Mepolizumab
Wirkmechanismus
Mepolizumab ist ein humanisierter monoklonaler IgG1-κ-Antikörper und IL-5-Antagonist. Er bindet IL-5 und blockiert dessen Bindung an den IL-5Rα-Komplex. IL-5 ist ein zentrales Zytokin für Wachstum, Differenzierung, Rekrutierung, Aktivierung und Überleben von Eosinophilen.
Zugelassene Indikationen
- Schweres refraktäres eosinophiles Asthma als Zusatzbehandlung bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab 6 Jahren.
- Schwere chronische Rhinosinusitis mit Nasenpolypen (CRSwNP) bei Erwachsenen als Zusatztherapie mit intranasalen Corticosteroiden nach unzureichender Kontrolle durch systemische Corticosteroide und/oder Operation.
- COPD bei Erwachsenen mit erhöhter Eosinophilenzahl im Blut und unzureichender Kontrolle trotz ICS/LABA/LAMA als zusätzliche Erhaltungstherapie.
- Schubförmig remittierende oder refraktäre eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis (EGPA) als Zusatzbehandlung ab 6 Jahren.
- Unzureichend kontrolliertes hypereosinophiles Syndrom (HES) bei Erwachsenen ohne erkennbare nicht-hämatologische sekundäre Ursache als Zusatzbehandlung.
Vor Therapiebeginn
- Bestehende Helmintheninfektionen vor Behandlungsbeginn behandeln. [FI 4.4]
- DGRh: Allgemeinstatus zur Frage einer aktiven Infektion, insbesondere Helminthen-Infektion, Impfstatus überprüfen/aktualisieren. [DGRh 02/2026]
- DGRh: BSG, CRP, großes Blutbild einschließlich Eosinophilen, GOT, GPT und Kreatinin. [DGRh 02/2026]
- DGRh: Hepatitis-B- und -C-Screening. [DGRh 02/2026]
Ein generelles Tuberkulose-Screening wird weder in der aktuellen Nucala-FI noch im vorliegenden DGRh-Bogen als obligates Voruntersuchungsprogramm genannt. [FI 4.4; DGRh 02/2026]
Kontrollen
- Notwendigkeit der Langzeittherapie bei Asthma, COPD, EGPA und HES mindestens jährlich anhand Schweregrad und Krankheits-/Exazerbationskontrolle überprüfen.
- DGRh: BSG/CRP, großes Blutbild mit Eosinophilen, GOT, GPT und Kreatinin in den ersten 3 Monaten etwa alle 4 Wochen, danach bei stabil normalen Werten alle 8–12 Wochen. [DGRh 02/2026]
- Auf akute oder verzögerte Überempfindlichkeitsreaktionen achten; diese können auch erst nach längerfristiger Behandlung auftreten.
Dosierung
Schweres eosinophiles Asthma – Erwachsene/Jugendliche ≥12 J.: 100 mg s.c. alle 4 Wochen.
Schweres eosinophiles Asthma – Kinder 6–11 J.: 40 mg s.c. alle 4 Wochen.
CRSwNP – Erwachsene: 100 mg s.c. alle 4 Wochen.
COPD – Erwachsene: 100 mg s.c. alle 4 Wochen.
EGPA – Erwachsene/Jugendliche ≥12 J.: 300 mg s.c. alle 4 Wochen.
EGPA – Kinder 6–11 J., ≥40 kg: 200 mg s.c. alle 4 Wochen.
EGPA – Kinder 6–11 J., <40 kg: 100 mg s.c. alle 4 Wochen.
HES – Erwachsene: 300 mg s.c. alle 4 Wochen.
Ältere Patienten sowie Patienten mit Nieren- oder Leberfunktionsstörung benötigen keine Dosisanpassung.
Bei lebensbedrohlichen Manifestationen von EGPA oder HES muss die Fortsetzung überprüft werden, da Nucala in diesen Patientengruppen nicht untersucht wurde.
Unterbrechung / Abbruch
- Bei einer Helmintheninfektion unter Therapie, die nicht auf anthelminthische Behandlung anspricht, vorübergehendes Absetzen in Erwägung ziehen.
- Bei Überempfindlichkeitsreaktion angemessene Behandlung entsprechend klinischer Situation einleiten.
- DGRh nennt schwere Infektionen und schwerwiegende allergische Reaktionen als Gründe für eine Therapieunterbrechung. [DGRh 02/2026]
- DGRh perioperativ: Gabe etwa 2 Wochen vor größerem Eingriff unterbrechen und nach Wundheilung wiederaufnehmen; alternativ Operation zwischen zwei 4-wöchentlichen Injektionen planen. [DGRh 02/2026]
Therapiebeurteilung
Asthma, COPD, EGPA und HES: Nucala ist für die Langzeitbehandlung bestimmt; Fortführung mindestens jährlich überprüfen.
