Abatacept
Kurzzusammenfassung
IndikationenRA · PsA; pJIA mit Orencia-Fertigspritzen ab 2 Jahren, i.v. ab 6 Jahren.
Dosierung125 mg s.c. wöchentlich oder 500/750/1.000 mg i.v. nach Gewicht; RA mit MTX.
Gegenanzeigen (Auswahl)Schwere und unkontrollierte Infektion.
Besondere SicherheitsmaßnahmenTbc-/HBV-Screening; Tumoranamnese beachten. I.v.-Form: Maltose-Interferenz bei Glukosemessung.
Wirkmechanismus

CTLA-4-Ig-Fusionsprotein; bindet CD80/CD86 auf antigenpräsentierenden Zellen und hemmt die CD28-vermittelte T-Zell-Kostimulation. [1]

Indikationen

RA: Mäßige bis schwere aktive RA nach unzureichendem DMARD-Ansprechen einschließlich MTX oder TNFi; außerdem hochaktive progrediente RA ohne vorherige MTX-Therapie. Mit MTX. [1]

PsA: Aktive Erkrankung nach unzureichendem DMARD-Ansprechen einschließlich MTX, sofern keine zusätzliche systemische Therapie der Hautläsionen erforderlich ist; allein oder mit MTX. [1]

Polyartikuläre JIA: Mäßige bis schwere aktive Erkrankung nach unzureichender DMARD-Therapie einschließlich MTX. Orencia-Fertigspritze s.c. ab 2 Jahren; Infusion ab 6 Jahren. Mit MTX, bei MTX-Intoleranz oder fehlender Eignung auch allein. Der Fertigpen ist für Erwachsene vorgesehen. [1]

Dosierung und Anwendung

RA s.c.: 125 mg einmal wöchentlich, unabhängig vom Körpergewicht; mit oder ohne einmalige i.v.-Aufsättigung nach Gewicht. Bei i.v.-Aufsättigung erste s.c.-Dosis innerhalb eines Tages. [2][1]

PsA s.c.: 125 mg einmal wöchentlich, unabhängig vom Körpergewicht; keine i.v.-Aufsättigung notwendig. [2][1]

KörpergewichtDosis pro Infusion
<60 kg500 mg
60–100 kg750 mg
>100 kg1.000 mg

I.v.-Intervall: Woche 0, 2 und 4, danach alle 4 Wochen; Infusion über 30 Minuten. DGRh: nach Infusion mindestens 1 Stunde beobachten. [1][2]

Wechsel i.v. → s.c.: Erste s.c.-Gabe zum Zeitpunkt der nächsten geplanten Infusion. [1]

Pädiatrische Dosierungen

KörpergewichtDosis einmal wöchentlich
10 bis <25 kg50 mg
25 bis <50 kg87,5 mg
≥50 kg125 mg

pJIA s.c.: Ohne i.v.-Aufsättigung beginnen. pJIA i.v., 6–17 Jahre: Unter 75 kg 10 mg/kg; ab 75 kg Erwachsenentabelle, maximal 1.000 mg. Woche 0, 2, 4, danach alle 4 Wochen. [1]

Dosisanpassung

Höheres Lebensalter: Keine Dosisanpassung. Nieren-/Leberfunktionsstörung: Nicht untersucht, keine Dosisempfehlung. [1]

Vor Therapiebeginn

Tuberkulose: Anamnese, klinische Untersuchung, IGRA und Thorax-Röntgen; aktive Tuberkulose vor einer LTBI-Prävention ausschließen. [3]

LTBI: Präventive Therapie vor Abatacept beginnen. Kürzere Rifamycin-Schemata bevorzugen: Rifampicin für 4 Monate oder Rifampicin plus Isoniazid für 3 Monate; alternativ Isoniazid für 9 Monate. Wechselwirkungen, Verträglichkeit und Resistenzanamnese berücksichtigen. [3]

Beginn unter LTBI-Prävention: Die gemeinsame Stellungnahme DZK/DGRh/DDG 2021 empfiehlt mindestens 4 Wochen präventive Therapie vor der Immunsuppression. Die S2k-Leitlinie 2022 bezeichnet den frühestmöglichen Start als nicht gesichert und beschreibt 4–8 Wochen als in der Literatur sicher angesehenen Vorlauf. Bei dringlicher Immunsuppression Zeitpunkt interdisziplinär unter Berücksichtigung der Grunderkrankung und des Präventionsverlaufs festlegen. [4][3]

HBV-Screening: HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs; bei HBsAg+ oder Anti-HBc+ zusätzlich HBV-DNA. [5]

