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Idiopathische inflammatorische Myopathien (Myositiden)

Diagnostik und Klassifikation

Nicht-IBM
meist symmetrische proximale Muskelschwäche; erschwertes Aufstehen/Treppensteigen und Armheben; ggf. Dysphagie
Dermatomyositis
Gottron-Papeln/-Zeichen, heliotropes Erythem
Antisynthetase-Syndrom
ILD, Arthritis, Raynaud, Mechanikerhände ± Myositis
IBM
häufig asymmetrische Fingerbeuger-/Kniestreckerschwäche, Dysphagie
Befunde
CK häufig ↑; myositisspezifische Antikörper; Muskel-MRT/EMG, ggf. Muskelbiopsie
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Klinische Subtypen

Subtyp Klinische Einordnung Wichtige Konsequenz
Dermatomyositis (DM) Heliotropes Erythem, Gottron-Papeln/- Zeichen; Muskelbeteiligung variabel Haut, Malignitätsrisiko, Lunge und Schlucken gesondert beurteilen
Klinisch amyopathische DM Typische kutane DM ohne manifeste klinische Muskelschwäche; subklinische Muskelbeteiligung möglich Normale CK keine Entwarnung für ILD oder andere Organmanifestationen
Antisynthetase-Syndrom (ASyS/ASS) Anti-Synthetase-Antikörper; variable Kombination von ILD, Myositis, Arthritis, Raynaud und Mechanikerhänden Unvollständige beziehungsweise organbetonte Präsentation möglich
Immunvermittelte nekrotisierende Myopathie (IMNM) Ausgeprägte Muskelschwäche/- schädigung; Anti-HMGCR, Anti-SRP oder seronegativ Toxische Statinmyopathie und autoimmune HMGCR-Myopathie unterscheiden
Overlap-Myositis Muskelentzündung im Kontext weiterer Kollagenosemerkmale Führende Organmanifestation und Grunderkrankung therapeutisch berücksichtigen
Polymyositis (PM) Entzündliche Myopathie nach Ausschluss besser abgrenzbarer Subtypen und Mimics Keine Sammelbezeichnung für jede seronegative proximale Muskelschwäche
Einschlusskörpermyositis (IBM) Häufig asymmetrische Schwäche, besonders Fingerflexoren/Kniestrecker; Dysphagie Eigener Therapiepfad; keine unkritische Übernahme der Nicht-IBM-Immunsuppression

Klinische Subtypen und Kategorien des ursprünglichen Klassifikationsbaums von 2017 sind nicht deckungsgleich.

Labor und Autoantikörper

  • CK, AST/ALT, LDH; ergänzend Aldolase bei passender Konstellation; Blutbild, Nieren-/Leberwerte und Entzündungsparameter
  • Transaminasenanstieg auch muskulär möglich; bei Therapieüberwachung Leberursache, Muskelaktivität und Begleitmedikation auseinanderhalten
  • MSA/MAA einschließlich Anti-Jo-1/weiterer Synthetasen, Mi-2, TIF1γ, NXP2, MDA5, SAE, SRP, HMGCR sowie kontextbezogener Overlap-Antikörper
  • Antikörperprofile zur Phänotyp- und Risikoeinordnung; isolierte oder schwache Positivität ohne passende Klinik keine ausreichende Diagnose
  • Normale CK bei amyopathischer/hypomyopathischer DM und fortgeschrittenem Muskelschaden möglich
  • Antikörpertiter nicht als alleinigen Aktivitätsmarker verwenden

Bildgebung, Elektrophysiologie und Histologie

  • Muskel-MRT: Ödem und chronische Veränderungen; Auswahl einer geeigneten Biopsiestelle im Gesamtkontext
  • EMG: myopathische Veränderungen, Spontanaktivität, Abgrenzung neurogener Ursachen
  • Muskelbiopsie: nach DGN 2022 als Bestandteil der Diagnosesicherung empfohlen; Subtypisierung und Differenzialdiagnose durch erfahrene neuromuskuläre Pathologie
  • Typische DM-Hautzeichen ohne Muskelmanifestation: dermatologische Beurteilung und gegebenenfalls Hautbiopsie
  • Differenzialdiagnosen: toxische, infektiöse, endokrine, metabolische und hereditäre Myopathien, neuromuskuläre Übertragungsstörungen, Steroidmyopathie und andere neuromuskuläre Erkrankungen

