Axiale Spondyloarthritis (axSpA) Langfassung
Langfassung
Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle der radiographischen und nicht radiographischen axSpA bei Erwachsenen.
Grundlagen: EULAR 2022 · EULAR Bildgebung 2015 · EULAR Bildgebung 2025 (Kongressabstract) · ACR 2026 (Summary)
Ergänzend: ASAS Handbuch 2009 · ASAS periphere Arthritis 2026 · EULAR Infektionen 2022 · EULAR Schwangers 2024 · ACR Periop 2022 · DGRh Wechselwirkung 2023 · STIKO 2026
Diagnostik und Klassifikation
Klinische Abklärung
- Beginn und Dauer des Rückenschmerzes, nächtlicher Schmerz, Besserung bei Bewegung, fehlende Besserung in Ruhe, Morgensteifigkeit und NSAR-Ansprechen
- Periphere Arthritis, Enthesitis, Daktylitis; Uveitis, Psoriasis/Nagelveränderungen, Morbus Crohn/Colitis ulcerosa und Familienanamnese
- Gelenk-/Enthesenstatus, Wirbelsäulenbeweglichkeit und Thoraxexkursion; CRP/BSG und HLA-B27 entsprechend klinischer Fragestellung
- Entzündlicher Rückenschmerz nach ASAS Handbuch 2009: mindestens vier von fünf Merkmalen – Beginn <40 Jahre, schleichender Beginn, Besserung durch Bewegung, keine Besserung in Ruhe, nächtlicher Schmerz mit Besserung beim Aufstehen
- Differenzialdiagnosen: mechanisch-degenerative Erkrankung, Überlastung, osteitis condensans ilii, postpartale Veränderungen, Infektion, Fraktur und andere entzündliche Erkrankungen. Isoliertes Knochenmarködem ist unspezifisch.
Bildgebung nach EULAR Bildgebung 2015
Quellenstand - Diagnostische Einordnung
EULAR Bildgebung 2015, publiziert: In der Regel ISG-Röntgen zuerst; bei jungen Menschen/kurzer Symptomdauer primäre ISG-MRT möglich. Bei weiterbestehendem Verdacht trotz nicht diagnostischem Röntgen ISG-MRT
EULAR Bildgebung 2025, Kongressabstract 2026: MRT der ISG zuerst; entzündliche und strukturelle Läsionen beurteilen. Zusätzliche Wirbelsäulen-MRT bei regionalen Symptomen möglich
Update: MRT nicht möglich/verfügbar: ISG-Röntgen oder bevorzugt Low-dose als Alternative
- Das Bildgebungsupdate wird als Kongressabstract 2026 eingeordnet
- Bei Frakturverdacht unverzügliche Abklärung; bei ankylosierter Wirbelsäule CT und/oder MRT gemäß Kongressupdate.
Eingang: Rückenschmerz seit ≥3 Monaten, Beginn vor dem 45. Geburtstag. Klassifikation für Forschung; klinische Diagnose unabhängig beurteilen.
Arm - Erforderliche Kombination
Bildgebungsarm - Sakroiliitis im Röntgen nach modifizierten New-York-Kriterien oder aktive axSpA-typische Sakroiliitis im MRT plus ≥1 SpA-Merkmal
Klinischer Arm - HLA-B27 positiv plus ≥2 weitere SpA-Merkmale
- SpA-Merkmale: entzündlicher Rückenschmerz, Arthritis, Fersenenthesitis, Uveitis, Daktylitis, Psoriasis, Morbus Crohn/Colitis ulcerosa, gutes NSAR-Ansprechen, SpA-Familienanamnese, HLA-B27, erhöhtes CRP
- HLA-B27 im klinischen Arm nicht zusätzlich als eines der zwei weiteren Merkmale zählen
- Familienanamnese bei Verwandten ersten oder zweiten Grades; die im Original definierte SpA-Erkrankungsgruppe verwenden
- Röntgensakroiliitis: beidseits Grad ≥2 oder einseits Grad ≥3. MRT-Klassifikation verlangt axSpA-typische aktive Entzündung; strukturelle Läsionen allein sind kein unmarkierter Ersatz des 2009-MRT-Kriteriums
- Entzündlicher Rückenschmerz allein ist weder hinreichend für die Klassifikation noch für die Diagnose.
