Medikament

Anakinra

Wirkmechanismus

Rekombinanter humaner IL-1-Rezeptorantagonist; hemmt kompetitiv die Bindung von IL-1α und IL-1β an den IL-1-Typ-I-Rezeptor.

Zugelassene Indikationen

  • Rheumatoide Arthritis: Erwachsene in Kombination mit Methotrexat nach unzureichendem MTX-Ansprechen.
  • COVID-19: Erwachsene mit Pneumonie, zusätzlichem Sauerstoffbedarf und suPAR ≥6 ng/ml.
  • CAPS sowie familiäres Mittelmeerfieber ab 8 Monaten und mindestens 10 kg Körpergewicht.
  • Still-Syndrom (SJIA/AOSD) ab 8 Monaten und mindestens 10 kg bei aktiven systemischen Merkmalen bzw. persistierender Aktivität nach NSAR oder Glucocorticoiden.

Vor Therapiebeginn

  • Absolute Neutrophilenzahl bestimmen; bei <1,5 × 10⁹/l nicht beginnen. Auf latente TB und virale Hepatitis entsprechend Leitlinien untersuchen.
  • DGRh: aktive Infektion ausschließen, Impfstatus prüfen sowie BSG/CRP, Blutbild, GOT/GPT und Kreatinin als Basislabor. [DGRh 11/2019]

Kontrollen

  • Neutrophile vor Beginn, in den ersten 6 Monaten monatlich, danach vierteljährlich.
  • Still-Syndrom: Leberenzymkontrolle im ersten Monat erwägen, besonders bei Risikofaktoren oder Symptomen.
  • DGRh: BSG/CRP, großes Blutbild, GOT/GPT und Kreatinin in den ersten 3 Monaten etwa alle 4 Wochen, danach alle 8–12 Wochen. [DGRh 11/2019]

Dosierung

RA: 100 mg s.c. 1× täglich.

COVID-19: 100 mg s.c. 1× täglich für 10 Tage.

CAPS: Start 1–2 mg/kg/Tag; bei schwerem CAPS meist 3–4 mg/kg/Tag, bei Bedarf bis max. 8 mg/kg/Tag.

FMF: ≥50 kg: 100 mg/Tag; <50 kg: 1–2 mg/kg/Tag s.c.; bei Kindern mit unzureichendem Ansprechen Steigerung bis 4 mg/kg/Tag möglich. Gegebenenfalls mit Colchicin kombinieren.

Still-Syndrom: ≥50 kg: 100 mg/Tag; <50 kg: Start 1–2 mg/kg/Tag s.c.; bei Kindern mit unzureichendem Ansprechen Steigerung bis 4 mg/kg/Tag möglich.

  • Nierenfunktion: CrCl 60–89 ml/min keine Anpassung; 30–59 ml/min vorsichtig; <30 ml/min/terminale Niereninsuffizienz ggf. jeden 2. Tag. Mäßige Leberfunktionsstörung: keine Anpassung; schwere: vorsichtig.

Unterbrechung / Abbruch

  • Neutrophile <1,5 × 10⁹/l unter Therapie: absetzen und engmaschig kontrollieren.
  • Schwere Infektion: bei RA absetzen. Bei CAPS/FMF kann wegen Schubrisiko im Einzelfall unter enger Überwachung fortgesetzt werden; bei COVID-19 kann eine sekundäre Infektion eine Fortführung zulassen.
  • Bei DRESS ohne alternative Ursache absetzen. Bei größeren elektiven Eingriffen ist nach DGRh eine präoperative Anakinra-Pause von 1–2 Tagen ausreichend; Wiederbeginn bei ausreichender Wundheilung ohne Infektionszeichen. [FI 4.4; DGRh perioperativ 2021/2022]

Therapiebeurteilung

RA: Wirkung meist innerhalb 2 Wochen, maximales Ansprechen häufig bis 12 Wochen. Still-Syndrom: Ansprechen nach 1 Monat beurteilen.

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegen Anakinra, Bestandteile oder aus E. coli gewonnene Proteine; ANC <1,5 × 10⁹/l bei Therapiebeginn.

Nebenwirkungen – Auswahl

Sehr häufig: Reaktionen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen, erhöhter Cholesterinspiegel.

Häufig: Schwerwiegende Infektionen, Neutropenie, Thrombozytopenie.

Gelegentlich: Allergische Reaktionen einschließlich Anaphylaxie/Angioödem/Urtikaria/Pruritus, erhöhte Leberenzyme, Hautausschlag.

Nicht bekannt: Nichtinfektiöse Hepatitis, DRESS, Amyloidablagerungen an der Injektionsstelle.

Wechselwirkungen

  • Kombination mit TNF-α-Antagonisten nicht empfohlen; mehr schwere Infektionen und Neutropenien ohne zusätzlichen Nutzen.
  • Durch Normalisierung entzündungsbedingt supprimierter CYP-Aktivität kann sich die Exposition empfindlicher CYP-Substrate ändern; bei enger therapeutischer Breite wie Warfarin/Phenytoin überwachen.
  • DGRh rät von Kombinationen mit anderen Biologika oder JAK-Inhibitoren ab. [DGRh 11/2019]

Besondere Hinweise / Schwangerschaft / Stillzeit

  • Lebendimpfstoffe nicht gleichzeitig anwenden. Bei Still-Syndrom + Trisomie 21 auf pulmonale Ereignisse achten; bei Amyloid an der Injektionsstelle auf systemische Amyloidose prüfen.
  • Schwangerschaft: aus Vorsichtsgründen nicht empfohlen; zuverlässige Verhütung. Stillen während der Behandlung unterbrechen.

Überdosierung

Leitlinienergänzung: EULAR 2024 erlaubt Anakinra in der Schwangerschaft, wenn es zur wirksamen Kontrolle der mütterlichen Erkrankung erforderlich ist (Evidenz/Empfehlungsgrad 4/C). Für die Stillzeit gilt die Fortführung als kompatibel (2a/B); die Evidenz ist wirkstoffabhängig und bedeutet keine Garantie eines Nullrisikos. Dies ist eine eigenständige Empfehlung neben der oben genannten FI. [EULAR Reproduktion 2024, Tabelle 1]

Auch bei deutlich höheren i.v. Dosen wurden keine dosislimitierenden Toxizitäten beobachtet; bei Überdosierung klinisch überwachen und symptomatisch behandeln.

Quellen für dieses Medikament

Fachinformation: FI Anakinra, Abschnitt 4.1–4.9 und 5.1. Verwendeter Volltext: Deutsch; abgerufen am 07.09.2026.

DGRh: Anakinra-ARZT 11 2019, abgerufen am 07.09.2026.

Diese Seite ist eine redaktionelle Zusammenfassung für Fachkreise. Sie ersetzt weder die Fachinformation noch die ärztliche Therapieentscheidung im Einzelfall.