HBV-StatusRisiko und Vorgehen
HBsAg+ oder HBsAg−/Anti-HBc+ mit HBV-DNA+ vor TherapiebeginnModerat (1–10 %): antivirale Prophylaxe. [6]
HBsAg−/Anti-HBc+; HBV-DNA−Moderat (1–10 %): Überwachung; bei erhöhtem Gesamtrisiko Prophylaxe erwägen. [6]

Gesamtrisiko: Glukokortikoiddosis/-dauer, weitere Immunsuppression sowie Chemo-/Transplantationsregime berücksichtigen. Anti-HBs+ schließt bei Anti-HBc+ eine Reaktivierung nicht aus. Wenn erforderliche HBV-Kontrollen nicht gesichert sind: Prophylaxe. [5][6]

Kontrollen ohne Prophylaxe: bei HBsAg−/Anti-HBc+/HBV-DNA− HBsAg, HBV-DNA und ALT alle 1–3 Monate. Bei neuem DNA-Nachweis oder HBsAg-Reversion sofort antiviral behandeln, vor Hepatitis. [5]

Prophylaxe: Entecavir oder Tenofovir (TDF/TAF) vor Immunsuppression beginnen, währenddessen und danach 6–12 Monate (bei B-Zell-Depletion mindestens 18 Monate) fortführen. Nach Absetzen weiter überwachen; bei eigenständiger HBV-Therapieindikation länger behandeln. [5]

Impfung: Bei HBsAg−/Anti-HBc− und fehlendem Impfschutz möglichst vor Immunsuppression impfen; Schema und Erfolgskontrolle. [5][7]

Impfstatus: Vor Therapiebeginn prüfen und erforderliche Impfungen unter Beachtung der substanzbezogenen Abstände planen. [8]

Kontrollen

DGRh-Sicherheitslabor: Großes Blutbild, AST/GOT, AP, Kreatinin und Urin-Stix nach 2–4 Wochen, danach vierteljährlich; Begleitmedikation berücksichtigen. BSG/CRP separat zur Aktivitätsbeurteilung. [2]

Klinisch: Infektionen, Lymphknoten und B-Symptome; regelmäßige Hautuntersuchung, besonders bei Hautkrebsrisiko. [2][1]

Wirkbeginn und Therapiebeurteilung

Therapieeffekt nach wenigen Anwendungen möglich. Ohne teilweises Ansprechen nach 3 Monaten beziehungsweise ausreichendes Ansprechen nach 6 Monaten Fortführung kritisch prüfen. [2]

Gegenanzeigen

Schwere und unkontrollierte Infektionen wie Sepsis oder opportunistische Infektionen; Überempfindlichkeit gegen Wirkstoff oder Bestandteile. [1]

Nebenwirkungen und Maßnahmen

Auswahl: Besonders Atemwegsinfektionen; außerdem Kopfschmerzen, Übelkeit, Transaminasenanstieg, Hautausschlag und Injektions-/Infusionsreaktionen. Bei COPD wurden in einer kleinen i.v.-Studiengruppe vermehrt respiratorische und schwerwiegende Ereignisse beobachtet. [1]

Schwerwiegende Infektion: Behandlung abbrechen. Anaphylaxie oder andere schwere allergische Reaktion: Unverzüglich und dauerhaft beenden, Reaktion behandeln. PML-Verdacht: Abatacept abbrechen und gezielt diagnostisch abklären. [1]

Wechselwirkungen

TNF-Inhibitoren: Kombination nicht empfohlen; mehr schwere Infektionen ohne nachgewiesenen Zusatznutzen. Kombination mit anderen Biologika nicht empfohlen. MTX, NSAR und Glukokortikoide: Keine klinisch relevante Änderung der Abatacept-Clearance. [1][2]

Tumoranamnese

Entzündliche Arthritis und Tumor in Remission: Abatacept nach EULAR nur vorsichtig und bei fehlenden therapeutischen Alternativen einsetzen. Bei aktiver Tumorerkrankung gemeinsame Entscheidung mit Onkologie. [9]

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: Anwendbar, wenn zur wirksamen Kontrolle der mütterlichen Erkrankung erforderlich. [10]

Stillzeit: Mit dem Stillen vereinbar. [10]

Väterlicher Kinderwunsch: Fortführung möglich. [10]

Säuglingsimpfungen: Totimpfstoffe nach regulärem Impfplan. Nach intrauteriner Exposition im 2./3. Trimenon Lebendimpfungen bis zum Alter von 6 Monaten verschieben. [10]

