MedikamentBiologische DMARDs

Adalimumab

Vollhumaner monoklonaler Antikörper gegen TNF-α. Adalimumab neutralisiert TNF-α und hemmt dadurch TNF-vermittelte Entzündungssignale.

Wirkmechanismus

Vollhumaner monoklonaler Antikörper gegen TNF-α. Adalimumab neutralisiert TNF-α und hemmt dadurch TNF-vermittelte Entzündungssignale.

Zugelassene Indikationen

Die Zulassung ist je nach Erkrankung an Aktivität, Schweregrad und Vorbehandlung geknüpft.

  • Rheumatoide Arthritis, Psoriasis-Arthritis sowie axiale Spondyloarthritis einschließlich AS und nr-axSpA bei Erwachsenen.
  • Polyartikuläre JIA ab 2 Jahren und Enthesitis-assoziierte Arthritis ab 6 Jahren.
  • Plaque-Psoriasis bei Erwachsenen und ab 4 Jahren; Hidradenitis suppurativa ab 12 Jahren.
  • Morbus Crohn und Colitis ulcerosa bei Erwachsenen und ab 6 Jahren.
  • Erwachsene: nichtinfektiöse intermediäre Uveitis, posteriore Uveitis und Panuveitis nach unzureichendem Corticosteroid-Ansprechen, bei notwendiger Corticosteroid-Einsparung oder wenn Corticosteroide ungeeignet sind.
  • Kinder ab 2 Jahren: chronische nichtinfektiöse anteriore Uveitis nach unzureichendem Ansprechen auf konventionelle Therapie, bei deren Unverträglichkeit oder wenn diese ungeeignet ist.

Vor Therapiebeginn

  • Auf aktive und latente TB untersuchen: Anamnese plus geeignete Tests; die FI nennt Tuberkulinhauttest und Röntgen-Thorax und verweist auf nationale Empfehlungen. Bei latenter TB Prophylaxe vor der ersten Dosis beginnen.
  • Auf Hepatitis B untersuchen; aktive schwere Infektionen ausschließen. NYHA III/IV ist kontraindiziert.
  • DGRh: Impfstatus aktualisieren sowie Basislabor mit Entzündungsparametern, Blutbild, Leberwerten und Kreatinin. [DGRh 11/2019]

Kontrollen

Klinisch auf Infektionen/opportunistische Infektionen achten. BSG/CRP, großes Blutbild, GOT/GPT und Kreatinin in den ersten 3 Monaten etwa alle 4 Wochen, danach alle 8–12 Wochen.

Dosierung

  • RA Erwachsene: 40 mg s.c. jede 2. Woche; Methotrexat möglichst fortführen. Bei Monotherapie und unzureichendem Ansprechen 40 mg wöchentlich oder 80 mg jede 2. Woche möglich.
  • Klinisches Ansprechen bei RA meist innerhalb 12 Wochen; bei fehlendem Ansprechen Fortführung überdenken. Andere Indikationen haben eigene Induktions-/Erhaltungsschemata gemäß FI.
  • Ältere Patient:innen: keine Anpassung. Nieren-/Leberfunktionsstörung: nicht untersucht, keine Dosisempfehlung.

Unterbrechung / Abbruch

  • Schwere Infektion oder Sepsis: absetzen, bis die Infektion kontrolliert ist; schwere allergische/anaphylaktische Reaktion: sofort absetzen.
  • Demyelinisierende Erkrankung: Absetzen erwägen. Lupusähnliches Syndrom mit Anti-dsDNA: nicht weiterbehandeln. Neue oder verschlechterte Herzinsuffizienz: absetzen.
  • Bei größeren elektiven Eingriffen bzw. erhöhtem Infektionsrisiko den Eingriff nach DGRh am Ende des tatsächlich verwendeten Dosierungsintervalls planen; bei RA meist nach dem zweiwöchentlichen, bei wöchentlicher Gabe nach dem einwöchentlichen Intervall. Wiederbeginn bei ausreichender Wundheilung ohne Infektionszeichen. [DGRh perioperativ 2021/2022]

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit; aktive TB oder andere schwere Infektionen; mäßige bis schwere Herzinsuffizienz NYHA III/IV.

