MedikamentBiologische DMARDSs

Abatacept

CTLA-4-Ig-Fusionsprotein, das CD80/CD86 auf antigenpräsentierenden Zellen bindet und damit die CD28-vermittelte Kostimulation von T-Lymphozyten hemmt.

Wirkmechanismus

CTLA-4-Ig-Fusionsprotein, das CD80/CD86 auf antigenpräsentierenden Zellen bindet und damit die CD28-vermittelte Kostimulation von T-Lymphozyten hemmt.

Zugelassene Indikationen

  • Rheumatoide Arthritis: bei Erwachsenen in Kombination mit Methotrexat nach unzureichendem DMARD-Ansprechen sowie bei hochaktiver, progressiver RA ohne vorherige MTX-Therapie.
  • Psoriasis-Arthritis: bei Erwachsenen allein oder mit Methotrexat nach unzureichendem DMARD-Ansprechen, sofern keine zusätzliche systemische Therapie der Hautläsionen erforderlich ist.
  • Mäßige bis schwere aktive polyartikuläre JIA nach unzureichendem Ansprechen auf andere DMARDs einschließlich mindestens Methotrexat: s.c. ab 2 Jahren bzw. i.v. ab 6 Jahren in Kombination mit MTX; Monotherapie bei MTX-Intoleranz oder wenn MTX nicht angezeigt ist.

Vor Therapiebeginn

  • Tuberkulose und Virushepatitis entsprechend geltenden Leitlinien untersuchen; die FI nennt kein fixes Screening- oder Prophylaxeschema.
  • DGRh: aktive Infektion ausschließen; aktuelles Thorax-Röntgen und bei latenter TB Reaktivierungsprophylaxe, z. B. INH + Vitamin B6 ab etwa 4 Wochen vor Abatacept über insgesamt 9 Monate. [DGRh 08/2016]

Kontrollen

  • Krankheitsaktivität indikationsbezogen kontrollieren. Bei aktiver RA gemäß Treat-to-Target alle 1–3 Monate; fehlende Verbesserung nach 3 Monaten bzw. fehlende Zielerreichung nach 6 Monaten erfordert eine Therapieüberprüfung. Klinisch auf Infektionszeichen achten. [S3 RA 2026]
  • BSG/CRP, großes Blutbild, Leber-/Nierenparameter und Urinstatus nach 2–4 Wochen, danach etwa vierteljährlich; Begleitmedikation gesondert berücksichtigen.

Dosierung

Patientengruppe Schema

RA/PsA Erwachsene s.c. 125 mg 1× wöchentlich.

RA/PsA Erwachsene i.v. <60 kg: 500 mg; 60–100 kg: 750 mg; >100 kg: 1.000 mg. Infusion 30 min; Woche 0, 2 und 4, danach alle 4 Wochen.

pJIA 2–17 J. s.c. 10–<25 kg: 50 mg; 25–<50 kg: 87,5 mg; ≥50 kg: 125 mg – jeweils 1× wöchentlich.

pJIA 6–17 J. i.v. <75 kg: 10 mg/kg; ≥75 kg: Erwachsenenschema, max. 1.000 mg.

  • Versäumte s.c. Dosis: innerhalb 3 Tagen nachholen und ursprünglichen Rhythmus fortsetzen; bei >3 Tagen Fortsetzung individuell festlegen.
  • Ältere Patient:innen: keine Anpassung. Nieren-/Leberfunktionsstörung: nicht untersucht, keine Dosisempfehlung.

Unterbrechung / Abbruch

  • Schwerwiegende Infektion: absetzen. Schwere allergische/anaphylaktische Reaktion: sofort dauerhaft beenden und behandeln.
  • Neurologische Symptome mit PML-Verdacht: Behandlung abbrechen und diagnostisch abklären.
  • Bei größeren elektiven Eingriffen bzw. erhöhtem Infektionsrisiko den Eingriff nach DGRh am Ende des konkreten Therapieintervalls planen: s.c. wöchentlich, i.v. vierwöchentlich. Wiederbeginn bei ausreichender Wundheilung und ohne Infektionszeichen; Schubrisiko berücksichtigen. [DGRh perioperativ 2021/2022]

Therapiebeurteilung

Ohne Ansprechen nach 6 Monaten Fortführung sorgfältig prüfen. DGRh empfiehlt bereits nach 3 Monaten eine Zwischenbewertung. [DGRh 08/2016]

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit; schwere und unkontrollierte Infektionen wie Sepsis oder opportunistische Infektionen.

Nebenwirkungen – Auswahl

Sehr häufig: Infektionen der oberen Atemwege.

Häufig: Weitere Atemwegs-/Harnwegsinfektionen, Herpes, Pneumonie/Influenza; Kopfschmerzen/Benommenheit; Hypertonie; Husten; gastrointestinale Beschwerden; Transaminasenerhöhung; Hautausschlag; Fatigue sowie Reaktionen an der Injektionsstelle.

Gelegentlich: Sepsis und weitere Infektionen; Leukopenie/Thrombozytopenie; Überempfindlichkeit; Bronchospasmus/Dyspnoe; Urtikaria/Pruritus/Alopezie/Psoriasis.

Wechselwirkungen

  • TNF-α-Antagonisten nicht kombinieren; erhöhtes Infektionsrisiko.
  • Für Anakinra/Rituximab und weitere Biologika liegen keine ausreichenden Daten vor; additive Immunsuppression vermeiden.
  • Methotrexat, NSAR und Glucocorticoide beeinflussen die Abatacept-Clearance nicht klinisch relevant.

Besondere Hinweise / Schwangerschaft / Stillzeit

  • Lebendimpfstoffe nicht gleichzeitig und bis 3 Monate nach Absetzen anwenden; Hautkontrollen wegen möglicher Malignome werden empfohlen.
  • Bei i.v. ORENCIA: Maltose kann bestimmte GDH-PQQ-basierte Glukosemessungen am Infusionstag verfälschen. Ein nicht mit Maltose interferierendes Verfahren verwenden. [FI 4.4]
  • Schwangerschaft nur bei eindeutiger Erforderlichkeit. Zuverlässige Verhütung während der Behandlung und 14 Wochen danach; in diesem Zeitraum nicht stillen.

Leitlinienergänzung:

EULAR 2024 erlaubt Abatacept in der Schwangerschaft, wenn es zur wirksamen Kontrolle der mütterlichen Erkrankung erforderlich ist (Evidenz/Empfehlungsgrad 4/C).

Für die Stillzeit gilt die Fortführung als kompatibel (4/C); die Evidenz ist wirkstoffabhängig und bedeutet keine Garantie eines Nullrisikos. Dies ist eine eigenständige Empfehlung neben der oben genannten FI. [EULAR Reproduktion 2024, Tabelle 1]

Überdosierung

Bis 50 mg/kg i.v. ohne offensichtliche Toxizität; bei Überdosierung klinisch überwachen und symptomatisch behandeln.

Quellen für dieses Medikament

Fachinformation: FI Abatacept, Abschnitt 4.1–4.9 und 5.1. Verwendeter Volltext: Englisch; abgerufen am 07.09.2026.

DGRh: Abatacept ARZT 08 16 fin, abgerufen am 07.09.2026.

Diese Seite ist eine redaktionelle Zusammenfassung für Fachkreise. Sie ersetzt weder die Fachinformation noch die ärztliche Therapieentscheidung im Einzelfall.