Medikament

Infliximab

bDMARD · TNF-α-Hemmer · monoklonaler Antikörper

Kurzfassung

RA · PsA · ankylosierende Spondylitis · Plaque-Psoriasis · Morbus Crohn · Colitis ulcerosa. S.c. für Erwachsene; chronisch-entzündliche Darmerkrankungen ab 6 Jahren i.v.

RA i.v.: 3 mg/kg in Woche 0, 2 und 6, danach alle 8 Wochen, mit MTX.

PsA/AS i.v.: 5 mg/kg in Woche 0, 2 und 6, danach alle 8 bzw. 6–8 Wochen.

Infliximab s.c.: Erhaltung 120 mg alle 2 Wochen. RA: direkte Induktion mit 120 mg s.c. in Woche 0, 1, 2, 3 und 4; ab Woche 6 alle 2 Wochen, mit MTX. Alternativ i.v.-Induktion; bei den übrigen Indikationen i.v.-Induktion erforderlich. [FS]

Aktive Tbc oder andere schwere Infektionen; Herzinsuffizienz NYHA III/IV. Beim sorbitolhaltigen i.v.-Konzentrat (40 mg/ml) zusätzlich: hereditäre Fructoseintoleranz.

Tbc- und HBV-Screening. Infusionsreaktionen: Notfallausrüstung und Nachbeobachtung.

Wirkmechanismus

Chimärer human-muriner IgG1-Antikörper gegen lösliches und membrangebundenes TNF-α. [1]

Indikationen

Rheumatoide Arthritis: Aktive RA nach unzureichendem DMARD-Ansprechen einschließlich MTX; außerdem schwere, aktive und fortschreitende RA ohne vorherige MTX- oder andere DMARD-Therapie. In Kombination mit MTX. [1][2]

Psoriasis-Arthritis: Aktive und fortschreitende PsA nach unzureichendem DMARD-Ansprechen. Mit MTX; Monotherapie bei MTX-Unverträglichkeit oder MTX-Kontraindikation. [1][2]

Ankylosierende Spondylitis: Schwere aktive Erkrankung nach unzureichendem Ansprechen auf konventionelle Therapie. Keine Zulassung für nicht-röntgenologische axSpA. [1][2]

Plaque-Psoriasis: Mittelschwere bis schwere Erkrankung nach Versagen, Unverträglichkeit oder Kontraindikation anderer systemischer Therapien einschließlich Ciclosporin, MTX oder PUVA. [1][2]

Morbus Crohn: Mäßig- bis schwergradig aktive Erkrankung nach Versagen, Unverträglichkeit oder Kontraindikation von Glukokortikoiden und/oder Immunsuppressiva; außerdem aktiver fistulierender Verlauf nach unzureichendem Ansprechen auf konventionelle Behandlung einschließlich Antibiotika, Drainage und Immunsuppression. [1][2]

Colitis ulcerosa: Mittelschwere bis schwere aktive Erkrankung nach Versagen, Unverträglichkeit oder Kontraindikation konventioneller Therapie einschließlich Glukokortikoiden und Azathioprin/6-Mercaptopurin. [1][2]

Morbus Crohn, 6–17 Jahre: Schwere aktive Erkrankung nach entsprechender konventioneller Vortherapie einschließlich primärer Ernährungstherapie oder bei deren Unverträglichkeit/Kontraindikation. Nur intravenös. [1][2][3][4]

Colitis ulcerosa, 6–17 Jahre: Schwere aktive Erkrankung nach entsprechender konventioneller Vortherapie oder bei deren Unverträglichkeit/Kontraindikation. Nur intravenös. Infliximab s.c. ist nur für Erwachsene zugelassen. [1][2][3][4]

Dosierung und Anwendung

Intravenös: Initial in Woche 0, 2 und 6, danach indikationsabhängige Erhaltung. [DT]

RA: 3 mg/kg alle 8 Wochen, mit MTX. Bei unzureichendem oder verlorenem Ansprechen nach 12 Wochen schrittweise Steigerung um etwa 1,5 mg/kg bis 7,5 mg/kg alle 8 Wochen oder 3 mg/kg alle 4 Wochen erwägen. [1]

