Axiale Spondyloarthritis (axSpA)
Diagnostik und Klassifikation
Rückenschmerz
>3 Monate; Beginn typischerweise <45 Jahre; schleichend, nachts/Morgensteifigkeit, Besserung durch Bewegung
Labor
HLA-B27 positiv, CRP erhöht
Bildgebung
Sakroiliitis im MRT der ISG; strukturelle Sakroiliitis im Röntgen
Begleitmerkmale
Enthesitis, Daktylitis, periphere Arthritis; Uveitis, Psoriasis, CED; positive Familienanamnese
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Klinische Abklärung
- Beginn und Dauer des Rückenschmerzes, nächtlicher Schmerz, Besserung bei Bewegung, fehlende Besserung in Ruhe, Morgensteifigkeit und NSAR-Ansprechen
- Periphere Arthritis, Enthesitis, Daktylitis; Uveitis, Psoriasis/Nagelveränderungen, Morbus Crohn/Colitis ulcerosa und Familienanamnese
- Gelenk-/Enthesenstatus, Wirbelsäulenbeweglichkeit und Thoraxexkursion; CRP/BSG und HLA-B27 entsprechend klinischer Fragestellung
- Entzündlicher Rückenschmerz nach ASAS Handbuch 2009: mindestens vier von fünf Merkmalen – Beginn <40 Jahre, schleichender Beginn, Besserung durch Bewegung, keine Besserung in Ruhe, nächtlicher Schmerz mit Besserung beim Aufstehen
- Differenzialdiagnosen: mechanisch-degenerative Erkrankung, Überlastung, osteitis condensans ilii, postpartale Veränderungen, Infektion, Fraktur und andere entzündliche Erkrankungen. Isoliertes Knochenmarködem ist unspezifisch.
Bildgebung nach EULAR Bildgebung 2015
| Quellenstand | Diagnostische Einordnung |
|---|---|
| EULAR Bildgebung 2015, publiziert | In der Regel ISG-Röntgen zuerst; bei jungen Menschen/kurzer Symptomdauer primäre ISG-MRT möglich. Bei weiterbestehendem Verdacht trotz nicht diagnostischem Röntgen ISG-MRT |
| EULAR Bildgebung 2025, Kongressabstract 2026 | MRT der ISG zuerst; entzündliche und strukturelle Läsionen beurteilen. Zusätzliche Wirbelsäulen-MRT bei regionalen Symptomen möglich |
| Update: MRT nicht möglich/verfügbar | ISG-Röntgen oder bevorzugt Low-dose als Alternative |
- Das Bildgebungsupdate wird als Kongressabstract 2026 eingeordnet
- Bei Frakturverdacht unverzügliche Abklärung; bei ankylosierter Wirbelsäule CT und/oder MRT gemäß Kongressupdate.
ASAS Handbuch 2009
Eingang: Rückenschmerz seit ≥3 Monaten, Beginn vor dem 45. Geburtstag. Klassifikation für Forschung; klinische Diagnose unabhängig beurteilen.
| Arm | Erforderliche Kombination |
|---|---|
| Bildgebungsarm | Sakroiliitis im Röntgen nach modifizierten New-York-Kriterien oder aktive axSpA-typische Sakroiliitis im MRT plus ≥1 SpA-Merkmal |
| Klinischer Arm | HLA-B27 positiv plus ≥2 weitere SpA-Merkmale |
- SpA-Merkmale: entzündlicher Rückenschmerz, Arthritis, Fersenenthesitis, Uveitis, Daktylitis, Psoriasis, Morbus Crohn/Colitis ulcerosa, gutes NSAR-Ansprechen, SpA-Familienanamnese, HLA-B27, erhöhtes CRP
- HLA-B27 im klinischen Arm nicht zusätzlich als eines der zwei weiteren Merkmale zählen
- Familienanamnese bei Verwandten ersten oder zweiten Grades; die im Original definierte SpA-Erkrankungsgruppe verwenden
- Röntgensakroiliitis: beidseits Grad ≥2 oder einseits Grad ≥3. MRT-Klassifikation verlangt axSpA-typische aktive Entzündung; strukturelle Läsionen allein sind kein unmarkierter Ersatz des 2009-MRT-Kriteriums
- Entzündlicher Rückenschmerz allein ist weder hinreichend für die Klassifikation noch für die Diagnose.
