemeinen Screeningempfehlung ausgenommen
RA Bei Risikomerkmalen erwägen; konditional Höheres Alter, Rauchen, erhöhter RF, ACPA-Positivität, Entzündungsparameter, männliches Geschlecht, hohe Gelenkaktivität
Sjögren Bei Risikomerkmalen erwägen; konditional Höheres Alter, männliches Geschlecht, aktive extrapulmonale Beteiligung, erhöhte Entzündungsparameter; Anti-Ro52 als zusätzlicher Risikohinweis
SLE Klinisch indizierte Abklärung Keine allgemeine EULAR 2026-Empfehlung zur Auswahl asymptomatischer Screeningpatient:innen
  • Lungenfunktion und Lungenultraschall als ergänzende Verfahren, nicht als Ersatz für ein indiziertes HRCT
  • Nach negativem Ausgangs-HRCT: erneute Untersuchung nach klinischer Entwicklung und Risikoprofil; kein festes europäisches Wiederholungsscreeningintervall

Ausgangsbefund und Differenzialdiagnosen

  • HRCT: Muster, Verteilung, Ausmaß und fibrotische Veränderungen
  • Lungenfunktion: FVC und DLCO; bei möglicher Atemwegsbeteiligung zusätzlich FEV₁; Messqualität und Hämoglobinbezug
  • Verlauf: Dyspnoe, Husten, Belastbarkeit, Geschwindigkeit der Verschlechterung; Therapiebeginn/-wechsel und Expositionen
  • SSc: Hautausmaß/-progression, Anti-Topoisomerase-I und Entzündungsparameter; Afroamerikanische Herkunft (EULAR 2026)
  • RA: UIP-Muster, Ausmaß der ILD und Funktionsverlust
  • IIM: insbesondere Anti-MDA5, Antisynthetase- und Anti-Ro52-Antikörper
  • Bei Verschlechterung: Infektion, Arzneimittelpneumonitis, PH/Herzerkrankung, Embolie, Aspiration und Malignität mitprüfen

BAL, Biopsie und funktionelle Zusatzbeurteilung

  • BAL bei Infektionsverdacht oder relevanter alternativer Diagnose erwägen
  • Keine Routinebiopsie bei typischer, klinisch zugeordneter CTD-ILD; bei atypischem Befund oder Malignitätsverdacht multidisziplinäre Nutzen-Risiko-Entscheidung
  • 6-Minuten-Gehtest einschließlich Desaturation zur ergänzenden Schweregradbeurteilung; eingeschränkte Aussage bei relevanter Arthritis, Gelenkschaden, Muskelschwäche oder Gefäß-/Hautbeteiligung
  • Patient-reported outcomes ergänzend zur Erfassung von Symptomlast und Alltagseinschränkung; gemeinsame Interpretation mit Funktion und Bildgebung
  • Bei Raynaud-Phänomen mit schlechter Fingerperfusion Sättigung vorzugsweise an Ohr oder Stirn messen (ACR ILD-Screening 2023).

Progressive pulmonale Fibrose

  • Fibrotische ILD außerhalb IPF; innerhalb des zurückliegenden Jahres mindestens zwei von drei Bereichen, ohne alternative Erklärung
Bereich Kriterium
Symptome Zunehmende respiratorische Beschwerden
Physiologie Absoluter FVC-Abfall ≥5 Prozentpunkte des Solls oder absoluter Hb-korrigierter DLCO-Abfall ≥10 Prozentpunkte des Solls
Bildgebung Mindestens eines der nachstehenden radiologischen Progressionsmerkmale
  • Radiologische Progressionsmerkmale:
  • Zunahme von Traktionsbronchiektasen/-bronchiolektasen ◦ Neue Milchglastrübungen mit Traktionsbronchiektasen ◦ Neue feine Retikulationen ◦ Zunehmendes Ausmaß oder gröbere Struktur vorhandener Retikulationen ◦ Neue oder zunehmende Honigwabenveränderungen ◦ Zunehmender lobärer Volumenverlust ◦
  • Gleichzeitiger FVC- und DLCO-Abfall: weiterhin nur ein physiologischer Bereich
  • Jahresfenster als Rückblick, nicht als Wartefrist; rasche Verläufe unmittelbar beurteilen
  • Abgrenzung zu relativen FVC-Schwellen der INBUILD-Studie