PsA: 5 mg/kg alle 8 Wochen. MTX fortführen, sofern verträglich und nicht kontraindiziert. [1] Bei peripherer PsA ein bereits vertragenes csDMARD beim Beginn des ersten TNF-Hemmers fortführen. [EPSA]

Ankylosierende Spondylitis: 5 mg/kg alle 6–8 Wochen. [1]

Plaque-Psoriasis: 5 mg/kg alle 8 Wochen nach der Initialphase. [1]

Morbus Crohn: 5 mg/kg alle 8 Wochen nach der Initialphase. Bei nichtfistulierendem Morbus Crohn unter i.v. Therapie Fortsetzung nur bei Ansprechen auf die ersten beiden Infusionen. [1]

Colitis ulcerosa: 5 mg/kg alle 8 Wochen nach der Initialphase. [1]

Infliximab s.c. – Erwachsene

Infliximab s.c. · Induktion und ErhaltungIndikation / BeginnDosierung

RA – direkte s.c.-Induktion

120 mg s.c. in Woche 0, 1, 2, 3 und 4; ab Woche 6 alle 2 Wochen. Mit MTX. [FS]

RA – alternative i.v.-Induktion

3 mg/kg i.v. in Woche 0 und 2; ab Woche 6 jeweils 120 mg s.c. alle 2 Wochen. Mit MTX. [FS]

PsA / AS / Plaque-Psoriasis

5 mg/kg i.v. in Woche 0 und 2; ab Woche 6 jeweils 120 mg s.c. alle 2 Wochen. [FS]

Morbus Crohn / Colitis ulcerosa

5 mg/kg i.v. in Woche 0 und 2; zusätzliche i.v.-Gabe von 5 mg/kg in Woche 6 möglich. Erste s.c. Gabe 4 Wochen nach der letzten Induktionsinfusion, somit in Woche 6 oder 10; anschließend 120 mg s.c. alle 2 Wochen. [FS]

Pädiatrische Dosierungen

Morbus Crohn, 6–17 Jahre: 5 mg/kg i.v. in Woche 0, 2 und 6, danach alle 8 Wochen. [1]

Colitis ulcerosa, 6–17 Jahre: 5 mg/kg i.v. in Woche 0, 2 und 6, danach alle 8 Wochen. [1]

Dosisanpassung

Nieren- oder Leberfunktionsstörung: Nicht untersucht; keine Dosierungsempfehlung verfügbar. Ältere Menschen: Keine Dosisanpassung erforderlich. [1][2]

Umstellung i.v. auf Infliximab s.c.: Bei bestehender Erhaltungstherapie erste s.c. Dosis zum Zeitpunkt der nächsten geplanten Infusion. Unzureichende Daten nach i.v. Dosen über 3 mg/kg bei RA beziehungsweise über 5 mg/kg bei Morbus Crohn alle 8 Wochen. [2]

Vor Therapiebeginn

Klinisch: Aktive Infektion und Herzinsuffizienz NYHA III/IV ausschließen; demyelinisierende Erkrankungen und frühere Infusionsreaktionen berücksichtigen. [DT][1]

Tuberkulose: Anamnese, klinische Untersuchung, IGRA und Thorax-Röntgen; aktive Tuberkulose vor einer LTBI-Prävention ausschließen. [DZK]

LTBI: Präventive Therapie vor Infliximab beginnen. Kürzere Rifamycin-Schemata bevorzugen: Rifampicin für 4 Monate oder Rifampicin plus Isoniazid für 3 Monate; alternativ Isoniazid für 9 Monate. Wechselwirkungen, Verträglichkeit und Resistenzanamnese berücksichtigen. [DZK]

Beginn unter LTBI-Prävention: Die gemeinsame Stellungnahme DZK/DGRh/DDG 2021 empfiehlt mindestens 4 Wochen präventive Therapie vor der Immunsuppression. Die S2k-Leitlinie 2022 bezeichnet den frühestmöglichen Start als nicht gesichert und beschreibt 4–8 Wochen als in der Literatur sicher angesehenen Vorlauf. Bei dringlicher Immunsuppression Zeitpunkt interdisziplinär unter Berücksichtigung der Grunderkrankung und des Präventionsverlaufs festlegen. [DZK21][DZK]

HBV-Screening: HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs; bei HBsAg+ oder Anti-HBc+ zusätzlich HBV-DNA. [HB]

