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Systemischer Lupus erythematodes (SLE) und Lupusnephritis

Diagnostik und Klassifikation

Haut/Schleimhäute
photosensitives Exanthem, Schmetterlingserythem, orale Ulzera, Alopezie
Weitere Manifestationen
Arthralgie/Arthritis, Serositis, Fieber; Zytopenien
Labor
ANA positiv; Anti-dsDNA/Anti-Sm; C3/C4 ↓
Niere
Proteinurie, glomeruläre Hämaturie/Zylinder, ggf. GFR-Abnahme
Nierenbiopsie
insbesondere persistierende Proteinurie ≥0,5 g/24 h bzw. UPCR ≥500 mg/g, glomeruläre Hämaturie oder ungeklärte GFR-Abnahme
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Diagnose

  • Klinische Diagnose aus Anamnese, klinischem Befund, Organmanifestationen, Autoantikörpern/ Komplement, Labor-/Urinbefunden, organspezifischer Bildgebung und ggf. Histologie
  • Keine validierten Diagnosekriterien
  • EULAR/ACR-SLE-Klassifikationskriterien 2019 = Klassifikationskriterien, ersetzen die klinische Diagnose nicht
  • Nicht-Erfüllen der Klassifikationskriterien schließt einen SLE nicht aus
  • Relevante Manifestationen systematisch erfassen: Haut/Schleimhäute, muskuloskelettal, Niere, Hämatologie, Serosa, ZNS/PNS, pulmonal/kardial nach Konstellation sowie vaskulär/thrombotisch
  • Plausible Differenzialdiagnosen und alternative Erklärungen aktiv berücksichtigen

Labor und Immunologie

  • BB/Differenzialblutbild
  • CRP, BSG
  • Kreatinin/eGFR
  • Urinstatus, Urinsediment, UPCR
  • ANA
  • Anti-dsDNA
  • Anti-Sm
  • C3, C4
  • aPL: Lupus-Antikoagulans, Anti-Cardiolipin IgG/IgM, Anti-β2-Glykoprotein-I IgG/IgM
  • bei Erstbeurteilung bzw. entsprechender klinischer Konstellation: Anti-Ro/SSA, Anti-La/SSB, Anti-RNP
  • bei entsprechender Manifestation: Hämolyseparameter, direkter Antiglobulintest und weitere organspezifische Diagnostik

aPL bei SLE

  • aPL-Basisprofil: Lupus-Antikoagulans, Anti-Cardiolipin IgG/IgM, Anti-β2-Glykoprotein-I IgG/IgM
  • Hochrisiko-aPL-Profil: Lupus-Antikoagulans, Doppel- oder Tripelpositivität oder persistierend hohe aPL-Titer; Persistenz in ≥2 Bestimmungen mit mindestens 12 Wochen Abstand
  • SLE ohne früheres thrombotisches/obstetrisches APS, aber Hochrisiko-aPL-Profil: LDA 75–100 mg/d zur Primärprophylaxe nach EULAR 2023; Blutungsrisiko berücksichtigen.
  • SLE-spezifische Primärprävention und Risikostratifikation auf dieser Seite
  • Diagnostik, Klassifikation sowie thrombotisches/obstetrisches Management bei manifestem oder vermutetem APS → Antiphospholipidsyndrom
  • Wichtig: IgA-aPL gehören zwar zum aPL-Kriterium der EULAR/ACR-SLE-Klassifikationskriterien 2019, daraus folgt aber keine Erweiterung des routinemäßigen APS-aPL-Panels um IgA

Nierenscreening und Nierenbiopsie

  • Kreatinin/eGFR
  • Urinstatus und Urinsediment
  • UPCR
  • Anti-dsDNA, C3/C4; bei Verdacht auf Lupusnephritis ggf. Anti-C1q, sofern verfügbar
  • aPL bei Nierenbeteiligung insbesondere im Hinblick auf vaskuläre/TMA-Konstellationen berücksichtigen

Hinweise auf Nierenbeteiligung:

  • persistierende Proteinurie ≥0,5 g/24 h
  • UPCR ≥500 mg/g
  • glomeruläre Hämaturie
  • Erythrozyten-/zelluläre Zylinder
  • ungeklärte Abnahme der GFR

Bei Hinweisen auf Nierenbeteiligung → Nierenbiopsie, sofern keine überwiegenden individuellen Gegenargumente.

Cave: Auch bei Proteinurie <0,5 g/d können histologisch relevante aktive Läsionen vorliegen; die Schwelle ist deshalb kein Ausschlusskriterium für eine Biopsie bei klinischem Verdacht.

Nierenbiopsie versus SLE-Klassifikation Kontext Proteinurie-Schwelle
Nierenbiopsie bei SLE ≥0,5 g/24 h oder UPCR ≥500 mg/g
EULAR/ACR-SLE-Klassifikationskriterien 2019 >0,5 g/24 h bzw. äquivalenter UPCR

Die Biopsieentscheidung und die SLE-Klassifikation verwenden unterschiedliche Schwellen.

EULAR/ACR-SLE-Klassifikationskriterien 2019

EULAR/ACR-SLE-Klassifikationskriterien 2019 berechnen

Eingangskriterium

  • ANA ≥1:80 auf HEp-2-Zellen oder äquivalenter positiver Test
  • mindestens einmal nachgewiesen
  • ohne erfülltes ANA-Eingangskriterium keine Klassifikation nach EULAR/ACR-SLE-Klassifikationskriterien 2019
  • fehlende Klassifikation ≠ Ausschluss einer klinischen SLE-Diagnose
Klinische Domänen Domäne Kriterium Punkte
Konstitutionell Fieber >38,3 °C 2
Hämatologisch Leukopenie <4.000/µl 3
Thrombozytopenie <100.000/µl 4
Autoimmunhämolyse 4
Neuropsychiatrisch Delir 2
Psychose 3
Krampfanfall 5
Mukokutan Nicht vernarbende Alopezie 2
Domäne
Orale Ulzera 2
Subakut kutaner oder diskoider Lupus 4
Akut kutaner Lupus 6
Serosal Pleura- oder Perikarderguss 5
Akute Perikarditis 6
Muskuloskelettal Synovitis mit Schwellung/Erguss in ≥2 Gelenken oder Druckschmerz in ≥2 Gelenken + Morgensteifigkeit ≥30 min 6
Renal Proteinurie >0,5 g/24 h bzw. äquivalenter UPCR 4
Lupusnephritis Klasse II oder V 8
Lupusnephritis Klasse III oder IV 10
Immunologische Domänen Domäne
Antiphospholipid-AK definiertes positives aPL-Kriterium 2
Komplement C3 oder C4 erniedrigt 3
C3 und C4 erniedrigt 4
SLE-spezifische AK Anti-dsDNA oder Anti-Sm 6

aPL-Kriterium – 2 Punkte bei mindestens einem der folgenden Befunde:

  • Anti-Cardiolipin IgA, IgG oder IgM in mittlerem/hohem Titer: >40 APL/GPL/MPL oder >99. Perzentile
  • Anti-β2-Glykoprotein-I IgA, IgG oder IgM positiv
  • Lupus-Antikoagulans positiv

Anti-dsDNA: für die Klassifikation nur mit einem Immunoassay mit nachgewiesener Spezifität ≥90 % für SLE gegenüber relevanten Krankheitskontrollen.

Auswertung

  • ≥10 Punkte UND mindestens 1 klinisches Kriterium → EULAR/ACR-SLE-Klassifikationskriterien 2019 erfüllt
  • pro Domäne nur das höchstgewichtete Kriterium zählen
  • Kriterien dürfen zu unterschiedlichen Zeitpunkten vorgelegen haben
  • ein Kriterium nur dem SLE zurechnen, wenn keine wahrscheinlichere alternative Ursache besteht
  • Klassifikation ersetzt die klinische Diagnose nicht
  • Validierungskohorte: Sensitivität 96,1 %, Spezifität 93,4 %

Therapie

Therapiebeginn
Hydroxychloroquin; GK zur Akut-/Überbrückungstherapie, im Verlauf möglichst ≤5 mg/d Prednisolonäquivalent bzw. Absetzen
Unzureichende Wirksamkeit
MTX (Off-Label), Azathioprin oder MMF (Off-Label) nach Manifestation; früh Belimumab/Anifrolumab als Add-on erwägen
organbedrohend/refraktär → Cyclophosphamid (Off-Label) bei extrarenaler Anwendung bzw. Rituximab (Off-Label) im Organpfad
Deeskalation
zuerst GK; Hydroxychloroquin grundsätzlich fortführen; weitere Reduktion nach anhaltender Kontrolle und Organverlauf Lupusnephritis
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Extrarenaler SLE

  • Hydroxychloroquin als Basistherapie, sofern verträglich und nicht kontraindiziert
  • Persistierende Haut-/Gelenkaktivität / GK-Abhängigkeit: MTX (Off-Label), Azathioprin oder MMF (Off-Label) nach Manifestation
  • Belimumab: bei aktiver Autoantikörper-positiver Erkrankung trotz Standardtherapie; besonders sinnvoll bei wiederkehrender extrarenaler Aktivität und Glukokortikoidbedarf
  • Anifrolumab: moderat bis schwer aktiver autoantikörperpositiver extrarenaler SLE trotz Standardtherapie
  • Rituximab (Off-Label): refraktäre / ausgewählte schwere Manifestationen
  • Cyclophosphamid (Off-Label): organ-/lebensbedrohlicher extrarenaler SLE; z. B. schwere neuropsychiatrische, vaskulitische oder pulmonale Manifestationen
Hydroxychloroquin · Therapiebeginn · Basistherapie

Cave: vorbestehende Makulopathie

  • Hydroxychloroquin: 200–400 mg p.o. täglich; Ziel etwa 5 mg/kg tatsächliches Körpergewicht/d, angepasst an Schub-/Retinopathierisiko

Cave: Retinopathie / QT-Verlängerung; Makulopathie laut FI kontraindiziert

  • DGRh Wechselwirkung 2023: Azithromycin meiden; FI: Tamoxifen-Kombination nicht empfohlen; weitere Interaktionen
  • DGRh Antimalaria 2020: Dosierung nach tatsächlichem Körpergewicht; Augen-, Muskel- und Herzmonitoring

Zum Steckbrief Hydroxychloroquin

Methotrexat (MTX) · GK-Einsparung bei persistierender Aktivität · (Off-Label)

Cave: CrCl <30 ml/min: KI

  • Methotrexat (MTX): 15–25 mg p.o./s.c. einmal wöchentlich; Gelenk-/Hautaktivität; (Off-Label)
  • Folsäure: Supplementation zu MTX
  • DGRh Wechselwirkung 2023: Cotrimoxazol in antibiotischer Therapiedosis meiden; PJP-Prophylaxe mit 160/800 mg dreimal wöchentlich bei niedrig dosiertem MTX möglich; Interaktionen und Kontrollen
  • DGRh Wechselwirkung 2023: unter Penicillinen MTX pausieren; Metamizol und Probenecid meiden; weitere Interaktionen
  • Nierenfunktion – DGRh Wechselwirkung 2023: bei GFR ≤45 ml/min von MTX abraten; FI: CrCl 30–59 ml/min → 50 % der Dosis, <30 ml/min → kontraindiziert; Dosisanpassung

Zum Steckbrief Methotrexat (MTX)

Azathioprin · GK-Einsparung bei persistierender Aktivität · Zulassung präparatbezogen

Cave: Xanthinoxidasehemmer → verstärkte Thiopurinwirkung / schwere Myelosuppression

  • Azathioprin: 1–3 mg/kg p.o. täglich; Dosis nach Wirkung/Verträglichkeit; SLE-Zulassung präparatbezogen
  • Allopurinol/Oxipurinol/Thiopurinol: Azathioprin auf 25 % der Ausgangsdosis reduzieren; engmaschiges Blutbild
  • Febuxostat: Kombination nicht empfohlen

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Mycophenolat-Mofetil (MMF) · GK-Einsparung bei persistierender Aktivität · (Off-Label)
  • Mycophenolat-Mofetil (MMF): initial 500 mg p.o. zweimal täglich → 1–1,5 g zweimal täglich nach Manifestation/Verträglichkeit; (Off-Label)

