Gicht und CPPD
Klassifikationskriterien Kalkulator CPPD
Überblick
Klassifikationskriterien Kalkulator CPPD
Klassifikationskriterien Kalkulator Gicht
Diagnostik
Klinische Diagnose: Anamnese (akuter Schmerz ohne Prodromi <24h, frühere Anfälle) + Befund (Rötung, Schwellung, Überwärmung, Tophi) + Serumharnsäure. Klassische Lokalisation: Metatarsophalangealgelenk I (Podagra).
Bildgebung/Punktion: Sonographie (Doppelkontur-Zeichen, Tophi, Schneesturm-Phänomen) oder DECT wenn Diagnose unklar. Gelenkpunktion mit Kristallnachweis (Polarisationsmikroskopie) bei ätiologisch unklaren Fällen.
ACR/EULAR Klassifikationskriterien (falls keine Punktion möglich): Eintrittsvoraussetzung mind. 1 Anfall periphere Gelenke/Bursitis; Punktsystem (Harnsäurewert, Symptomcharakter, Lokalisation, Bildgebung) ≥8 Punkte = Gicht (Sensitivität 83%, Spezifität 96% mit Bildgebung).
Akuter Anfall
1. Wahl (gleichwertig, Auswahl nach Komedikation/Komorbiditäten/KI):
• Colchicin: Tagesdosis max. 2 mg/Tag; Höchstdosis 6 mg/Anfall. Dosisschema: 1 mg initial, dann 0,5 mg nach 1h; ab Tag 2: 0,5–1 mg/d. Cave: Interaktionen (CYP3A4/P-gp); nicht bei GFR <30 ml/min.
• NSAR: z.B. Naproxen 2×500 mg/d, Indometacin 3×50 mg/d, Etoricoxib 120 mg/d. Cave: NI, KVK-Risiko, GI-Toxizität.
• Glukokortikoide: Prednisolon 30–35 mg/d p.o. (oder äquivalente i.v.-Dosis), 3–5 Tage. Intraartikulär möglich.
2. Wahl: Canakinumab 150 mg s.c. (IL-1-Inhibitor): bei ≥3 Anfällen/Jahr und KI/Unverträglichkeit gegenüber Colchicin, NSAR und GK, oder fehlendem Ansprechen.
Supportiv: Ruhigstellen, Hochlagern, Kühlen.
Re-Evaluation: Bei ausbleibender Besserung innerhalb weniger Tage → zügige Reevaluation und ggf. Therapiewechsel.
Harnsäuresenkende Therapie (ULT)
Indikation: Nach 1. Gichtanfall alle Optionen besprechen. ULT erwägen insbesondere bei: häufigen Anfällen, Tophi, radiologischen Gelenkschäden, Nephrolithiasis, GFR <60 ml/min.
Aufklärung: Zu Beginn einer ULT können Anfälle zunehmen (Kristallmobilisation) → Prophylaxe nötig.
1. Wahl Xanthinoxidasehemmer (XOI):
• Allopurinol: Start 100 mg/d, Titration in 4-wöchigen Schritten bis Zielwert (max. 900 mg/d). Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz.
• Febuxostat: 80–120 mg/d. Cave: erhöhtes kardiovaskuläres Mortalitätsrisiko (V.a. bei bestehender KHK).
2. Wahl Urikosurika (wenn XOI nicht einsetzbar oder wirksam):
• Benzbromaron (bis 100 mg/d) oder Probenecid. KI: Überproduktion (z.B. Chemotherapie), Urolithiasis. Ausreichend Flüssigkeit.
Kombination XOI + Urikosurikum möglich.
Treat-to-Target und Monitoring
Zielwert Serumharnsäure: <6 mg/dl (<360 µmol/l) unter XOI-Therapie.
Zielwert bei tophöser Gicht: <5 mg/dl (<300 µmol/l) erwägen (schnellere Kristallauflösung).
Monitoring: Serumharnsäure, Nierenfunktion, Harnsäure im Urin (bei Urikosurika), Anfallshäufigkeit, Tophi-Größe.
Komedikation prüfen: Schleifendiuretika und Thiazide erhöhen Harnsäure → Alternativen suchen wenn möglich.
Anfallsprophylaxe
Zu Beginn der ULT: Anfallsprophylaxe über 3–6 Monate.
• 1. Wahl: Colchicin niedrig-dosiert (0,5–1 mg/d).
• Alternativ: NSAR (z.B. Naproxen 250 mg 2×/d) bei KI gegen Colchicin.
• GK wenn Colchicin und NSAR kontraindiziert.
Bestehende ULT bei erneutem Gichtanfall nicht absetzen.
Lebensstil & Komorbiditäten
Patientenaufklärung: Adipositas, Übergewicht und Alkoholkonsum erhöhen Anfallsrisiko → Gewichtsreduktion und Alkoholkarenz empfehlen.
KV-Risikofaktoren behandeln (Hypertonie, Hyperlipidämie, Diabetes): Losartan und Calciumantagonisten senken Harnsäure, bevorzugen wenn möglich.
Interaktionscheck vor Therapiebeginn (besonders bei Colchicin).
Weitere Informationen: AWMF S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Gicht 2025 (060-005)
Leitlinien und weiterführende Quellen
Diese redaktionelle Zusammenfassung unterstützt die fachliche Orientierung. Sie ersetzt weder die Originalleitlinie noch die ärztliche Entscheidung im Einzelfall.