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Rheumatoide Arthritis (RA)

Diagnostik und Klassifikation

Gelenke
persistierende Schwellung/Synovitis; häufig symmetrisch an MCP, PIP, Handgelenken und MTP
Beschwerden
Morgensteifigkeit, Druck-/Bewegungsschmerz, Funktionsverlust
Unterstützend
ACPA/RF positiv, CRP/BSG ↑
Bildgebung
Sonographie mit Synovitis/Power-Doppler-Aktivität; Röntgen Hände/Füße mit möglichen Erosionen
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Klinische Abklärung

  • Anamnese und vollständiger Gelenkstatus: Schwellung, Druckschmerz, Morgensteifigkeit, Symmetrie und Dauer; extraartikuläre Symptome und Funktion erfassen
  • RF, ACPA, CRP/BSG; BB, Leber- und Nierenwerte zur Ausgangsbeurteilung und Therapieplanung
  • Sonographie/MRT bei klinischer Unsicherheit ergänzend; subklinische Bildgebungsentzündung allein begründet keine manifeste RA
  • Strukturschaden an Händen/Füßen radiologisch dokumentieren; bei akutem Erguss nach Differenzialdiagnose punktieren, insbesondere zum Ausschluss von Infektion/Kristallarthritis
  • Differenzialdiagnosen u. a. PsA/SpA, Kristallarthritis, Infektion, Kollagenose und aktivierte Arthrose.

ACR/EULAR-RA-Klassifikationskriterien 2010

ACR/EULAR-RA-Klassifikationskriterien 2010 berechnen

Eingang: mindestens ein eindeutig klinisch geschwollenes Gelenk mit Synovitis; nicht besser durch eine andere Erkrankung erklärt.

Domäne Ausprägung Punkte
Gelenke 1 großes Gelenk 0
Gelenke 2–10 große Gelenke 1
Gelenke 1–3 kleine Gelenke, mit oder ohne große 2
Gelenke 4–10 kleine Gelenke, mit oder ohne große 3
Gelenke >10 Gelenke, davon ≥1 kleines 5
Serologie RF und ACPA negativ 0
Serologie RF oder ACPA niedrig positiv 2
Serologie RF oder ACPA hoch positiv 3
Akutphase CRP und BSG normal 0
Akutphase CRP oder BSG erhöht 1
Dauer <6 Wochen 0
Dauer ≥6 Wochen 1
  • ≥6/10 Punkte: RA klassifiziert. Innerhalb einer Domäne nicht addieren; für Serologie und Akutphase jeweils mindestens ein Testergebnis erforderlich
  • Eingangssynovitis von der Gelenkzählung unterscheiden: beteiligt sind klinisch geschwollene oder druckschmerzhafte Gelenke; Bildgebung kann Synovitis bestätigen
  • Groß: Schulter, Ellenbogen, Hüfte, Knie, Sprunggelenk. Klein: MCP, PIP, Daumen-IP, MTP II–V, Handgelenk
  • DIP, CMC I und MTP I ausschließen. In der Kategorie >10 dürfen zusätzliche, sonst nicht einzeln genannte Gelenke berücksichtigt werden
  • Serologie: negativ ≤ULN; niedrig positiv >ULN bis ≤3×ULN; hoch positiv >3×ULN. Nur qualitativ positiver RF zählt niedrig positiv
  • Dauer: patientenberichtete Dauer von Synovitiszeichen/-symptomen der zum Beurteilungszeitpunkt betroffenen Gelenke, unabhängig von zwischenzeitlicher Behandlung
  • Bei <6 Punkten spätere kumulative Erfüllung möglich; etablierte/inaktive Erkrankung anhand belastbarer früherer Daten retrospektiv klassifizierbar.

Erosiver Klassifikationsweg

  • Typische erosive Erkrankung bei passender RA-Anamnese separat vom Punktescore beurteilen
  • EULAR Erosionen 2013: konventionell-radiologische kortikale Unterbrechungen in ≥3 getrennten Gelenken aus PIP, MCP, Handgelenken und MTP
  • Jedes Handgelenk zählt als ein Gelenk; mehrere Erosionen desselben Gelenks nicht mehrfach zählen
  • Keine Übertragung auf beliebige Ultraschall-/MRT-Erosionen; eine klinische RA-Diagnose oder Therapie muss nicht bis zu drei erosiven Gelenken warten.

