Psoriasisarthritis (PSA)
Kurzfassung
Diagnostik und Klassifikation
Kurzfassung
Klinische Diagnose: entzündliche Arthritis/Enthesitis/Daktylitis, Psoriasis/Nagelpsoriasis (inkl. Eigen- oder Familienanamnese), typisches Befallsmuster
Domänen: periphere Arthritis, Enthesitis, Daktylitis, axial, Haut/Nägel; extra-MSK: Uveitis, CED.
Psoriasis aktiv suchen: Kopfhaut/retroaurikulär, äußerer Gehörgang, Nabel, intergluteal/perianal, genital, intertriginös/invers; Nägel.
Fehlende sichtbare Psoriasis schließt PsA nicht aus; PsA kann der Hautmanifestation vorausgehen, auch positive Familienanamnese
Labor: CRP/BSG, RF, ACPA; HLA-B27 bei axialer Fragestellung.
Bildgebung: Röntgen, Sonographie ± Power-Doppler, MRT je nach Phänotyp/Fragestellung.
Screening bei Psoriasis: regelmäßig auf PsA screenen; Risikogruppen beachten, validierte Screeningfragebögen verfügbar.
CASPAR: Klassifikations-, keine Diagnosekriterien.
Bei klinisch relevanter Hautbeteiligung: Kooperation Rheumatologie–Dermatologie.
Unklares bzw. unzureichendes Therapieansprechen: Diagnose und Entzündungsaktivität re-evaluieren, alternative Treiber prüfen.
Diagnose
• Klinische Diagnose; keine spezifischen Diagnosekriterien.
• Muskuloskelettale Manifestationen: periphere Arthritis, Enthesitis, Daktylitis, axiale Beteiligung.
• Befallsmuster: asymmetrische Mono-/Oligoarthritis, polyartikulär/RA-ähnlich, DIP-Beteiligung, axialer Phänotyp; suggestiv, nicht diagnostisch.
• Oligoartikuläre Erkrankung: ≤4 geschwollene Gelenke; klinisch, nicht bildgebend definiert.
• Daktylitis: Assoziation aus (Oligo-)Synovitis, Tenosynovitis und Enthesitis; Vorgehen wie bei Oligoarthritis.
• Enthesitis: entzündlichen von mechanischem bzw. zentralisiertem Enthesenschmerz abgrenzen – Widespread-Pain-Syndrom, repetitiver mechanischer Stress; bei unklarem Befund: Sonographie/MRT.
• Axiale Beteiligung: entzündlicher Rückenschmerz suggestiv; klinische und bildgebende Beurteilung. Definition der axialen PsA und Abgrenzung zur axSpA uneinheitlich.
• Psoriasis aktiv suchen, z. B. Kopfhaut/retroaurikulär, äußerer Gehörgang, Nabel, intergluteal/perianal, genital, intertriginös/invers.
• Nagelbefund: Tüpfelung, Onycholyse, subunguale Hyperkeratose/Onychodystrophie; eigenständige Domäne, nicht nur Begleitbefund.
• Eigen- und Familienanamnese für Psoriasis/PsA; fehlende sichtbare Psoriasis schließt PsA nicht aus, PsA kann der Hautmanifestation vorausgehen.
• Familienanamnese 1./2. Grades kann den Psoriasis-Nachweis ersetzen, wenn weder aktuell noch anamnestisch eine Psoriasis besteht;
• Extra-MSK: Uveitis (ca. 5 %), CED (2–4 %); beeinflussen später die Wirkstoffwahl.
• CED-Abklärung erwägen bei chronischer Diarrhö (≥3 Monate), nächtlichen Stuhlsymptomen mit Schlafunterbrechung, nicht-hämorrhoidaler rektaler Blutung, chronischen Abdominalschmerzen, perianaler Fistel/Abszess, Gewichtsverlust.
• Kooperation Rheumatologie–Dermatologie bei klinisch relevanter Hautbeteiligung, in Diagnostik und Management.
• Differenzialdiagnosen: RA, Arthrose/erosive Handarthrose, andere SpA, Gicht/CPPD, mechanische Enthesiopathie, septische Arthritis.
