Risankizumab
Wirkmechanismus
Risankizumab ist ein humanisierter monoklonaler IgG1-Antikörper, der selektiv an die p19-Untereinheit von Interleukin-23 bindet und dadurch die IL-23-vermittelte Signalübertragung hemmt.
Zugelassene Indikationen
- Mittelschwere bis schwere Plaque-Psoriasis bei Erwachsenen, die für eine systemische Therapie infrage kommen.
- Mittelschwere bis schwere Plaque-Psoriasis bei Kindern und Jugendlichen ab 6 Jahren, die für eine systemische Therapie infrage kommen.
- Aktive Psoriasis-Arthritis bei Erwachsenen nach unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit gegenüber einem oder mehreren DMARDs; allein oder mit Methotrexat.
- Mittelschwerer bis schwerer aktiver Morbus Crohn bei Erwachsenen nach unzureichendem Ansprechen, Unverträglichkeit oder Wirkverlust unter konventioneller oder biologischer Therapie.
- Mittelschwere bis schwere aktive Colitis ulcerosa bei Erwachsenen nach unzureichendem Ansprechen, Unverträglichkeit oder Wirkverlust unter konventioneller oder biologischer Therapie.
Vor Therapiebeginn
- Patienten auf Tuberkulose untersuchen; bei klinisch relevanter aktiver Infektion einschließlich aktiver TB darf die Behandlung nicht begonnen werden.
- Bei früherer latenter oder aktiver TB ohne gesicherte adäquate Behandlung vor Beginn eine Anti-TB-Therapie in Erwägung ziehen.
- Impfstatus vor Therapie möglichst vervollständigen. Nach Lebendimpfung mindestens 4 Wochen bis zum Therapiebeginn warten.
- DGRh: Thorax-Röntgen nicht älter als 3 Monate plus geeigneter Screeningtest, vorzugsweise IGRA. [DGRh 10/2022]
- DGRh: bei latenter TB Prophylaxe möglichst 4 Wochen vor Beginn – Isoniazid insgesamt 9 Monate oder Rifampicin insgesamt 4 Monate. [DGRh 10/2022]
- DGRh: Basislabor mit großem Blutbild, GPT und Kreatinin. [DGRh 10/2022]
Kontrollen
Während der Therapie auf klinisch bedeutsame Infektionen und Zeichen einer aktiven Tuberkulose achten.
DGRh: BSG/CRP, großes Blutbild, GPT und Kreatinin in den ersten 3 Monaten etwa alle 4 Wochen, danach etwa alle 3 Monate. [DGRh 10/2022]
Dosierung
Plaque-Psoriasis Erwachsene / PsA: 150 mg s.c. in Woche 0 und 4, danach alle 12 Wochen.
Plaque-Psoriasis 6 bis <18 Jahre, <40 kg: 55 mg s.c. in Woche 0 und 4, danach alle 12 Wochen.
Plaque-Psoriasis 6 bis <18 Jahre, ≥40 kg: 150 mg s.c. in Woche 0 und 4, danach alle 12 Wochen.
Morbus Crohn – Induktion: 600 mg i.v. in Woche 0, 4 und 8; danach 360 mg s.c. ab Woche 12 und alle 8 Wochen.
Colitis ulcerosa – Induktion: 1.200 mg i.v. in Woche 0, 4 und 8; ab Woche 12 s.c. alle 8 Wochen, Erhaltungsdosis je nach Ansprechen 180 mg bzw. 360 mg.
Psoriasis/PsA: bei fehlendem Ansprechen nach 16 Wochen Absetzen erwägen. Morbus Crohn/Colitis ulcerosa: bei fehlendem therapeutischem Nutzen nach 24 Wochen ein Absetzen erwägen. [FI 4.2]
Bei Nieren- oder Leberfunktionsstörung sowie bei älteren Patienten ist grundsätzlich keine Dosisanpassung erforderlich.
Unterbrechung / Abbruch
Klinisch bedeutsame Infektion oder fehlendes Ansprechen der Infektion auf Standardtherapie: Risankizumab bis zum Abklingen der Infektion nicht verabreichen.