Organabklärung

  • Schlucken: Dysphagie, Husten/Verschlucken, Gewichtsverlust und Aspirationshinweise aktiv erfragen; bei Verdacht FEES oder Videofluoroskopie
  • Lunge: HRCT-Screening bei IIM mit Risikofaktoren stark empfohlen; bei den meisten übrigen IIM ohne Risikofaktoren erwägbar; IBM von dieser allgemeinen Empfehlung ausgenommen
  • ILD-Risikomerkmale: Antisynthetase-Syndrom, klinisch amyopathische DM, Mechanikerhände, Arthritis, Anti-Synthetase-, Anti-MDA5- und Anti-Ro52-Antikörper
  • Lungenfunktion: FVC/DLCO ergänzend; normale Funktion kein Ersatz für ein indiziertes HRCT
  • Herz: Symptome und klinischer Befund; ergänzend EKG, kardiales Troponin I, Echokardiographie, bei Verdacht kardiale MRT und Kardiologie
  • Malignität: individuelle IMACS Tumorscreening 2023-Risikostratifikation und nationale Früherkennung; vollständiger Pfad im Sonderblock
  • Cave: Troponin T kann auch bei Skelettmuskelprozessen erhöht sein; isolierter Anstieg kein Nachweis einer Myokarditis.

EULAR/ACR-Myositis-Klassifikationskriterien 2017

EULAR/ACR-Myositis-Klassifikationskriterien 2017 berechnen

  • Voraussetzung: keine bessere Erklärung für die Symptome/Befunde
  • Je nach verfügbarer Muskelbiopsie das gesamte passende Modell verwenden
  • Ohne typische DM-Hautmanifestationen: Muskelbiopsie im Original für die Klassifikation vorgesehen; klinische Therapieentscheidung bei schwerer Erkrankung hiervon getrennt
  • „Mögliche IIM“: Wahrscheinlichkeit ≥50 % bis <55 %; Score 5,3 bis <5,5 ohne beziehungsweise 6,5 bis <6,7 mit Muskelbiopsie
  • „Wahrscheinliche IIM“: Wahrscheinlichkeit ≥55 % bis <90 %; Score 5,5 bis <7,5 ohne beziehungsweise 6,7 bis <8,7 mit Muskelbiopsie
  • „Definite IIM“: Wahrscheinlichkeit ≥90 %; Score ≥7,5 ohne beziehungsweise ≥8,7 mit Muskelbiopsie
Item Ohne Muskelbiopsie Mit Muskelbiopsie
Symptombeginn ≥18 bis <40 Jahre 1,3 1,5
Symptombeginn ≥40 Jahre 2,1 2,2
Objektive symmetrische, meist progrediente proximale Armschwäche 0,7 0,7
Objektive symmetrische, meist progrediente proximale Beinschwäche 0,8 0,5
Nackenflexoren schwächer als Nackenextensoren 1,9 1,6
Proximale Beinmuskeln schwächer als distale 0,9 1,2
Heliotropes Erythem 3,1 3,2
Gottron-Papeln 2,1 2,7
Gottron-Zeichen: nicht palpable erythematöse/violazee Makulae über Gelenkstreckseiten 3,3 3,7
Dysphagie oder ösophageale Dysmotilität 0,7 0,6
Anti-Jo-1 positiv 3,9 3,8
Erhöhte CK oder LDH oder AST oder ALT 1,3 1,4
Endomysiale mononukleäre Infiltrate an sonst gesunden, nicht nekrotischen Muskelfasern, ohne klare Invasion – 1,7
Perimysiale/perivaskuläre mononukleäre Infiltrate – 1,2
Perifaszikuläre Atrophie – 1,9
Rimmed vacuoles – 3,1
  • Altersgruppen alternativ; Muskelenzym-Item nur einmal, auch bei mehreren erhöhten Enzymen
  • Laboritems: Anti-Jo-1 aus standardisiertem/validiertem Serumtest; Muskelenzyme oberhalb der jeweiligen oberen Normgrenze, höchster Wert im Krankheitsverlauf.
  • Weitere MSA erhalten im 2017-Modell keine zusätzlichen Punkte
  • Originaler Untergruppenbaum: IMNM im PM-Ast; kein eigenständiger ASS-Ast
  • Die empfohlene Klassifikationsschwelle liegt bei ≥55 %; „mögliche IIM“ liegt darunter. Die genannten Punktgrenzen entsprechen den gerundeten Originalangaben
  • Das Klassifikationsergebnis bestätigt oder widerlegt die klinische Diagnose nicht allein