Screening bei Psoriasis
• PsA bei >25 % der Psoriasis-Patient:innen; meist nach Manifestation der Hautpsoriasis
• Chronisch-progredienter Verlauf, strukturelle Gelenkschäden historisch in >50 %; Ziel daher frühe Diagnose und rechtzeitige DMARD-Einleitung
• Regelmäßig nach Gelenk-/Enthesenbeschwerden und PsA-Zeichen screenen; bei anderweitig nicht erklärbaren Gelenkbeschwerden an PsA denken
• Erhöhtes Risiko: positive PsA-Familienanamnese, schwere Psoriasis, Nagelpsoriasis, Übergewicht
• Screeningtools: PASE, PEST, ToPAS; GEPARD (deutschsprachig entwickelt)
• Arthralgie und/oder synovio-entheseale Bildgebungsbefunde: erhöhtes Progressionsrisiko; subklinische Befunde allein begründen keine manifeste PsA
Labor
• CRP, BSG; Normalwerte schließen aktive PsA nicht aus.
• Erhöhte Entzündungsmarker bei PsA seltener als bei RA – erschwert die Objektivierung der Krankheitsaktivität.
• RF, ACPA zur RA-Differenzialdiagnose; Positivität schließt PsA nicht aus, CASPAR wertet RF-Negativität lediglich als 1 Punkt.
• HLA-B27 bei axialem Phänotyp/Fragestellung.
• Weiteres Labor differenzialdiagnostisch: Harnsäure, Gelenkpunktat bei Verdacht auf Kristallarthropathie oder septische Arthritis.
Bildgebung
• Phänotyp- und fragestellungsorientiert.
• Röntgen: strukturelle Veränderungen, Differenzialdiagnosen; juxtaartikuläre Knochenneubildung als CASPAR-Kriterium.
• Aussagekraft der Röntgenprogression vor allem beim symmetrisch-kleingelenkigen Phänotyp; Longitudinaldaten für oligoartikuläre, entheseale und axiale Phänotypen begrenzt.
• Sonographie ± Power-Doppler: Synovitis, Tenosynovitis, Enthesitis; Doppler-Signal als objektivierbares Entzündungszeichen, nicht PsA-spezifisch.
• MRT: insbesondere bei axialer Fragestellung bzw. klinisch unklaren Befunden; aktive entzündliche und strukturelle Läsionen an Sakroiliakalgelenken/Wirbelsäule.
• Negative Bildgebung schließt niedriggradige Entzündungsaktivität nicht sicher aus.
CASPAR-Klassifikationskriterien
Voraussetzung: entzündliche artikuläre Erkrankung von Gelenk, Wirbelsäule oder Enthesis + ≥3 Punkte aus 5 Kategorien:
Kategorie — Punkte
Psoriasis aktuell — 2
Psoriasis Eigenanamnese (falls nicht aktuell) — 1
Psoriasis Familienanamnese 1./2. Grades (falls weder aktuell noch anamnestisch) — 1
Typische psoriatische Nageldystrophie (Tüpfelung, Onycholyse, subunguale Hyperkeratose) bei aktueller Untersuchung — 1
RF negativ — 1
Daktylitis aktuell oder anamnestisch rheumatologisch dokumentiert — 1
Juxtaartikuläre Knochenneubildung im Röntgen an Hand/Fuß, nicht allein Osteophyten — 1
• ≥3 Punkte: CASPAR erfüllt.
• Psoriasis-Kategorie hierarchisch, nicht kumulativ: aktuelle Psoriasis 2 Punkte; nur falls nicht aktuell Eigenanamnese; nur falls weder aktuell noch anamnestisch Familienanamnese.
• Nagelkriterium erfordert aktuellen Befund, Daktylitis auch anamnestisch verwertbar.
• Ohne jemals manifeste Psoriasis erfüllbar: Familienanamnese 1./2. Grades 1 Punkt, kombiniert mit zwei weiteren Punkten, z. B. RF-Negativität plus Daktylitis oder juxtaartikuläre Knochenneubildung.
• Sensitivität 91,4 %, Spezifität 98,7 %.
• Klassifikations-, keine Diagnosekriterien; ungeeignet zum Ausschluss einer PsA im Einzelfall.
