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Antiphospholipidsyndrom (APS)

Diagnostik und Klassifikation

Thrombosen
venös oder arteriell; z. B. TVT/Lungenembolie oder Schlaganfall
Schwangerschaft
wiederholte Fehlgeburten, fetaler Verlust, schwere Präeklampsie/Plazentainsuffizienz
Weitere Befunde
Livedo racemosa, Thrombozytopenie, Herzklappenveränderungen, mikrovaskuläre Organmanifestationen
aPL
Lupus-Antikoagulans, aCL IgG/IgM, Anti-β2GPI IgG/IgM; persistierende Positivität im Abstand ≥12 Wochen
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Klinische Verdachtskonstellationen

  • Venöse Thromboembolie
  • Arterielle Thrombose, insbesondere objektivierter Schlaganfall; isolierte TIA ohne objektivierten thromboembolischen Befund erfüllt das arterielle Klassifikationsitem nicht
  • Mikrovaskuläre Manifestationen: livedo racemosa, livedoide Vaskulopathie, aPL-Nephropathie, pulmonale Hämorrhagie, Myokard-/Nebennierenbeteiligung
  • Obstetrische Morbidität
  • Herzklappenverdickung oder Vegetationen
  • Thrombozytopenie
  • SLE oder andere systemische Autoimmunerkrankung als Risikokonstellation

Labor

  • Lupus-Antikoagulans nach ISTH-Vorgaben: Dreistufenverfahren (Screening – Mischversuch – Bestätigung) mit zwei Screeningsystemen, dRVVT und phospholipidarme, silicaaktivierte aPTT; positiv, wenn mindestens ein System alle drei Stufen erfüllt
  • Anti-Cardiolipin IgG/IgM
  • Anti-β2-Glykoprotein-I IgG/IgM
  • Persistente Positivität: ≥2 Bestimmungen im Abstand von mindestens 12 Wochen
  • Unter VKA, Heparin oder DOAK: LA-Interpretation störanfällig; bevorzugt Ergebnisse ohne Antikoagulation, sonst ausschließlich fachhämostaseologisch bestätigte Interpretation
  • Falsch positive/negative LA-Ergebnisse auch bei Akutphase, akuter Thrombose und in der Schwangerschaft
  • Plattformbindung der Klassifikation: 40–79 bzw. ≥80 Einheiten beziehen sich auf standardisierte ELISA. Automatisierte CLIA-/MFI-/Flow-Verfahren haben eigene Wertebereiche; keine direkte Umrechnung. Die beispielhaften Plattformvergleiche der Originalarbeit sind keine anwendbare Umrechnungsformel. Klinische Labordiagnostik und Forschungsklassifikation getrennt beurteilen
  • Ergebnisse verschiedener Plattformen nicht mischen

Hochrisiko-aPL-Profil

Hochrisiko Niedrigrisiko
Lupus-Antikoagulans isoliertes aCL oder Anti-β2GPI
Doppelpositivität niedriger bis mittlerer Titer
Tripelpositivität besonders bei nur transientem Nachweis
persistierend hohe aPL-Titer —
  • Gesamtrisiko zusätzlich abhängig von früherem thrombotischem/obstetrischem APS, SLE und traditionellen kardiovaskulären/VTE-Risikofaktoren
  • Hochrisikoprofil nach EULAR 2019: LA bzw. Doppel-/Tripelpositivität in mindestens zwei Bestimmungen mit ≥12 Wochen Abstand oder persistierend hohe Titer; ein einmaliger Befund genügt hierfür nicht
  • Risikoprofil 2019 und Forschungsklassifikation 2023 verwenden unterschiedliche Titergrenzen

ACR/EULAR-APS-Klassifikationskriterien 2023

ACR/EULAR-APS-Klassifikationskriterien 2023 berechnen

Geltungsbereich

  • Forschungskriterien; Diagnose klinisch
  • Entwicklung und Validierung an erwachsenen Kohorten; Übertragbarkeit auf pädiatrisches APS nicht geprüft, dort SHARE APS 2017 heranziehen
  • Validierung: Spezifität 99 % in beiden Kohorten; Sensitivität 83 % im ersten und 84 % im zweiten Validierungskollektiv

Eintrittskriterium

  • mindestens 1 dokumentiertes klinisches Kriterium aus Domäne 1–6
  • plus positiver aPL-Test innerhalb von ±3 Jahren zum klinischen Kriterium
  • positiver Test: LA oder moderater/hoher aCL-/Anti-β2GPI-Titer IgG/IgM
  • Eintrittskriterium nicht erfüllt: keine Klassifikation versuchen

