Axiale Spondyloarthritis (axSpA)
Kurzfassung
Diagnostik und Klassifikation
Kurzfassung
Verdacht: chronischer Rückenschmerz ≥3 Monate, Beginn ≤45 Jahre + SpA-Merkmale.
Klinische Diagnose; Klassifikationskriterien ≠ Diagnosekriterien.
Initiale Bildgebung Erwachsene: AP-Beckenübersicht; bei nichtdiagnostischem Befund MRT ISG ohne Kontrastmittel. [ACR 2026] · EULAR: bei jüngeren Patient:innen/kurzer Krankheitsdauer ggf. primäres MRT ISG.
MRT ISG bevorzugt gegenüber MRT LWS, Low-dose-CT, Szintigraphie/PET; spezifisches Protokoll, standardisierte Befundung, kein Gadolinium. [ACR 2026]
Normales CRP und HLA-B27− schließen axSpA nicht aus.
Knochenmarködem im MRT allein nicht spezifisch.
r-axSpA/nr-axSpA: gleiches Krankheitsspektrum, grundsätzlich gleiche Therapieprinzipien.
EMM erfassen: Uveitis, CED, Psoriasis.
ASAS-SPARTAN 2025: gewichteter Score, ≥11 Punkte; Vollpublikation ausstehend.
Diagnose
• Klinische Diagnose aus Anamnese, Untersuchung, Labor, Bildgebung.
• Diagnose rheumatologisch stellen/bestätigen.
• Klassifikationskriterien nicht als Diagnosekriterien verwenden.
• Andere wahrscheinlichere Diagnosen ausschließen.
Typische SpA-Merkmale
• Axial:chronischer Rückenschmerz ≥3 Monate, Beginn ≤45 Jahreentzündlicher RückenschmerzSakroiliitis.
• Periphere Manifestationen:ArthritisEnthesitis, insbesondere FersenenthesitisDaktylitis.
• Extra-muskuloskelettale Manifestationen:akute anteriore UveitisPsoriasisCED.
• Labor:HLA-B27+CRP↑.
• Weitere:positive Familienanamnesegutes NSAR-Ansprechen.
Untersuchung
Wirbelsäulenbeweglichkeit, Haltung
Durchführung, Zuordnung zu ASAS Core Set und BASMI sowie Grenzwerte siehe Klinische Untersuchungsmethoden
Differenzialdiagnosen
• Degenerativ/mechanisch.
• Osteitis condensans ilii: dreieckige, iliakal betonte Sklerose ohne Erosionen, meist bilateral, typisch bei Frauen nach Schwangerschaft.
• Postpartale Veränderungen: Knochenmarködem und Sklerose der ISG, oft symmetrisch, rückläufig im Verlauf.
• Sport-/belastungsassoziierte Veränderungen: subchondrales Knochenmarködem bei Läufer:innen, Soldat:innen, Kontaktsport; kein Kriterium für axSpA.
• DISH: fließende Ossifikationen über ≥4 Wirbelkörper, Bandscheibenräume und ISG erhalten, meist ältere Patient:innen.
• Fraktur.
• Infektion:Pyogene Sakroiliitis: Staphylococcus aureus dominierend; seltener Streptokokken, Pseudomonas aeruginosa (i. v. Drogengebrauch).Spondylodiszitis/vertebrale Osteomyelitis: Staphylococcus aureus häufigster Erreger; koagulasenegative Staphylokokken nach Instrumentierung/Fremdmaterial.Spezifische Erreger, beide Lokalisationen: Mycobacterium tuberculosis – schleichender Verlauf, häufig BWS/TLÜ; Brucella spp. – Reiseanamnese, Rohmilchprodukte, bevorzugt LWS. Selten: Candida spp. bei Immunsuppression oder zentralem Katheter; Salmonella spp. bei Hämoglobinopathien.
• Tumor.
• Fibromyalgie/noziplastischer Schmerz – generalisierter Druckschmerz ohne objektive Entzündungszeichen;
• hyperostotische Formen (SAPHO/CNO) – sterile Osteitis mit Hautbeteiligung.
Screening auf extra-muskuloskelettale Manifestationen
• Uveitis:Uveitis-AnamnesePatient:innen über typische Symptome informierenkeine routinemäßige ophthalmologische Untersuchung bei asymptomatischen Erwachsenen ohne Hinweis auf Uveitisaktive Uveitis: ophthalmologische Mitbehandlung.
• CED:gastrointestinale Anamnesekein routinemäßiges fäkales Calprotectin ohne klinische Hinweisebei klinischem CED-Verdacht: fäkales Calprotectin/gastroenterologische Abklärungaktive CED: gastroenterologische Mitbehandlung.
• Psoriasis:Haut- und Nagelbefall erfassenaktive/relevante Psoriasis: ggf. dermatologische Mitbehandlung.
• Weitere Komorbiditäten:kardiovaskuläre Risikofaktoren erfassenDepression bei klinischem Hinweis bzw. therapierefraktärer Symptomatik berücksichtigen.
• Erstgradige Angehörige:über familiäre Häufung informierenkeine routinemäßige genetische Testung asymptomatischer Angehöriger.
Labor
• CRP, ggf. BSG:auch im Verlauf zur Aktivitätsbestimmungnormales CRP schließt axSpA nicht aus.
• HLA-B27:unterstützt die Diagnosenicht beweisend – ca. 8 % der deutschen Bevölkerung positivkeine Verlaufskontrolle nötig (genetischer Marker)negativ: schließt axSpA nicht aus, senkt die Wahrscheinlichkeit; Einfluss populationsabhängig variabelCave: unspezifische bildgebende Befunde häufig.