Modifizierte New-York-Kriterien
- Radiologisches Kriterium: beidseits Sakroiliitis Grad ≥2 oder einseits Grad ≥3
- Zusätzlich mindestens eines: Rückenschmerz/Steifigkeit >3 Monate mit Besserung durch Bewegung, nicht durch Ruhe; Einschränkung der LWS-Beweglichkeit sagittal/frontal; verminderte Thoraxexkursion gegenüber alters-/geschlechtsbezogenen Normwerten
- Diese Kriterien beschreiben ankylosierende Spondylitis/radiographische axSpA; Nichterfüllung schließt nr-axSpA nicht aus.
Therapie
Ziele und nichtmedikamentöse Maßnahmen
Lebensqualität, Entzündungskontrolle, Funktion und Teilhabe verbessern; Strukturschaden möglichst verhindern
EULAR 2022: vorab gemeinsam vereinbartes Therapieziel; Remission/inaktive Erkrankung als Orientierung, alternativ niedrige Aktivität. Ein erhöhter Score allein rechtfertigt ohne Restentzündung keine Eskalation
Regelmäßige individuell angepasste Bewegung und aktive Physiotherapie; Raucherentwöhnung, Gewicht, Arbeit/Alltag und psychosoziale Faktoren berücksichtigen
Wesentliche ACR 2026: keine Wirbelsäulenmanipulation; besonders relevant bei Ankylose/Frakturrisiko.
Therapiebeginn
NSAR in ausreichend wirksamer, verträglicher Dosis; regelmäßig nur wenn zur Symptomkontrolle nötig, bei inaktiver Erkrankung eher Bedarf
Nicht zwei NSAR gleichzeitig kombinieren; bei unzureichender Wirkung Wechsel auf ein anderes NSAR erwägen
Lokale GK-Injektion bei geeigneter Arthritis/Sakroiliitis erwägen; keine langfristige systemische GK-Therapie der axialen Erkrankung
Keine csDMARDs für isolierte axiale Entzündung. Bei peripherer Arthritis Sulfasalazin erwägen; bei EMM separate fachübergreifende Therapie
Persistierender Schmerz: entzündliche, mechanische und noziplastische Komponenten unterscheiden; multimodal mitbehandeln. EULAR 2022 lässt Analgetika bei Restschmerz und unzureichenden/ungeeigneten Vorbehandlungen als Reserve zu; die Empfehlung begründet keine langfristige Opioid-Routine. Wesentliche ACR 2026: starke Gegenempfehlung zu Opioiden bei noziplastischem Schmerz.
NSAR · Ibuprofen, Naproxen, Celecoxib, Etoricoxib · Therapiebeginn · Coxibe bei reiner nr-axSpA (Off-Label)
- Anwendung: Celecoxib/Etoricoxib bei AS; reine nr-axSpA (Off-Label)
- Ibuprofen: 1.200–2.400 mg p.o./d in 3–4 Gaben; maximal 800 mg je Gabe
- Naproxen: 500–1.000 mg p.o./d in 1–2 Gaben
- Celecoxib: 200–400 mg p.o./d; Beginn mit 200 mg/d in 1–2 Gaben
- Aktivierte Arthrose: ebenfalls zugelassene Anwendung; 200 mg/d, bei unzureichender Wirksamkeit 200 mg zweimal täglich
- Etoricoxib: 60 mg p.o. einmal täglich; ggf. 90 mg/d; r-axSpA
Cave: Celecoxib/Etoricoxib bei CED kontraindiziert
Sulfasalazin · Option bei peripherer Arthritis · (Off-Label)