TNF-Inhibition · HBV-Risiko (EASL 2025)HBV-StatusRisiko und Vorgehen

HBsAg+ oder HBsAg−/Anti-HBc+ mit HBV-DNA+ vor Therapiebeginn

Hoch (>10 %): antivirale Prophylaxe. [EHB]

HBsAg−/Anti-HBc+; HBV-DNA−

Moderat (1–10 %): Überwachung; bei erhöhtem Gesamtrisiko Prophylaxe erwägen. [EHB]

Gesamtrisiko: Glukokortikoiddosis/-dauer, weitere Immunsuppression sowie Chemo-/Transplantationsregime berücksichtigen. Anti-HBs+ schließt bei Anti-HBc+ eine Reaktivierung nicht aus. Wenn erforderliche HBV-Kontrollen nicht gesichert sind: Prophylaxe. [HB][EHB]

Kontrollen ohne Prophylaxe: bei HBsAg−/Anti-HBc+/HBV-DNA− HBsAg, HBV-DNA und ALT alle 1–3 Monate. Bei neuem DNA-Nachweis oder HBsAg-Reversion sofort antiviral behandeln, vor Hepatitis. [HB]

Prophylaxe: Entecavir oder Tenofovir (TDF/TAF) vor Immunsuppression beginnen, währenddessen und danach 6–12 Monate (bei B-Zell-Depletion mindestens 18 Monate) fortführen. Nach Absetzen weiter überwachen; bei eigenständiger HBV-Therapieindikation länger behandeln. [HB]

Impfung: Bei HBsAg−/Anti-HBc− und fehlendem Impfschutz möglichst vor Immunsuppression impfen; Schema und Erfolgskontrolle. [HB][ST26]

Sicherheitslabor: Großes Blutbild, GOT, GPT und Kreatinin. BSG/CRP zur Beurteilung der Krankheitsaktivität. [DT]

Impfstatus: Vor Therapiebeginn prüfen und erforderliche Impfungen unter Beachtung der substanzbezogenen Abstände planen. [SI]

Kontrollen

Labor: Großes Blutbild, GOT, GPT und Kreatinin in den ersten 3 Monaten etwa alle 4 Wochen, bei stabil normalen Werten danach alle 8–12 Wochen. [DT]

Klinisch: Auf Infektionen, Abszesse, Fieber, Husten und Gewichtsverlust achten. [DT] Infektionsüberwachung bis 6 Monate nach Therapieende. Regelmäßige Hautuntersuchungen, insbesondere bei Hautkrebsrisikofaktoren. [1]

Wirkbeginn und Therapiebeurteilung

Wirkbeginn: Meist innerhalb der ersten 4 Wochen. Ohne Besserung nach 12 Wochen Fortsetzung überprüfen. [DT]

Ankylosierende Spondylitis: Ohne Ansprechen nach 6 Wochen nicht fortführen. Plaque-Psoriasis: Ohne Ansprechen nach 14 Wochen nicht fortführen. [1]

CED, intravenös: Nichtfistulierender Morbus Crohn: ohne Ansprechen nach zwei Infusionen keine Fortsetzung. Fistulierender Crohn unter i.v. Therapie: nach drei erfolglosen Infusionen keine Fortsetzung. Colitis ulcerosa: Nutzen nach 14 Wochen prüfen. Bei Kindern ohne Ansprechen Fortsetzung bei Crohn nach 10 Wochen, bei Colitis ulcerosa nach 8 Wochen nicht durch Daten gestützt. [1]

Gegenanzeigen

Herzinsuffizienz NYHA III/IV; Tuberkulose oder andere schwere Infektionen einschließlich Sepsis, Abszessen und opportunistischen Infektionen; Überempfindlichkeit gegen Infliximab, andere murine Proteine oder Bestandteile. [1][2][3][4]

Infliximab 40 mg/ml Infusionskonzentrat zusätzlich: Hereditäre Fructoseintoleranz. [2]

Nebenwirkungen und Maßnahmen

Häufig/sehr häufig: Atemwegs- und andere Infektionen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Bauchschmerzen, Leberwertanstieg, Hautausschlag, Infusionsreaktionen; bei s.c. Gabe lokale Injektionsreaktionen. [1][2]