• HLA-B27-SubtypenHLA-B27 umfasst zahlreiche HLA-B*27-Subtypen; nicht alle gleich stark mit axSpA assoziiert.In Europa HLA-B*27:05 häufig und klar assoziiert; auch B*27:02 assoziiert.B*27:06 und B*27:09: populationsabhängig deutlich schwächere bzw. fehlende Assoziation.Molekulare Tests untersuchen häufig polymorphe Bereiche in Exon 2 und Exon 3.Isoliert positives Exon-2- oder Exon-3-Signal erlaubt weder die sichere Aussage „HLA-B27 positiv" noch die Subtypzuordnung; Interpretation assayabhängig.Bei diskordantem/unklarem Befund ggf. hochauflösende HLA-B-Typisierung.Routinemäßige Subtypisierung nicht erforderlich.
Bildgebung – Erstdiagnostik
• Erwachsene: AP-Beckenübersicht als initiale Bildgebung. [ACR 2026] · EULAR: primäres MRT ISG ggf. bei jüngeren Patient:innen/kurzer Krankheitsdauer.
• AP-Beckenübersicht bevorzugt gegenüber:LWS-Röntgenspeziellen schrägen ISG-Aufnahmenprimärem Low-dose-CT ISGprimärer MRT.
• Bei nichtdiagnostischem Röntgen + fortbestehendem Verdacht:MRT ISG ohne Kontrastmittel.
• MRT ISG bevorzugt gegenüber:MRT LWSLow-dose-CT ISGSzintigraphie.
• Low-dose-CT ISG: Alternative bei spezieller struktureller Fragestellung bzw. wenn MRT nicht möglich/ausreichend.
• PET: keine Routinediagnostik.
• Szintigraphie: keine Routinediagnostik.
• MRT:spezifisches ISG-Protokollstandardisierte Befundungbei unklaren Befunden möglichst axSpA-erfahrene Befundungkein routinemäßiges Kontrastmittel.
MRT-Protokoll
• Mindestens vier Sequenzen in zwei Ebenen:T1-gewichtet: strukturelle LäsionenSTIR/T2-FS: aktive Entzündungerosionssensitive Sequenzzusätzliche semiaxiale entzündungssensitive Sequenz.
• Beurteilen:Knochenmarködem/OsteitisErosionenFettmetaplasieBackfillSkleroseAnkylosierung.
• Aktive + strukturelle Läsionen gemeinsam interpretieren.
• Knochenmarködem allein nicht spezifisch für axSpA.
• Kein routinemäßiges Gadolinium.
Wirbelsäule
• Keine routinemäßige Wirbelsäulenbildgebung zur Primärdiagnostik.
• MRT Wirbelsäule:gezielte klinische Fragestellungatypische/segmentale Beschwerdenggf. unklare entzündliche Aktivität.
• Röntgen Wirbelsäule:strukturelle FragestellungSyndesmophytenggf. prognostische Fragestellung.
Radiographische und nicht-radiographische axSpA
• r-axSpA:radiographische Sakroiliitis nach modifiziertem New-York-KriteriumGrad ≥2 bilateral oder Grad 3–4 unilateral.
• nr-axSpA:axSpA ohne entsprechende radiographische Sakroiliitiskeine obligate Progression zur r-axSpA.
• r-axSpA/nr-axSpA: gleiches Krankheitsspektrum, grundsätzlich gleiche Therapieprinzipien.
• Zulassung b/tsDMARD bei nr-axSpA:substanzspezifischmeist objektive Entzündung: CRP↑ und/oder aktive MRT-Entzündung.
ASAS-SPARTAN-Klassifikationskriterien 2025
Klassifikationskriterien Kalkulator
Entry-Kriterien
• Bislang ungeklärter Rückenschmerz ≥3 Monate.
• Beginn ≤45 Jahre.
Gewichteter Score
Merkmal — Punkte
MRT ISG axSpA-typisch (nur 1 Bildgebungsitem zählen) — 8
Radiographische Sakroiliitis (nur 1 Bildgebungsitem zählen) — 7
HLA-B27+ — 4
Entzündlicher Rückenschmerz — 3
Periphere Arthritis — 1
CED — 1
Akute anteriore Uveitis — 1
Fersenenthesitis — 1
CRP↑ — 1
Psoriasis — 1
Auswertung
• ≥11 Punkte: Klassifikation als axSpA.
• Validierung:Sensitivität 79,5 %Spezifität 90,4 %.
• Nicht mehr im finalen gewichteten Score:Daktylitisgutes NSAR-AnsprechenFamilienanamnese.
• Klassifikationskriterien ≠ Diagnosekriterien.
• Revidierte Kriterien bislang kongress-/abstractbasiert; Vollpublikation ausstehend.
Therapie
Kurzfassung
Basis: regelmäßige körperliche Aktivität für alle; Physiotherapie individuell erwägen; NSAR als pharmakologische Erstlinie; Patientenschulung; Rauchstopp.
Vor b/tsDMARD: ≥2 NSAR, insgesamt 4 Wochen, maximal vertragene axSpA-Dosis.
Opioide: nur Residualschmerz; keine Langzeitanwendung.
Keine csDMARD rein axial; periphere Arthritis: Sulfasalazin 2–3 g/Tag (Off-Label).
Keine langfristige systemische Glukokortikoidtherapie; lokale Injektionen möglich.
b/tsDMARD: ASDAS ≥2,1 (alternativ BASDAI ≥4) + Versagen konventioneller Therapie + CRP↑ und/oder MRT-Sakroiliitis und/oder radiographische Sakroiliitis + positive rheumatologische Gesamtbeurteilung.
