Systemische Glukokortikoide
| Indikationen | RA-Bridging; PMR/GCA/TAK; AAV, SLE und Myositiden nach Organaktivität. |
|---|---|
| Dosierung | Prednisolonäquivalent: RA bis 30 mg/Tag; PMR 15–25 mg/Tag; GCA/TAK 40–60 mg/Tag. Reduktionsziele indikationsbezogen. |
| Besondere Sicherheitsmaßnahmen | Exposition minimieren; Infektionen, Glukose, Blutdruck, Knochen und Nebennierenfunktion. SSc: renale Krise beachten. |
Wirkmechanismus
Indikationen
RA: kurzfristige Begleittherapie bei Beginn oder Umstellung eines csDMARD. PMR, GCA/TAK, AAV, SLE und Myositiden: Erkrankungsaktivität und Organbedrohung bestimmen Dosis, Applikationsweg und Kombinationstherapie.[3][4][5][6][7]
SSc: besondere Zurückhaltung wegen renaler Krise; bei erforderlicher Anwendung Blutdruck engmaschig kontrollieren.[8]
Weitere entzündliche, allergologische oder hämatologische Indikationen nach der jeweiligen Fachinformation.[1][2]
Dosierung und Anwendung
Alle folgenden oralen Angaben: Prednison-/Prednisolonäquivalent. Eine verordnete Methylprednisolonmenge ausdrücklich als tatsächliche Wirkstoffdosis kennzeichnen; zur Orientierung entsprechen 5 mg Prednisolon etwa 4 mg Methylprednisolon.[1][2]
| Indikation | Initialdosis und Reduktionsziel |
|---|---|
| RA · deutsche S3 | Bis maximal 30 mg/Tag; innerhalb von acht Wochen auf niedrige Dosis reduzieren, rasch beenden; Behandlung auf drei Monate begrenzen. |
| PMR | 15–25 mg/Tag; nach EULAR auf 10 mg innerhalb von 1–2 Monaten, Beendigung innerhalb eines Jahres anstreben. Individuell nach Verlauf und Begleittherapie. |
| GCA/TAK | 40–60 mg/Tag; nach EULAR auf 15–20 mg innerhalb von 2–3 Monaten; Beendigung innerhalb von 12–18 Monaten anstreben. |
| GPA/MPA · organ-/lebensbedrohend | Initial 50–75 mg/Tag nach Körpergewicht, kombiniert mit RTX oder CYC; reduzierte PEXIVAS-Strategie, nach 15–16 Wochen 5–7,5 mg/Tag. |
| GPA/MPA · ohne Organbedrohung | Initial 0,5 mg/kg/Tag als mögliche reduzierte Strategie nach deutscher S3; begleitende Remissionsinduktion erforderlich. |
| Myositis · leicht bis mittelschwer | DGN: 1 mg/kg/Tag bis klinische Besserung; anschließend schrittweise reduzieren, früh steroid-sparend kombinieren. |
Zuordnung: RA [1], PMR [2,3], GCA/TAK [3], AAV [4], Myositis [5].[3][4][5][6][7]
GCA mit starker klinischer Wahrscheinlichkeit: GC sofort beginnen und Bestätigungsdiagnostik parallel durchführen. Bei akutem Sehverlust durch aktive GCA nach EULAR Methylprednisolon i.v. 250–1.000 mg/Tag für bis zu drei Tage erwägen; der Nutzen dieser Pulsstrategie ist nicht sicher belegt. Akute augenärztliche und rheumatologische Behandlung. [5]
| Situation | Einordnung |
|---|---|
| Schwere Myositis · DGN | Methylprednisolon i.v. 250–1.000 mg/Tag über 3–5 Tage nach DGN-Tabelle 6.1; tatsächliche Wirkstoffdosis. Blutdruck und Blutzucker während der Infusion kontrollieren. [7] |
| Rasch progrediente SARD-ILD · ACR/CHEST | Methylprednisolon 1 g i.v. täglich für 3 Tage, im spezialisierten Kombinationskonzept. Bei SSc wegen des renalen Krisenrisikos keine routinemäßige GC-Therapie; bei seltener RP-ILD individuelle Abwägung, kein Konsens für GC. [9] |
| Weitere organ-/lebensbedrohende Erkrankungen | Wirkstoffmenge, Infusionsdauer und Zahl der Gaben nach der jeweiligen Krankheitsleitlinie und der gewählten Hochdosis-FI. |
Reduktion und Absetzen
Nach Kontrolle der Grunderkrankung reduzieren; bei längerfristiger Behandlung langsamer, sobald etwa 4–6 mg Prednison-/Prednisolonäquivalent pro Tag erreicht sind. Bei Absetzziel in diesem Bereich klinisch überwacht ausschleichen oder morgendliches Serumkortisol zur Beurteilung der Nebennierenfunktion bestimmen. Rezidiv, Entzugssyndrom und Nebenniereninsuffizienz differenzieren. [3][4][5][10]