Therapie

Therapiebeginn
unmittelbar nach Diagnose; MTX 15 → bis 25 mg/Woche ± kurzfristige GK; MTX-KI/ Unverträglichkeit → Leflunomid/Sulfasalazin
Monat 3
≥50 % Reduktion der Krankheitsaktivität; Monat 6: Remission oder niedrige Krankheitsaktivität (LDA); Zielverfehlung → Therapieanpassung
Unzureichende Wirksamkeit
csDMARD (möglichst MTX) ergänzen um TNFi, IL-6Ri oder Abatacept; JAKi nach Risikoabwägung. Monotherapie substanzabhängig möglich.
nach Biologika/JAKi → anderer Mechanismus; nach TNFi-/IL-6Ri-Versagen auch zweiter Klassenvertreter; nach zwei erfolglosen Vertretern → Mechanismuswechsel; Rituximab + MTX bei schwerer aktiver RA nach TNFi-Versagen/-Unverträglichkeit
Deeskalation
zuerst GK-Absetzen; nach ≥6 Monaten stabiler Remission ggf. schrittweise DMARD-Reduktion; Fortführung bevorzugt
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Therapiebeginn

Methotrexat (MTX) · Therapiebeginn
  • Methotrexat (MTX): 15 mg p.o./s.c. einmal wöchentlich; rasche Steigerung bis 25 mg/Woche bei Eignung; höhere Dosis/orale Wirkungs- oder Verträglichkeitsprobleme → ggf. s.c.
  • Folsäure – Supplementation zu MTX: z. B. 5 mg p.o. am Tag nach MTX
  • DGRh Wechselwirkung 2023: Cotrimoxazol in antibiotischer Therapiedosis meiden; PJP-Prophylaxe mit 160/800 mg dreimal wöchentlich bei niedrig dosiertem MTX möglich; Interaktionen und Kontrollen
  • DGRh Wechselwirkung 2023: unter Penicillinen MTX pausieren; Metamizol und Probenecid meiden; weitere Interaktionen
  • Nierenfunktion – DGRh Wechselwirkung 2023: bei GFR ≤45 ml/min von MTX abraten; FI: CrCl 30–59 ml/min → 50 % der Dosis, <30 ml/min → kontraindiziert; Dosisanpassung

Zum Steckbrief Methotrexat (MTX)

  • Prednisolon: ggf. kurzfristige Überbrückung; initial ≤30 mg/d nach DGRh 2026; Ausschleichplan ab Beginn; niedrige Dosis innerhalb von 8 Wochen; Beendigung innerhalb von 3 Monaten

Alternativen bei MTX-KI/früher Unverträglichkeit

Leflunomid · Alternative bei MTX-KI / früher Unverträglichkeit
  • Leflunomid: 10–20 mg p.o. einmal täglich
  • Interaktionen – FI: Rosuvastatin höchstens 10 mg/d; unter Vitamin-K-Antagonisten INR engmaschiger; weitere Interaktionen
  • Nierenfunktion: mäßige/schwere Einschränkung laut EU-FI kontraindiziert; DGRh Wechselwirkung 2023 empfiehlt unveränderte Dosis; Quellenunterschied

Zum Steckbrief Leflunomid

Sulfasalazin · Alternative bei MTX-KI / früher Unverträglichkeit
  • Sulfasalazin: ab 500 mg/d; Einschleichen auf 1 g p.o. zweimal täglich; bei unzureichender Wirksamkeit nach 3 Monaten unter 2 g/d ggf. 3 g/d
  • DGRh Wechselwirkung 2023: Eisen zeitlich getrennt einnehmen; bei Digoxin Wirkung/ggf. Spiegel kontrollieren; weitere Interaktionen

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Intraartikuläre Glukokortikoide · Lokale Ergänzung bei einzelnen aktiven Gelenken