Modifizierte New-York-Kriterien
Modifizierte New-York-Kriterien berechnen
- Radiologisches Kriterium: beidseits Sakroiliitis Grad ≥2 oder einseits Grad ≥3
- Zusätzlich mindestens eines: Rückenschmerz/Steifigkeit >3 Monate mit Besserung durch Bewegung, nicht durch Ruhe; Einschränkung der LWS-Beweglichkeit sagittal/frontal; verminderte Thoraxexkursion gegenüber alters-/geschlechtsbezogenen Normwerten
- Diese Kriterien beschreiben ankylosierende Spondylitis/radiographische axSpA; Nichterfüllung schließt nr-axSpA nicht aus.
Therapie
Therapiebeginn
Bewegung/Physiotherapie + NSAR; periphere Arthritis → ggf. Sulfasalazin (Off-Label)
Unzureichende Wirksamkeit
nach ≥2 NSAR über insgesamt ≥4 Wochen; ASDAS ≥2,1 plus entzündliche Gesamtbeurteilung → TNFi, IL-17i, JAKi nach Sicherheitsselektion; rezidivierende Uveitis/aktive CED → monoklonale TNFi; relevante Psoriasis → IL-17i
nach TNFi/IL-17i/JAKi → Entzündung, Diagnose, Adhärenz und Begleitursachen prüfen; Wechsel zu TNFi, IL-17i oder JAKi
Deeskalation
anhaltende Remission, pragmatisch ≥6 Monate → Biologikum schrittweise reduzieren; Intervalländerung ggf. (Off-Label); Flare → Reintensivierung
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Ziele und nichtmedikamentöse Maßnahmen
- Lebensqualität, Entzündungskontrolle, Funktion und Teilhabe verbessern; Strukturschaden möglichst verhindern
- EULAR 2022: vorab gemeinsam vereinbartes Therapieziel; Remission/inaktive Erkrankung als Orientierung, alternativ niedrige Aktivität. Ein erhöhter Score allein rechtfertigt ohne Restentzündung keine Eskalation
- Regelmäßige individuell angepasste Bewegung und aktive Physiotherapie; Raucherentwöhnung, Gewicht, Arbeit/Alltag und psychosoziale Faktoren berücksichtigen
- Wesentliche ACR 2026: keine Wirbelsäulenmanipulation; besonders relevant bei Ankylose/Frakturrisiko.
Therapiebeginn
- NSAR in ausreichend wirksamer, verträglicher Dosis; regelmäßig nur wenn zur Symptomkontrolle nötig, bei inaktiver Erkrankung eher Bedarf
- Nicht zwei NSAR gleichzeitig kombinieren; bei unzureichender Wirkung Wechsel auf ein anderes NSAR erwägen
- Lokale GK-Injektion bei geeigneter Arthritis/Sakroiliitis erwägen; keine langfristige systemische GK-Therapie der axialen Erkrankung
- Keine csDMARDs für isolierte axiale Entzündung. Bei peripherer Arthritis Sulfasalazin erwägen; bei EMM separate fachübergreifende Therapie
- Persistierender Schmerz: entzündliche, mechanische und noziplastische Komponenten unterscheiden; multimodal mitbehandeln. EULAR 2022 lässt Analgetika bei Restschmerz und unzureichenden/ ungeeigneten Vorbehandlungen als Reserve zu; die Empfehlung begründet keine langfristige Opioid-Routine. Wesentliche ACR 2026: starke Gegenempfehlung zu Opioiden bei noziplastischem Schmerz.