Schwere Überempfindlichkeitsreaktion einschließlich Anaphylaxie: unverzüglich absetzen und geeignete Behandlung einleiten.
Perioperativ unterscheiden sich die DGRh-Quellen: Der Risankizumab-Arztbogen 10/2022 nennt die Mitte des Applikationsintervalls; die übergreifende DGRh-Empfehlung für IL-23-Inhibitoren bei größeren elektiven Eingriffen das Ende des Therapieintervalls. Das Vorgehen nach Infektions-/Schubrisiko und konkretem Dosierungsintervall festlegen; Wiederbeginn bei ausreichender Wundheilung ohne Infektionszeichen. [DGRh 10/2022; DGRh perioperativ 2021/2022]
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegen Risankizumab oder einen sonstigen Bestandteil.
- Klinisch relevante aktive Infektionen, z. B. aktive Tuberkulose.
Nebenwirkungen – Auswahl
Sehr häufig: Infektionen der oberen Atemwege.
Häufig: Tinea-Infektionen, Kopfschmerzen, Pruritus, Fatigue, Reaktionen an der Injektionsstelle.
Gelegentlich / selten: Gelegentlich: Follikulitis und Urtikaria. Selten: anaphylaktische Reaktionen.
Klinisch wichtig: Schwere Überempfindlichkeitsreaktionen einschließlich Anaphylaxie wurden berichtet.
Bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind Infektionen der oberen Atemwege ebenfalls die häufigsten gemeldeten Nebenwirkungen.
Wechselwirkungen
- Pharmakokinetische Wechselwirkungen über hepatische Enzyme oder renale Ausscheidung werden nicht erwartet; eine Dosisanpassung aufgrund solcher Interaktionen ist nicht erforderlich.
- Die FI weist auf fehlende gezielte Daten zu Kombinationen mit Immunsuppressiva einschließlich Biologika bzw. bei Psoriasis mit Phototherapie hin. Davon zu unterscheiden ist die ausdrücklich zugelassene und in PsA-Studien verwendete Kombination mit Methotrexat. Eine allgemeine Aussage, Risankizumab plus MTX sei bei PsA nicht untersucht, wäre unzutreffend. [FI 4.1/4.5/5.1]
- DGRh rät von einer Kombination mit anderen Biologika und tsDMARDs ab. [DGRh 10/2022]
Besondere Hinweise / Schwangerschaft / Stillzeit
Lebendimpfstoffe während der Behandlung und mindestens 21 Wochen danach nicht verabreichen.
Frauen im gebärfähigen Alter: zuverlässige Verhütung während der Therapie und mindestens 21 Wochen danach.
Schwangerschaft: Anwendung aus Vorsichtsgründen vermeiden.
Stillzeit: individuelle Entscheidung über Unterbrechung/Absetzen der Therapie unter Abwägung des Nutzens des Stillens und der Behandlung.
Leitlinienergänzung: Für Risankizumab sind Schwangerschaftsdaten sehr begrenzt. EULAR 2024 empfiehlt die Anwendung nur, wenn keine andere schwangerschaftskompatible Therapie die mütterliche Erkrankung wirksam kontrolliert (5/D). Stillen gilt nach der klassenbezogenen EULAR-Empfehlung als kompatibel, bei diesem Wirkstoff jedoch auf Evidenz-/Empfehlungsniveau 5/D. FI und individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung daneben berücksichtigen. [EULAR Reproduktion 2024, Tabelle 1]
Überdosierung
Bei Überdosierung wird eine klinische Überwachung auf Nebenwirkungen und gegebenenfalls eine geeignete symptomatische Behandlung empfohlen.
Quellen für dieses Medikament
Fachinformation: FI Risankizumab, Abschnitt 4.1–4.9 und 5.1. Verwendeter Volltext: Englisch; abgerufen am 07.09.2026.
DGRh: Risankizumab ARZT 10-22, abgerufen am 07.09.2026.
Diese Seite ist eine redaktionelle Zusammenfassung für Fachkreise. Sie ersetzt weder die Fachinformation noch die ärztliche Therapieentscheidung im Einzelfall.