Klassifikationskriterien Kalkulator PsA
Bei unklarem bzw. unzureichendem Therapieansprechen
• Diagnose re-evaluieren; Fehldiagnose als Ursache vermeintlichen Therapieversagens mitbedenken, bei seronegativer Arthritis ohne stützende Serummarker möglicherweise häufiger.
• Entzündungsaktivität objektivieren: klinische Synovitis, Daktylitis, eindeutige Enthesitis; CRP/BSG; bei Bedarf Sonographie/MRT.
• Alternative Treiber: struktureller Schaden, Arthrose, Gicht/CPPD, mechanische Enthesiopathie, Fibromyalgie/zentralisierte Schmerzverarbeitung, Komorbiditäten.
• Proinflammatorische Komorbiditäten: Adipositas, MASLD, metabolisches Syndrom, Dyslipidämie, Gicht;
• PsA-mimikrierend: Arthrose, chronische Schmerzsyndrome.
• Adipositas und erhöhter BMI: höhere Krankheitsaktivität, reduziertes Therapieansprechen.
• Rauchen: erhöhtes CRP, höhere Therapieversagensraten.
• Adhärenz prüfen; Non-Adhärenz ist kein Wirkstoffversagen.
• Domänenspezifisches Ansprechen beachten: Haut und muskuloskelettale Manifestationen können unterschiedlich ansprechen; Therapieversagen domänenspezifisch beurteilen. Ggf. Topische Therapie ergänzen.
• Difficult-to-manage-PsA (D2M): Versagen/Verlust des Ansprechens auf ≥2 b/tsDMARDs mit ≥2 Wirkmechanismen, problematisches Management und persistierende Erkrankung. TR-PsA: zusätzlich objektivierbare persistierende Entzündung und Ausschluss anderer relevanter Treiber;
• DAPSA(PsA)
• DAS 28
Therapie
Kurzfassung
Phase 1 – csDMARD bei peripherer Arthritis
• Polyarthritis oder Mono-/Oligoarthritis mit ungünstigen Prognosefaktoren: rasch beginnen; MTX bevorzugt bei relevanter Hautbeteiligung
• Mono-/Oligoarthritis ohne ungünstige Prognosefaktoren: csDMARD ebenfalls, geringere Dringlichkeit, ggf. zunächst längere symptomatische Phase
• begleitend NSAR und/oder lokale GK-Injektionen
• keine csDMARD-Stufe bei Enthesitis und axialer Erkrankung – dort NSAR/lokale GK direkt gefolgt von bDMARD bzw. bei axialer Erkrankung IL-17Ai, TNFi, IL-17A/Fi oder JAKi
Phase 2 – Enthesitis oder axiale Erkrankung und periphere Arthritis nach Versagen von ≥1 csDMARD
• bDMARD: TNFi, IL-12/23i, IL-17A(/F)i, IL-23i
• Wirkstoffwahl nach führender Domäne, Haut/Nägeln, Uveitis, CED, Komorbiditäten
• JAKi, wenn bDMARD nicht geeignet
• milde Erkrankung, wenn weder bDMARD noch JAKi geeignet: PDE4-Inhibitor – ein vorheriges b/tsDMARD-Versagen ist nicht Voraussetzung
• zweites csDMARD nur bei begrenzter peripherer Erkrankung ohne ungünstige Prognosefaktoren
Phase 3 – nach unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit gegenüber bDMARD oder JAKi
• anderes bDMARD oder JAKi, Wechsel innerhalb der Klasse möglich
• Abatacept als Option nach Versagen anderer zielgerichteter Therapien
Initialtherapie – Phase 1 bei peripherer Arthritis
• Methotrexat
• Auftitrierung auf 20–25 mg 1× wöchentlich (ca. 0,3 mg/kg) – nicht täglich
• Folsäure 5–10 mg, 24–48 h nach MTX-Gabe
• bevorzugtes csDMARD bei klinisch relevanter Hautbeteiligung
• Wirksamkeit nach 12 Wochen beurteilen, Dosiseskalation prüfen.