NSAR · Ibuprofen, Naproxen, Celecoxib, Etoricoxib · Therapiebeginn · Coxibe bei reiner nr-axSpA (Off-Label)
- Anwendung: Celecoxib/Etoricoxib bei AS; reine nr-axSpA (Off-Label)
- Ibuprofen: 1.200–2.400 mg p.o./d in 3–4 Gaben; maximal 800 mg je Gabe
- Naproxen: 500–1.000 mg p.o./d in 1–2 Gaben
- Celecoxib: 200–400 mg p.o./d; Beginn mit 200 mg/d in 1–2 Gaben
- Aktivierte Arthrose: ebenfalls zugelassene Anwendung; 200 mg/d, bei unzureichender Wirksamkeit 200 mg zweimal täglich
- Etoricoxib: 60 mg p.o. einmal täglich; ggf. 90 mg/d; r-axSpA
Cave: Celecoxib/Etoricoxib bei CED kontraindiziert
Sulfasalazin · Option bei peripherer Arthritis · (Off-Label)
- Sulfasalazin: initial 500 mg p.o./d → 1 g zweimal täglich; ggf. bis 3 g/d; periphere Arthritis; (Off-Label)
- DGRh Wechselwirkung 2023: Eisen zeitlich getrennt einnehmen; bei Digoxin Wirkung/ggf. Spiegel kontrollieren; weitere Interaktionen
Unzureichende Wirksamkeit von NSAR
- EULAR 2022: klinisch gesicherte axSpA und weiterhin hohe Aktivität trotz nichtmedikamentöser Behandlung und ≥2 NSAR in maximal geeigneter Dosis über insgesamt ≥4 Wochen; Kontraindikationen/ Unverträglichkeit berücksichtigen
- Bei überwiegend peripheren Manifestationen umfasst der konventionelle Vorpfad auch lokale GK-Injektion, sofern geeignet, und Sulfasalazin; kein Pflicht-csDMARD-Versuch bei isolierter axialer Erkrankung
- ASDAS ≥2,1, alternativ BASDAI ≥4, wenn ASDAS nicht praktikabel; positive fachrheumatologische Gesamtbeurteilung
- Erhöhtes CRP und/oder aktive Entzündung im ISG-MRT als Ansprechprädiktoren und bei nr-axSpA als Zulassungsvoraussetzung; alternative Ursachen ausschließen
- Radiographische Sakroiliitis ist ebenfalls eine relevante Voraussetzung im AS-/r-axSpA-Pfad; normales CRP/ MRT schließt bei bereits radiographischer Erkrankung eine zugelassene Therapie nicht pauschal aus
- EULAR 2022: TNFi, IL-17i, JAKi; JAKi Cave: Sicherheitsselektion
- EULAR 2022: derzeitige klinische Praxis: Beginn mit TNFi oder IL-17i; längere Anwendungserfahrung
- ACR 2026: TNFi / IL-17i konditional vor JAKi; keine Präferenz zwischen TNFi und IL-17i
- Original-/Biosimilar-Auswahl unter Berücksichtigung von Wirksamkeit, Sicherheit, Präferenzen, Zugang und Kosten
- Wesentliche ACR 2026: IL-23-Inhibition für axSpA stark nicht empfohlen; bei axialer PsA konditionale Gegenempfehlung. Nicht auf die Haut/periphere PsA übertragen.
EMM-gesteuerte Auswahl
| Begleitmanifestation | Therapierichtung |
|---|---|
| Rezidivierende anteriore Uveitis | Monoklonalen TNFi bevorzugen; augenärztlich mitbehandeln |
| Aktive CED | Monoklonalen TNFi beziehungsweise für die konkrete CED wirksame/zugelassene Therapie wählen; gastroenterologische Mitbehandlung |
| Relevante Psoriasis | IL-17-Weg besonders berücksichtigen; dermatologische Mitbehandlung |
- Etanercept ist kein gleichwertiger Ersatz für monoklonale TNFi bei CED oder rezidivierender Uveitis
- CED-Zulassungen unterscheiden sich: z. B. Golimumab für Colitis ulcerosa, nicht Morbus Crohn
- Aktive CED: keine IL-17-Inhibition. Die Fachinformationen führen CED als Warnhinweis bzw. Nichtempfehlung
- Neue/verschlechterte CED-Symptome unter IL-17i abklären und Therapie entsprechend FI beenden
- Behandlung der EMM gemeinsam mit dem zuständigen Fachgebiet; Zulassung und Dosis für die konkrete Manifestation prüfen.
