Medikament

Leflunomid

Wirkmechanismus

Leflunomid wird rasch zu seinem aktiven Metaboliten A771726 metabolisiert. A771726 hemmt die Dihydroorotatdehydrogenase (DHODH) und wirkt dadurch antiproliferativ; Leflunomid besitzt immunmodulatorische, immunsuppressive und antiphlogistische Eigenschaften.

Zugelassene Indikationen

  • Aktive rheumatoide Arthritis bei Erwachsenen.
  • Aktive Psoriasis-Arthritis bei Erwachsenen.

Eine kurz zurückliegende oder gleichzeitige Behandlung mit hepato- oder hämatotoxischen DMARDs kann das Risiko schwerer Nebenwirkungen erhöhen; auch ein Wechsel ohne Auswaschverfahren kann zu additiver Toxizität führen.

Vor Therapiebeginn

  • ALT/SGPT und vollständiges Blutbild einschließlich Differenzialblutbild und Thrombozyten vor Therapiebeginn.
  • Schwangerschaft vor Therapiebeginn ausschließen; zuverlässige Kontrazeption sicherstellen.
  • Blutdruck vor Therapiebeginn messen.
  • Vor Beginn Nutzen-Risiko-Abwägung bei kürzlich erfolgter oder gleichzeitiger Anwendung hepato- oder hämatotoxischer Arzneimittel.

Kontrollen

  • ALT/SGPT und vollständiges Blutbild inklusive Differenzialblutbild und Thrombozyten alle 2 Wochen während der ersten 6 Monate, anschließend alle 8 Wochen.
  • Blutdruck während der Therapie regelmäßig kontrollieren.
  • Bei ALT 2- bis 3-fach über oberer Normgrenze kann Dosisreduktion von 20 mg auf 10 mg erwogen werden; dann wöchentliche Kontrollen.

Der ältere DGRh-Bogen von 07/2014 nennt ein anderes, später streckbares Kontrollschema. Wegen der aktuelleren und konkreteren FI-Vorgabe wird für ALT und Blutbild die FI-Frequenz verwendet.

Dosierung

Rheumatoide Arthritis: Üblicher Beginn mit 100 mg 1× täglich über 3 Tage; Erhaltungsdosis 10–20 mg 1× täglich je nach Krankheitsaktivität. Verzicht auf die Aufsättigungsdosis kann das Nebenwirkungsrisiko vermindern.

Psoriasis-Arthritis: 100 mg 1× täglich über 3 Tage; anschließend 20 mg 1× täglich.

Therapeutische Wirkung normalerweise nach 4–6 Wochen; weitere Zunahme der Wirkung über die folgenden 4–6 Monate möglich.

Leichte Niereninsuffizienz und Alter >65 Jahre: keine Dosisanpassung. Bei mittlerer bis schwerer Niereninsuffizienz ist Arava kontraindiziert. Bei Leberfunktionsstörung ist Arava kontraindiziert.

Arava sollte bei Patienten unter 18 Jahren nicht angewendet werden, da Wirksamkeit und Sicherheit bei juveniler rheumatoider Arthritis nicht erwiesen sind.

Unterbrechung / Abbruch / Auswaschverfahren

  • Persistierende ALT-Erhöhung >2× ULN oder Anstieg >3× ULN: Leflunomid absetzen und Auswaschmaßnahmen einleiten.
  • Schwere hämatologische Reaktionen einschließlich Panzytopenie: Arava und andere myelosuppressive Begleittherapien absetzen und sofort Auswaschmaßnahmen einleiten.
  • Bei Verdacht auf SJS/TEN/DRESS: Leflunomid und mögliche mitverursachende Therapien absetzen, umgehend vollständig auswaschen und Leflunomid nicht erneut anwenden.
  • Bei HLH/MAS: Leflunomid absetzen, beschleunigte Arzneistoffelimination durchführen und Erkrankung sofort behandeln.
  • Bei schweren unkontrollierten Infektionen kann eine Unterbrechung mit Auswaschverfahren erforderlich sein.
  • Perioperativ: Bei möglicher Beeinträchtigung der Wundheilung kann individuell eine Unterbrechung und ein Washout erwogen werden; Wiederaufnahme nach klinisch adäquater Wundheilung.

Leitlinienergänzung: DGRh empfiehlt perioperativ bei niedrigem Infektionsrisiko die Fortführung von Leflunomid; bei hohem Infektionsrisiko eine beschleunigte Elimination. Die FI-Warnung bei möglicher Wundheilungsstörung ist daneben zu beachten. [DGRh perioperativ 2021/2022]

Beschleunigte Elimination: 8 g Colestyramin 3× täglich oder 50 g Aktivkohlepulver 4× täglich, üblicherweise über 11 Tage; je nach klinischer Situation kann die Dauer angepasst werden.

