Medikament

Belimumab

Wirkmechanismus

Belimumab ist ein humaner monoklonaler IgG1λ-Antikörper gegen lösliches BLyS/BAFF. Durch Blockade der Bindung von BLyS an BLyS/BAFF-Rezeptoren auf B-Zellen wird das Überleben von B-Zellen einschließlich autoreaktiver B-Zellen vermindert und die Differenzierung zu Immunglobulin-bildenden Plasmazellen reduziert.

Zugelassene Indikationen

  • Systemischer Lupus erythematodes (SLE): Zusatztherapie bei Patienten ab 5 Jahren mit aktivem, Autoantikörper-positivem SLE und trotz Standardtherapie hoher Krankheitsaktivität.
  • Aktive Lupusnephritis: in Kombination mit immunsuppressiven Basistherapien bei Erwachsenen.

Vor Therapiebeginn

  • Allgemeinstatus mit besonderem Augenmerk auf aktive Infektionen; Benlysta darf bei aktiven schweren Infektionen nicht eingesetzt werden.
  • Risiko für Depressionen und Suizidalität anhand Anamnese und aktuellem psychiatrischem Zustand vor Beginn bewerten.
  • DGRh empfiehlt Basislabor mit großem Blutbild, GOT, GPT und Kreatinin sowie Überprüfung/Aktualisierung des Impfstatus. [DGRh 03/2026]
  • Benlysta wurde u. a. bei HIV, früherer/aktueller Hepatitis B oder C, Hypogammaglobulinämie (IgG <400 mg/dl), IgA-Mangel (<10 mg/dl) sowie nach bestimmten Organ-/Stammzelltransplantationen nicht untersucht und wird dort nicht empfohlen.

Schwerer aktiver ZNS-Lupus: nicht untersucht; die Anwendung wird nicht empfohlen. [FI 4.4]

Ein obligates TB-Screening wird in der vorliegenden Benlysta-Fachinformation nicht vorgegeben; das Risiko bei aktiver oder latenter TB wird als unbekannt beschrieben.

Kontrollen

  • Krankheitsaktivität kontinuierlich überwachen; bei SLE nach 6 Monaten ohne Verbesserung Abbruch in Erwägung ziehen.
  • Auf Infektionen, neue oder zunehmende depressive/suizidale Symptome, Hautreaktionen und neurologisch-psychiatrische Zeichen einer PML achten.
  • DGRh: Sicherheits- und Aktivitätsparameter (BSG, CRP, großes Blutbild, GOT) nach ca. 4 Wochen, danach je nach Krankheitsaktivität etwa alle 3 Monate. [DGRh 03/2026]
  • DGRh: C3, C4 und Anti-dsDNA je nach Krankheitsaktivität etwa alle 3–6 Monate. [DGRh 03/2026]

Dosierung

Subkutan – SLE Erwachsene: 200 mg einmal wöchentlich.

SLE – Kinder/Jugendliche 5 bis <18 Jahre - Subkutane Dosis:

  • ≥50 kg: 200 mg einmal wöchentlich
  • 30 bis <50 kg: 200 mg alle 10 Tage
  • 15 bis <30 kg: 200 mg alle 2 Wochen

Subkutan – aktive Lupusnephritis bei Erwachsenen: bei Neubeginn 400 mg einmal wöchentlich für 4 Wochen, danach 200 mg einmal wöchentlich. Bei bereits laufender Benlysta-Therapie 200 mg einmal wöchentlich.

Intravenös – SLE oder aktive Lupusnephritis: 10 mg/kg Körpergewicht an den Tagen 0, 14 und 28, anschließend alle 4 Wochen; Infusionsdauer 1 Stunde.

Bei aktiver Lupusnephritis Kombination mit Corticosteroiden und Mycophenolat oder Cyclophosphamid zur Induktion sowie Mycophenolat oder Azathioprin zur Erhaltung.

Ältere Patienten: keine Dosisanpassung, aber Vorsicht wegen begrenzter Daten. Nierenfunktionsstörung: keine Dosisanpassung erforderlich, bei Niereninsuffizienz wegen begrenzter Daten Vorsicht. Leberfunktionsstörung: Dosisanpassung wahrscheinlich nicht erforderlich.

