Medikament

Bimekizumab

Wirkmechanismus

Bimekizumab ist ein humanisierter monoklonaler IgG1/κ-Antikörper, der mit hoher Affinität an IL-17A, IL-17F und IL-17AF bindet und deren Interaktion mit dem IL-17RA/IL-17RC-Rezeptorkomplex blockiert.

Zugelassene Indikationen

  • Mittelschwere bis schwere Plaque-Psoriasis bei Erwachsenen, die für eine systemische Therapie infrage kommen.
  • Aktive Psoriasis-Arthritis bei Erwachsenen nach unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit gegenüber einem oder mehreren DMARDs; allein oder in Kombination mit Methotrexat.
  • Nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis bei Erwachsenen mit objektiven Entzündungszeichen und unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit gegenüber NSAR.
  • Aktive ankylosierende Spondylitis bei Erwachsenen mit unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit gegenüber konventioneller Therapie.
  • Aktive mittelschwere bis schwere Hidradenitis suppurativa bei Erwachsenen nach unzureichendem Ansprechen auf eine konventionelle systemische HS-Therapie.

Vor Therapiebeginn

  • Auf TB-Infektion untersuchen; bei aktiver TB darf Bimekizumab nicht angewendet werden. [FI 4.3/4.4]
  • Bei latenter oder früherer aktiver TB ohne gesicherte adäquate Vorbehandlung Anti-TB-Therapie vor Beginn in Erwägung ziehen. [FI 4.4]
  • DGRh: Thorax-Röntgen nicht älter als 3 Monate und geeigneter Screeningtest, vorzugsweise IGRA. [DGRh 03/2024]
  • DGRh: bei latenter TB Prophylaxe möglichst 4 Wochen vor Therapiebeginn, entweder Isoniazid für insgesamt 9 Monate oder Rifampicin für insgesamt 4 Monate. [DGRh 03/2024]
  • DGRh: Allgemeinstatus zum Ausschluss aktiver Infektion, Impfstatus überprüfen/aktualisieren sowie großes Blutbild, GPT und Kreatinin. [DGRh 03/2024]

Kontrollen

  • Auf Infektionen, orale Candidose, Durchfälle und andere mögliche Zeichen einer entzündlichen Darmerkrankung achten.
  • DGRh: BSG/CRP, großes Blutbild, GPT und Kreatinin in den ersten 3 Monaten etwa alle 4 Wochen, danach etwa alle 3 Monate. [DGRh 03/2024]

Dosierung

Plaque-Psoriasis: 320 mg s.c. in Woche 0, 4, 8, 12 und 16, danach alle 8 Wochen.

Psoriasis-Arthritis: 160 mg s.c. alle 4 Wochen.

PsA + mittelschwere/schwere Plaque-Psoriasis: Wie Plaque-Psoriasis: 320 mg in Woche 0, 4, 8, 12, 16, danach alle 8 Wochen; nach Woche 16 bei unzureichender Gelenkkontrolle Umstellung auf 160 mg alle 4 Wochen erwägen.

Axiale Spondyloarthritis: 160 mg s.c. alle 4 Wochen.

Hidradenitis suppurativa: 320 mg s.c. alle 2 Wochen bis Woche 16, danach alle 4 Wochen.

Bei fehlender Besserung nach 16 Behandlungswochen ist ein Absetzen in Erwägung zu ziehen.

Bei älteren Patienten keine Dosisanpassung. Bei Leber- oder Nierenfunktionsstörung wurde Bimekizumab nicht untersucht; aufgrund der Pharmakokinetik werden Dosisanpassungen nicht als notwendig erachtet.

Unterbrechung / Abbruch

  • Klinisch relevante aktive Infektion: Therapie nicht einleiten. Entwickelt sich eine schwere Infektion oder spricht eine Infektion nicht auf Standardtherapie an, Behandlung unterbrechen, bis die Infektion abgeklungen ist.
  • Neue oder sich verschlechternde entzündliche Darmerkrankung: Bimekizumab absetzen und geeignete Behandlung einleiten.
  • Schwerwiegende Überempfindlichkeitsreaktion: unverzüglich absetzen und geeignete Therapie einleiten
  • Perioperativ empfiehlt die DGRh, elektive Eingriffe am Ende des Spritzenintervalls zu planen und die Behandlung erst nach Abschluss der Wundheilung fortzusetzen. [DGRh 03/2024]

Therapiebeurteilung

  • Bei fehlender Besserung nach 16 Wochen Absetzen in Erwägung ziehen.
  • DGRh: Wirkungseintritt meist nach etwa 2–4 Wochen; bei fehlender Besserung nach 3–4 Monaten Fortsetzung kritisch überprüfen. [DGRh 03/2024]

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegen Bimekizumab oder einen sonstigen Bestandteil.
  • Klinisch relevante aktive Infektionen, z. B. aktive Tuberkulose.