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Belimumab · Add-on bei unzureichender Standardtherapie
  • Belimumab: 200 mg s.c. einmal wöchentlich; alternativ 10 mg/kg i.v. Tag 0, 14, 28, danach alle 4 Wochen; Add-on
  • Ansprechen: ohne Besserung nach 6 Monaten Fortführung überdenken

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Anifrolumab · Add-on bei unzureichender Standardtherapie
  • Anifrolumab: 300 mg i.v. alle 4 Wochen oder 120 mg s.c. einmal wöchentlich; Add-on bei extrarenalem SLE

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Haut, Gelenke, Fatigue und neuropsychiatrische Manifestationen

  • Haut: Photoprotektion und HCQ; lokal Glukokortikoide, bei Gesichtsläsionen bevorzugt topische Calcineurinhemmer (Off-Label) – Indikation kutaner Lupus. Bei unzureichendem Ansprechen manifestationsbezogen Anifrolumab, Belimumab, MTX oder Mycophenolat; dermatologische Mitbetreuung.
  • Gelenke: objektive Arthritis von Arthralgie/Fibromyalgie unterscheiden; bei persistierender entzündlicher Aktivität MTX oder andere geeignete steroidsparende Therapie. Vor Belimumab/Anifrolumab ist kein obligatorisches Versagen mehrerer konventioneller Immunsuppressiva erforderlich.
  • Fatigue: Aktivität, Anämie, Schlaf, psychische und weitere Begleiterkrankungen prüfen; Schulung sowie individuell angepasstes Ausdauer-/Krafttraining. Bei isolierter Fatigue ohne entzündliche Aktivität Immunsuppressionseskalation kritisch prüfen.
  • NPSLE: neurologisch/psychiatrisch abklären; Attribution zum SLE sowie entzündlichen, thrombotischen und nicht durch SLE erklärten Mechanismus trennen. Entzündliche schwere Manifestationen: Glukokortikoide plus geeignete Immunsuppression, häufig CYC; B-Zell-Depletion bei geeigneter schwerer/refraktärer Konstellation. Thrombotische/aPL-assoziierte Manifestation: antithrombotischer Pfad auf der APS-Seite; symptomatische Therapie zusätzlich.
  • Anhaltende Remission: zuerst Glukokortikoide schrittweise reduzieren/absetzen, danach weitere Immunsuppression individualisiert; HCQ grundsätzlich fortführen, sofern verträglich.

Schwere Immunthrombozytopenie

  • Akut: hoch dosierte Glukokortikoide, gegebenenfalls i.v.-Pulse, mit oder ohne IVIG; Rituximab kann früh eingesetzt werden. Behandlungsbedarf meist bei Thrombozyten <20.000–30.000/µl, zusätzlich nach Blutung und klinischer Konstellation. CYC nach DGRh 2025 als Reserve, nicht als gleichrangige reguläre Initialoption; EULAR 2023 nennt CYC breiter
  • Rituximab bei SLE (Off-Label) – Indikation; keine obligatorische Refraktärität vor jedem Einsatz in dieser speziellen Manifestation
  • Erhaltung je Verlauf mit Rituximab, Azathioprin, Mycophenolat oder Ciclosporin; Zulassung präparat-/ indikationsbezogen
  • Refraktäre Verläufe: TPO-Rezeptoragonisten oder Splenektomie als Reserve; TPO-Rezeptoragonisten bei aPL-Positivität vermeiden nach EULAR 2023
  • Immunthrombozytopenie von TMA/TTP, Arzneimittelwirkung, Infektion und anderen Ursachen abgrenzen; Blutung und klinischen Verlauf in die Dringlichkeit einbeziehen
Rituximab · Refraktäre / schwere Organmanifestation · (Off-Label)

Cave: HBV-Reaktivierung; schwere Hypogammaglobulinämie

  • Rituximab: 1.000 mg i.v. Tag 1 und 15; Wiederbehandlung nach Aktivität; (Off-Label)

Zum Steckbrief Rituximab

Lupusnephritis

  • Auswahl: Biopsieklasse, Aktivität/Chronizität, eGFR, Proteinurie, extrarenale Aktivität; rheumatologisch-nephrologisch
  • Klasse III/IV ± V: GK + MMF (Off-Label) + Belimumab, CYC + Belimumab, MMF (Off-Label) + CNI oder MMF (Off-Label) + Obinutuzumab; Tacrolimus (Off-Label); individuelle Alternativen: GK + MMF (Off-Label) oder GK + niedrig dosiertes CYC
  • Reine Klasse V: relevante Proteinurie; MMF (Off-Label) ± CNI; Tacrolimus (Off-Label); ältere/nationale Schwelle: persistierend >1 g/d trotz Nephroprotektion; Evidenz für Kombinationen begrenzter; Obinutuzumab (Off-Label) bei reiner V
  • Klasse I/II: extrarenale Aktivität und Nephroprotektion; nephrotische Proteinurie → Podozytopathie/weitere Biopsieläsion prüfen
  • Rasch progrediente GN: ggf. hoch dosiertes i.v. CYC; EULAR LN 2025: 6–7 monatliche Pulse; schwere Niereninsuffizienz → Zentrum
  • Methylprednisolon: 250–500 mg i.v. täglich für 1–3 Tage → Prednisolon 0,3–0,5 mg/kg/d p.o.; Monat 3 <10 mg/d, Monat 6 ≤5 mg/d; bei anhaltendem Ansprechen weiter reduzieren
  • Monat 3: Nierenfunktion erhalten/verbessert, Proteinurie ≥25 % reduziert; Monat 6: ≥50 % reduziert; Monat 12: UPCR <700 mg/g
  • Unzureichende Wirksamkeit: Adhärenz, Exposition, Infektion, Histologie und Schaden prüfen → Wechsel/ Ergänzung; Rituximab (Off-Label) als Reserve
  • Erhaltung: ≥3 Jahre nach renalem Ansprechen; erfolgreiche MMF-basierte Strategie fortführen; CYC → MMF (Off-Label) oder Azathioprin
  • Deeskalation: anhaltendes komplettes renales Ansprechen, ≥3 Jahre Therapie nach Ansprechen; schrittweise, nach Rezidivrisiko/extrarenaler Aktivität; ggf. Rebiopsie
  • Rebiopsie: unklare Aktivität/Schaden, Verschlechterung, unzureichendes Ansprechen oder geplante Reduktion
  • Hydroxychloroquin bei LN + eGFR <30 ml/min/1,73 m²: 50 % Dosisreduktion nach DGRh 2025
Mycophenolat · MMF, Mycophenolat-Natrium · Remissionsinduktion / Erhaltung · (Off-Label)
  • Mycophenolat-Mofetil (MMF) – Induktion: 1–1,5 g p.o. zweimal täglich; (Off-Label)
  • MMF – Erhaltung: häufig 750–1.000 mg p.o. zweimal täglich; (Off-Label)
  • Mycophenolat-Natrium (EC-MPS) – Induktion: 720–1.080 mg p.o. zweimal täglich; (Off-Label)