Unterbrechung / Abbruch

  • Schwere Überempfindlichkeits-/Infusionsreaktion: Verabreichung unterbrechen und geeignete Therapie einleiten.
  • Bei Infektion während der Therapie engmaschig überwachen; Unterbrechung der immunsuppressiven Therapie einschließlich Benlysta bis zur Überwindung der Infektion sorgfältig abwägen.
  • Bei neuen oder zunehmenden Depressionen/Suizidgedanken oder -verhalten Therapieabbruch in Betracht ziehen.
  • Bei Verdacht auf PML immunsuppressive Therapie einschließlich Benlysta aussetzen, bis PML ausgeschlossen ist; bei bestätigter PML absetzen.
  • Bei Zeichen von SJS/TEN sofort absetzen; nach bestätigtem SJS/TEN niemals wieder anwenden.
  • Perioperativ: Der DGRh-Arztbogen 03/2026 nennt eine einmalige Pause in der Operationswoche. Die übergreifende DGRh-Empfehlung empfiehlt bei größeren elektiven Eingriffen die Planung am Ende des jeweiligen Therapieintervalls; s.c. und i.v. Schema unterscheiden. Bei schwerem SLE sieht ACR/AAHKS 2022 für elektiven Hüft-/Kniegelenkersatz eine bedingte Fortführungsempfehlung vor. Entscheidung mit behandelnder Rheumatologie und Operateur nach Infektions-/Schubrisiko treffen. [DGRh 03/2026; DGRh perioperativ; ACR/AAHKS 2022]

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegen Belimumab oder einen sonstigen Bestandteil.

Die weiteren in Abschnitt 4.4 aufgeführten Situationen sind Warnhinweise bzw. „nicht empfohlen“-Konstellationen und keine zusätzlichen formalen Gegenanzeigen nach Abschnitt 4.3.

Nebenwirkungen – Auswahl

Infektionen

  • Sehr häufig: Bakterielle Infektionen, z. B. Bronchitis, Harnwegsinfekt
  • Häufig:Virale Gastroenteritis, Pharyngitis, Nasopharyngitis, virale Infektion der oberen Atemwege

Blut/Lymphsystem

  • Häufig: Leukopenie

Immunsystem

  • Häufig: Überempfindlichkeitsreaktionen
  • Gelegentlich. Anaphylaktische Reaktion
  • Selten: Nicht-akute Überempfindlichkeitsreaktionen vom verzögerten Typ

Psychiatrisch

  • Häufig: Depression
  • Gelegentlich: Suizidverhalten, Suizidgedanken

Nervensystem

  • Häufig: Migräne

Gastrointestinal

  • Häufig: Diarrhö, Übelkeit

Haut

  • Häufig: Reaktionen an der Injektionsstelle, Urtikaria, Ausschlag
  • Gelegentlich: Angioödem
  • Nicht bekannt: Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse

Bewegungsapparat

  • Häufig: Schmerzen in den Extremitäten

Allgemein

  • Häufig: Systemische Reaktionen im Zusammenhang mit Infusion/Injektion, Fieber

Wechselwirkungen

  • Die verfügbaren Daten unterstützen nicht die gemeinsame Anwendung von Rituximab mit Benlysta bei SLE; bei anderen B-Zell-gerichteten Therapien ist Vorsicht geboten.
  • Bei CYP-Substraten mit enger therapeutischer Breite und individuell angepasster Dosis (z. B. Warfarin) bei Beginn oder Absetzen von Belimumab therapeutische Überwachung in Erwägung ziehen.
  • DGRh rät von der Kombination mit anderen Biologika ab. [DGRh 03/2026]

Besondere Hinweise / Schwangerschaft / Stillzeit

  • Lebendimpfstoffe sollen in den letzten 30 Tagen vor sowie während der Anwendung nicht verabreicht werden.
  • Pneumokokken-Impfung vor Therapiebeginn in Betracht ziehen.

Frauen im gebärfähigen Alter: zuverlässige Verhütung während der Therapie und mindestens 4 Monate danach.

Schwangerschaft: Benlysta soll nicht angewendet werden, es sei denn, der potenzielle Nutzen rechtfertigt das potenzielle Risiko.

Stillzeit: Entscheidung zwischen Unterbrechung des Stillens und Verzicht/Unterbrechung der Benlysta-Therapie unter Abwägung des Nutzens für Kind und Mutter.

Leitlinienergänzung: EULAR 2024 erlaubt Belimumab in der Schwangerschaft, wenn es zur wirksamen Kontrolle der mütterlichen Erkrankung erforderlich ist (Evidenz/Empfehlungsgrad 4/C). Für die Stillzeit gilt die Fortführung als kompatibel (4/C); die Evidenz ist wirkstoffabhängig und bedeutet keine Garantie eines Nullrisikos. Dies ist eine eigenständige Empfehlung neben der oben genannten FI. [EULAR Reproduktion 2024, Tabelle 1]

Überdosierung

Begrenzte Erfahrungen. Zwei i.v. Dosen bis 20 mg/kg im Abstand von 21 Tagen führten nicht zu einer erhöhten Inzidenz oder Schwere von Nebenwirkungen. Bei versehentlicher Überdosierung sorgfältig überwachen und supportive Behandlung durchführen.

Quellen für dieses Medikament

Fachinformation: FI Belimumab, Abschnitt 4.1–4.9 und 5.1. Verwendeter Volltext: Englisch; abgerufen am 07.09.2026.

DGRh: Belimumab Arzt 03 2026, abgerufen am 07.09.2026.

Diese Seite ist eine redaktionelle Zusammenfassung für Fachkreise. Sie ersetzt weder die Fachinformation noch die ärztliche Therapieentscheidung im Einzelfall.