Akute Infusionsreaktion: Infusion sofort unterbrechen. Bei leichter vorübergehender Reaktion nach Abklingen gegebenenfalls langsamer fortsetzen. Bei schwerer Reaktion behandeln und keine weiteren Infliximab-Infusionen. [DT][1]

Schwere Infektion: Infliximab absetzen und Infektion behandeln. [FS] Demyelinisierende Symptome: Therapie pausieren und neurologisch abklären. [DT] Neue oder zunehmende Herzinsuffizienz: Infliximab absetzen und kardial abklären. [FS]

Ikterus oder ALT ≥5-fache obere Normgrenze: Infliximab absetzen und umfassend abklären. [FS]

HBV-Reaktivierung: Infliximab absetzen und wirksame antivirale Behandlung beginnen. [FS]

Lupus-ähnliches Syndrom mit Anti-dsDNA-Antikörpern: Nicht weiterbehandeln. Bei bestätigter erheblicher Zytopenie Beendigung erwägen. [1]

Thiopurin-Kombination: Sehr selten hepatosplenische T-Zell-Lymphome berichtet, überwiegend bei männlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit CED; fast alle hatten Azathioprin oder 6-Mercaptopurin erhalten. [1]

Wechselwirkungen

MTX: Vermindert die Bildung von Antikörpern gegen Infliximab und erhöht die Plasmakonzentration. [DT]

Andere Biologika, insbesondere Anakinra oder Abatacept: Kombination nicht empfohlen. Therapeutische infektiöse Agenzien, etwa intravesikales BCG: Nicht gleichzeitig anwenden. [1]

Tumoranamnese

Solider Tumor in Remission: Bei entzündlicher Arthritis können TNF-Inhibitoren gegenüber anderen zielgerichteten Therapien bevorzugt werden. Dies gilt auch für nichtmelanozytären Hautkrebs; für ein Melanom enthält diese Empfehlung keine entsprechende Therapiepräferenz. [EK]

Lymphom in der Anamnese: Bei entzündlicher Arthritis und Tumorremission kann eine B-Zell-depletierende Therapie gegenüber anderen zielgerichteten Therapien bevorzugt werden. [EK]

Tumorerkrankung ohne Remission: Therapieentscheidung gemeinsam mit Patient und onkologisch behandelndem Team treffen. [EK]

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: Während der gesamten Schwangerschaft anwendbar; individuelle Wirksamkeit und plazentaren Übertritt berücksichtigen. [EP]

Stillzeit: Mit dem Stillen vereinbar. [EP]

Väterlicher Kinderwunsch: Fortführung möglich. [EP]

Säuglingsimpfungen: Totimpfstoffe und Rotavirusimpfung nach regulärem Impfplan. Nach intrauteriner Exposition nach der 20. Schwangerschaftswoche BCG-Impfung bis zum Alter von 6 Monaten verschieben. [EP]

Fachinformation: Schwangerschaftsanwendung nur bei eindeutiger Erforderlichkeit; Verhütung während der Behandlung und für mindestens 6 Monate nach der letzten Dosis in Betracht ziehen. Stillen kann erwogen werden. [1]

Fachinformation – Säuglingsimpfungen: Nach intrauteriner Exposition 12 Monate keine Lebendimpfung empfohlen. Frühere Impfung bei eindeutigem klinischem Nutzen erwägen, wenn Infliximab beim Kind nicht nachweisbar ist oder die Exposition auf das erste Trimester beschränkt war. Bei Säuglingen, die während mütterlicher Infliximab-Therapie gestillt werden, ebenfalls keine Lebendimpfung empfohlen, außer bei nicht nachweisbarem Infliximab-Serumspiegel des Kindes. [1][2]

Impfungen

Totimpfstoffe: Möglich; unter laufender Therapie möglichst in der Mitte des Behandlungsintervalls. Verminderte Impfantwort unter anderem auf Influenza, Pneumokokken und Hepatitis B beschrieben, besonders bei Thiopurin-Kombination. [SI]

Lebendimpfstoffe: Nicht während der Therapie; mindestens 4 Wochen vor Beginn beziehungsweise frühestens 3 Monate nach Therapieende. [SI]

Empfohlene Nichtlebendimpfstoffe

Auswahl für Erwachsene nach Alter, Grunderkrankung, Impfstatus und Gesamtimmunsuppression. [ST26]

STIKO · ImpfstoffauswahlImpfungIndikation / Schema

Influenza

Jährlich bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren; inaktivierter Impfstoff, ab 60 Jahren Hochdosis- oder MF59-adjuvantiert.