Auswertungsregeln

  • mindestens 3 Punkte aus klinischen Domänen UND 3 Punkte aus Labordomänen
  • pro Domäne nur das höchstgewichtete Kriterium
  • klinisches Kriterium nicht zählen bei gleich wahrscheinlicher oder wahrscheinlicherer Alternativerklärung
  • Ausnahme hiervon: die für Domäne 1 und 2 erforderlichen VTE-/CVD-Risikofaktoren sind kein Ausschlussgrund
  • Unbekannte Risikofaktoren: ist das Risikoprofil zum Zeitpunkt eines zurückliegenden Ereignisses nicht dokumentiert, das niedrigste nicht-null Gewicht vergeben
  • Mikrovaskulär „etabliert“: Bei livedoider Vaskulopathie, aPL-Nephropathie und pulmonaler Hämorrhagie muss die jeweils zugehörige Verdachtsdefinition erfüllt sein. Myokard- und Nebennierenkriterien besitzen eigene Bildgebungs-/Histologiedefinitionen; keine vorgeschaltete Verdachtsdomäne erforderlich
  • Persistenz im Labor: zwei aufeinanderfolgende positive LA-, höchste aCL-bzw. höchste Anti-β2GPI-Ergebnisse; eine moderate plus eine hohe konsekutive Bestimmung zählt als „moderat", solange keine zwei konsekutiv hohen Ergebnisse vorliegen
  • Prospektiv: beide positiven aPL-Ergebnisse innerhalb der 3 Jahre zum klinischen Kriterium; der jüngste aPL-Test soll ebenfalls positiv sein. Retrospektiv: zwei konsekutiv positive Ergebnisse und mindestens ein positives Ergebnis innerhalb der 3 Jahre
Klinische Domänen Domäne Kriterium Punkte
Venöse Makrothrombose VTE mit Hochrisiko-VTE-Profil 1
Domäne
VTE ohne Hochrisiko-VTE-Profil 3
Arterielle Makrothrombose arterielle Thrombose mit Hochrisiko-CVD-Profil 2
arterielle Thrombose ohne Hochrisiko-CVD-Profil 4
Mikrovaskulär klinisch vermutet 2
etabliert 5
Obstetrisch ≥3 konsekutive Verluste <10 Wochen und/ oder frühe fetale Verluste 10+0 bis 15+6 Wochen 1
fetaler Tod 16+0 bis 33+6 Wochen ohne schwere Präeklampsie und ohne schwere Plazentainsuffizienz 1
schwere Präeklampsie ODER schwere Plazentainsuffizienz <34+0 Wochen, mit/ ohne fetalen Tod 3
schwere Präeklampsie UND schwere Plazentainsuffizienz <34+0 Wochen, mit/ ohne fetalen Tod 4
Herzklappen Verdickung 2
Vegetation 4
Hämatologisch Thrombozyten-Nadir 20–130 × 10⁹/l 2
  • Mikrovaskulär, vermutet: livedo racemosa (nicht livedo reticularis), livedoide Vaskulopathie-Läsionen, akute/chronische aPL-Nephropathie, pulmonale Hämorrhagie
  • aPL-Nephropathie, vermutet: anderweitig nicht erklärte, persistierende neu aufgetretene oder verschlechterte Hypertonie, Proteinurie ≥0,5 g/24 h bzw. Protein-Kreatinin-Ratio ≥0,5 mg/mg, akutes Nierenversagen oder glomeruläre Mikrohämaturie
  • Mikrovaskulär, etabliert: histologisch bestätigte livedoide Vaskulopathie oder aPL-Nephropathie, pulmonale Hämorrhagie durch BAL/Histologie, Myokarderkrankung (NSTEMI bei normalem Koronarangiogramm plus definierter CMR-Auffälligkeit oder histologische Kleingefäßthrombose), Nebennierenhämorrhagie/-mikrothrombose durch Bildgebung/Histologie
  • Klappenverdickung: Mitralklappe >4 mm bei 20–39 Jahren, >5 mm bei Alter >40 Jahren im Wortlaut der Kriterienpublikation; übrige Klappen >3 mm in jedem Alter. Genau 40 Jahre: keine eindeutige Alterszuordnung in der Originaldefinition
  • Thrombozytopenie: niedrigster jemals gemessener Wert, bestätigt im Ausstrich und durch Wiederholungsmessung
  • Schwere Präeklampsie für die Klassifikation: nach 20 SSW systolisch ≥140 oder diastolisch ≥90 mmHg in zwei Messungen ≥4 h auseinander plus neue Proteinurie (Protein-Kreatinin-Ratio ≥0,3 mg/mg; ersatzweise Teststreifen ≥2+, wenn quantitative Messung fehlt) plus ≥1 schweres Merkmal
  • Schwere Merkmale: systolisch ≥160 oder diastolisch ≥110 mmHg in zwei Messungen ≥4 h ◦ auseinander in Bettruhe; neue therapieresistente, anderweitig nicht erklärte Kopfschmerzen; Sehstörung; Lungenödem; Transaminasen >2×ULN oder schwere persistierende, therapieresistente und anderweitig nicht erklärte Oberbauch-/epigastrische Schmerzen; Kreatinin >1,1 mg/dl oder Verdopplung ohne andere Nierenerkrankung; Thrombozyten <100 × 10⁹/l Bei bestätigter schwerer Hypertonie und begonnener Therapie kann die 4-h-Frist entfallen; ◦ notwendige Akutbehandlung nicht verzögern. Bei chronischer Hypertonie die Originaldefinition der aufgepfropften Präeklampsie beachten. Dies ist die APS-Klassifikationsdefinition, keine eigenständige geburtshilfliche Diagnoseregel
  • Schwere Plazentainsuffizienz für die Klassifikation: fetales/neonatales Gewicht <10. Perzentile und zusätzlich pathologische fetale Surveillance oder Doppler, Gewicht <3. Perzentile, Oligohydramnion oder maternale vaskuläre Malperfusion in der Plazentahistologie. Genetische/fetale Ursachen ausschließen; Histologie allein ist nicht APS-spezifisch
Risikoprofile für Domäne 1 und 2