Zum Steckbrief Mycophenolat

Belimumab · Add-on zur Induktion / Erhaltung
  • Belimumab – LN: 400 mg s.c. einmal wöchentlich für 4 Wochen; danach 200 mg einmal wöchentlich
  • I.v. alternativ: 10 mg/kg Tag 0, 14, 28; danach alle 4 Wochen
TMA und Nierenersatzverfahren

Zum Steckbrief Belimumab

  • TMA: APS-Nephropathie, TTP und komplementvermittelte TMA unterscheiden; interdisziplinärer Akutpfad. PLEX/Caplacizumab bei geeigneter TTP, Komplementhemmung bei entsprechender komplementvermittelter TMA, Antikoagulation bei thrombotischem APS.
  • Nierenversagen: alle geeigneten Nierenersatzverfahren möglich; Transplantation einschließlich Lebendspende/präemptiv erwägen, wenn extrarenale Erkrankung mindestens 6 Monate klinisch inaktiv. Immunsuppression nach verbleibender extrarenaler Aktivität individualisieren.
Nieren- und kardiovaskuläre Protektion
  • Blutdruck konsequent kontrollieren
  • RAAS-Blockade bei Proteinurie/Hypertonie, sofern nicht kontraindiziert
  • Dyslipidämie, Diabetes, Rauchen und weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren behandeln
  • SGLT2-Hemmer bei geeigneter chronischer Nierenerkrankung nach aktueller Nierenfunktion und konkreter Produktinformation
  • Thromboserisiko/aPL bei vaskulären oder TMA-Konstellationen berücksichtigen
Cyclophosphamid · Organbedrohender Verlauf · Induktion · Extrarenal (Off-Label)

Cave: Fertilitätsschädigung; hämorrhagische Zystitis

  • Cyclophosphamid – Euro-Lupus: 500 mg i.v. alle 2 Wochen ×6; danach MMF oder Azathioprin
  • Cyclophosphamid – schwere/RPGN-LN: ggf. 0,5–0,75 g/m² i.v. monatlich ×6; individuelle Dosisanpassung
  • Mesna/Hydrierung: Begleitprophylaxe nach Regime

Zum Steckbrief Cyclophosphamid

Tacrolimus · Kombinationsoption zur Induktion · (Off-Label)
  • Tacrolimus: MMF-Kombination; Studienregime z. B. 4 mg/d p.o.; Titration nach Talspiegel/ Nierenfunktion; (Off-Label)

Zum Steckbrief Tacrolimus

Voclosporin + MMF · Add-on zur Induktion

Cave: Starke CYP3A4-Hemmer: kontraindiziert

  • Voclosporin: 23,7 mg p.o. zweimal täglich; + MMF; aktive LN III/IV/V
  • eGFR <45 ml/min/1,73 m²: besondere Nutzen-Risiko-Abwägung und nierenadaptierter Dosisplan

Zum Steckbrief Voclosporin + MMF

Obinutuzumab + MMF · Add-on zur Induktion · Reine Klasse V (Off-Label)

Cave: HBV-Reaktivierung

  • Obinutuzumab: 1.000 mg i.v. Woche 0, 2, 24, 26; danach alle 6 Monate ab der vierten Gabe; + MMF; LN III/IV ± V; reine V (Off-Label)

Zum Steckbrief Obinutuzumab + MMF

Monitoring und Sicherheit

Krankheitsaktivität bei jeder Visite mit validiertem Instrument; Visitenfrequenz zusätzlich nach Aktivität, Organbeteiligung und Therapie
Therapieziel
DORIS-Remission, alternativ niedrige Krankheitsaktivität/LLDAS; Zieldefinitionen nicht miteinander verschmelzen
DORIS-Remission
cSLEDAI = 0, PGA <0,5 auf 0–3-Skala, Prednisolon ≤5 mg/d; stabile Antimalaria-, immunsuppressive und biologische Therapie erlaubt
LLDAS
SLEDAI-2K ≤4 ohne große Organaktivität, SLE-Fieber, Hämolyse oder GI-Aktivität; keine neue Aktivität, PGA ≤1, Prednisolon ≤7,5 mg/d, stabile verträgliche Erhaltungstherapie mit üblichen Immunsuppressiva/zugelassenen Biologika
Cave
LLDAS-Grenze ≤7,5 mg/d ≠ aktuelles Glukokortikoidziel; chronisch möglichst ≤5 mg/d bzw. 0
Organschaden mindestens jährlich, z. B. SLICC/ACR Damage Index; Komorbiditäten und Impfstatus mindestens jährlich strukturiert erfassen
Ohne bekannte Lupusnephritis
Proteinurie alle 3 Monate nach DGRh 2025
Bei Lupusnephritis
bei jedem Kontrollbesuch Gewicht, Blutdruck, eGFR, Albumin, Proteinurie, Urinstatus/- sediment, BB und C3/C4; Anti-dsDNA ergänzend im Verlauf
EULAR LN 2025: Nierenfunktion innerhalb 3 Monaten erhalten/verbessern, Proteinurie um ≥25 % nach 3 Monaten und um ≥50 % nach 6 Monaten reduzieren, UPCR <700 mg/g nach 12 Monaten, danach so niedrig wie möglich
UPCR-Ziel nach 12 Monaten
<700 mg/g
Rebiopsie nicht routinemäßig verpflichtend; erwägen bei klinischer Unsicherheit, unzureichendem/ unerwartetem Verlauf, Verschlechterung nierenspezifischer Laborparameter oder geplanter Immunsuppressionsreduktion
Hydroxychloroquin
Augenbasis Monat 0–6 – DGRh Antimalaria 2020; jährlich ab dem 5. Therapiejahr, bei Risikofaktoren ab Beginn – DOG Augen 2025. FI-Abweichung: Kontrollen vor Beginn und alle 3 Monate; Details
Adhärenz, Arzneimitteltoxizität, kardiovaskuläres Risiko, Infektionen/Impfstatus, Osteoporose- und reproduktive Risiken regelmäßig berücksichtigen
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Krankheitsaktivität, Remission und Organschaden