Bei einer Kurzzeittherapie unter 3–4 Wochen ist aus endokrinologischer Sicht in der Regel kein Ausschleichen oder Funktionstest erforderlich. Ob die Erkrankungsaktivität ein Absetzen erlaubt, gesondert beurteilen. [10]
Bei aktueller oder kürzlich beendeter GC-Therapie und nicht ausgeschlossener Nebenniereninsuffizienz Stresssubstitution vorsehen. Bei größerem Eingriff, fehlender oraler Aufnahme, anhaltendem Erbrechen/Diarrhö oder Kreislaufinstabilität parenteral behandeln; bei Verdacht auf Nebennierenkrise unverzüglich Glukokortikoid und Flüssigkeit geben. [10]
Vor Therapiebeginn
Blutdruck, Gewicht, Glukosestoffwechsel, Fraktur-/Osteoporoserisiko, relevante Infektionen, Impfstatus, Ulkus-/Blutungsrisiko, psychiatrische und okuläre Risiken. Bei höher dosierter/längerer Immunsuppression HBV-Serologie mit HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs; weitere Infektionsdiagnostik nach Exposition und Gesamtregime.[6][1][11]
Kontrollen
Dosis und kumulative Exposition bei jedem Verlauf prüfen; Blutdruck, Gewicht/Ödeme und Blutzucker nach Dosis und Risiko. Bei längerfristiger Gabe Knochenschutz, Muskelkraft und Augen kontrollieren.[3][1]
Infektionen können ohne deutliche Fieberreaktion verlaufen. Bei AAV empfiehlt die deutsche S3 eine PJP-Prophylaxe unter RTX-Induktion, CYC oder mehr als 15 mg Prednisolonäquivalent/Tag über mehr als vier Wochen. Bei anderen Erkrankungen Gesamtrisiko individuell beurteilen. [6]
Bei SSc: neue Hypertonie oder Kreatininanstieg unmittelbar als mögliche renale Krise abklären.[8]
Unter Pulstherapie Blutdruck, Kreislauf, Glukose und Elektrolyte kontrollieren; Infusionsgeschwindigkeit entsprechend Präparat und Dosis.[2]
Gegenanzeigen und besondere Anwendungsbeschränkungen
Formale Gegenanzeige der genannten systemischen Präparate: Überempfindlichkeit. Infektionen, Diabetes, schwere Hypertonie, Ulkus, Osteoporose oder psychiatrische Erkrankung erfordern eine spezifische Nutzen-Risiko-Entscheidung und Begleitbehandlung; bei vitaler Indikation bestimmt die Notfallsituation das Vorgehen.[1][2]
Nebenwirkungen und Maßnahmen
Dosis-/dauerabhängig: Infektionen, Hyperglykämie/Diabetes, Hypertonie und Flüssigkeitsretention, Osteoporose/Frakturen, Myopathie, Gewichtszunahme, Hautatrophie, Katarakt/Glaukom, Schlaf- und psychische Störungen; Suppression der Nebennierenfunktion. Auch schwere psychiatrische Reaktionen und aseptische Knochennekrosen sind möglich; ihre Häufigkeit ist in den geprüften Fachinformationen nicht bezifferbar. [1][2]
Wechselwirkungen
Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft: Prednison/Prednisolon bei erforderlicher Krankheitskontrolle; Erhaltungsdosis möglichst ≤5 mg/Tag, Absetzen anstreben. Höhere Dosen gegen maternale und fetale Risiken abwägen. Bei schwerer, therapierefraktärer mütterlicher Erkrankung i.v.-Methylprednisolonpulse erwägen. [12]
Stillzeit: Prednison/Prednisolon und i.v.-Methylprednisolonpulse mit dem Stillen vereinbar. Nach 1.000 mg i.v. Methylprednisolon kann ein Stillabstand von 2–4 Stunden die Säuglingsexposition vermindern. [12]
Väterlicher Kinderwunsch: Prednison/Prednisolon können fortgeführt werden. [12]
Fachinformation: Schwangerschaft nur nach Nutzen-Risiko-Abwägung; bei Exposition gegen Schwangerschaftsende mögliche Nebennierensuppression des Neugeborenen berücksichtigen. Prednisolon acis empfiehlt bei erforderlichen höheren Dosen abzustillen; Urbason solubile empfiehlt bei höheren Dosen oder Langzeitbehandlung Stillverzicht. Dies weicht von der oben genannten klinischen EULAR-Empfehlung ab. [1][2]