• Leflunomid, bis 20 mg/Tag
• Sulfasalazin, 2–3 g/Tag (Off-Label)
• MTX + Leflunomid nicht empfohlen – ungünstiges Wirksamkeits-Sicherheits-Verhältnis (COMPLETE-PsA)
Symptomatische Therapie
• NSAR: muskuloskelettal wirksam, keine Wirkung auf die Psoriasis
• Monotherapie nur bei sehr milder peripherer bzw. prädominant enthesealer/axialer Erkrankung, in der Regel auf ca. 4 Wochen begrenzt
• prädominant axiale Erkrankung mit gutem Ansprechen: kontinuierliche Gabe möglich
• Lokale GK-Injektionen: adjuvant bei Arthritis, Enthesitis, Daktylitis; keine GK für die axiale Domäne
• [GRAPPA] GK-Injektion in das Sakroiliakalgelenk bei axialer Erkrankung selektiv möglich
• Systemische GK: nicht generell empfohlen, können in ausgewählten Fällen für hilfreich, insbesondere bei polyartikulären Verläufen und/oder als Bridging.
Phase 2 – bDMARDs
• TNFi, IL-12/23i, IL-17A(/F)i, IL-23i
• Keine Präferenz eines Wirkmechanismus für die periphere Gelenkmanifestation;
• bDMARDs und JAKi hemmen die radiographische Progression
• erhöhtes Infektionsrisiko; Candidiasis (meist mukokutan) häufiger unter IL-17A und insbesondere IL-17A/F
• vertragenes csDMARD kann fortgeführt werden, insbesondere beim ersten TNFi; Dosisreduktion möglich
• Kombination verschiedener bDMARDs nicht empfohlen
• bei vergleichbarer Wirksamkeit und Sicherheit kostengünstigere Option bevorzugen (Biosimilars)
TNF-Inhibitoren
• Adalimumab, 40 mg s.c. alle 2 Wochen
• Etanercept, 50 mg s.c. 1×/Woche, alternativ 25 mg s.c. 2×/Woche
• Certolizumab pegol, 400 mg s.c. Woche 0, 2 und 4, anschließend 200 mg alle 2 Wochen, nach bestätigtem klinischem Ansprechen alternativ 400 mg alle 4 Wochen
• Golimumab, 50 mg s.c. 1×/Monat, bei >100 kg und unzureichendem Ansprechen nach 3–4 Dosen ggf. Steigerung auf 100 mg 1×/Monat
• Infliximab i.v., 5 mg/kg Woche 0, 2 und 6, anschließend alle 8 Wochen (soll in Kombination mit MTX gegeben werden, wenn keine KI). S.C mit i.v. Start: 2 i.v. Infusionen mit 5mg/kg im Abstand von 2 Wochen, 4 Wochen später 120 mg alle zwei Wochen. Optional: auch Woche 6 intravenöse Gabe von 5 mg/kg.
IL-12/23-Inhibitor
• Ustekinumab, 45 mg s.c. Woche 0 und 4, anschließend alle 12 Wochen; bei Körpergewicht >100 kg alternativ 90 mg im selben Schema
IL-17A-Inhibitoren
• Secukinumab, 150 mg s.c. Woche 0, 1, 2, 3 und 4, anschließend monatlich; 300 mg bei unzureichendem Ansprechen auf TNFi sowie bei gleichzeitiger mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis; bei den übrigen Patient:innen Steigerung auf 300 mg je nach klinischem Ansprechen möglich
• Ixekizumab, 160 mg s.c. Woche 0, anschließend 80 mg alle 4 Wochen; bei gleichzeitiger mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis Psoriasis-Schema mit 80 mg alle 2 Wochen bis Woche 12, danach alle 4 Wochen
IL-17A/F-Inhibitor
• Bimekizumab, 160 mg s.c. alle 4 Wochen; bei gleichzeitiger mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis 320 mg alle 4 Wochen bis Woche 16, anschließend 320 mg alle 8 Wochen
IL-23-p19-Inhibitoren
• Guselkumab, 100 mg s.c. Woche 0 und 4, anschließend alle 8 Wochen; bei hohem Risiko für Gelenkschäden 100 mg alle 4 Wochen erwägen
• Risankizumab, 150 mg s.c. Woche 0 und 4, anschließend alle 12 Wochen