Cave: Gelenk-/punktionsnahe Infektion; keine intratendinöse Injektion

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Triamcinolonacetonid – Erwachsene, Einzeldosis pro Gelenk:
Gelenk Dosis i.a.
Finger-/Zehengelenk bis 10 mg
Schulter-/Ellenbogengelenk 20 mg
Hüft-/Kniegelenk 20–40 mg
  • Mehrere Gelenke: insgesamt bis 80 mg pro Sitzung
  • Für kleine Dosen Suspension mit 10 mg/ml; Erguss vor Injektion aspirieren
  • Erneute Injektion frühestens nach 3–4 Wochen; höchstens 3–4 Injektionen pro Gelenk/Jahr
  • Triamcinolonacetonid-FI, Abschnitte 4.1–4.4

Zum Steckbrief Triamcinolonacetonid – Erwachsene, Einzeldosis pro Gelenk:

Triamcinolonhexacetonid – Erwachsene, Einzeldosis pro Gelenk:
Gelenkgröße Dosis i.a.
Klein 2–5 mg
Mittel 5–10 mg
Groß 10–20 mg
  • Triamcinolonhexacetonid-FI, Abschnitt 4.2

- **Therapieziel und Kontrollen:** gemeinsame Festlegung; Präferenzen, Funktion und Begleiterkrankungen

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Weitere csDMARD-Optionen · Hydroxychloroquin; MTX + Sulfasalazin + Hydroxychloroquin · Alternative

Zum Steckbrief Weitere csDMARD-Optionen

csDMARD-Strategie
  • Hydroxychloroquin: allenfalls ausgewählte sehr milde RA; initial bis 400 mg p.o./d, bei Ansprechen nach 3 Monaten 200 mg/d; Retinasicherheit ≤5 mg/kg tatsächliches Körpergewicht/d; fehlende Besserung nach 6 Monaten → Beendigung
  • csDMARD-Kombination: ausgewählte Situationen; MTX + Sulfasalazin + Hydroxychloroquin (O’Dell) keine bevorzugte Erst- oder Eskalationsstrategie

Cave: Retinopathie / QT-Verlängerung; Makulopathie laut FI kontraindiziert

  • DGRh Wechselwirkung 2023: Azithromycin meiden; FI: Tamoxifen-Kombination nicht empfohlen; weitere Interaktionen
  • DGRh Antimalaria 2020: Dosierung nach tatsächlichem Körpergewicht; Augen-, Muskel- und Herzmonitoring
  • DGRh Wechselwirkung 2023: Eisen zeitlich getrennt einnehmen; bei Digoxin Wirkung/ggf. Spiegel kontrollieren; weitere Interaktionen

Monat 3: ≥50 % Reduktion der Krankheitsaktivität · Monat 6: Remission oder LDA · Zielverfehlung → Adhärenz-, Dosis- und Entzündungsprüfung → Therapieanpassung

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Unzureichende Wirksamkeit von MTX / csDMARDs

csDMARD (möglichst MTX) ergänzen um TNFi, IL-6Ri oder Abatacept

JAKi: weitere Option nach individueller Risikoabwägung

  • Monotherapie: IL-6Ri oder JAKi bevorzugt erwägen; JAKi-Risikoselektion; MTX-Unverträglichkeit ≠ generelle csDMARD-KI
  • Weiteres csDMARD: ggf. nach DGRh 2026; fehlende weitere ungünstige Prognosefaktoren, passende Gesamtsituation; keine obligate zweite csDMARD-Therapie
TNFi · Adalimumab, Etanercept, Certolizumab pegol, Golimumab + MTX, Infliximab + MTX · Nach

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unzureichender csDMARD-Wirksamkeit

Cave: schwere Herzinsuffizienz (NYHA III/IV)

  • Adalimumab: 40 mg s.c. alle 2 Wochen
  • Etanercept: 50 mg s.c. einmal wöchentlich; alternativ 25 mg zweimal wöchentlich
  • Certolizumab pegol: 400 mg s.c. Woche 0, 2, 4; danach 200 mg alle 2 Wochen; nach bestätigtem Ansprechen alternativ 400 mg alle 4 Wochen
  • Golimumab: 50 mg s.c. einmal monatlich; + MTX
  • Infliximab i.v.: 3 mg/kg Woche 0, 2, 6; danach alle 8 Wochen; + MTX
  • Kombination: vorzugsweise + MTX; Golimumab/Infliximab bei RA obligat + MTX
  • Monotherapie: ggf. Adalimumab/Etanercept/Certolizumab bei MTX-Unverträglichkeit/- Ungeeignetheit

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Praxistipp: TNFi in Kombination mit Leflunomid sind in der Regel unwirtschaftlich (Regressrisiko).