Hochrisiko-VTE-Profil: ≥1 Major- oder ≥2 Minor-Faktoren, sofern Zeitbezug und Schwere zum Ereignis passen

Major, jeweils zum Ereigniszeitpunkt Minor, ≥2 erforderlich
aktive Malignität ohne kurative Behandlung, unter laufender kurativer Therapie einschließlich Hormontherapie, oder Rezidiv/ Progress trotz kurativer Therapie aktive systemische Autoimmunerkrankung oder aktive chronisch-entzündliche Darmerkrankung
stationäre Aufnahme mit Bettlägerigkeit bei akuter Erkrankung ≥3 Tage innerhalb 3 Monaten vor dem Ereignis akute/aktive schwere Infektion, z. B. Sepsis, Pneumonie, SARS-CoV-2
schweres Trauma mit Frakturen oder Rückenmarkverletzung innerhalb 1 Monats zentralvenöser Katheter im selben Gefäßgebiet
Operation in Allgemein-/Spinal-/Epiduralanästhesie >30 Minuten innerhalb 3 Monaten Hormonersatztherapie, östrogenhaltige orale Kontrazeptiva oder laufende IVF-Behandlung
— Langstreckenreise ≥8 Stunden
— Adipositas mit BMI ≥30 kg/m²
— Schwangerschaft oder Wochenbett bis 6 Wochen nach Entbindung
— verlängerte Immobilisation, nicht oben erfasst: z. B. Beinverletzung mit reduzierter Mobilität oder Bettlägerigkeit außerhalb des Krankenhauses ≥3 Tage
— Operation in Allgemein-/Spinal-/Epiduralanästhesie <30 Minuten innerhalb 3 Monaten

Hochrisiko-CVD-Profil: ≥1 hoher oder ≥3 moderate Risikofaktoren, sofern Zeitbezug und Schwere zum Ereignis passen

Hoch Moderat, ≥3 erforderlich
arterielle Hypertonie systolisch ≥180 oder diastolisch ≥110 mmHg behandelte arterielle Hypertonie oder persistierend systolisch ≥140 bzw. diastolisch ≥90 mmHg
chronische Nierenerkrankung mit eGFR ≤60 ml/min über mehr als 3 Monate aktuelles Rauchen
Diabetes mellitus mit Organschaden oder langer Dauer: Typ 1 ≥20 Jahre, Typ 2 ≥10 Jahre Diabetes mellitus ohne Organschaden und kurzer Dauer: Typ 1 <20 Jahre, Typ 2 <10 Jahre
schwere Hyperlipidämie: Gesamtcholesterin ≥310 mg/dl (8 mmol/l) oder LDL-Cholesterin >190 mg/dl (4,9 mmol/l) moderate Hyperlipidämie unter Behandlung oder Gesamtcholesterin über Norm und <310 mg/dl bzw. LDL über Norm und <190 mg/dl
— Adipositas mit BMI ≥30 kg/m²
  • Grenzfälle der Klassifikation: Operations-/Anästhesiedauer genau 30 Minuten oder isoliertes LDL genau 190 mg/dl ohne weitere Zuordnungsmerkmale: Zuordnung in der Originaldefinition unklar
  • Organschaden bei Diabetes nach ESC/EASD 2019: Proteinurie, chronische Nierenerkrankung, linksventrikuläre Hypertrophie oder Retinopathie
Labordomänen Labordomäne Kriterium Punkte
Lupus-Antikoagulans einmal positiv 1
persistierend positiv 5
aCL / Anti-β2GPI, persistent moderat oder hoch positiv, IgM allein 1
moderat positiv, IgG 4
hoch positiv, IgG – aCL oder Anti-β2GPI 5
hoch positiv, IgG – aCL und Anti-β2GPI 7
  • moderat: 40–79 ELISA-Einheiten
  • hoch: ≥80 ELISA-Einheiten
  • „persistent": mindestens 2 aufeinanderfolgende positive Ergebnisse im Abstand von ≥12 Wochen
  • IgG und IgM nicht additiv werten
  • IgA-aPL und weitere Nicht-Kriterien-Antikörper nicht Bestandteil der Domäne