Nebenwirkungen – Auswahl

Sehr häufig: Respiratorische Infektionen; Leukopenie inkl. Neutropenie/Agranulozytose, Anämie; Kopfschmerzen; Abdominalschmerzen, Übelkeit/Erbrechen; erhöhte Leberenzyme; Hautausschlag; muskuloskelettale Schmerzen; Reaktionen an der Injektionsstelle.

Häufig: Leukozytose/Thrombozytopenie; Parästhesien/Migräne; Tachykardie/Hypertonie; Asthma/Dyspnoe/Husten; Psoriasis, Urtikaria, Alopezie/Pruritus/Dermatitis; Fieber, Ödeme, Brustschmerzen; beeinträchtigte Wundheilung.

Gelegentlich: Neuropathie/Tremor, zerebrovaskuläre Ereignisse; Arrhythmie, dekompensierte Herzinsuffizienz/Myokardinfarkt; interstitielle Lungenerkrankung; Pankreatitis; systemischer Lupus erythematodes.

Selten / nicht bekannt: Demyelinisierende Erkrankungen; Hepatitis/HBV-Reaktivierung/Autoimmunhepatitis; lupusähnliches Syndrom; Leberversagen (nicht bekannt).

Wechselwirkungen

  • Anakinra, Abatacept, andere Biologika und weitere TNF-Antagonisten nicht kombinieren; erhöhtes Infektionsrisiko.
  • Methotrexat vermindert die Bildung von Anti-Adalimumab-Antikörpern und die Clearance.
  • DGRh rät auch von Kombinationen mit JAK-Inhibitoren ab. [DGRh 11/2019]

Besondere Hinweise / Schwangerschaft / Stillzeit

  • Lebendimpfstoffe während der Therapie vermeiden.
  • Frauen im gebärfähigen Alter sollten geeignete Empfängnisverhütung in Erwägung ziehen und diese bis mindestens 5 Monate nach der letzten Anwendung fortführen. Anwendung in der Schwangerschaft gemäß FI nur bei eindeutiger Erforderlichkeit. [FI 4.6]
  • Nach intrauteriner Exposition Lebendimpfstoffe beim Säugling erst 5 Monate nach der letzten mütterlichen Adalimumab-Dosis in der Schwangerschaft. Stillen ist möglich.

Leitlinienergänzung: Nach EULAR 2024 kann Adalimumab während der gesamten Schwangerschaft angewendet werden; Stillen ist kompatibel (jeweils 2a/B). Nach intrauteriner TNF-Inhibitor-Exposition kann die Rotavirusimpfung nach dem üblichen Zeitplan erfolgen. BCG ist bei relevanter später Exposition – bei Adalimumab nach Schwangerschaftswoche 20 – bis zum Alter von 6 Monaten aufzuschieben. Das unterscheidet sich von der pauschaleren FI-Vorgabe für Lebendimpfstoffe; den Impfplan mit der Pädiatrie abstimmen. [EULAR Reproduktion 2024, Empfehlung 5 und Erläuterung]

Überdosierung

Keine dosislimitierende Toxizität beobachtet; bei Überdosierung überwachen und symptomatisch behandeln.

Quellen für dieses Medikament

Fachinformation: FI Adalimumab, Abschnitt 4.1–4.9 und 5.1. Verwendeter Volltext: Deutsch; abgerufen am 07.09.2026.

DGRh: Adalimumab ARZT 11 2019, abgerufen am 07.09.2026.

Diese Seite ist eine redaktionelle Zusammenfassung für Fachkreise. Sie ersetzt weder die Fachinformation noch die ärztliche Therapieentscheidung im Einzelfall.