Ixekizumab
Kurzzusammenfassung
IndikationenPsA · AS · nr-axSpA (Erwachsene); juvenile PsA und Enthesitis-assoziierte Arthritis ab 6 Jahren/≥25 kg; Plaque-Psoriasis ab 6 Jahren/≥25 kg.
DosierungPsA/AS/nr-axSpA: 160 mg s.c. in Woche 0, danach 80 mg alle 4 Wochen. Bei begleitender mittelschwerer/schwerer Plaque-Psoriasis deren Einleitungsschema.
Gegenanzeigen (Auswahl)Klinisch relevante aktive Infektion, einschließlich aktiver Tbc.
Besondere SicherheitsmaßnahmenInfektionen, Candidosen und chronisch-entzündliche Darmerkrankung beachten; Tbc-/HBV-Screening.
Wirkmechanismus

Monoklonaler IgG4-Antikörper gegen IL-17A einschließlich IL-17A/F. Die Neutralisierung hemmt entzündliche Signalwege. [1]

Indikationen

Psoriasis-Arthritis – Erwachsene: Aktive Erkrankung nach unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit gegenüber mindestens einem DMARD; allein oder mit MTX. [1]

Ankylosierende Spondylitis – Erwachsene: Aktive Erkrankung nach unzureichendem Ansprechen auf konventionelle Therapie. [1]

Nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis – Erwachsene: Aktive Erkrankung mit erhöhtem CRP und/oder MRT-Entzündung nach unzureichendem NSAR-Ansprechen. [1]

Juvenile Psoriasis-Arthritis: Aktive Erkrankung ab 6 Jahren und ≥25 kg nach unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit gegenüber konventioneller Therapie; allein oder mit MTX. [1]

Enthesitis-assoziierte Arthritis: Aktive Erkrankung ab 6 Jahren und ≥25 kg nach unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit gegenüber konventioneller Therapie; allein oder mit MTX. [1]

Plaque-Psoriasis: Mittelschwere bis schwere Erkrankung, wenn eine systemische Therapie infrage kommt; auch ab 6 Jahren und ≥25 kg. [1]

Dosierung und Anwendung
IndikationDosierung
Psoriasis-Arthritis160 mg in Woche 0, danach 80 mg alle 4 Wochen. Bei gleichzeitiger mittelschwerer/schwerer Plaque-Psoriasis deren Schema.
Ankylosierende Spondylitis160 mg in Woche 0, danach 80 mg alle 4 Wochen.
Nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis160 mg in Woche 0, danach 80 mg alle 4 Wochen.
Plaque-Psoriasis160 mg in Woche 0, danach 80 mg in Woche 2, 4, 6, 8, 10 und 12; anschließend 80 mg alle 4 Wochen.

160 mg werden als zwei Injektionen zu je 80 mg verabreicht. [1]

Kinder und Jugendliche ab 6 Jahren und ≥25 kg

Gemeinsames Schema für juvenile Psoriasis-Arthritis, Enthesitis-assoziierte Arthritis und Plaque-Psoriasis. [1]

GewichtEinleitung → Erhaltung s.c.
25–50 kg80 mg in Woche 0 → 40 mg alle 4 Wochen.
>50 kg160 mg in Woche 0 → 80 mg alle 4 Wochen.

40-mg-Dosis: 40-mg-Fertigspritze verwenden. Wenn diese nicht verfügbar ist, Vorbereitung aus der 80-mg-Fertigspritze und Verabreichung ausschließlich durch medizinisches Fachpersonal nach FI-Anleitung. Unter 25 kg nicht empfohlen; unter 6 Jahren keine etablierte Dosierung. [1]

Dosierung nach aktuellem Körpergewicht; vor den Gaben regelmäßig überprüfen. [1]

Dosisanpassung

Alter ab 65 Jahren: Keine Dosisanpassung; Erfahrungen ab 75 Jahren begrenzt. [1]

Nieren-/Leberfunktionsstörung: Nicht untersucht; keine Dosisempfehlung verfügbar. [1]

Vor Therapiebeginn

Basis: Aktive Infektion ausschließen und Impfstatus prüfen; großes Blutbild, ALT/GPT und Kreatinin bestimmen. Anamnese einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung und rezidivierender Infektionen erheben. [2][1]

Tuberkulose – DZK: Anamnese, klinische Untersuchung, IGRA und Thorax-Röntgen vor Beginn; aktive Tbc ausschließen. Bei LTBI präventive Therapie vor Beginn der Biologikatherapie einleiten. Kürzere Rifamycin-Schemata bevorzugen: Rifampicin 4 Monate oder Rifampicin plus Isoniazid 3 Monate; alternativ Isoniazid 9 Monate. Wechselwirkungen und Resistenzanamnese berücksichtigen. [3]