Original mit Tabelle und Modellbeschreibung: EULAR/ACR-Myositis-Klassifikationskriterien 2017. Online-Berechnung über die verlinkte Originalpublikation beziehungsweise die IMACS-Methodenseite.

Therapie

Therapiebeginn
Nicht-IBM
GK zur Induktion; früh MTX (Off-Label), Azathioprin, MMF (Off-Label) oder CNI (Off-Label) nach Organprofil; Anti-SRP-IMNM → Rituximab (Off-Label) früh erwägen
IBM
Training, Funktion, Hilfsmittel, Schluckbehandlung; bei relevanter Dysphagie ggf. zeitlich begrenzter IVIG-Versuch (Off-Label), Nutzen unsicher
Unzureichende Wirksamkeit
Entzündung, Muskelschaden und Steroidmyopathie unterscheiden; schwer/ refraktär → IVIG oder Rituximab (Off-Label); organbedrohend ggf. Cyclophosphamid (Off-Label); IVIG außerhalb präparatbezogener DM-Zulassung (Off-Label)
Deeskalation
nach klinischer Besserung zunächst GK reduzieren; weitere Reduktion nach Kraft, Funktion und Organaktivität; Mindestdauer nicht festgelegt
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Muskelbetonte Nicht-IBM-Erkrankung

  • Glukokortikoide zur Induktion; frühe Ergänzung eines steroidsparenden Wirkstoffs, besonders bei schwerer Erkrankung
  • Methotrexat oder Azathioprin als häufige konventionelle Optionen; Auswahl nach Haut-/ Lungenbeteiligung, Kontraindikationen und Verträglichkeit
  • Mycophenolat oder Calcineurinhemmer bei geeigneter Konstellation
  • Bei IMNM häufig Kombinationstherapie erforderlich; Anti-SRP-positive IMNM mit frühzeitig erwägbarem Rituximab
  • IVIG bei schwerer/refraktärer Muskelkrankheit oder relevanter Dysphagie erwägen; zugelassene adulte DM-Anwendung präparatbezogen
  • Langsame Reduktion nach klinischer Besserung; Verlauf von Kraft, Funktion, Haut, Schlucken und Organen gemeinsam bewerten
Glukokortikoide (GK) · Prednisolon, Methylprednisolon · Therapiebeginn · Remissionsinduktion · Pulse

Zum Steckbrief Glukokortikoide (GK)

präparatbezogen (Off-Label)

Cave: SSc-Overlap: Nierenkrisenrisiko

  • Prednisolon: initial etwa 1 mg/kg p.o. täglich; Nicht-IBM-Myositis; Reduktion nach klinischer Besserung
  • Methylprednisolon: schwere Manifestation: 250–1.000 mg i.v. täglich für 3–5 Tage; (Off-Label) – Pulsregime präparatbezogen

Zum Steckbrief präparatbezogen (Off-Label)

Methotrexat (MTX) · Frühe GK-Einsparung · (Off-Label)

Cave: CrCl <30 ml/min: kontraindiziert

  • Methotrexat (MTX): initial 15 mg p.o./s.c. einmal wöchentlich → bis 25 mg/Woche; (Off-Label)
  • Folsäure: Supplementation zu MTX
  • DGRh Wechselwirkung 2023: Cotrimoxazol in antibiotischer Therapiedosis meiden; PJP-Prophylaxe mit 160/800 mg dreimal wöchentlich bei niedrig dosiertem MTX möglich; Interaktionen und Kontrollen
  • DGRh Wechselwirkung 2023: unter Penicillinen MTX pausieren; Metamizol und Probenecid meiden; weitere Interaktionen
  • Nierenfunktion – DGRh Wechselwirkung 2023: bei GFR ≤45 ml/min von MTX abraten; FI: CrCl 30–59 ml/min → 50 % der Dosis, <30 ml/min → kontraindiziert; Dosisanpassung