TNFi, IL-17i oder JAKi; Start mit TNFi/IL-17i = aktuelle Praxis; keine Wirksamkeitshierarchie axial.
JAKi zurückhaltend: >50 J. + kardiovaskulärer Risikofaktor; >65 J. EMA: >65 oder Risikofaktor unabhängig vom Alter.
Rezidivierende Uveitis/aktive CED: monoklonaler TNF-Antikörper; IL-17i bei aktiver CED nicht einsetzen. Relevante Psoriasis: IL-17i.
Ansprechen nach ≥12 Wochen. Unzureichend: Diagnose und Entzündungsaktivität reevaluieren; kein obligater Klassenwechsel.
Abweichungen ACR 2026: b/tsDMARD initial statt NSAR bei hohem Progressionsrisiko (sehr niedrige Evidenz) · TNFi und IL-17i gleichrangig, beide vor JAKi · nach erstem Versagen Wechsel des Wirkmechanismus · keine spinale Manipulation.
Nichtmedikamentöse Therapie
Bewegung und Physiotherapie
• Regelmäßige körperliche Aktivität für alle Patient:innen.
• Physiotherapie individuell erwägen, v. a. ohne eigenständiges Training.
• Supervidiertes Training > Heimübungen.
• Aktive axSpA: Physiotherapie empfohlen; inaktive Erkrankung: erwägen.
• Aktive/supervidierte Verfahren gegenüber passiven (Massage, Ultraschall, Wärme).
• Wiederholte Therapieserien gegenüber einmaligem Kurs.
• Übungsformen:Dehnung, aerobes Training, Yoga, Tai Chi jeweils gegenüber unspezifischen Übungenunbeaufsichtigtes Rückentraining besser als keine ÜbungFreizeitsport.
• ACR 2026: Wassergymnastik gegenüber gewichtsbelastenden Übungen; aquatische Physiotherapie gegenüber landbasierter.Positionswechsel: ACR 2019 bevorzugte landbasiert.Optimale Übungsform bei heterogener Studienlage nicht festlegbar.
• Patientenschulung/Selbstmanagement.
• Rauchstopp.
• Optimales Körpergewicht erreichen/halten.
Nicht empfohlene Verfahren
• Keine spinale Manipulation; bei Ankylosierung/Fusion und Osteoporose Verletzungs- und Frakturrisiko.
• Traktion nicht routinemäßig empfohlen.
• Radiofrequenzablation zur axSpA-Therapie nicht routinemäßig empfohlen.
• Mikrobiomgerichtete Therapien zur axSpA-Therapie nicht empfohlen.
• Naturheilkundliche, homöopathische, ayurvedische Verfahren als axSpA-Therapie nicht empfohlen.
• Akupunktur, Massage, TENS: symptomatisch ergänzend; keine krankheitsmodifizierende Wirkung belegt.
Beratung
• Schwere körperliche Arbeit.
• Modifikationen beim Autofahren.
• Risiken von Kontaktsportarten.
• Medizinisches Notfallarmband bei Kyphose/Ankylose.
NSAR
• Medikamentöse Erstlinientherapie bei aktiver axialer Symptomatik.
• Wirksamkeitsprüfung: ausreichend hohe bzw. maximal vertragene axSpA-Dosis; Nutzen-Risiko-Abwägung.
• Keine feste leitlinienbasierte Präferenz eines Präparats.
• Ansprechen nach wenigen Wochen beurteilen (Algorithmus: 2–4 Wochen).
• Vor b/tsDMARD: ≥2 NSAR, maximal eingesetzte/vertragene Dosis, insgesamt 4 Wochen.
• Bei unzureichendem Ansprechen/Unverträglichkeit: Wechsel auf ein zweites NSAR.
• Keine Kombination mehrerer NSAR.
• Kontinuierliche vs. bedarfsorientierte Gabe:kontinuierlich nur bei erforderlicher Symptomkontrolle, sonst bedarfsorientiertACR 2026: kontinuierlich bei aktiver, bedarfsorientiert bei inaktiver Erkrankung.
• Keine Dauertherapie allein zur Progressionshemmung.
• Nach Symptomkontrolle: niedrigste wirksame Dosis.
• Auswahl nach:gastrointestinalem RisikoNierenfunktionkardiovaskulärem RisikoKomedikation.
• CED:kontinuierliche/planmäßige NSAR bei aktiver axSpA und inaktiver CED vermeiden.
Dosierungen
• Naproxen: 250–500 mg 2×/Tag; max. 1.000 mg/Tag.
• Ibuprofen: 600–800 mg 3×/Tag; max. 2.400 mg/Tag.
• Diclofenac: 75 mg ret. 1–2×/Tag; max. 150 mg/Tag.
• Celecoxib: 200 mg/Tag; ggf. Steigerung auf 400 mg/Tag; Zulassung Spondylitis ankylosans, Arthrose; Off-Label bei nr-axSpA.
• Etoricoxib: 60 mg/Tag; ggf. Steigerung auf 90 mg/Tag; Zulassung Spondylitis ankylosans; Arthrose 30–60 mg/Tag; Off-Label bei nr-axSpA.
Analgetika und noziplastischer Schmerz
• Paracetamol/Opioid-(ähnliche) Substanzen:nur Residualschmerz nach Versagen, Kontraindikation oder Unverträglichkeitlängerfristige Anwendung nicht empfohlen: fehlende axSpA-Evidenz, Abhängigkeitspotenzial.