TNFi · Adalimumab, Etanercept, Certolizumab pegol, Golimumab, Infliximab · Nach unzureichender
Wirksamkeit von NSAR · Infliximab: nur r-axSpA
Cave: schwere Herzinsuffizienz (NYHA III/IV)
- Adalimumab: 40 mg s.c. alle 2 Wochen; r-/nr-axSpA
- Etanercept: 50 mg s.c. einmal wöchentlich; alternativ 25 mg zweimal wöchentlich; r-/nr-axSpA
- Certolizumab pegol: 400 mg s.c. Woche 0, 2, 4; danach 200 mg alle 2 Wochen oder 400 mg alle 4 Wochen; r-/nr-axSpA
- Golimumab: 50 mg s.c. einmal monatlich; >100 kg und unzureichendes Ansprechen nach 3–4 Dosen: ggf. 100 mg monatlich; r-/nr-axSpA
- Infliximab i.v.: 5 mg/kg Woche 0, 2, 6; danach alle 6–8 Wochen; nur r-axSpA
- Infliximab s.c.: nach 5 mg/kg i.v. Woche 0 und 2: 120 mg s.c. ab Woche 6, danach alle 2 Wochen; nur r-axSpA
- Infliximab: ohne Ansprechen bis Woche 6 nach 2 i.v.-Dosen → Beendigung
IL-17i · Secukinumab, Ixekizumab, Bimekizumab · Nach unzureichender Wirksamkeit von NSAR
Cave: CED: nicht empfohlen
- Secukinumab: 150 mg s.c. Woche 0, 1, 2, 3, 4; danach alle 4 Wochen; r-/nr-axSpA; r-axSpA mit unzureichendem Ansprechen: ggf. 300 mg alle 4 Wochen; 300 mg bei nr-axSpA (Off-Label)
- Ixekizumab: 160 mg s.c. Woche 0; danach 80 mg alle 4 Wochen; r-/nr-axSpA
- Bimekizumab: 160 mg s.c. alle 4 Wochen; r-/nr-axSpA; ohne Besserung nach 16 Wochen Fortführung überdenken
- Relevante Psoriasis: jeweilige Psoriasis-Dosierung
JAKi · Upadacitinib, Tofacitinib · Nach unzureichender Wirksamkeit von NSAR · Sicherheitsselektion ·
Tofacitinib: nur r-axSpA
Cave: MACE-/Malignom-/VTE-Risiko; Auswahlbeschränkungen
- Upadacitinib: 15 mg Retard p.o. einmal täglich; r-/nr-axSpA
- Tofacitinib: 5 mg p.o. zweimal täglich; alternativ 11 mg Retard p.o. einmal täglich; nur r-axSpA
- Ansprechen: nach 16 Wochen; fehlende Besserung → Fortführung überdenken
- Nur ohne geeignete Alternative: ≥65 Jahre; aktuelles/früheres langjähriges Rauchen; erhöhtes kardiovaskuläres-/Malignomrisiko
- VTE-Risiko: besondere Vorsicht
- Tofacitinib – FI: starke CYP3A4-Hemmung oder mäßige CYP3A4-/starke CYP2C19-Hemmung → 5 mg Filmtablette einmal täglich statt 5 mg zweimal täglich / 11 mg Retard; z. B. Ketoconazol / Fluconazol
- Upadacitinib – FI: starke CYP3A4-Hemmer → 15 mg/d mit Vorsicht; Grapefruit vermeiden
- Weitere Interaktionen / Organfunktion: substanzbezogene Anpassungen
Unzureichende Wirksamkeit von TNFi / IL-17i / JAKi
- EULAR 2022: nach mindestens zwölf Wochen Ansprechen beurteilen; ASDAS-Abfall ≥1,1 plus positive klinische Gesamtbewertung stützen die Fortführung
- Bei ASDAS-Unmöglichkeit BASDAI-Besserung ≥2 als Alternative; produktspezifische frühere/spätere Überprüfungsregeln zusätzlich beachten
- Fehlende Wirkung: Diagnose, Adhärenz, verbleibende Entzündung, Komorbiditäten und noziplastischen Schmerz erneut prüfen
- EULAR 2022: Wechsel zu anderem TNFi, IL-17i oder JAKi möglich
- Keine csDMARD-Addition allein zur Behandlung verbleibender axialer Aktivität; eigenständige periphere/ EMM-Indikation gesondert
- Zugelassene Dosisgrenzen beachten; keine unzulässige JAK-Dosiseskalation oder routinemäßige duale Zieltherapie.
Deeskalation
- Anhaltende Remission, gemeinsame Entscheidung und Flare-Plan; EULAR 2022 nennt als pragmatische Mindestdauer etwa sechs Monate
- Schrittweise Dosis-/Intervallreduktion, vor jedem weiteren Schritt neu beurteilen; abruptes Absetzen erhöht das Flare-Risiko
- EULAR 2022-Empfehlung betrifft bDMARDs; nicht pauschal auf JAKi oder jede Dosis-/Intervalländerung übertragen
- Zugelassene CZP-Reduktion siehe Wirkstoffdetails; andere Intervallverlängerungen häufig (Off-Label)
- Vollständiges Absetzen kann Endpunkt schrittweisen Taperings sein
- Bei Flare Behandlung erneut intensivieren; produktspezifische Wiederaufnahmeregeln beachten
- Begleit-NSAR/csDMARDs bei Inaktivität und fehlender eigener Indikation überprüfen.