Therapie

Therapiebeginn
Hochrisiko-aPL ohne Ereignis → niedrig dosiertes ASS (Off-Label); erste venöse Thrombose → VKA, INR 2–3; arterielle Thrombose → VKA, INR 2–3 oder 3–4, alternativ INR 2–3 + ASS
obstetrisches APS → ASS + prophylaktisches Heparin (Off-Label) nach Konstellation; thrombotisches APS in Schwangerschaft → ASS + therapeutisches Heparin
Unzureichende Wirksamkeit
Rezidiv trotz therapeutischem INR → Adhärenz/INR-Qualität prüfen; ASS ergänzen, INR-Ziel auf 3–4 erhöhen oder auf LMWH wechseln
Deeskalation
unprovozierte venöse Thrombose → langfristige Antikoagulation; provoziert → mindestens 3 Monate, bei hohem aPL-/Rezidivrisiko länger; postpartale Prophylaxe 6 Wochen erwägen CAPS
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Allgemeine Risikoreduktion

  • Rauchstopp
  • Hypertonie, Dyslipidämie und Diabetes konsequent behandeln
  • Regelmäßige körperliche Aktivität
  • VTE-Risikofaktoren erfassen und modifizieren
  • LMWH in Hochrisikosituationen: Operation, Hospitalisation, längere Immobilisation, Wochenbett
  • Adhärenz-, INR- und perioperative Bridging-Beratung bei VKA
  • EULAR CVR 2022: kardiovaskuläres Risikomanagement bei APS

Primärprävention

  • Asymptomatische aPL-Träger:innen mit Hochrisikoprofil: LDA empfohlen
  • SLE ohne frühere Thrombose oder Schwangerschaftskomplikation:
  • Hochrisiko-aPL-Profil: LDA empfohlen ◦ Niedrigrisiko-aPL-Profil: LDA erwägbar ◦
  • Nichtschwangere Patient:innen mit ausschließlich obstetrischem APS in der Vorgeschichte: LDA nach Nutzen-Risiko-Abwägung
Acetylsalicylsäure (ASS) · Primärprophylaxe / Zusatz zur Antikoagulation · Primärprophylaxe (Off-Label)

Cave: MTX ≥15 mg/Woche: laut Acetylsalicylsäure-FI kontraindiziert

  • Acetylsalicylsäure (ASS): 75–100 mg p.o. einmal täglich; isolierte aPL-Primärprävention / obstetrisches APS (Off-Label)

Zum Steckbrief Acetylsalicylsäure (ASS)

Erstes venöses thrombotisches APS

  • Initial therapeutisches UFH/LMWH, überlappend VKA bis zum wirksamen INR
  • VKA, Ziel-INR 2–3
  • Unprovozierte erste VTE: langfristige Antikoagulation
  • Provozierte erste VTE: mindestens 3 Monate; bei wiederholt hohem aPL-Risikoprofil oder weiteren Rezidivrisiken längere Antikoagulation erwägen
Phenprocoumon · Sekundärprophylaxe · Dauerantikoagulation
  • Phenprocoumon: p.o. nach INR; venös Ziel 2–3; arteriell 2–3 oder 3–4 nach Risiko, alternativ 2–3 + ASS
  • Akute Thrombose: initial überlappend Heparin bis stabile INR im Zielbereich

Zum Steckbrief Phenprocoumon

Enoxaparin · Akuttherapie / Schwangerschaftsprophylaxe

Cave: Immunvermittelte HIT (Typ II)