• Keine Opioidanalgetika – auch nicht bei noziplastischem Schmerz oder anstelle eines b/tsDMARD.
• Begleitende noziplastische Schmerzkomponente – Therapie der Komorbidität, nicht der axSpA-Entzündung:GabapentinoideSSRI/SNRIMuskelrelaxanzienkognitive Verhaltenstherapieindikations- und symptomorientiert; keine axSpA-Basistherapie.
• Cannabinoide (THC/CBD) nicht routinemäßig empfohlen.
Glukokortikoide
• Lokale Injektion bei lokalisierter muskuloskelettaler Entzündung, inkl. ISG (schwache Datenlage).
• Aktive Sakroiliitis: lokale, ggf. bildgesteuerte SIG-Injektion.
• Aktive periphere Arthritis: intraartikuläre Glukokortikoide.
• Aktive Enthesitis: peri-entheseale Injektion selektiv möglich.keine intratendinöse Injektion; hoch belastete Sehnen: Rupturrisiko, besondere ZurückhaltungACR 2019: keine peritendinösen Injektionen an Achilles-, Patellar-, Quadrizepssehne; ACR 2026 ohne Sehnenausnahmen; Verhältnis bis zur Vollpublikation ungeklärt.
• Systemische Glukokortikoide:keine langfristige systemische Therapie bei axialer Manifestationkurzfristige Hochdosistherapie: nur kleine Studien, mäßiger Effektsystemische Glukokortikoide nicht empfohlen.
• Kein ACTH.
csDMARD
• Keine csDMARD bei rein axialer Erkrankung.
• Methotrexat, Leflunomid: keine gesicherte axiale Wirksamkeit.
• Keine Kombination csDMARD + b/tsDMARD bei rein axialer Manifestation.
• Periphere Arthritis:Sulfasalazin 2–3 g/Tag erwägen, gegenüber Methotrexat bevorzugt (Off-Label).
• Persistierende EMM: zusätzliche systemische Therapie inkl. ausgewählter csDMARD erwägen, manifestationsabhängig und fachärztlich mitbehandelt.
• Für die axiale Manifestation kein Methotrexat, Sulfasalazin, Hydroxychloroquin, Azathioprin, Leflunomid, Apremilast.
Indikation zu bDMARD/tsDMARD
• Klinisch gesicherte axSpA.
• Hohe Krankheitsaktivität:ASDAS ≥2,1alternativ BASDAI ≥4, wenn ASDAS nicht möglich.
• Versagen konventioneller Therapie:nichtmedikamentöse Therapie≥2 NSARmaximal eingesetzte/vertragene axSpA-Dosisinsgesamt 4 Wochen.
• Bei überwiegend peripherer Manifestation zusätzlich:ggf. lokale GlukokortikoidinjektionSulfasalazin.
• Mindestens ein objektiver Entzündungsmarker:CRP↑MRT-Entzündung der SIGradiographische Sakroiliitis.
• CRP↑/MRT-Entzündung der axSpA attribuierbar; andere Ursachen ausschließen.
• Prädiktive Wertigkeit für Therapieansprechen absteigend:CRP↑MRT-Entzündung ISGradiographische Sakroiliitis (nicht prädiktiv; regulatorisch relevant).
• Positive rheumatologische Gesamtbeurteilung; Shared Decision Making.
Zusätzliche Indikationen laut ACR 2026
• Hohes Risiko für ungünstigen Verlauf (Syndesmophyten, CRP↑): b/tsDMARD initial ohne vorgeschaltetes NSAR-Versagen erwägen.
• Asymptomatische axSpA mit hohem Risikoprofil: pharmakologische Therapie erwägen.
• Sehr niedrige Evidenz; ausgewählte Konstellationen, keine allgemeine Empfehlung.
• Divergenz: sonst NSAR-Versagen vorgeschaltet; Frage bislang als offene Forschungsfrage geführt.
nr-axSpA
• Zulassungsvoraussetzungen substanzspezifisch beachten.
• In der Regel:objektive Entzündungszeichen durch CRP↑und/oder MRT-Entzündung.
b/tsDMARD – Wahl des Wirkmechanismus
• TNFi, IL-17i oder JAKi bei persistierend hoher Aktivität trotz konventioneller Therapie.
• Beginn mit TNFi oder IL-17i = aktuelle Praxis.
• Wirksamkeit aller Klassen gut belegt; ohne Head-to-head-Studien keine axiale Wirksamkeitshierarchie ableitbar.
• IL-17i in ASAS-EULAR 2022 = ausschließlich IL-17A-Inhibitoren; Bimekizumab (IL-17A/F) dort nicht berücksichtigt, 2022 noch nicht zugelassen.
• Bei vergleichbarer Wirksamkeit/Sicherheit kostengünstigere Option; Biosimilars einbezogen.
• Klassenunterschiede bei peripheren Manifestationen: Evidenz unzureichend.
Abweichende Positionierung – ACR 2026
• Keine Präferenz TNFi vs. IL-17i; Klassen gleichrangig, IL-17A/F eingeschlossen.
• TNFi bzw. IL-17i gegenüber JAKi bevorzugt.
• Keine Präferenz einzelner Substanzen innerhalb einer Klasse.
• Stabile Originatortherapie: kein routinemäßiger, nicht medizinisch begründeter Wechsel auf Biosimilar; keine Aussage zur Unterlegenheit zugelassener Biosimilars.
Nicht empfohlene Substanzen
• Keine IL-23-Inhibitoren für die axiale Manifestation; axiale PsA separat bewertet.