- Sulfasalazin: initial 500 mg p.o./d → 1 g zweimal täglich; ggf. bis 3 g/d; periphere Arthritis; (Off-Label)
- DGRh Wechselwirkung 2023: Eisen zeitlich getrennt einnehmen; bei Digoxin Wirkung/ggf. Spiegel kontrollieren; weitere Interaktionen
Unzureichende Wirksamkeit von NSAR
- EULAR 2022: klinisch gesicherte axSpA und weiterhin hohe Aktivität trotz nichtmedikamentöser Behandlung und ≥2 NSAR in maximal geeigneter Dosis über insgesamt ≥4 Wochen; Kontraindikationen/Unverträglichkeit berücksichtigen
- Bei überwiegend peripheren Manifestationen umfasst der konventionelle Vorpfad auch lokale GK-Injektion, sofern geeignet, und Sulfasalazin; kein Pflicht-csDMARD-Versuch bei isolierter axialer Erkrankung
- ASDAS ≥2,1, alternativ BASDAI ≥4, wenn ASDAS nicht praktikabel; positive fachrheumatologische Gesamtbeurteilung
- Erhöhtes CRP und/oder aktive Entzündung im ISG-MRT als Ansprechprädiktoren und bei nr-axSpA als Zulassungsvoraussetzung; alternative Ursachen ausschließen
- Radiographische Sakroiliitis ist ebenfalls eine relevante Voraussetzung im AS-/r-axSpA-Pfad; normales CRP/MRT schließt bei bereits radiographischer Erkrankung eine zugelassene Therapie nicht pauschal aus
- EULAR 2022: TNFi, IL-17i, JAKi; JAKi Cave: Sicherheitsselektion
- EULAR 2022: derzeitige klinische Praxis: Beginn mit TNFi oder IL-17i; längere Anwendungserfahrung
- ACR 2026: TNFi / IL-17i konditional vor JAKi; keine Präferenz zwischen TNFi und IL-17i
- Original-/Biosimilar-Auswahl unter Berücksichtigung von Wirksamkeit, Sicherheit, Präferenzen, Zugang und Kosten
- Wesentliche ACR 2026: IL-23-Inhibition für axSpA stark nicht empfohlen; bei axialer PsA konditionale Gegenempfehlung. Nicht auf die Haut/periphere PsA übertragen.
EMM-gesteuerte Auswahl
Begleitmanifestation: Therapierichtung
Rezidivierende anteriore Uveitis: Monoklonalen TNFi bevorzugen; augenärztlich mitbehandeln
Aktive CED: Monoklonalen TNFi beziehungsweise für die konkrete CED wirksame/zugelassene Therapie wählen; gastroenterologische Mitbehandlung
Relevante Psoriasis: IL-17-Weg besonders berücksichtigen; dermatologische Mitbehandlung
- Etanercept ist kein gleichwertiger Ersatz für monoklonale TNFi bei CED oder rezidivierender Uveitis
- CED-Zulassungen unterscheiden sich: z. B. Golimumab für Colitis ulcerosa, nicht Morbus Crohn
- Aktive CED: keine IL-17-Inhibition. Die Fachinformationen führen CED als Warnhinweis bzw. Nichtempfehlung
- Neue/verschlechterte CED-Symptome unter IL-17i abklären und Therapie entsprechend FI beenden
- Behandlung der EMM gemeinsam mit dem zuständigen Fachgebiet; Zulassung und Dosis für die konkrete Manifestation prüfen.
