Filgotinib
DGRh-Therapieinformationen: Arztfassung · Patientenfassung
Fachinformation: Präparateauswahl
| Indikationen | Rheumatoide Arthritis und Colitis ulcerosa nach Fachinformation. |
|---|---|
| Dosierung | RA: 200 mg einmal täglich; ab 65 Jahren oder bei erhöhtem VTE-/MACE-/Malignomrisiko 100 mg einmal täglich, bei unzureichender Kontrolle ggf. 200 mg. Colitis ulcerosa: Einleitung 200 mg einmal täglich; Erhaltung 100–200 mg risikoadaptiert. |
| Gegenanzeigen (Auswahl) | Schwangerschaft; aktive Tbc oder aktive schwere Infektion. |
| Besondere Sicherheitsmaßnahmen | Risiken für schwere Infektionen, kardiovaskuläre Ereignisse, venöse Thromboembolien und Malignome prüfen; Alters-/Risikobeschränkungen und Blutbild-Startgrenzen beachten. |
Wirkmechanismus
ATP-kompetitiver, reversibler JAK-Inhibitor mit bevorzugter Hemmung JAK1-abhängiger Signalwege; ein aktiver Metabolit trägt zur Wirkung bei. [1]
Indikationen
Rheumatoide Arthritis: Mittelschwere bis schwere aktive Erkrankung nach unzureichendem Ansprechen auf mindestens ein DMARD oder Unverträglichkeit; allein oder mit MTX. [1]
Colitis ulcerosa: Mittelschwere bis schwere aktive Erkrankung nach unzureichendem Ansprechen, Wirkverlust oder Unverträglichkeit unter konventioneller oder biologischer Therapie. [1]
Dosierung und Anwendung
Rheumatoide Arthritis
200 mg einmal täglich. Bei erhöhtem VTE-, MACE- oder Malignomrisiko sowie ab 65 Jahren 100 mg einmal täglich; bei unzureichender Krankheitskontrolle Steigerung auf 200 mg möglich. Niedrigste wirksame Langzeitdosis. [1][2]
Colitis ulcerosa
| Phase | Dosierung |
|---|---|
| Einleitung | 200 mg einmal täglich für 10 Wochen; bei unzureichendem Nutzen weitere 12 Wochen möglich, insgesamt 22 Wochen. Ohne therapeutischen Nutzen nach 22 Wochen absetzen. |
| Erhaltung | 200 mg einmal täglich. Bei erhöhtem VTE-/MACE-/Malignomrisiko oder ab 65 Jahren 100 mg einmal täglich; bei Krankheitsschub Steigerung auf 200 mg möglich. Niedrigste wirksame Dosis. |
Ab 75 Jahren: Bei Colitis ulcerosa mangels Daten nicht empfohlen. [1]
Pädiatrische Dosierungen
Unter 18 Jahren sind Sicherheit und Wirksamkeit nicht erwiesen; keine zugelassene pädiatrische Dosierung. [1]
Dosisanpassung
| Situation | Vorgehen |
|---|---|
| Kreatininclearance ≥60 ml/min | Keine Dosisanpassung. |
| Kreatininclearance 15 bis <60 ml/min | 100 mg einmal täglich; gilt auch für die CU-Einleitung. |
| Kreatininclearance <15 ml/min | Anwendung nicht empfohlen. |
| Child-Pugh A/B | Keine Dosisanpassung. |
| Child-Pugh C | Anwendung nicht empfohlen. |
Anpassungen nach Fachinformation. [1]
Altersgrenze – Quellen: Aktuelle FI: Bei RA ab 65 Jahren 100 mg als empfohlene Dosis. DGRh 01/2023 nennt noch 75 Jahre für die niedrigere Anfangsdosis. [1][2]
Vor Therapiebeginn
Basis: Aktive Infektion ausschließen, Impfstatus prüfen; großes Blutbild, ALT/GPT, AST/GOT, Kreatinin und Lipidprofil. BSG/CRP zur Ausgangsaktivität. [2][1]
Tuberkulose – DZK: Anamnese, klinische Untersuchung, IGRA und Thorax-Röntgen vor Beginn; aktive Tbc ausschließen. Bei LTBI präventive Therapie vor JAK-Hemmung beginnen. Kürzere Rifamycin-Schemata bevorzugen: Rifampicin 4 Monate oder Rifampicin plus Isoniazid 3 Monate; alternativ Isoniazid 9 Monate. Wechselwirkungen und Resistenzanamnese berücksichtigen. [3]
Beginn unter LTBI-Prävention: Die gemeinsame Stellungnahme DZK/DGRh/DDG 2021 empfiehlt mindestens 4 Wochen präventive Therapie vor der Immunsuppression. Die S2k-Leitlinie 2022 bezeichnet den frühestmöglichen Start als nicht gesichert und beschreibt 4–8 Wochen als in der Literatur sicher angesehenen Vorlauf. Bei dringlicher Immunsuppression Zeitpunkt interdisziplinär unter Berücksichtigung der Grunderkrankung und des Präventionsverlaufs festlegen. [4][3]
HBV-Screening: HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs; bei HBsAg+ oder Anti-HBc+ zusätzlich HBV-DNA. [5]