Die DGRh bezeichnet auch eine unbehandelte latente TB als Kontraindikation. Die aktuelle FI führt latente TB nicht als formale Gegenanzeige, sondern als Situation auf, in der eine Anti-TB-Therapie vor Beginn erwogen werden soll; für die formale Gegenanzeigenliste gilt daher die FI.

Nebenwirkungen – Auswahl

Infektionen

  • Sehr häufig: Infektionen der oberen Atemwege
  • Häufig: Orale Candidose, Tinea-Infektionen, Ohreninfektion, Herpes-simplex-Infektionen, Candidose des Oropharynx, Gastroenteritis, Follikulitis, vulvovaginale Pilzinfektion
  • Gelegentlich: Mukositis und kutane Candidose einschließlich ösophagealer Candidose; Konjunktivitis

Blut/Lymphsystem

  • Gelegentlich: Neutropenie

Nervensystem

  • Häufig: Kopfschmerzen

Gastrointestinal

  • Gelegentlich: Entzündliche Darmerkrankung

Haut

  • Häufig: Ausschlag, Dermatitis, Ekzem, Akne

Allgemein

  • Häufig: Reaktionen an der Injektionsstelle, Ermüdung/Fatigue

Wechselwirkungen

  • Keine spezifischen Interaktionsstudien. Durch Normalisierung entzündungsbedingt supprimierter CYP450-Aktivität kann die Exposition von CYP450-Substraten sinken.
  • Bei CYP450-Substraten mit enger therapeutischer Breite und individueller Dosisanpassung, z. B. Warfarin, bei Beginn der Bimekizumab-Therapie therapeutische Überwachung in Betracht ziehen.
  • cDMARDs einschließlich Methotrexat oder frühere Biologika beeinflussen die Bimekizumab-Clearance nicht klinisch relevant.
  • DGRh rät von einer Kombination mit anderen Biologika ab. [DGRh 03/2024]

Besondere Hinweise / Schwangerschaft / Stillzeit

  • Bimekizumab wird bei entzündlicher Darmerkrankung nicht empfohlen.
  • Lebendimpfstoffe dürfen während der Behandlung nicht verabreicht werden; inaktivierte/Totimpfstoffe sind möglich.
  • Frauen im gebärfähigen Alter: zuverlässige Verhütung während der Behandlung und mindestens 17 Wochen danach.

Schwangerschaft: Anwendung aus Vorsichtsgründen vermeiden.

Stillzeit: Entscheidung zwischen Unterbrechung des Stillens und Verzicht/Unterbrechung der Therapie unter Abwägung von Nutzen und Risiko.

DGRh 03/2024 hält Stillen unter Bimekizumab aufgrund der erwartbar geringen oralen Bioverfügbarkeit für vereinbar; direkte Daten sind begrenzt. Diese Einschätzung steht neben der vorsichtigeren FI. Bimekizumab wird in der EULAR-Tabelle 2024 nicht separat evidenzbewertet. [DGRh 03/2024]

Überdosierung

Einzeldosen von 640 mg i.v. oder 640 mg s.c., gefolgt von 320 mg s.c. alle 2 Wochen für fünf Dosen, wurden ohne dosislimitierende Toxizität verabreicht. Bei Überdosierung auf Nebenwirkungen überwachen und bei Bedarf symptomatisch behandeln.

Quellen für dieses Medikament

Fachinformation: FI Bimekizumab, Abschnitt 4.1–4.9 und 5.1. Verwendeter Volltext: Deutsch; abgerufen am 07.09.2026.

DGRh: Bimekizumab ARZT 03 24, abgerufen am 07.09.2026.

Diese Seite ist eine redaktionelle Zusammenfassung für Fachkreise. Sie ersetzt weder die Fachinformation noch die ärztliche Therapieentscheidung im Einzelfall.