  • Enoxaparin – prophylaktisch: 40 mg s.c. einmal täglich
  • Enoxaparin – therapeutisch: 1 mg/kg s.c. alle 12 Stunden
  • Schwere Niereninsuffizienz: CrCl 15–30 ml/min: prophylaktisch 20 mg/d bzw. therapeutisch 1 mg/kg/ d; individuelle Festlegung bei CrCl genau 30 ml/min; <15 ml/min nicht empfohlen
  • Isolierte obstetrische APS-/Abortprävention: (Off-Label)

Zum Steckbrief Enoxaparin

UFH · Akutantikoagulation

Cave: Immunvermittelte HIT (Typ II)

  • Unfraktioniertes Heparin: therapeutische i.v.-Infusion nach hämostaseologischem Akutprotokoll; Titration nach geeignetem Gerinnungsassay
  • LA-bedingt verlängerte aPTT: Anti-Xa-basierte Steuerung erwägen

Zum Steckbrief UFH

Erstes arterielles thrombotisches APS

  • VKA gegenüber LDA allein bevorzugt
  • Ziel-INR 2–3 oder 3–4 nach individuellem Rezidiv- und Blutungsrisiko
  • VKA mit INR 2–3 + LDA als weitere erwägbare Strategie

DOAK

  • Rivaroxaban: nicht bei Tripelpositivität
  • Arterielles APS: DOAK nicht empfohlen
  • Venöses APS: DOAK nur in definierten Ausnahmefällen erwägen
  • Ziel-INR trotz guter VKA-Adhärenz nicht erreichbar ◦ VKA kontraindiziert oder nicht vertragen ◦
  • Wechsel allein wegen erschwertem INR-Monitoring oder schlechter Adhärenz nicht als leitliniengestützte Standardlösung
  • DGRh SLE 2025: DOAK sollten bei thromboembolischem APS nicht, bei manifestem arteriellem APS sollen sie nicht angewendet werden. Der erläuternde Leitlinientext lässt bei venösem APS unter strenger Nutzen-Risiko-Abwägung Ausnahmen bei VKA-Unverträglichkeit/Kontraindikation oder nicht erreichbarem Ziel-INR zu. Daraus folgt keine generelle DOAK-Alternative; schlechte Adhärenz rechtfertigt keinen Wechsel

Rezidiv unter Antikoagulation

  • Zuerst:
  • Adhärenz prüfen ◦ INR-Verlauf/Time in Therapeutic Range prüfen ◦ häufigere INR-Kontrollen bzw. Selbstmonitoring erwägen ◦ andere Ursachen des Rezidivs abklären ◦
  • Bei Rezidiv trotz erreichtem INR 2–3:
  • LDA ergänzen oder ◦ Ziel-INR auf 3–4 erhöhen oder ◦ auf LMWH wechseln ◦

Obstetrisches APS

  • Hochrisiko-aPL-Profil ohne bisherige Thrombose/Schwangerschaftskomplikation: EULAR 2019 empfiehlt, LDA in der Schwangerschaft zu erwägen
  • DGRh SLE 2025 – zusätzliche nationale Empfehlung: Bei SLE mit Hochrisiko-aPL oder APS empfiehlt 4.11 LDA + NMH. Dies geht für Hochrisiko-aPL ohne APS-Ereignis über EULAR 2019 hinaus; Hämostaseologie/ Geburtsmedizin in die Auswahl einbeziehen
  • ≥3 spontane Aborte <10. SSW oder fetaler Verlust ≥10. SSW: LDA + prophylaktisches Heparin
  • Entbindung <34. SSW wegen Eklampsie/schwerer Präeklampsie oder Plazentainsuffizienz: LDA oder LDA + prophylaktisches Heparin nach individuellem Risikoprofil
  • Klinisches „non-criteria“-obstetrisches APS: z. B. zwei frühe Aborte oder Entbindung ≥34 SSW wegen schwerer Präeklampsie/Eklampsie; LDA allein oder + prophylaktisches Heparin nach individuellem Risiko erwägbar
  • Bei entsprechender Indikation LDA bevorzugt bereits vor Konzeption beginnen; Heparin nach Schwangerschaftsbestätigung ergänzen
  • EULAR 2019 verwendet die damaligen obstetrischen Kriterien. Ein niedriger obstetrischer Punktwert in der Klassifikation 2023 hebt eine klinische Behandlungsindikation nicht auf
  • Prophylaktisches Heparin in der Schwangerschaft bei obstetrischem APS: Fortführung 6 Wochen postpartal erwägen
  • Rezidivierende Schwangerschaftskomplikationen trotz LDA + prophylaktischem Heparin:
  • therapeutische Heparindosis oder ◦ HCQ ergänzen oder ◦ niedrig dosiertes Prednisolon im 1. Trimenon erwägen ◦ IVIG nur in hochselektierten Fällen ◦
  • Thrombotisches APS in der Vorgeschichte: LDA + therapeutisches Heparin während der Schwangerschaft; EULAR 2019: VKA nach Schwangerschaftsbestätigung umgehend auf therapeutisches LMWH/UFH umstellen, idealerweise vor der 6. SSW. Bei geplantem Kinderwunsch verlangt die Phenprocoumon-Fachinformation die Umstellung bereits vor der Schwangerschaft
Zusatztherapie · Hydroxychloroquin, Prednisolon, IVIG · Zusatz bei refraktärem Verlauf · (Off-Label)