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IL-6Ri · Tocilizumab, Sarilumab · Nach unzureichender csDMARD-Wirksamkeit

Cave: Divertikulitis / Perforationsrisiko, Mechanistische CRP-Suppression

  • Tocilizumab: 162 mg s.c. einmal wöchentlich; alternativ 8 mg/kg i.v. alle 4 Wochen, höchstens 800 mg/ Infusion
  • Sarilumab: 200 mg s.c. alle 2 Wochen
  • Auswahl: vorzugsweise + MTX; bei notwendiger Monotherapie bevorzugt erwägen
  • Aktivitätsbeurteilung: Gelenkstatus / ggf. CDAI

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Abatacept + MTX · Nach unzureichender csDMARD-Wirksamkeit · Monotherapie (Off-Label)
  • Abatacept: 125 mg s.c. einmal wöchentlich; + MTX
  • I.v. alternativ: <60 kg: 500 mg; 60–100 kg: 750 mg; >100 kg: 1.000 mg; Woche 0, 2, 4, danach alle 4 Wochen
  • Auswahl: nach csDMARD-Versagen; RA-Monotherapie (Off-Label)

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JAKi · Upadacitinib, Tofacitinib, Baricitinib, Filgotinib · Nach unzureichender csDMARD-Wirksamkeit ·

Zum Steckbrief JAKi

Sicherheitsselektion

Cave: MACE-/Malignom-/VTE-Risiko; Auswahlbeschränkungen

  • Nur ohne geeignete Alternative: ≥65 Jahre; aktuelles/früheres langjähriges Rauchen; erhöhtes kardiovaskuläres-/Malignomrisiko
  • VTE-Risiko: besondere Vorsicht
  • Upadacitinib: 15 mg Retard p.o. einmal täglich
  • Tofacitinib: 5 mg p.o. zweimal täglich; alternativ 11 mg Retard p.o. einmal täglich
  • Baricitinib: 4 mg p.o. einmal täglich; 2 mg bei ≥65 Jahren, erhöhtem VTE-/MACE-/Malignomrisiko, chronischen/rezidivierenden Infektionen oder CrCl 30–60 ml/min
  • Filgotinib: 200 mg p.o. einmal täglich; 100 mg bei ≥65 Jahren, erhöhtem VTE-/MACE-/Malignomrisiko oder CrCl 15–<60 ml/min
  • Kombination: möglichst + MTX; notwendige Monotherapie → geeignete Option
  • bDMARD + JAKi / zwei JAKi: keine Kombination
  • Tofacitinib – FI: starke CYP3A4-Hemmung oder mäßige CYP3A4-/starke CYP2C19-Hemmung → 5 mg Filmtablette einmal täglich statt 5 mg zweimal täglich / 11 mg Retard; z. B. Ketoconazol / Fluconazol
  • Upadacitinib – FI: starke CYP3A4-Hemmer → 15 mg/d mit Vorsicht; Grapefruit vermeiden
  • Baricitinib – FI: bei Probenecid-Kombination 2 mg/d
  • Filgotinib – FI: bei Itraconazol/Rifampicin keine Dosisanpassung
  • Weitere Interaktionen / Organfunktion: substanzbezogene Anpassungen

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Anakinra + MTX · Nachgeordnete Option bei unzureichender MTX-Wirksamkeit
  • Anakinra: 100 mg s.c. einmal täglich; + MTX; unzureichende Wirksamkeit von MTX allein; CrCl <30 ml/ min → ggf. jeden zweiten Tag
  • Einordnung: RA-Zulassung; keine bevorzugte Standardeskalation
  • ANC <1,5 ×10⁹/l: kein Beginn / Beendigung