COVID-19

Jährlich bei relevanter Immunsuppression/weiterem Risikofaktor oder ab 75 Jahren, bevorzugt Spätsommer/Frühherbst. Bei ausgeprägter Immundefizienz zusätzliche Dosen/verkürzte Abstände individuell. [SC26]

Pneumo­kokken

PCV20 bei Immunsuppression/entsprechender Grunderkrankung oder ab 60 Jahren. Nach PCV13/15 ≥1 Jahr; nach PPSV23 ≥6 Jahre, bei ausgeprägter Immundefizienz gegebenenfalls ≥1 Jahr.

Herpes zoster

Ab 18 Jahren bei Immundefizienz oder schwerer Grunderkrankung; ab 60 Jahren generell. Adjuvantierter Totimpfstoff: 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten; möglichst vor Immunsuppression.

Hepatitis B

Bei fehlendem Impfschutz und (geplanter) Immunsuppression. Anti-HBs 4–8 Wochen nach der Impfserie kontrollieren; Ziel ≥100 IE/l.

RSV

Einmalig ab 75 Jahren; mit 60–74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung/Immundefizienz oder Pflegeheimbewohnenden. Möglichst vor der RSV-Saison.

Weitere Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, HPV und altersgemäß Meningokokken-ACWY nach Impfkalender vervollständigen; Hepatitis A, FSME, Meningokokken B und Hib bei zusätzlicher Indikation. Bei Kindern und Jugendlichen altersgerechte STIKO-Schemata verwenden. [ST26]

Operationen

DGRh perioperativ: Operation zum Ende des Therapieintervalls planen; nach Unterbrechung abhängig von der Wundheilung baldmöglichst wieder beginnen. [DO]

Abweichend im DGRh-Therapiebogen: Vor größeren Eingriffen etwa 4 Wochen bei i.v. beziehungsweise 2 Wochen bei s.c. pausieren; Wiederbeginn nach abgeschlossener Wundheilung. [DT]

Elektive Hüft- oder Knieendoprothese: ACR/AAHKS: bei i.v. Intervallen von 4, 6 oder 8 Wochen Operation in Woche 5, 7 beziehungsweise 9 nach der letzten Gabe. Wiederbeginn bei ausreichender Wundheilung, entfernten Nähten/Klammern und ohne relevante Schwellung, Rötung, Sekretion oder weitere Infektion; meist nach etwa 14 Tagen. Bedingte Empfehlung. [AO]

Alltag und Handhabung

Infusion: Über 2 Stunden; nach mindestens drei vertragenen zweistündigen Infusionen bei ausgewählten Erwachsenen Verkürzung auf mindestens 1 Stunde möglich. Verkürzte Infusionen über 6 mg/kg nicht untersucht. Nachbeobachtung mindestens 1–2 Stunden; Notfallausrüstung verfügbar halten. Sterilen, pyrogenfreien Inline-Filter mit geringer Proteinbindung und maximal 1,2 µm Porengröße verwenden. [1]

Prämedikation: Antihistaminikum, Hydrokortison und/oder Paracetamol können zur Verringerung von Infusionsreaktionen eingesetzt werden, insbesondere nach früheren Reaktionen. [1]

Wiederbeginn nach Unterbrechung der i.v. Erhaltungstherapie: Keine erneute Induktionsserie empfohlen; Einzeldosis, anschließend Erhaltungsschema. Längere Pausen erhöhen das Risiko verzögerter Überempfindlichkeitsreaktionen. [1]

Dokumentation: Handelsname und Charge festhalten; Patientenkarte aushändigen. Verkehrstüchtigkeit: Geringer Einfluss möglich, etwa durch Schwindel. [1]

Handelspräparate, Wirkstärken und Besonderheiten

Grundlagerung: 2–8 °C. Abweichende Fristen außerhalb des Kühlschranks nach Präparat und Form: siehe Tabellen. [1][2][3][4]

Infliximab s.c.