Cave: Retinopathie / QT-Verlängerung; Makulopathie laut FI kontraindiziert

  • Hydroxychloroquin: refraktäres obstetrisches APS; (Off-Label); bei SLE 200–400 mg p.o./d, ≤5 mg/kg tatsächliches Körpergewicht/d
  • Prednisolon: niedrig dosierte Zusatzoption im 1. Trimenon; (Off-Label)
  • IVIG: hochselektive Reserve; (Off-Label)
  • APS-spezifische Dosis/Dauer: nicht standardisiert
  • DGRh Wechselwirkung 2023: Azithromycin meiden; FI: Tamoxifen-Kombination nicht empfohlen; weitere Interaktionen
  • DGRh Antimalaria 2020: Dosierung nach tatsächlichem Körpergewicht; Augen-, Muskel- und Herzmonitoring

Zum Steckbrief Zusatztherapie

Mikrovaskuläres APS, Thrombozytopenie und Klappenbeteiligung

  • Alle drei sind eigene Klassifikationsdomänen, aber keine Gegenstände einer belastbaren EULAR 2019-Therapieempfehlung
  • EULAR 2019 trifft hierzu keine gesonderte Empfehlung; Behandlung individuell und interdisziplinär
  • Therapie nach Manifestation und Mechanismus: mikrovaskuläre Thrombose, Blutung, Immunthrombozytopenie oder Klappenbeteiligung
  • Nicht-Leitlinienquelle – Task-Force-Bericht des 16. Internationalen aPL-Kongresses: aPL-Testung bei Thrombozytopenie und rezidivierenden kardialen Ereignissen wird von der Literatur gestützt; begrenzte Daten. Keine Ableitung eines Therapiestandards
  • Immunsuppression nach eigenständiger Organ-/Autoimmunindikation; keine pauschale Gegenempfehlung für behandlungsbedürftige Immunthrombozytopenie oder entzündliche Organmanifestationen

Katastrophales APS

  • Sofortige Behandlung; diagnostische Komplettierung darf bei hoher klinischer Wahrscheinlichkeit den Therapiebeginn nicht verzögern
  • First-line:
  • Heparin ◦ Glukokortikoide ◦ Plasmaaustausch oder IVIG ◦
  • Trigger parallel behandeln: insbesondere Infektion, Operation/Antikoagulationsunterbrechung, Malignität, nekrotisches Gewebe
  • Refraktär: Rituximab oder Eculizumab in spezialisierten Zentren erwägbar
  • Ergänzende Leitlinie: McMaster CAPS 2018, in EULAR 2019 als Beleg geführt
Reservetherapie · Rituximab, Eculizumab · Reserve bei refraktärem Verlauf · (Off-Label)

Cave: HBV-Reaktivierung unter Rituximab; Meningokokken unter Eculizumab

  • Rituximab / Eculizumab: refraktäres CAPS; individuelles Zentrumsschema; (Off-Label); Dosisregime nicht standardisiert
  • Eculizumab: Meningokokkenimpfung ACWY/B; bei dringlichem Beginn antibiotische Prophylaxe bis 2 Wochen nach Impfung

Zum Steckbrief Reservetherapie

Monitoring und Sicherheit

VKA
INR und Adhärenz kontinuierlich; Qualität der Antikoagulation vor Eskalation prüfen
Blutungs- und Rezidivrisiko regelmäßig neu bewerten
Kardiovaskuläre und VTE-Risikofaktoren konsequent kontrollieren
Bei mikrovaskulärem/renalem APS
organspezifische Verlaufskontrollen
Bei Thrombozytopenie
Blutbild und Blutungsrisiko
Bei Klappenbeteiligung
kardiologische Verlaufskontrolle nach Befund
Schwangerschaft
Hochrisiko-Schwangerschaftsbetreuung mit fetal-maternaler Surveillance
Kontrazeption, assistierte Reproduktion und Menopause
eigene Risikoentscheidung
EAPSDAS 2025/2026
neues, initial validiertes Aktivitätsinstrument; prospektive weitere Validierung ausstehend, daher kein verpflichtender Routine-Score
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Antikoagulationsmonitoring