Ab Therapieanpassung · Monat 3: ≥50 % Reduktion der Krankheitsaktivität · Monat 6: Remission oder LDA · Zielverfehlung → Adhärenz-, Dosis- und Entzündungsprüfung → Therapieanpassung

Zum Steckbrief Anakinra + MTX

Unzureichende Wirksamkeit von Biologika / JAKi

  • Vor Wechsel: Restentzündung, Adhärenz, Dosierung, alternative Beschwerdeursachen
  • Nach erstem bDMARD: TNFi, IL-6Ri, Abatacept oder JAKi nach Risikoabwägung; innerhalb derselben Klasse: zweiter TNFi / IL-6Ri; Rituximab + MTX bei schwerer aktiver RA nach TNFi-Versagen/- Unverträglichkeit
  • Nach JAKi: bDMARD aus den genannten Optionen; ggf. zweiter JAKi – begrenzte Evidenz: Beobachtungsdaten
  • Zwei erfolglose Vertreter derselben Klasse → Mechanismuswechsel
  • Diskordante Scores: vor DMARD-Eskalation Restentzündung prüfen; routinemäßiges Therapeutic Drug Monitoring nicht erforderlich
Rituximab + MTX · Nach TNFi-Versagen / -Unverträglichkeit

Cave: HBV-Reaktivierung

  • Einsatz: schwere aktive RA; unzureichende Wirksamkeit/Unverträglichkeit anderer DMARDs einschließlich ≥1 TNFi; + MTX
  • Rituximab: 1.000 mg i.v. Tag 1 und Tag 15; Wiederbehandlungsbedarf nach 24 Wochen; bei Restaktivität erneuter Zyklus, sonst Aufschub bis zur Rückkehr der Aktivität
  • Prämedikation: Antipyretikum + Antihistaminikum; 100 mg Methylprednisolon i.v., abgeschlossen 30 Minuten vor jeder Infusion
  • Abweichende Regime: reduzierte 500-mg-Zyklen / Einsatz vor erfüllter TNFi-Vorbehandlung (Off-Label)

Nach Wechsel · Monat 3: ≥50 % Reduktion der Krankheitsaktivität · Monat 6: Remission oder LDA · Zielverfehlung → Adhärenz-, Dosis- und Entzündungsprüfung → Therapieanpassung

Zum Steckbrief Rituximab + MTX

Deeskalation

  • Remission / LDA: Fortführung der wirksamen Therapie
  • Reihenfolge: zuerst GK-Absetzen; nach ≥6 Monaten stabiler Remission ggf. schrittweise DMARD-Reduktion; Fortführung bevorzugt
  • Reduktion: schrittweise Dosisreduktion / Intervallverlängerung; keine generelle Präferenz csDMARD vs. b/ tsDMARD; präparatabhängig ggf. (Off-Label)
  • Kontrollen: engmaschige Aktivitätsbeurteilung; Reintensivierung bei Flare; vollständiges DMARD-Absetzen kein Routineziel

Erwachsenenregime: MTX nach DGRh 2026; präparatbezogene Unterschiede · Weitere Applikationsformen, Dosisanpassungen und Sicherheitshinweise: Medikamente

Monitoring und Sicherheit

Aktive RA alle 1–3 Monate klinisch und mit validiertem Gelenkscore beurteilen
Therapieziel
anhaltende Remission; bei langjähriger RA alternativ niedrige Krankheitsaktivität (LDA)
Sicherheitslabor präparatbezogen; bei Kombinationen alle relevanten Kontrollvorgaben einhalten
Infektions-, Impf-, CV-/VTE-, Malignom-, Knochen- und Reproduktionsrisiken aktiv berücksichtigen
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Therapieziel und Aktivitätsbeurteilung