Impfungen
Totimpfstoffe möglich; Impfantwort unter höherer Immunsuppression vermindert. Lebendimpfungen bei immunsuppressiver Dosis/Dauer mit erforderlichem Abstand planen und die aktuelle Impfempfehlung heranziehen.[1][2]
Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe
Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [13]
| Impfung | Indikation / Schema |
|---|---|
| Influenza | Jährlich bei Immunsuppression/ |
| COVID-19 | Jährlich bei relevanter Immunsuppression/ |
| Pneumokokken | PCV20 bei Immunsuppression/ |
| Herpes zoster | Ab 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression. |
| Hepatitis B | Bei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l. |
| RSV | Einmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/ |
Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [13]
Operationen
DGRh: 2–3 Monate vor elektivem Eingriff auf die niedrigste mögliche Dosis, möglichst <10 mg/Tag, reduzieren. In den letzten 1–2 Wochen und am Operationstag Dosis stabil halten. Zusätzliche Stresssubstitution bei relevanter Nebenniereninsuffizienz anhand Eingriff und klinischer Situation.[15]
Alltag und Handhabung
Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten
Quellen und Links
[1] Deutsche S3-Leitlinie RA, Version 3.0
Originalstand 16.08.2026; Empfehlung 5 zur Glukokortikoid-Bridging-Therapie.
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[2] Deutsche S2e-Leitlinie PMR, Update 2024
Initiale Glukokortikoide 15–25 mg Prednisonäquivalent/Tag; risikoadaptierte Reduktion und Kombination.
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[3] EULAR: PMR und primäre Großgefäßvaskulitiden, Update 2025
Originalpublikation 2026; Empfehlungen 2–5 zu Beginn, Dosierung und Reduktionszielen.
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[4] Deutsche S3-Leitlinie ANCA-assoziierte Vaskulitiden
Original 2025; Remissionsinduktion und Kapitel 11.1 zur PJP-Prophylaxe.
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[5] DGN: S2k-Leitlinie Myositissyndrome, 2022, verlängerte Fassung 2024; Kapitel 6.1, Flussdiagramm 1 (S.36) und Tabelle 6.1 (S.37). Widerspruch zur Bezugsgröße der i.v.-Dosis ausdrücklich erhalten. Bereitgestellte Originalfassung am 23.09.2026 geprüft. Leitlinienregister
[6] Prednisolon acis 5/10/20/50 mg: Fachinformation Januar 2026; Abschnitte 2–4.8, Schwerpunkt Dosierung, Warnhinweise und Nebenwirkungen. Abruf 23.09.2026. Fachinformation
[7] Urbason solubile 16/32 mg: Fachinformation April 2023; Abschnitte 2–4.8. Präparatestärke, Wirkstoffmenge und Prednisolonäquivalent unterscheiden. Abruf 23.09.2026. Fachinformation
[EP] Rüegg L et al.: EULAR recommendations for use of antirheumatic drugs in reproduction, pregnancy, and lactation: 2024 update. Ann Rheum Dis. 2025;84:910–926. Empfehlungen I–III, Tabellen 1–4 und Erläuterungen. DOI 10.1016/j.ard.2025.02.023. Originalquelle
[9] DGRh: Perioperativer Umgang mit antirheumatischer Therapie
Empfehlungen 2021, publiziert 2022; perioperative Glukokortikoide und DMARDs.
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[10] Deutsche S3-Leitlinie Hepatitis B, 2021
Screening, antivirale Prophylaxe und Überwachung bei Immunsuppression; hepatologische Mitbehandlung.
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[11] EULAR: Therapie der systemischen Sklerose, Update 2023
Originalpublikation 2025; Tabelle 1 und die jeweiligen Organkapitel.
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