Monitoring und Sicherheit
ASDAS-CRP, Funktion und Befunde gemeinsam beurteilen; Intervalle nach Aktivität, Therapie und Risiko
Sicherheitslabor, Infektionsscreening und Impfen präparatbezogen planen
EMM, Depression, Knochen-/CV-Risiken und Frakturhinweise aktiv erfassen
Keine routinemäßige Bildgebung nur zur Bestätigung klinischer Inaktivität
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Aktivität und Therapieerfolg
| ASDAS | Zustand |
|---|---|
| <1,3 | Inaktive Erkrankung |
| 1,3 bis <2,1 | Niedrige Aktivität |
| 2,1 bis 3,5 | Hohe Aktivität |
| >3,5 | Sehr hohe Aktivität |
- Abfall ≥1,1: klinisch wichtige Besserung; ≥2,0: starke Besserung
- ASDAS-CRP bevorzugt; ASDAS-BSG bei fehlendem CRP als Alternative. BASDAI ergänzt die Symptomerfassung und ist bei nicht praktikablem ASDAS Ersatzinstrument
- ASDAS-CRP: CRP in mg/l; Werte <2 mg/l werden durch 2 mg/l ersetzt. Keine Verwechslung mit mg/dl oder rohen Morgensteifigkeits-Minuten statt NRS
- BASFI/Funktion, Mobilität, Gelenk-/Enthesenbefunde, EMM und patientenberichtete Belastung ergänzen
- Kontrollhäufigkeit nach Beschwerden, Schweregrad und Therapie; nach Beginn/Wechsel rechtzeitig für die Ansprechentscheidung.
Bildgebung im Verlauf
- MRT bei unklarer Entzündungsaktivität zur Klärung der konkreten Therapiefrage; kein Ersatz der klinischen Verlaufskontrolle
- EULAR Bildgebung 2015 empfiehlt MRT nicht routinemäßig zum Monitoring. Wiederholung nach klinischer Fragestellung
- Bei erheblicher neuer Schmerzcharakteristik, besonders nach Trauma/bei Ankylose, Fraktur ausschließen; auch geringes Trauma ernst nehmen.
Spezifisches Medikamentenmonitoring
- IL-17i: neue/verschlechterte CED-Symptome → Abklärung und Therapieentscheidung
Weitere Kontrollen und Dosisanpassungen: Adalimumab · Bimekizumab · Upadacitinib · Medikamentenübersicht Infektionsscreening und Impfungen
EMM, Knochen und Begleiterkrankungen
- Uveitissymptome, CED-Beschwerden und Psoriasis einschließlich Haut-/Nagelbefunden erfassen; symptombezogene fachübergreifende Abklärung
- Akutes schmerzhaftes/gerötetes Auge zeitnah augenärztlich beurteilen
- EULAR Bildgebung 2015: ohne lumbale Syndesmophyten Hüft- und AP-LWS-DXA; mit Syndesmophyten Hüft-DXA, ergänzt durch laterale Wirbelsäulen-DXA oder ggf. QCT. Artefakte der AP-Messung beachten
- Osteoporose-/Sturzrisiko und Frakturanamnese berücksichtigen; Intervalle und Therapie risikoadaptiert nach Osteoporoseleitlinie
- CV-Risikofaktoren, Rauchen, Gewicht, psychische Belastung und depressive Symptome erfassen.
