Medikament

Rituximab

Wirkmechanismus

Rituximab ist ein chimärer monoklonaler Anti-CD20-Antikörper. Die Bindung an CD20 auf B-Lymphozyten führt über verschiedene Effektormechanismen zu einer ausgeprägten und länger anhaltenden B-Zell-Depletion.

Zugelassene Indikationen

  • Rheumatoide Arthritis: in Kombination mit Methotrexat bei Erwachsenen mit schwerer aktiver RA nach unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit gegenüber DMARDs einschließlich mindestens eines TNF-Hemmers.
  • Granulomatose mit Polyangiitis (GPA) und mikroskopische Polyangiitis (MPA): in Kombination mit Glucocorticoiden bei Erwachsenen mit schwerer aktiver Erkrankung; Remissionsinduktion auch bei Kindern/Jugendlichen von 2 bis <18 Jahren.
  • Pemphigus vulgaris: mäßig bis schwer bei Erwachsenen.
  • Zusätzlich bestehen onkologische Zulassungen, u. a. für bestimmte Non-Hodgkin-Lymphome und chronische lymphatische Leukämie.

Vor Therapiebeginn

  • Vor jeder Infusion Prämedikation mit Analgetikum/Antipyretikum und Antihistaminikum.
  • Bei RA, GPA/MPA und Pemphigus vulgaris zusätzlich 100 mg Methylprednisolon i.v., 30 Minuten vor jeder Infusion beendet.
  • Bei GPA/MPA und Pemphigus vulgaris wird eine PJP-Prophylaxe gemäß lokalen klinischen Standards empfohlen. Bei AAV empfiehlt EULAR unter Rituximab Trimethoprim/Sulfamethoxazol zur Prophylaxe von PJP und weiteren Infektionen; Kontraindikationen und Verträglichkeit berücksichtigen. [FI 4.2; EULAR AAV, Empfehlung 17]
  • Alle Patienten vor Beginn auf Hepatitis B screenen; bei positiver Serologie hepatologische bzw. entsprechende fachärztliche Mitbeurteilung.
  • Aktive schwere Infektion und stark geschwächte Immunabwehr ausschließen.
  • Impfstatus vor Behandlung überprüfen und möglichst vervollständigen.
  • Kardiovaskuläre Vorerkrankungen wegen möglicher Infusionsreaktionen besonders berücksichtigen.

Kontrollen

  • Während der Infusion engmaschige klinische Überwachung; vollständige Reanimationsausrüstung muss verfügbar sein.
  • Langfristig besondere Wachsamkeit für Infektionen; bei neuen neurologischen Symptomen unverzügliche Abklärung einer PML.
  • Neutrophile vor jedem Behandlungszyklus und regelmäßig bis 6 Monate nach Behandlungsende kontrollieren; bei Infektionszeichen entsprechend früher. Immunglobuline vor Therapiebeginn bestimmen. Bei AAV zusätzlich Immunglobuline vor jedem Rituximab-Zyklus messen. [FI 4.4; EULAR AAV, Empfehlung 16]

Dosierung

RA: ein Behandlungszyklus besteht aus 1.000 mg i.v., gefolgt von weiteren 1.000 mg i.v. zwei Wochen später. Weitere Zyklen frühestens nach erneuter Beurteilung; die Notwendigkeit wird 24 Wochen nach dem vorherigen Zyklus geprüft.

GPA/MPA-Induktion bei Erwachsenen und Kindern ab 2 Jahren: 375 mg/m² Körperoberfläche i.v. einmal wöchentlich über 4 Wochen, in Kombination mit Glucocorticoiden. Dieses Schema ist weiterhin zugelassen. [FI 4.1/4.2]

GPA/MPA-Erhaltung bei Erwachsenen: zunächst 2 Infusionen zu je 500 mg im Abstand von 2 Wochen, anschließend 500 mg alle 6 Monate. Nach Rituximab-Induktion frühestens 16 Wochen nach der letzten Induktionsinfusion beginnen; nach anderer Standardinduktion innerhalb von 4 Wochen nach Erreichen der Remission. Erhaltung mindestens 24 Monate nach Remission; bei erhöhtem Rezidivrisiko längere Behandlung bis zu 5 Jahren erwägen. [FI 4.2]

Therapiebeurteilung

RA: klinisches Ansprechen wird in der Regel innerhalb von 16–24 Wochen nach dem ersten Zyklus erreicht; bei fehlendem Ansprechen in diesem Zeitraum sollte eine weitere Behandlung kritisch beurteilt werden.