• Kein Abatacept, Rituximab, Tocilizumab, Sarilumab, Belimumab, Anakinra.
• Keine Bisphosphonate zur axSpA-Therapie; manifeste Osteoporose = eigenständige Indikation.
TNF-Inhibitoren
• Adalimumab: 40 mg s.c. alle 2 Wochen; r-axSpA und nr-axSpA; Ansprechen meist innerhalb 12 Wochen, sonst Fortführung kritisch prüfen.
• Etanercept: 50 mg s.c. 1×/Woche oder 25 mg s.c. 2×/Woche; r-axSpA und nr-axSpA.
• Certolizumab pegol: 400 mg s.c. Woche 0, 2, 4; danach 200 mg alle 2 Wochen oder 400 mg alle 4 Wochen; r-axSpA und nr-axSpA.
• Golimumab: 50 mg s.c. 1×/Monat; r-axSpA und nr-axSpA; >100 kg + unzureichendes Ansprechen nach 3–4 Dosen: ggf. 100 mg 1×/Monat; danach ohne Nutzen nach 3–4 Dosen Fortführung überdenken.
• Infliximab: 5 mg/kg i.v. Woche 0, 2, 6; danach alle 6–8 Wochen; nur r-axSpA; ohne Ansprechen nach 2 Dosen bis Woche 6 keine Fortführung. Verkürzte Infusionsdauer nach guter Verträglichkeit möglich.
IL-17-Inhibitoren
• Secukinumab: 150 mg s.c. Woche 0, 1, 2, 3, 4; danach alle 4 Wochen; gleiche Aufsättigung bei r- und nr-axSpA; r-axSpA + unzureichendes Ansprechen: ggf. 300 mg alle 4 Wochen; nr-axSpA: 300 mg nicht zugelassen.
• Ixekizumab: 160 mg s.c. Woche 0; danach 80 mg alle 4 Wochen; r-axSpA und nr-axSpA.
• Bimekizumab: 160 mg s.c. alle 4 Wochen; r-axSpA und nr-axSpA; IL-17A/F; ohne Besserung nach 16 Wochen Fortführung überdenken.
• Relevante begleitende Psoriasis: jeweilige Psoriasis-Dosierung beachten.
JAK-Inhibitoren
• Upadacitinib: 15 mg p.o. 1×/Tag; r-axSpA und nr-axSpA.
• Tofacitinib: 5 mg p.o. 2×/Tag; nur r-axSpA.
• Gegenüber TNFi und IL-17i nachrangig.
Zurückhaltender Einsatz
• >50 Jahre + ≥1 zusätzlicher kardiovaskulärer Risikofaktor.
• >65 Jahre.
• Risikofaktoren:Alter >65 Jahreaktuelles oder früheres Rauchenweitere kardiovaskuläre RisikofaktorenMalignomrisikofaktorenRisikofaktoren für thromboembolische Ereignisse.
EMA-Risikokonstellation – JAKi nur bei fehlender geeigneter Therapiealternative
• ≥65 Jahre
• aktuelle/ehemalige Langzeitraucher
• erhöhtes kardiovaskuläres Risiko
• erhöhtes Malignomrisiko
• VTE-Risikofaktoren.
Extra-muskuloskelettale Manifestationen
Rezidivierende Uveitis
• Monoklonalen TNF-Inhibitor bevorzugen:AdalimumabInfliximabCertolizumab pegolGolimumab.
• Etanercept nicht bevorzugen; Secukinumab bei nicht-infektiöser Uveitis ohne Erfolg geprüft.
• Präferenz v. a. bei häufigen/rezenten Episoden, nicht bei jeder jemals aufgetretenen Uveitis.
• Rezidiv unter monoklonalem TNFi: TNFi fortführen + topische Therapie/csDMARD statt Umstellung auf Nicht-TNFi-Biologikum.
• Topische Glukokortikoide zur sofortigen Anwendung zu Hause:nur bei bekannter rezidivierender anteriorer Uveitis, ophthalmologisch vereinbarter Notfallplanerstmaliges rotes/schmerzhaftes Auge, unklare Symptomatik: dringliche augenärztliche Abklärung, keine Selbstbehandlung.
• Verdacht auf akute anteriore Uveitis: dringliche ophthalmologische Beurteilung und Mitbehandlung.
Aktive CED
• CED-wirksamen monoklonalen TNF-Inhibitor bevorzugen.
• Morbus Crohn:AdalimumabInfliximab.
• Colitis ulcerosa:AdalimumabInfliximabGolimumab.
• Certolizumab pegol: keine EU-Zulassung für CED.
• IL-17-Inhibitoren bei aktiver CED nicht einsetzen.
• Gastroenterologische Mitbehandlung.
Relevante Psoriasis
• IL-17-Inhibitor bevorzugen:SecukinumabIxekizumabBimekizumab – in ASAS-EULAR 2022 noch nicht berücksichtigt.
• Bei aktiver CED keinen IL-17i.
• Milde TNFi-induzierte Psoriasis: TNFi fortführen + topische Therapie/csDMARD/Phototherapie statt Substanzwechsel.
• Dermatologische Mitbehandlung.
• Behandlungsbedürftige Psoriasis: jeweilige Psoriasis-Dosierung beachten.
Therapieversagen
Reevaluation vor Wechsel
• Fehlendes Ansprechen: Diagnose und Komorbiditäten reevaluieren, u. a. Fibromyalgie, Depression, Arthrose.