TNFi · Adalimumab, Etanercept, Certolizumab pegol, Golimumab, Infliximab · Nach unzureichender Wirksamkeit von NSAR · Infliximab: nur r-axSpA
Cave: schwere Herzinsuffizienz (NYHA III/IV)
- Adalimumab: 40 mg s.c. alle 2 Wochen; r-/nr-axSpA
- Etanercept: 50 mg s.c. einmal wöchentlich; alternativ 25 mg zweimal wöchentlich; r-/nr-axSpA
- Certolizumab pegol: 400 mg s.c. Woche 0, 2, 4; danach 200 mg alle 2 Wochen oder 400 mg alle 4 Wochen; r-/nr-axSpA
- Golimumab: 50 mg s.c. einmal monatlich; >100 kg und unzureichendes Ansprechen nach 3–4 Dosen: ggf. 100 mg monatlich; r-/nr-axSpA
- Infliximab i.v.: 5 mg/kg Woche 0, 2, 6; danach alle 6–8 Wochen; nur r-axSpA
- Infliximab s.c.: nach 5 mg/kg i.v. Woche 0 und 2: 120 mg s.c. ab Woche 6, danach alle 2 Wochen; nur r-axSpA
- Infliximab: ohne Ansprechen bis Woche 6 nach 2 i.v.-Dosen → Beendigung
IL-17i · Secukinumab, Ixekizumab, Bimekizumab · Nach unzureichender Wirksamkeit von NSAR
Cave: CED: nicht empfohlen
- Secukinumab: 150 mg s.c. Woche 0, 1, 2, 3, 4; danach alle 4 Wochen; r-/nr-axSpA; r-axSpA mit unzureichendem Ansprechen: ggf. 300 mg alle 4 Wochen; 300 mg bei nr-axSpA (Off-Label)
- Ixekizumab: 160 mg s.c. Woche 0; danach 80 mg alle 4 Wochen; r-/nr-axSpA
- Bimekizumab: 160 mg s.c. alle 4 Wochen; r-/nr-axSpA; ohne Besserung nach 16 Wochen Fortführung überdenken
- Relevante Psoriasis: jeweilige Psoriasis-Dosierung
JAKi · Upadacitinib, Tofacitinib · Nach unzureichender Wirksamkeit von NSAR · Sicherheitsselektion · Tofacitinib: nur r-axSpA
Cave: MACE-/Malignom-/VTE-Risiko; Auswahlbeschränkungen
- Upadacitinib: 15 mg Retard p.o. einmal täglich; r-/nr-axSpA
- Tofacitinib: 5 mg p.o. zweimal täglich; alternativ 11 mg Retard p.o. einmal täglich; nur r-axSpA
- Ansprechen: nach 16 Wochen; fehlende Besserung → Fortführung überdenken
- Nur ohne geeignete Alternative: ≥65 Jahre; aktuelles/früheres langjähriges Rauchen; erhöhtes kardiovaskuläres-/Malignomrisiko
- VTE-Risiko: besondere Vorsicht
- Tofacitinib – FI: starke CYP3A4-Hemmung oder mäßige CYP3A4-/starke CYP2C19-Hemmung → 5 mg Filmtablette einmal täglich statt 5 mg zweimal täglich / 11 mg Retard; z. B. Ketoconazol / Fluconazol
- Upadacitinib – FI: starke CYP3A4-Hemmer → 15 mg/d mit Vorsicht; Grapefruit vermeiden
- Weitere Interaktionen / Organfunktion: substanzbezogene Anpassungen
Unzureichende Wirksamkeit von TNFi / IL-17i / JAKi
- EULAR 2022: nach mindestens zwölf Wochen Ansprechen beurteilen; ASDAS-Abfall ≥1,1 plus positive klinische Gesamtbewertung stützen die Fortführung
- Bei ASDAS-Unmöglichkeit BASDAI-Besserung ≥2 als Alternative; produktspezifische frühere/spätere Überprüfungsregeln zusätzlich beachten
- Fehlende Wirkung: Diagnose, Adhärenz, verbleibende Entzündung, Komorbiditäten und noziplastischen Schmerz erneut prüfen
- EULAR 2022: Wechsel zu anderem TNFi, IL-17i oder JAKi möglich
- Keine csDMARD-Addition allein zur Behandlung verbleibender axialer Aktivität; eigenständige periphere/EMM-Indikation gesondert
- Zugelassene Dosisgrenzen beachten; keine unzulässige JAK-Dosiseskalation oder routinemäßige duale Zieltherapie.
Deeskalation
- Anhaltende Remission, gemeinsame Entscheidung und Flare-Plan; EULAR 2022 nennt als pragmatische Mindestdauer etwa sechs Monate
- Schrittweise Dosis-/Intervallreduktion, vor jedem weiteren Schritt neu beurteilen; abruptes Absetzen erhöht das Flare-Risiko
- EULAR 2022-Empfehlung betrifft bDMARDs; nicht pauschal auf JAKi oder jede Dosis-/Intervalländerung übertragen
- Zugelassene CZP-Reduktion siehe Wirkstoffdetails; andere Intervallverlängerungen häufig (Off-Label)
- Vollständiges Absetzen kann Endpunkt schrittweisen Taperings sein
- Bei Flare Behandlung erneut intensivieren; produktspezifische Wiederaufnahmeregeln beachten
- Begleit-NSAR/csDMARDs bei Inaktivität und fehlender eigener Indikation überprüfen.