DGRh: Wirkungseintritt häufig nach 4–12 Wochen; nach 16–24 Wochen ohne Wirkung Fortführung nicht empfohlen. [DGRh 07/2014]

Unterbrechung / Abbruch

Schwere Infusionsreaktionen: Infusion sofort unterbrechen und situationsgerecht behandeln; Wiederaufnahme oder endgültiger Abbruch abhängig von Schweregrad und Verlauf.

  • Elektive Eingriffe unter Rituximab können nach DGRh ab 4 Monaten nach der letzten Infusion und spätestens 4 Wochen vor der nächsten geplant werden; klinischen Kontext und Infektions-/Schubrisiko berücksichtigen. [DGRh perioperativ 2021/2022]
  • Bei PML-Verdacht Therapie aussetzen und diagnostische Abklärung einleiten; bei bestätigter PML dauerhaft absetzen.
  • HBV-Reaktivierung erfordert unmittelbare fachärztliche Beurteilung und entsprechendes Management.

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegen Rituximab, Maus-Proteine oder einen sonstigen Bestandteil.
  • Aktive, schwere Infektionen.
  • Stark geschwächte Immunabwehr.
  • Bei RA, GPA/MPA und Pemphigus vulgaris: schwere Herzinsuffizienz NYHA IV oder schwere unkontrollierte Herzerkrankung.

Nebenwirkungen – Auswahl

Infusion: Infusionsbedingte Reaktionen, Fieber, Schüttelfrost, Hypotonie, Bronchospasmus; selten schwere anaphylaktische Reaktionen.

Infektionen: Infektionen einschließlich schwerer/opportunistischer Infektionen; HBV-Reaktivierung; sehr selten PML.

Blutbild: Leukopenie, Neutropenie, Panzytopenie; verzögert auftretende Neutropenie möglich.

Herz-Kreislauf: Hypotonie, Arrhythmien, Angina/Myokardinfarkt bei prädisponierten Patienten möglich.

Immunsystem: Hypogammaglobulinämie bei wiederholter B-Zell-Depletion möglich.

Wechselwirkungen

  • Daten zu Wechselwirkungen sind begrenzt; bei nachfolgenden oder kombinierten immunsuppressiven/biologischen Therapien ist das Infektionsrisiko zu berücksichtigen.
  • Impfantworten können nach Rituximab vermindert sein; Lebendimpfstoffe während der Behandlung bzw. bei B-Zell-Depletion nicht empfehlen.

Besondere Hinweise / Schwangerschaft / Stillzeit

  • Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Therapie und weitere 12 Monate danach wirksam verhüten.
  • Schwangerschaft nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung; bei intrauteriner Exposition kann es beim Neugeborenen zu vorübergehender B-Zell-Depletion kommen.
  • Stillzeit gemäß FI: Während der Behandlung und optimalerweise bis 6 Monate danach wird Stillen nicht empfohlen. EULAR 2024 beurteilt Rituximab dagegen als mit dem Stillen kompatibel (2a/B); bei erforderlicher mütterlicher Krankheitskontrolle ist auch eine Anwendung in der Schwangerschaft möglich (4/C). Diese abweichenden Empfehlungen ausdrücklich in die individuelle Entscheidung einbeziehen. [FI 4.6; EULAR Reproduktion 2024]

Überdosierung

Bei Überdosierung engmaschige Überwachung; bei B-Zell-Depletion und Immunosuppression insbesondere auf infektiöse Komplikationen achten. Ein spezifisches Antidot ist nicht etabliert.

Quellen für dieses Medikament

Fachinformation: FI Rituximab, Abschnitt 4.1–4.9 und 5.1. Verwendeter Volltext: Englisch; abgerufen am 07.09.2026.

DGRh: rituximab arzt 2014 07, abgerufen am 07.09.2026.

Diese Seite ist eine redaktionelle Zusammenfassung für Fachkreise. Sie ersetzt weder die Fachinformation noch die ärztliche Therapieentscheidung im Einzelfall.