• Prüfpunkte:Diagnose korrekt?Objektive Entzündungsaktivität vorhanden?Adhärenz?Noziplastische Schmerzkomponente/Fibromyalgie?Depression?mechanische/degenerative/strukturelle Ursache?weitere Komorbiditäten?
Beurteilung des Ansprechens
• Wirksamkeit nach ≥12 Wochen beurteilen.
• Relevantes Ansprechen: ΔASDAS ≥1,1 + positive rheumatologische Gesamtbeurteilung.
• ASDAS nicht verfügbar, BASDAI zur Therapieentscheidung verwendet: ΔBASDAI ≥2.
• Substanzspezifische Grenzen beachten: Adalimumab 12 Wochen, Bimekizumab 16 Wochen, Infliximab 2 Dosen bis Woche 6, Golimumab 3–4 Dosen.
Wechselstrategie – Leitlinienunterschied
• Wechsel auf anderen TNFi, IL-17i oder JAKi; alle Optionen offen; kein obligater Klassenwechsel; keine Evidenz für Überlegenheit eines Mechanismuswechsels; kein festes Schema nach primärem/sekundärem TNFi-Versagen.
• ACR 2026: nach erstem b/tsDMARD-Versagen eher Wechsel des Wirkmechanismus als innerhalb der Klasse.
• Weiter: anderes b/tsDMARD statt Ergänzung eines csDMARD · kein routinemäßiges Drug-Monitoring (Serumspiegel, Anti-Drug-Antikörper) zur Therapiesteuerung · Reaktivierung nach Absetzen: Wiederbeginn derselben Substanz.
• Klinische Überlegung, keine Leitlinienregel: primäres Nichtansprechen eher Mechanismuswechsel; sekundärer Wirkverlust auch zweite Substanz derselben Klasse.
Ausgewählte therapierefraktäre Konstellationen
• Keine Routineoptionen; sehr niedrige Evidenz; interdisziplinär und individuell zu entscheiden.
• Duale Zieltherapie (bDMARD + tsDMARD oder zwei bDMARD) bei persistierend aktiver axSpA, CED oder Psoriasis unter Monotherapie:keine Standardtherapie der axSpAin Deutschland regelhaft Off-Label; je nach Wirkstoff Widerspruch zur Fachinformation möglichInfektions- und Immunsuppressionsrisiko bei Kombination potenter Immunmodulatorennur in hochselektierten interdisziplinären AusnahmefällenWirksamkeit und Sicherheit: offene Forschungsfrage.
• Dosiseskalation oberhalb der Zulassungshöchstdosis bei aktiver Erkrankung trotz maximaler Dosierung:oberhalb der EU-Höchstdosis in Deutschland Off-Label; keine Routineempfehlungzugrunde liegende US-Empfehlung bezieht sich auf den FDA-Zulassungsrahmen.
Monitoring
Kurzfassung
ASDAS-CRP bevorzugt; BASDAI ergänzend, als Ersatz wenn ASDAS nicht verfügbar oder nicht praktikabel.
Therapieführung anhand eines vordefinierten Ziels; kein verpflichtender numerischer ASDAS-Zielwert; Nutzen einer formalen T2T-Strategie nicht abschließend belegt.
Keine Eskalation allein aufgrund eines Scores; zuvor persistierende Entzündungsaktivität und Kontextfaktoren prüfen.
b/tsDMARD nach ≥12 Wochen beurteilen; Fortführung bei ΔASDAS ≥1,1 + positiver rheumatologischer Gesamtbeurteilung; alternativ ΔBASDAI ≥2.
Monitoring: Klinik + PRO + Labor + EMM; Frequenz individuell; jährliches Gesamtassessment.
Keine serielle Bildgebung im Routinemonitoring; Wirbelsäulenröntgen, falls durchgeführt, Intervall ≥2 Jahre.
MRT bei unklarer entzündlicher Aktivität und therapeutischer Konsequenz.
Abweichungen ACR 2026: symptomgetriggertes Vorgehen gegenüber formalisierter T2T-Strategie; falls Aktivitätsziel verwendet, niedrige Krankheitsaktivität · keine MRT zur Bestätigung von Inaktivität.
Therapieziele
• Gesundheitsbezogene Lebensqualität maximieren durch:Kontrolle von Symptomen und EntzündungPrävention struktureller ProgressionErhalt/Normalisierung von Funktion und MobilitätErhalt sozialer und beruflicher Teilhabe.
• Komplikationen vermeiden.
Treat-to-target
• Behandlung anhand eines vordefinierten Therapieziels; Ziel als Orientierung.
• Kein verpflichtender numerischer ASDAS-Zielwert.
• TICOSPA: primärer Endpunkt negativ, mehrere sekundäre Endpunkte zugunsten T2T; Gesamtnutzen einer formalen T2T-Strategie weiterhin unklar.
• ACR 2026: keine formalisierte T2T-Strategie gegenüber symptomgetriggerter Therapie bevorzugt.
• ACR 2026: falls Aktivitätsziel verwendet, niedrige Krankheitsaktivität gegenüber strengeren Zielzuständen.
• Keine automatische Eskalation allein aufgrund eines erhöhten Scores.
• Vor Eskalation prüfen:persistierende inflammatorische Aktivität bestätigt?Kontextfaktoren – Fibromyalgie, Depression, degenerative Veränderungen, weitere Komorbiditäten?
Krankheitsaktivität
• ASDAS-CRP bevorzugt; BASDAI ergänzend bzw. alternativ.
• Regelmäßige Erhebung eines standardisierten Aktivitätsmaßes.
• Krankheitsspezifische Instrumente (ASDAS, BASDAI) gegenüber nicht krankheitsspezifischen Maßen.