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegen Leflunomid, den aktiven Hauptmetaboliten Teriflunomid oder einen sonstigen Bestandteil
  • Eingeschränkte Leberfunktion
  • Schwerer Immundefekt, z. B. AIDS
  • Deutlich eingeschränkte Knochenmarksfunktion oder ausgeprägte Anämie, Leukopenie, Neutropenie oder Thrombozytopenie anderer Ursache als RA/PsA
  • Schwere Infektionen
  • Mittlere bis schwere Niereninsuffizienz
  • Schwere Hypoproteinämie, z. B. nephrotisches Syndrom
  • Schwangerschaft bzw. Frauen im gebärfähigen Alter ohne zuverlässigen Empfängnisschutz, solange der A771726-Plasmaspiegel über 0,02 mg/l liegt
  • Stillzeit

Nebenwirkungen – Auswahl

Infektionen

  • Selten: Schwere Infektionen einschließlich Sepsis

Blut/Lymphsystem

  • Häufig: Leukopenie (>2 G/l)
  • Gelegentlich: Anämie, leichte Thrombozytopenie
  • Selten/Sehr selten: Panzytopenie, Leukopenie <2 G/l, Eosinophilie / Agranulozytose

Immunsystem

  • Häufig: Leichte allergische Reaktionen
  • Sehr selten: Schwere anaphylaktische/anaphylaktoide Reaktionen, Vaskulitis

Nervensystem

  • Häufig: Parästhesie, Kopfschmerzen, Schwindel, periphere Neuropathie

Herz/Kreislauf

  • Häufig: Leichte Blutdruckerhöhung

Atemwege

  • Selten: Interstitielle Lungenerkrankung einschließlich Pneumonitis

Gastrointestinal

  • Häufig: Kolitis einschließlich mikroskopischer Kolitis, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Mundulzera/Stomatitis, Bauchschmerzen

Leber

  • Häufig: Erhöhte Leberwerte
  • Selten/Sehr selten: Hepatitis, Cholestase / Leberversagen, akute Lebernekrose

Haut

  • Häufig: Haarausfall, Ekzem, Ausschlag, Pruritus, trockene Haut
  • Sehr selten: TEN, SJS, Erythema multiforme
  • Nicht bekannt: DRESS, kutaner Lupus, pustulöse/verschlechterte Psoriasis, Hautulkus

Allgemein

  • Häufig: Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Asthenie

Wechselwirkungen

  • Hepato- oder hämatotoxische Arzneimittel können die Toxizität erhöhen; nach Wechsel ohne Auswaschphase engmaschigere Leber- und Blutbildkontrollen.
  • Warfarin/Cumarin-Antikoagulanzien: engmaschige INR-Überwachung.
  • Colestyramin oder Aktivkohle senken die A771726-Plasmaspiegel deutlich und sollen außerhalb einer beabsichtigten Elimination vermieden werden.
  • A771726 beeinflusst u. a. CYP2C8, CYP1A2, OAT3, BCRP und OATP1B1/B3; bei entsprechenden Substraten ist Vorsicht bzw. Dosis-/Expositionsüberwachung erforderlich. Rosuvastatin soll bei gleichzeitiger Gabe 10 mg/Tag nicht überschreiten.
  • NSAR und Corticosteroide können fortgeführt werden.

Besondere Hinweise / Schwangerschaft / Stillzeit

  • Attenuierte Lebendimpfstoffe während der Leflunomid-Therapie nicht empfohlen; bei Impfung nach Absetzen die lange Halbwertszeit berücksichtigen.
  • Frauen mit Kinderwunsch: entweder etwa 2 Jahre nach Absetzen abwarten und danach A771726 zweimal im Abstand von mindestens 14 Tagen mit jeweils <0,02 mg/l nachweisen oder ein Auswaschverfahren durchführen. Auch nach Auswaschen sind zwei Werte <0,02 mg/l im Abstand von mindestens 14 Tagen erforderlich. Zwischen dem ersten solchen niedrigen Spiegel und der Befruchtung müssen mindestens 1,5 Monate liegen. [FI 4.6]

Während des Auswaschens können Colestyramin und Aktivkohle die Zuverlässigkeit oraler hormoneller Kontrazeptiva vermindern. Eine zuverlässige alternative Verhütungsmethode verwenden. [FI 4.6]

  • Männer mit Zeugungswunsch: Absetzen und Auswaschverfahren erwägen; anschließend zwei A771726-Spiegel <0,02 mg/l im Abstand ≥14 Tage und mindestens 3 Monate Wartezeit.

Leitlinienergänzung zur väterlichen Exposition: EULAR 2024 beurteilt Leflunomid bei Männern mit Kinderwunsch als kompatibel (2c/C). Die oben genannte FI-Empfehlung zu erwogenem Absetzen/Washout ist restriktiver; keine automatische Absetzung einer wirksamen Therapie ohne individuelle fachärztliche Abwägung. [EULAR Reproduktion 2024]

  • Stillzeit: Leflunomid darf nicht angewendet werden.

Überdosierung

Bei Überdosierung oder Vergiftung werden Colestyramin oder Aktivkohle zur beschleunigten Elimination empfohlen. A771726 ist weder durch Hämodialyse noch durch CAPD relevant dialysierbar.

Quellen für dieses Medikament

Fachinformation: FI Leflunomid, Abschnitt 4.1–4.9 und 5.1. Verwendeter Volltext: Englisch; abgerufen am 07.09.2026.

DGRh: leflunomid arzt 2014 07, abgerufen am 07.09.2026.

Diese Seite ist eine redaktionelle Zusammenfassung für Fachkreise. Sie ersetzt weder die Fachinformation noch die ärztliche Therapieentscheidung im Einzelfall.

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