  • Krankheitsaktivität bei jeder Visite dokumentieren
  • validiertes Instrument mit Versionsangabe, z. B.:
  • SLEDAI/SLEDAI-2K ◦ BILAG ◦ SLE-DAS ◦ ECLAM ◦
  • kein einzelnes Instrument als einzig zulässigen Standard erzwingen
  • Therapie, unerwünschte Wirkungen und Adhärenz gemeinsam dokumentieren
  • Organschaden mindestens einmal jährlich, z. B. SLICC/ACR Damage Index
  • Komorbiditäten und Impfstatus mindestens jährlich strukturiert überprüfen
  • gesundheitsbezogene Lebensqualität und Patient:innenperspektive regelmäßig erfassen; kein international verbindlicher einzelner Pflicht-PROM
DORIS-Remission
  • klinischer SLEDAI/cSLEDAI = 0
  • PGA <0,5 auf einer 0–3-Skala
  • Prednisolon-Äquivalent ≤5 mg/d
  • stabile Erhaltungstherapie mit Antimalariamitteln, Immunsuppressiva und/oder Biologika zulässig
  • Anti-dsDNA und Komplement sind nicht Bestandteil des cSLEDAI-Remissionskriteriums
Lupus Low Disease Activity State (LLDAS)
  • SLEDAI-2K ≤4
  • keine Aktivität renal, ZNS, kardiopulmonal oder vaskulitisch; kein SLE-Fieber, keine Hämolyse und keine gastrointestinale Aktivität
  • keine neue Krankheitsaktivität gegenüber der vorherigen Beurteilung
  • PGA ≤1 auf 0–3-Skala
  • Prednisolon-Äquivalent ≤7,5 mg/d
  • stabile, verträgliche Standard-Erhaltungstherapie einschließlich zugelassener Biologika zulässig; experimentelle Medikamente erfüllen diese LLDAS-Bedingung nicht

Cave: Die LLDAS-Definitionsgrenze ≤7,5 mg/d bleibt unverändert. Das aktuelle therapeutische Ziel, chronische Glukokortikoide möglichst auf ≤5 mg/d oder 0 zu reduzieren, ist eine separate Therapievorgabe.

Nierenscreening ohne bekannte Lupusnephritis

  • DGRh 2025: alle 3 Monate auf Proteinurie untersuchen
  • bei regulären SLE-Kontrollen zusätzlich Nierenfunktion und Urinbefund im klinischen Kontext berücksichtigen
  • bei extrarenalem Schub oder neuem renalen Verdacht sofortige erneute Nierenabklärung unabhängig vom Routineintervall
  • bei auffälliger Proteinurie, glomerulärer Hämaturie/Zylindern oder ungeklärter GFR-Abnahme → Nierenbiopsie nach dem Abschnitt Diagnostik und Klassifikation

Leitlinienabweichung: ACR LN 2024 empfiehlt bei SLE ohne bekannte Nierenerkrankung Proteinuriescreening alle 6–12 Monate bzw. bei extrarenalem Schub. Für RheumaTobee gilt als deutscher Standard der 3-Monats-Pfad der DGRh 2025.

Monitoring bei bekannter Lupusnephritis

Bei jedem Kontrollbesuch:

  • Gewicht
  • Blutdruck; häusliche Messungen soweit verfügbar einbeziehen
  • Kreatinin/eGFR
  • Serumalbumin
  • Proteinurie:
  • UPCR für die Routine geeignet ◦ 24-h-Urin bei ausgewählten wichtigen Therapieentscheidungen erwägbar ◦
  • Urinstatus und Urinsediment/Erythrozyturie
  • vollständiges Blutbild
  • C3/C4
  • Anti-dsDNA im Verlauf ergänzend
  • Anti-C1q bei Verfügbarkeit gegebenenfalls zusätzliche Aktivitätsinformation; keine Routinepflicht
  • ACR LN 2024-Ergänzung: Proteinurie mindestens alle 3 Monate bis zum kompletten renalen Ansprechen, anschließend bei anhaltendem kompletten Ansprechen alle 3–6 Monate
  • bei klinischer Verschlechterung oder Therapiewechsel Kontrollen enger als das Routineintervall

Renale Therapieziele und Ansprechen

EULAR LN 2025 – frühe Meilensteine
  • innerhalb von 3 Monaten: Nierenfunktion erhalten oder verbessern
  • nach 3 Monaten: Proteinurie ≥25 % reduziert
  • nach 6 Monaten: Proteinurie ≥50 % reduziert
  • nach 12 Monaten: UPCR <700 mg/g
  • danach: Proteinurie so niedrig wie möglich

Diese Meilensteine dienen der frühen Beurteilung des Therapieansprechens und der rechtzeitigen Re-Evaluation bei unzureichender Verbesserung.