Wesentliche ACR 2026:
- Kein routinemäßiges ophthalmologisches Screening oder Calprotectin-Screening bei asymptomatischen Erwachsenen ohne entsprechende Anamnese/Verdachtsbefunde
- Kein routinemäßiges EKG-/Echo-Screening allein wegen axSpA; bei Symptomen/Befunden gezielte Diagnostik
- Depressionsscreening und Behandlung, besonders bei therapierefraktärer Beschwerdelast
Klinische Untersuchungsmethoden
Für Verlaufsvergleiche Methode, Einheit und Auswertung konstant halten
Längen in cm, HWS-Rotation in Grad
Enthesitis-Indizes bei entsprechender klinischer Fragestellung
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Mobilität nach ASAS Handbuch 2009
| Untersuchung | Standardisierung |
|---|---|
| Schober, 10-cm-Technik | Linie zwischen den beiden Spinae iliacae posteriores superiores markieren; zweite Marke 10 cm kranial. Bei maximaler Vorbeugung Zunahme in cm, besserer von zwei Versuchen |
| Lateralflexion | Aufrecht, Fersen/Rücken an Wand; Knie gestreckt, kein Vorbeugen. Differenz vor/nach Seitneigung; je Seite besserer von zwei Versuchen, Mittelwert in cm |
| Okziput-/Tragus-Wand-Abstand | Fersen/Rücken an Wand, Kinn in gewohnter Haltung; Kopf möglichst zur Wand. Besserer von zwei Versuchen, cm |
| HWS-Rotation | Aufrechter Sitz, Goniometer; je Seite besserer von zwei Versuchen, Mittelwert in Grad |
| Thoraxexkursion | Differenz maximaler Ein-/Ausatmung standardisiert messen; alters-/geschlechtsbezogen interpretieren |
- Schober-Grenzwert nicht aus einer anderen 10+5-cm-Methode übernehmen; kein einzelner Mobilitätsgrenzwert ersetzt die Diagnose
- BASMI-Variante ausdrücklich benennen; Punkteschemata und lineare Formel nicht vermischen.
MASES
- 13 Druckschmerzlokalisationen, je 0 oder 1, Summe 0–13
- Beidseits: 1. und 7. kostochondraler Übergang, Spina iliaca anterior superior, Crista iliaca, Spina iliaca posterior superior und Achillesansatz
- Zusätzlich Dornfortsatz L5; kostochondrale Übergänge nicht mit Sternokostalgelenken verwechseln
- Klinischer Schmerzindex, kein alleiniger objektiver Beweis aktiver Enthesitis.
Methodenhinweis 2026: ASAS periphere Arthritis 2026 empfiehlt DAPSA44 zur Bewertung peripherer Arthritis in der klinischen Forschung. Das Instrument ersetzt nicht die axiale Aktivitätsmessung mit ASDAS.
Operation, Fraktur und Reproduktion
Hüft-TEP bei entsprechender Destruktion/Behinderung unabhängig vom jungen Alter erwägen
HWS-Beteiligung und Ankylose vor Narkose ausdrücklich kommunizieren
Reproduktive Therapieplanung und perioperative Pausen nach den zentralen Modulen
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Praktisches Vorgehen
- Hüft-TEP bei refraktärem Schmerz/Funktionseinschränkung und radiologischem Schaden; korrigierende Osteotomie bei schwerer behindernder Deformität im Spezialzentrum
- HWS-Erkrankung: Anästhesie über Intubations-/Lagerungsrisiken informieren und mit Patient:innen besprechen
- TNFi bei Bedarf nach EULAR Schwangers 2024 während der gesamten Schwangerschaft möglich; NSAR-Zeitfenster, JAK-Vermeidung, Stillzeit und Säuglings-Lebendimpfungen präparatspezifisch im Reproduktionsmodul prüfen
- EULAR Schwangers 2024/Infliximab-FI: unterschiedliche Vorgaben zu Säuglingsimpfungen
Quellen und Links
- 2026 Update of the American College of Rheumatology/ Spondylitis Association of America/Spondyloarthritis Research and Treatment Network Recommendations for the Treatment of Axial Spondyloarthritis in Adults and Children/Adolescents. Guideline Summary. Offizielle Summary; Erwachsenen- und pädiatrischer Teil getrennt.
- ASAS-Empfehlung zur Instrumentenwahl für die Bewertung peripherer Arthritis in der klinischen Forschung. Ann Rheum Dis, online 06.07.2026. Instrumentenauswahl bei peripherer Arthritis
- ACR/SAA/SPARTAN axSpA-Guideline, offizielle Summary 2026. Freigegeben am 24.06.2026; Erwachsenen- und pädiatrische Teile getrennt
- EULAR-Bildgebungsupdate 2025 – Originalabstract POS0682, EULAR 2026, einschließlich Tabelle 1. DOI 10.1136/annrheumdis-2026-eular.B.2205; Kongressstatus
- Nationale Leitlinie: AWMF 060-003, axiale Spondyloarthritis. Ältere S3-Fassung mit abgelaufener Gültigkeit