Therapie

Therapiebeginn
SSc-ILD
MMF (Off-Label), Rituximab (Off-Label) oder Cyclophosphamid (Off-Label); bei früher entzündlicher dcSSc Tocilizumab (Off-Label); Nintedanib (zugelassen) allein oder mit MMF (Off-Label)
RA-/Sjögren-/MCTD-/SLE-ILD
Immunsuppression erwägen; sehr geringe Evidenz, optimale Substanz unklar. RA-ILD: Wirkstoffoptionen
IIM-ILD
GK plus Immunsuppressivum; Wirkstoffoptionen
Unzureichende Wirksamkeit
Infektion, Exposition und Progressionsmechanismus prüfen; Immunsuppression anpassen; PPF → Nintedanib, neuere zugelassene Option Nerandomilast; RA-UIP → ggf. Pirfenidon (Off-Label) bei begrenzten Daten
Deeskalation
stabile Kontrolle → individuelle Reduktion nach Organaktivität und Progressionsrisiko; Mindestdauer nicht festgelegt Rasch progrediente ILD
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Behandlungsentscheidung

  • Ziele: Stabilisierung oder Verbesserung von Lungenfunktion, Belastbarkeit und Symptomen; Verringerung weiterer Organschäden
  • Behandlung auch bei hohem Risiko vor nachgewiesener PPF erwägen
  • Auswahl unter Einbeziehung extrapulmonaler Aktivität, Komorbiditäten, Reproduktion, Verträglichkeit und Präferenzen
  • Studienpopulationen als Orientierung für die Übertragbarkeit der Evidenz; individuelle Entscheidung außerhalb dieser Populationen
  • EULAR 2026-Therapieoptionen ohne verbindliche Rangfolge; Intensität nach Risiko und Schwere
  • Bei hohem Progressionsrisiko Kombination von Immunsuppressiva erwägen; bei PPF gegebenenfalls Immunsuppressivum + Nintedanib. Begrenzte Daten; erhöhtes Infektionsrisiko bei Kombinationen berücksichtigen
Prednisolon · Therapiebeginn · entzündliche Aktivität

Cave: Systemische Sklerose → renale Krise

  • SSc-ILD: keine GK-Erstlinientherapie
  • Prednisolon: initial bis 1 mg/kg p.o. täglich nach Schwere; Reduktion nach Verlauf

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Mycophenolat-Mofetil (MMF) · Immunmodulation · initiale Option · (Off-Label)
  • Mycophenolat-Mofetil (MMF): initial 500 mg p.o. zweimal täglich → 1.000–1.500 mg zweimal täglich; (Off-Label)

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Mycophenolat-Natrium (EC-MPS) · Alternative bei MMF-Unverträglichkeit · (Off-Label)
  • Mycophenolat-Natrium (EC-MPS): initial 360 mg p.o. zweimal täglich → 720–1.080 mg zweimal täglich; (Off-Label)
  • GFR <25 ml/min/1,73 m²: maximal 1.440 mg/d

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Azathioprin · Immunmodulation · ausgewählte Verläufe · Zulassung je Grunderkrankung

Cave: Xanthinoxidasehemmer → verstärkte Thiopurinwirkung / schwere Myelosuppression

  • Azathioprin: initial 50 mg p.o. täglich → 2–3 mg/kg/d; SSc/Sjögren/MCTD (Off-Label)
  • Allopurinol/Oxipurinol/Thiopurinol: Azathioprin auf 25 % der Ausgangsdosis reduzieren; engmaschiges Blutbild
  • Febuxostat: Kombination nicht empfohlen

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Cyclophosphamid · Induktion bei schwerem Verlauf · (Off-Label)