Zum Steckbrief Methotrexat (MTX)

Azathioprin · Frühe GK-Einsparung · Zulassung je Grunderkrankung

Cave: Xanthinoxidasehemmer → verstärkte Thiopurinwirkung / schwere Myelosuppression

  • Azathioprin: 2–3 mg/kg p.o. täglich; Dermatomyositis-Zulassung präparatbezogen
  • Allopurinol/Oxipurinol/Thiopurinol: Azathioprin auf 25 % der Ausgangsdosis reduzieren; engmaschiges Blutbild
  • Febuxostat: Kombination nicht empfohlen

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Mycophenolat-Mofetil (MMF) · Frühe GK-Einsparung · (Off-Label)
  • Mycophenolat-Mofetil (MMF): initial 500 mg p.o. zweimal täglich → 1.000–1.500 mg zweimal täglich; (Off-Label)

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CNI · Tacrolimus, Ciclosporin · Kombination bei ausgewählten Organmanifestationen · (Off-Label)

Cave: Nephrotoxizität; starke CYP3A4-Interaktionen

  • Tacrolimus, unretardiert: IIM-ILD: initial 0,075 mg/kg/d p.o. in 2 Gaben; Talspiegel 5–10 ng/ml; (Off-Label)
  • Ciclosporin: 2,5–5 mg/kg/d p.o. in 2 Gaben; (Off-Label)

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Unzureichende Wirksamkeit

  • Diagnose/Subtyp, tatsächliche Entzündungsaktivität, Adhärenz, Therapiedauer und Arzneimitteltoxizität erneut beurteilen
  • Chronischen Muskelschaden, Steroidmyopathie, Dekonditionierung und andere Erkrankungen von aktiver Myositis unterscheiden
  • Änderung, Intensivierung oder Kombination der bisherigen Immunsuppression nach Organrisiko
  • Rituximab, IVIG oder Cyclophosphamid in der passenden schweren/refraktären Konstellation
  • Neuere Studien-/US-Ergänzung: Brepocitinib bei adulter DM; spezifischer US-Zulassungsrahmen und Sicherheitsprofil im Wirkstoffeintrag
  • Ergänzende Originalstudie: Abatacept ohne signifikanten primären Wirksamkeitsnachweis im Phase-3-Gesamtkollektiv
  • Weitere JAK-/TYK2-, zelluläre oder Stammzellverfahren: spezialisierte Einzelfall-/Studienentscheidung, keine etablierte allgemeine Standardsequenz
Rituximab · Schwerer / refraktärer Verlauf; Anti-SRP-IMNM ggf. früh · (Off-Label)

Cave: HBV-Reaktivierung; schwere Hypogammaglobulinämie

  • Rituximab: 1.000 mg i.v. Tag 1 und 15; alternativ 375 mg/m² einmal wöchentlich ×4; Wiederbehandlung nach Aktivität; (Off-Label)

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IVIG · Schwerer / refraktärer Verlauf; Dysphagie · Weitere Myositisformen (Off-Label)

Cave: Maltose → falsch hohe Glukosewerte bei ungeeigneter Messmethode; Gefahr irrtümlicher

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Insulingabe
  • Zulassung: adulte Dermatomyositis präparatbezogen; weitere IIM (Off-Label)
  • Immunglobuline i.v. (IVIG): adulte DM: 2 g/kg pro Zyklus über 2–5 Tage, alle 4 Wochen; DM-Zulassung präparatbezogen; weitere IIM (Off-Label)

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Cyclophosphamid · Organbedrohender Verlauf · (Off-Label)