ASDAS-Aktivitätszustände
• <1,3: inaktive Erkrankung
• 1,3–<2,1: niedrige Krankheitsaktivität
• 2,1–≤3,5: hohe Krankheitsaktivität
• >3,5: sehr hohe Krankheitsaktivität.
Ansprechen
• ΔASDAS ≥1,1: klinisch wichtige Verbesserung.
• ΔASDAS ≥2,0: Major Improvement.
Verlaufsparameter
• ASDAS-CRP.
• CRP, ggf. BSG.
• Schmerz.
• Morgensteifigkeit.
• Fatigue.
• Funktion: ggf. BASFI.
• Wirbelsäulenbeweglichkeit: ggf. BASMI.
• Periphere Arthritis.
• Enthesitis.
• Uveitis.
• Psoriasis.
• CED.
• Nebenwirkungen.
• Adhärenz.
• Komorbiditäten.
• ggf. ASAS-HI.
Kontrollfrequenz
• Individuell nach Krankheitsaktivität, Schweregrad, Therapie, klinischer Situation.
• Jährliches umfassendes Assessment.
Vor b/tsDMARD – praktische Sicherheitschecks
• Kein einheitlich vorgeschriebenes Panel; Umfang nach Fachinformation und Risikoprofil.
• BB.
• ALT/AST.
• Kreatinin/eGFR.
• Tuberkulose-Screening: IGRA + Röntgen-Thorax; weitere Diagnostik nach Risikoprofil.
• HBV-Screening: HBsAg, Anti-HBc, Anti-HBs.
• HCV-Screening erwägen, insbesondere bei Risikofaktoren oder ALT↑.
• HIV-Screening, insbesondere vor bDMARD.
• Impfstatus prüfen/aktualisieren.
• Weitere Untersuchungen nach:WirkstoffKomorbiditätRisikoprofil.
Laborkontrollen unter Therapie
• Kontrollumfang und -intervalle substanz-, risiko- und komorbiditätsabhängig; kein einheitliches Panel für alle b/tsDMARD.
• TNFi und IL-17i:kein einheitliches substanzübergreifendes Laborintervallklinisches InfektionsmonitoringLabor nach Fachinformation und Risikoprofil.
• JAKi:BB mit Differenzialblutbild und HbTransaminasenLipidprofilsubstanzspezifische Intervalle.
• Upadacitinib: neutrophile Granulozyten, Lymphozyten, Hb zu Baseline und spätestens nach 12 Wochen, danach individuell; Transaminasen zu Baseline und im Verlauf; Lipide nach 12 Wochen.
• Tofacitinib: Lymphozyten zu Baseline und alle 3 Monate; neutrophile Granulozyten und Hb zu Baseline, nach 4–8 Wochen, danach alle 3 Monate; Lipide nach 8 Wochen.
• Krankheitsaktivität separat: CRP, ggf. BSG.
Infektionen und Impfungen
• Schwere/ernste Infektion: b/tsDMARD pausieren; Wiederbeginn nach Kontrolle der Infektion.
• Leichte Infekte: individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung.
• Impfstatus möglichst vor Therapiebeginn aktualisieren.
• Totimpfstoffe unter Therapie möglich; Immunantwort ggf. reduziert.
• Lebendimpfstoffe unter laufender b/tsDMARD-Therapie vermeiden; substanzspezifische Abstände beachten.
• Weiterführend: STIKO-Empfehlungen für Immunsupprimierte.
Beurteilung nach Beginn/Wechsel eines b/tsDMARD
• Nach ≥12 Wochen.
• Fortführung erwägen bei:ΔASDAS ≥1,1plus positive rheumatologische Gesamtbeurteilungendgültige Entscheidung im Shared Decision Making.
• ASDAS nicht möglich, BASDAI zur Therapieinitiierung verwendet:ΔBASDAI ≥2plus positive rheumatologische Gesamtbeurteilung.
• Unzureichendes Ansprechen: zunächst Ursachenanalyse und Diagnosereevaluation.
• Substanzspezifische Beurteilungs- und Abbruchzeitpunkte der Fachinformation zusätzlich beachten; teils früher, teils später als 12 Wochen.
Bildgebung im Verlauf
• Serielle Bildgebung nicht Bestandteil des Routinemonitorings.
• Keine wiederholten Wirbelsäulen-, Becken- oder LWS-Aufnahmen in festen Intervallen – weder bei aktiver noch bei inaktiver Erkrankung.
• Wird Wirbelsäulenröntgen zur strukturellen Verlaufsbeurteilung wiederholt: Intervall ≥2 Jahre – kein Automatismus, alle zwei Jahre zu röntgen.
• Unklare inflammatorische Aktivität mit therapeutischer Konsequenz:MRT SIG/Wirbelsäule als bevorzugtes VerfahrenPET und Szintigraphie ohne Routinerolle.
• ACR 2026: keine MRT zur Bestätigung von Inaktivität bei klinisch inaktiver Erkrankung.
• Neue/deutlich veränderte Wirbelsäulensymptomatik: Fraktur oder andere Ursache ausschließen.
Klinische Untersuchungsmethoden
Untersuchungen im Detail
ASAS Core Set und BASMI
Zwei Fünfersets zur Wirbelsäulenbeweglichkeit, drei Messungen überschneiden sich:
Messung — ASAS Core Set — BASMI
Modifizierter Schober — ✓ — ✓
Zervikale Rotation — ✓ — ✓
Lateralflexion — ✓ — ✓
Thoraxexkursion — ✓ — –
Okziput-Wand-Abstand — ✓ — –
Tragus-Wand-Abstand — – — ✓
Intermalleolarabstand — – — ✓
• Praktisch: Wer BASMI erhebt, erfasst Thoraxexkursion und Okziput-Wand-Abstand nicht mit.