Komplettes renales Ansprechen
  • DGRh 2025: Proteinurie <0,5–0,7 g/d bzw. UPCR <0,5–0,7 g/g bei erhaltener Nierenfunktion als Zielbereich
  • EULAR LN 2025: komplettes renales Ansprechen UPCR <500 mg/g; Nierenfunktion mitbeurteilen. Das 12-Monats-Ziel <700 mg/g ist davon getrennt
  • Studienabhängig kommen weitere eGFR-/Rescue-Bedingungen hinzu; konkrete Definition dokumentieren
  • bei nephrotischer Ausgangsproteinurie kann das Erreichen der Zielwerte länger dauern; Trend, Nierenfunktion und Gesamtkontext berücksichtigen

Rebiopsie der Niere

  • keine routinemäßige Pflicht-Rebiopsie bei jeder klinischen Remission oder vor jedem Absetzen
  • Rebiopsie erwägen, insbesondere bei:
  • klinischer Unsicherheit über Aktivität versus irreversible Schädigung ◦ unzureichendem oder unerwartetem Therapieansprechen ◦ Verschlechterung nierenspezifischer Laborparameter ◦ renalem Rezidiv ◦ geplanter Reduktion bzw. Beendigung einer längerfristigen Immunsuppression, wenn das Ergebnis ◦ die Entscheidung beeinflussen würde
  • klinische komplette Remission schließt persistierende histologische Aktivität nicht sicher aus
  • Ergebnis nur dann in die Therapieentscheidung einbeziehen, wenn eine therapeutische Konsequenz zu erwarten ist

Hydroxychloroquin: Sicherheitsmonitoring

  • Hydroxychloroquin: Augenbasis Monat 0–6 – DGRh Antimalaria 2020; jährlich ab dem 5. Therapiejahr, bei Risikofaktoren ab Beginn – DOG Augen 2025. FI-Abweichung: Kontrollen vor Beginn und alle 3 Monate; Details
  • Hydroxychloroquin – DGRh Antimalaria 2020: CK/LDH vor Beginn und alle 3–6 Monate; neue Schwäche/ Dysphagie oder kardiale Auffälligkeit → gezielte Abklärung
  • Neue Sehstörung: zeitnahe augenärztliche Abklärung unabhängig vom Kontrollintervall

Weitere Kontrollen und Dosisanpassungen: Medikamentenübersicht DGRh Antimalaria 2020 · DOG Augen 2025

Spezifisches Medikamentenmonitoring

  • Rituximab: IgG vor Beginn und vor jedem weiteren Zyklus
  • Cyclophosphamid: nadirbezogenes Blutbild; bei i.v.-Pulsen typischerweise Tag 8–14; Urin auf Hämaturie
  • Tacrolimus/Ciclosporin: Talspiegel, Blutdruck und Nierenfunktion; erneute Beurteilung bei Interaktion oder Formulierungswechsel
  • Voclosporin: Blutdruck und Nierenfunktion; kein routinemäßiges Spiegelmonitoring
  • Scheinbares Therapieversagen: Adhärenz, Infektion und Organschaden prüfen; Medikamentenspiegel bei geeigneter Fragestellung

Weitere Kontrollen und Dosisanpassungen: Medikamentenübersicht

Komorbiditäten und Prävention

  • mindestens jährliche integrierte kardiovaskuläre Risikobewertung
  • berücksichtigen:
  • Blutdruck ◦ Lipide ◦ Diabetes ◦ Rauchen ◦ körperliche Aktivität ◦ persistierende Krankheitsaktivität und Krankheitsdauer ◦ aPL ◦ Nierenbeteiligung/CKD ◦ Glukokortikoidexposition ◦
  • Cave: konventionelle kardiovaskuläre Risikoscores können das SLE-assoziierte Risiko unterschätzen
  • Infektionsrisiko und Impfstatus mindestens jährlich sowie vor relevanten Therapieänderungen
  • Osteoporose-/Frakturrisiko abhängig von Alter, Menopausenstatus und Glukokortikoidexposition
  • reproduktive Gesundheit/Kinderwunsch regelmäßig berücksichtigen
  • Malignomvorsorge nach alters-, geschlechts- und risikoadaptierten Empfehlungen

Schwangerschaft, Kinderwunsch, Kontrazeption und Stillzeit

EULAR Schwangers 2024

Kurzfassung

  • Schwangerschaft bei kontrolliertem SLE/inaktiver Nephritis planen; Aktivität, Nierenfunktion, Anti-Ro/SSA, Anti-La/SSB und aPL präkonzeptionell erfassen.
  • HCQ fortführen; AZA, Ciclosporin, Tacrolimus und erforderliche Glukokortikoide sind geeignete Optionen; Prednisolon möglichst ≤5 mg/d.
  • Belimumab/RTX bei erforderlicher Krankheitskontrolle individuell; Anifrolumab nur bei fehlender wirksamer kompatibler Alternative, Evidenz sehr gering.
  • MMF, MTX und CYC vor Konzeption absetzen; eng begrenzte EULAR Schwangers 2024-Rescue-Ausnahmen für MMF/CYC im 2./3. Trimenon und abweichende deutsche MMF-Empfehlung siehe unten.
  • Voclosporin in Schwangerschaft/Stillzeit vermeiden; Sicherheitsdaten unzureichend.
  • DGRh 2025: LDA für alle SLE-Schwangerschaften, gebräuchlich 100 oder 150 mg/d, möglichst ab Konzeption, spätestens bis SSW 16.
  • SLE + persistierendes Hochrisiko-aPL-Profil: LDA + prophylaktisches NMH nach DGRh 2025; APS-Details auf der APS-Seite.
  • Fetales Monitoring risikoadaptiert; Anti-Ro/La-assoziierte Echostrategien unterscheiden sich zwischen Fachgesellschaften, Nutzen routinemäßiger PR-Intervallmessung unsicher.
  • Stillzeit: HCQ, AZA, Ciclosporin, Tacrolimus und geeignete Glukokortikoide kompatibel; EULAR Schwangers 2024 bewertet bDMARDs grundsätzlich als kompatibel bei unterschiedlicher Evidenz.
  • MMF/CYC/Voclosporin in der Stillzeit vermeiden; MTX ≤25 mg/Woche nur als eng begrenzte EULAR Schwangers 2024-Ausnahme bei fehlender Alternative und mit abweichender FI.
  • Säuglings-Lebendimpfstoffe nach intrauteriner Biologikaexposition anhand Wirkstoff und Expositionszeitpunkt planen; Totimpfstoffe regulär.