Beginn unter LTBI-Prävention: Die gemeinsame Stellungnahme DZK/DGRh/DDG 2021 empfiehlt mindestens 4 Wochen präventive Therapie vor der Immunsuppression. Die S2k-Leitlinie 2022 bezeichnet den frühestmöglichen Start als nicht gesichert und beschreibt 4–8 Wochen als in der Literatur sicher angesehenen Vorlauf. Bei dringlicher Immunsuppression Zeitpunkt interdisziplinär unter Berücksichtigung der Grunderkrankung und des Präventionsverlaufs festlegen. [4][3]

Tuberkulose-Screening bei Psoriasis – S3: Bei negativem IGRA Thorax-Röntgen nur bei erhöhter Tbc-Wahrscheinlichkeit oder erhöhtem Risiko eines falsch negativen IGRA, etwa durch Immunsuppression oder Lymphopenie. Bei positivem IGRA aktive Tbc einschließlich Thorax-Röntgen ausschließen. [5]

LTBI bei Psoriasis – S3: Bei Beginn einer IL-17-Hemmung kann eine präventive antituberkulöse Therapie erwogen werden; weitere Präventionsindikationen berücksichtigen. [5]

HBV-Screening: HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs; bei HBsAg+ oder Anti-HBc+ zusätzlich HBV-DNA. [6]

HBV-StatusRisiko und Vorgehen
HBsAg+ oder HBsAg−/Anti-HBc+ mit HBV-DNA+ vor TherapiebeginnHoch (>10 %): antivirale Prophylaxe. [7]
HBsAg−/Anti-HBc+; HBV-DNA−Moderat (1–10 %): Überwachung; bei erhöhtem Gesamtrisiko Prophylaxe erwägen. [7]

Gesamtrisiko: Glukokortikoiddosis/-dauer, weitere Immunsuppression sowie Chemo-/Transplantationsregime berücksichtigen. Anti-HBs+ schließt bei Anti-HBc+ eine Reaktivierung nicht aus. Wenn erforderliche HBV-Kontrollen nicht gesichert sind: Prophylaxe. [6][7]

Kontrollen ohne Prophylaxe: bei HBsAg−/Anti-HBc+/HBV-DNA− HBsAg, HBV-DNA und ALT alle 1–3 Monate. Bei neuem DNA-Nachweis oder HBsAg-Reversion sofort antiviral behandeln, vor Hepatitis. [6]

Prophylaxe: Entecavir oder Tenofovir (TDF/TAF) vor Immunsuppression beginnen, währenddessen und danach 6–12 Monate (bei B-Zell-Depletion mindestens 18 Monate) fortführen. Nach Absetzen weiter überwachen; bei eigenständiger HBV-Therapieindikation länger behandeln. [6]

Impfung: Bei HBsAg−/Anti-HBc− und fehlendem Impfschutz möglichst vor Immunsuppression impfen; Schema und Erfolgskontrolle. [6][8]

Kontrollen

DGRh-Verlaufskontrollen: Großes Blutbild, ALT/GPT und Kreatinin in den ersten 3 Monaten etwa alle 4 Wochen, danach etwa alle 3 Monate. BSG/CRP separat zur Krankheitsaktivität. Nach Fieber, Husten, Schluckbeschwerden und Durchfall fragen; Mundhöhle auf Candidose untersuchen. [2]

Fieberhafte Infektion: Nächste Gabe nach DGRh verschieben, bis der Infekt abgeklungen ist. Bei schwerer Infektion pausieren, bis diese abgeklungen ist. [2][1]

Infektion ohne Ansprechen auf Standardtherapie: Ebenfalls pausieren, bis die Infektion ausgeheilt ist. [1]

Neue oder verschlechterte chronisch-entzündliche Darmerkrankung: Absetzen und angemessen behandeln. Bei schwerer Überempfindlichkeitsreaktion unverzüglich absetzen und behandeln. [1]

Wirkbeginn und Therapiebeurteilung

DGRh: Wirkungseintritt nach etwa 2–4 Wochen; ohne Besserung nach 3–4 Monaten Fortführung überprüfen. [2]

Fachinformation: Ohne Ansprechen nach 16–20 Wochen Absetzen erwägen; bei zunächst partiellem Ansprechen sind Verbesserungen nach mehr als 20 Wochen möglich. [1]

Gegenanzeigen

Formale Gegenanzeigen: Klinisch relevante aktive Infektion, z. B. aktive Tbc; schwerwiegende Überempfindlichkeit gegen Wirkstoff oder Bestandteile. [1]

Chronisch-entzündliche Darmerkrankung: Anwendung nicht empfohlen. [1]

Nebenwirkungen und Maßnahmen
HäufigkeitNebenwirkungen
Sehr häufigInfektionen der oberen Atemwege und Injektionsstellenreaktionen.
HäufigTinea, mukokutaner Herpes simplex, oropharyngeale Schmerzen, Übelkeit.
GelegentlichOrale Candidose, Konjunktivitis, Neutropenie, Thrombozytopenie, Angioödem, entzündliche Darmerkrankung, Urtikaria, Ausschlag, Ekzem.
SeltenÖsophageale Candidose, Anaphylaxie, exfoliative Dermatitis.