CTLA-4-Ig
• Abatacept, 125 mg s.c. 1×/Woche unabhängig vom Körpergewicht, i.v. Aufsättigungsdosis nicht nötig; bei Umstellung von i.v. erste s.c.-Dosis innerhalb eines Tages nach der Infusion
• Abatacept i.v., gewichtsadaptiert Woche 0, 2 und 4, anschließend alle 4 Wochen: <60 kg 500 mg, 60–100 kg 750 mg, >100 kg 1.000 mg
• kein bDMARD der ersten Wahl – begrenzte Wirksamkeit in Studien; Option nach Versagen einer oder mehrerer anderer zielgerichteter Therapien
• Zulassung allein oder in Kombination mit MTX, für Patient:innen, für die eine zusätzliche systemische Therapie psoriatischer Hautläsionen nicht erforderlich ist
Phase 2/3 – tsDMARDs
JAK-Inhibitoren – risikoadaptiert
• Einsatz nach unzureichendem Ansprechen auf ≥1 bDMARD oder wenn bDMARD nicht geeignet ist – Kontraindikation, starke Präferenz für orale Gabe, Adhärenzprobleme bei Injektionen
• Upadacitinib, 15 mg p.o. 1×/Tag
• Tofacitinib, 5 mg p.o. 2×/Tag
• Vorsicht bei ≥65 Jahren, aktuellem oder früherem langjährigem Rauchen, atherosklerotischer kardiovaskulärer Erkrankung oder anderen KV-Risikofaktoren, Malignomrisikofaktoren, bekannten VTE-Risikofaktoren
• Herpes zoster häufiger als unter bDMARDs
• [EMA] Für die genannten Risikogruppen nur einsetzen, wenn keine geeignete Behandlungsalternative verfügbar ist; bei VTE-Risikofaktoren besondere Zurückhaltung.
PDE4-Inhibitor
• Apremilast, Auftitrierung über 6 Tage auf 30 mg p.o. 2×/Tag
• bei milder Erkrankung nach ≥1 csDMARD, wenn weder bDMARD noch JAKi geeignet
• milde Erkrankung: oligoartikuläre oder entheseale Erkrankung ohne ungünstige Prognosefaktoren und mit begrenzter Hautbeteiligung
• Wirksamkeit bei oligoartikulärer PsA bestätigt (FOREMOST); keine Daten zur strukturellen Progression
• Apremilast + TNFi ist Off-Label; keine belastbaren randomisierten Daten, nicht empfohlen.
TYK2-Inhibitor
• Deucravacitinib, 6 mg p.o. 1×/Tag, Monotherapie oder in Kombination mit MTX
• EU-Zulassung 2026 für aktive PsA nach unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit einer vorausgegangenen DMARD-Therapie;
• Zulassung nach Erstellung von EULAR 2023 – leitlinienbasierte Positionierung gegenüber bDMARD und JAKi steht aus. Deucravacitinib: selektiver TYK2-Inhibitor; fällt nicht unter EMA-Klassenbeschränkungen für JAK-Inhibitoren.
Therapieziel / Treat-to-Target
• Ziel: Remission, alternativ niedrige Krankheitsaktivität
• Krankheitsaktivität über alle betroffenen Domänen beurteilen: Gelenke, Haut, Enthesitis, Daktylitis, axial
• ≥50 % Reduktion der Krankheitsaktivität nach ca. 3 Monaten, Therapieziel nach 6 Monaten
• bei Zielverfehlung csDMARD-Monotherapie nicht unverändert fortführen, Eskalation nach Algorithmus
• Therapieanpassung richtet sich nach der jeweils führenden Manifestation
Domänenspezifische Therapie
Enthesitis
• eindeutig entzündliche Enthesitis; mechanische und zentralisierte Schmerzursachen ausschließen
• NSAR ± lokale GK-Injektion → bDMARD, ohne Präferenz eines Wirkmechanismus
• MTX nicht als regulärer Zwischenschritt, im Einzelfall Option; JAKi in ausgewählten Fällen
• Es fehlen ausreichend gepowerte Head-to-head-Studien mit Enthesitis als primärem Endpunkt.