Infliximab s.c. · Fertigspritze und FertigpenMerkmalAngabe

Präparat / Stärke

Remsima; 120 mg in 1 ml, entsprechend 120 mg/ml. Für Erwachsene. [FS]

Anwendung

30 Minuten vor Injektion auf Raumtemperatur kommen lassen; nicht künstlich erwärmen. Nach erster s.c. Gabe geeignete Nachbeobachtung. [FS]

Vergessene Dosis

Bis einschließlich 7 Tage nachholen und ursprünglichen Plan beibehalten; ab 8 Tagen auslassen und am nächsten geplanten Termin fortsetzen. [FS]

Lagerung

Im Umkarton lichtgeschützt; nicht einfrieren. Bis zu 28 Tage bei höchstens 25 °C; anschließend unverwendetes Arzneimittel entsorgen. [FS]

Infliximab i.v. – Formen und Zubereitung

Infliximab i.v. · Pulver und KonzentratForm / PräparateWirkstärke und Herstellung

Pulver: Remicade, Remsima, Flixabi, Zessly

100 mg je Durchstechflasche. Mit 10 ml Wasser für Injektionszwecke rekonstituieren: 10 mg/ml. Anschließend mit NaCl 0,9 % verdünnen. [1][2][3][4]

Konzentrat: Remsima

40 mg/ml; 100 mg in 2,5 ml oder 350 mg in 8,75 ml. Direkt mit NaCl 0,9 % verdünnen. [FK]

Das i.v.-Konzentrat mit 40 mg/ml enthält 45 mg Sorbitol/ml: bei hereditärer Fructoseintoleranz kontraindiziert. [FK][RH]

Infliximab i.v. – Lagerung ungeöffnet

Infliximab i.v. · einmalige Lagerung außerhalb des KühlschranksPräparat / FormFrist und Temperatur

Remicade / Remsima / Flixabi – Pulver

Bis zu 6 Monate bei höchstens 25 °C. [1][2][3]

Zessly – Pulver

Bis zu 6 Monate bei höchstens 30 °C. [4]

Remsima – Konzentrat 40 mg/ml

Bis zu 15 Tage bei höchstens 30 °C. [FK]

Nach Entnahme für diese Lagerungsperiode nicht erneut kühlen; ursprüngliches Verfalldatum beachten. [1][2][3][4][FK]

Nach Zubereitung: Infusion möglichst umgehend, innerhalb von 3 Stunden beginnen. Nach aseptischer Zubereitung bei 2–8 °C normalerweise innerhalb von 24 Stunden verwenden. Längere Aufbewahrung bei Remicade, Remsima und Flixabi ausschließlich unter den präparatespezifischen Bedingungen für kontrollierte, validierte aseptische Zubereitung. [1][2][3][4][FK]

Konzentrat – nach Kühlung: Verdünnte Lösung aus dem 40-mg/ml-Konzentrat vor Infusion 3 Stunden bei Raumtemperatur bis 30 °C temperieren. [FK]

Überdosierung und Antidot

Intravenös: Einzeldosen bis 20 mg/kg wurden ohne toxische Wirkungen verabreicht. Infliximab s.c.: Wiederholte Dosen bis 240 mg wurden ohne toxische Wirkungen verabreicht. Bei Überdosierung symptomatische Behandlung und gegebenenfalls unterstützende Maßnahmen. [1][2]

[HB] Cornberg M et al.: Deutsche S3-Leitlinie Hepatitis B, 2021, Kapitel 3.13, Empfehlungen 3.13.1–3.13.3 und Abbildung 3. Screening, Prophylaxe, Wirkstoffe, Kontrollintervalle und Nachlauf. Abruf 22.09.2026; Hepatitis-D-Addendum 2023. Originalquelle

[EPSA] Gossec L et al.: EULAR recommendations for the management of psoriatic arthritis with pharmacological therapies: 2023 update. Ann Rheum Dis. 2024;83:706–719. Originalquelle

[EP] Rüegg L et al.: EULAR recommendations for use of antirheumatic drugs in reproduction, pregnancy, and lactation: 2024 update. Ann Rheum Dis. 2025;84:910–926. Empfehlungen I–III, Tabellen 1–4 und Erläuterungen. DOI 10.1016/j.ard.2025.02.023. Originalquelle