Cave: Fertilitätsschädigung; hämorrhagische Zystitis

  • Cyclophosphamid i.v.: 500–750 mg/m² alle 4 Wochen für 6 Monate; (Off-Label)
  • Cyclophosphamid p.o., alternativ: initial 50–150 mg/d → 2 mg/kg/d, maximal 200 mg/d; (Off-Label)
  • Mesna/Hydrierung: Begleitprophylaxe nach Regime

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Rituximab · Immunmodulation · ausgewählte Verläufe · (Off-Label)

Cave: HBV-Reaktivierung; schwere Hypogammaglobulinämie

  • Rituximab: 1.000 mg i.v. Tag 1 und 15; erneuter Zyklus nach Aktivität, häufig nach etwa 24 Wochen; (Off-Label)

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SSc-ILD

  • Mycophenolat, Rituximab oder Cyclophosphamid erwägen
  • Tocilizumab: frühe diffus-kutane SSc mit erhöhten Entzündungsparametern oder jüngster Hautfibroseprogression
  • Nintedanib allein oder mit Mycophenolat; Kombinationsevidenz vor allem für Zusatz zu bereits stabiler MMF-Therapie
  • Glukokortikoide: hohe Dosen wegen des Nierenkrisenrisikos vermeiden

ACR ILD-Therapie 2023 – abweichend: Starke Empfehlung gegen Glukokortikoide als reguläre Erstlinientherapie der SSc-ILD. Konditionale Empfehlung gegen eine initiale MMF/Antifibrotika-Kombination sowie gegen den Zusatz eines Antifibrotikums zu MMF ohne Progression. Seltene SSc-RP-ILD gesondert beurteilen.

Tocilizumab · Option bei früher entzündlicher Konstellation · (Off-Label)

Cave: Divertikulitis / Perforationsrisiko, Mechanistische CRP-Suppression

  • Tocilizumab: 162 mg s.c. einmal wöchentlich; SSc-ILD; (Off-Label)

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Nintedanib · Antifibrotische Therapie

Cave: Blutungsrisiko bei Antikoagulation; GI-Perforation

  • Nintedanib: 150 mg p.o. zweimal täglich mit Nahrung; bei Unverträglichkeit 100 mg zweimal täglich; SSc-ILD/PPF

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RA-ILD

  • Aktive Arthritis und ILD gemeinsam beurteilen; Gelenkaktivität nach Treat-to-Target behandeln
  • Immunsuppression erwägen; konditionale Empfehlung bei sehr geringer Evidenz. Optimale Substanz unklar (EULAR 2026)
  • MMF (Off-Label) bedingt bevorzugte Erstlinienoption; weitere Optionen: Azathioprin, Rituximab (Off-Label), Cyclophosphamid (Off-Label). Bei gleichzeitig aktiver entzündlicher Arthritis kann Rituximab bevorzugt werden (ACR ILD-Therapie 2023)
  • Methotrexat als Arthritistherapie: bestehende RA-ILD allein kein Absetzgrund; bei Verdacht auf MTX-Pneumonitis MTX absetzen und gesondert abklären
  • PPF: Nintedanib, gegebenenfalls zusätzlich zur Immunsuppression
  • UIP-Muster: Pirfenidon bei begrenzten Daten erwägen
  • TNFi: Neubeginn bei bestehender ILD individuell diskutieren
  • DGRh RA 2026: Bei progressiver RA-ILD zusätzlich zur antiinflammatorischen Therapie frühzeitig antifibrotisch behandeln; keine generelle Präferenz eines einzelnen Immunsuppressivums

ACR ILD-Therapie 2023 – andere Auswahlbedingung: Pirfenidon als mögliche Ergänzung bei RA-ILD mit Progression trotz erster ILD-Therapie. EULAR 2026 knüpft diese Option an das UIP-Muster.