Gesamtrisiko: Glukokortikoiddosis/-dauer, weitere Immunsuppression sowie Chemo-/Transplantationsregime berücksichtigen. Anti-HBs+ schließt bei Anti-HBc+ eine Reaktivierung nicht aus. Wenn erforderliche HBV-Kontrollen nicht gesichert sind: Prophylaxe. [5][6]
Kontrollen ohne Prophylaxe: Bei HBsAg+ und niedrigem Gesamtrisiko HBV-DNA/ALT spätestens alle 8 Wochen; bei HBsAg−/Anti-HBc+/HBV-DNA− HBsAg, HBV-DNA und ALT alle 1–3 Monate. Bei neuem DNA-Nachweis oder HBsAg-Reversion sofort antiviral behandeln, vor Hepatitis. [5]
Prophylaxe: Entecavir oder Tenofovir (TDF/TAF) vor Immunsuppression beginnen, währenddessen und danach 6–12 Monate (bei B-Zell-Depletion mindestens 18 Monate) fortführen. Nach Absetzen weiter überwachen; bei eigenständiger HBV-Therapieindikation länger behandeln. [5]
Impfung: Bei HBsAg−/Anti-HBc− und fehlendem Impfschutz möglichst vor Immunsuppression impfen; Schema und Erfolgskontrolle. [5][7]
Virushepatitis: Vor Beginn zusätzlich auf Hepatitis C entsprechend den klinischen Leitlinien untersuchen. [1]
Therapiewahl bei erhöhtem Risiko: Ab 65 Jahren, bei atherosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder anderen kardiovaskulären Risikofaktoren einschließlich aktuellem oder früherem langjährigem Rauchen sowie bei Risikofaktoren für maligne Erkrankungen nur anwenden, wenn keine geeigneten Behandlungsalternativen zur Verfügung stehen. [1]
Venöse Thromboembolien: Frühere VTE, größere Operation, Immobilisierung, kombinierte hormonelle Kontrazeption/Hormonersatztherapie und erbliche Gerinnungsstörungen erfassen; bei entsprechenden Risiken vorsichtig anwenden und im Verlauf erneut bewerten. [1]
Startgrenzen: Kein Beginn bei Neutrophilen <1 × 10⁹/l, Lymphozyten <0,5 × 10⁹/l oder Hb <8 g/dl. [1]
Kontrollen
DGRh-Verlaufskontrollen: Klinisch nach Infektionszeichen, insbesondere Fieber, Atemwegsbeschwerden, Herpes zoster, Durchfall und Gewichtsverlust fragen. Sicherheitslabor mit Differenzialblutbild, ALT/GPT und AST/GOT in den ersten 3 Monaten etwa alle 4 Wochen, bei stabilen Werten danach alle 8–12 Wochen; zusätzliche Kontrollen nach Begleitmedikation. BSG/CRP im Verlauf zur Krankheitsaktivität. [2]
Lipide: Nach etwa 12 Wochen; anschließend nach Hyperlipidämie-Leitlinien, nach DGRh etwa halbjährlich. [1][2]
Unterbrechung: Bei schwerer Infektion pausieren, bis diese kontrolliert ist. Bei Herpes zoster pausieren, bis die Infektion abgeklungen ist. Bei VTE-Verdacht absetzen und unverzüglich untersuchen. [1]
Weitere Überwachung: Kardiovaskuläres Risiko, VTE-Risiko und Tumorrisiko regelmäßig neu bewerten; regelmäßige Hautuntersuchungen. [1]
| Parameter | Vorgehen |
|---|---|
| Neutrophile <1 × 10⁹/l | Nicht beginnen bzw. pausieren; Wiederbeginn bei >1 × 10⁹/l. |
| Lymphozyten <0,5 × 10⁹/l | Nicht beginnen bzw. pausieren; Wiederbeginn bei >0,5 × 10⁹/l. |
| Hb <8 g/dl | Nicht beginnen bzw. pausieren; Wiederbeginn bei >8 g/dl. |
Grenzen nach Fachinformation. [1]
Wirkbeginn und Therapiebeurteilung
Gegenanzeigen
Nebenwirkungen und Maßnahmen
Auswahl: Atemwegsinfektionen, Harnwegsinfekte, Übelkeit und Schwindel; Herpes zoster, Pneumonie, Neutropenie, Hypercholesterinämie und CK-Anstieg. Auch Kreatininanstiege und meist milde, vorübergehende Phosphatabfälle wurden beschrieben. Schwere/opportunistische Infektionen, VTE, MACE und maligne Erkrankungen einschließlich nichtmelanozytärem Hautkrebs beachten. [1]
Wechselwirkungen
Immunsuppression: Kombination mit anderen JAK-Hemmern, Biologika oder potenten Immunsuppressiva wie Ciclosporin und Tacrolimus nicht empfohlen; DGRh rät auch von der Kombination mit Azathioprin ab. [1][2]
CES2-Hemmer: Fenofibrat, Carvedilol, Diltiazem oder Simvastatin können die Carboxylesterase 2 in vitro hemmen; die klinische Relevanz für Filgotinib ist unbekannt. [1]
CYP1A2: Bei Substraten mit enger therapeutischer Breite Vorsicht; die Wirkung auf CYP1A2 ist nicht geklärt. Eine CYP2B6-Induktion in vivo kann nicht ausgeschlossen werden. Für Ethinylestradiol/Levonorgestrel keine Dosisanpassung erforderlich. [1]