CRSwNP: Bei fehlendem Ansprechen nach 24 Wochen können alternative Behandlungen erwogen werden; partiell ansprechende Patienten können von längerer Behandlung profitieren.
DGRh für EGPA/HES: Wirkungseintritt meist nach 4–8 Wochen; bei fehlender Besserung nach ca. 12 Wochen Fortführung kritisch überprüfen. [DGRh 02/2026]
Kontraindikationen
Überempfindlichkeit gegen Mepolizumab oder einen sonstigen Bestandteil.
Nebenwirkungen – Auswahl
Infektionen
- Häufig: Infektion der unteren Atemwege, Harnwegsinfektion, Pharyngitis, Herpes zoster
Immunsystem
- Häufig: Systemisch allergische Überempfindlichkeitsreaktionen
- Selten: Anaphylaxie
Nervensystem
- Sehr häufig: Kopfschmerzen
Atemwege
- Häufig: Nasenverstopfung
Gastrointestinal
- Häufig: Schmerzen im Oberbauch
Haut
- Häufig: Ekzem
Bewegungsapparat
- Häufig: Rückenschmerzen, Arthralgie
Allgemein
- Häufig: Systemische nicht-allergische verabreichungsbedingte Reaktionen, lokale Reaktionen an der Injektionsstelle, Fieber
Kopfschmerzen waren in der EGPA-Studie besonders häufig; die FI weist neben der allgemeinen Häufigkeit zusätzliche indikationsspezifische Raten aus.
Wechselwirkungen
Spezifische Interaktionsstudien wurden nicht durchgeführt. Da CYP450-Enzyme, Effluxpumpen und proteinbindende Mechanismen nicht an der Clearance beteiligt sind, wird die Wahrscheinlichkeit klinisch relevanter pharmakokinetischer Wechselwirkungen als gering eingeschätzt.
DGRh: Relevante Interaktionen sind nicht bekannt. [DGRh 02/2026]
Besondere Hinweise / Schwangerschaft / Stillzeit
- Nucala darf nicht zur Behandlung akuter Asthma- oder COPD-Exazerbationen eingesetzt werden.
- Corticosteroide nach Beginn der Therapie nicht abrupt absetzen; Reduktion gegebenenfalls stufenweise unter ärztlicher Kontrolle.
DGRh: Lebendimpfstoffe sollen unter Mepolizumab nicht verabreicht werden; andere STIKO-empfohlene Impfungen können und sollen erfolgen. [DGRh 02/2026]
Schwangerschaft: Anwendung aus Sicherheitsgründen vermeiden; nur erwägen, wenn der erwartete Nutzen für die Mutter jedes mögliche fetale Risiko überwiegt.
Stillzeit: Entscheidung, ob Stillen oder Behandlung zu beenden ist, unter Abwägung des Nutzens für Kind und Mutter.
Leitlinienergänzung: Für Mepolizumab sind Schwangerschaftsdaten sehr begrenzt. EULAR 2024 empfiehlt die Anwendung nur, wenn keine andere schwangerschaftskompatible Therapie die mütterliche Erkrankung wirksam kontrolliert (4/C). Stillen gilt nach der klassenbezogenen EULAR-Empfehlung als kompatibel, bei diesem Wirkstoff jedoch auf Evidenz-/Empfehlungsniveau 5/D. FI und individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung daneben berücksichtigen. [EULAR Reproduktion 2024, Tabelle 1]
Die aktuelle FI ist beim Stillen zurückhaltender als der DGRh-Bogen; daher wird die FI-Formulierung übernommen.
Überdosierung
Einzeldosen bis 1.500 mg i.v. zeigten keine dosisabhängige Toxizität. Es gibt keine spezifische Überdosierungsbehandlung; empfohlen werden supportive Behandlung und geeignete Überwachung.
Quellen für dieses Medikament
Fachinformation: FI Mepolizumab, Abschnitt 4.1–4.9 und 5.1. Verwendeter Volltext: Englisch; abgerufen am 07.09.2026.
DGRh: Mepolizumab ARZT 02 26, abgerufen am 07.09.2026.
Ergänzende Empfehlungen: EULAR Reproduktion: Update 2024, publiziert 2025; Tabelle 1 und Erläuterungen.
Diese Seite ist eine redaktionelle Zusammenfassung für Fachkreise. Sie ersetzt weder die Fachinformation noch die ärztliche Therapieentscheidung im Einzelfall.