Daktylitis
• keine eigene EULAR-Empfehlung; Vorgehen analog Oligoarthritis
• lokale GK-Injektion, csDMARD; bei Persistenz Eskalation nach peripherem Algorithmus
Axiale Beteiligung
• NSAR → IL-17Ai, TNFi, IL-17A/Fi oder JAKi; Auswahl eines Wirkstoffs, keine Kombination
• IL-12/23- und IL-23-Inhibition nicht empfohlen für die axiale Domäne
• Die Reihenfolge bildet die Evidenzlage ab, keine zwingende Sequenz: Für Sekukinumab liegt mit MAXIMISE die einzige spezifisch bei axialer PsA durchgeführte Studie vor, die übrigen Daten stammen aus der axSpA.
Haut und Nägel
• klinisch relevante Hautbeteiligung: BSA >10 % oder patientenrelevante Beeinträchtigung, z. B. Gesicht, Genitalbereich
• bevorzugt IL-17A-, IL-17A/F-, IL-23- oder IL-12/23-Inhibition; Head-to-head-Daten aus der Psoriasis zeigen Überlegenheit gegenüber TNFi und JAKi an der Haut
• bei relevanter Hautbeteiligung Rheumatologie–Dermatologie abstimmen
• Nagelpsoriasis als eigene Domäne mit eigener Empfehlung: bDMARDs und Apremilast wirksam; ergänzend topische GK, Calcipotriol/Tacrolimus, intraläsionale GK, gepulster Farbstofflaser, JAKi [GRAPPA]
Therapiewechsel – Phase 3
• Wechsel auf anderes bDMARD oder JAKi, inklusive Wechsel innerhalb der Klasse
• keine belastbaren Daten für eine Überlegenheit des Wirkmechanismuswechsels gegenüber Cycling
• Anzahl der Wechsel nicht begrenzt
• Abatacept erst nach Versagen einer oder mehrerer anderer zielgerichteter Therapien; nicht bei relevanter Hautbeteiligung
• vor Wechsel prüfen: Diagnose, objektive Entzündung, Adhärenz, Komorbiditäten, alternative Symptomtreiber (siehe D2M/TR-PsA)
Präferenzen bei zusätzlichen Manifestationen
• Uveitis: monoklonaler TNF-Antikörper – Adalimumab, Infliximab
• Etanercept bei Uveitis: keine Anwendung – unterlegene Wirksamkeit, mögliche Exazerbation [GRAPPA]
• CED: monoklonaler TNF-Antikörper, IL-23i, IL-12/23i oder JAKi entsprechend aktueller CED-Zulassung; keine Präferenzreihenfolge
• IL-17A- und IL-17A/F-Inhibitoren bei aktiver CED nicht empfohlen – erhöhtes Schubrisiko
• Etanercept bei CED unwirksam
Deeskalation
• bei anhaltender Remission erwägen, partizipative Entscheidung
• Dosisreduktion bzw. Intervallverlängerung, kein vollständiges Absetzen – nach Absetzen häufig Schübe
• Langzeitdaten fehlen
Dosisreduktion bzw. Intervallverlängerung liegt bei vielen Präparaten außerhalb der zugelassenen Dosierung und ist dann Off-Label. Bislang sind uns hierdurch keine Regresse bekannt.
Monitoring und Ziele
Kurzfassung
Treat-to-Target: Remission, alternativ minimale/niedrige Krankheitsaktivität; bei aktiver Erkrankung engmaschige Kontrolle, ≥50 % Aktivitätsreduktion nach ca. 3 Monaten, Therapieziel nach 6 Monaten.Periphere Arthritis: DAPSA zur gelenkbezogenen Aktivitätsmessung; cDAPSA ohne CRP. MDA als multidomänales Minimal-/Low-Disease-Activity-Ziel, VLDA als strenger remission-naher Zustand.Domänen: alle aktuell klinisch relevanten Manifestationen erfassen – periphere Arthritis, Enthesitis, Daktylitis, axial, Haut/Nägel; Uveitis/CED symptomorientiert bzw. bei bekannter Erkrankung gezielt.Axiale PsA: kein axPsA-spezifisch entwickeltes und umfassend validiertes Aktivitätsinstrument; ASDAS-CRP oder BASDAI pragmatisch verwendbar.PROs: Schmerz, Fatigue, Funktion und Krankheitsimpact; PsAID-12 geeignet.CRP/BSG: ergänzend; normale Entzündungsparameter schließen aktive PsA nicht aus.Bildgebung: nicht routinemäßig als Treat-to-Target-Endpunkt; bei klinischer Unsicherheit oder Diskordanz.Sicherheitsmonitoring: substanzspezifisch nach Fachinformation.