Präkonzeptionelle Planung

  • Schwangerschaft möglichst in Remission bzw. bei niedriger Krankheitsaktivität
  • Betreuung durch ein erfahrenes interdisziplinäres Team
  • Vor Konzeption: aktuelle und vorausgegangene SLE-Aktivität; frühere/aktuelle Organmanifestationen insbesondere Lupusnephritis; Nierenfunktion, Proteinurie und Blutdruck; Anti-Ro/SSA, Anti-La/SSB; aPL-Profil; thrombotische/obstetrische Vorgeschichte; kardiovaskuläre und weitere Schwangerschaftsrisiken; gesamte Medikation
  • Bei relevanter aktiver Erkrankung Schwangerschaft nach Möglichkeit bis zur ausreichenden Krankheitskontrolle verschieben
  • Relevante Krankheitsaktivität in den vorausgehenden 6–12 Monaten erhöht das Schwangerschaftsrisiko

SLE-Therapie in der Schwangerschaft

  • Hydroxychloroquin: fortführen bzw. bereits vor Konzeption neu einleiten
  • Azathioprin, Ciclosporin, Tacrolimus: zur Prophylaxe bzw. Therapie von SLE-Schüben einsetzbar
  • Glukokortikoide: Prednisolon bevorzugen; niedrigste wirksame Dosis; nach EULAR Schwangers 2024 möglichst ≤5 mg/d bzw. absetzen; bei schwerem Schub i.v. Methylprednisolon-Pulse möglich
  • Belimumab und Rituximab: vor Konzeption und während der Schwangerschaft bei erforderlicher Krankheitskontrolle nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung einsetzbar
  • Anifrolumab: sehr begrenzte Daten; nur wenn keine schwangerschaftskompatible Alternative die maternale Erkrankung ausreichend kontrolliert

Teratogene bzw. unzureichend untersuchte Therapien

  • Mycophenolat
  • teratogen; vor geplanter Schwangerschaft absetzen ◦ EULAR 2023: 1,5 Monate vor Konzeption ◦ keine Anwendung im 1. Trimenon ◦ EULAR Schwangers 2024: bei schwerer, refraktärer maternaler Erkrankung kann Mycophenolat im ◦ 2. oder 3. Trimenon erwogen werden Voraussetzung nach EULAR Schwangers 2024: nur wenn keine andere wirksame ◦ schwangerschaftskompatible Option verfügbar ist; Einsatz insbesondere bei organ- oder lebensbedrohlicher Erkrankung; sehr begrenzte Daten DGRh 2025 – abweichend: Mycophenolat in der Gravidität vermeiden ◦ (Off-Label) – Indikation SLE/Lupusnephritis; die EULAR Schwangers 2024-Ausnahme ist keine ◦ Zulassung in der Schwangerschaft daraus ergibt sich keine allgemeine Schwangerschaftskompatibilität ◦
  • Cyclophosphamid
  • teratogen; EULAR 2023: 3 Monate vor Konzeption absetzen ◦ EULAR Schwangers 2024: bei schwerer, refraktärer maternaler Erkrankung im 2. oder 3. Trimenon ◦ erwägbar Voraussetzung nach EULAR Schwangers 2024: wenn keine andere wirksame ◦ schwangerschaftskompatible Option verfügbar ist, insbesondere bei organ- oder lebensbedrohlicher Erkrankung; begrenzte Daten DGRh 2025: im 1. Trimenon vermeiden; im 2./3. Trimenon schweren, lebensbedrohlichen oder ◦ refraktären SLE-Manifestationen vorbehalten Fertilitätsprotektion bei präkonzeptioneller Anwendung berücksichtigen ◦
  • Methotrexat
  • teratogen; EULAR 2023: 1–3 Monate vor Konzeption absetzen ◦ regulatorische Kontrazeptionsfristen der konkreten Fachinformation zusätzlich beachten ◦
  • Voclosporin
  • in der Schwangerschaft vermeiden ◦ Begründung: unzureichende Sicherheitsdaten, nicht nachgewiesene Teratogenität ◦ sehr begrenzte Daten ◦

Präeklampsie- und aPL-Prophylaxe

  • Alle SLE-Schwangerschaften nach DGRh 2025: LDA
  • Präeklampsieprophylaxe ◦ Beginn möglichst zur Konzeption, spätestens bis SSW 16 ◦ gebräuchliche Dosierungen: 100 oder 150 mg/d ◦ optimale Dosierung nicht abschließend geklärt ◦ DGRh 2025-spezifische Erweiterung gegenüber der älteren europäischen Women's-Health- ◦ Empfehlung
  • SLE mit Hochrisiko-aPL-Profil: LDA + prophylaktisches NMH nach DGRh 2025
  • Manifestes obstetrisches oder thrombotisches APS: vollständige Behandlung → Antiphospholipidsyndrom (APS)

Fetales und maternales Monitoring

  • Hochrisikoschwangerschaftsbetreuung
  • Krankheitsaktivität, Blutdruck, Nierenfunktion und Proteinurie im Verlauf
  • Ultraschall 11–14 SSW
  • Zweittrimester-Ultraschall einschließlich Doppler, bevorzugt 20–24 SSW
  • im 3. Trimenon zusätzliche Biometrie-/Doppler-Kontrollen abhängig von maternaler und fetaler Situation
  • kein starrer monatlicher Ultraschallplan für jede SLE-Schwangerschaft

Anti-Ro/SSA und Anti-La/SSB

  • Bei Verdacht auf fetale Rhythmusstörung/Myokarditis, besonders bei maternalen Anti-Ro52/Ro60-SSA oder Anti-La/SSB: fetale Echokardiographie.
  • ACR LN 2024, bedingt: ohne zuvor betroffenes Kind serielle Echokardiographie seltener als wöchentlich, optimaler Abstand unklar; nach zuvor durch CHB/anderen neonatalen Lupus betroffenem Kind wöchentlich. Zeitraum jeweils SSW 16–18 bis 26.
  • Abweichend SMFM 2023 im SLE-Kontext: keine routinemäßigen seriellen fetalen Echokardiographien allein zur PR-Intervallmessung außerhalb klinischer Studien. Nutzen einer solchen Screeningstrategie unsicher; Vorgehen mit spezialisierter Geburtshilfe abstimmen.
  • Kein pauschaler prophylaktischer Glukokortikoideinsatz allein bei Antikörperpositivität; gesicherte fetale Auffälligkeiten benötigen einen eigenen interdisziplinären Behandlungspfad.