Methotrexat (MTX) · Gelenktherapie

Cave: CrCl <30 ml/min: kontraindiziert

  • Methotrexat (MTX): Arthritistherapie nach RA-Essential
  • Verdacht auf MTX-Pneumonitis: Absetzen und Abklärung
  • DGRh Wechselwirkung 2023: Cotrimoxazol in antibiotischer Therapiedosis meiden; PJP-Prophylaxe mit 160/800 mg dreimal wöchentlich bei niedrig dosiertem MTX möglich; Interaktionen und Kontrollen
  • DGRh Wechselwirkung 2023: unter Penicillinen MTX pausieren; Metamizol und Probenecid meiden; weitere Interaktionen
  • Nierenfunktion – DGRh Wechselwirkung 2023: bei GFR ≤45 ml/min von MTX abraten; FI: CrCl 30–59 ml/min → 50 % der Dosis, <30 ml/min → kontraindiziert; Dosisanpassung

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TNFi · Adalimumab, Etanercept, Certolizumab pegol, Golimumab, Infliximab · Gelenktherapie

Cave: schwere Herzinsuffizienz (NYHA III/IV)

  • TNFi: Arthritistherapie nach Grunderkrankung; Auswahl bei RA-ILD nach Lungenverlauf und Alternativen

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Pirfenidon · Ausgewählte fibrotische Verläufe · (Off-Label)

Cave: CrCl <30 ml/min; Fluvoxamin: kontraindiziert

  • Pirfenidon: Tag 1–7: 267 mg p.o. dreimal täglich; Tag 8–14: 534 mg dreimal täglich; ab Tag 15: 801 mg dreimal täglich mit Nahrung; RA-UIP-ILD (Off-Label)

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IIM-ILD einschließlich Antisynthetase- und Anti-MDA5-Konstellation

  • Immunsuppressiv behandeln; die Wahl des Regimes individuell treffen, da Vergleichsdaten begrenzt sind
  • Mycophenolat, Azathioprin, Calcineurininhibitoren, Rituximab und Glukokortikoide nach Verlauf und Manifestationen
  • Bei hohem Risiko oder schwerer Erkrankung früh Kombinationstherapie erwägen; Cyclophosphamid, IVIG oder JAKi in ausgewählten Konstellationen
  • Anti-MDA5/RP-ILD: zeitkritischer eigener Behandlungspfad, keine langsame sequenzielle Routineeskalation
  • Bei zusätzlicher PPF Nintedanib erwägen
  • CNI und JAKi: konditionale Optionen bei IIM-ILD. IVIG bei ausgewählten progredienten IIM-/MCTD-ILD und RP-ILD; keine reguläre Erstlinientherapie (ACR ILD-Therapie 2023).
Tacrolimus · Kombination bei ausgewählten Verläufen · (Off-Label)

Cave: Nephrotoxizität; starke CYP3A4-Interaktionen

  • Tacrolimus, unretardiert: initial 0,075 mg/kg/d p.o. in 2 Gaben; IIM-ILD; Talspiegel 5–10 ng/ml; (Off-Label)

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Ciclosporin · Kombination bei ausgewählten Verläufen · (Off-Label)

Cave: Nephrotoxizität; starke CYP3A4-Interaktionen

  • Ciclosporin: etwa 3 mg/kg/d p.o. in 2 Gaben; IIM-ILD; Talspiegel 100–150 ng/ml; (Off-Label)

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IVIG · Ergänzung bei ausgewählten schweren Verläufen · Zulassung je Grunderkrankung / Präparat
  • Immunglobuline i.v. (IVIG): 2 g/kg pro Zyklus über 2–5 Tage, alle 4 Wochen; CTD-ILD (Off-Label); DM-Zulassung präparatbezogen

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JAKi · Tofacitinib, Baricitinib, Upadacitinib · Spezialisierte Kombination / Reserve · (Off-Label)