Monitoring und Sicherheit
Aktivität und Therapieerfolg
ASDAS: Zustand
<1,3: Inaktive Erkrankung
1,3 bis <2,1: Niedrige Aktivität
2,1 bis 3,5: Hohe Aktivität
>3,5: Sehr hohe Aktivität
- Abfall ≥1,1: klinisch wichtige Besserung; ≥2,0: starke Besserung
- ASDAS-CRP bevorzugt; ASDAS-BSG bei fehlendem CRP als Alternative. BASDAI ergänzt die Symptomerfassung und ist bei nicht praktikablem ASDAS Ersatzinstrument
- ASDAS-CRP: CRP in mg/l; Werte <2 mg/l werden durch 2 mg/l ersetzt. Keine Verwechslung mit mg/dl oder rohen Morgensteifigkeits-Minuten statt NRS
- BASFI/Funktion, Mobilität, Gelenk-/Enthesenbefunde, EMM und patientenberichtete Belastung ergänzen
- Kontrollhäufigkeit nach Beschwerden, Schweregrad und Therapie; nach Beginn/Wechsel rechtzeitig für die Ansprechentscheidung.
Bildgebung im Verlauf
- MRT bei unklarer Entzündungsaktivität zur Klärung der konkreten Therapiefrage; kein Ersatz der klinischen Verlaufskontrolle
- EULAR Bildgebung 2015 empfiehlt MRT nicht routinemäßig zum Monitoring. Wiederholung nach klinischer Fragestellung
- Bei erheblicher neuer Schmerzcharakteristik, besonders nach Trauma/bei Ankylose, Fraktur ausschließen; auch geringes Trauma ernst nehmen.
Spezifisches Medikamentenmonitoring
- IL-17i: neue/verschlechterte CED-Symptome → Abklärung und Therapieentscheidung
Weitere Kontrollen und Dosisanpassungen: Adalimumab · Bimekizumab · Upadacitinib · Medikamentenübersicht
EMM, Knochen und Begleiterkrankungen
- Uveitissymptome, CED-Beschwerden und Psoriasis einschließlich Haut-/Nagelbefunden erfassen; symptombezogene fachübergreifende Abklärung
- Akutes schmerzhaftes/gerötetes Auge zeitnah augenärztlich beurteilen
- EULAR Bildgebung 2015: ohne lumbale Syndesmophyten Hüft- und AP-LWS-DXA; mit Syndesmophyten Hüft-DXA, ergänzt durch laterale Wirbelsäulen-DXA oder ggf. QCT. Artefakte der AP-Messung beachten
- Osteoporose-/Sturzrisiko und Frakturanamnese berücksichtigen; Intervalle und Therapie risikoadaptiert nach Osteoporoseleitlinie
- CV-Risikofaktoren, Rauchen, Gewicht, psychische Belastung und depressive Symptome erfassen.