Cave: Fertilitätsschädigung; hämorrhagische Zystitis

  • Cyclophosphamid i.v.: 0,5–1 g/m² alle 4 Wochen; schwere Organbeteiligung; (Off-Label)
  • Cyclophosphamid p.o., alternativ: 1–2 mg/kg täglich; (Off-Label)
  • Mesna/Hydrierung: Begleitprophylaxe nach Regime

Zum Steckbrief Cyclophosphamid

Abatacept · Reserve · Nutzen unsicher · (Off-Label)
  • Abatacept: 125 mg s.c. einmal wöchentlich; hochselektive Reserve; Nutzen unsicher; (Off-Label)

Zum Steckbrief Abatacept

Brepocitinib · Neuere US-Therapieoption · US-Zulassung; kein EU-Standard
  • Brepocitinib: 30 mg p.o. einmal täglich; adulte DM; US-Zulassung, keine EU-Zulassung
Nicht als allgemeine IIM-Standardtherapie

Zum Steckbrief Brepocitinib

  • TNFi: keine allgemeine Erstlinienempfehlung; mögliche Verschlechterung berücksichtigen
  • Hydroxychloroquin allein: keine ausreichende Therapie aktiver Muskel-/Organentzündung
  • Unselektierte Immunsuppression bei IBM: keine gesicherte generelle krankheitsmodifizierende Behandlung
  • Antifibrotika: Behandlung einer geeigneten fibrosierenden ILD-Konstellation, nicht der Myositis an sich; zentraler ILD-Wirkstoffbereich

Kutane Dermatomyositis

  • UV-Schutz, dermatologische Mitbetreuung und Erfassung der Hautaktivität, beispielsweise mit CDASI
  • Topische Glukokortikoide nach DGN 2022, im Gesicht zunächst auf 2–3 Wochen begrenzen; alternativ Tacrolimus 0,1 % topisch (Off-Label) – Indikation kutane DM; dermatologische Anwendung nach Lokalisation/Verträglichkeit.
  • Hydroxychloroquin als hautgerichtete Option; keine ausreichende Therapie einer aktiven Muskel-/ Organbeteiligung
  • Bei unzureichendem Ansprechen manifestationsbezogene systemische Therapie, unter anderem Methotrexat, Mycophenolat oder IVIG
  • Bei neuem Exanthem oder Muskelsymptomen Arzneimitteltoxizität differenzialdiagnostisch prüfen
Hydroxychloroquin · Ausgewählte Hautmanifestationen · (Off-Label)

Cave: Retinopathie / QT-Verlängerung; Makulopathie laut FI kontraindiziert

  • Hydroxychloroquin: 200–400 mg p.o. täglich; ≤5 mg/kg tatsächliches Körpergewicht/d; kutane DM; (Off-Label)
  • Ansprechen: nach 8–12 Wochen; ohne Besserung nach 6 Monaten Beendigung erwägen
  • DGRh Wechselwirkung 2023: Azithromycin meiden; FI: Tamoxifen-Kombination nicht empfohlen; weitere Interaktionen
  • DGRh Antimalaria 2020: Dosierung nach tatsächlichem Körpergewicht; Augen-, Muskel- und Herzmonitoring

Zum Steckbrief Hydroxychloroquin

Einschlusskörpermyositis

  • Individuell angepasstes Kraft-/Ausdauertraining, Physiotherapie, Ergotherapie, Hilfsmittel und Sturzprävention
  • Schluckfunktion und Ernährung regelmäßig beurteilen; Aspirationsprophylaxe und gezielte Schlucktherapie
  • DGN 2022: IVIG (Off-Label), besonders bei Dysphagie; initial 2 g/kg, danach 1–2 g/kg alle 4–6 Wochen über 2–5 Tage; etwa 6 Monate; vordefinierte Funktions-/Schluckziele
  • Fortführung nur bei nachvollziehbarem Nutzen beziehungsweise begründeter Stabilisierung; keine etablierte krankheitsmodifizierende Wirksamkeit für alle IBM-Verläufe
  • Keine unkritische dauerhafte Übernahme des Glukokortikoid-/Immunsuppressionsschemas anderer Myositiden