  • Therapieziel: anhaltende Remission; bei langjähriger RA alternativ niedrige Krankheitsaktivität (LDA)
  • Monat 3: ≥50 % Reduktion der Krankheitsaktivität gegenüber dem Ausgangswert als T2T-Leitplanke; Beurteilung scoreabhängig
  • SDAI/CDAI: validierte relative Response; DAS28: EULAR-Response aus Veränderung und erreichtem Aktivitätsniveau, keine schematische 50-%-Halbierung
  • Anhaltende Remission für Deeskalation: durchgehend ≥6 Monate; LDA allein keine gleichwertige Voraussetzung
  • SDAI: TJC28 + SJC28 + Patient Global 0–10 + Physician Global 0–10 + CRP in mg/dl
  • CDAI: gleiche Summe ohne CRP
Aktivitätszustand SDAI CDAI
Remission ≤3,3 ≤2,8
Niedrig >3,3 bis ≤11 >2,8 bis ≤10
Moderat >11 bis ≤26 >10 bis ≤22
Hoch >26 >22

SDAI und CDAI berechnen

  • ACR/EULAR-Remission 2022 (Boolean 2.0): TJC28 ≤1, SJC28 ≤1, CRP ≤1 mg/dl (=10 mg/l) und Patient Global ≤2/10, alle gleichzeitig; in der klinischen Praxis Variante ohne CRP möglich
  • Unter IL-6-/JAK-Hemmung CRP-dominierte Aktivitätsscores kritisch interpretieren; klinischen Gelenkstatus, ggf. CDAI heranziehen
  • Füße/Sprunggelenke und symptomatische Gelenke zusätzlich untersuchen: Ein 28-Gelenke-Score bildet nicht jedes aktive Gelenk ab
  • Funktion, Strukturschaden, Schmerz und Fatigue neben dem Aktivitätsscore erfassen; bei stabil erreichtem Ziel Intervalle individuell verlängern.

Infektionsscreening und Impfungen

  • Vor b/tsDMARD TB-Screening, bevorzugt IGRA, Thoraxbildgebung – EULAR Infektionen 2022; vor csDMARD/weiterer Immunsuppression risikoadaptiert
  • HBV-Status mit HBsAg, anti-HBc, anti-HBs vor antirheumatischer Immunsuppression; bei positivem Befund HBV-DNA und fachübergreifenden Prophylaxe-/Monitoringpfad festlegen, besonders vor RTX
  • HCV-Screening erwägen, bei erhöhten ALT oder Risikokonstellation empfohlen; bei positiver HCV-RNA antivirale Mitbehandlung
  • HIV-Screening vor bDMARD empfohlen; vor tsDMARD/csDMARD/anderen Immunsuppressiva oder GK je Konstellation erwägen
  • Impfstatus möglichst vor Therapiebeginn aktualisieren; Totimpfstoffe grundsätzlich möglich, Lebendimpfungen bei relevanter Immunsuppression gesondert planen
  • Bei neuer schwerer Infektion Therapiepause nach FI; abgeschwächtes CRP unter IL-6-/JAK-Hemmung beachten.

Spezifisches Medikamentenmonitoring

  • Leflunomid: Blutdruck vor Beginn und regelmäßig im Verlauf
  • Hydroxychloroquin: Augenbasis Monat 0–6 – DGRh Antimalaria 2020; jährlich ab dem 5. Therapiejahr, bei Risikofaktoren ab Beginn – DOG Augen 2025. FI-Abweichung: Kontrollen vor Beginn und alle 3 Monate; Details
  • Hydroxychloroquin – DGRh Antimalaria 2020: CK/LDH vor Beginn und alle 3–6 Monate; neue Schwäche/ Dysphagie oder kardiale Auffälligkeit → gezielte Abklärung
  • Rituximab: IgG vor Beginn und vor jedem weiteren Zyklus
  • IL-6Ri: klinische Aktivität und Infektionszeichen trotz mechanistischer CRP-Suppression beurteilen

Weitere Kontrollen und Dosisanpassungen: Methotrexat · Tocilizumab · Sarilumab · Upadacitinib · Medikamentenübersicht DGRh Antimalaria 2020 · DOG Augen 2025