Kontrollintervalle
• Aktive Erkrankung bzw. nach Therapieeinleitung/-wechsel: engmaschige Kontrolle.
• ≥50 % Aktivitätsreduktion innerhalb ca. 3 Monaten, Therapieziel innerhalb 6 Monaten.
• Nach stabiler Zielerreichung klinische Kontrollintervalle individuell verlängern.
Krankheitsaktivität
• Kein einzelnes Instrument bildet alle PsA-Domänen vollständig ab.
• Periphere Gelenkaktivität: DAPSA; cDAPSA als Variante ohne CRP.
• Multidomänales Therapieziel: MDA; VLDA als strenger remission-naher Zustand.
• Zusätzlich aktive Domänen separat beurteilen:periphere ArthritisEnthesitisDaktylitisaxiale BeteiligungHautNägel
• Extra-muskuloskelettal: Uveitis und CED bei Symptomen bzw. bekannter Erkrankung gezielt erfassen.
• DAPSA und MDA sind beide etablierte T2T-Instrumente; die internationale T2T-Gruppe hat eine generelle Überlegenheit eines uni- gegenüber einem multidimensionalen Ansatz ausdrücklich nicht festgelegt.
DAPSA
• DAPSA = TJC68 + SJC66 + Schmerz (0–10) + PtGA der PsA-Aktivität (0–10) + CRP (mg/dl).
• Remission: ≤4
• Niedrige Aktivität: >4–14
• Moderate Aktivität: >14–28
• Hohe Aktivität: >28
• cDAPSA: ohne CRP:Remission ≤4niedrige Aktivität >4–13moderate Aktivität >13–27hohe Aktivität >27
• DAPSA/cDAPSA erfassen primär die periphere Gelenkaktivität; Haut, Enthesitis, Daktylitis und axiale Aktivität separat berücksichtigen. Die DAPSA-Grenzen werden auch in aktuellen PsA-Validierungsarbeiten unverändert verwendet.
MDA / VLDA
MDA: mindestens 5 von 7 Kriterien:
• TJC68 ≤1
• SJC66 ≤1
• PASI ≤1 oder BSA ≤3 %
• Schmerz-VAS ≤15/100 mm
• PtGA ≤20/100 mm
• HAQ-DI ≤0,5
• schmerzhafte Enthesen ≤1
VLDA: alle 7 Kriterien erfüllt.
• MDA: etabliertes multidomänales Minimal-/Low-Disease-Activity-Ziel.
• VLDA: strengerer, remission-naher multidomänaler Zustand.
• Axiale Aktivität, Daktylitis und Nagelpsoriasis nicht separat erfasst; Uveitis/CED nicht Bestandteil der Kriterien.
Domänenspezifisches Monitoring
Periphere Arthritis
• TJC68/SJC66.
• DAPSA/cDAPSA longitudinal.
Enthesitis
• Klinischer Enthesitis-Count; bei standardisierter Erfassung z. B. Leeds Enthesitis Index (LEI).
• Druckschmerzhaftigkeit nicht automatisch als aktive Entzündung interpretieren; mechanische Enthesiopathie, Adipositas und zentralisierte Schmerzverarbeitung berücksichtigen.
• Bei klinischer Unsicherheit Sonographie möglich.
Daktylitis
• Zahl aktiver Daktylitiden dokumentieren.
• Bei Bedarf Leeds Dactylitis Index.
Axiale Beteiligung
• Axiale Symptome und Funktion separat beurteilen.
• Kein axPsA-spezifisch entwickeltes und umfassend validiertes Aktivitätsinstrument.
• ASDAS-CRP oder BASDAI pragmatisch verwendbar; beide aus axSpA übernommen.
• Direkte axPsA-Daten zeigen eine vergleichbare Performance von BASDAI und ASDAS und nur geringen Einfluss peripherer Aktivität; daraus ergibt sich derzeit keine klare Rangfolge beider Instrumente.
Haut / Nägel
• Hautaktivität klinisch erfassen, pragmatisch BSA, bei stärkerer Erkrankung ggf. PASI.