Cave: MACE-/Malignom-/VTE-Risiko; Auswahlbeschränkungen

  • Tofacitinib: 5 mg p.o. zweimal täglich; alternativ 11 mg Retard p.o. einmal täglich; IIM-ILD (Off-Label)
  • Baricitinib: 2 mg p.o. einmal täglich; IIM-ILD (Off-Label)
  • Upadacitinib: 15 mg Retard p.o. einmal täglich; IIM-ILD (Off-Label)
  • Nur ohne geeignete Alternative: ≥65 Jahre; aktuelles/früheres langjähriges Rauchen; erhöhtes kardiovaskuläres-/Malignomrisiko
  • VTE-Risiko: besondere Vorsicht
  • Tofacitinib – FI: starke CYP3A4-Hemmung oder mäßige CYP3A4-/starke CYP2C19-Hemmung → 5 mg Filmtablette einmal täglich statt 5 mg zweimal täglich / 11 mg Retard; z. B. Ketoconazol / Fluconazol
  • Upadacitinib – FI: starke CYP3A4-Hemmer → 15 mg/d mit Vorsicht; Grapefruit vermeiden
  • Baricitinib – FI: bei Probenecid-Kombination 2 mg/d
  • Weitere Interaktionen / Organfunktion: substanzbezogene Anpassungen

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Sjögren-, MCTD- und SLE-ILD

  • Immunsuppression nach Lungenbefund, Risiko und extrapulmonaler Organbeteiligung; bei begrenzten Daten individuell entscheiden
  • Mögliche Optionen im europäischen Praxisalgorithmus: Mycophenolat, Azathioprin, Rituximab, Cyclophosphamid und Glukokortikoide
  • SSc-Overlapmerkmale bei der Glukokortikoidabwägung berücksichtigen
  • Bei PPF Nintedanib, gegebenenfalls in Kombination mit Immunsuppression

Geltungsbereich der Ergänzung: Die ACR ILD-Therapie 2023 umfasst Sjögren und MCTD, nicht den SLE.

Verlauf, Wechsel und supportive Behandlung

  • Bei Verschlechterung zunächst Ursache, Adhärenz, Exposition und Nebenwirkungen prüfen; Infektion und andere Differenzialdiagnosen einbeziehen
  • Immunsuppression bei unzureichender Kontrolle anpassen; bei fibrotischer Progression antifibrotische Behandlung prüfen
  • Deeskalation individuell bei stabiler Kontrolle und unter Verlaufskontrollen; kein universelles CTD-ILD-Taperschema
  • Schwere/progrediente Erkrankung: frühzeitig Transplantationsevaluation besprechen
  • Rauchstopp, Bewegung/Rehabilitation, Impfprävention, Ernährungs- und Symptombehandlung; Sauerstofftherapie bei Hypoxämie; palliative Versorgung bei Bedarf (ACR ILD-Therapie 2023).
Nerandomilast · Antifibrotische Therapie · neuere Option
  • Nerandomilast: 18 mg p.o. zweimal täglich; bei Unverträglichkeit ggf. 9 mg zweimal täglich; IPF/PPF
  • Pirfenidon/Bosentan oder weitere starke/mäßige CYP3A-Induktoren: keine Reduktion auf 9 mg zweimal täglich; starke CYP3A-Hemmer: 9 mg zweimal täglich
Nicht als allgemeine ILD-Standardbehandlung

Zum Steckbrief Nerandomilast

  • Langfristige Glukokortikoidmonotherapie bei progressiver ILD; bei SSc besonders ungünstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis
  • Pirfenidon für alle CTD-ILD unabhängig von der Grunderkrankung: keine allgemeine europäische Empfehlung
  • Kombination zweier Biologika: kein regulärer Therapiepfad der dargestellten Algorithmen

Monitoring und Sicherheit

FVC/DLCO, Symptome, klinischen Befund und gegebenenfalls HRCT gemeinsam bewerten
Engmaschige Verlaufsphase nach Grunderkrankung; bei Verdacht zusätzliche Untersuchungen
Bekanntes ILD-Monitoring vom Wiederholungsscreening nach negativem HRCT trennen
Bei Raynaud Sättigungsmessung an Ohr/Stirn bevorzugen (ACR ILD-Screening 2023)
Spezifische Medikamentenkontrollen ergänzend zum ILD-Verlauf
Antifibrotische Therapie bei relevanter Toxizität unterbrechen oder dauerhaft beenden; produktspezifische Regeln
Impfstatus, Infektionsprophylaxe und Reproduktionsplanung nach tatsächlicher Therapieexposition
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Lungenfunktion bei bestehender ILD