Rifampicin oder Itraconazol: Laut FI-Interaktionsdaten keine Dosisanpassung von Filgotinib erforderlich. [1]
Tumoranamnese
Tumoranamnese bei entzündlicher Arthritis: JAK-Hemmer nach EULAR mit Vorsicht und nur bei fehlenden therapeutischen Alternativen einsetzen. Bei Tumorerkrankung ohne Remission Therapieentscheidung gemeinsam mit Patient und onkologisch behandelndem Team treffen. [8]
Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft: Vor geplanter Schwangerschaft auf eine schwangerschaftsverträgliche Therapie umstellen; während der Schwangerschaft wegen unzureichender Sicherheitsdaten vermeiden. [9]
Stillzeit: Wegen unzureichender Sicherheitsdaten eine stillverträgliche Alternative wählen. [9]
Väterlicher Kinderwunsch: Umstellung auf eine alternative antirheumatische Therapie erwägen. Für Filgotinib zeigte sich kein negativer Effekt auf die Spermienqualität; Daten zu Schwangerschaftsausgängen nach väterlicher Exposition sind weiterhin sehr begrenzt. [9]
Fachinformation: Schwangerschaft ist kontraindiziert. Zuverlässige Verhütung während der Behandlung und mindestens 1 Woche nach der letzten Dosis. Während der Stillzeit nicht anwenden; Stillen oder Therapie unter Abwägung des Nutzens unterbrechen. [1]
Fachinformation – männliche Fertilität: MANTA/MANTA-RAy: 248 Männer randomisiert, 240 im primären Vergleich auswertbar; mindestens 50 % Abnahme der Spermienkonzentration in Woche 13 unter 200 mg täglich bei 8/120 (6,7 %) versus Placebo 10/120 (8,3 %). Eingeschlossen waren Männer von 21–65 Jahren mit normalen Ausgangs-Samenparametern. Die FI berichtet auch in Woche 26 keinen Gruppenunterschied. Tierexperimentell wurden Fertilitäts-/Spermatogenesestörungen beobachtet. [1][10]
Impfungen
Nichtlebendimpfstoffe: Unter Therapie möglich; möglichst mindestens 2, besser 4 Wochen vor Beginn abschließen. [11]
Lebendimpfstoffe – Fachinformation: Während der Behandlung vermeiden; Impfstatus vor Beginn vervollständigen. [1]
Lebendimpfstoffe vor Beginn: Auch unmittelbar vor der Therapie nach Fachinformation vermeiden; erforderlichen Abstand nach Impfstoff und bestehender Immunsuppression planen. [1]
Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe
Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [7]
| Impfung | Indikation / Schema |
|---|---|
| Influenza | Jährlich bei Immunsuppression/ |
| COVID-19 | Jährlich bei relevanter Immunsuppression/ |
| Pneumokokken | PCV20 bei Immunsuppression/ |
| Herpes zoster | Ab 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression. [13][1] |
| Hepatitis B | Bei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l. |
| RSV | Einmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/ |
Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [7]
Operationen
DGRh: Vor größeren Operationen JAK-Hemmer 3–4 Tage pausieren. Wiederbeginn abhängig von der Wundheilung möglichst bald, ohne Infektionszeichen. [14]
Alltag und Handhabung
Einnahme: Einmal täglich mit oder ohne Nahrung; Tabletten im Ganzen schlucken. Teilen, Zerkleinern oder Zerkauen wurde nicht untersucht. Bei Schwindel nicht fahren oder Maschinen bedienen. [1]
Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten
Jyseleca · Filmtabletten
100 mg und 200 mg; enthalten 76 mg bzw. 152 mg Lactose. Bei hereditärer Galactose-Intoleranz, völligem Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption nicht einnehmen. In Originalverpackung vor Feuchtigkeit schützen; Flasche fest verschlossen halten. [1]
Überdosierung und Antidot
Einmalige oder tägliche Gaben bis 450 mg wurden ohne dosislimitierende Toxizität untersucht. Nach 100 mg einmalig wurden etwa 50 % innerhalb von 24 Stunden und 90 % innerhalb von 72 Stunden eliminiert. Vitalzeichen und klinischen Zustand überwachen, unterstützend behandeln. Dialysierbarkeit ist nicht bekannt. [1]