JAK-Risiken und Komorbiditäten

  • EMA: bei ≥65 Jahren, bestehender atherosklerotischer CV-Erkrankung/anderen CV-Risikofaktoren, aktuellem oder früherem langjährigem Rauchen oder erhöhtem Malignomrisiko nur einsetzen, wenn keine geeignete Alternative verfügbar ist
  • VTE-Risikofaktoren eigener Vorsichtspfad; Symptome einer Thrombose/Embolie unverzüglich abklären
  • Chronische/rezidivierende Infektionen, Herpes zoster, Hauttumorrisiko und kombinierte Immunsuppression berücksichtigen
  • Raucherentwöhnung, Bewegung/Physiotherapie, Blutdruck, Lipide, Gewicht, Stoffwechsel und risikoadaptierte Osteoporoseprävention in den Versorgungspfad integrieren
  • Fatigue zusätzlich auf Schlaf, Stimmung, Schmerz und Dekonditionierung prüfen; alleinige Fatigue begründet keine JAK-Präferenz oder DMARD-Eskalation
  • Unerklärte Transaminasenerhöhung unter Immunsuppression: neben Arzneimitteltoxizität auch HEV differenzialdiagnostisch berücksichtigen.

Arthralgie und RA-Risikostadium

Ohne klinische Arthritis keine Gleichsetzung mit manifester RA
EULAR/ACR-Risikostratifikationskriterien 2025 publiziert, aber kein Diagnose- oder Therapieautomatismus
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Risikobeurteilung

  • Zielpopulation: Arthralgie in fachärztlicher Versorgung ohne klinische Arthritis und ohne bessere andere Erklärung
  • Klinisch/serologisch: Dauer der Morgensteifigkeit, patientenberichtete Gelenkschwellung, erschwerter Faustschluss, CRP, RF und ACPA
  • MRT-Erweiterung mit definierten Tenosynovitiden an Handgelenken, MCP und MTP; US-Befunde nicht als identische Ersatzpunktzahl einsetzen
  • Originalscore 0–26 ohne MRT beziehungsweise 0–42 mit MRT; Risikovorhersage auf Entwicklung entzündlicher Arthritis innerhalb eines Jahres bezogen
  • Morgensteifigkeit ≥60 Minuten: 4 Punkte. Genau 30 Minuten: Originalkategorien überlappen; Zuordnung unklar
  • Bei isolierter Seropositivität/erhöhtem Risiko keine regelhafte präventive DMARD-Therapie; klinische Kontrolle, bei neuer Gelenkschwellung zeitnahe Reevaluation

RA-assoziierte interstitielle Lungenerkrankung

RA-ILD interdisziplinär mit Pneumologie behandeln
Stabile RA-ILD allein ist kein pauschaler Grund zum MTX-Absetzen
Bei progressiver Fibrose Antifibrotika ergänzend zur Entzündungskontrolle früh prüfen
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Abklärung und Behandlung

  • Husten/Dyspnoe, Auskultation, Lungenfunktion einschließlich DLCO und HRCT nach Risikoprofil/Befund; Verlauf und Progression im CTD-ILD-Pfad beurteilen
  • MTX-Pneumonitisverdacht: MTX pausieren und akut abklären. Stabile RA-ILD ist eine andere Konstellation
  • MTX ist keine gezielte ILD-Erstlinientherapie; Auswahl der immunmodulatorischen ILD-Therapie nach Phänotyp und fachübergreifender Beurteilung
  • Weder DGRh 2026 noch EULAR 2025 begründen eine generelle Vorrangstellung eines bestimmten immunmodulatorischen Wirkprinzips für jede RA-ILD
  • DGRh 2026: bei progredienter RA-ILD Antifibrotika frühzeitig in Kombination mit antiinflammatorischer Therapie einsetzen; EULAR 2025 allein bildet den ILD-Pfad nicht vollständig ab
  • Nintedanib bei entsprechend progredient fibrosierender ILD zugelassen; Pirfenidon bei RA-ILD (Off-Label)
  • Nerandomilast: regulatorisches Update, EU-Zulassung 15.07.2026; zugelassene Lungenfibrose-Konstellation und aktuelle FI prüfen.
  • Konkrete ILD-Regime und Verlaufskriterien im CTD-ILD-Modul.