• BASMI-Versionen: ASAS empfiehlt BASMI-10 oder BASMI-linear; nicht mit BASMI-2 austauschbar.
• Keine Normgrenzen in Core Set und BASMI – kontinuierliche Verlaufsparameter, keine Ja/Nein-Kriterien.
• Nicht im Core Set: Ott-Zeichen, Finger-Boden-Abstand.
Haltung und strukturelle Folgen
• Hyperkyphose der BWS, Abflachung der Lendenlordose.
• Protraktion des Kopfes, zunehmender Okziput-Wand-Abstand.
• Segmentale Beweglichkeit bei fortgeschrittener Ankylosierung global reduziert.
Sakroiliakalgelenke
• Provokationstests: Mennell, FABER/Patrick, Gaenslen, Kompression, Distraktion.
• Keine Leitlinienempfehlung zur Diagnosestellung; einzeln geringe Sensitivität und Spezifität.
• Nur orientierend, kein Ersatz für Bildgebung.
Enthesen
• MASES, 13 Lokalisationen; Score pro Lokalisation 0 oder 1, Gesamtscore 0–13.
• Weitere Indizes: SPARCC (16), LEI (6), Berlin (12), MEI (66).
• ASAS empfiehlt Enthesitis-Indizes nicht für die tägliche Routinepraxis.
• Entzündliche von mechanischer Enthesiopathie abgrenzen; bei unklarem Befund Sonographie.
• MASES-Lokalisationen:1. und 7. Sternokostalgelenke beidseitsSpinae iliacae posteriores superiores beidseitsSpinae iliacae anteriores superiores beidseitsCristae iliacae beidseitsproximaler Achillessehnenansatz beidseitsProcessus spinosus L5.
Periphere Gelenke
• Gelenkzählung nach ASAS Core Set, 44 Gelenke; Core Set erfasst die Schwellung, Gesamtscore 0–44.
• Daktylitis: Schwellung eines gesamten Fingers oder Zehs, Beteiligung von Gelenk und Sehnenscheide.
Hüften
• Rotation, Flexion, Abduktion.
• Leistenschmerz, Bewegungsschmerz, Kapselmuster.
• FABER-Test unterscheidet nicht zwischen Hüft- und ISG-Ursprung.
Messprinzip
• Jeweils zweimalige Messung, besserer Wert zählt.
• Angabe auf 0,1 cm genau.
• Paarige Messungen links und rechts gemittelt.
Thoraxexkursion
• Hände auf oder hinter dem Kopf.
• Differenz zwischen maximaler Inspiration und Exspiration.
• Messung anterior in Höhe des 4. ICR.
Modifizierter Schober
• Aufrechter Stand.
• Gedachte Verbindungslinie beider Spinae iliacae posteriores superiores markieren.
• Zweite Markierung 10 cm kranial.
• Maximale Rumpfbeuge nach vorn; Zunahme der Strecke messen.
Okziput-Wand-Abstand
• Fersen und Rücken an der Wand, Hüften und Knie möglichst gestreckt.
• Kinn in gewohnter Kopfhaltung.
• Maximaler Versuch, den Kopf an die Wand zu bringen.
• Normwert 0 cm; unterscheidet normale BWS-Extension von axSpA-bedingter Kyphose.
Tragus-Wand-Abstand
• Gleiche Position wie Okziput-Wand-Abstand.
• Beeinflusst durch Kopfgröße, aber weniger durch HWS-Inklination.
• ASAS bevorzugt den Okziput-Wand-Abstand.
Zervikale Rotation
• Aufrechter Sitz, Kinn in gewohnter Kopfhaltung.
• Goniometer auf dem Scheitel in Nasenlinie.
• Maximale Rotation, Winkel in Grad.
Lateralflexion der Wirbelsäule
• Fersen und Rücken an der Wand, keine Knieflexion, kein Vorbeugen.
• Erste Markierung am Oberschenkel in Höhe der Mittelfingerspitze.
• Maximale Seitneigung, zweite Markierung erneut in Höhe der Mittelfingerspitze.
• Abstand beider Markierungen in cm.
Intermalleolarabstand
• Rückenlage, Beine maximal gespreizt, Knie gestreckt, Zehen nach oben.
• Abstand zwischen den Malleoli mediales.
• Alternativ im Stehen.
Ott-Zeichen
• Markierung C7, zweite Markierung 30 cm kaudal, Zunahme bei maximaler Flexion.
• Deutsche klinische Tradition, weder in ASAS Core Set noch in BASMI.
Finger-Boden-Abstand
• Orientierend, nicht wirbelsäulenspezifisch – Hüft- und Ischiokruralbeweglichkeit gehen mit ein.
Grenzwerte
• Modifizierte New-York-Kriterien: eingeschränkte LWS-Beweglichkeit in Sagittal- und Frontalebene; Thoraxexkursion vermindert im Vergleich zu alters- und geschlechtsbezogenen Normwerten – kein fester Zentimeterwert.
• Verbreitete Konventionswerte – modifizierter Schober <5 cm, Thoraxexkursion ≤2,5 cm.
Leitlinien und weiterführende Quellen
Diese redaktionelle Zusammenfassung unterstützt die fachliche Orientierung. Sie ersetzt weder die Originalleitlinie noch die ärztliche Entscheidung im Einzelfall.