Fachinformation: Schwangerschaft nur bei klinischer Erforderlichkeit; zuverlässige Kontrazeption während und bis 14 Wochen nach Therapieende. Stillen in diesem Zeitraum unterbrechen. Bei intrauteriner Exposition nennt die FI für Säuglinge eine Lebendimpfpause bis 14 Wochen nach der letzten maternalen Gabe während der Schwangerschaft. [1]

Impfungen

Lebendimpfstoffe: Während Abatacept und innerhalb von 3 Monaten nach Absetzen vermeiden. Nichtlebendimpfstoffe: Möglich; Impfantwort kann vermindert sein. Bei pJIA Impfschutz vor Beginn aktualisieren. [1]

Abstand zu Lebendimpfstoffen: Mindestens 4 Wochen vor Therapiebeginn oder frühestens 3 Monate nach der letzten Dosis. [8]

Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe

Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [7]

ImpfungIndikation / Schema
InfluenzaJährlich bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren; inaktivierter Impfstoff, ab 60 Jahren Hochdosis- oder MF59-adjuvantiert.
COVID-19Jährlich bei relevanter Immunsuppression/weiterem Risikofaktor oder ab 75 Jahren, bevorzugt Spätsommer/Frühherbst. Bei ausgeprägter Immundefizienz zusätzliche Dosen/verkürzte Abstände individuell. [11]
Pneumo­kokkenPCV20 bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren. Nach PCV13/15 ≥1 Jahr; nach PPSV23 ≥6 Jahre, bei ausgeprägter Immundefizienz gegebenenfalls ≥1 Jahr.
Herpes zosterAb 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression.
Hepatitis BBei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l.
RSVEinmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/Immundefizienz oder Pflegeheimbewohnenden. Möglichst vor der RSV-Saison.

Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [7]

Operationen

Größere elektive Eingriffe/erhöhtes Infektionsrisiko: Pausieren und Operation am Ende des jeweiligen Intervalls planen: s.c. wöchentlich, i.v. vierwöchentlich. Wiederbeginn bei ausreichender Wundheilung ohne Infektionszeichen. [12]

ACR/AAHKS – elektive Hüft-/Knieendoprothetik bei entzündlicher Arthritis: Bei wöchentlicher s.c.-Gabe Operation in Woche 2, bei monatlicher i.v.-Gabe in Woche 5 nach der letzten Dosis planen. Wiederbeginn nach Wundheilung, Entfernung von Fäden/Klammern und ohne relevante Schwellung, Rötung, Sekretion oder anderweitige Infektion; typischerweise nach etwa 14 Tagen. [13]

Alltag und Handhabung

S.c.-Anwendung: Nach Schulung; etwa 30 Minuten vor Anwendung aus dem Kühlschrank nehmen, nicht schütteln. Versäumte s.c.-Dosis: Bis 3 Tage nachholen und bisherigen Rhythmus fortsetzen; bei >3 Tagen Fortsetzung individuell ärztlich festlegen. [1]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

Orencia: Kühl bei 2–8 °C, Lichtschutz. [1]

Orencia 250 mg Infusionspulver

250 mg je Durchstechflasche; nach Rekonstitution 25 mg/ml, anschließend verdünnen. Silikonfreie Spritze verwenden. Maltose: GDH-PQQ-basierte Glukosemessung kann am Infusionstag falsch hohe Werte liefern; nicht interferierende Messmethode verwenden. [1]

Anbruch: Rekonstituierte Lösung aus mikrobiologischer Sicht sofort verdünnen, fertige Infusion sofort verwenden. Chemisch/physikalisch jeweils 24 Stunden bei 2–8 °C stabil, für die fertige Infusion bei unmittelbarer Verdünnung; Infusion innerhalb von 24 Stunden nach Rekonstitution abschließen. [1]

Orencia Fertigspritzen

50 mg/0,4 ml, 87,5 mg/0,7 ml und 125 mg/1 ml; jeweils 125 mg/ml. Für gewichtsadaptierte pJIA-Therapie ab 2 Jahren sowie 125 mg bei Erwachsenen. Enthält Saccharose; nicht einfrieren. [1]

Orencia 125 mg Fertigpen

125 mg/1 ml für Erwachsene; keine pädiatrische Pen-Zulassung. Enthält Saccharose; nicht einfrieren. [1]

Überdosierung und Antidot

Bis 50 mg/kg i.v. ohne offensichtliche toxische Wirkung untersucht. Bei Überdosierung auf Nebenwirkungen überwachen und gegebenenfalls symptomatisch behandeln. [1]

Quellen und Links