[DO] Albrecht K et al.: Perioperativer Umgang mit der Therapie von Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Aktualisierte Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie. Z Rheumatol. 2022;81:212–224; online 2021. Originalquelle

[DZK] DZK/DGP: S2k-Leitlinie Tuberkulose im Erwachsenenalter. Version 2.4, 2022, mit Amendment 2023 zur resistenten Tuberkulose. Kapitel 8.5 und 8.7, S. 166–170; Empfehlung 104. Abruf 21.09.2026. Originalquelle

[DZK21] Diel R et al.: Gemeinsame Stellungnahme DZK/DGRh/DDG zum Tuberkuloserisiko unter Non-TNF-Biologika. Pneumologie. 2021;75:293–303. Schlussfolgerung S. 297: Reichweite und mindestens vierwöchiger Vorlauf. Originalquelle

[DT] DGRh: Therapie mit Infliximab – Arztinformation. Juli 2022. Originalquelle

[EHB] EASL Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection. J Hepatol. 2025;83:502–583. Abschnitt HBV-Reaktivierung, Tabelle 14 und Empfehlungen zur Prophylaxe/Überwachung. DOI 10.1016/j.jhep.2025.03.018. Originalquelle

[AO] Goodman SM et al.: 2022 American College of Rheumatology/American Association of Hip and Knee Surgeons Guideline for the Perioperative Management of Antirheumatic Medication in Patients With Rheumatic Diseases Undergoing Elective Total Hip or Total Knee Arthroplasty. Arthritis Care Res. 2022;74:1399–1408. Tabelle 2 (Korrektur vom 24.08.2022) und Wiederbeginn-Empfehlung. Originalquelle

[SI] Wagner N et al.: Impfen bei Immundefizienz – Anwendungshinweise zu den von der STIKO empfohlenen Impfungen. IV: Autoimmunkrankheiten, andere chronisch-entzündliche Erkrankungen und immunmodulatorische Therapie. Bundesgesundheitsbl. 2019;62:494–515. Tabelle A-2. Originalquelle

[EK] Sebbag E et al.: 2024 EULAR points to consider on the initiation of targeted therapies in patients with inflammatory arthritis and a history of cancer. Ann Rheum Dis. Online publiziert 20.12.2024. Points to consider 1–8. Originalquelle

[1] Remicade: EMA-Produktinformation, deutsche Fach- und Gebrauchsinformation. Abruf 20.09.2026. Originalquelle

[2] Remsima: EMA-Produktinformation, deutsche Fach- und Gebrauchsinformation. Abruf 20.09.2026. Originalquelle

[3] Flixabi: EMA-Produktinformation, deutsche Fach- und Gebrauchsinformation. Abruf 20.09.2026. Originalquelle

[4] Zessly: EMA-Produktinformation, deutsche Fach- und Gebrauchsinformation. Abruf 20.09.2026. Originalquelle

[FS] Remsima 120 mg s.c.: deutsche Fachinformation, März 2026. Abschnitte 4.1–4.6 und 6.3–6.6. Abruf 22.09.2026. Fachinformation

[FK] Remsima 40 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung: deutsche Fachinformation, Januar 2026. Abschnitte 2, 4.3–4.4 und 6.3–6.6. Abruf 22.09.2026. Originalquelle

[RH] Celltrion / PEI / EMA: Rote-Hand-Brief zur sorbitolhaltigen i.v.-Formulierung (40 mg/ml), 21.01.2026. Originalquelle

[ST26] STIKO: Impfempfehlungen 2026, Epidemiologisches Bulletin 4/2026, Fassung vom 10.09.2026. Tabelle 2: insbesondere Hepatitis B, Herpes zoster, Influenza, Pneumokokken und RSV; Impfkalender. COVID-19 siehe gesondert [SC26]. Originalquelle

[SC26] STIKO: Aktualisierung der COVID-19-Impfempfehlung vom 09.07.2026, korrigierte Fassung vom 24.07.2026. Epidemiologisches Bulletin 28/2026, S.3–5: jährliche Standardimpfung ab 75 Jahren; Indikationsimpfung bei erhöhtem Risiko, angepasster Saisonbeginn und individuelle Schemata bei Immundefizienz. Originalquelle

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