Sulfasalazin
Fachinformation: Präparateauswahl
| Indikationen | Aktive RA; JIA-Oligoarthritis/Enthesitis-assoziierte Arthritis und polyartikuläre JIA ab 6 Jahren nach unzureichendem NSAR-Ansprechen. |
|---|---|
| Dosierung | Einschleichende RA-Dosis bis 1.000 mg zweimal täglich; bei unzureichendem Ansprechen gegebenenfalls bis 3.000 mg/Tag. Pädiatrische Dosierung am Ende des Dosierungsabschnitts. |
| Gegenanzeigen (Auswahl) | Überempfindlichkeit gegen Sulfonamide/Salicylate, schwere Leber-/Niereninsuffizienz, Blutbildveränderungen, G6PD-Mangel, Porphyrie, Methenamin und Alter unter 6 Jahren. |
| Besondere Sicherheitsmaßnahmen | Blutbild, Leberwerte, Nierenfunktion/Urinstatus nach engmaschigem FI-Schema; Folsäure in Schwangerschaft berücksichtigen. |
Wirkmechanismus
Sulfasalazin ist eine Azoverbindung aus Sulfapyridin und 5-Aminosalicylsäure. Der genaue antirheumatische Wirkmechanismus ist nicht vollständig geklärt; diskutiert werden Effekte auf Leukotriensynthese, Arachidonsäurestoffwechsel und Immunmodulation.[1]
Indikationen
| Bereich | Anwendung |
|---|---|
| RA | Aktive rheumatoide Arthritis. [1] |
| Oligoartikuläre JIA / Enthesitis-assoziierte Arthritis | Aktive juvenile idiopathische Oligoarthritis / Enthesitis-assoziierte Arthritis ab 6 Jahren nach unzureichendem Ansprechen auf NSAR und/oder lokale Glukokortikoidinjektionen. [1] |
| Polyartikuläre JIA / polyarthritische SpA | Aktive juvenile idiopathische Polyarthritis und polyarthritische Spondylarthritis / Enthesitis-assoziierte Arthritis ab 6 Jahren nach unzureichendem NSAR-Ansprechen. [1] |
Systemische JIA: Aufgrund des Nebenwirkungsrisikos gemäß Fachinformation für diese Verlaufsform ungeeignet. [1]
Dosierung und Anwendung
| Patientengruppe | Schema |
|---|---|
| RA | Einschleichend: Woche 1: 500 mg/Tag; Woche 2: 500 mg 2×/Tag; Woche 3: 500 mg morgens + 1.000 mg abends; ab Woche 4: 1.000 mg 2×/Tag. |
| Unzureichendes Ansprechen | Nach 3 Monaten ggf. bis 3.000 mg/Tag; Tagesdosen >4.000 mg nicht überschreiten. |
Mindestens 1 Stunde vor einer Mahlzeit mit reichlich Flüssigkeit unzerkaut einnehmen. Wirkungseintritt meist innerhalb 1–3 Monaten.
Leichte bis mäßige Nieren- oder Leberfunktionsstörung: keine Dosisreduktion, aber besondere Vorsicht. Schwere Funktionsstörung ist kontraindiziert.
Pädiatrische Dosierungen
| Patientengruppe | Schema |
|---|---|
| JIA ab 6 Jahren | 50 mg/kg/Tag in 2 Dosen, maximal 2 g/Tag. Bei unzureichender Wirkung nach 3 Monaten Steigerung bis 75 mg/kg/Tag, maximal 3 g/Tag. [1] |
Vor Therapiebeginn und Kontrollen
Vor Beginn: komplettes Blutbild mit Differential und Leberfunktion; Nierenfunktion einschließlich Urinstatus.[2]
Blutbild + Leberwerte: alle 2 Wochen in den ersten 3 Monaten, dann monatlich für weitere 3 Monate, anschließend alle 3 Monate bzw. klinisch.
Nierenfunktion/Urinstatus: zu Beginn und mindestens monatlich in den ersten 3 Monaten, danach nach Bedarf.
Immunglobuline und ANA zu Beginn und in regelmäßigen Abständen erwägen.
DGRh nennt ein weniger enges Routinemuster (erste 3 Monate ca. alle 4 Wochen, danach 8–12 Wochen); für die Sicherheitskontrollen gilt die aktuelle FI. [1]
Therapieunterbrechung und Absetzen
Schwere Infektion: Sulfasalazin absetzen.
SJS/TEN: sofort beenden; nach bestätigtem SJS/TEN niemals erneut anwenden.
DRESS oder andere schwere Überempfindlichkeit ohne alternative Ursache: absetzen.
Halsschmerzen, Fieber, Blässe, Purpura oder Ikterus: Therapie bis zum Vorliegen der Blutuntersuchungen unterbrechen.
Dosisabhängige Nebenwirkungen: nach etwa 1 Woche Pause erneuter langsamer Einstieg möglich; nicht bei Überempfindlichkeitsreaktionen.