Dysphagie, Training und unterstützende Maßnahmen

  • Logopädie/Schlucktherapie, Konsistenzanpassung und Ernährungstherapie; Aspirationsrisiko auch ohne dramatische CK-Erhöhung
  • Bei ausgewählter krikopharyngealer Funktionsstörung Dilatation, Myotomie oder andere lokale Verfahren im erfahrenen interdisziplinären Team
  • Belastung an Aktivität, Organbeteiligung und Funktionsniveau anpassen
  • Osteoporose-, Infektions- und kardiovaskuläre Risiken berücksichtigen
  • Kinderwunsch früh ansprechen; bei gonadotoxischer Therapie Fertilitätsprotektion vor Beginn

Monitoring und Sicherheit

Kraft, Alltagsfunktion, Schlucken, Haut und Organbeteiligung seriell dokumentieren
CK/weitere Muskelenzyme ergänzend; Laborbesserung allein kein ausreichender Wirksamkeitsnachweis
Vor Immunsuppression Infektions-/Impfstatus, Blutbild, Leber-/Nierenfunktion und Reproduktionsplanung
Arzneimittelbezogene Kontrollen statt eines gemeinsamen pauschalen DMARD-Intervalls
Bei bestehender IIM-ILD regelmäßige FVC/DLCO und risikoadaptierte Bildgebung
Bei neuer Schwäche Aktivität, Schaden, Steroidmyopathie, Infektion und Dekonditionierung differenzieren
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Klinischer Verlauf

  • Standardisierte Kraftprüfung, beispielsweise MMT-8; ergänzend alltagsbezogene Funktion und patientenberichtete Einschränkungen
  • Dysphagie, Aspiration, Ernährung, Hautaktivität und respiratorische Beschwerden bei Verlaufskontakten
  • CK und andere Muskelenzyme im Kontext von Kraft/Funktion; Antikörperverlauf nicht isoliert zur Steuerung
  • Amyopathische DM: regelmäßige Suche nach neu auftretender Muskelbeteiligung; DGN 2022 beschreibt in den ersten zwei Jahren Kontrollen etwa alle zwei bis drei Monate
  • Kardiale Symptome, Rhythmusstörungen oder Biomarkerauffälligkeiten mit gezielter Weiterdiagnostik

Ausgangs- und Sicherheitskontrollen

  • Blutbild, Transaminasen und Nierenfunktion; zusätzlich substanz-/risikobezogene Parameter
  • HBV/HCV, TB und weitere Infektionsdiagnostik entsprechend Therapie und Expositionsrisiko; vor B-Zell-Depletion Immunglobuline
  • Impfstatus und Indikationsimpfungen vor Therapiebeginn optimieren; Lebendimpfungen unter relevanter Immunsuppression gesondert bewerten
  • Osteoporoserisiko unter Glukokortikoiden; Blutdruck, Glukose und kardiovaskuläre Risiken
  • Fortpflanzungsplanung, Kontrazeption und gegebenenfalls Fertilitätserhalt vor teratogener/ gonadotoxischer Behandlung

Spezifisches Medikamentenmonitoring

  • Rituximab: IgG vor Beginn und vor jedem weiteren Zyklus
  • Cyclophosphamid: nadirbezogenes Blutbild; bei i.v.-Pulsen typischerweise Tag 8–14; Urin auf Hämaturie
  • Tacrolimus/Ciclosporin: Talspiegel, Blutdruck und Nierenfunktion; erneute Beurteilung bei Interaktion oder Formulierungswechsel
  • Hydroxychloroquin: Augenbasis Monat 0–6 – DGRh Antimalaria 2020; jährlich ab dem 5. Therapiejahr, bei Risikofaktoren ab Beginn – DOG Augen 2025. FI-Abweichung: Kontrollen vor Beginn und alle 3 Monate; Details
  • Hydroxychloroquin – DGRh Antimalaria 2020: CK/LDH vor Beginn und alle 3–6 Monate; neue Schwäche/ Dysphagie oder kardiale Auffälligkeit → gezielte Abklärung

Weitere Kontrollen und Dosisanpassungen: Methotrexat · Medikamentenübersicht DGRh Antimalaria 2020 · DOG Augen 2025