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

EULAR Schwangers 2024

Kurzfassung

  • Schwangerschaft bei kontrollierter Erkrankung und geeigneter Therapie planen
  • EULAR 2025-Empfehlung und Fachinformation bei MTX ausdrücklich unterscheiden
  • TNFi bei Bedarf während der gesamten Schwangerschaft möglich; Säuglingsimpfungen separat planen

Präparatebezogene Planung

  • MTX bei Frauen: EULAR Schwangers 2024-Absetzen 1–3 Monate vor Konzeption; geprüfte Methotrexat-FI verlangt Kontrazeption während und sechs Monate nach Therapie
  • MTX bei Männern: EULAR Schwangers 2024 ≤25 mg/Woche bei Kinderwunsch fortführbar; geprüfte Methotrexat-FI verlangt Kontrazeption während und drei Monate nach Therapie. Anwendung gegen den betreffenden FI-Vorbehalt (Off-Label)
  • Stillzeit: MTX laut FI kontraindiziert; EULAR Schwangers 2024 ≤25 mg/Woche nur ausnahmsweise erwägbar, wenn keine geeignete stillkompatible Alternative möglich ist (Off-Label)
  • HCQ/SSZ und bei Bedarf TNFi als kompatible Optionen nach EULAR 2025; LEF-Washout und JAK-Vermeidung gesondert berücksichtigen
  • Alle bDMARDs nach EULAR Schwangers 2024 als stillkompatibel eingestuft, mit unterschiedlicher Evidenz; produktspezifische Abweichungen bei der Beratung berücksichtigen
  • Säuglingsimpfungen: EULAR Schwangers 2024 erlaubt Rotavirus nach üblichem Schema nach TNFi-Exposition; Infliximab-FI mit eigener Lebendimpfregel bis zwölf Monate und definierten Ausnahmen.
  • Vollständige Wirkstofflisten, Fristen, Still- und Säuglingsimpfregeln im Reproduktionsmodul.

Quellen und Links

  • EULAR recommendations for the management of rheumatoid arthritis with synthetic and biologic disease-modifying antirheumatic drugs: 2025 update. Ann Rheum Dis 2026.
  • Therapie der rheumatoiden Arthritis mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten. DGRh/AWMF S3-Leitlinie 060-004, Version 3.0, Stand 16.08.2026. Langfassung.
  • 2010 Rheumatoid arthritis classification criteria: an American College of Rheumatology/European League Against Rheumatism collaborative initiative. Aletaha et al.
  • EULAR/ACR risk stratification criteria for development of rheumatoid arthritis in the risk stage of arthralgia. 2025.
  • EULAR definition of erosive disease in light of the 2010 ACR/ EULAR rheumatoid arthritis classification criteria. 2013.
  • American College of Rheumatology/EULAR remission criteria for rheumatoid arthritis: 2022 revision.
  • EULAR recommendations for use of antirheumatic drugs in reproduction, pregnancy, and lactation: 2024 update. Rüegg et al.; Ann Rheum Dis 2025;84:910–926.
  • ERS/EULAR clinical practice guidelines for connective tissue disease-associated interstitial lung disease. Antoniou et al.; Eur Respir J 2026;67:2402533.
  • 2022 EULAR recommendations for screening and prophylaxis of chronic and opportunistic infections in adults with autoimmune inflammatory rheumatic diseases. Fragoulis et al.; Ann Rheum Dis 2023;82:742–753.
  • Bewertung von Wechselwirkungen und Dosierungsempfehlungen von synthetischen DMARDs – Evidenz- und konsensbasierte Empfehlungen auf Basis einer systematischen Literatursuche. Fiehn et al.; Z Rheumatol 2023;82:151–162.
  • Sicherheitsmanagement der Therapie mit Antimalariamitteln in der Rheumatologie. Interdisziplinäre Empfehlungen auf der Basis einer systematischen Literaturrecherche. Fiehn et al.; Z Rheumatol 2020;79:186–194.
  • Augenärztliche Screening-Untersuchungen bei Therapie mit Chloroquin oder Hydroxychloroquin. DOG/BVA/RG; S1-Leitlinie, AWMF 045-016, Juli 2025.
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