• Bei geringer BSA zusätzlich Special Sites/patientenrelevante Beeinträchtigung berücksichtigen.
• Nagelbeteiligung klinisch dokumentieren; bei Bedarf NAPSI.
Patient-Reported Outcomes
• PsAID-12: PsA-spezifischer Krankheitsimpact, 0–10.
• PsAID-12 ≤4: Patient Acceptable Symptom State (PASS); kein Remissionskriterium für entzündliche Aktivität. Der ≤4-PASS-Cut-off wird weiterhin in aktuellen PsA-Arbeiten verwendet.
• Zusätzlich nach klinischer Situation:SchmerzFatiguePtGAFunktion, z. B. HAQ-DIArbeits-/Alltagsbeeinträchtigung
• Diskrepanz zwischen PROs und objektiver Entzündungsaktivität → Fibromyalgie/zentralisierte Schmerzverarbeitung, Arthrose/strukturellen Schaden, Depression/Angst und andere Komorbiditäten prüfen.
Labor
• CRP, ggf. BSG, ergänzend zur klinischen Aktivitätsbeurteilung.
• Normale CRP-/BSG-Werte schließen aktive PsA nicht aus. In einer Real-World-Kohorte hatten rund zwei Drittel normales CRP; auch moderate/hohe cDAPSA-Aktivität war bei normalem CRP häufig.
• Für DAPSA CRP; bei fehlendem CRP cDAPSA möglich.
• Sicherheitslabor substanzspezifisch nach Fachinformation:csDMARD: typischerweise Blutbild, Transaminasen, NierenfunktionJAKi: zusätzlich u. a. Lipidprofilweitere Kontrollen entsprechend Wirkstoff und Risikoprofil
Bildgebung
• Keine routinemäßige Sonographie/MRT als Treat-to-Target-Endpunkt.
• Sonographie/MRT bei klinischer Fragestellung:unklare entzündliche AktivitätDiskrepanz zwischen Beschwerden, klinischem Befund und Laborfragliche Synovitis/Enthesitisaxiale Entzündungsfrage
• Konventionelles Röntgen: struktureller Schaden bzw. Progressionsfragestellung.
Komorbiditäten / Sicherheit
• Regelmäßig bzw. risikoadaptiert berücksichtigen:Adipositas / metabolisches Syndrom / MASLDkardiovaskuläre RisikofaktorenInfektionsrisikoDepression/AngstFibromyalgie/chronische SchmerzsyndromeOsteoporoserisikoMalignomanamnese
• Psoriasis, Uveitis und CED bei entsprechender Manifestation im Verlauf erfassen und interdisziplinär mitbetreuen.
• Vor vermeintlich mehrfachem Therapieversagen Diagnose, objektive Entzündungsaktivität, Adhärenz, Komorbiditäten und nichtentzündliche Symptomtreiber re-evaluieren. Die aktuelle EULAR-D2M/TR-Arbeit betont ausdrücklich, dass unzureichendes Ansprechen multifaktoriell sein kann und Komorbiditäten die Interpretation von Aktivitätsmaßen beeinflussen.
Zugelassene/empfohlene Therapien
csDMARD
• Methotrexat
• Leflunomid
• Sulfasalazin (Off-Label)
bDMARD
TNF
• Adalimumab
• Certolizumab
• Etanercept
• Infliximab
• Golimumab
IL-12/23
• Ustekinumab
IL-17A
• Ixekizumab
• Secukinumab
IL-17A/F
• Bimekizumab
IL-23-p19
• Guselkumab
• Risankizumab
CTLA4
• Abatacept
tsDMARD
PDE4
• Apremilast
JAK
• Tofacitinib.
• Upadacitinib.
Ziel ist die Remission
Nach Therapie(-umstellung): Besserung nach 3 Monaten, Remission oder geringe Krankheitsaktivität nach 6 Monaten
Symptommangement: NSAR oder lokale Steroidinfiltrationen
Leitlinien und weiterführende Quellen
Diese redaktionelle Zusammenfassung unterstützt die fachliche Orientierung. Sie ersetzt weder die Originalleitlinie noch die ärztliche Entscheidung im Einzelfall.