Wechselwirkungen
Grundlagen: DGRh 2023
Ergänzend: DGRh Antimalaria 2020 · DGRh SLE 2025
Kurzfassung
- MTX/Cotrimoxazol: antibiotische Therapiedosis meiden; PJP-Prophylaxe mit 160/800 mg dreimal wöchentlich möglich
- MTX: unter Penicillinen pausieren; Metamizol, Probenecid und ASS ≥2 g/d meiden; ASS 80–100 mg/d zur Thrombozytenaggregationshemmung möglich
- Hydroxychloroquin: Azithromycin meiden; Tamoxifen → erhöhtes Retinopathierisiko, Kombination laut FI nicht empfohlen
- JAKi: Interaktionen substanzbezogen; Tofacitinib unter starken CYP3A4-Hemmern → 5 mg Filmtablette einmal täglich; Baricitinib unter Probenecid → 2 mg/d bei Erwachsenen
- Nierenfunktion: MTX bei GFR ≤45 ml/min vermeiden; FI: CrCl 30–59 ml/min → 50 % der Dosis, <30 ml/min → kontraindiziert
- Komedikation: vor Beginn, bei Änderungen und im Verlauf prüfen; Organfunktion, Alter und Gewicht berücksichtigen
Methotrexat und Cotrimoxazol
Anwendung bei ErwachsenenEmpfehlung
Antibiotische Therapiedosis, z. B. Trimethoprim/Sulfamethoxazol 160/800 mg zweimal täglich
Kombination mit MTX nicht einsetzen; Risiko schwerer Panzytopenie
PJP-Prophylaxe: Trimethoprim/Sulfamethoxazol 160/800 mg dreimal wöchentlich
Kombination mit niedrig dosiertem MTX möglich; Datenbasis: retrospektive Fall-Kontroll-Studie
- 160/800 mg Trimethoprim/Sulfamethoxazol = 960 mg Cotrimoxazol pro Einnahme
- Bei Kombination: Blutbild und Nierenfunktion überwachen; bei Mukositis, Fieber oder neuen Blutungszeichen sofortige Abklärung
Weitere Methotrexat-Interaktionen
Penicilline, z. B. Amoxicillin: MTX während der Antibiotikagabe pausieren; verminderte MTX-Clearance / erhöhte Toxizität
Metamizol: Kombination vermeiden; erhöhtes Risiko hämatologischer Toxizität
ASS ≥2 g/d: Kombination vermeiden; 80–100 mg/d zur Thrombozytenaggregationshemmung möglich
Probenecid: Kombination meiden; reduzierte renale MTX-Ausscheidung
NSAR/Coxibe: Kombination nach Nierenfunktion beurteilen; bei eingeschränkter/instabiler Nierenfunktion erhöhtes MTX-Toxizitätsrisiko
Leflunomid: Kombination mit verstärkter Kontrolle von Blutbild/Transaminasen möglich; Leflunomid-FI: gleichzeitige hepato-/hämatotoxische DMARDs nicht ratsam
Isoniazid: Kombination bei Indikation möglich; Transaminasen kontrollieren
Sulfasalazin/Hydroxychloroquin: Kombination in rheumatologischen Standarddosierungen möglich; Folsäuresupplementation zu MTX
Protonenpumpenhemmer: geringe klinische Relevanz bei rheumatologischer MTX-Dosis
Hydroxychloroquin
Azithromycin: Kombination nicht einsetzen; erhöhtes kardiales Risiko
Weitere QT-verlängernde Arzneimittel: Alternativen, Elektrolyte und EKG prüfen; Entscheidung nach konkreter Kombination und kardialem Risiko
Tamoxifen: FI: Kombination nicht empfohlen; bei dennoch erforderlicher Kombination jährliches Retinopathiescreening ab Beginn
Digoxin: Möglicher Spiegelanstieg; Spiegelkontrolle und ggf. Dosisanpassung; klinische Evidenz begrenzt
Ciclosporin: Möglicher Spiegelanstieg; Talspiegelkontrolle
Insulin/Antidiabetika: Hypoglykämierisiko; Glukosekontrolle, ggf. Dosisreduktion des Antidiabetikums
Dosierung und Organkontrollen: Antimalariamittel
Sulfasalazin
- Eisen: zeitlich getrennte Einnahme; Chelatbildung / verminderte Sulfasalazinresorption
- Digoxin: mögliche verminderte Resorption; bei Beginn/Absetzen Wirkung und ggf. Spiegel kontrollieren
- Folsäure: verminderte Resorption; Supplementation besonders bei MTX-Kombination und Schwangerschaft
- Ciclosporin: Talspiegel kontrollieren, Dosis nach Spiegel/Verträglichkeit; Evidenz zur Interaktion begrenzt
Leflunomid
- MTX: additive Hepato-/Hämatotoxizität; FI-Abweichung
- Vitamin-K-Antagonisten: engmaschigere INR-Kontrollen bei Beginn, Dosisänderung und Absetzen
- Rosuvastatin: laut FI höchstens 10 mg/d bei Kombination
- Repaglinid: verstärkte Wirkung möglich; Glukosekontrolle
- Colestyramin/Aktivkohle: beschleunigte Elimination des aktiven Metaboliten; gezielt zum Auswaschen