IIM-ILD im Verlauf

  • FVC/DLCO alle 3–6 Monate im ersten Jahr, danach mindestens alle 6–12 Monate; zusätzliche Untersuchungen bei Progressionsverdacht
  • Bei Risiko eines schweren/rasch progredienten Verlaufs HRCT nach 3–6 Monaten, im Verlauf jährlich während der ersten zwei Jahre; zusätzlich bei Progressionsverdacht
  • Verlaufsempfehlungen bei diagnostizierter ILD, keine identische Routine-HRCT-Serie nach negativem Screening
  • Atemmuskel- und Beinmuskelschwäche bei Interpretation der Funktion/Belastungstests berücksichtigen

Malignitätsscreening nach IMACS Tumorscreening 2023

Geltungsbereich und Risikostratifikation

  • Adult beginnende IIM mit Diagnosestellung innerhalb von drei Jahren nach Symptombeginn
  • Nationale alters-/geschlechtsbezogene Früherkennung zusätzlich
  • Keine routinemäßige IIM-bedingte Zusatzscreeningserie bei juveniler IIM oder gesicherter IBM; konkrete Warnzeichen trotzdem abklären
  • Risikogruppe relativ zu anderen IIM-Patient:innen; niedrige Risikomerkmale keine rechnerischen Minuspunkte
Risikostufe der Merkmale Merkmale
Hoch DM; Anti-TIF1γ; Anti-NXP2; Symptombeginn >40 Jahre; anhaltend hohe Aktivität trotz Immunsuppression einschließlich Rezidiv; mäßige/schwere Dysphagie; kutane Nekrose/Ulzeration
Intermediär Klinisch amyopathische DM; PM; IMNM; Anti-SAE1, Anti-HMGCR, Anti-Mi-2 oder Anti-MDA5; männliches Geschlecht
Niedrigeres Risiko Antisynthetase-/Overlap-Syndrom; Anti-SRP, Anti-Jo-1 oder andere Synthetasen; MAA wie PM-Scl, Ku, RNP, SSA/SSB; Raynaud, entzündliche Arthritis oder ILD
  • Hohes Gesamtrisiko: mindestens zwei Hochrisikomerkmale
  • Moderates Gesamtrisiko: ein Hochrisikomerkmal oder mindestens zwei intermediäre Merkmale, sofern nicht bereits Hochrisiko
  • Standardrisiko: übrige Konstellationen; kein Nullrisiko

Umfang und Zeitpunkt

Gesamtrisiko Bei Diagnose Folgeprogramm
Standard Basisscreening Nationale Früherkennung; anlassbezogene Abklärung
Moderat Basis- und erweitertes Screening Individuell nach Befunden und Verlauf
Hoch Basis- und erweitertes Screening Jährliches Basisscreening für drei Jahre
  • Basis: ausführliche Anamnese/Untersuchung, Blutbild, Leberwerte, BSG beziehungsweise Plasmaviskosität, CRP, Serumproteinelektrophorese/freie Leichtketten, Urinstatus, Röntgen-Thorax
  • Erweitert: CT Hals, Thorax, Abdomen und Becken; zusätzlich je nach bereits erfolgter nationaler Vorsorge und individueller Eignung Zervixscreening, Mammographie, PSA, CA-125, Becken-/transvaginaler Ultraschall und Test auf okkultes Blut im Stuhl
  • Aktuelle, gleichwertige Voruntersuchungen für das Tumorscreening berücksichtigen
  • Bei hohem Gesamtrisiko und unauffälligem Erstscreening FDG-PET/CT bzw. obere/untere GI-Endoskopie erwägen. Als einzelne Screeninguntersuchung kann PET/CT bei Anti-TIF1γ-positiver DM, Beginn >40 Jahre und mindestens einem weiteren klinischen Hochrisikomerkmal erwogen werden.
  • Nasoendoskopie nur bei passendem erhöhtem geografischem Risiko für Nasopharynxkarzinom erwägen.
  • Gewichtsverlust, familiäre Tumoranamnese, ungeklärtes Fieber, Nachtschweiß, Rauchexposition oder andere Tumorhinweise unabhängig von der errechneten Gruppe abklären
  • Evidenzgrenze: Zeitpunkte und Intensität des Tumorscreenings überwiegend konsensusgestützt