Verzögerte Überempfindlichkeit: Schwere Reaktionen können auch 10–14 Tage nach Injektion auftreten; bei schwerer Reaktion unverzüglich absetzen und behandeln. [1]

Wechselwirkungen

Begleitmedikation: Corticosteroide, NSAR, Sulfasalazin und MTX beeinflussten die Ixekizumab-Clearance nicht klinisch relevant. Keine klinisch signifikanten pharmakokinetischen Effekte auf untersuchte CYP3A4-, CYP2C9-, CYP2C19-, CYP1A2- oder CYP2D6-Substrate. [1]

Andere Biologika: Kombination nach DGRh nicht empfohlen. Bei Plaque-Psoriasis wurde die Sicherheit zusammen mit anderen Immunmodulatoren oder Phototherapie nicht untersucht. [2][1]

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: Anwendbar, wenn zur wirksamen Kontrolle der mütterlichen Erkrankung erforderlich. [9]

Stillzeit: Mit dem Stillen vereinbar. [9]

Väterlicher Kinderwunsch: Fortführung möglich. [9]

Säuglingsimpfungen: Totimpfstoffe nach regulärem Impfplan. Nach intrauteriner Exposition im 2./3. Trimenon Lebendimpfungen bis zum Alter von 6 Monaten verschieben. [9]

Fachinformation: Zuverlässige Verhütung während der Behandlung und mindestens 10 Wochen nach der letzten Dosis. In der Schwangerschaft aus Vorsichtsgründen vermeiden. Stillen oder Therapie unter Abwägung des Nutzens für Kind und Mutter fortführen beziehungsweise unterbrechen. [1]

Impfungen

Nichtlebendimpfstoffe: Unter Therapie möglich; Impfstatus vor Beginn prüfen. [2]

Lebendimpfstoffe: Nicht gleichzeitig anwenden. [1]

Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe

Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [8]

ImpfungIndikation / Schema
InfluenzaJährlich bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren; inaktivierter Impfstoff, ab 60 Jahren Hochdosis- oder MF59-adjuvantiert.
COVID-19Jährlich bei relevanter Immunsuppression/weiterem Risikofaktor oder ab 75 Jahren, bevorzugt Spätsommer/Frühherbst. Bei ausgeprägter Immundefizienz zusätzliche Dosen/verkürzte Abstände individuell. [10]
Pneumo­kokkenPCV20 bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren. Nach PCV13/15 ≥1 Jahr; nach PPSV23 ≥6 Jahre, bei ausgeprägter Immundefizienz gegebenenfalls ≥1 Jahr.
Herpes zosterAb 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression.
Hepatitis BBei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l.
RSVEinmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/Immundefizienz oder Pflegeheimbewohnenden. Möglichst vor der RSV-Saison.

Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [8]

Operationen

DGRh: Größere elektive Eingriffe am Ende des Behandlungsintervalls planen; Wiederbeginn abhängig von Wundheilung und Infektionsfreiheit. [11]

ACR/AAHKS – elektive Hüft-/Knieendoprothetik bei entzündlicher Arthritis: Bei vierwöchentlicher Gabe Operation in Woche 5 nach der letzten Dosis planen. Wiederbeginn nach Wundheilung, Entfernung von Fäden/Klammern und ohne relevante Schwellung, Rötung, Sekretion oder anderweitige Infektion, typischerweise nach etwa 14 Tagen. [12]

Alltag und Handhabung

Selbstinjektion: Nach Schulung möglich; Injektionsstellen wechseln, Psoriasishaut möglichst aussparen. Nicht schütteln. Produktname und Charge dokumentieren. [1]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

Lagerung: Bei 2–8 °C, nicht einfrieren; Umkarton als Lichtschutz. Höchstens 5 Tage bei ≤30 °C außerhalb des Kühlschranks, danach unbenutztes Präparat verwerfen. Vor Anwendung 30 Minuten Raumtemperatur annehmen lassen. [1]

Taltz 40 mg/0,5 ml Fertigspritze

Für die pädiatrische 40-mg-Dosis; enthält 0,15 mg Polysorbat 80 je Spritze. [1]

Taltz 80 mg/1 ml Fertigspritze

80 mg pro Spritze. Wenn die 40-mg-Fertigspritze nicht verfügbar ist: durch Fachpersonal den gesamten Inhalt in eine sterile Durchstechflasche aus klarem Glas geben und 0,5 ml mit einer sterilen 0,5- oder 1-ml-Spritze aufziehen. Nicht verdünnen; innerhalb von 4 Stunden nach Durchstechen bei Raumtemperatur verabreichen. Rest verwerfen. [1]

Taltz 80 mg/1 ml Fertigpen

Für vollständige 80-mg-Dosen; zwei Pens für 160 mg. [1]

Überdosierung und Antidot

Bis 180 mg s.c. wurden ohne dosislimitierende Toxizität verabreicht; einzelne Überdosierungen bis 240 mg s.c. ohne schwerwiegende Nebenwirkungen berichtet. Auf Nebenwirkungen überwachen und symptomatisch behandeln. [1]

Quellen und Links