  • VKA: INR-Kontrollen entsprechend Stabilität und klinischer Situation
  • Rezidiv: Adhärenz und dokumentiertes Erreichen des Ziel-INR vor Therapieeskalation prüfen
  • Blutungsrisiko: Alter, Nieren-/Leberfunktion, Thrombozytopenie, Begleitmedikation, frühere Blutung
  • Perioperativ: Bridging und Unterbrechungsmanagement geplant durchführen; unnötige Antikoagulationsunterbrechungen vermeiden

Organ- und Risikomonitoring

  • Hydroxychloroquin: Augenbasis Monat 0–6 – DGRh Antimalaria 2020; jährlich ab dem 5. Therapiejahr, bei Risikofaktoren ab Beginn – DOG Augen 2025. FI-Abweichung: Kontrollen vor Beginn und alle 3 Monate; Details
  • Hydroxychloroquin – DGRh Antimalaria 2020: CK/LDH vor Beginn und alle 3–6 Monate; neue Schwäche/ Dysphagie oder kardiale Auffälligkeit → gezielte Abklärung
  • Blutdruck, Lipide, Diabetes, Rauchstatus, Bewegung
  • Neue thrombotische Ereignisse aktiv erfassen
  • Thrombozyten bei hämatologischer Manifestation
  • Kreatinin/eGFR, Proteinurie und Urinsediment bei vermuteter/gesicherter aPL-Nephropathie
  • Echokardiographie bei dokumentierter Klappenbeteiligung nach kardiologischer Indikation

Kontrazeption, Reproduktion und Schwangerschaft

  • Kombiniert hormonelle Kontrazeption – orale Pille, Vaginalring, transdermales Pflaster – bei aPL-Positivität mit oder ohne definites APS nicht empfohlen
  • Intrauterinpessar ohne gynäkologische Kontraindikation für alle Patient:innen möglich
  • Assistierte Reproduktion: bei stabiler/inaktiver Erkrankung durchführbar; bei aPL-Positivität/APS Antikoagulation und/oder LDA
  • Menopausale Hormontherapie: bei schwerer vasomotorischer Symptomatik bevorzugt nur bei stabiler/ inaktiver Erkrankung und negativem aPL. Bei positivem aPL Thrombose- und kardiovaskuläres Risiko ausdrücklich abwägen; kein Routinepfad
  • Details, Präparate und Arzneimittelverträglichkeit im gemeinsamen Reproduktionsmodul
  • Betreuung als Hochrisikoschwangerschaft
  • Überwachung nach lokalem Hochrisikoprotokoll für hypertensive Erkrankungen/Plazentainsuffizienz
  • Ultraschall 11–14 Wochen
  • Zweittrimester-Ultraschall mit Doppler der Umbilikal- und Uterinarterien, bevorzugt 20–24 Wochen
  • Bei erhöhtem Risiko/auffälligem Verlauf zusätzliche biometrische und Doppler-Kontrollen im 3. Trimenon; EULAR Schwangers 2017 beschreibt monatliche Surveillance als Orientierung
  • Antikoagulationsstatus bei Geburtsplanung und postpartal berücksichtigen

EAPSDAS

  • EULAR APS Disease Activity Score, publiziert 2025/2026
  • getrennte thrombotisch/mikrovaskulär/nichtthrombotische und obstetrische Skala
  • initiale Validierung anhand klinischer Vignetten
  • prospektive Validierung ausdrücklich noch erforderlich
  • derzeit nicht als alleinige Routine-Therapiesteuerung oder Ersatz klinischer Beurteilung verwenden

Katastrophales Antiphospholipidsyndrom (CAPS)

CAPS bei rascher Multiorganthrombose erwägen; unverzügliche interdisziplinäre Behandlung
Klassifikationsrahmen unterstützt die Einordnung; fehlende Biopsie oder ausstehende Wiederholungstests dürfen den Therapiebeginn nicht verzögern
Heparin + Glukokortikoid + Plasmaaustausch und/oder IVIG; Trigger parallel behandeln
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Klassifikationsrahmen

Definites CAPS: alle 4 Kriterien

1.

Zum Steckbrief 1.

  • Beteiligung von ≥3 Organen/Systemen/Geweben
2.

Zum Steckbrief 2.

  • Manifestationen gleichzeitig oder innerhalb <1 Woche
3.

Zum Steckbrief 3.

  • Histopathologischer Nachweis eines Kleingefäßverschlusses in mindestens einem Organ/Gewebe
4.

Zum Steckbrief 4.