JAK-Inhibitoren: Interaktionen
Erwachsenendosen für rheumatologische Anwendungen
Wirkstoff / KomedikationEmpfehlung / aktuelle Fachinformation
Tofacitinib + starker CYP3A4-Hemmer, z. B. Ketoconazol; oder kombinierte mäßige CYP3A4-/starke CYP2C19-Hemmung, z. B. Fluconazol
Von 5 mg zweimal täglich bzw. 11 mg Retard einmal täglich auf 5 mg Filmtablette einmal täglich reduzieren
Tofacitinib + Rifampicin
Kombination nicht empfohlen; Wirkverlust möglich
Upadacitinib + starker CYP3A4-Hemmer
15 mg/d mit Vorsicht; bei langfristiger Komedikation Alternative zum Hemmer erwägen
Upadacitinib + Rifampicin/Phenytoin
Wirkverlust möglich; Krankheitsaktivität kontrollieren
Baricitinib + Probenecid
2 mg/d bei Erwachsenen; pädiatrisch Halbierung der gewichtsbezogenen Dosis
Baricitinib + Leflunomid
Möglicher Expositionsanstieg; Vorsicht; klinische Bedeutung unklar
Filgotinib + Itraconazol
Kombination meiden; wenn möglich Filgotinib pausieren (Kategorie B). FI abweichend: keine Dosisanpassung erforderlich
Filgotinib + Rifampicin
Kombination mit erhöhter Überwachung, ggf. Dosisanpassung (Kategorie C). FI: keine Dosisanpassung erforderlich
- Grapefruit unter Upadacitinib: vermeiden
- JIA unter Tofacitinib: bei den oben genannten CYP-Hemmern gewichtsbezogene Einzeldosis nur einmal statt zweimal täglich; unter Baricitinib + Probenecid gewichtsbezogene Dosis halbieren
Nierenfunktion, Leberfunktion und Alter
WirkstoffKonkrete Anpassung / Quellenunterschied
MTX
GFR ≤45 ml/min → von Anwendung abraten; bei >45 bis 60 ml/min reduzierte Initialdosis, höchstens 10 mg/Woche, erwägen. FI: CrCl 30–59 ml/min → 50 %; CrCl <30 ml/min → kontraindiziert
HCQ
DGRh Antimalaria 2020: GFR <30 ml/min → höchstens 3 mg/kg tatsächliches Körpergewicht/d. Bei Lupusnephritis abweichende DGRh SLE 2025-Regel: 50 % Dosisreduktion; SLE/Lupusnephritis
Leflunomid
unveränderte Dosis auch bei Niereninsuffizienz/Dialyse. EU-FI: mäßige/schwere Niereninsuffizienz kontraindiziert; Anwendung entgegen dieser Vorgabe (Off-Label)
Sulfasalazin
Tabelle 6: ab 65 Jahren 1.000–1.500 mg/d; Tabelle 7: GFR ≤30 ml/min → kontraindiziert. Geprüfte FI abweichend: keine altersbedingte Dosisreduktion; leichte/mäßige Niereninsuffizienz → Vorsicht; schwere Niereninsuffizienz → kontraindiziert, ohne numerische GFR-Grenze
Tofacitinib
CrCl <30 ml/min oder Child-Pugh B → 5 mg einmal täglich statt 5 mg zweimal täglich bzw. 11 mg Retard; Child-Pugh C → kontraindiziert
Baricitinib
CrCl 30–60 ml/min → 2 mg/d, <30 ml/min → nicht empfohlen
Filgotinib
CrCl 15–<60 ml/min → 100 mg/d, <15 ml/min → nicht empfohlen
Upadacitinib
eGFR 15–<30 ml/min/1,73 m² → 15 mg/d mit Vorsicht; terminale Niereninsuffizienz → nicht empfohlen
- Messgröße: GFR/eGFR und CrCl entsprechend der jeweiligen Quelle; dynamische Nierenfunktionsänderung zusätzlich berücksichtigen
- JAKi ab 65 Jahren: nur ohne geeignete Alternative; zusätzliche Auswahlbeschränkungen bei kardiovaskulärem-/Malignomrisiko und langjähriger Rauchanamnese
- RA ab 65 Jahren: Baricitinib zunächst 2 mg/d, Filgotinib 100 mg/d; weitere Anpassung nach Wirksamkeit/Risiko. Die frühere Altersgrenze von 75 Jahren ist durch aktuelle FI-Angaben überholt
- Baricitinib/Filgotinib: schwere Leberinsuffizienz → nicht empfohlen; Upadacitinib: Child-Pugh C → kontraindiziert
Kategorien: A = gefährliche Kombination; B = Kombination meiden, wenn möglich DMARD-Pause; C = Kombination mit zusätzlicher Überwachung/ggf. Dosisanpassung; D = in Standarddosierungen ohne relevante Interaktion nach damaliger Bewertung
Quellen und Links
Kürzel im TextVollständige Quelle und Volltext
MTX-FI
HCQ-FI
Cotrimoxazol-FI
Leflunomid-FI
Sulfasalazin-FI
Tofacitinib-FI
Upadacitinib-FI
Baricitinib-FI
Filgotinib-FI
Fachinformationen abgerufen: 09.09.2026.
Diese redaktionelle Zusammenfassung unterstützt die fachliche Orientierung. Sie ersetzt weder die Originalleitlinie noch die ärztliche Entscheidung im Einzelfall.