Erkrankung Frühe Verlaufsphase Anschließend
SSc FVC/DLCO alle 3–6 Monate während der ersten 3–5 Jahre Mindestens alle 6–12 Monate
RA FVC/DLCO/FEV₁ alle 3–6 Monate während der ersten 1–2 Jahre Mindestens alle 6–12 Monate
IIM FVC/DLCO alle 3–6 Monate im ersten Jahr Mindestens alle 6–12 Monate
Sjögren FVC/DLCO/FEV₁ alle 3–6 Monate im ersten Jahr Mindestens alle 6–12 Monate
MCTD Risikoadaptierte Festlegung; Praxisorientierung im folgenden Absatz Verlauf und Risiko maßgeblich
SLE Individuelle Festlegung nach Lungen-/ Organverlauf Kein festes europäisches Intervallstatement
  • Europäische MCTD-Praxisorientierung: hohes Risiko im ersten Jahr alle 3–6 Monate, danach alle 6–12 Monate; niedriges Risiko zunächst alle 6–12 Monate, später jährlich
  • MCTD-Zeiten aus dem praktischen Algorithmus, nicht aus einem formalen MCTD-Intervallstatement
  • Zusätzliche Untersuchungen bei Progressionsverdacht; bei schwerer Erkrankung eingeschränkte Durchführbarkeit und Messqualität berücksichtigen

HRCT und funktionelle Verlaufsbeurteilung

  • SSc-, RA- und andere CTD-ILD: HRCT nach 1–2 Jahren erwägen, besonders bei erhöhtem Risiko; zusätzlich bei Progressionsverdacht
  • IIM-ILD mit Risiko für schweren/rasch progredienten Verlauf: HRCT nach 3–6 Monaten, jährlich in den ersten zwei Jahren sowie bei Progressionsverdacht
  • Isolierten DLCO-Abfall auch hinsichtlich PH, Anämie und anderer Ursachen beurteilen
  • Symptome, Belastungsdesaturation und patientenberichtete Einschränkung ergänzen
  • Gehstrecke allein nicht als routinemäßiger Verlaufsparameter empfohlen; bei PH oder Transplantationsevaluation weiter nutzbar. Belastungsdesaturation gesondert messen (ACR ILD-Screening 2023).

Spezifisches Medikamentenmonitoring

  • Rituximab: IgG vor Beginn und vor jedem weiteren Zyklus
  • Cyclophosphamid: nadirbezogenes Blutbild; bei i.v.-Pulsen typischerweise Tag 8–14; Urin auf Hämaturie
  • Tacrolimus/Ciclosporin: Talspiegel, Blutdruck und Nierenfunktion; erneute Beurteilung bei Interaktion oder Formulierungswechsel
  • IL-6Ri: klinische Aktivität und Infektionszeichen trotz mechanistischer CRP-Suppression beurteilen

Weitere Kontrollen und Dosisanpassungen: Tocilizumab · Methotrexat · Medikamentenübersicht

Antifibrotika im Verlauf

  • Nintedanib/Nerandomilast: Diarrhö, Gewicht und Verträglichkeit

Weitere Kontrollen und Dosisanpassungen: Medikamentenübersicht

Infektionen, JAK-Risiken und Reproduktion

  • Vor relevanter Immunsuppression: TB-/Hepatitisrisiko, aktive Infektion und Impfstatus prüfen; bei Rituximab HBV-Screening und Immunglobuline
  • PJP-Prophylaxe nach Immunsuppressionsintensität, Dauer und individuellen Risiken
  • JAK-Inhibitoren bei Alter ≥65 Jahre, kardiovaskulärem oder Malignomrisiko sowie aktuellem beziehungsweise langjährigem früherem Rauchen nur bei fehlender geeigneter Alternative; zusätzliche Vorsicht bei VTE-Risiko
  • Reproduktionsberatung vor teratogenen oder gonadotoxischen Therapien; Kontrazeptionsfristen nach Präparat
  • Infektionsverdacht unter IL-6-Hemmung auch bei niedrigem CRP ernst nehmen