  • Laborbestätigung von aPL; der historische CAPS-Rahmen nennt LA und/oder aCL

Probables CAPS: vier definierte unvollständige Konstellationen

  • alle 4 Kriterien, aber Beteiligung von nur 2 Organen/Systemen/Geweben
  • alle 4 Kriterien, aber fehlende Laborbestätigung im vorgesehenen Wiederholungsabstand, weil die Person früh verstirbt und vor dem CAPS nie auf aPL getestet wurde
  • Kriterien 1, 2 und 4
  • Kriterien 1, 3 und 4 sowie Auftreten eines dritten Ereignisses später als 1 Woche, aber innerhalb <1 Monats, trotz Antikoagulation
  • CAPS-Konsens 2003: Laborbestätigung nach 6 Wochen; aktuelle APS-Kriterien: mindestens 12 Wochen

Akutmanagement

  • sofortige intensivmedizinisch-interdisziplinäre Behandlung
  • Heparin + Glukokortikoide + Plasmaaustausch und/oder IVIG
  • Trigger aggressiv behandeln
  • bei refraktärem Verlauf Rituximab oder Eculizumab erwägen
  • SLE-assoziiertes CAPS: aktiven SLE nach Organmanifestation behandeln; Cyclophosphamid bei entsprechender SLE-Indikation
  • Behandlungsbeginn nicht bis zur vollständigen Erfüllung der Klassifikationskriterien aufschieben

Quellen und Links

  • EULAR recommendations for the management of antiphospholipid syndrome in adults. Tektonidou et al.; Ann Rheum Dis 2019;78:1296–1304. Tektonidou MG, Andreoli L, Limper M, et al. 2019;78(10):1296–1304. DOI .
  • 2023 ACR/EULAR Antiphospholipid Syndrome Classification Criteria. Barbhaiya et al.; Arthritis Rheumatol 2023;75:1687– 1702. Barbhaiya M, Zuily S, Naden R, et al. 2023;75(10):1687–1702. DOI . Parallelpublikation: Ann Rheum Dis. 2023;82:1258–1270. DOI 10.1136/ard-2023-224609.
  • EULAR recommendations for women's health and the management of family planning, assisted reproduction, pregnancy and menopause in patients with systemic lupus erythematosus and/or antiphospholipid syndrome. Andreoli et al.; Ann Rheum Dis 2017;76:476–485. Andreoli L, Bertsias GK, Agmon-Levin N, et al. EULAR recommendations for women's health and the management of family planning, assisted reproduction, pregnancy and menopause in patients with SLE and/or APS. DOI .
  • EULAR recommendations for cardiovascular risk management in rheumatic and musculoskeletal diseases, including systemic lupus erythematosus and antiphospholipid syndrome. Drosos et al.; Ann Rheum Dis 2022;81:768–779. Drosos GC, Vedder D, Houben E, et al. 2022;81(6):768–779. DOI .
  • S3-Leitlinie zum Management des systemischen Lupus erythematodes. DGRh und beteiligte Fachgesellschaften; AWMF 060-008, Version 1.2, 2025. Sekundäres APS im Kontext des SLE.
  • McMaster RARE-Bestpractices clinical practice guideline on diagnosis and management of the catastrophic antiphospholipid syndrome. Legault et al.; J Thromb Haemost 2018;16:1656–1664. Legault K, Schunemann H, Hillis C, et al. 2018;16(8):1656–1664. DOI .
  • European evidence-based recommendations for diagnosis and treatment of paediatric antiphospholipid syndrome: the SHARE initiative. Groot et al.; Ann Rheum Dis 2017;76:1637–1641. Verweisquelle für pädiatrisches APS.
  • Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und Lungenembolie. DGA S2k-Leitlinie, AWMF 065-002, 2023. – ergänzende Mindestdauer der Antikoagulation; APS-spezifische Verlängerungsentscheidung nach EULAR 2019.
  • Bewertung von Wechselwirkungen und Dosierungsempfehlungen von synthetischen DMARDs – Evidenz- und konsensbasierte Empfehlungen auf Basis einer systematischen Literatursuche. Fiehn et al.; Z Rheumatol 2023;82:151–162.
  • Sicherheitsmanagement der Therapie mit Antimalariamitteln in der Rheumatologie. Interdisziplinäre Empfehlungen auf der Basis einer systematischen Literaturrecherche. Fiehn et al.; Z Rheumatol 2020;79:186–194.
  • Augenärztliche Screening-Untersuchungen bei Therapie mit Chloroquin oder Hydroxychloroquin. DOG/BVA/RG; S1-Leitlinie, AWMF 045-016, Juli 2025.
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