Medikament

Sulfasalazin

Wirkmechanismus

Sulfasalazin ist eine Azoverbindung aus Sulfapyridin und 5-Aminosalicylsäure. Der genaue antirheumatische Wirkmechanismus ist nicht vollständig geklärt; diskutiert werden Effekte auf Leukotriensynthese, Arachidonsäurestoffwechsel und Immunmodulation.

Zugelassene Indikationen

  • Aktive rheumatoide Arthritis bei Erwachsenen
  • Aktive juvenile idiopathische Oligoarthritis / Enthesitis-assoziierte Arthritis ab 6 Jahren nach unzureichendem Ansprechen auf NSAR und/oder lokale Glukokortikoidinjektionen
  • Aktive juvenile idiopathische Polyarthritis und polyarthritische Spondylarthritis / Enthesitis-assoziierte Arthritis ab 6 Jahren nach unzureichendem NSAR-Ansprechen

Dosierung

Patientengruppe - Schema

RA Erwachsene - Einschleichend: Woche 1: 500 mg/Tag; Woche 2: 500 mg 2×/Tag; Woche 3: 500 mg morgens + 1.000 mg abends; ab Woche 4: 1.000 mg 2×/Tag.

Unzureichendes Ansprechen - Nach 3 Monaten ggf. bis 3.000 mg/Tag; Tagesdosen >4.000 mg nicht überschreiten.

JIA ab 6 Jahren - 50 mg/kg/Tag in 2 Dosen, max. 2 g/Tag; nach 3 Monaten ggf. 75 mg/kg/Tag, max. 3 g/Tag.

Mindestens 1 Stunde vor einer Mahlzeit mit reichlich Flüssigkeit unzerkaut einnehmen. Wirkungseintritt meist innerhalb 1–3 Monaten.

Leichte bis mäßige Nieren- oder Leberfunktionsstörung: keine Dosisreduktion, aber besondere Vorsicht. Schwere Funktionsstörung ist kontraindiziert.

Vor Therapiebeginn / Kontrollen

  • Vor Beginn: komplettes Blutbild mit Differential und Leberfunktion; Nierenfunktion einschließlich Urinstatus.
  • Blutbild + Leberwerte: alle 2 Wochen in den ersten 3 Monaten, dann monatlich für weitere 3 Monate, anschließend alle 3 Monate bzw. klinisch.
  • Nierenfunktion/Urinstatus: zu Beginn und mindestens monatlich in den ersten 3 Monaten, danach nach Bedarf.
  • Immunglobuline und ANA zu Beginn und in regelmäßigen Abständen erwägen.
  • DGRh nennt ein weniger enges Routinemuster (erste 3 Monate ca. alle 4 Wochen, danach 8–12 Wochen); für die Sicherheitskontrollen gilt die aktuelle FI. [FI 4.4; DGRh 06/2020]

Unterbrechung / Abbruch

  • Schwere Infektion: Sulfasalazin absetzen.
  • SJS/TEN: sofort beenden; nach bestätigtem SJS/TEN niemals erneut anwenden.
  • DRESS oder andere schwere Überempfindlichkeit ohne alternative Ursache: absetzen.
  • Halsschmerzen, Fieber, Blässe, Purpura oder Ikterus: Therapie bis zum Vorliegen der Blutuntersuchungen unterbrechen.
  • Dosisabhängige Nebenwirkungen: nach etwa 1 Woche Pause erneuter langsamer Einstieg möglich; nicht bei Überempfindlichkeitsreaktionen.

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegen Sulfasalazin/Metaboliten, Sulfonamide oder Salicylate; Erkrankungen der Blutbildung; akute intermittierende Porphyrie; schwere Leber- oder Niereninsuffizienz; G6PD-Mangel; vorbestehende Leuko-/Thrombozytopenie; Ileus; Erythema exsudativum multiforme auch anamnestisch; gleichzeitige Methenamin-Therapie; Alter <6 Jahre.

Nebenwirkungen – Auswahl

Bereich - Auswahl

Gastrointestinal - Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerz, Appetitlosigkeit, Diarrhö

Haut/Allergie - Exanthem, Pruritus; selten schwere Hautreaktionen wie SJS/TEN; DRESS möglich

Blutbild - Leukopenie/Agranulozytose, Thrombozytopenie, hämolytische oder aplastische Anämie, Methämoglobinämie

Leber/Niere - Hepatitis, Cholestase; Proteinurie, interstitielle Nephritis, Hämaturie/Kristallurie

Fertilität - Reversible Oligospermie beim Mann

Wechselwirkungen

  • Verminderte Folsäureaufnahme; bei Frauen im gebärfähigen Alter Folsäuresupplementierung beachten.
  • Eisen bildet Chelate und vermindert die Sulfasalazinresorption; Calcium kann die Resorption verzögern.
  • Digoxinresorption kann sinken; Antibiotika und Anionenaustauscher können die Wirkung/Resorption vermindern.
  • Orale Antikoagulanzien: Gerinnung engmaschig kontrollieren. Hämatotoxische oder hepatotoxische Kombinationen erfordern engere Überwachung.
  • Methenamin ist kontraindiziert.

Schwangerschaft / Stillzeit

  • Schwangerschaft nur bei eindeutiger Indikation und mit Vorsicht; Folsäuresupplementierung für Frauen im gebärfähigen Alter und im 1. Trimenon empfohlen.

EULAR 2024: Sulfasalazin kann in der Schwangerschaft in Dosen bis 2 g/Tag fortgeführt werden; wegen der Hemmung der Folataufnahme wird eine tägliche Folsäuresupplementierung empfohlen. Die Folsäuredosis individuell bzw. nach dem verwendeten nationalen Schema festlegen. [EULAR Reproduktion, Erläuterung zu Empfehlung 1]

  • Stillzeit nur mit Vorsicht, besonders bei Frühgeborenen oder G6PD-Mangel; bei gestillten Säuglingen wurden Durchfall und Blutstuhl berichtet.
  • Männliche Fertilität kann vorübergehend beeinträchtigt sein; meist Normalisierung innerhalb 2–3 Monaten nach Absetzen.

Überdosierung

Typisch sind Übelkeit, Erbrechen, Bauchbeschwerden sowie bei schwerer Intoxikation ZNS-Symptome bis zu Krämpfen. Sulfasalazin und Metaboliten sind dialysierbar; die FI nennt weitere spezifische Maßnahmen abhängig vom Verlauf.

Quellen für dieses Medikament

Fachinformation: FI Sulfasalazin, Abschnitt 4.1–4.9 und 5.1. Verwendeter Volltext: Deutsch; abgerufen am 07.09.2026.

DGRh: Sulfasalazin ARZT 06 2020, abgerufen am 07.09.2026.

Diese Seite ist eine redaktionelle Zusammenfassung für Fachkreise. Sie ersetzt weder die Fachinformation noch die ärztliche Therapieentscheidung im Einzelfall.