[1]Gegenanzeigen
Überempfindlichkeit gegen Sulfasalazin/Metaboliten, Sulfonamide oder Salicylate; Erkrankungen der Blutbildung; akute intermittierende Porphyrie; schwere Leber- oder Niereninsuffizienz; G6PD-Mangel; vorbestehende Leuko-/Thrombozytopenie; Ileus; Erythema exsudativum multiforme auch anamnestisch; gleichzeitige Methenamin-Therapie; Alter <6 Jahre.[1]
Nebenwirkungen und Maßnahmen
| Bereich | Auswahl |
|---|---|
| Gastrointestinal | Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerz, Appetitlosigkeit, Diarrhö. |
| Haut/Allergie | Exanthem, Pruritus; selten schwere Hautreaktionen wie SJS/TEN; DRESS möglich. |
| Blutbild | Leukopenie/Agranulozytose, Thrombozytopenie, hämolytische oder aplastische Anämie, Methämoglobinämie. |
| Leber/Niere | Hepatitis, Cholestase; Proteinurie, interstitielle Nephritis, Hämaturie/Kristallurie. |
| Fertilität | Reversible Oligospermie beim Mann. |
Wechselwirkungen
Verminderte Folsäureaufnahme; bei Frauen im gebärfähigen Alter Folsäuresupplementierung beachten.
Eisen bildet Chelate und vermindert die Sulfasalazinresorption; Calcium kann die Resorption verzögern.
Digoxinresorption kann sinken; Antibiotika und Anionenaustauscher können die Wirkung/Resorption vermindern.
Orale Antikoagulanzien: Gerinnung engmaschig kontrollieren. Hämatotoxische oder hepatotoxische Kombinationen erfordern engere Überwachung.
Methenamin ist kontraindiziert.
[1]Ciclosporin: Talspiegel können sinken; Konzentration kontrollieren und Dosis gegebenenfalls anpassen. Azathioprin/6-Mercaptopurin: mögliche TPMT-Hemmung und verstärkte Myelotoxizität; Blutbild enger überwachen und Thiopurindosis prüfen. [1][3]
Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft: Fortführung bis 2 g/Tag; tägliche Folsäuresupplementierung. [4]
Stillzeit: Mit dem Stillen vereinbar. [4]
Väterlicher Kinderwunsch: Fortführung möglich. Bei verzögerter Konzeption wegen möglicher reversibler Spermienbeeinträchtigung eine Umstellung erwägen und weitere Infertilitätsursachen abklären. [4]
Fachinformation: Schwangerschaft nur bei eindeutiger Indikation; Folsäuresupplementierung bei Schwangerschaftsmöglichkeit und im 1. Trimenon. Stillzeit mit Vorsicht, besonders bei Frühgeborenen oder G6PD-Mangel; bei gestillten Säuglingen wurden Durchfall und Blutstuhl berichtet. Reversible Beeinträchtigung der männlichen Fertilität, meist Normalisierung innerhalb 2–3 Monaten nach Absetzen. [1]
Impfungen
Impfstatus: Tot- und Lebendimpfungen unter Sulfasalazin grundsätzlich möglich; zusätzliche Einschränkungen richten sich nach Grundkrankheit und Begleitimmunsuppression. [2][5]
Oraler Typhus-Lebendimpfstoff: Frühestens 24 Stunden nach Sulfasalazin verabreichen; sonst verminderte Impfantwort möglich. [1][5]
Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe
Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [6]
| Impfung | Indikation / Schema |
|---|---|
| Influenza | Jährlich bei Immunsuppression/ |
| COVID-19 | Jährlich bei relevanter Immunsuppression/ |
| Pneumokokken | PCV20 bei Immunsuppression/ |
| Herpes zoster | Ab 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression. |
| Hepatitis B | Bei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l. |
| RSV | Einmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/ |
Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [6]
Operationen
Perioperativ: Sulfasalazin nach DGRh fortführen; Gesamtimmunsuppression und individuelle Komplikationen gesondert berücksichtigen. [8]
Alltag und Handhabung
Magensaftresistente Tabletten mindestens 1 Stunde vor einer Mahlzeit mit reichlich Flüssigkeit unzerkaut einnehmen. Bei Halsschmerzen, Fieber, Blässe, Purpura oder Ikterus bis zur Blutbild-/Leberwertkontrolle pausieren. [1]
Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten
Sulfasalazin-Heyl 500 mg magensaftresistente Filmtabletten
500 mg Sulfasalazin je magensaftresistenter Filmtablette. Zulassung für aktive RA und die oben abgegrenzten JIA-Formen. Ganze Tabletten mindestens 1 Stunde vor einer Mahlzeit mit reichlich Flüssigkeit einnehmen. [1]
Überdosierung und Antidot
Typisch sind Übelkeit, Erbrechen, Bauchbeschwerden sowie bei schwerer Intoxikation ZNS-Symptome bis zu Krämpfen. Sulfasalazin und Metaboliten sind dialysierbar; die FI nennt weitere spezifische Maßnahmen abhängig vom Verlauf.[1]