Wesentliche ACR 2026:
- Kein routinemäßiges ophthalmologisches Screening oder Calprotectin-Screening bei asymptomatischen Erwachsenen ohne entsprechende Anamnese/Verdachtsbefunde
- Kein routinemäßiges EKG-/Echo-Screening allein wegen axSpA; bei Symptomen/Befunden gezielte Diagnostik
- Depressionsscreening und Behandlung, besonders bei therapierefraktärer Beschwerdelast
Klinische Untersuchungsmethoden
Kurzfassung
- Für Verlaufsvergleiche Methode, Einheit und Auswertung konstant halten
- Längen in cm, HWS-Rotation in Grad
- Enthesitis-Indizes bei entsprechender klinischer Fragestellung
Mobilität nach ASAS Handbuch 2009
Untersuchung: Standardisierung
Schober, 10-cm-Technik: Linie zwischen den beiden Spinae iliacae posteriores superiores markieren; zweite Marke 10 cm kranial. Bei maximaler Vorbeugung Zunahme in cm, besserer von zwei Versuchen
Lateralflexion: Aufrecht, Fersen/Rücken an Wand; Knie gestreckt, kein Vorbeugen. Differenz vor/nach Seitneigung; je Seite besserer von zwei Versuchen, Mittelwert in cm
Okziput-/Tragus-Wand-Abstand: Fersen/Rücken an Wand, Kinn in gewohnter Haltung; Kopf möglichst zur Wand. Besserer von zwei Versuchen, cm
HWS-Rotation: Aufrechter Sitz, Goniometer; je Seite besserer von zwei Versuchen, Mittelwert in Grad
Thoraxexkursion: Differenz maximaler Ein-/Ausatmung standardisiert messen; alters-/geschlechtsbezogen interpretieren
- Schober-Grenzwert nicht aus einer anderen 10+5-cm-Methode übernehmen; kein einzelner Mobilitätsgrenzwert ersetzt die Diagnose
- BASMI-Variante ausdrücklich benennen; Punkteschemata und lineare Formel nicht vermischen.
MASES
- 13 Druckschmerzlokalisationen, je 0 oder 1, Summe 0–13
- Beidseits: 1. und 7. kostochondraler Übergang, Spina iliaca anterior superior, Crista iliaca, Spina iliaca posterior superior und Achillesansatz
- Zusätzlich Dornfortsatz L5; kostochondrale Übergänge nicht mit Sternokostalgelenken verwechseln
- Klinischer Schmerzindex, kein alleiniger objektiver Beweis aktiver Enthesitis.
Methodenhinweis 2026: ASAS periphere Arthritis 2026 empfiehlt DAPSA44 zur Bewertung peripherer Arthritis in der klinischen Forschung. Das Instrument ersetzt nicht die axiale Aktivitätsmessung mit ASDAS.
Operation, Fraktur und Reproduktion
Praktisches Vorgehen
- Hüft-TEP bei refraktärem Schmerz/Funktionseinschränkung und radiologischem Schaden; korrigierende Osteotomie bei schwerer behindernder Deformität im Spezialzentrum
- HWS-Erkrankung: Anästhesie über Intubations-/Lagerungsrisiken informieren und mit Patient:innen besprechen
- TNFi bei Bedarf nach EULAR Schwangers 2024 während der gesamten Schwangerschaft möglich; NSAR-Zeitfenster, JAK-Vermeidung, Stillzeit und Säuglings-Lebendimpfungen präparatspezifisch im Reproduktionsmodul prüfen
- EULAR Schwangers 2024/Infliximab-FI: unterschiedliche Vorgaben zu Säuglingsimpfungen
Quellen und Links
EULAR 2022: ASAS-EULAR recommendations for the management of axial spondyloarthritis: 2022 update. Ramiro et al.; Ann Rheum Dis 2023;82:19–34.
EULAR Bildgebung 2015: EULAR recommendations for the use of imaging in the diagnosis and management of spondyloarthritis in clinical practice. Mandl et al.; Ann Rheum Dis 2015;74:1327–1339.
EULAR Bildgebung 2025: EULAR recommendations for the use of imaging in the diagnosis and management of axial spondyloarthritis in clinical practice: 2025 update. EULAR 2026, Kongressabstract POS0682. Kongressabstract; Originalabstract mit Tabelle 1.
ACR 2026: 2026 Update of the American College of Rheumatology/Spondylitis Association of America/Spondyloarthritis Research and Treatment Network Recommendations for the Treatment of Axial Spondyloarthritis in Adults and Children/Adolescents. Guideline Summary. Offizielle Summary; Erwachsenen- und pädiatrischer Teil getrennt.
ASAS Handbuch 2009: The Assessment of SpondyloArthritis international Society (ASAS) handbook: a guide to assess spondyloarthritis. Sieper et al.; Ann Rheum Dis 2009;68(Suppl II):ii1–ii44. Offizieller Volltext.