Rasch progrediente ILD

Rascher Anstieg des Sauerstoff-/Beatmungsbedarfs
zeitkritische Zentrumsbehandlung
Gesicherte oder vermutete Anti-MDA5-RP-ILD
initiale Dreifachkombination erwägen; andere RP-ILD: Zwei- oder Dreifachkombination (ACR ILD-Therapie 2023)
Infektion und andere Akutursachen parallel prüfen
Frühzeitige Transplantationsevaluation bei geeigneten Patient:innen
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Akutpfad

  • Rasche klinische und respiratorische Verschlechterung, besonders bei Anti-MDA5-/IIM-Konstellation: unmittelbare spezialisierte Beurteilung
  • Wochen bis wenige Monate (EULAR 2026); Anstieg des Sauerstoff-/Beatmungsbedarfs innerhalb von Tagen bis Wochen (ACR ILD-Therapie 2023)
  • Alternative Ursachen, insbesondere Infektion, kardiale Dekompensation und andere akute Lungenschäden, parallel abklären
  • Kombinationstherapie nach Phänotyp und Risiko; Behandlung nicht auf ein routinemäßiges Kontrollintervall verschieben
  • SSc mit RP-ILD: Glukokortikoide im Einzelfall erwägen; bei Einsatz engmaschig auf eine renale Krise überwachen (ACR ILD-Therapie 2023)
  • Frühzeitige Transplantationsevaluation; Evaluation nicht gleich Listung oder Transplantation
  • Bei gesicherter oder vermuteter Anti-MDA5-RP-ILD initiale Dreifachkombination erwägen; bei anderen RP-ILD-Konstellationen Zwei- oder Dreifachkombination. Begrenzte Daten zur optimalen Kombination (ACR ILD-Therapie 2023).
Methylprednisolon · Akuttherapie bei rascher Progression

Cave: Systemische Sklerose → renale Krise

  • Methylprednisolon: 1 g i.v. täglich für 3 Tage; schwere/RP-ILD

Zum Steckbrief Methylprednisolon

Quellen und Links

  • ERS/EULAR clinical practice guidelines for connective tissue disease-associated interstitial lung disease. Antoniou et al.; Eur Respir J 2026;67:2402533.
  • 2023 American College of Rheumatology (ACR)/American College of Chest Physicians (CHEST) Guideline for the Treatment of Interstitial Lung Disease in People with Systemic Autoimmune Rheumatic Diseases. Johnson et al.; Arthritis Rheumatol 2024;76:1182–1200.
  • 2023 American College of Rheumatology (ACR)/American College of Chest Physicians (CHEST) Guideline for the Screening and Monitoring of Interstitial Lung Disease in People with Systemic Autoimmune Rheumatic Diseases. Johnson et al.; Arthritis Rheumatol 2024;76:1201–1213.
  • Idiopathic Pulmonary Fibrosis (an Update) and Progressive Pulmonary Fibrosis in Adults: An Official ATS/ERS/JRS/ALAT Clinical Practice Guideline. Raghu et al.; 2022.
  • Therapie der rheumatoiden Arthritis mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten. DGRh/AWMF S3-Leitlinie 060-004, Version 3.0, Stand 16.08.2026. Langfassung. Aktivitätsscores und weitere Werkzeuge · Klassifikationskriterien
  • Bewertung von Wechselwirkungen und Dosierungsempfehlungen von synthetischen DMARDs – Evidenz- und konsensbasierte Empfehlungen auf Basis einer systematischen Literatursuche. Fiehn et al.; Z Rheumatol 2023;82:151–162.
  • EMA – Sicherheitsverfahren zu JAK-Inhibitoren.
  • Tashkin et al. Mycophenolate mofetil versus oral cyclophosphamide in SSc-ILD (SLS II). Lancet Respir Med 2016.
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