Postpartal

  • SLE-Aktivität und Therapie nach Entbindung erneut beurteilen
  • bei während der Schwangerschaft prophylaktisch gegebenem Heparin: Fortführung für 6 Wochen postpartal nach DGRh 2025
  • thrombotisches/obstetrisches APS: Antikoagulationsstrategie nach APS-Seite
  • Stillwunsch bereits vor Entbindung bei der medikamentösen Planung berücksichtigen

Kontrazeption

  • effektive Kontrazeption insbesondere bei aktiver Erkrankung und teratogener Therapie besprechen
  • IUD grundsätzlich möglich, sofern keine gynäkologische Kontraindikation
  • stabile/inaktive Erkrankung ohne aPL: kombinierte Östrogen-/Gestagen-Kontrazeption möglich
  • aPL-Positivität bzw. APS: kombinierte östrogenhaltige Kontrazeption nicht empfehlen; Gestagen-Monopräparate nach individuellem Thromboserisiko erwägen

Stillzeit

  • Kompatibel: Hydroxychloroquin, Azathioprin, Ciclosporin, Tacrolimus, Prednisolon, i.v. Methylprednisolon und IVIG
  • EULAR Schwangers 2024: alle bDMARDs grundsätzlich als stillkompatibel, jedoch mit substanzabhängig sehr unterschiedlicher Evidenz
  • Mycophenolat, Cyclophosphamid und Voclosporin: Stillzeit vermeiden
  • Methotrexat: EULAR Schwangers 2024 ≤25 mg/Woche ausnahmsweise erwägbar, wenn keine stillkompatible Alternative verfügbar ist; begrenzte Daten; abweichende Fachinformationen separat berücksichtigen

Säuglingsimpfungen nach intrauteriner Biologikaexposition

  • Totimpfstoffe: reguläres Impfprogramm
  • EULAR Schwangers 2024: nach TNFi-Exposition Rotavirus nach üblichem Schema möglich; BCG nach relevanter später transplazentarer Exposition sechs Monate verschieben; Certolizumab wegen minimaler Passage gesondert.
  • Abweichende Infliximab-Fachinformation: Lebendimpfstoffe nach intrauteriner Exposition grundsätzlich zwölf Monate nicht empfohlen; frühere Gabe nur unter den genannten Ausnahmebedingungen. Zusätzlicher Hinweis bei Exposition über die Stillzeit. Konkrete Gegenüberstellung und pädiatrische Planung im Querschnittsmodul
  • Nicht-TNFi-bDMARD im 2./3. Trimenon: wegen begrenzter Daten Lebendimpfstoffe für 6 Monate verschieben

Quellen und Links

  • S3-Leitlinie zum Management des systemischen Lupus erythematodes. DGRh und beteiligte Fachgesellschaften; AWMF 060-008, Version 1.2, 2025.
  • EULAR recommendations for the management of systemic lupus erythematosus: 2023 update. Fanouriakis et al.; Ann Rheum Dis 2024;83:15–29.
  • EULAR recommendations for the management of systemic lupus erythematosus with kidney involvement: 2025 update. Fanouriakis et al.; Ann Rheum Dis 2026;85:75–90.
  • 2019 European League Against Rheumatism/American College of Rheumatology Classification Criteria for Systemic Lupus Erythematosus. Aringer et al.; Arthritis Rheumatol 2019;71:1400– 1412.
  • KDIGO 2024 Clinical Practice Guideline for the Management of Lupus Nephritis.
  • 2024 American College of Rheumatology (ACR) Guideline for the Screening, Treatment, and Management of Lupus Nephritis. Sammaritano et al.; Arthritis Rheumatol 2025;77:1115–1135.
  • 2020 American College of Rheumatology Guideline for the Management of Reproductive Health in Rheumatic and Musculoskeletal Diseases. Sammaritano et al.
  • EULAR recommendations for use of antirheumatic drugs in reproduction, pregnancy, and lactation: 2024 update. Rüegg et al.; Ann Rheum Dis 2025;84:910–926.
  • EULAR recommendations for women's health and the management of family planning, assisted reproduction, pregnancy and menopause in patients with systemic lupus erythematosus and/or antiphospholipid syndrome. Andreoli et al.; Ann Rheum Dis 2017;76:476–485.
  • EULAR recommendations for the management of antiphospholipid syndrome in adults. Tektonidou et al.; Ann Rheum Dis 2019;78:1296–1304.
  • EULAR recommendations for cardiovascular risk management in rheumatic and musculoskeletal diseases, including systemic lupus erythematosus and antiphospholipid syndrome. Drosos et al.; Ann Rheum Dis 2022;81:768–779.
  • Society for Maternal-Fetal Medicine Consult Series #64: Systemic lupus erythematosus in pregnancy. 2023.
  • Bewertung von Wechselwirkungen und Dosierungsempfehlungen von synthetischen DMARDs – Evidenz- und konsensbasierte Empfehlungen auf Basis einer systematischen Literatursuche. Fiehn et al.; Z Rheumatol 2023;82:151–162.
  • Sicherheitsmanagement der Therapie mit Antimalariamitteln in der Rheumatologie. Interdisziplinäre Empfehlungen auf der Basis einer systematischen Literaturrecherche. Fiehn et al.; Z Rheumatol 2020;79:186–194.
  • Augenärztliche Screening-Untersuchungen bei Therapie mit Chloroquin oder Hydroxychloroquin. DOG/BVA/RG; S1-Leitlinie, AWMF 045-016, Juli 2025.
  • van Vollenhoven RF, et al. 2021 DORIS definition of remission in SLE: final recommendations from an international task force. Lupus Sci Med. 2021;8:e000538.
  • Franklyn K, et al. Definition and initial validation of a Lupus Low Disease Activity State (LLDAS). Ann Rheum Dis. 2016;75:1615–1621.
  • American College of Rheumatology – Lupus Guideline Hub, einschließlich 2024/2025 Lupus Nephritis Guideline.
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