ASAS periphere Arthritis 2026: ASAS-Empfehlung zur Instrumentenwahl für die Bewertung peripherer Arthritis in der klinischen Forschung. Ann Rheum Dis, online 06.07.2026.
EULAR Infektionen 2022: 2022 EULAR recommendations for screening and prophylaxis of chronic and opportunistic infections in adults with autoimmune inflammatory rheumatic diseases. Fragoulis et al.; Ann Rheum Dis 2023;82:742–753.
EULAR Schwangers 2024: EULAR recommendations for use of antirheumatic drugs in reproduction, pregnancy, and lactation: 2024 update. Rüegg et al.; Ann Rheum Dis 2025;84:910–926.
ACR Periop 2022: 2022 American College of Rheumatology/American Association of Hip and Knee Surgeons Guideline for the Perioperative Management of Antirheumatic Medication in Patients With Rheumatic Diseases Undergoing Elective Total Hip or Total Knee Arthroplasty. Goodman et al.; Arthritis Care Res 2022;74:1399–1408.
DGRh Wechselwirkung 2023: Bewertung von Wechselwirkungen und Dosierungsempfehlungen von synthetischen DMARDs – Evidenz- und konsensbasierte Empfehlungen auf Basis einer systematischen Literatursuche. Fiehn et al.; Z Rheumatol 2023;82:151–162.
STIKO 2026: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut 2026. Konsolidierte Fassung, Version 5 vom 09.07.2026.
Sulfasalazin-FI: Sulfasalazin: Fachinformation, Februar 2025, Abschnitte 4.2–4.5.
Tofacitinib-FI: Tofacitinib: EU-Produktinformation, Abschnitte 4.2–4.5; Filmtabletten, Retardtabletten, Lösung.
Upadacitinib-FI: Upadacitinib: EU-Produktinformation, Abschnitte 4.2–4.5.
- Tofacitinib 11 mg Retard – Fachinformation, 18.08.2026, Abschnitte 4.1/4.2: Erwachsenenregime bei RA, PsA und r-axSpA.
- ASAS–EULAR-Managementempfehlungen, Update 2022
- ACR/SAA/SPARTAN axSpA-Guideline, offizielle Summary 2026. Freigegeben am 24.06.2026; Erwachsenen- und pädiatrische Teile getrennt
- ASAS-Handbuch einschließlich Klassifikation und Untersuchungsmethoden; offizieller Volltext
- EULAR-Bildgebungsupdate 2025 – Originalabstract POS0682, EULAR 2026, einschließlich Tabelle 1. DOI 10.1136/annrheumdis-2026-eular.B.2205; Kongressstatus
- ASAS: ASDAS, Aktivitätsgrenzen und offizieller Rechner
- EULAR-Infektionsscreening/-prophylaxe; EMA-JAK-Sicherheitsverfahren; STIKO 2026, konsolidierte Fassung Version 5 vom 09.07.2026
- EULAR-Reproduktion, Update 2024, publiziert 2025; ACR/AAHKS perioperativ 2022
- EULAR-Bildgebung 2015, publizierte Empfehlungen
- ASAS-Instrumentenwahl für periphere Arthritis 2026, online publiziert 06.07.2026. Instrumentenauswahl bei peripherer Arthritis
- Interne Module: Reproduktion, Infektionsprävention und perioperatives Management
- Nationale Leitlinie: AWMF 060-003, axiale Spondyloarthritis. Ältere S3-Fassung mit abgelaufener Gültigkeit
- NSAR-Fachinformationen: Ibuprofen, Naproxen, Celecoxib, Etoricoxib
- TNFi-Fachinformationen: Adalimumab, Etanercept, Certolizumab pegol, Golimumab, Infliximab
- IL-17-Fachinformationen: Secukinumab, Ixekizumab, Bimekizumab
- Weitere Fachinformationen: Upadacitinib, Tofacitinib, Sulfasalazin
Leitlinien und weiterführende Quellen
Diese redaktionelle Zusammenfassung unterstützt die fachliche Orientierung. Sie ersetzt weder die Originalleitlinie noch die ärztliche Entscheidung im Einzelfall.