Rasch progrediente Lungenbeteiligung

  • Akute/subakute Dyspnoezunahme, Hypoxämie oder rasche Bildgebungsprogression als Notfallkonstellation
  • Anti-MDA5 und bestimmte Antisynthetase-Konstellationen als Risikohinweise; fehlende Muskelschwäche schließt schweren Verlauf nicht aus
  • Infektion, Aspiration, kardiale Ursache und Arzneimittelreaktion parallel prüfen
  • Interdisziplinäre stationäre Behandlung mit frühzeitiger Kombination immunsuppressiver Therapie nach Risiko und Verlauf
  • Regimeauswahl über Glukokortikoide, Tacrolimus, Cyclophosphamid, Rituximab, Mycophenolat beziehungsweise IVIG
  • Frühzeitige Vorstellung zur Lungentransplantationsevaluation bei RP-ILD; Evaluation nicht gleich Listung
  • Vollständiger Screening-/Therapie-/PPF-Pfad: CTD-ILD

Quellen und Links

  • Myositissyndrome. Wiendl, Schmidt et al.; DGN-S2k-Leitlinie, AWMF 030-054, 2022. Nach inhaltlicher Prüfung 2024 verlängert bis 27.04.2027.
  • British Society for Rheumatology guideline on management of paediatric, adolescent and adult patients with idiopathic inflammatory myopathy. Oldroyd et al.; Rheumatology 2022;61:1760–1768.
  • International Guideline for Idiopathic Inflammatory Myopathy-Associated Cancer Screening: an International Myositis Assessment and Clinical Studies Group (IMACS) initiative. Oldroyd et al.; Nat Rev Rheumatol 2023;19:805–817.
  • 2017 EULAR/ACR Classification Criteria for Adult and Juvenile Idiopathic Inflammatory Myopathies and Their Major Subgroups. Lundberg et al.; Arthritis Rheumatol 2017;69:2271–2282.
  • ERS/EULAR clinical practice guidelines for connective tissue disease-associated interstitial lung disease. Antoniou et al.; Eur Respir J 2026;67:2402533.
  • 2023 American College of Rheumatology (ACR)/American College of Chest Physicians (CHEST) Guideline for the Treatment of Interstitial Lung Disease in People with Systemic Autoimmune Rheumatic Diseases. Johnson et al.; Arthritis Rheumatol 2024;76:1182–1200.
  • EULAR recommendations for use of antirheumatic drugs in reproduction, pregnancy, and lactation: 2024 update. Rüegg et al.; Ann Rheum Dis 2025;84:910–926. Klassifikation · Tools · Medikamente.
  • Bewertung von Wechselwirkungen und Dosierungsempfehlungen von synthetischen DMARDs – Evidenz- und konsensbasierte Empfehlungen auf Basis einer systematischen Literatursuche. Fiehn et al.; Z Rheumatol 2023;82:151–162.
  • Sicherheitsmanagement der Therapie mit Antimalariamitteln in der Rheumatologie. Interdisziplinäre Empfehlungen auf der Basis einer systematischen Literaturrecherche. Fiehn et al.; Z Rheumatol 2020;79:186–194.
  • Augenärztliche Screening-Untersuchungen bei Therapie mit Chloroquin oder Hydroxychloroquin. DOG/BVA/RG; S1-Leitlinie, AWMF 045-016, Juli 2025.
  • Johnson SR et al. ACR/CHEST guideline for treatment of SARD-ILD, 2023. Arthritis Rheumatol. 2024;76:1182–1200.
  • AAO. Recommendations on Screening for Hydroxychloroquine Retinopathy, 2025 revision; Ophthalmology 2026.
  • FDA. Approval of first oral drug indicated to treat dermatomyositis in adults, 27.08.2026.
  • Brepocitinib in Dermatomyositis – randomisierte Phase-3-Originalstudie, NEJM 2026.
  • European Commission. Orphan designation EU/3/25/3121, brepocitinib for dermatomyositis.
  • Efficacy and safety of subcutaneous abatacept plus standard treatment in active IIM: phase III RCT. Arthritis Rheumatol. 2025.
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